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Willkommen bei den Hovawarten vom Bairischen Blues

 

 

RZV-LogoVDH-LogoWir züchten im Rassezuchtverein für Hovawarthunde e.V (RZV), einem Mitglied des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH) und der Fédération Cynologique International (FCI).

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8. Woche (19.04. - 24. 04. 2017)

Mittwoch, 19. April 2017

Schnee im WelpengartenSchnee für die HallodrisBeginnen wir die letzte Hallodri-Woche mit den wichtigsten Informationen zuerst. Hetty ist wieder wohlauf, putzmunter, frisst wie eh und je und mischt ihre Geschwister auf. Und zweitens: Es ist Winter. Es liegt Schnee im Paradies und es schneit weiter, immer wieder unterbrochen durch Schneeregen- und Graupelschauer. Man könnte nun klagen und das ungütige Schicksal vermaledeien, aber das tun wir nicht; wir hatten bisher die längste Zeit ideales Welpenwetter und außerdem hilft uns dieses Wetter, die Hallodris auch noch mit dem Winter bekannt zu machen. Sozialisierung so weit unser langer Arm reicht, und der reicht offenbar bis in die universale Wetterküche. Für unsere Welpen tun wir alles und sind uns für nichts zu schade.

Nach den tagesaktuellen Meldungen wenden wir uns der Routine zu, der Waage. 2860 Gramm bringen die Hallodris heute mehr auf die Waage, und es hat sich in der Reihenfolge eigentlich nichts verändert – wenn man davon absieht, dass Hetty vom 5. auf den 9. Platz durchgereicht wurde. Die abendliche Mehrfachübergabe hat sie mächtig Substanz gekostet.

Das kommentarlose Ergebnis: 1. Hallodri (6700, +330), 2. Hartl (6220, +240), 3. Hobo (6130, +310), 4. Hugo (6100, +330), 5. Hakuna (5750, +180), 6. Harpo (5730, +230), 7. Halina (5690, +210), 8. Hias (5680, +220), 9. Hetty (5670, +40), 10. Hedda (5500, +370), 11. Hubsi (5100, +400). Mit einem gewaltigen Satz wuchtet sich Hubsi über die Fünf-Kilo-Hürde, und auch Hedda lässt wissen, dass sie sich noch nicht für alle Zeiten mit dem Vor-Hubsi-Platz abfinden will.

Die Hallodris fahren ins GrüneTaxi ins GrüneWas zur oben hochgelobten Sozialisierung noch fehlt, ist eine Fahrt oder ein Spaziergang ins Grüne. Bis einschließlich zum F-Wurf konnten wir mit unserem Nachwuchs aus dem Haus und ein paar Meter um die Ecke gehen, und schon waren sie mitten im Grünen. Heute ist das Grüne zwar noch immer da, aber gleich nebenan auch eine neue Siedlung mit dem zugehörigen Verkehr. Elf Welpen auf diesem, wenn auch kurzen, Straßenabschnitt unfallfrei auf die Wiese zu bringen, ist zu riskant. Deshalb müssen wir etwa drei Kilometer fahren. Dort gibt es Wiesen, Felder und einen Modellflugplatz mit Parkplatz, ohne eine Straße in unmittelbarer Nähe. Außerdem nuschelt dort noch ein Bächlein durch die Wiesen, in dem die Hallodris auch mal baden gehen können, Harpo vom Bairischen BluesHarpo: "So, wo samma?"auch Die Überquerung des WassergrabensDie Überquerung des Wassergrabensim übertragenen Sinne, weil das Bächlein in einem Graben verläuft, in den man kopfüber purzeln kann. Alles in allem also beste Bedingungen für einen Wandertag. Problem 1: In unserem französischen Kleinwagen bringen wir keine elf Hallodris unter, wie früher im Carnival. Lösung: Hias' zukünftiges Hauspersonal bietet seinen T5 als Taxi und sich als Begleitung an. Angenommen. Problem 2: Das Wetter. Schneefall, Schneeregen und Graupel sind suboptimale Voraussetzungen für ein frohgemutes Stelldichein im Wald und auf der Weide. Lösung: Das WiesenwanderungAnspruchsvolles GeländeNHubsi vom Bairischen BluesHubsiiederschlagsradar der Chefin prophezeit für 11 Uhr eine größere Wolkenlücke, somit genug Zeit für einen nicht zu ausgedehnten Spaziergang, der sowieso nicht auf dem Programm steht. Kurz vor 11 Uhr fahren die vier Hiasls vor und die Hallodris werden verladen. Und los geht es. Die Hallodris sind sehr angetan und wenig aufmüpfig. Nach ein paar Minuten parken wir am Modellflugplatz, öffnen die Schiebetür des Transporters – und die elf hüpfen einer nach der anderen heraus, als erster der spärliche Hubsi. Und dann geht sie los, die Reise ins Ungewisse. Ein Sack Flöhe ist wenig herausfordernder als elf Heranwachsende zwischen Fluchtreflex nach Hause und dem Bedürfnis, sich in den SchneespaziergangAbwettern im SchneesturmGrSchneespaziergangaben stürzen zu wollen. In dieser Situation, die uns natürlich nicht fremd ist, sind wir für die acht Hände und Arme der Hiasls sehr dankbar. Wir bugsieren die Bande über einen schmalen Übergang hinüber auf eine ziemlich hochbewachse Wiese, was die Ortung der Hallodris noch schwieriger macht, weil sie in diesem Bewuchs fast verschwinden, dafür aber muskelkräftigende Sprünge machen müssen, um sich voran zu bewegen. Und dann setzt der Schneefall und der Graupel ein. Fragende Blicke in Richtung Chefin und deren Niederschlagsradar. Der Vize hat, aus schlechten Erfahrungen weise geworden, schon frühzeitig vor diesem Wetterpropheten gewarnt, aber wenn die Chefin an etwas glaubt, lässt SchneespaziergangAuslaufen auf dem Flugplatzsie sich darin nicht irre machen, auch wenn ihre Umgebung irre wird. Bald rotten sich die Hallodris wie eine Herde Büffel im nordamerikanischen Schneesturm zusammen, um sich zu schützen und zu wärmen. Doch wer ein echter bayerischer Hallodri sein will, muss auch unter einer Schneedecke überleben können. Weiter geht es, hundert Meter nördlich wieder zurück über den Graben und den Bach, immer auf der Hut, dass nicht doch noch ein Hallodri einen Köpfer macht, und nach einer halben Stunde werden alle wieder wohlbehalten verladen und ins Hallodri-Paradies chauffiert.

 

Hias vom Bairischen BluesDas habt ihr toll gemacht, HiasGut Hias vom Bairischen BluesHias hebt abhaben sie es gemacht, zusammen haben sie es gemeistert. Und wir danken den Hiasls für ihren Taxi-Service und ihre Unterstützung beim Flöhehüten. Nun hoffen wir, zu Hause ein wenig Ruhe zu haben, doch die Bande ist keineswegs ausgelastet und erschöpft, sondern tobt im Garten völlig befreit und quietschfidel weiter. Die sind einfach nicht tot zu kriegen.

Ein beliebter Stresstest für Welpen ist die Begegnung mit einer Rettungsfolie; erstens glitzert sie so erbarmungslos, zweitens knistert sie höllisch unter den Füßen und drittens muss sie sich Spiel mit der RettungsfolieDie Rettungsfolieunter Hobo vom Bairischen BluesHobo sichert sich ein Stück Foliediesen zarten, noch unbewehrten Welpenfüßen äußerst unangenehm anfühlen. Die Hallodris erledigen das Problem auf ihre Weise: Sie stürzen sich gemeinsam auf sie und zerlegen das glitzernde Bärenfell binnen Minuten. Ende. Keine Rettung für die Rettungsfolie. Wir fragen uns, wie diese Folie schon zwei Würfe überstehen konnte? Nun ist sie hin, hallodrisiert sozusagen. 

Spät nachts scheint dann allerding doch ein ohnmachtsähnlicher Schlaf über die Hallodris gekommen zu sein, denn als der Vize gegen Mitternacht seinen Kontrollgang macht, regt sich nichts in der Schlafküche. Selbst im Weg und in der Tür liegende Hallodris, die beiseite geschafft werden müssen, grunzen nur kleinlaut und schlafen am neuen Ort ungestört weiter. Die Küche präsentiert sich zudem als eine Art Reinstraum: Keine Lache, kein Haufen. Die Hallodris haben nichts mehr herzugeben, selbst Darm und Blase liegen im Tiefschlaf.

Dem Vize soll es recht sein. Die Chefin wird morgen früh ihr Glück kaum fassen können.

 

Donnerstag, 20. April 2017

Bis um 6 Uhr dringt kein Laut an unsere Ohren, die Hallodris halten sich bedeckt, was möglicherweise darauf zurückzuführen ist, dass heute Führers Geburtstag ist, und wer möchte da schon zu früh (oder überhaupt) beim Jubeln erwischt werden. Oder sie sind schon alle stoned, denn schließlich ist heute auch Welt-Cannabis-Tag (420-Day) und sie halten sich an Bob Dylans Refrain dazu: Everybody must get stoned. Wie dem auch sei: Um 6 Uhr ist es mit ihrer Zurückhaltung vorüber und sie jubeln und sind offenbar herzerweichend stoned.

Stoned oder stunned ist kurz darauf auch die Chefin, die sich praktisch mit den ersten Lautmeldungen aus ihrem Bett wirft und ins Erdgeschoss stürzt, als sie mit 20 Endmoränen konfrontiert wird. Zwanzig! Irgendwann zwischen Mitternacht und 6 Uhr müssen die Hallodris gleich zweimal aktiv gewesen zu sein. Immerhin aber lautlos, um unseren Schlaf nicht zu sabotieren. Ein gewisses Glücksgefühl, wenn man das unter diesen Umständen unterstellen darf, bemächtigt sich der Chefin dennoch, weil die 20 Stuhlproben alle von fester und gesunder Konsistenz sind.

Hubsi vom Bairischen BluesHubsiDie nächste Überraschung wird ihr beim Wiege-Akt bereitet: 710 Gramm Gewichtszunahme. Das ist glatt ein Viertel der gestrigen Leistung. Auf diesem Niveau haben wir uns vor einem knappen Monat zuletzt bewegt. Dabei machen die Hallodris absolut keinen hinfälligen Eindruck, aber offensichtlich haben die Eindrücke und Ereignisse des gestrigen Tages kräftig an ihrer Substanz gezehrt. Dazu kam das sehr frische Wetter, bei dem man viel verbrennen muss und nur wenig anlagern kann, um aktiv zu bleiben. Gleich vier Hallodris liefern eine Nullnummer: Der Ober-Hallodri selber, dem auch ein Askesetag nichts anhaben kann (6700, 1. Platz), dann die beiden Verfolger Hartl und Hobo, die eine gute Gelegenheit verstreichen ließen, dem Hallo auf die Pelle zu rücken, und auch noch von Hugo überholt wurden, der mit 140 g für die Verhältnisse des gestrigen Tags kräftig zulangte (6240, 2. Platz). Damit Hobo vom Bairischen BluesHoborutschen Hartl und Hobo auf den 3. und 4. Platz. Die vierte Nullnummer leistet sich ausgerechnet Hubsi, der seiner korrektiven mendelschen Mission treu bleibt und den gesamten Verband im stabilen Gleichgewicht hält. Der Tagesprofiteur ist Harpo mit 190 g (wahrscheinlich hat er sich den ganzen Tag im Windschatten seiner Geschwister herumgetrieben), der damit auf den 5. Platz nach vorne rückt: 5920 Gramm. Halina (5790) und Hedda (5600) schultern gemeinsam und jede für sich 100 g und behalten ihre Plätze sieben und zehn. 90 g mehr bringt Hias auf die Waage (5770, 8. Platz), damit überholt er Hetty, die nur 40 g schafft (5710, 9. Platz). Hakuna kann auch nur 50 g bieten (5800), was sie wegen Harpos 190 g auf Platz sechs fallen lässt. Wirklich viel ist also in der Statistik nicht passiert, was wir auch für den Rest der Hallodri-Tage nicht mehr erwarten. Die großen Linien sind gezeichnet, Hubsi wird kein Hallodri mehr und der Hallo wird nicht mehr einbrechen. Dazwischen wird es noch ein paar eher zufällige Korrekturen geben, und das wird es dann auch gewesen sein.

Die aktuelle Wetterlage von -2° C morgens und nicht mehr als 5° C tagsüber, bei wechselnden Schneeschauern, könnte morgen für ein ähnliches Wiegeprotokoll sorgen, allerdings stehen heute nicht annähernd so Substanz zehrende Aktivitäten auf dem Plan. Aber die Hallodris verbringen viel Zeit draußen, weil ihnen die Kälte nichts ausmacht, wovor man sie schützen muss ist die Nässe. Da heute kein kräftiger Wind weht, der die Schneeschauer unter den Balkon und ins Hallodri-Lager treibt, können sie sich heute wieder ziemlich viel im Freien herumtreiben.

Es drückt uns noch ein Schuh: Die Welpenportraits, jene, die für die Ordner gedacht sind und die Welpen ein ganzes Leben lang identifizieren werden, im Internet und überall. Es sind die im Bild eingefrorenen letzten Eindrücke von unseren Welpen, bevor wir sie in die Welt hinaus schicken. Diese Portraits machen wir immer in der letzten Woche und so spät, wie möglich. Und sieben Würfe lang haben wir die Portraits auf der Wiese, Hedda vom Bairischen BluesHedda bei der Wiesn-Probegleich um die Ecke, gemacht, auf der wir früher auch unsere ersten Spaziergänge unternommen haben. Nun stellt sich zwar nicht das Problem, dass wir die Zwerge, wegen des Verkehrs, nicht dort hinüber bringen wollen, weil wir sie sowieso einzeln dorthin tragen würden, nein, das Problem ist die hohe Wiese, die ungefähr so hoch ist wie die Ausflugswiese gestern. Bei diesem Bewuchs kann man auf dem Bild keinen Welpen mehr erkennen. Die Chefin hat Hedda kurz hinüber geführt und die Wiese getestet und kommt sehr ernüchtert zurück. Wo machen wir die Portraits? Im Garten? Niemals, dort steht zu viel Gerümpel herum, außerdem sind die Lichtverhältnisse selten befriedigend. Wieder hinüber zum Modellflugplatz? Alle zusammen? In welchem Auto? Vor allem: Wie werden die Zwerge einen mindestens einstündigen, langweiligen Aufenthalt im Auto wegstecken? Sie werden randalieren und keine gute Erinnerung ans Auto speichern. Kurz: keine Lösung. Wenn wir sie einzeln oder in Kleinstgruppen dorthin befördern, sind wir einen Tag beschäftigt. Auch keine Lösung. Wir vertagen das Problem, auch weil die aktuelle Wetterlage keinen Anlass zu einer schnellen Entscheidung gibt. Wir vertrauen darauf, dass sich irgendwo ein Türchen öffnen wird; man muss sich den Umständen beugen und insgeheim nach Möglichkeiten suchen. Mal sehen... Aber es beschäftigt uns, es rumort in uns. Welpen ohne Portraits wäre ein Bruch mit allen Traditionen des Bairischen Blues.

Hurra, die Post ist daHurra, die Post ist daDas Klingeln der Türglocke rettet uns aus den trüben Portrait-Gedanken. Hurra, hurra, die Post ist da und liefert die für die Welpenbesitzer georderten Futtersäcke. Warum wir denn noch so viel mehr Futter bräuchten als sonst, was ja eh schon reichlich wäre, will die Zustellerin keuchend wissen. Wir greifen ihr helfend unter die Arme und erklären ihr, warum. Jetzt will sie den Elferrat aber unbedingt sehen und wird ins Paradies eingeladen. Sekunden später ist sie von elf naseweisen und kontaktfreudigen Hallodris umzingelt, die an einer Postzustellerin noch nichts Anstößiges finden können, sondern sie ebenso herzlich begrüßen wie alle nicht uniformierten Besucher bisher auch.

Vielleicht ist dies ja einmal eine exzellente Gelegenheit, dem Mysterium der Opferrolle von Postzustellern den Schleier zu entreißen und allen Hundebesitzern den Schlüssel für die Lösung dieses uralten Rätsels an die Hand zu geben. Die Antwort heißt schlicht: Kein Hund attackiert Postzusteller, weil sie schlecht riechen, eine Uniform tragen oder bei der falschen Firma angestellt sind. Hunde spielen ihre Herrscherrolle aus, die sie in der Interaktion mit den Postzustellern erlernt haben.

Als Beispiel nehmen wir die Hallodris, die in wenigen Tagen ihr neues Heim beziehen werden. Und nun stellen wir uns vor, wie unser Hallodri in der Empfangshalle seiner 45-Zimmer-Villa liegt (darunter geben wir keinen Welpen ab) und sich langweilt. Dann hört er, wie ein Auto die gekieste Auffahrt herauf rollt und sich Schritte aufs Haus zu bewegen. Danach klappert etwas neben der Haustür. Der Hallodri weiß, dass er ein Wachhund werden soll, ist aber mit der Situation noch nicht im Reinen, deshalb belässt er es bei einem verschluckten und unterdrückten "Wmpf". Schnell bewegen sich die Schritte von der Tür weg, das Auto rollt davon. Am nächsten Tag läuft der gleiche Film wieder ab: Auto auf Auffahrt, Schritte zur Tür, Klappern, der Hallodri ermannt sich nun bereits zu einem drohenden "Wuff". Schnelle Schritte ab. Auto ab. Der Hallodri ist zufrieden. Am dritten Tag das gleiche, diesmal traut sich der Hallodri bereits ein kräftiges "Wau Wau" zu und ahnt, dass das da draußen ein besonderes Modell von Angsthase sein muss, wenn es immer Reißaus nimmt, sobald er, der kleine Hallodri, seine Stimme erhebt. Nach mehreren Wiederholungen ist der Hallodri Herr der Situation und das da draußen ein jämmerlicher Hosenscheißer. Zur Vollendung des für den Hallodri zufriedenstellend verlaufenen Rollenspiels, wünscht er sich nur noch, dem Waschlappen Aug in Aug gegenüber zu stehen und ihm eine Lektion zu erteilen. Tritt die Situation ein, zeigt der Hallodri, was in ihm steckt und kann auf die schicke Uniform des Zustellers oder der Zustellerin keine Rücksicht nehmen. Damit ist die Zusteller-Sozialisation unseres Hallodris, wie sie weltweit millionenfach stattfindet, vollendet. Eine klassische Konditionierung.

Und nun stellen wir uns vor, der / die Zusteller(in) öffnet bei der ersten Lautäußerung unseres Hallodris die Haustür und gibt ihm eine gepflegte Kopfnuss zwischen die Ohren. Dann würde die Zusteller-Konditionierung genau anders herum verlaufen und der Hallodri hätte beim Herannahen des Autos auf seiner gekiesten Auffahrt zukünftig den nötigen Respekt und würde sich weiterhin seiner Langeweile hingeben. Die dritte Variante wäre, dass dem Zusteller freundlich die Tür geöffnet und er oder sie hereingebeten würde, damit man sich mit dem neuen Hallodri bekanntmachen kann. Ein kleines Pläuschchen und eine Schmuserunde könnte sich anschließen und der Hallodri wäre fortan ein getreuer Follower seines Zustellers und aller seiner Nachfolger. Und weil wir wissen, dass 99,9 % der Hundehalter auf diese Sozialisation pfeifen, übernehmen wir das für sie: die freundschaftliche Zusteller-Konditionierung. Die ist im Preis inbegriffen. So sieht eine verantwortungsvolle Welpenaufzucht aus. Noch Fragen?

Hias vom Bairischen BluesHias, der Nachwuchs-PostillonIm Fall unserer Zustellerin läuft die Konditionierung geradezu vorbildlich, wenn man einmal davon absieht, dass sich Hias in der Hosentasche der Zustellerin an einem Benachrichtigungsformular vergreift und damit wie mit dem Goldenen Vlies durch den Garten tobt, und der Rest des Elferrats hinterher. Die Zustellerin selbst spielt fortan nur noch eine nachrangige Rolle im Sozialisierungsspiel, aber sie ist kein Mysterium vor der Haustür, sondern ein weiblicher Mensch aus Fleisch und Blut und keine besondere Aufmerksamkeit mehr wert. Züchter glücklich, Zustellerin glücklich, Hallodris aus dem Häuschen – alles bestens.

Aus dem Häuschen sind die Zwerge auch abends noch einmal, als die Chefin die preiswürdige Idee gebiert, Anouks Gitterbox in die Küche zu stellen, um die Hallodris auch einmal mit einem solchen Möbel bekannt zu machen. Die Box haben wir gekauft, damit die alte Anouk im Wohnmobil sicher liegen konnte. Doch Anouk lehnte die Hilfe ab und nahm sie auch nie wieder an, weil diese Reise ihre letzte werden sollte. Und nun vereinsamt das Möbel im Keller. Die Chefin erweckt es zum Leben, weil eine solche Box, wenn sie für einen Hund positiv belegt ist, ein idealer Rückzugsort sein kann. Die Hallodris sind sehr willig, diese Box für sich positiv zu belegen, indem sie sie zum Goldenen Kalb befördern und um sie herum einen Tanz aufführen, dass uns vor allem das Hören vergeht. Binnen Minuten bieten sie uns eine Feldstudie zum Thema "Hausbesitzer und Hausbesetzer" an. Die Rollen wechseln zwar, aber jeder der Akteure ist bei jedem Rollenwechsel augenblicklich in der Lage, die neue Rolle auszufüllen; das gehört zur Überlebensstrategie. Das Theaterstück, dem wir beiwohnen dürfen, hat natürlich euch ein schlüssiges Hubsi vom Bairischen BluesHubsi allein zuhausEnde, und zwar in der Form, dass sich aus den wechselnden Rollen zehn in die Flucht geschlagene Hausbesetzer und ein Hausbesitzer entwickeln, auch King of the Mountain genannt. Wer nun der Meinung ist, das könne nach Lage der Dinge nur der Ober-Hallodri sein, irrt. Es ist auch nicht die pfiffige Hakuna oder die zupackende Hetty, schon gar nicht der freundliche Hugo oder der schelmische Harpo, der gemütliche Hobo und auch nicht die fixe Hedda oder die kraftvolle Halina. Die Max-und-Moritz-Imitatoren Hartl und Hias bleiben auch ausgesperrt. Hubsi ist es, der sich in seinem neuen Wohnzimmer behaglich einrichtet. Allein. Ungestört. Stolzer Hausbesitzer im kreideweißen Angesicht der ausgeschmierten Besetzerbande. So sieht es aus: Ein erfolgreiches H-Selmäuschen und zehn frustrierte H-Benichtse. Dieser Tag wird als ein geradezu historischer Sozialisationstag in die Chronik des Bairischen Blues' eingehen.

Hubsi verlässt seine Burg erst spät abends, als die anderen ihren Frust längst wieder verarbeitet und die Burg in ihrer Küche vergessen haben. Frustriert ist auch der Vize, weil er zur Rettung der Chefstimmung am nächsten Morgen wieder bis nach Mitternacht Latrinenwache schiebt und unverrichteter Dinge in seine Koje schleichen muss. Kein verrichtetes Ding weit und breit. Nur selig schnurpselnde Hallodris.

 

Freitag, 21. April 2017

Was für ein Wetter morgens um 5 Uhr, als die Hallodris sich bemerkbar machen: -5° C und keine Wolke am Himmel. Auch die Stimmung der Chefin ist entgegen der Befürchtung des Vizes nahe jener, als sie in Thailand auf einem Baby-Elefanten reiten durfte: Glück in allen Falten. Das liegt an nur drei verrichteten Dingen in der Küche, was sich allerdings schnell ändert, als sie die Bande in den Garten lässt. Aber Garten ist Garten und Küche Küche. Bestimmt ist sie dem Vize sehr dankbar, dass er sich den Schlaf verkniff, um ihr das Leben am frühen Morgen lebenswert zu machen, und der Vize wird einen Teufel tun und ihr von seinen elf abends unverrichteten Dingen berichten. Dafür berichtet sie ihm von einem bedenklichen Leiden, bedenklich vor allem für eine Tiefstschläferin, neben der man sterben könnte, ohne von ihr verabschiedet zu werden. Die Chefin hat einen Schlaf wie ein Bär im Winter. Und nun berichtet sie von einer Art nächtlicher Phantomschmerzen, was sich in Phantomlauten äußert; sie wacht nachts auf (!) und hört Welpen bellen und schreien und klagen, wo in Wirklichkeit nur tiefster Frieden zu vernehmen ist. Sogar den von innerer Ruhe getakteten Pendelatem des Vizes interpretiert sie als das boshafte Keifen von Welpen. So etwas gibt Anlass zur Sorge und lässt die baldige Abreise der Hallodris vorteilhaft erscheinen.

Die etwas lapidare Anmerkung, dass sich die Hallodris um 5 Uhr bemerkbar machen, ist stark untertrieben: Sie randalieren und keifen tatsächlich, was jetzt auch sicherlich keinen Phantomlauten zugeschrieben werden kann. Immer wieder flackern Lärmherde auf, weil sich zwei oder drei um etwas streiten; und das Etwas heißt Hubsi-Käfig. Da käme richtig Freude auf, wenn das Glück der Chefin nicht schon unübertrefflich wäre.

Aber all das ist nichts gegen den Jubel, der ausbricht, als sie die Bilanz der Wiegestatistik zu sehen bekommen! Was müssen die sich gestern mit ihren mickrigen 710 g über sich selbst erschrocken haben. Heute haben sie alles wieder gutgemacht: 2730 g, zwei Kilo mehr als gestern. Die Sau rein, anstatt die Sau raus gelassen hat Hetty, die wohl mit ihrem Absturz auf den 9. Platz nicht einverstanden war. 450 g lagert sie an, was sie auf 6160 Gramm und den 5. Platz hievt. Für solche Exzesse ist sie immer wieder mal gut, heute Null, morgen full, vielleicht erinnert sich noch jemand an Hettys maßlose 500 g vom 16. April. Diesen 5. Platz teilt sie sich mit Harpo, der bei 240 g mehr auf das gleiche Endgewicht kommt. Verliererin des gestrigen Anlagerunternehmens ist Hakuna, die mit 220 g (6020) von Platz sechs auf neun rutscht. Alle anderen tun sich nicht viel, außer dass Hartl Hugo auf dem 2. Platz ablöst.

1. Hallodri (6860, +160), 2. Hartl (6480, +260), 3. Hugo (6410, +170), 4. Hobo (6230, +100), 5. Harpo (+240) und Hetty (+450), beide 6160, 7. Halina (6120, +330), 8. Hias (6050, +280), 9. Hakuna (6020, +220), 10. Hedda (5800, +200), 11. Hubsi (5420, +320).

Es ist gut, dass die Hallodris für heute Substanz geladen haben, denn um 11 Uhr ist Tierarzt-Termin: Impfen, Chippen, Aderlass. Da ist es gut, wenn sie etwas zum Zehren haben.

Doch bevor wir uns und unsere Hallodris auf das Ereignis vorbereiten können, kommt die Chefin mit Fianna vom Morgenspaziergang zurück und befindet, dass das Wetter zum Portrait-Shooting geradezu einladen würde, und zwar drüben am Damm: Welpen erhöht auf Augenhöhe, kein störender Bewuchs, blankblauer Himmel und die Sonne ideal im Rücken. Es ist 8:30 Uhr, um 10 Uhr sollen die Hiasls wieder mit ihrem Sammeltaxi bereitstehen Hartl vom Bairischen BluesHartl auf dem Weg zum Freilichtstudiound um 11 Uhr ist Termin. Der Vize hat wie die Chefin noch nichts im Magen und eine Dusche hat er auch noch nicht gesehen. Aber er muss zugeben, dass es vermutlich keine bessere Gelegenheit fürs Shooting mehr geben wird. Zu dem besagten Damm, der das östliche Ende eines Überflutungsbeckens der Mangfall darstellt, sind es gut 200 Meter, hin und zurück sind es 400 Meter und mit allen elf Welpen summiert sich das auf 4,5 Kilometer. Wenn man grob drei Minuten pro Strecke rechnet, dazwischen das Shooting, also ca. 10 Minuten pro Hallodri, kommt man auf 110 Minuten – fast zwei Stunden. Eindeutig zu viel. Oder wir müssen richtig Gas geben und die Eckwerte deutlich reduzieren, und das bedeutet richtig Stress vor dem Frühstück.

Wir legen los, beginnend mit Hedda. Hinüber wird getragen, damit wir Zeit gewinnen, dann kommt die Kamera zum Einsatz und zurück dürfen die Zwerge selber marschieren, damit sie noch ein kleines Erlebnis haben und selbst aktiv werden müssen. Und so eilen wir hin und her wie Biene Maja vom Stock zur Blüte und zurück zum Stock und wieder zur Blüte und zum... . Die Sonne hat auch schon reichlich Kraft und wir stehen bald im eigenen Saft. Die größte Herausforderung sind jedoch die Morgenspaziergänger, die uns alle ein Gespräch aufdrängen wollen, weil die Zwerge doch so süß sind, und sie begrapschen wollen, die stehenbleiben und verzückt warten, bis wir mit der nächsten Fuhre kommen. Und ob das Hallodri vom Bairischen BluesKleine Hilfen beschleunigen den Prozess (Hallodri) HHetty vom Bairischen BluesHilfen, die Hetty zum Fressen gern hatündchen nicht mal mit ihrem Hündchen spielen will? Nein! Will es nicht und soll es nicht. Die Hand des Fotografen zittert bald vor Zorn und erschwert die Aufgabe enorm. Andererseits können wir uns gar nicht genug an den Hallodris berauschen, wie sie mit größter Selbstverständlichkeit den Weg nach Hause gehen, den sie nur vom Transport auf dem Arm hinüber zum Damm kennen. Auf dem Rückweg wackeln sie mit flinken Beinchen nach Hause, als ob es ihr täglicher Weg zur Kneipe wäre. Manche brauchen uns überhaupt nicht, wackeln sogar im Eilschritt vor uns her, als ob sie uns zeigen müssten, wo es lang geht. Alle sind äußerst entspannt, tragen die Rute oben, nehmen völlig unbeeindruckt und schwanzwedelnd Kontakt zu jedem Hund und deren Begleitung auf, sind trotz einer gewissen Eile nie auf der Flucht, sondern konzentriert und zielorientiert und lassen uns völlig fassungslos zurück. Zu unserem größten Bedauern haben wir wegen des sehr knappen Zeitplans keine Muße, dieses Schauspiel zu genießen, sondern müssen uns sputen. So ein Wurf war uns bisher noch nicht vergönnt! Als die Hiasls um 10 Uhr vorfahren, sind wir gerade fix und fertig, und der Vize steht unter der Dusche. Die Chefin folgt ihm und um 10:20 Uhr fahren wir los, eine trockene Scheibe Frühstücksbrot zwischen den Kiefern. Auch kein Problem, an Substanz fehlt es dem Vize ja nicht.

Hias vom Bairischen BluesHias steht auf Thai-MassageDieHalina vom Bairischen BluesHalina bekommt ihren Chip gute halbe Stunde Fahrt zum Tierzt unseres Vertrauens absolvieren die Hallodris ohne größere Beschwerden oder gar unter Panik. Sie bleiben gelassen und nehmen es, wie es kommt. Wir erinnern uns an Fahrten, bei denen wir versucht waren, die Fenster zu öffnen und uns um die Hälfte der Fracht zu erleichtern, so unzumutbar war deren Benehmen (Nebenbei: Sie sind trotzdem alle tolle Hunde geworden, sie zu entsorgen wäre also höchst dumm gewesen). Im Sprechzimmer müssen Hakuna vom Bairischen BluesHakuna besteht den Flughund-Testsie Hedda vom Bairischen BluesHedda gibt ihr Bestesdann einzeln ran. Zuerst werden die Patienten auf Herz und Nieren, Ohren und Zähne untersucht, dann wird geimpft, anschließend der Chip gesetzt und zum Schluss für die RZV-Forschungsdatenbank Blut abgenommen. Auch in dieser Disziplin zeigen sich die Hallodris ungewöhnlich souverän. Die Hauptrolle bei der Verarztung der Hallodris spielen, wie immer, mehrere Tuben Nutri-Cal, eine Malz-Vitamin-Paste, die den Zwergen vorne eingeschoben wird, damit sie nicht merken, was an ihrem hinteren Ende passiert. Nicht immer verfängt diese süße Bestechung. Der Anstand und der Respekt verbietet es uns, die früheren Blues-Buben und -Mädchen beim Namen zu nennen, die sich bei dieser Gelegenheit mit sehr zweifelhaftem Ruhm besudelten; die größten Maulhelden schrumpften, trotz Nutri-Cal, zu den schlappsten Weicheiern, denen der Schweiß vor Angst fast hinter den Ohrwascheln hinunterlief. Kein Vergleich dazu die Hallodris. Keiner und keine verweigert oder entzieht sich der Hartl vom Bairischen BluesHartl zeigt, was er hatTierärztin, aber natürlich weicht man schon mal aus. Vier der Hallodris finden die Blutentnahme so prickelnd, dass sie alles daran setzen – zappeln, Vene wegrollen, etc. –, um einen zweiten Einstich am anderen Bein zu bekommen. Das sind die Selbstdarsteller, die unbedingt mit einem zweiten schicken Beinkleid angeben wollen. Hartl findet die Zudringlichkeiten etwas unter seiner Würde und jammert ein Praxis-Team TA Schiele, StephanskirchenDas fabelhafte Praxis-Teambisschen herum, was ihm vom Vize unverzüglich den Spitznamen "Weichl" einträgt, und Halina zickt auch mit Protestlauten, was ihr den Kampfnamen "Spatz vom Hohenkreischenberg" bringt. Aber auch deren Minimalrenitenz wäre bei allen anderen Würfen ohne Erwähnung geblieben. Als alle verarztet sind, wird der ganze Haufen wieder ins Sammeltaxi gebracht, was sowohl die Praxisbesucher wie das Personal beglückt, das es sich nicht nehmen lässt, bei der Hallodri-Polonaise mitzumachen und uns beim Abtransport zu helfen.

Um 13:30 Uhr sind wir wieder am Stammsitz des Blues, ohne irgendwelche psychischen Schäden bei den Hallodris zu Protokoll nehmen zu müssen. Nun gibt es Pizza für alle Helfer, für die Patienten gibt es ein bisschen Pizzarand, was wie Pansen, Kalbshaxe und Ziegenmilch auch zu einer umfassenden Ernährungsstrategie gehört :-).

Nachmittags zieht sich der Himmel wieder ziemlich trübe zu, was uns in der schweißtreibenden Entscheidung, gleich morgens zu fotografieren bestätigt. Den Hallodris ist es einerlei, sie brauchen nun ein wenig Ruhe; dieser Tag hat es in sich. Später lässt der Himmel wieder Sonnenstrahlen zu uns durch und die elf genießen den Rest des Tages draußen mit betulichen Spielen und viel Schlaf.

Wir hingegen schuften an den Welpenordnern, an der Aktualisierung der Texte, am Drucken und am Ärger mit der Technik, die immer quertreibt, wenn man sie vorantreibt. Doch das ist mittlerweile Routine beim Blues. Überall stapeln sich Papierberge, die auf die Sortierung und aufs Einordnen warten. Der Vize treibt zur Eile, die Chefin weiß nicht, was er damit meint, schließlich seien wir doch so früh dran wie nie. Damit hat sie recht. Aber der Vize hat nicht vor, wie in der Vergangenheit am Tag vor der Abgabe bis nachts um 3 Uhr zu malochen. Und in dieser Hinsicht ist er diesmal sogar ziemlich zuversichtlich.

 

Samstag, 22. April 2017

3:33 Uhr: Aufruhr in der Küche. Die Hallodris tanzen Mazurka. Das unsanft geweckte Personal vermutet ein Eindringen fremder Hallodri-Stämme ins Stammland. Doch die Stimmen und Stimmlagen sind vertraut. Das Personal weigert sich, den Angriff auf seinen Schlaf zu akzeptieren und zieht sich die Decken über den Kopf – bis 4:10 Uhr. Dann verebbt der Hunnensturm. Das Personal entspannt seine Glieder und schlummert wieder weg. Um 5:30 Uhr tanzen die Hunnen wieder durch unser Erdgeschoss. Nun resigniert die Chefin und macht ihnen ihre Aufwartung. Der Vize denkt nur: Na, wartet! Schnell ist klar, was die Hallodris zu einem solchen Hexentanz bewog: Die Gitterbox! Hubsis neues Refugium. Der Kampf ums Goldene Kalb ist wieder aufgeflammt, das Spiel von Hausbesitzern und Hausbesetzern erlebt eine neue Auflage. Darauf hätte man auch selber kommen können. Dass die zehn H-Benichtse sich nicht mit ihrem Dasein abfinden würden und dem H-Selmäuschen Hubsi sein Häuschen gönnen würden, war eigentlich klar. Allerdings erstaunt uns die akustische Tiefe und Breite der Wortmeldungen doch sehr. Wir hatten nie verschwiegene Welpen, sogar sehr sprachgewaltige, worüber wir auch ohne Scheu berichteten, doch an eine solche Sprachgewalt und ein so insistierendes Mitteilungsbedürfnis können wir uns nicht erinnern. Die Hallodris sind wirklich in jeder Hinsicht etwas sehr Besonderes. Darüber muss man sich um 3:30 Uhr nicht freuen, wie man sich wohl kaum begeistert, wenn der höchstbegabte Spross nachts um drei am Bett erscheint und die Lösung einer unlösbaren Mathe-Aufgabe präsentiert. Die Welten von Hochbegabung und Mittelmaß sind wohl nur selten im Gleichtakt.

Hakuna und Halina vom Bairischen BluesHakuna und HalinaDie Chefin wirft die Hunnenvorhut in den Garten, wo sie ihr Mütchen bei -1° C herunterkühlen können. Beim Anblick der aufgrund der frühen Aktivitäten zahlreicheren Ausscheidungen zaubert der Chefin wieder ein Lächeln ins Gesicht. Diese verrichteten Dinge sind nun zwar schon sehr mächtig, strotzen aber von Kompaktheit und Gesundheit. Keine Spur von Durchfall mehr. Sicher haben auch die Vielfalt der Leckerlis und die Kaustangen, die unserer Meinung nach etwas zu strak gewürzt waren, das Ihre dazu beigetragen. Wir haben in den letzten beiden Tagen die Leckerlivielfalt drastisch reduziert und sind konsequent auf die bisher immer zuverlässigen Kaustangen von Platinum umgestiegen. Vielleicht war das der Schlüssel zum Erfolg. Zwei Tage vor Abgabe, darf man also getrost feststellen: Ende gut, alles gut.

Hakna und Hallodri vom Bairischen BluesHakuna und HallodriDa heute wieder einmal ein Lostag ist, wollen wir doch sehen, was uns bevorsteht: "Regnet's vorm Georgitag, wäret lang des Segens Plag'." Häh? Welcher Segen und was ist dessen Plag? Weil Segen bringt Regen? Und dann "wäret" statt währet! Wäret ihr im Vollbesitz der deutschen Sprack, hätt' der Vize keine Plag. Die zweite Variante des Losspruchs lautet: "Wenn vor Georgi Regen fehlt, wird man nachher damit gequält." So könnte man das natürlich auch ausdrücken danke dafür. ...wäret lang des Segens Plag' ... Oh Herr, schmeiß Hirn vom Himmel oder meinetwegen auch Regen. Um die Zukunftsaussichten abzuschließen, protokollieren wir einen wolkigen und windigen Tag (so windig wie der Losspruch) bei durchschnittlich 13° C. Von Regen und seinem Segen keine Spur.

Auch die Gewichte deuten zunehmend auf Endzeit hin: wieder 2720 Gramm. Hallodri schwenkt triumphierend die Fahne beim Überschreiten der Sieben-Kilo-Marke (7110, +250) und Hugo schiebt sich mit 370 g wieder auf den 2. Platz (6780). Damit verzeichnet er das Tageshoch. Da muss Hartl passen und sich mit 6740 Gramm (+260) mit dem 3. Platz bescheiden. Hetty arbeitet sich nach ihrem zwischenzeitlichen Einbruch wieder dorthin vor, wo sie sich selbst hingehörig fühlt, mitten unter die echten Kerlen, heute auf dem ehrgeizigen 4. Platz (6500, +340). Da kann Hobo nur staunen. Aber mit 100 g weniger (240) tut man sich schwer im Bullenrennen (5. Platz, 6470). Der 6. Platz hat gleich zwei Besetzer, Harpo und Halina, beide mit 6320 Gramm. Mit 200 g mehr stellt Halina Harpo, der es nur auf 160 g bringt. Auch der 8. Platz ist doppelt besetzt: Hias und Hakuna (6240). Für Hias (+190) ist diese Tabellenregion längst Alltag, aber Hakuna (+220), die einstige Kronprinzessin von Hias vom Bairischen BluesHias versucht, die Futterboje zu knackenHallodri hat sich offenbar vorgenommen, alle Plätze mindestens einmal zu testen, was ihr bezüglich des 11. Platzes vermutlich nicht gelingen wird; Heda und Hakuna vom Bairischen BluesHedda und Hakuna mit dem mysteriösen Futterspenderauf den besteht der Gitterbox-Rambo Hubsi (5650, +230). Den vorletzten Platz beansprucht weiterhin Hedda und scheint sich dabei richtig wohl zu fühlen (6060, +260).

Die Hallodris lassen den Tag abwechselnd mit Verarbeitung des gestrigen Action-Tages und verhaltenen Spielen verstreichen. Viel Zeit verbringen sie mit der Futterboje mit dem Loch am Boden, aus dem wie von Geisterhand Nahrhaftes purzelt. Vielleicht schlafen sie auch deswegen so viel, weil sie über die wundersame Futterspende sinnieren müssen.

Ein letzter Tag bleibt uns noch. Deswegen verbringen wir noch lange Zeit zwischen unseren Hallodris in der Küche und im Transit. Aber sie verstehen unsere Melancholie nicht. Das ist auch besser so.

 

Sonntag, 23. April 2017

Um 5:30 Uhr stellt die Chefin das Bein aus dem Bett – und in der Küche jubeln elf Husaren. Für den nächsten Wurf sollten wir vielleicht doch eine auf den neuesten Stand gebrachte Trittschalldämmung einbauen. Ansonsten war es bis zu diesem Augenblick ruhig im Welpenreservoir, weil wir ihnen gestern natürlich die Gitterbox entzogen haben.

Nach den gestern Abend vom Vize beseitigten zwei Endmoränen, sammelt die Chefin morgens neun weitere ein, das macht elf über die Nacht; die Hallodris reifen zu gesellschaftstauglichen Hunden heran, das Timing des Blues ist beeindruckend perfekt. Ja, das könnte auch einmal mit dezentem, aber anhaltendem Beifall kommentiert werden.

Heute ist der gestern schon angekündigte Georgitag. Der Heilige Georg, bekannt als Drachentöter und Schutzheiliger von Pferden, England und Georgien gehört zu den 14 Nothelfern und wird noch vielerorts mit Pferdesegnungen und Georgiritten geehrt. Und weil so ein Supermärtyrergedächtnistag natürlich auch ein Premium-Lostag sein muss, haben sich die Lostrommler aller Länder kräftig ins Zeug gelegt. Fast schon unanständig unpoetisch kommt diese Vorhersage daher: "Gewitter am St. Georgstag, ein kühles Jahr bedeuten mag." Da soll sich mal einer schämen, das geht nämlich auch euphorischer. "Kommt St. Georg auf dem Schimmel, kommt ein gutes Jahr vom Himmel." Ist das nicht zauberhaft, die letzten Schneeflocken dem Heiligen als Schimmel unter den Hintern zu schieben? Andererseits: Gewitter stehen uns heute ziemlich sicher nicht ins Haus, also erwarten wir ein unkühles Jahr, aber weil der Georg ohne Schimmel kommt, steht uns auch kein gutes Jahr bevor. "Ist’s an Georgi hell und warm, gibt's noch ein Wetter, dass Gott erbarm." Hell und warm ist es nicht, also doch ein ordentliches Jahr. "Regnet’s auf Georgitag, dauert noch lang des Regens Plag." Es ist stark bewölkt und es regnet! Jetzt ist guter Rat teuer: Wie lang ist lang, und wenn lang wirklich lang ist, was wird dann aus den freundlichen Aussichten vom vorigen Spruch? Besonders kryptisch kommt uns dieser Spruch: "Zu Georgi hinaus, zu Michaeli wieder nach Haus." Der Michaelstag ist am 29. September, so viel zur Hilfestellung. Man muss sich schon zu den Losspruch-Illuminati zählen dürfen, wenn man diesen Knoten aufknüpfen möchte. Der chronische Vize ist ein solcher Geheimbündler und teilt ausnahmsweise sein Wissen mit der Welt. Gemeint sind die Schwalben, die da aus ihrem Winterquartier hinausfliegen und bei uns vor Georgi einfliegen, die aber dann schon an Michael wieder weg sind. Nun denn: Ende September erfreut man sich im bayerischen Süden nur selten an vielen Schwalben, aber in wärmeren Gegenden schon. Uns kann dieser Zauberspruch also egal sein, obwohl die Schwalben ja schon seit einigen Tagen ihre Flugmanöver demonstrieren. Wir halten damit inne und resümieren total illuminiert: "Reitet der Georg mit einem Schimmel über den Mist, gibt es Wetter oder die Schwalbe bleibt, wo sie ist."

Hartl vom Bairischen BluesHartlDamit verlassen wir die meteorologische Glaskugelei und wenden uns harten Fakten zu. Zahlen. Gewichten. Alles mess- und belegbar, nicht so etwas wie: "Zittert der Welpe auf der Waage, hat er nicht mehr viele Tage". Das Gegenteil ist längst bewiesen und viele davon leben noch immer. Heute vollziehen wir also die vorletzte Gewichtsnahme, und wer jetzt nicht ganz in der Nähe seiner Traumposition angekommen ist, hat nur noch eine Gelegenheit zur Nachbesserung. Der Hallodri kann gar nicht mehr so viel Übelkeit oder Durchfall haben, dass er seinen Spitzenplatz noch verlieren könnte, den er nach einer kurzen Anlaufzeit souverän für sich reklamierte. Heute meldet er 170 g und kommt auf 7280 Gramm total. Seinen Rhythmus hat auch Hartl gefunden. Hobo und Harpo vom Bairischen BluesHobo und HarpoNach seinem Turbo-Schwächeanfall belegt er nun seit Tagen stabil den 2. oder 3. Platz. Heute gehört ihm mit 7010 Gramm (+270) wieder Platz zwei und wird der zweite Vierzehnpfünder. Sein ständiger Konkurrent auf diesen 2. Platz ist der schöne Hugo. Heute muss er sich wieder einmal mit dem 3. Platz abfinden und es wird spannend sein zu sehen, ob er morgen aus dem Windschatten heraus in einem Wimpernschlagfinale dem Hartl noch ein Schnippchen schlagen kann. Dazu müsste er bei aktuell 6870 Gramm (+90) deutlich mehr anlegen als gestern. Mindestens ebenso spannend wird es sein, ob Hetty ihr Tempo durchhält. Mit einem Gewaltakt hat sie sich in den vergangenen Tagen nach oben gekämpft und heute ihren 4. Platz verteidigt (6700, +200). Harpo entwickelte sich nach dem anfänglichen Leichtgewicht zu einer stabilen Säule des Mittelfeldes, die nie mehr in Gefahr war abzurutschen, aber auch nach oben nicht genug Lagerkapazität hatte, um sich dort einzuspreizen. Für heute protokollieren wir für ihn trotz eines gewaltigen Aufkommens von +330 g den 5. Platz und 6650 Gramm. Hobo war lange Harpos Schatten und Gegenspieler, immer im oberen Viertel oder Drittel, nun aber geht ihm ein bisschen die Luft oder der Ehrgeiz aus: 6. Platz (6610, +140). Halina arbeitete sich beharrlich aus dem letzten Drittel ins untere Mittelfeld empor, unspektakulär meist, aber effektiv. Eine Hetty ist sie nicht und sollte sie auch nicht werden, dazu fehlt ihr die bauliche Grundsubstanz (7. Platz, 6510, +190). Bei Hias hatten wir lange überlegt, ob wir ihn nicht in den Genuss einer zusätzlichen Schulspeisung kommen lassen sollten, da dem Hetty vom Bairischen BluesHettyBurschen aber nichts zu fehlen schien außer Trägheit und Schwäche, haben wir den Spar-Hallodri machen lassen und mit Vergnügen festgestellt, dass Lebensfreude und Spitzfindigkeit nichts mit dem Körpergewicht zu tun haben. Aus den tiefen Abgründen der Tabelle hat Hias sich nun stabil als Anführer der Nachhut etabliert: 8. Platz, 6500, +260. Hakuna musste längst einsehen, dass ihr der Kampf um die Höhenluft den Atem raubt, deshalb hat sie sich dorthin zurückgezogen, wo sie staturbedingt auch hingehört, in die Nesthäkchenecke. Dass ihr das im Umgang mit ihren Geschwistern keinen Nachteil bringt, hat sie gelassen gemacht: 9. Platz, 6410, +170). Das gleiche gilt für Hedda, die sich zwar zu Zeiten, Hallodri vom Bairischen BluesHallodrials sie noch Babyspeck trug, auch im Mittelfeld tummelte, sich dann aber bald auf den Vor-Hubsi-Platz spezialisierte. Und seit sie weiß, dass sie in Zukunft ihr Leben dort verbringen darf, wo Hirnschmalz mehr zählt als Körpermasse, swingt sie völlig losgelöst durch die Mahlzeiten und genießt es, nicht mehr zu müssen, sondern nur noch zu dürfen: 10. Platz, 6240, +180). Und über Hubsi ist alles gesagt, obwohl man eigentlich gar nicht aufhören dürfte, über ihn zu berichten. Das Masseschlusslicht der Hallodris ist ein klasse Schlusslicht, das sich nicht verstecken muss, obwohl er der einzige ist, dem das am besten gelänge. Die Prophezeiung des Vize und Chronisten hat er in den Wind geschlagen und ist sich treu geblieben: Schlusslicht, 5770, +120.

Um 11 Uhr treffen die Zuchtwartinnen zur ultimativen Zeugnisvergabe der Hallodris ein: finale Wurfabnahme. Für alle, die nicht wissen, was eine solche Wurfabnahme beinhaltet und wie sie abläuft, wollen wir das an dieser Stelle einmal detailliert ausführen. Zuerst wird der Welpe dorthin gebracht, wo die Erscheinungsbildbeurteilung stattfinden wird, also in einen Raum, den er kennt (Wohnzimmer, Küche, etc.). Bei schönem Wetter kann das selbstverständlich auch der Garten sein. In dieser dem Welpen bekannten Umgebung wird er nun auf den Boden gesetzt, um zu sehen, wie er sich in einer bekannten Umgebung, mit bekannten Menschen, aber auch mit Menschen, Hetty vom Bairischen BluesHetty wäre mehr Action sehr rechtdiHugo vom Bairischen BluesHugo bleibt total gelassene er nicht oder kaum kennt (Zuchtwart), verhält. Im Abnahmeprotokoll findet man das Ergebnis unter der Rubrik: Verhalten des Welpen in seiner gewohnten Umgebung. Hakuna, Hubsi, Harpo, Hartl, Hugo, Halina, Hobo, Hias und Hedda suchen bei dieser Disziplin aktiv Kontakt, Hetty und Hallodri nehmen Kontakt auf. Diese Bewertung bedeutet nichts anderes, als dass sie nicht fremdeln, Zutrauen zu Menschen haben und deren Kontakt suchen. Nicht zu unterschätzen ist bei dieser vermeintlich einfachen Übung, dass bei großen Würfen immer Prüflinge aus dem Schlaf geholt werden müssen. Unser Hallodri-Abitur dauert zweieinhalb Stunden, und das ist noch schnell, weil die Hallodris großartige Mitspieler sind. Das kann sich bei elf Welpen auch deutlich länger hinziehen, und auf diese Länge bleiben die Welpen nicht aktiv und munter. Die Folge ist, dass man immer ein paar verschlafene Traumtänzer hat, die zwar nichts gegen Menschen haben, aber jetzt gerne noch ihre Ruhe hätten und dementsprechend lustlos auf das Spiel eingehen.

Nach dieser ersten Kontaktaufnahme wird der Welpe an einen ihm unbekannten Ort gebracht, allein mit den Zuchtwarten. Die Züchter sind jetzt ausgeschlossen. Im Falle der Hallodris und ihrer Vorgänger ist dieser Ort das Arbeitszimmer der Chefin. Das Zimmer sollte nicht sehr groß sein, dass der Hallodri vom Bairischen BluesZuchttauglichkeits-Test bei HallodriWHarpo vom Bairischen BluesHarpo zeigt perfekte Zähneelpe nicht von der Größe beeindruckt ist, andererseits aber auch im Falle eines Unbehagens sich nicht in den Weiten des Raums den Aufgaben entziehen kann. Dort findet er einen Karton oder eine Kiste vor, einen Ball, eine Raschelfolie und einen Lappen. Der Welpe wird in diesem Raum abgesetzt, die Zuchtwarte verhalten sich neutral, sprechen den Welpen nicht an und ignorieren ihn eine Minute lang. Das ist für den Zwerg eine bedrückende Situation: Hallodri allein zuhaus. Man will nun sehen, wie er mit einer solch bedrückenden und befremdlichen Situation zurecht kommt. Im Protokoll findet man diese Prüfung unter der Rubrik Verhalten des Welpen an einem fremden Ort, unterteilt in Aktivität und Untersuchungsverhalten (selbständiges Verhalten). Im Fach Aktivität wird allen außer Harpo bescheinigt, dass sie sofort aktiv sind, Harpo wartet kurz ab (weniger als fünf Sekunden) und wird dann aktiv. Und nachdem alle aktiv geworden sind, zeigen alle elf viel Aktivität, das heißt sie sitzen nicht wie ein Häuflein Elend herum und warten, bis sie jemand anspricht oder das Elend vorüber sein möge, sondern marschieren los, sehen sich um und begutachten die Umgebung und das Interieur. Ein selbständiges und intensives Untersuchungsverhalten wird allen außer Hetty bescheinigt, die auch selbständig untersucht, aber nicht so intensiv.

Nach einer Minute nehmen die Zuchtwarte Kontakt zum Welpen auf, sprechen ihn an, klopfen auf den Karton, rollen den Ball und locken den Welpen über die Folie. Die Prüfung heißt im Protokoll Verhalten des Welpen bei akustischen und optischen Einflüssen. Hubsi, Harpo, Hallodri, Hartl, Hugo, Halina, Hobo, Hias und Hedda beschäftigen sich mit allen Situationen selbständig und aktiv, Hakuna und Hetty lassen sich gut motivieren und heranführen.

Nächste Prüfungsaufgabe ist das Beutespiel. Dabei spielt der Zuchtwart den Welpen mit dem Lappen an. Der Welpe sollte das Beutespiel annehmen, den Lappen greifen und im Idealfall als Beute wegtragen. Alle elf Hallodris sind sofort interessiert und gehen auf das Beutespiel ein und alle tragen den Lappen weg.

Hias vom Bairischen BluesHias ist kitzligNach diesen Tests wird der Welpe wieder in seine gewohnte Umgebung gebracht und die Erscheinungsbild-Beurteilung auf einem Tisch vorgenommen. Das Verhalten des Welpen bei der Erscheinungsbild-Beurteilung ergibt bei den Hallodris folgendes Ergebnis: Hakuna, Hubsi, Hetty, Hartl, Hugo, Halina, Hias und Hedda sind aktiv und neugierig, Harpo, Hallodri und Hobo gelassen und freundlich. Der Unterschied liegt nur darin, dass die einen den Zuchtwarten bei ihrer Leibesvisitation mehr Arbeit machen und sie beschmusen, während die anderen etwas ruhiger halten und auf Küsschen verzichten.

Nach der Erscheinungsbild-Beurteilung wird der Welpe wieder auf den Boden gesetzt, um zu sehen, wie er sich nun, nach dieser Belastung durch den Test, verhält, ob er unbeeindruckt und locker ist und gleich wieder seinen Tagesgeschäften nachgeht oder beeindruckt ist und gestresst und sich der Welt am liebsten entziehen würde. Das Protokoll bescheinigt allen elf Hallodris beim Verhalten des Welpen nach der Erscheinungsbild-Beurteilung: sofort aktiv.

Zuletzt wird jedem Welpen eine Temperament-Note erteilt. Zehn von ihnen bekommen lebhaft, Hakuna ruhig. Ausgerechnet Hakuna erscheint den Zuchtwarten heute etwas ruhiger als die anderen. Uns war das noch nicht aufgefallen, und ihre zukünftigen Besitzer werden noch häufig über diesem Urteil brüten. Doch ein solcher Wesenstest kann immer nur eine Momentaufnahme sein - und diese Momentaufnahme der Hallodris ist unfassbar. Wir haben selbst sieben Wurfabnahmen durchschritten und viele andere Würfe getestet: So ein Protokoll haben wir noch nie in den Händen gehalten. Kein einziger Ausfall, kein lustloser Nörgler oder Hakuna vom Bairischen BluesHakunaschlechtgelaunter Schläfer. Noch nie haben wir ein Beutespiel erlebt, das ein solch durchgängiges Ergebnis geliefert hätte. Wir sind völlig geplättet. Acht Wochen haben wir die Hallodris hautnah erlebt und wissen, dass sie eine sehr fixe Bande sind, aber ein so linksbündiges Ergebnis haut uns um. Beinahe hätten wir allen Käufern absagen müssen, weil die Zuchtwartinnen mit jedem Welpen, den sie uns vom Verhaltenstest zurückbrachten, mehr und funkelndere Sterne in den Auge hatten und drohten, alle einzupacken und mitzunehmen. Das konnten wir gerade noch verhindern. Wir sind weit davon entfernt prahlen zu wollen, aber wir sind so stolz auf diesen Elferrat, dass wir fast platzen. Vor allem aber sind wir glücklich, dass wir allen Käufern einen richtig tollen Welpen in die Hand drücken können und ihm nicht erklären müssen, dass eine Aussage im Protokoll keinen bedenklichen Wesensmangel darstellt, sondern den Augenblick repräsentiert und wir müssen auch keinem Hundesportler erzählen, dass der Fifi gerade aus dem Tiefschlaf erwacht war den Beutelappen nicht von und Sonne, Mond und Sternen unterscheiden konnte. Wir haben elf grandios gelungene Hallodris, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und darüber dürfen wir uns freuen, wie wir uns noch nie freuen durften. Wir umarmen Fianna und Ery dafür und fühlen uns auf ganzer Linie bestätigt, dass wir diese Verpaarung gemacht haben. Besser geht es nicht. Der Pokerspieler würde sich diesen Wurf als Royal-Flush an die Wand nageln.

Hobo vom Bairischen BluesHobo ist mit der Welt im ReinenNicht unterschlagen dürfen wir natürlich die Erscheinungsbild-Beurteilung, also die Leibesvisitation. Was den Körperbau betrifft sind Hakuna, Hetty, Hallodri, Hartl, Hugo, Halina, Hobo, Hias und Hedda als kräftig eingestuft, Hubsi und Harpo als mittelkräftig. Alle haben ein tiefschwarzes Haarkleid, die Zähne sind ebenso komplett wie korrekt gestellt, der Behang ist korrekt und die Ruten zeigen auch keine Veränderungen. Bei den Marken haben wir Fianna- und Ery-Kinder. Die Fianna-Kinder sind teilweise knapp gezeichnet, haben aber meist mehr Marken als ihre Mutter. Die Ery-Kinder sind weit mehr mit Marken gesegnet, aber der von vielen befürchtete Markenluxus ist bisher nicht zu erkennen. Bei Hias ist ein Ansatz zur Doppelmarke und zu einer Brille zu erahnen und Hartl ist an der Brust und den Vorderläufen überzeichnet, dafür sind die Marken am Fang und die Augenpunkte knapp. Zuchtausschließende Fehler sind bis hierher keine zu berichten. Der H-Wurf ist auch optisch gut gelungen. Worüber sollen wir klagen? Der H-Wurf ist wirklich ein großer Wurf.

Hubsi vom Bairischen BluesHubsi entgeht knapp einer EntführungNachdem die Zuchtwartinnen gegangen sind, nicht ohne den Versuch, uns doch noch einen Zwerg zu klauen, sitzen wir wie in einem falschen Film zwischen unseren Hallodris und sind glücklich. Dazu kommt noch eine unglaublich liebevolle Mama Fianna, die mit ihren Kindern tobt und sich immer noch um sie kümmert, als wären sie gerade erst geschlüpft. Sogar heute noch hat sie keine Zeit den Roten Banditen bei der Rückkehr vom Spaziergang zu begrüßen, was sie sonst nie versäumt, weil es sie zuerst zu ihren Kinder drängt und sie nachsehen muss, ob alles in Ordnung ist.

Nach einer solchen Wurfabnahme und der bevorstehenden Welpenabgabe morgen fühlen wir uns wie in einer Schneekugel, die geschüttelt wird. Wir wissen nicht, ob wir heulen oder jubeln sollen. Wir entscheiden uns für beides.

 

Montag, 24. April 2017

So ruhig wie heute Morgen waren die Hallodris schon lange nicht mehr. Um 5:20 Uhr steht die Chefin auf, es hält sie nichts mehr im Bett. Und die Zwerge geben noch immer keinen Laut von sich. Allerdings sollte man sich nicht täuschen lassen: Die Hallodris stecken voller Leben! In dieser letzten Nacht haben sie uns den Transit aufgebrochen und sechs Häufen dort drinnen platziert. Wie sie das geschafft haben, was ihnen die ganze Zeit nicht gelungen war, werden sie uns nicht verraten, aber dass sie es gemacht haben, verdient unsere Hochachtung. Sie wollten sehr wahrscheinlich in den Garten, um ihr Geschäft zu erledigen, und das versuchten sie mit der gleichen Hingabe und Intuition, wie sie gestern ihr Abitur abgelegt haben. Dass die Terrassentür verschlossen war, konnten sie nicht ahnen, aber dass sie schon fast stubenrein sind, wollten sie uns schon noch mit auf den Weg geben. Schade, dass sie Abenteuerspielplatz KüchenblockAbenteuerspielplatz Küchenblockkeine Visitenkarten an ihren Machenschaften hinterlassen haben, sonst könnten wir noch ein wenig an der Preisschraube drehen.

Und noch etwas lassen sich die Hallodris für den letzten Tag einfallen: Sie machen sich jetzt, an diesem allerletzten Tag, am Weidekorb im Küchenblock zu schaffen, an jenem Weidekorb, der ihnen wochenlang kein Blick wert war. Heute müssen wir ihn noch entfernen, um ihn zu retten. Aber nun wird der Freiraum im Küchenblock zur Hallodri-Arena. Licht aus! Post ab!

Das Wetter hat unsere inständigen Bitten um ein anständiges Benehmen an diesem Abgabetag mehr als erhört: Um 6 Uhr registrieren wir -3° C und keine Wolke. Wenn das so weitergeht, dürfen wir uns auf einen strahlenden Abschied im Garten freuen und müssen uns nicht alle im Haus drängeln. Alle? Wer alle? Beim Blues ist es seit dem ersten Wurf Tradition, dass wir alle Welpen an einem Tag abgeben. Wir wollen unsere Instruktionen, Ratschläge und vor allem gute Wünsche nicht auf Tage gestreckt immer wieder formulieren, wir wollen den Welpenordner, Wurfabnahme-Protokoll und den Kaufvertrag in ihren generellen Belangen nur einmal allen erklären. Wir wollen kein langsames Dahinsiechen mit immer schwindenderen Hallodrizahlen. Wir wollen einmal traurig sein, einmal richtig traurig sein und nicht tagelang Phantomschmerzen haben. Und nicht nur die Hallodris sind ein höchst außergewöhnlicher Wurf, wie uns gestern klar wurde, sondern auch deren Besitzer; es ist der erste Wurf, der wirklich an diesem einen Tag komplett abgeholt wird. Wir stellen ein Weißwurst- und Leberkäs-Frühstück, dann geht es ans Offizielle und am späten Nachmittag ist das Welpenparadies verlassen (bis auf ein Überbleibsel). Für dieses Frühstück haben wir uns natürlich schönes Wetter gewünscht, denn wir erwarten rund 30 Besucher. Die verteilen sich im Garten unter südlicher Sonne besser als in der Küche und der guten Stube. Und die Stimmung ist auch heller.

Doch bevor es um 11 Uhr losgeht, müssen noch die letzten Formalitäten erledigt werden: Die ultimative Speckrollen-Statistik muss heute für die Ewigkeit eingeschweißt werden. Die meisten haben sich vornehm zurückgehalten, das ganz große Ziel war für die meisten nicht mehr zu erreichen, man hat es beschaulich austrudeln lassen. Unspektakuläre 1990 Gramm haben sie sich angespeckt und aufgemuskelt. Und nur zwei Positionen haben sich getauscht. Hobo hat Harpo noch auf dem letzten Meter weggekickt und Hakuna hat sich Hias noch auf den letzten Metern geschnappt. Und so sieht sie aus, die Rennliste der Hallodris am 24. April 2017:

1. Hallodri (7480), 2. Hartl (7150), 3. Hugo (7070), 4. Hetty (6850), 5. Hobo (6820), 6. Harpo (6800), 7. Halina (6720), 8. Hakuna (6690), 9. Hias (6660), 10. Hedda (6410), 11. Hubsi (5890).

Abschied von den HallodrisAbschied von den HallodrisJetzt wäre es von Interesse, ob es irgend jemanden gibt, der beim Hallodri-Bingo den Haupttreffer gelandet und alle richtig getippt hat. Wir sind gespannt. Aber bisher hat sich niemand getraut, einen Tipp abzugeben, deshalb wird sich kaum jemand trauen, jetzt zu behaupten, er oder sie habe alles richtig geraten. Chance vertan, jetzt ist es zu spät.

Bevor die Hallodri-Entführer eintreffen, nutzen wir die letzte Chance, uns von der Zauberschar allein und in Ruhe zu verabschieden, aber die kleinen Wichtigtuer haben Wichtigeres zu tun, als unseren Liebeschwüren und Durchhalteparolen zu lauschen. Das Leben ist auch an solchen Tagen ein Abenteuerspielplatz. Ja, was denn sonst? Melancholie steht für sie auch heute nicht auf der Agenda.

Um Alexandras AbschiedsmuffinsAlexandras Abschiedsmuffins11 Uhr ist der Garten voll, auch die Teller und Gläser sind voll und alle sind voller Gefühle. Alexandra hat noch einmal Hallodri-Muffins geliefert, um uns allen zu signalisieren, dass wir sie alle, einschließlich Mama und Papa, zum Fressen gern haben. Der Zauber des Tages bekommt einen besonderen Glanz, als Alexandra mit ihrer Familie, alle sehr gute Musiker, den Hallodris zum Abschied eine Hallodri-Polka spielen und ein selbst verfasstes Ständchen singen. Leider bringt es die Polka an den Tag, dass wir die Hallodris zwar mit vielen Wassern gewaschen haben, AbschiedAbschiedsversammlung im Gartenunter denen leider kein musikalisches war. Diese Übung haben wir eingestellt, als wir beim Versuch des Vizes, frühere Welpen saxophonfest zu machen, einsehen mussten, dass sich diese mit einem veritablen Bläsertrauma herumschlagen mussten. Und weil ja nicht jeder Welpe in einen musikalischen Haushalt geht, haben wir beschlossen, diese Sozialisation besser den neuen Besitzern zu überlassen. Die Reparatur solcher Schäden ist nämlich langwieriger als die Gewöhnung vor Ort. Die Folge dieses bewussten Versäumnisses ist, dass mit Einsetzen der Hallodri-Polka die Hallodris ihrerseits ein markantes Konzert zu Gehör bringen, weil sie offenbar keinen Zugang zum Dargebotenen finden und meinen, Trompetenstöße mit vielstimmigen Kehllauten neutralisieren zu können. Der Versuch scheitert und Hallodri-PolkaHallodri-Polkadie Hallodris ergeben sich ihrem Schicksal. Gegen ihren Willen, aber sehr mit unserem Einverständnis.

In solchen Augenblicken spürt man, dass hier Menschen sitzen und stehen, die nicht nur einen Hund kaufen StändchenStändchenwollen, sondern wir Menschen um uns haben, denen diese Hunde ans Herz gewachsen sind und die nicht weniger mit uns leiden als wir selber. Wann hat man schon weinende Welpenkäufer mit glänzenden Augen im Garten? Diese ganz besonderen elf Welpen, die nicht nur uns so sehr ans Herz gewachsen sind, genau sie haben diesen Abschied verdient, der keinem vor ihnen vergönnt war. Liebe Hiasls, das war das ergreifendste Geschenk, das uns und unseren Kindern je gemacht wurde. Und für die richtigen Empfänger!

Wir wollen euch allen das Gstanzl (Ständchen) nicht vorenthalten. Wenn ihr es livehaftig hören wollt, müsst ihr die Hiasls einladen. Und wer das Wortwerk nicht versteht, muss zum Bairischen Blues kommen und sich sprachfest machen lassen. Jederzeit willkommen.

Ständchen

für Hartl, Hias, Hakuna, Hugo, Hedda, Hubs, Hetty, Halina, Harpo, Hobo und Hallodri vom Bairischen Blues

 

Mir wünschen dir Glück und
dass allweil ois stimmt und
dass allweil as Herrli
von der rechtn Seitn kimmt.

A Pansen, a Wiener,
a Pizzarand, a Bier und
dass'd allsamm vertragn kannst,
des wünschn mir dir.

A Futter fürs Napferl,
a scheens langes Leben und
a recht guade Gsundheit
soll da Herrgott dir gebn.

Vergelt's Gott.

WeißwurstfrühstückWeißwurst-FrühstückNachdem die Speicher der Herrschaften mit Weißwurst, Leberkäs, Brezen, Bier, Wein und Limo gefüllt sind, geht es um kurz nach 13 Uhr los. Hakuna verlässt uns als erste in Richtung Schweiz, deswegen muss sie auch als erste Abschied nehmen. Eine halbe Stunde später fährt Hetty in Richtung Hohenpeißenberg davon. Hubsi verabschiedet sich um 13:45 Uhr in Richtung Regensburg, nicht ohne seinem Vize noch ein Andenken zurückzulassen: eine blutige Lippe. Wir würden dich auch ohne die nicht vergessen. Um 14:10 Uhr gibt Harpo seinen Abschied, weit zieht es ihn aber nicht weg, nur wenige Kilometer nach Bad Feilnbach. Um kurz nach halb drei zieht Hallodri davon, Ziel Landkreis Erding, auch keine Tagesreise, aber immer einen Kaffeeausflug wert. Kurz vor drei Uhr macht sich Hartl auf den Weg nach Otterfing, Luftlinie 16 Kilometer. Hugo folgt ihm wenige Minuten später, allerdings in die andere Richtung, nach Osten und Kolbermoor, mit 13 Barzahlung per Caiman-CashBarzahlung per Caiman-CashKilometern noch näher an seiner Brutstätte dran. Minuten später zieht Halina ihrer Wege zu ihrer Schwester Hetty nach Hohenpeißenberg. Um 15:45 Uhr verlässt uns Hobo in Richtung Eichstätt. Nun ist es schon fast gähnend leer im ehemaligen Welpenparadies, das Fianna und ihre Resterampe Hias und Hedda etwas verstört durchstreifen. Wir machen mit Hedda, Hias und seinen Leuten noch einen Spaziergang hinüber zur Mangfall, damit sich Glieder und Gemüter wieder lockern. Einen Kaffee gibt es noch zum Abschied und um 16:30 Uhr ist auch Hias weg. Aber was heißt schon weg? Uns und ihn trennt in Zukunft kaum ein Kilometer. Von Abschied kann unter diesen Umständen wenig die Rede sein. Insofern wäre es falsch, wenn wir nun beklagen würden, dass wir ab diesem Moment mit Hedda allein zurückblieben. Das wäre schon Fianna gegenüber mehr als unanständig, mehr aber noch gegenüber Hedda, an die wir nach langen und vielen inneren Walfahrten unsere Herzen verloren. Sie bleibt uns. Und Fianna bleibt uns, Anouk und Franzi grüßen freundlich aus ihren Herzkammern. Es ist alles gut.

Nun würde man sich gerne in den fast leeren Garten setzen und die Beine hochlegen. Doch es gibt Wichtigeres zu tun: Das Paradies räumen. Wir wollen alles, was an die Welpen erinnert sofort wegräumen, um es Fianna und Hedda nicht zu schwer zu machen. Früher packten wir, wenn es der Termin zuließ, den ganzen Familienstand zusammen und flohen für ein paar Tage irgendwohin, vornehmlich, um der Mutter den Abschied leichter zu machen. Heute geht das nicht. Also wird geräumt und verstaut, der Parcours, die Spielsachen, alles weg, nur die Gitter bleiben noch ein paar Tage stehen, um Hedda unter Kontrolle zu halten. Um 20:30 Uhr ist der ganze Krempel irgendwie geschafft, und wir sind es auch. Die Fitness-Uhr der Chefin, die sie täglich daran erinnert, mindestens 9000 Schritte zu tun, gab heute schon um 9:30 Uhr Entwarnung. Um 21 Uhr meldet sie 24.000 Schritte. So kann aus dem Versuch, einen Burn-Out zu vermeiden, leicht ein Burn-Through werden. Kolbenfresser nennt man so etwas wohl. Und Schuld an allem wären nur die Hallodris, die durchgebrannten oder eben: die through-geburnten.

Der Herzschmerz über die enteilten Herzgewächse wird schnell verwunden sein. Vielen von ihnen werden wir in der Welpenschule in Siegertsbrunn wieder begegnen, und vor allem sind die meisten nur so weit weggegangen, dass der Kontakt nicht abbrechen wird.

Die ersten Rückmeldungen via WhatsApp bestätigen, dass alle Hallodris die Emigration bestens bewältigt haben, und die mitgeschickten Film-Sequenzen belegen, dass ein Hallodri ein Hallodri bleibt, egal unter welchem Luftdruck er Druck ablässt. Den Hallodris geht es unverkennbar gut und sie fühlen sich wohl und schon zu Hause in ihrem neuen Heim. Und die Herzen, die schon wochenlang angeknackst und kaum mehr zusammenzuhalten waren, sind nun endgültig gebrochen. Gut so; das eint uns alle im freudigen Leid.

 

Epilog

Familie EichinFamilie EichinHartl lebt jetzt in Otterfing, im Süden Münchens und nur 16 Kilometer von seiner Geburtsstätte entfernt.

Hartl war nicht nur der erste Hallodri, der seine Mutter am 27. Februar um kurz vor 21 Uhr verließ und Ausschau hielt, was ihn und seine Geschwister da draußen in der bayerischen Kälte wohl erwarten wird, sondern war auch anschließend häufig vorn dran. Hätte sich Hartl beim Militär für eine bestimmte Einheit entscheiden dürfen, hätte er sich wohl für die Pioniere entschieden. Als wir den Welpenparcours aufbauten und den kleinen Hallodris die Tore öffneten, stiefelte der Zwerg Hartl alleine durch das unbekannte Outback des Bairischen Blues und erkundete das Gelände für seine Geschwister, die sich vornehm zurückhielten. Er erledigte das allein, unbekümmert, nassforsch, allerdings nicht blindlings und hirnlos. Er war sehr bei sich und bei der Sache und nahm diese auch ernst. So forsch er in seinen Forschermomenten ist, so zurückhaltend war er im Umgang mit seinen Geschwistern; er spielte sich nicht in den Vordergrund und ging Streitereien aus dem Weg. Hartl ist ein prima Kumpel, beteiligt sich an jedem Schabernack und lässt nichts anbrennen. Aber über die Stränge schlug er nie, es sei denn bei seiner Mama, die ihn des Öfteren in die Mangel nahm und das kleine Einmaleins des Hovi-Benimms unters zarte Fell injizierte. Aber auch diese Seelenmassage beschädigte den kleinen Kerl keineswegs, warf ihn nicht aus der Bahn und nahm ihm kein Stückchen seines reichlich vorhandenen Selbstvertrauens. So gesehen, machte Fianna vermutlich alles richtig, indem sie den Vorwitz ihres Erstgeborenen ein wenig einhegte, bevor er sich möglicherweise noch zum Trump des H-Wurfs entwickeln hätte.

Hartl, um dich machen wir uns keine Sorgen, du liegst wie ein Fels im Flussbett und teilst das Wasser. Die vorbeigleitenden Leckerbissen sind in jedem Fall die deinen, aber im Trüben wirst du nicht fischen. Du wirst deinen Weg machen und dabei deiner Familie viel Freude bereiten. Und nimm es uns nicht krumm, dass wir dich beim Tierarzt mal kurz in Weichl umtauften, das ist dem Vize nur so rausgerutscht. Nein, nur weil einem einmal eine Situation nicht in den Kram passt und man das auch deutlich ausspricht, ist man noch längst kein Weichl, höchstens jemand, der sich auch zu protestieren getraut, wo die anderen auf die Lefzen beißen. Der Vize nimmt den Weichl mit Bedauern zurück.

Man sieht sich.

 

Familie BaumerFamilie BaumerHias lebt nun kaum einen Kilometer von seiner Wiege entfernt in Bruckmühl.

Hias ist der Paradiesvogel der Hallodris. Hias gehört zu jenen Geschöpfen, die nicht nur ein Herz im Leib tragen, sondern dieses auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit in beide Hände nehmen. Er erobert damit seine Welt und wenn er das als erledigt betrachtet, verschenkt er es eben. Hias ist selbstbewusst und lustig, streitbar und clownesk. Nicht selten haben wir ihn auf Fotos, die wir nicht sofort identifizieren konnten, an seinen, wie die Chefin meinte, irren Augen erkannt, weil sein Spaß und seine Lebensfreude auch vor seinen Augen nicht Halt machen. Er ist nicht nur mit ganzem Herzen bei der Sache, sondern mit allem, was ihm zur Verfügung steht. Und dann rollt er eben vor Begeisterung die Augen, wie sie ein drittklassiger, schwarz angeschmierter Weißer in einer Minstrel-Show kullerte, wenn er einen Schwarzen spielen wollte. Natürlich stand Hias seinem vorwitzigen Bruder Hartl in Sachen Neugierde kaum nach, allerdings stürzte er sich lieber als Erster auf Besucher als auf einen in einer finsteren Ecke des Gartens wuchernden Rhododendron. Wenn es ums Futter ging, kannte Hias keine Geschwister und kein Pardon; das verteidigte er kompromisslos, wenn es seiner Meinung nach sein musste, auch gegen die Chefin und ihren Vize. Das hat ihm mit uns auch Ärger eingetragen, weil er in gewissen Phasen seiner Entwicklung gerne mal die Grenzen des Anstands überschritt. Aber Hias ist nicht nur lustig, neugierig und selbstbewusst, sondern er lernt auch schnell, was ihn nach nur wenigen Lerneinheiten dazu veranlasste, einen Gang zurückzuschalten und seine Ansprüche zu mäßigen. Das bei weitem Beeindruckendste an diesem Bayerischen Hiasl ist sein Spiel- und Beuteverhalten. Hias spielt leidenschaftlich und mit jeder Faser seines Lebens. Wie er beim Studio-Test im Dach sich selbst beschäftigte, ohne den Fotofix in der Ecke auch nur zu bemerken, wie er nicht wartete, bis irgendein gütiges Schicksal oder ein Erdbeben Bälle und Beißkissen in Bewegung setzten, um sie zu jagen, sondern sie selbst in Bewegung setzte, um ihnen nachjagen zu können, war ein besonderes Schauspiel. Ganz mit der Welt im Einklang tobte dieser kleine Hias durch unser Dachstudio, als ob es kein Morgen gäbe. Hias rockt die Welt, wie sie ist, und wenn sie nicht nach seinen Vorstellungen ist, legt er sie sich zurecht.

Als Nachfolger eines lange und innig geliebten Familienmitglieds hat es niemand leicht. Immer wird man verglichen und nicht jede(r) schafft es, aus dem mächtigen Schatten zu treten. Du, lieber Hias, hast zwar deinen Vorgänger Champ nicht vergessen gemacht, das wirst du auch nicht schaffen und soll auch nicht sein, aber du hast es schon in den ersten Wochen eures Kennenlernens geschafft, dass du bei deinen neuen Leuten der Hias bist und nicht ein unvollendeter Champ. Mehr kann man sich in dieser kurzen Zeit nicht erarbeiten. Lange haben sie gebraucht, bis sie sich schließlich für dich entschieden, aber mit dem geklauten Autoschlüssel hast du ihre Herzen pulverisiert. Von nun an bist du der Hias von Bruckmühl, und aus voller Überzeugung können wir dir versichern: Besser hättest du es nicht treffen können. Du wirst nie ein Champ sein, aber immer der Hias, der einzigartige vom Bairischen Blues und der von Bruckmühl.

 

Familie HombergerFamilie HombergerHakuna hat ihr neues Lager im schweizerischen Schaffhausen aufgeschlagen.

Hakuna ist so schwarz wie ihre Mama und trägt das gleiche Strahlen in ihren Augen wie sie. Das Auffälligste an ihr ist jedoch das Tempo, das sie an den Tag legen kann. Schon als winziger Zwerg war Hakuna immer fixer unterwegs als ihre Geschwister, nicht immer stilsicher, gelegentlich auch in bedrohlicher Schief- und Schleuderlage, aber schnell. Das nächste, das sie ausmacht, ist ihre Sammelleidenschaft. Ständig war sie unterwegs und sammelte wie ein Obdachloser alles, was ihrer Meinung nach verwertbar sein könnte, und schleppte es herum. Wenn es für die Geschwindigkeit von Vorteil war, steckte sie sich so ein Sammelteil auch mal auf die Nase (Blumentopf) und kreierte dadurch einen völlig neuen Blues-Style, die Blumentopf-Burka. Sammeln und Sausen als Einheit löste immer ein höllisch rasantes Spiel aus, in das alle gerne einfielen und das Hakuna meist an der Spitze sah, solange, bis die anderen sich ihrer Kernkompetenz als jagendes Rudeltier erinnerten, sie in den Kessel nahmen und ihr die Beute abnahmen. Traurig war sie darüber nie, wurde auch nicht zickig oder zornig, sondern suchte sich ein neues Sammelobjekt und startete ein neues Spiel. Wenn Hakuna gerade nicht als Blitz durch das Paradies kugelte, saß sie manchmal lange Zeit und beobachtete ihre Welt, offenbar kartographierte sie diese, möglicherweise auch, um bei der nächsten Hetzrunde noch schneller alle Hindernisse umrunden zu können und die geschwisterlichen Gegner in die Falle zu locken. Doch ihre größte Leidenschaft war ihre Mama. Ihre Mama ging ihr über alles. Für ihre Mama brach sie jedes Spiel ab und wenn immer Fianna sich gastfreundlich niederlegte, legte sich Hakuna zu ihr und kuschelte, kroch ihr buchstäblich unters Fell und ließ sich von ihr durchknibbeln und kneten. In diesen Momenten entdeckte sie die Langsamkeit, den ihr Name signalisieren sollte, den wir ihr aber augenscheinlich etwas voreilig gaben, jedenfalls hast du, liebe Hakuna, dich nur beim Kuscheln mit deiner Mama daran gehalten. Ruhig lässt du es nicht angehen, hektisch bist du zwar nie, aber einen Puls wie ein Blauwal, wie ihn dein Vize gelegentlich erzeugt, wirst du vermutlich nie hinkriegen. Du steckst so voller Leben und Feuer, dass wir dich auch Hellfire hätten nennen können. Wie du es schafftest, am Abiturtag als Einzige ein ruhiges Temperament bescheinigt zu bekommen, ist uns noch immer schleierhaft.

Der Vize hätte dich gerne bei sich behalten, aber bei deinen neuen Leuten bist du mindestens ebenso trefflich gelandet. Dafür, dass sie seit der Zeit deiner Halbgeschwister vom G-Wurf auf dich warteten, haben sie dich mehr als verdient. Auf der Nase wirst du ihnen nicht herumtanzen, auch nicht mit einem Blumentopf auf der deinen, weil sie mit solchen Explosivgeschöpfen, wie du es bist, reichlich Erfahrung haben. Du wirst ihnen dennoch gelegentlich Kopfzerbrechen bereiten, vornehmlich aber wirst du ihnen das sein, was du auch für uns warst: ein unbekümmerter Sonnenschein, ein Quell purer Lebensfreude. Obwohl der Rheinfall nun Teil deines Lebens ist, wirst du sicher nie ein Reinfall für deine Leute sein. Aber sie werden gelegentlich dein Abiturzeugnis hervorziehen, den Kopf schütteln und über die Langmut des Papiers schmunzeln.

 

Familie WiedemannFamilie WiedemannHugo lebt nur wenige Kilometer weiter in Kolbermoor bei seiner Tante Lily Rose (Exe vom Bairischen Blues) und seinem Großonkel Barney (von der Poloniusburg).

Hugo gehörte zu jenen Hunden, die in einem Wurf wenig auffallen, deswegen aber nicht weniger präsent sind. Gerade die Zurückhaltenderen haben oft mehr Substanz als die Rampensäue. Sein Abiturzeugnis belegt jedenfalls, dass er sich in keiner Hinsicht von seinen Geschwistern unterscheidest; immerhin hat er sogar in Sachen Temperament seiner Schwester Hakuna den Rang abgelaufen. Hugos auffälligstes Merkmal ist seine Menschenfreundlichkeit, Hugo ist der Philanthrop des H-Wurfs. Wo sich ein Mensch aufhielt, war Hugo nie weit (es sei denn, er wäre gerade hinter Hakuna und ihrer Beute her gewesen). Wir sind uns sicher, dass es keinen Besucher gibt, dem Hugo nicht auf den Schoß geklettert wäre. Wir erinnern uns an Situationen, in denen Besucher staunten, dass sie schon wieder Hugo auf dem Schoß hatten, obwohl gerade noch ein anderes Geschwisterchen dort kuschelte. Hugo schaffte es immer, die Herzen der Besucher zu pfeilen, so dass sie es nicht merkten. Und in Sachen Schoßhocken hatte er Geduld für alle seine Geschwister zusammen. Und auch unter ihnen hielt er sich gerne auf. In den ersten Wochen war noch häufig aktiver Teil von Auseinandersetzungen, denen er nicht aus dem Weg ging, doch bald fand er sein Gleichgewicht und war von allen gut gelitten.

Hugo, so hört man, sei der Schönste der Hallodris. Als ob das ein Kriterium wäre! Sicher gehört er zu den Gelassenen, zu denen, die mit der Musik ziehen, aber keine notorischen Adabeis sind. Wenn wir uns durch den riesigen Bilderstapel der Hallodris wühlen, stellen wir immer wieder erstaunt fest, auf wie vielen sich Hugo befindet. Offenbar versteht er sich bestens auf ein Leben als Tarnkappen-Hallodri. Ob er diese Existenz entwickelt hat, um bei seinen zukünftigen Mitbewohnern nicht in die Schusslinie zu geraten, wissen wir nicht. Wahrscheinlich ist das nicht. Die siebenjährige und mittlerweile dreibeinige Lily hat das Heft fest in der Hand, aber zusammenfalten wird sie ihn nicht, dazu ist sie viel zu souverän. Und der vierjährige Barney ist ein ausgemachter Gutelaunebär, dem der Sinn nicht nach Keilereien steht.

Lieber Hugo, wir kennen deine Leute nun lange genug, um sicher zu sein, dass es dir bei ihnen und deinen zwei Mitbewohnern an nichts mangeln wird. Die anderen beiden haben sich jedenfalls noch nie beschwert. Allerdings musst du jetzt auf den Namen Henry hören, weil die zur Hälfte englische und bayerische Belegschaft Sorge trug, dein Gehorsam könnte am Sprachkonflikt zwischen "Hugo" und "Jugeou" leiden. Deswegen nun also Henry, der beiden einigermaßen geschmeidig von den Lippen geht. Uns soll es recht sein, Henry, Hauptsache du hast dagegen keine Einwände. Wenn du ihnen so an den Lippen hängst wie uns und unseren Besuchern, ist es völlig egal, welchen Namen sie über diese bringen.

 

Familie MandlingerFamilie MandlingerHubsi hat sein Lager nun in Hemau, westlich von Regensburg, aufgeschlagen.

Hubsi hatte einen beträchtlichen Nachteil gegenüber seinen Geschwistern zu verkraften: Er wurde von seiner Mama erst zwei bis drei Tage nach seinen Geschwistern zur Produktion freigegeben, was ihn körperlich ein bisschen ins Hintertreffen geraten ließ. Was ihm an Größe und Gewicht mangelte, glich er jedoch spielend durch seinen Charme und seinen Witz aus. Natürlich war der kleine Kugelblitz bei allen Besuchern der Star, sein pfiffiges Gesicht entwaffnete alle. Und es schien, dass er um dieses Geschenk wusste, jedenfalls tat er nichts, um es zu verbergen. Unter die Räder kam der kleine Kerl auch nie, obwohl er immer mitten im dicksten Tohuwabohu anzutreffen war. Wo Polka getanzt wurde, gab Hubsi den Eintänzer, und wo Hubsi zum Tanz bat, waren alle flugs dabei. Nicht nur unsere Besucher hatten an ihm einen Narren gefressen, auch seine Geschwister hakten sich bei ihm unter und tobten mit ihm, Hu-Hu-Hubsi skandierend, durchs Revier. Die Butter vom Brot hat ihm auch nie eine(r) genommen, höchsten den Pansen aus dem Baumstumpf, aber Hubsi wusste immer wie und bei wem er sich schadlos halten konnte. Der Kleine war auch ein großer Sänger, nicht selten das lärmende Sprachrohr und scheppernde Megaphon der Hallodris. Hubsi erhob gerne und nachdrücklich seine Stimme. Meist waren es keine Beschwerden, vielmehr fand er es angezeigt, seine Geschwister und deren Tun zu kommentieren. Aber wenn ein Klagelied anzustimmen war, war Hubsi der Erste, der es anstimmte. Und noch eine Fertigkeit hat er rasch perfektioniert: den Umgang mit seinen rattenscharfen Zähnchen. Hubsi entwickelte sich zum Chefkrokodil der Hallodris. Wenn der Fortschritt auf wundersame Weise, aber abrupt, ins Stocken geriet, war meist Hubsi die Ursache, die da am Bein hing. Am liebsten aber thronte er etwas erhöht auf irgendeinem Paradiesmöbel und spielte King of the Mountain: Hubsi, der Taktgeber, Hubsi, der Vorsänger, Hubsi, der Feldherr und Hubsi, der Bergprediger. Statt Brot und Fische verteilte er allerdings gerne mal Backpfeifen und Kopfnüsse. Und seine Geschwister ließen ihn gewähren und revanchierten sich nie dafür. Hubsi war nicht nur bei uns Menschen Everybody's Darling und wiederlegte damit das Bonmot des ehemaligen Landesvaters Strauß, dass Everybody's Darling Everybody's Depp sei. Zu keiner Zeit war Hubsi ein Depp, noch nicht einmal ein Hofnarr war er. Er hatte alle und alles im Griff, am griffigsten unsere Herzen. Die Gnade einer etwas zu frühen Geburt umgab den kraftvollen und selbstbewussten Rüden mit einem Zuckerguss, der den herzhaften Inhalt überlagerte. Wenn das Süßholz abgeraspelt ist, wird dem Candy-Hubsi-Cocon ein Handy-Hubsi und Randy-Hubsi entsteigen, ein Kerl voller Saft und Kraft, der seinen Platz im Leben beanspruchen und behaupten wird. Deine Leute haben das bereits erkannt und sprechen von dir seit Kurzem nicht mehr von Hubsi, sondern von Hubert. Mensch, ging das schnell...

Hubsi (für uns wirst du noch eine Weile Hubsi bleiben), auch wenn du den Abschiedskuss des Chronisten mit einem Vampirkuss beantwortetest, haben wir nichts als Gutes über dich zu berichten; man muss sich ja auch nicht von jedem küssen lassen. Über dein Personal haben wir auch nichts Schlechtes zu vermelden, sondern legen es dir im Gegenteil ans Herz und vertrauen es dir an. Du wirst das alles perfekt managen, weil der erste Teil deines Namens auf Hugo zurückzuführen ist und dem altgermanischen 'Geist' entspricht und der zweite Teil, der Bert, 'glänzend' bedeutet, was darauf hinausläuft, dass du einer bist, der durch seinen glänzenden Verstand besticht. Was zu beweisen war.

 

Familie ScheerFamilie ScheerHetty ließ sich in Hohenpeißenberg, im schönen Pfaffenwinkel, nieder.

Hetty hat viel von ihrer Mama: Sie mag Menschen, liebt die Welt und das Leben und ist lästigen Farbflecken abhold. Hetty gehörte zu jenen Hallodris, die, wie der berühmte Hansdampf, auf nahezu jedem Foto des Chronisten zu sehen waren, was ihm bei der Auswahl der Tagesbilder große Seelenpein bereitete, schließlich durfte die Chronik der Hallodris nicht in Hetty-Festspiele ausarten. Jeden Tag Hetty? Aber verdient hett sie es schon, denn, wer unermüdlich in Sachen Selbstvermarktung unterwegs ist, hat immer irgendeinen Fuß in der Tür; im Falle eines Hundes sind das immerhin vier. Hetty besitzt offenbar auch jenen Grundinstinkt, der einen zuverlässig ins Scheinwerferlicht rückt. Jeder weiß, dass Kinder die natürlichen Blick- und Herzensfänger sind. Kleine Hunde auch. Hetty schloss daraus messerscharf, dass kleines Kind und kleiner Hund der Megaherzenskiller sein müsste. Und damit lag sie goldrichtig. Dementsprechend war Hetty immer dort, wo Kinder waren, und kein Kinderschoß blieb lange unbehettyed. Doch täten wir Hetty unrecht, wenn wir diese Kinderliebe als Merketingkalkül abtäten, nein: Hetty liebt einfach das Leben, ist allem und jedem gegenüber aufgeschlossen und stürzt sich mit breiten Armen drauf und dran. Das lässt sich bei kleinen Menschen unkomplizierter verwirklichen als bei Menschenbergen, die noch dazu steife Knie haben und wie Festungen in der Landschaft stehen. Es ist Hettys völlig offenes Wesen, das sie den Menschen in die Arme treibt. Doch auch unter ihren Geschwistern hatte sie keine Neider oder Gegenspieler, sie war beliebt und ein begehrter Spielpartner. Schnell war sie, trickreich und gelegentlich hatte sie es faustdick hinter den Ohren; aber das hatten ja eigentlich alle Hallodris. Schlafmützen und Dumpfbacken bescherte uns Fianna nicht. Was hinter ihren Auftritten an der vordersten Bühnenkante häufig verborgen blieb, war ihre Spielleidenschaft. Sie war die Hallodra, die am häufigsten mit Bällen und Flauschis unterwegs war, allein mit sich und dem Spiel. Unvermittelt konnte sie das Teil dann in die Luft katapultieren und ihm resolut, aber mit teuflischem Spaß in den Augen, nachjagen. Die Kinder-Hetty hat eine finster-süße Seite, die ihr den faden Schmelz des Sugarbabys nimmt. Was ihre Geschwister wohl auch bestätigen würden, denn rücksichtsvoll war die Schwarze nicht immer, gelegentlich keilte sie auch kräftig aus und um sich, was sie jedoch mit der Zeit auf die Momente reduzierte, wo es ihrer Meinung nach unumgänglich war, etwa beim Kampf um die letzten Reste in den Schüsseln. Nicht ohne Grund vollzog Hetty eine beeindruckende Reise durch alle Höhen und Tiefen der Gewichtstabelle. Und auch ihre deftige Magen- und Darmverstimmung, die sie in ein kotzendes Elend verwandelte, kam nicht vom Daumenlutschen, sondern weil sie sich an Mutters Knochen vergriffen und übernommen hatte.

Der Vize und Chronist schwört auf solche schillernden Charaktere mit Abgründen und hätte dich, wie Hakuna, in seinen Harem aufgenommen. Sei's drum, du hast es auch so großartig getroffen. Deine Leute werden dich auf Händen tragen, obwohl du längst mit allen Beinen fest im Leben stehst und dich selbst schwankende Untergründe nicht mehr aus dem Gleichgewicht bringen. Wenn es dir an etwas nicht mangelt, ist es Selbständigkeit und Standfestigkeit. Davon werden wir uns noch oft genug selbst überzeugen können.

 

Familie SchröderFamilie SchröderHalina stellt ihre Hütte in nächster Nachbarschaft zu Hetty in Hohenpeißenberg auf.

Auch dir hätte der chronische Vize ein Dach über dem Kopf gegeben, da aber seine Freunde ihre Augen gar nicht mehr von dir lassen konnten, war die Entscheidung gefallen, bevor sie reif war.

Mit jedem Wurf macht man als Züchter neue Erfahrungen und lernt etwas hinzu. Eine unserer Erfahrungen ist, dass stille Wasser abgründig und voller Überraschungen sind. In jedem Wurf hatten wir ein solch stilles Wasser und jedesmal wurde uns diese Erfahrung bestätigt. Halina ist das stille Wasser der Hallodris. Ursprünglich fiel sie vorwiegend durch ihr Äußeres auf: Halina ist schön, anders als ihre Schwestern, die zwar auch schön sind, aber nicht auffallen, weil sie wie ihre Mama sind und deshalb in unserem Hause optisch keinen neuen Reiz setzen. Halina ist anders. Sie ist auch anders, weil sie ruhiger als ihre Schwestern ist, dadurch nicht dauernd im Fokus steht. Dennoch ist sie immer mittendrin und auch dabei. Auch in diesem Aspekt setzt sie die Reihe jener augenscheinlich unauffälligen, aber dennoch präsenten Blues-Ableger fort. Von all denen ist keiner zum Mauerblümchen oder zur Trauerweide geworden. Ganz im Gegenteil. Schon im Spiel mit ihren Geschwistern ließ Halina erkennen, dass in ihr viel Potential schlummert, jedenfalls gab sie nicht nur Kontra, sondern teilte auch kräftig aus. Und wenn jemand ihr Kontra gab, ließ sie nicht auf das Re warten. Ihre zwischengeschwisterliche Kommunikationskultur war beherzt, aber nie grob. Mit uns Menschen ging Halina eher vorsichtig um, die schmerzlichen Attacken gingen zumeist nicht von ihr aus, jedenfalls nicht in jener Entwicklungsphase, in der alle meinten, ihre Waffen an uns testen und polieren zu müssen. Halina fand erst später zu dieser Art Freizeitgestaltung, ließ es dann aber nicht an Stanzfestigkeit vermissen. Noch beim Studio-Test zeigte sie leichte (!) Zweifel an der eigenen Courage. Was tatsächlich in ihr steckt, offenbarte Halina bei der Wurfabnahme. Wer ihr bis dahin ein zurückhaltendes Wesen zuschrieb, wurde von ihr eines Besseren belehrt; sie bestand diese Prüfung, wie alle anderen, mit Bravour und ohne Wackler. Wir Blues-Insider fühlen uns bestätigt, dass Halina langsam kommt, nun aber gewaltig. Während der letzten Tage bei uns ließ sie bereits manche Hüllen fallen; die letzten waren es definitiv nicht. Schon jetzt zeichnet sich ein zauberhaftes Wesen ab. Aus den Tiefen des stillen Wassers steigt etwas sehr Besonderes.

Liebe Halina, die Wurzeln deines Namens liegen im Altgriechischen 'Galene' und 'Helene'. Galene steht für Ruhe und Stille und beschreibt einen Teil deines Wesens sehr trefflich. Helene steht für Fackel oder Glanz, und das ist es, wohin du dich gerade zu entwickeln scheinst. Doch den letzten Schlüssel liefert das arabische Wort 'Halima': Traum! Und das bist du für deine Leute heute schon: ein Traum. Ein Traum, der ihre Albträume der jüngsten Vergangenheit vergessen macht, das lange Leiden und der viel zu frühe Tod deiner unvergessenen Vorgängerin Doosie sowie die qualvolle Odyssee deiner Namensgenossin Helena, die dir noch gerne Koseworte in die flauschigen Ohren geflüstert hätte. Wer weiß, vielleicht war sie es ja, die dich nach Hohenpeißenberg befahl?

 

Familie Holthaus-VehseFamilie Holthaus-VehseHarpo lebt jetzt in Bad Feilnbach, zu Füßen des Wendelsteins.

Harpo bezieht sich mit seiner Namensgebung auf den wortlosen Marx-Bruder, der durch zweierlei zu Weltruhm gelangte: durch sein Harfenspiel, weshalb er eben Harpo heißt, und seine Pfiffigkeit. Unser Harpo spielt nicht Harfe, das war schon bei seiner Namensvergabe klar. Wortlos oder stumm ist er auch nicht. Bleibt die Pfiffigkeit, und da kann er mithalten. Eigentlich ist Harpo ein gut geschnürtes Rundumpaket aus Wohlgestalt, Bewegungsgenie und Verschmitztheit. Wollte man Harpo auf die Schnelle in eine Schublade stecken, würde man ihn Sonnyboy nennen. Erste Aufmerksamkeit zog er auf sich, als die Hallodris gerade ihre Schnullerbox verlassen hatten und fast alle bei den Versuchen, sich durch die Küche zu bewegen, eine peinliche Figur machten. Mit Bewegungstalent oder gar Bewegungsluxus hatte das nicht viel zu tun. Außer bei Harpo. Er war der Erste, der den Umständen entsprechend stabil auf seinen Beinchen pendelte und nicht unentwegt über die Nase abrollte. Harpo war der Erste, der die nötige Technik entwickelte, um auf dem glatten Fliesenboden Vortrieb zu entwickeln. Er war bis zum Tag seines Auszugs der schnellste und trittsicherste Hallodri. Nur er konnte Radien rennen, die seine Geschwister, die ihn verfolgten, in eine Umlaufbahn beförderten. Harpo ist mit seinen Beinen so talentiert und geschmeidig wie sein Namensgeber mit den Fingern. Diese Gewandtheit, gepaart mit seiner Pfiffigkeit, brachte ihm viele Vorteile im Kampf um Beutestücke. Sein Nachteil war seine Gutmütigkeit. Wo andere, nachdem sie sich die Beute durch Geschwindigkeit und Witz erobert hatten, diese auch mit, wörtlich verstandener, Verschlagenheit verteidigt hätten, ließ sich Harpo selten auf einen Streit ein, sondern sah sich nach einem anderen, herrenlosen Beutestück um. Auch so kann Pfiffigkeit interpretiert werden. Es wäre fast ein Wunder, wenn ein Bewegungstalent wie Harpo nicht auch ein ausgesprochener Spielfex wäre. Spielaufforderungen ließ er eigentlich nie unbeantwortet, sondern stürzte sich mit allem, was ihm zur Verfügung stand, ins Vergnügen, hetzte allem hinterher, was ihm angeboten wurde. Dabei entwickelte er auch mehr Ausdauer als die meisten seiner Geschwister, wobei er mehr auf Abwechslung stand als auf Intensität. Das heißt allerdings nicht, dass es ihm an Triebstärke mangelt – die Zuchtwartinnen gewannen da einen anderen Eindruck – nein, er will sich nur nicht so sehr auf ein Objekt konzentrieren oder beschränken, sondern lieber wie die Biene von Blüte zu Blüte flitzen, um zu sehen, was sonst noch alles im Angebot ist.

Lieber Harpo, du darfst dich auf ein abwechslungsreiches Leben zwischen Pferden und der Jagd freuen, bei Menschen mit einem großen Herzen und viel Hovawarterfahrung. Einem Leben als pfiffiger bayerischer Hallodri steht also nichts im Wege.

 

Familie KasparikFamilie KasparikHobo hat seine Zelte im Workerszell, im Landkreis Eichstätt, aufgeschlagen.

Hobo war der einzige Hallodri, den sogar der identifikationsunbegabte Vize auf Anhieb beim Namen nennen konnte: Hobo hatte nämlich nahezu den gesamten Farbvorrat, den seine Mutter im Angebot hatte, gesammelt und verteilte ihn auf sich, was es dem Vize leicht machte. In Sachen Farbgebung ist Hobo ein Vorzeige-Hovawart, aber ein richtiger Blues-Jünger ist er nicht; Farbluxus gehört seit Anouk nicht mehr zur Tradition des Hauses. Ein bunter Hund war er trotzdem nicht und er fiel deswegen auch nicht dem Diskriminierungsdrang seiner Geschwister zum Opfer, was durchaus hätte sein können, weil Hunde, und Hovawarte im Besonderen, nicht immer frei von Farbrassismus sind. Nicht so bei Hobo, dem seine Geschwister seine Farbangeberei nicht übelnahmen. Hobo war zweifellos der Ruhigste der Hallodris (nicht Hakuna!), aber einer, der immer sehr ausgeschlafen war, wenn es darauf ankam, so zum Beispiel beim Abitur. Hobo ist nämlich tatsächlich etwas ruhiger, aber keinesfalls einer, den sie im Allgäu als Drimslar bezeichnen würden (Träumer, Trödler, Schlafmütze). Nichts von dem war Hobo. Ja, er hat immer gerne und lange geschlafen, hat sich auch mal zur Ruhe gelegt, wenn die anderen gerade wieder einmal die Welt neu erfinden wollten. Nicht unbedingt Hobos Anliegen. In seinem ersten Leben als Wanderarbeiter reiste er in Güterzügen um die Welt, da macht ihm kein naseweiser Hallodri etwas vor. Aber Bilder lügen nicht, und die beweisen, dass Hobo oft, viel und auch schnell auf seinen Beinen unterwegs war. Neben Hubsi und der Allzweckwaffe Hetty war er auch der Stimmführer der Hallodris, ein begnadeter und bei Nichtbeachtung auch gnadenloser Beller, einer, dem nicht alles, aber ziemlich viel ein Kommentar wert war, das allerdings nur im Haus, am Hallodri-Paradies hatte er offenbar nicht viel auszusetzen und hielt meist an sich. Als allerdings der Nachbar seine Harley zur ersten Frühlingsausfahrt aufstöhnen ließ, gab er die Richtung vor und meldete als Erster 'Gefahr im Verzug'. Genau dafür ist ein Hovawart bestimmt. Und das ist dann das eigentlich Erstaunliche an dem Zwerg: Er war schon jetzt ein richtiger Hovawart, augenscheinlich schläfrig und unauffällig, dabei immer auf Betriebstemperatur, und wenn er gefordert war, stellte er seinen Mann, na gut: sein Männchen. Wenn er nicht den unverzichtbaren Wachmann gab, tobte er auch gerne mit seinen Geschwistern herum und beteiligte sich an deren Spielen, aber zum Animateur oder zur Betriebsnudel wird er wohl nicht werden.

Lieber Hobo, in dir steckt schon jetzt viel mehr Hovawart als in deinen wieselnden und wuselnden Geschwistern, die vom Ernst des Lebens noch nichts verstehen. Mit deinem dicken, bunten Bollerkopf und den verträumten Augen hast du ähnlich viele Herzen gebrochen wie Hubsi. Du bist auf eine anrührende Weise seriös, wie es in deinem Alter nicht häufig vorkommt. Für dich haben wir eine Familie ausgesucht, die keinen Flip will und keinen Flop und schon gar keinen Müden Willi, sondern einen Burschen, auf den Verlass ist und der das Herz erwärmen kann. Wir sind fündig geworden. Und jetzt könntest du eigentlich mal bellen...

 

Familie ReichertFamilie ReichertHallodri hat seine Schmusedecke in Walpertskirchen, im Landkreis Erding, ausgebreitet.

Was soll man über so einen noch lange reden? Es ist doch schon fast alles gesagt. Als Schlussakkord hat Fianna den Einpfünder ihrem Leib abgerungen, ein Finale furioso am Faschingsdienstag um Viertel nach drei. Als Zweitschwerster hinter seiner Schwester Hetty nahm er das Rennen um die Pfunde auf und beherrschte das Feld nach einer kurzen Orientierungsphase ab dem neunten Lebenstag souverän. Wie er sich durchs Futter fraß, so fraß er sich durch die Herzen. Wie er sich durch die Herzen fraß, so fraß er sich durch sein und aller anderen Futter. Berggorilla hatte ihn der Chronist wegen seiner kräftigen Statur einmal genannt, aber unsere Besucher, die die Gewichtstabelle im Kopf hatten, fahndeten enttäuscht nach dem großen Hallodri und fanden ihn nicht, weil er zwar schwer war, aber wohlgeformt und wenig größer nur als seine Geschwister. Deswegen hat ihn der Chronist auch nur Berggorilla genannt und nicht Silberrücken. Er war nämlich nie gewaltig, schon gar nicht gewalttätig. Aus seiner Statur erhob er auch nie Ansprüche auf die Rudelführerschaft, wie es ein Silberrücken machen würde, obwohl er selbstredend überall dabei war, wo es krachte und stank. Auf dem Weg zum Kampfplatz konnte er dann ein erstaunliches Tempo entwickeln, um nicht erst bei den Friedensverhandlungen mitmischen zu können. Ein paar Ellenbogenchecks musste er mindestens loswerden, was ihm allerdings regelmäßig zum Verhängnis wurde, wenn er einen solchen an eine seiner kampfstarken Schwestern austeilte. Die falteten ihn (wie übrigens auch die anderen Möchtegern-Machos) dann nämlich so zusammen, dass er in eine Streichholzschachtel passte. Dann lief er heulend zu Mama, die ihn wieder hinaus ins Feuer jagte. So muss es sein: Wahres Heldentum muss reifen. Bei diesen Kampfeinsätzen war ihm einfach noch nicht klar, dass er im Grunde seines Herzens nichts als ein allerliebster Hallodri ist, ein lockerer Bruder Leichtfuß, ein Spitzbub und eine pralle Herzknospe. Für ihn bestand das Leben vornehmlich aus Spaß, er genoss es unbekümmert und in vollen Zügen (hat nichts mit Hobo zu tun) und stellte sich offen und neugierig allen Herausforderungen und Angeboten. Man muss nicht großmächtig sein, nur weil man groß und mächtig ist; man muss die Welt erst trinken, bevor man sie verdauen kann. Machen wir es einfach kurz: Hallodri ist ein herrlich unverkrampfter und offener Schlingel, dem das Leben gelegentlich noch ein wenig zu groß ist.

HannibalHannibalDie Zukunft, lieber Hallodri, wird für dich ein Riesenfass voller Leben bereithalten. Deinen Ansprüchen und Fähigkeiten, die zwar noch in den Kinderschuhen stecken, sich aber deutlich abzeichnen, würde Erding und sein Hinterhof nicht gerecht werden können. Deswegen werden dich deine Leute in ferne Länder führen und fremde Menschen werden dir überall zu Füßen liegen. Dein Chef wird chauffieren, schrauben und schnauben, deine Chefin rangieren, tranchieren und arrangieren, du aber wirst der Herr über Hannibal, den Zehntonner, sein, wie es dein Vorgänger war, der 34 Länder bereiste und den Ruhm des Hovawarts in die Welt trug. Weil schon ein Familienmitglied, nämlich dieser Hannibal, schon einen H-Namen hat, hörst du nun auf Nando, was zwar eine Abkürzung von Fernando sein kann, aber ursprünglich vom germanischen 'nantha' abstammt, was 'gewagt' und 'kühn' bedeutet. Das könnten natürlich für deinen Lebenswandel hilfreiche Eigenschaften sein. Vielleicht schickst du uns mal ein Foto aus der Wüste oder aus San Nandobal.

 

Heike SchubertHeike SchubertHedda ist die Kronprinzessin des Bairischen Blues und bleibt in Vagen.

Es hat lange gedauert, bis wir uns ganz sicher waren. Es hätte Hakuna sein können oder Halina oder Hetty. Oder eben Hedda.

Liebe Hedda, du bist schlicht eine Blaupause deiner Mama (mit mehr Marken), und gerade das ließ uns zögern: Eine zweite Fianna? Eigentlich wollten wir das nicht. Aber was kann man schon ausrichten gegen die geballte Kraft des Unvermeidlichen? Natürlich waren wir positiv alarmiert, als wir in dem ausgelassenen Kugelporsche, der den Garten durchpflügte, deine Mama wieder erkannten und nur noch dich im Blick und Sinn hatten. Die Selbstverständlichkeit, mit der du die Gestade des Blues unter deine Stummelbeine nahmst, ließ dich als Wiedergängerin deiner Mama erscheinen, ein Déja-vu mit Farbklecksen. Sogar ihre Lebenshaltung und -einstellung fanden wir in dir wieder: Schlafen, wenn andere toben. Auf Exkursion gehen, wenn der Rest in der Pofe liegt. Dann mal kurz über den träumenden Haufen brettern, alle aufwecken und sich, wenn alle aus den Federn sind, zur Ruhe begeben. Ist ein solches Sozialverhalten am Ende genetisch? Und in noch einer Eigenschaft stehst du deiner Mama nicht nach: im handfesten Zupacken. Du bist keine Rauferin, wie es auch deine Mama nie war und nicht ist, aber vornehmlich Übergriffe von hinten, auf deinen Allerwertesten oder deine Rute, beantwortest du mit einer Abreibung, die sich gewaschen hat. Du liebe Güte, das kann sie dir doch nicht beigebracht haben, und wenn doch, warum dann nur dir und nicht deinen Geschwistern? Hat sie dich etwa für eine Übernahme vorbereitet? All das hielt uns in einer langen Schwebe zwischen Hingabe und Abgabe. Doch in einer Hinsicht bist du entscheidend anders als deine Mama: Dein Spiel ist tiefer und voller Spaß und Leidenschaft. Du kannst dich mit Bällen beschäftigen, auch mit zwei oder drei, ohne dass du ihrer überdrüssig wirst. Wenn wir dir etwas hinwarfen, nahmst du es auf und brachtest es sofort zurück. Du apportierst schon jetzt aus Spaß und mit Leidenschaft – und das hat dir deine Mama sicher nicht beigebracht. Auch beim ersten Beutespiel nahmst du das Beißkissen schon fest zwischen die Kiefer, gabst aus vollem Herzen Kontra und wolltest nicht mehr loslassen. So viel Herz, Verstand und Biss waren wir nicht gewachsen.

Es sind ja nie die großen Unterschiede, die eine Entscheidung bringen. Manchmal ist es nur ein winziger Blick, der ein Herz sturmreif schießt, eine fahrige Geste zwischen tausend anderen, die den Weg weist. Man stolpert ja auch nicht über einen Berg, sondern über einen Maulwurfshügel. Es hätte tatsächlich eine deiner Schwestern sein können, aber wir meinen, dass es diese Intensität und Tiefe deiner Spielkultur war, das Herzhafte und Beherzte, aber auch das Antizyklische, was uns die letzte Gewissheit brachte, dir das Erbe von Anouk, Franzi und Fianna anzuvertrauen. Die Tatsache, dass auch du uns mit einiger Wahrscheinlichkeit keine blonden Kinder bescheren wirst, war da nur noch drittrangig.

Irgendwann, sehr spät, blickten wir uns an: Same procedure as last time?
Wir nickten uns zu.
Yes, we'll do our very best.


Hier leben die Hallodris jetzt

Nun bleibt uns nur noch, allen von ganzem Herzen zu danken, die zum Gelingen des H-Wurfs beigetragen haben. Wir sagen allen Dank, die sich eingebracht und geholfen haben. Jeder der sich angesprochen fühlt, soll sich umärmelt und gedrückt fühlen. Wir hätten es alleine nicht geschafft, die Hallodris zu dem zu machen, was sie geworden sind: ein Traum. Namentlich lassen wir es uns natürlich nicht nehmen, Fianna und Ery noch einmal explizit in die Arme zu drücken, denn für das, was sie am 28. und 30. Dezember 2016 auf den Weg gebracht haben, ist jedes noch so schöne Wort zu gering.

Ihnen und allen ein herzlich bayerisches Vergelt's Gott.

Und was für die zurückliegenden Würfe galt, gilt auch für die Hallodris:
Wir schließen nun das Zuchtbuch des Bairischen Blues bis auf Weiteres. Wir werden weiter präsent sein, die Wege unserer Kinder verfolgen und darüber berichten. Ihren Leuten wünschen wir alles Glück mit ihren neuen Familienmitgliedern sowie ein gute und sichere Hand. Wir werden ihnen immer mit Rat und Tat zur Seite stehen und Freunde sein.

Keep on the sunny side, always on the sunny side,
Keep on the sunny side of life
It will help us ev'ry day, it will brighten all the way
If we'll keep on the sunny side of life

 

7. Woche (12.04. - 18. 04. 2017)

Mittwoch, 12. April 2017

Als ob uns ein seltsame Ahnung gestreift hätte oder besser: unseren Hugo. Als er letzten Donnerstag seine Morgen-Show abzog, attestierten wir ihm, dass er alle Belcanti von Caballé bis Gabalier durchschreiten würde – und heute hat sie Geburtstag, die Caballé, Montserrat mit Vornamen. 84 Jahre zählt sie und überlässt das Singen inzwischen gottseidank unserem Hugo. Und noch einer darf heute jubeln: der unvergleichliche Herbert Arthur Wiglev Clamor. 61 wird er heute. Wer?? Na? Keine Ahnung, wer sich dahinter verbirgt? Bitteschön: Herbert Arthur Wiglev Clamor Grönemeyer. Unser Gröni! Welch eine großartige Weitsicht seiner Eltern, dass sie ihm seine Zukunft gleich mit dem Namen in die Wiege gelegt haben; clamor ist lateinisch und bedeutet Geschrei. Man stelle sich vor, der Schneider von Ulm hätte nicht Albrecht Ludwig Berblinger geheißen, sondern Albrecht Luftikus Berblinger. Was sollte so einer anderes tun als vom Ulmer Münster springen und sich das Genick brechen? Und Gröni hat auch nichts anderes getan, als sich den Vorahnungen seiner Eltern zu beugen und sie mit Leben zu erfüllen. Glamour Clamor. Die anderen Jubilare des heutigen Tages wurden von einer solchen Hypothek verschont, zum Beispiel Josef Martin Fischer (69), Joschka gerufen oder Franz Eberhard August Krüger (89), bekannt als Hatari-Hardy. Herzlichen Glückwunsch von uns allen, vielleicht können wir ja Hugo nochmal zu einem Ständchen für euren Jubeltag animieren.

So viel zum offiziellen Teil für heute, wenn schon die Bauern nichts Sinnstiftendes beitragen wollen. Wenden wir uns also wieder unserem Tagesgeschäft zu: der Gewichtskontrolle. Die fällt heute mit 2220 g sehr erfreulich aus, zu denen Hugo vom Bairischen BluesHugoallerdings Hakuna wegen ihres gestrigen Durchfalls wenig beitrug. Ganze 10 g rettet sie herüber und stürzt damit fast ins Bodenlose: von vier auf acht (4170). Das ist nicht weiter verwunderlich. Aber zwei Entwicklungen sind heute erwähnenswert. Alle, außer Hubsi, sind seit heute Achtpfünder und, zweitens, die Spreu trennt sich vom Weizen. Der Weizen, bekanntlich schwerer als die Spreu, sinkt zu Boden und die Spreu fliegt auf und davon, was sich darin ausdrückt, Hubsi vom Bairischen BluesHubsidass (wieder außer Hubsi) nun alle leichtfertigen Burschen vor den inhaltsschweren Mädchen platziert sind, also sechs Buben, dann vier Mädels und am Schluss der Zauberzwerg Hubsi, der weniger als ein Mädchen wiegt, aber ein Herz für mindestens vier seiner Brüder hat; der ist so schwerwiegend, dass er sogar noch unter den Weizen sinkt. Die großen Tagessieger sind die ehemaligen Spargeltarzane Hartl und Hias. Hartl hat ja schon seit einigen Tagen seinen Anspruch auf Höheres geltend gemacht und sich bis auf Platz fünf hochgearbeitet; doch die nun bilanzierten 290 g tragen ihn auf 4400 Gramm und Platz drei. Hias meldet mit 280 g auch Ambitionen an und klettert mit 4200 Gramm von neun auf sechs. Hugo genügen 180 g, um mit 4470 Gramm seinen 2. Platz zu bestätigen und Hallodri macht sich mit 200 g über seine Geschwister lustig; was die sich mühsam anspeichern müssen, inhaliert er im Vorübergehen (4900), das sind schlanke 430 g vor Hugo. Harpo geht mit 230 g plus und 4300 Gramm von sechs auf fünf hoch, während Hobo mit 170 g und 4370 Gramm von drei auf vier rutscht. Hubsi polstert sich mit 290 g auf und bleibt mit 3520 Gramm der gehaltvolle Bodensatz der Hallodris. Bei den Mädchen tat sich Hedda mit 240 g hervor – und bleibt trotzdem, wie Hubsi, wie mit einer Fußfessel auf dem Vor-Hubsi-Platz verankert. Halina kommt mit 200 g zur Registratur und rutscht wegen Hias' Kampfansage trotzdem einen Platz ab auf neun (4160). Hetty schafft es dagegen, mit 130 g ihren 7. Platz zu halten (4190).

Der Tag beginnt morgens mit Hochnebel und 1° C, steigert sich auf 20° C nachmittags, wobei die Sonne durch Milchglas blickt, und legt sich mit wolkigen 12° C ins Bett. So könnte es immer weitergehen.

Hartl vom Bairischen BluesHartlNicht ganz so erfreulich ist der neuerlich Durchfall morgens in der Küche, der uns aber keinen Schweiß auf die Stirn treibt, weil alle Hallodris frisch und munter in den Tag starten und keinerlei Anzeichen von Krankheit zeigen. Wir haben es schon erwähnt: So ein Welpendarm muss viel lernen, und den einen oder anderen Lerninhalt quittiert er mit Renitenz. Aber solange die Besitzer der Därme mit diesen fröhlich durch unsere Küche springen, ihre Hinterlassenschaften maximal verteilen und sich dann unermüdlich im Garten austoben, soll uns das recht sein. Ein Virus würde lägrige Leidenswürmer präsentieren, denen die Lust auf Spiel vergangen ist. Es ist also alles gut. Fast alles.

Die neue HundeliegeDer Renner - Die neue HundeliegeEine Eingebung veranlasste die Chefin, eine Welpenliege zu bestellen, und die wird heute geliefert und den Hallodris in den Garten gestellt. Wenn wir gewusst hätten, welchen Hype wir damit auslösen, hätten wir so ein Mini-Feldbett schon längst gekauft. Dieses Lager ist binnen Minuten der Renner der Saison, wird sofort belegt, und wer nicht aufs Oberdeck passt, legt sich darunter und nervt seine Geschwister durch das Gitter hindurch, das die oben Liegenden im Normalgebrauch an warmen Tagen von unten belüften soll. Nichts kann dieses Lager toppen, kein Kuddebett, keine ausgepolsterte Wanne, kein Vetbed und keine Palette, die bislang der Bungalow der Wahl war. Es gibt nur noch dieses Feldbett. Was für eine Anschaffung! So eine Sensation kostet bei Zoo Plus 29 Euro, besser haben wir unser Vermögen noch nie angelegt. Wir wollen unsere Welpenkäufer schon mal vorsichtig darauf hinweisen, dass sie möglicherweise auch nicht um diese Anschaffung herumkommen, weil es sehr gut denkbar ist, dass ihnen die Hallodris die bereitgestellten Strohsäcke und Hundepritschen, seien sie noch so teuer und trügen sie noch so stolze Namen, vor die Tür schieben und ihnen anbieten, sich Die Verpackung der LiegeDie Verpackung der Liegegefälligst selbst in diese Zumutungen zu betten. Aber 29 Euro, das wird sich wohl noch machen lassen. Für einen Engel mit Schlappohren. Außerdem bietet dieses Welpenlager den Zusatzbonus einer Verpackung, die mit ähnlich ausgeprägter Begeisterung genutzt wird. Ein besseres Schnäppchen kann man sich kaum denken, denn dieses Lager wird weit über das Welpenalter hinaus seinen Wert behalten; unsere Hallodris hatten jedenfalls alle Pfoten und Kiefer voll zu tun, um ihre bräsige Mutter von ihrer Sonnenliege zu vertreiben.

Da sind wir ja mal sehr gespannt, wer sich in Zukunft auf dieser Liege das Hausrecht verschaffen wird, Fianna oder ihre Tochter, die ihr bleiben wird. Wir jedenfalls räumen die ungeliebte Plastikwanne, die sechs Würfen eine heimelige und begehrte Schlummerstätte war, weg, weil die Hallodris nie mit ihr warm wurden und ersetzen sie durch dieses Paradebett. Da liegen sie nun drunter und drüber, so, wie es eben zugeht beim Blues, derzeit jedenfalls.

 

Donnerstag, 13. April 2017

"So wie Martin es will, zeigt sich dann der ganze April." Das macht Mut zur Verzweiflung. Martin ist ein windiger Mistkerl, bedeckt und grau, genau genommen ist er ein unfreundlicher Lackel, mit dem man nichts zu tun haben will. Zwar lässt er uns nicht frieren, weil er wenigstens so um die 12° C im Gepäck führt, die er abends dann doch auf Sparflamme von 6° C dimmt, weil er sich entblößt. Was kann man von so einem schon erwarten? Gründonnerstag heißt Martin mit Nachnamen, besser hieße er Graudonnerstag. Und dass er es gleich im Voraus weiß: Wir werden ihn für alles zur Rechenschaft ziehen, was er unseren Hallodris klimatisch antut.

Manchmal hat man Eingebungen, von denen man nicht weiß, warum und von wem sie einem eingegeben werden. Beim Eintrag der heutigen Gewichte in das Excel werfen wir aus reiner Neugier einen Blick auf die Gewichtstabelle des G-Wurfs und sind auf den Schlag geflasht: Am heutigen 45. Tag des Wurfs verzeichneten wir das gleiche Durchschnittsgewicht der Welpen. Damals wogen sie 4481 Gramm im Schnitt, heute 4482 (das eine Gramm schreiben wir aufs Konto von Messrundungen). Soll einer sagen, Genetik sei ein mendelscher Taschenspielertrick. Fianna kann nur elf, Fianna kann nur Fleckvieh und Fianna bringt immer die gleichen Stoffwechsler.

Schauen wir also mal, wie sich diese 4482 Gramm Durchschnittsgewicht auf die elf Hallodris verteilen. Man könnte sich nun fett zurücklehnen und sagen: Der Hallodri trägt die Hauptlast für diese Gewichtsentwicklung, was bei 5120 Gramm Hallodri vom Bairischen BluesHallodri ist kein Kostverächternatürlich nicht ganz falsch ist. Aber: Ohne Verantwortung für das große Ganze zu übernehmen und davonpreschen kann jeder, die Kunst liegt in der Wahrung des Gleichgewichts. Und dafür ist Hubsi zuständig. Hubsi muss bremsen, um Fiannas interne Logik umzusetzen. Für jedes Gramm, dass sich der Berggorilla aufpolstert, muss Hubsi an sich halten. Hubsi ist das mendelsche Korrektiv, das die These bestätigt. Weil Hallodri heute zwar die fünf Kilo übersprungen, aber nur vergleichsweise bescheidene 220 g zugelegt hat, darf Hubsi etwas mehr naschen und sich 270 g gönnen. Das bringt den kleinen Justus auf 3790 Punkte. Kontrollieren kann man das Feld nur von hinten, und Hubsi hält sich daran. Fast schämt sich der Vize, dass er dem Kleinen eine Gewichtskarriere prophezeit und auf einen fetthaltigen Endspurt gewettet hat, ohne zu bedenken, dass Hubsi einen Auftrag hat, dem er peinlichst und pflichtschuldig nachkommt.

Was erzählt uns die heutige Tabelle noch? Die geschlossene Männerreihe ist gesprengt, die Mädels haben sich wieder untergemischt. Dabei hat sich vor allem Hetty hervorgetan: Ihren 380 g können Harpo und Hias nichts entgegensetzen; mit 4570 Gramm rückt sie auf den 5. Platz vor. Harpo schafft nur 140 g, was natürlich in diesem Feld kaum das Überleben garantieren kann und fällt mit 4440 Gramm auf den 6. Platz zurück. Noch härter trifft es Hias. 170 g sind nicht genug, wenn man die Lage von oben betrachten will, und 4370 Gramm reichen eben nur für den 8. Platz, den er sich auch noch mit Halina teilen muss, die immerhin 210 g zulegen konnte, also die eigentliche Gewinnerin im internen Duell dieser beiden ist. Zwischen Harpo und Hias hat sich Hakuna geschoben. Ihre 220 g reichen für 4390 Gramm und eben den 7. Platz. Der Vor-Hubsi-Platz gehört weiterhin Hedda, die Hubsi als Handlangerin im mendelschen Korrektiv zur Hand geht; 210 g sind durchaus respektabel, führen aber nur zu 4240 Gramm, was noch kein weiteres Vorrücken ermöglicht. Die erweiterte Spitze und der 4. Platz gehört immer noch Hobo (4640, +270). Der Bursche macht sein Ding, fällt nicht auf und aus der Rolle, ist sozusagen das Scharnier zwischen den Karrieristen und den Aufstiegswilligen. An ihm muss vorbei, wer nach oben will, wie man am Erzengel Gabriel vorbei muss, wenn man ins Paradies will. Vorbeigekommen am hoboschen Flammenschwert ist Hartl gestern schon. Heute hat er auch noch Hugo weggevespert und mit 300 g den silbernen Reserve-Hallodri an sich gerissen (4700). Bleibt noch Hugo, der seriöse, aber unzulängliche 210 g aufgespeckt hat; zur Strafe hockt er nun auf dem Bronze-Stockerl.

Bezüglich dessen, was den Hallodris die Gewichte spendiert, stellen wir seit einigen Tagen das Frühstück um, indem wir die Eier mehr und mehr durch körnigen Frischkäse (Hüttenkäse) ersetzen, was leichter verdauliches Eiweiß zur Verfügung stellt.

Harpo vom Bairischen BluesHarpo hat ein ProblemWeder an den Eiern noch am Hüttenkäse liegt es, dass Harpo plötzlich mittags Probleme mit seinem Allerwertesten hat. Er drückt. Er presst. Er kreiselt. Er jammert. Er klagt und drückt und presst und kreiselt, aber es will ihm nichts gelingen. Eine nähere Inspektion seines Pos durch die Chefin lässt die Vermutung aufkommen, Harpo sei gar kein echter Hund, sondern ein ausgestopfter, so einer mit Stroh und Seegras, denn was da hinten herauslugt, ist nicht das, was man erwarten muss. Die Chefin zieht und entfernt dem kleinen Vagabunden Stroh aus dem Hintern. Wo er das gefunden hat, bleibt uns verborgen. Der Eingriff bringt aber nicht viel, er jammert nämlich weiter und drückt und presst. Anscheinend sind ihm schon einige kleine Erfolge bei der Presserei geglückt, jedenfalls ist sein Po reichlich unappetitlich verschmiert. Also bekommt er eine Rektaldusche unter dem lauwarmen Wasserhahn, wofür er sich damit bedankt, dass er eine satte Darmspende auf das Vetbed im Transit setzt. Aber er jammert weiter und presst, immer in einer Haltung, die man eher von älteren Menschen kennen, die einen Rollator schieben. Lustig ist das nicht, aber neu für den Blues. Wir geben ihm Lactulose, die wir gegen die Verstopfung unserer alten Jamie immer im Haus haben, damit sich die Korken in seinem Darm lösen. Und wir rufen unsere veterinärmedizinische Vertraute Karin an, die uns insofern beruhigt, dass ein Fremdkörper eher unwahrscheinlich sei, weil diese weniger mit Blockade als mit Erbrechen einhergehe. Sie vermutet, dass ihm das Stroh und eventuell noch im Darm verbliebene Reste einfach pieken und quälen. Wir einigen uns aufs Beobachten. Er entledigt sich alsbald eines Würstchens, dann entscheidet er sich doch wieder für flüssige Materie und legt sich unterm Dach zum Schlafen. Wir beobachten. Aber es gibt nichts mehr zu sehen. Im Laufe des Nachmittags bewegt er sich wieder wie ein Hund ohne Rollator, klagt auch nicht mehr und tobt mit seinen Geschwistern. Vermutlich waren es doch die Strohstengel, die ihm ein unwohles Kneifen im Darm verursachten. Wenn du denkst, es gibt nichts mehr, was du nicht kennst, kommt von irgendwo ein Haar-Po her. Und man ist wieder um eine Erfahrung reicher, die man im Buch des Blues abheften kann.

An dem Kilo Rinderkopffleisch, das wir mittags mit Reis, gekochten Karotten und pürierten Erbsen servieren, beteiligt er sich auch, vielleicht, weil er damit den Stopf von oben bearbeiten möchte. Möglicherweise hat das ja zusammen mit der Lactulose auch für die Erlösung gesorgt. Wer weiß das schon?

Wenn man dann allerdings mit seinem Eimerchen und Schäufelchen durch den Garten streicht, wünscht man sich mehrere Harpos, anstatt seiner ungeniert auslösenden Geschwister. Für den Vize, der sich mit seiner Nase immer noch auf höchstem olfaktorischen Niveau bewegt, ist diese Wanderung durch den Garten wie Apnoe-Tauchen: Luft anhalten und an eine Zukunft glauben. Wenn heute nicht so ein mieser Graudonnerstag wäre, könnte man auch den ältlichen Spruch herauskramen: Es riecht aus den Aborten, es wird Frühling allerorten. Aber am Frühling kann es heute nicht liegen. Es können nur die Hallodris sein.

All dem Gestank und dem Graudonnerstag zum Trotz, lassen sich die Hallodris nicht kleinkriegen. Sie beschäftigen sich eher damit, ihr Paradies kleinzukriegen. Zum Beispiel die Kletterrose, die im unteren Teil wohlbedacht im Buchs verläuft, aber Hakuna vom Bairischen BluesHakunanun doch von den nimmermüden Killerblicken der marodierenden Kleinkindergruppen entdeckt und angegriffen wird. Wir verpassen ihr einen Schutzmantel aus Jute, was aber nicht leicht zu bewerkstelligen ist bei einer Pflanze, die sich im Schutz einer anderen emporrankt. Wo legt man den Jutesack an? Die Hallodris beobachten unsere Bemühungen mit eifrigem Interesse, machen sich ebenso eifrig Notizen und nach Fertigstellung des Jutemantel unverzüglich an die Aufdeckung aller Schwachstellen dieser Konstruktion. Es dauert nicht halb so lang, die Rose wieder zahnreif zu strippen, wie sie zu verhüllen. Wir nehmen uns vor, morgen einen neuen Anlauf unter Ausschluss der hallodrinischen Späher zu versuchen. Falls die Rose noch ein Morgen hat.

Hallodris mit GießkanneHalina vom Bairischen BluesHalina mit dem BrausekopfAndere wiederum spezialisieren sich aufs Gegenteil der Pflanzenvernichtung und schleppen unsere Gießkanne überall hin, wo sie meinen, dass sie gebraucht wird. Ob die Rose sie morgen noch braucht, wissen auch sie nicht zu sagen. Halina bereichert das Gießkannenspiel damit, dass sie den anderen den Brausekopf vorenthält, die diesen dann wieder erobern müssen, weil eine Gießkanne ohne Brausekopf keine Gießkanne und, ihrer Ansicht nach, auch kaum einsatzbereit wäre.

Hias vom Bairischen BluesHias genießt seine HängematteWer rettet unsere Botanik? Wir versuchen es mit der Pendelschaukel und dem Bällebad. Die Schaukel ist die sofortige Attraktion und verschafft der Rose, dem Lavendel und der Minze etwas Luft. Das Bällebad ist wegen des Bälledoms in der Küche kalter Kaffee und wird nur von Fianna benutzt, die umgehend eine Knabberstange unter den Bällen vergräbt. Das hat sie Fianna und das BällebadFianna auf der Suche nach der Knabberstangeschon beim G-Schwader so gemacht und nicht dazugelernt, dass sich unter Bällen nichts vergraben lässt. Deswegen befördert sie die Bälle umgehend aus dem Bottich, um ihr wiedergefundenes Knabberzeug an anderer Stelle zukunftsträchtig zu verscharren. Es würde uns nicht wundern, wenn sie es mit Hilfe ihrer Kinder unter der Kletterrose tun würde. Oder unter der Buchshecke, die sieht sowieso schon aus wie ein Minenfeld.

Am Gründonnerstag gedenkt die Christenheit des letzten Abendmahls des Herrn mit seinen Jüngern. Am Graudonnerstag wird uns und unserem Garten schmerzlich bewusst, dass es besser ist, wenn die Jünger bald dahin- und davonfahren, anstatt sich selbst und den Garten zu opfern.

 

Karfreitag, 14. April 2017

Stell dir vor, es ist Karfreitag und keiner schert sich drum? Die Abwandlung des alten Spontipruchs kommt einem in den Sinn, wenn man sich die Gewichtsentwicklung der Hallodris vor Augen führt. Nun kann Welpenzeit natürlich keine Fastenzeit sein, kaum für die Menschen, sicher aber nicht für die Zwerge. Aber muss man denn ausgerechnet von Gründonnerstag auf Karfreitag zu einem Gelage mit den entsprechenden Auswirkungen ausholen. Nach dem letzten Abendmahl hat der Herr bestimmt kein Jota zugenommen, schließlich war es ja auch eine Art Henkersmahlzeit. Aber 3170 Gramm Auflastung ausgerechnet am Höhepunkt der Fastenzeit ist lästerlich. Dabei registrieren wir eine Streuung von 160 g bei Hedda bis 400 g bei Harpo. Und dann friert uns doch das Blut ein wenig ein: Trotz dieser gewaltigen Zunahme und der enormen Streuung steht die Tabelle still, wie die Welt am Tag der Kreuzigung stillgestanden sein soll. Kein einziger Platz verändert sich, nur Hetty schafft es mit 280 g zu Hobo aufzuschließen. Gute Güte, spielt das Universum mit unseren Hallodris? Wir können uns wirklich nicht daran erinnern, dass wir jemals eine eingefrorene Tabelle hatten. Deswegen verkünden wir nun in Demut und ohne jeden Firlefanz das Ergebnis (der Spötter ist beeindruckt und hält das Maul):

Hugo und Hartl vom Bairischen BluesHugo und Hartl1. Hallodri (5420, +300), 2. Hartl (5060, +360), 3. Hugo (4930, +250), 4. Hobo (4850, +210) und Hetty (4850, +280), 6. Harpo (4840, +400), 7. Hakuna (4770, +380), 8. Hias (4760, +390), 9. Halina (4620, +250), 10 Hedda (4400, +160), 11. Hubsi (3980, +190).

"Tiburtius kommt mit Sang und Schall, bringt Kuckuck und die Nachtigall." Heilix Blechle, nicht die schon wieder! Vermutlich singen Kuckuck und Nachtigall 'Oh Haupt voll Blut und Wunden' als Quintessenz einer langen und brandgefährlichen Reise. Im Mangfalltal singt und schallt jedoch noch immer kein Kuckuck und schon gar keine Nachtigall, was bezüglich des Kuckucks nicht verwundert, weil der ja bereits erfroren ist, wie wir wissen. Aber der Karfreitag ist bekanntlich Voraussetzung für die anschließende Auferstehung – und warum sollte unser Kuckuck nicht auch dafür gut sein? Kuckuck war nicht umsonst jahrhundertelang ein Tarnname für den Teufel (Auf einem Baum ein Kuckuck saß...). Und vielleicht steht er ja wieder auf, der totgesagte Mangfallkuckuck. Der Rest der Weissagungen changiert selten hemmungslos ins Dümmliche und schwurbelt sich ums Grün herum, wohl weil gestern Gründonnerstag war. "Am Tiburtiustag, alles grünen mag." Ja, warum auch nicht, Mitte April? Oder: "Grüne Felder am Tiburtiustag, die ziehen viel Getreide nach." Noch besser: "Tiburtius kommt uns sehr gelegen, mit seinem grünen Blättersegen." Kommt er uns, auch wenn er uns dumm kommt und dafür verkauft. Der Verfasser dieser Weissagungen war definitiv Schüler von Nostradamus und dem Mühlhiasl (ist kein direkter Vorfahre unseres Hiasls) und im späteren Leben deutscher Außenminister. Es ist nicht auszuschließen, dass er auch der Verfasser des bekanntesten aller trefflichsten Sprüche war: "Liegt der Bauer tot im Zimmer, lebt er nimmer." Kann man nichts dagegen einwenden.

Der Karfreitag beginnt meteorologisch, wie man es von ihm erwarten darf, hochneblig bedeckt bei 6° C, nachmittags kann er sich dann nicht so recht entscheiden, ob er sich bedecken oder ein wenig entblößen will, gelegentlich lässt er es auch ganz zünftig blitzen, aber so richtig freimachen kann er sich von seinem düsteren Erbe nicht.

Fetzer Jr. vom Bairischen BluesFetzer Jr.Heute ist Fiannas Bruder Fetzer jr. zu Besuch aus dem Schwäbischen. Die beiden mögen sich, und er gibt Fianna auch keinen Grund, wegen ihrer Welpen gegen ihn einzuschreiten. Er ist ein erwachsener Rüde und demnach nur tangential glücklich mit Saugwelpen. Dafür macht er es aber sehr gut, ist nicht begeistert, aber eben auch nicht hysterisch wie manch anderer, er hält sich im Hintergrund, läuft aber nicht davon. Es ist Fetzis ganz persönliches Karfreitagserlebnis ohne schauriges Ende. Im Brechtschen Theater hätte man in dieser Inszenierung den Delinquenten nochmal davonkommen lassen, mit der Auflage abzuschwören, ganz wie beim 'Galilei' eben. So kommt auch Fetzi glimpflich davon und hat dazu durch seinen unaufgeregten Auftritt selber am meisten beigetragen. Nicht schlecht, Fetzi. Respekt. Da haben andere schon erheblich längere Fäden gezogen.

Hallodri-EierAlexandras Hallodri-EierZurHallodri-Eier Generierung der Vorfreude auf Ostern bringt Alexandra elf ausgeblasene braune, mit Hallodrigesichtern bemalte, Ostereier vorbei, dazu noch zwei große weiße Eier, stellvertretend für Ery und Fianna. Die kommen an frisch geschnittene Obstzweige und lachen uns nun schelmisch an. Ei, Ei, Alexandra, das ist eine preiswürdige Idee. Danke dir und deinen pustefixen Helfern.

Den Hallodris gönnen wir unsere Eier nicht, zumal sie eh schon inhaltsleer sind; sie bekommen, was sie brauchen und vertragen, z.B. das bekannte Trockenfutter, das wir nun aber nur noch einweichen, nicht mehr pürieren. So langsam müssen sie sich der realen Futterwelt annähern. Nachmittags gibt es wieder einmal gekochtes Hühnchen mit Reis und Gemüse, eine leicht diätetische Futtervariante, um zu verhindern, dass die Hallodris aus den Nähten platzen, wo doch die Fastensaison schön langsam ausläuft. Wenn die schon während der Fastenzeit so schlemmen, was hätten wir dann ohne Diätbremse danach zu erwarten? Zumal wir natürlich auch am Karfreitag nicht von unseren Gästen und Freunden vergessen werden, die wiederum bestimmt nicht vergessen haben, sich die Taschen mit Leckereien vollzustopfen. Es gilt also Disziplin zu wahren.

Die Hallodris und die KrawallsockeDie Hallodris und die KrawallsockeInHetty vom Bairischen BluesHetty einer besucherfreien halben Stunde sitzen wir zwischen unseren Zwergen und haben fast Tränen in den Augen, weil wir einfach glücklich sind mit ihnen. Wir können es nicht verheimlichen, dass wir in unseren Augen den schönsten Blues-Wurf aller Zeiten vor uns haben, der dazu auch noch unsere Herzen mit Süßholz verkleistert. Die Hallodris sind einfach zauberhaft: zauberhaft hübsch, zauberhaft wild, zauberhaft herzhaft und zauberhaft herzlich. Der Hallodrizauber legt sich wie ein Parfum aus Bergamotte und Ylang Ylang über unsere Herzen und den Pissoirgeruch des Paradieses.

Dabei hätten wir allen Grund zu trauern, denn heute hätte unsere unvergessene Anouk, die Grande Dame des Bairischen Blues, ihren 16. Geburtstag. Zwei Jahre geht das Leben nun schon ohne sie, und wie man sieht, geht es sogar zauberhaft. Gar nicht daran zu denken, wie es wohl gehen würde, wenn sie noch bei uns wäre. Andererseits hätten wir der alten Dame diese Rasselbande und die Sperrgitter wohl nicht mehr zumuten können und wollen und hätten vielleicht sogar wegen ihr auf die Hallodris verzichtet. Wie man es sich wünscht, ist es irgendwie verkehrt. Ohne Anouk ist es nichts und ohne die Hallodris wäre es auch nichts. Wir trösten uns damit, dass Anouk uns noch immer fest im Griff hat: Wir rufen Anouk, wenn wir Fianna meinen und wir schreiben Anouk, wenn wir Fianna schreiben wollen. Und das nach fast zwei Jahren und bei einer Fianna, die wir verehren und über die wir nichts kommen lassen. Es heißt, das Internet vergisst nicht. Gegen ein liebendes Herz ist das Netz geradezu dement.

Manch einem mag jetzt auffallen, dass wir den Geburtstag unserer ebenso unvergessenen Franzi, Fiannas Mama, am 5. März nicht entsprechend gewürdigt haben. Das ist nur im Außenverhältnis richtig. Die Anfänge der Hallodris hatten uns so in Beschlag genommen, dass wir vergaßen, ihn zu erwähnen, aber wir haben unseren Franz ganz sicher nicht vergessen, eine Kerze haben wir ihr auf unserem Hausaltar angesteckt und uns vorgestellt, wie stolz sie auf ihre Tochter und ihre Enkel wäre. Und gerade die haben ihr die Nichtnennung eingehandelt. Nein, unser Franz ist unvergessen und beansprucht nicht weniger Raum in unseren Herzen als Anouk. Wenn wir irgendwann dort auch noch Fianna unterbringen müssen, sollten wir uns vorher ein Sportlerherz zulegen, dass auch wirklich alle Platz haben. Und dann, so gehen die Gerüchte, soll auch noch eine Zwergin der Hallodris die Ahnenreihe des Blues verlängern. Der Vize beschließt, umgehend wieder mit dem Training zu beginnen, damit keine der dann immerhin schon vier Damen zu kurz kommt in seinem pulsierenden Liebesbeutel.

Doch das Paradies im Herzen und das Paradies der Hallodris ist mangelhaft, geradezu ein Mangelfall, wenn man dem Chronisten diesen Kalauer verzeihen möchte. Auch nicht unser Paradies, das die Hallodris heute bis nach 21 Uhr durchstöbern und genießen dürfen. Einerseits gibt das die Wetter- und Temperaturlage her, andererseits haben wir die Reduzierung der Darmwürmer in unserer Küche im Sinn: Je länger die draußen, desto weniger da drin. So denken wir uns das aus. Was wir nicht einkalkulieren ist, dass die Hallodris der Rechnung nicht zustimmen, weil wir sie nicht gefragt haben, wann sie ins Warme wollen. Jetzt, gegen halb zehn jedenfalls noch nicht. Und das machen sie unverzüglich und unmissverständlich mit einem akustischen Elferrat-Special deutlich, dass uns das Trommelfell knattert und das liebende Herz zuschnappt. Dieses vokale Terrorregime bewegt sich weit jenseits jeglicher Lärmschutzverordnung. Die Chefin verscherbelt alle für die Hallodris reservierten Plätze in ihrem Herzbeutel, bindet ihn zu und droht mit kollektiver Exekution der Ausgewiesenen. Diese pfeifen auf die leere Drohung und keifen auf die Kasernierung. Bis ihnen die Luft ausgeht. Und das Licht ausgeht. Der Vize hält noch bis Mitternacht Brandwache, um jedes Aufflackern im Keim zu ersticken. Hat er nun einen Tinnitus oder ist es doch nur das Echo der Hallodris?

 

Karsamstag, 15. April 2017

In der Reaktion auf dezent vorgetragenen Tadel zeigt sich der Charakter. Auf grob vorgetragenen Tadel reagieren gelegentlich sogar die Dickfelligen mit Einsicht; sobald er aber an die feinen Verästelungen des Wesens andocken will, findet er meist keinen Rezeptor. Seit heute Morgen können wir nun die Hallodris separieren, in jene mit dem gusseisernen Gewissen und chronisch verstopften Gehörgang und die anderen mit den feinen Sensoren für die dezente Ansprache, die demnach auch die feinen Antennen in der Ausbildung haben dürften. Um deutlich zu werden: Unser gestriger Vorwurf bezüglich unsensiblen Umgangs mit den Bräuchen der Fastenzeit hat erwartungsgemäß gerade bei denen nicht gezündet, denen eine kleine Diät nicht schaden würde. Dafür haben die Schmalbrüstigen und die echten Hungerhaken an sich gehalten, diejenigen Hallodris, die sich bewusst ernähren und nicht nur die Futterluke öffnen und Brennstoff einfüllen, bis der Kessel glüht.

Hetty vom Bairischen BluesHettyIn der Registratur sieht es dann so aus. Das Häuslergewicht Hias hat sich am heftigsten kasteit und 160 g abgenommen. In Worten einhundertundsechzig Gramm abgenommen! Das wirft ihn von 4760 auf 4600 Gramm und vom 8. auf den 9. Platz zurück. Die zünftige Hetty ist unter ihrem schwarzen Rock erheblich feinfühliger als man ihr anmerkt: 50 g hat auch sie abgenommen, was sie auf 4800 Gramm und von Platz fünf auf Platz sieben bringt. Ein Glanzstück der statistischen Äquilibristik vollbringt Harpo, der sich einfach nicht bewegt, kein Gramm zu- oder abnimmt und dennoch mit seinen 4840 Gramm von Platz sechs auf Platz fünf vorrückt. Auch Hakuna darf man noch zu denen zählen, die sich die kleine Gardinenpredigt zu Herzen genommen und nur 40 g zugenommen haben; wir haben ja keine Nulldiät oder asketisches Fasten verordnet. Für Hakuna stehen damit 4810 Gramm in den Büchern und Platz sechs statt sieben, weil Hetty sie so generös vorbeigewunken hat. Wem nun angereichertes Fastenverhalten oder eingebremste Völlerei zu bescheinigen ist, lässt sich bei der nächsten Gruppe nicht so leicht beantworten. Halina hat beispielsweise 120 g zugelegt; das ist der geringste Wert seit fünf Tagen. Wir bescheinigen ihr also, dass der Geist vermutlich willig, aber das Fleisch zu lecker war: 4740 Gramm, eins rauf auf acht. Und wer will Hubsi vorwerfen, dass er sich sittenwidrig und traditionsvergessen gestopft hat – bei 130 g! Von Fastengewinnlerei kann dabei wirklich nicht die Rede sein. 4110 Gramm halten ihn am Tabellenboden fest. Hedda ist jedoch schon ein Grenzfall. Für ein Leichtgewicht am Tabellenende sind 150 g nicht wenig, obwohl sie natürlich in den vergangenen Tagen deutlich mehr geliefert und dennoch nicht vom Fleck gekommen ist. Ihr bringt der Fastenschmaus nichts, außer 4550 Gramm und weiterhin den Vor-Hubsi-Platz. Nun wird es zunehmend schwieriger, einen guten Fastenwillen mit den Zahlen in Einklang zu bringen. Hartl, ein g'standenes bayerisches Mannsbild auf dem zweiten Rang, muss nicht 170 g zulegen, um zu überleben. Nur wenn man sich da oben im Bullenrennen keine Blöße geben will, muss man sich einspreizen. Er kommt damit auf 5230 Gramm und hält die Position. Über die Notwendigkeit einer Gewichtsauflastung bei Hallodri ist jedes Wort überflüssig. Ihm ist das wurscht, Brauch und Tradition sind bei ihm eine Untermenge von Bauch und Gravitation. Die 180 g sind bei ihm eher ein kleiner Nachschlag zu gestern (300 g!) und eher beiläufig an ihn herangetragen worden als aktiv eingefahren: 5600 Gramm. So einer befolgt keine Regeln, so einer macht sie. So einer darf sogar in einem öffentlich rechtlichen Studio rauchen, falls er Helmut Schmidt hieße. Und so einer darf an Karfreitag seinen Geschwistern die Noagerl wegfressen, wenn er Hallodri heißt. Hugo sieht aus wie ein Messdiener und ist ein ganz hinterkünftiger Fressschlawiner, dem man seine Pfunde nicht ums Verrecken ansieht. Selbst die karfreitäglichen Hobo vom Bairischen BluesHobo220 g aus der Baiblues-Diätküche (linksdrehend und glutenfrei) bauen ihn nicht zum stiernackigen Starkbiermönch um. Er hat offensichtlich kein Pölsterchen zusätzlich auf seinem Sixpack: Jetzt auch Zehnpfünder, 5150 Gramm, 3. Platz gehalten. Aber der Großsünder des Bairischen Blues ist ihm nähergerückt: Hobo! 280 g. Am Karfreitag. Schamlos, sittenlos, selbstverliebt. Als Vorbild ein Totalversager. Oder ein heimlicher Salafist? Wir registrieren widerstrebend (und mit der 2. Sure, Vers 184 auf den Lippen[1]) 5130 Gramm und stabilisierter 4. Platz. Wegen der Abstinenzler kommen insgesamt dann doch nur saisonal angemessene 1080 Gramm heraus.

Man kann auch die Fastentreuen anders interpretieren, nämlich als diejenigen, die für die ekligen Fladen und Lachen in Küche und Garten verantwortlich zeichnen, diejenigen also, die die Mahlzeit und damit auch das Gewicht nicht halten können. Tatsächlich kriegen wir den Durchfall nicht in den Griff, was uns aber nur aus ästhetischen und hygienischen Gründen besorgt, denn selbst der Super-Minus-Mann Hias zeigt keinerlei Defizite. Wir rätseln, was der Grund für den Darmkatharr sein könnte. Grünzeug im Garten? Das hatten wir immer schon. Oder der laktosefreie Hüttenkäse, den wir versehentlich gekauft haben? Den werden wir jetzt mal weglassen. Mal sehen. Aber solange die Hallodris über jedes Stöckchen springen, das wir ihnen und sie sich selber hinhalten, machen wir uns keine Gedanken. Nur die Miasmen drücken sehr auf die Stimmung.

Doch ganz untätig wollen wir nicht bleiben und nur zusehen, wie sie aus unserer Küche einen Augiasstall machen, deswegen probieren wir es mit der Moroschen Karottensuppe, von der wir ihnen nun immer ein Löffelchen eine halbe Stunde vor dem Frühstück geben. Die Morosche Karottensuppe ist ein uraltes Hausrezept, für das die Karotten mindestens 90 Minuten gekocht werden müssen. Durch das lange Kochen entstehen Oligosaccharide, die von der Struktur den für die Erreger bestimmten Rezeptoren der Darmwand zum Verwechseln ähneln, weshalb sich die Erreger nun nicht an der Darmwand, sondern an diesen Zuckermolekülen niederlassen und mit diesen gleich wieder hinten hinaus abserviert werden. Tatsächlich haben wir den Eindruck, dass die Kinderkacke nachmittags schon deutlich schnittfester ist.

Hedda und Hallodri mit der KalbshaxeHedda und Hallodri mit der KalbshaxeWenig nahrhaft, aber ein Aufreger ist der originale Kalbsfuß mitsamt Fell, den wir den Hallodris servieren. Erst ist er ganz hin- und hergerissen, der Hax, irgendwann wird er dann in einer Gartenecke die Beute eines weltvergessenen Nagers. Noch nie haben Welpen einen solchen Kalbshaxen bei uns kleingekriegt, aber er fördert die Beharrlichkeit, sich an etwas Begehrtem festzubeißen und so lange daran zu arbeiten, bis ein Erfolg zu verzeichnen ist. Für die Hunde kann so ein nachhaltiges Dranbleiben von größtem Wert sein, von ihren späteren Besitzern erwarten wir dafür kein Sonderlob. Spätestens, wenn die ersten Manolo-Pumps in aseptische Einzelteile von Erbsengröße geraspelt sind, hält sich die Begeisterung über die Hartnäckigkeit des neuen Familienmitglieds in engen Grenzen. Aber wir sind für die Lebensfähigkeit unserer Welpen verantwortlich, nicht für die von Luxusschühchen und das seelische Gleichgewicht von Hundenarren.

Fianna und ihre WelpenFianna hat noch H-MilchNoch immer – wir gehen stramm auf das Ende der 7. Woche zu – kann es Fianna nicht lange ohne ihre Kinder aushalten. Noch immer gibt sie beim Spaziergang an jeder Ecke Gas in Richtung Heimat. Und der Vize gibt ihr nach, nicht zuletzt, weil auch ihn das Sauwetter nicht länger als nötig im Freien hält. Für Fianna wäre das unter normalen Umständen allerdings kein Grund, den kurzen Weg nach Hause einzuschlagen. Kaum zurück, stellt sie sich und serviert wieder die begehrte H-Milch. Dass da immer noch was kommt!

Das Mistwetter beginnt morgens bei 6° C locker bewölkt mit blauen Flecken und einem Wind, der den Hallodris Schleifchen ins Fell knüpft. Ab Nachmittag fährt der Himmel schwere Wolkenlast auf. Ihr folgt der Regen, der mitunter zur Dusche wird. Für die Hallodris bedeutet das, dass sie sich anfangs noch draußen unter dem Balkon aufhalten können, weil es nicht kalt ist. Als aber der Wind gegen 19:30 Uhr den Regen bis an die Hauswand treibt, ist die Freiluftsaison bis auf Weiteres beendet. Wir beschweren uns trotzdem nicht: Es ist tatsächlich das erste richtig schlechte Wetter, seit die Kinder draußen sein können.

Wir nutzen die Gelegenheit und legen den schlummernden und träumenden Hallodris erstmals ihre Halsbänder an. Die merken nichts, und wenn sie aufwachen, werden sie sich wundern und kratzen. Und bevor hier die Lichter ausgehen, machen wir sie wieder ab, damit sie sich nicht verletzen oder gar am Halsband durch die Küche zerren. Denen ist alles zuzutrauen.

 

Ostersonntag, 16. April 2017

Der Osterhase irrt durch das garstige Osterwetter und steht pudelnass und zerzaust vor unserem Garten, um den Hallodris ein paar Eier zu legen, aber die sind im Haus, und wir sagen ihm, dass er die anderen Kindern beschenken soll, wir haben ja schon die von Alexandra. Da trollt er sich und ist vermutlich ganz froh, dass er in dem miefigen Garten nicht herumhopsen und liefern muss.

Es ist einfach nur grau draußen, dick bewölkt, und Regen ist der Hauptgast an diesem Ostertag. Die 6° C sind bei dem mitgelieferten Wind auch keine Einladung für unsere Hallodris, sich im Freien aufzuhalten. Wir müssen sie also ein wenig bespielen, damit sie keinen Lagerkoller bekommen.

ZHobo vom Bairischen BluesHobo bei der Morgenbambuleum Morgenappell und zum Putzen sind sie allerdings draußen unterm Balkon, unter den wir ihnen die neue Liege schieben, was zur Folge hat, dass sich die Bande am Ostersonntagmorgen um 7 Uhr einen heißen Kampf um die Plätze auf oder unter der Liege liefern. Und sie streiten nicht lautlos. In unserem Garten geht es zu wie am Hamburger Fischmarkt. Da bleibt kein Auge trocken und vor allem kein Nachbarauge im Schlaf geschlossen. Wir müssen ihnen die Liege wieder wegnehmen und legen dafür zwei Vetbeds aus. Um die lohnt es sich nicht zu streiten. Und schon ist wieder Ruhe. Der Osterhase schüttelt nur den Kopf und ist froh, dass er dieser Schlägertruppe entkommen ist.

Der Durchfall gehört so ziemlich der Vergangenheit an, möglicherweise wegen der Karottensuppe, aber trotz der Inflation von Knabberstangen und Pansenstangen unserer Besucher und der nahrhaften Kalbshaxe. Auf der Waage summiert sich diese Völlerei zu nahezu 4000 Gramm Gewichtszunahme, was nichts anderes ist als ein Gewichts-Tsunami, eine gewaltsame Befreiung vom Fastenkorsett. 3970 Gramm sind es exakt, um der Wahrheit die Ehre zu geben. Möglicherweise müssen wir unseren Hallodris doch Abbitte leisten mit unserem Vorwurf, sie hätten nicht gefastet; wenn das hier halbwegs normal sein sollte, dann hat sogar der Kalorienstaubsauger Hobo gestern noch gefastet, auf seinem Niveau eben. Aber das dürfte man ihm nicht verübeln.

Die Urgewalt dieses Fastenbrechens lässt sich am besten darstellen, wenn man ganz unten anfängt, beim Kaloriensparmodell des Tages, und das ist Hartl mit 270 g. Er bleibt mit 5500 Gramm auf dem 2. Platz. 280 g meldet Hugo, der es damit nicht schafft, seinen 3. Platz zu verteidigen, sondern auf Rang vier abfällt (5430). Dass Hallodri mit vergleichsweise schwächlichen 290 g seinen Sonnenplatz nicht verliert, weiß jeder, der dessen Polster im Kopf hat und rechnen kann (5890). Hubsi ist dagegen ein hoffnungsloser Fall: Selbst mannhafte 310 g lassen ihn noch Boden verlieren (4420). Mit 320 g schafft es Hobo, sich an Hugo vorbei auf den 3. Platz zu schieben (5450). Hias versucht, sein Image als Spargeltarzan gar mit 360 g aufzupolieren und bleibt mit 4960 Gramm dennoch auf dem drittletzten Platz hängen. 380 g lässt Halina registrieren, schafft damit zwar die Fünf-Kilo-Marke, aber auch keinen Schritt nach oben (5120). Ab jetzt wird es adipös. 400 g sind für ein zartes Geschöpf wie Hedda fast schon monströs, schließlich hat sie sich an diesem einen Tag fast ihr Geburtsgewicht von 450 Gramm aufgebürdet. Ein Weg aus der Positionskrise ist es an einem solchen Tag der Maßlosigkeit dennoch nicht; sie bleibt mit 4950 Gramm noch unter der Fünf-Kilo-Marke und Vorletzte, legt aber ein bisschen mehr Abstand zwischen sich und Hubsi, was weder ihr noch ihm hilft, beziehungsweise schadet; reine Ergebniskosmetik. Es ist schwer vorstellbar, dass man mit 420 g einen Platz einbüßen kann – Hakuna vollbringt das Kunststück, weil es noch skrupellosere Futterverwerter als sie gibt: 5230 Gramm und einen Platz von sechs auf sieben runter. Fehlen uns noch zwei Mitwirkende an diesem wirklich hinterletzten Abendmahl. Harpo fehlt noch, der Schelm, dem seine Schwester Hetty einen üblen Streich spielt. Man kann sich vorstellen, wie es ihm heute Morgen auf der Waage zumute gewesen sein muss, als er seine Differenz von 440 g auf dem Display aufflackern sah, rot unterlegt wegen Überschreitung des zulässigen Tagesbedarfs, und dann mitgeteilt bekam, dass ihn diese Ergebnis vom fünften auf den sechsten Platz verbannt! Er schrie nach einem Eichmeister, um das Ergebnis anzufechten, aber es konnten keine Messfehler nachgewiesen werden: Seine Schwester Hetty ging als Schwergewichtsmeisterin des Blues aus der Rallye: 500 g! Ein halbes Kilo! Und Aufstieg von Platz sieben auf Platz fünf mit 5300 Gramm. Liab's Herrgöttle von Biberach! Das Verstörende an dieser Bilanz ist, dass man den Hallodris diese Leibesfülle nicht ansieht, sogar der sogenannte Berggorilla sieht nur wie ein männlicher Hovawartwelpe in der 7. Woche aus.

Wir beschließen, dass das ersehnte Osterlamm heute ausfällt und kredenzen ihnen das, was sie eigentlich in der Fastenzeit hätten bekommen müssen: Gekochten Fisch mit Kartoffeln und Karotten. Wohl bekomm's.

Das Bunny ist erlegtDas Bunny ist erlegtAls Hias und das BunnyHias unternimmt einen StresstestDas OsterbunnyDas Osterbunny stellt sich vorOstergeschenk bekommt heute das rosarote und monströse Osterbunny seinen Auftritt, das sie sich sofort in Mannschaftsstärke zur Brust nehmen, während der gleichzeitig zugeführte Orka Willy links und rechts liegen gelassen wird. Die Vorgänger der Hallodris stürzten sich mit Verve auf Willy, diese hier nehmen ihn kaum zur Kenntnis. Vielleicht liegt es ja an Ostern, dass Bunnys besser ankommen als Killerwale.

Das Ende des BälledomsDas unwürdige Ende des BälledomsDas miese Wetter und der Regen zwingen uns heute wieder zur Käfighaltung, was zweierlei zur Folge hat. Erstens: Die Hallodris sind unleidig und nörgelig, krakeelen dauernd herum und gehen uns auf den Nerv. Und zweitens: Sie vergreifen sich am bisher heiß geliebten Bälledom und vergewaltigen ihn. Wie eine Horde Bandidos stürzen sie sich auf ihn, versudeln ihn und die Bälle mit ihren Exkrementen, verteilen die Pampe gleichmäßig und falten ihn versandfertig zusammen. Wir sehen für ihn keine Chance auf Genesung mehr, schaffen ihn ins Auslieferungslager und bringen die Bälle zur Grundreinigung in die Hundedusche. Weil er auch unzählige Zahnmarken und Laufmaschen hat, glauben wir, dass wir uns schon nach einer Spielzeit von ihm wieder verabschieden müssen. Er hat uns und den Hallodris viel Freude bereitet und die Küchenromantik spürbar erhöht, aber jetzt ist mit ihm kein Staat mehr zu machen; der Dom hat seine Schuldigkeit getan, der Dom muss gehen.

Um die sich im Haus dahinschleppende Zeit mit Sinn zu füllen, klemmen wir uns die Hallodris einzeln unter den Arm und bringen sie zu Einzeltests ins Dachstudio. Dort waren sie noch nie, dort finden sie einen Raum mit 60 m2 vor, in dem alles Mögliche herumsteht: Erstaunliches, Beunruhigendes, Fremdes, Beeindruckendes und Verlockendes, vor allem aber – viel. Der Test läuft so ab, dass der Vize und Chronist mit der Kamera still in einer Ecke hockt, der Fernseher läuft, die Chefin den Probanden oder die Probandin ins Studio holt, absetzt und einfach machen lässt. Sie setzt sich daneben und macht sich Notizen. Später bringt sie Bälle und ein Baby-Beißkissen ins Spiel.

Die erste Kandidatin ist Hedda, weil sie nicht schläft und sich naseweis wichtig macht. Hedda schaut sich einen Moment um und stapft dann vorsichtig los, mal hier hin, mal dort hin. Die Rute ist in Wohlfühlstellung, Hedda ist mehr entspannt als Hedda vom Bairischen BluesHeddaHedda vom Bairischen BluesHeddagespannt. Auf ihrem Weg vorbei an der Chefin begrüßt sie diese mit einem kleinen Nasenstüber, greift sich ihren Kuli vom Boden, trägt ihn eine Runde im Kreis herum und bringt ihn ihr zurück. Als die Chefin zwei Bälle hervorzaubert, kugelt sie diese eifrig durchs Studio. Das zum Schluss angebotenen Baby-Beißkissen bekommt einen ordentlichen Anbiss und wird auch herumgeschleppt. Und auch der Vize wird noch begrüßt, damit er in seiner Fotonische nicht an gebrochenem Herzen verscheidet. Das war eine beeindruckend souveräne Vorstellung; man darf eben nicht unterschätzen, was es bedeutet, plötzlich in ein völlig unbekanntes Terrain mit lauter unbekannten Bauteilen versetzt zu werden. Hedda legt die Latte ganz weit oben auf.

Hetty vom Bairischen BluesHettyHetty vom Bairischen BluesHettyKandidatin Nr. 2 ist Hetty. Auch sie orientiert sich kurz und marschiert dann los. Sie arbeitet die interessanten Studiobereiche intensiver ab als Hedda, verweilt länger und vertieft sich stärker. Sie arbeitet den Raum ziemlich systematisch ab, jammert gelegentlich, geht auch mal Energie bei Frauchen tanken, sieht sich aber alles sehr genau an, ist dabei jedoch immer leicht in Spannung. Entspannung hofft sie in der intensiven Beschäftigung mit Pflanzen und deren Verkostung zu finden. Besonders fasziniert ist sie von den Fernsehbildern, die sie immer wieder magisch anziehen. Der Ball kommt ihr beim ersten Kontakt auch ein bisschen spanisch vor, geht dann aber befreit und gelöst auf ihn ein, spielt mit ihm und trägt ihn genauso umher wie anschließend das Kissen. Keine Leistungsabzüge, alles unerhört prima, weil es völlig normal ist, wenn ein Welpe sich einer neuen Umgebung mit Umsicht nähert.

Halina vom Bairischen BluesHalinaHalina vom Bairischen BluesHalinaDas Damengambit setzt sich mit Halina fort. Sie fühlt sich während des Transports ins Dach nicht ganz wohl und klammert. Oben angekommen holt sie sich erst Kraft beim Vize, wedelt ihm freudig zu und geht ihn besuchen. Dann geht auch sie auf die Rundreise, ebenfalls intensiv wie Hetty, interessiert sich aber nicht mehr für uns; sie braucht uns jetzt nicht mehr, ist viel zu sehr beschäftigt und abgetaucht. Als sie bei der Chefin vorbeikommt, nimmt sie ihr auch den Kuli weg, findet aber keinen Gefallen an ihm und lässt ihn wieder fallen. Ähnliches zeigt sie bei den Bällen und der Beißwurst: Sie ist interessiert, spielt damit, solange sie animiert wird, alleine ist sie daran nicht interessiert: Halina steht definitiv nicht auf tote Beute, sie sollte sich schon bewegen.

Hakuna vom Bairischen BluesHakunaHakuna vom Bairischen BluesHakunaLetzte Dame ist Hakuna. In der Orientierungsphase, bevor sie sich umschaut, nimmt sie schon Witterung auf und schnüffelt herum. Dann läuft sie los, schnell und doch vorsichtig. Sie überstürzt nichts, ist aber offen für das, was kommt. So ambivalent geht es weiter: Einerseits trägt sie die Rute wie einen Flaggenmast, andererseits muss sie sich immer wieder verlegen kratzen. Als Kraftspender scheint ihr Chefins Kuli gerade recht zu sein; sie greift ihn sich und trägt ihn durchs Studio, schaut sich mit ihm intensiv um. Der Ball ist sofort ihr Freund, nur ungern gibt sie ihn wieder heraus, was ihr Probleme bereitet sich zu entscheiden, als der zweite Ball dazu ins Spiel kommt. Auch das Beißkissen macht ihr sofort Laune auf ein zickig-zackiges Zerrspielchen. Mon dieu!

Hartl vom Bairischen BluesHartlHartl vom Bairischen BluesHartlUnd nun: Hartl. Der Knirps pflanzt die Rute auf wie ein Bajonett und stapft los. Allerdings führt ihn sein erster Weg zum Vize und auf dessen Schoß, kurz innehalten, Kraft tanken und so tun, als ob das zum Programm gehörte. Aber viel Zeit verspielt er mit diesem Zwischenstopp nicht, macht sich gleich wieder auf den Weg durch den neuen Orbit: alles spannend, alles cool. Auch das Angebot von Bällen und Beißkissen nimmt er ohne Zögern an, geht darauf ein und lässt sich nicht zweimal zum Spielchen bitten. Er legt während des Spiels immer mehr zu, baut immer mehr Trieb auf. Dieser Hartl hat noch Reserven.

Hugo vom Bairischen BluesHugoAlsHugo vom Bairischen BluesHugo nächsten Kandidaten bitten wir Hugo in den Ring. Er macht es nicht anders als seine Geschwister: schaut sich kurz um und geht los. Auch er wählt als ersten Boxenstopp den Schoß des Vizes, lässt sich bestätigen, dass er ein gaaanz toller Hecht ist und geht dann weiter seine Runde, bei der er anfangs noch ein wenig unsicher ist, dann aber schnell die Rute nach oben bringt und seine Kreise zieht. Aufs Ballspiel und das Beißkissen lässt er sich ebenfalls problemlos ein, macht aber die Kiefer nicht richtig zu; ihm sind Menschen wichtiger als Bälle und Zerrzeug. Deswegen steigt er der auf dem Bauch liegenden Chefin auf den Rücken und schaut ihr über die Schulter beim Schreiben zu. Er will genau wissen, was sie über ihn zu berichten hat. Bestimmt nix Schlechtes, so viel ist sicher.

Hias vom Bairischen BluesHiasHias vom Bairischen BluesHiasMit Hias geht es weiter und hört für heute auf, weil während seiner Examination Besuch kommt. Hias gibt gleich Gas, jammert zwar ein bisschen dabei, aber man kann nicht sicher sein, ob es ein Jammern ist oder ob er sich einfach nur Mut zuspricht. Die Rute trägt er jedenfalls wie eine Antenne und unbegutachtet lässt er nichts. Der Chefin klaut er den Kuli, bringt ihn ihr auch wieder zurück, frisst ihr dafür den Schreibblock unter den Fingern weg. Als die Chefin dann den Besuch einlässt und er mit dem untätigen Vize allein ist, nimmt er die Dinge selbst in die Hand, holt sich einen herumliegenden Ball, treibt ihn durchs Studio, angelt nach dem zweiten, wenn er gerade neben ihm auftaucht, und auch das Beißkissen bekommt den einen oder anderen Freiflug. Der braucht keine Chefin, keinen Vize, der ist sich selbst genug und weiß etwas mit sich anzufangen. Potz Abraham und Zauberstab!

Wegen des Besuchs ist nun Schluss, die anderen müssen warten. Damit ihnen die Wartezeit nicht zu lang wird, bekommen sie noch schnell die dritte Entwurmung, diesmal mit Milbemax, das nur an einem Tag gegeben werden muss. Damit haben wir auch diese Pflicht rechtzeitig genug vor dem Impftermin nächsten Freitag erledigt.

Und draußen tanzt der Regen Polonaise. "Regnet's stark zu Albinus, macht's den Bauern viel Verdruss." Hat schon was, wenn man kein Bauer ist.

 

Ostermontag, 17. April 2017

Der Vize lässt es sich nicht nehmen, heute Morgen der Gewichtskontrolle beizuwohnen, um zu sehen, ob der Zunahme-Tsunami wieder über die Waage schwappt oder vielleicht doch ein wenig Bauchgrimmen seinen Tribut fordert. Beeindruckend ist die Souveränität der Hallodris auf der Waage. Wenn jemand der Ansicht sein sollte, dass man von Welpen am Ende der siebten Woche doch wohl erwarten könne, kein Problem auf einer Waage zu haben, ist das ein Irrtum. Unsere Hündinnen haben wenig Welpen gebracht, die leicht zu beeindrucken oder ängstlich waren, aber es gab immer welche, die sich auf dieser Babywaage, oben auf dem Küchenblock oder dem Gartentisch, lange oder bis zum Schluss nicht wohlfühlten. Und wir erinnern uns eine ein paar wenige, die bis zum letzten Tag mit weichen Knien wie Schmidtchen Schleicher auf der Waage standen, zitterten und jegliche Bestechung ablehnten. Doch die Hallodris stehen da und mampfen ihre Platinumstückchen, lässig und locker, als wäre es ein kleines Amuse-Gueule vor dem Frühstück. Keiner hat die Rute unten, keine versucht, das wacklige Schiff zu verlassen und wenn der Versuch doch gemacht wird, dann, weil die Leckerli aufgesaugt sind, die Chefin aber wegen der hippeligen Ladung zu keinem eindeutigen Ergebnis kommt und die Kandidaten länger als es denen lieb ist dort oben festhält. Das alles bestätigt die unerschrockene Performance der ersten Testkandidaten gestern im Studio.

Die Gewichte zeigen die erhoffte Normalisierung; vermutlich geht es den Hallodris wie uns nach ein paar üppigen Tagen. Nur Halina füttert möglicherweise einen Bandwurm, sonst würde sie nicht schon wieder mit 310 g in die Registratur kommen. Gestern 380, heute 310, das sind 690 g an zwei Tagen. Da liegt eine Karriere als ukrainische Traktoristin nahe. Für sie bedeutet das heutige Ergebnis 5430 Gramm und Aufstieg von Platz acht auf fünf. Das deutet an, dass sich die anderen etwas mehr zurückgehalten haben müssen. Die nächste Hausnummer liefert Hartl mit 280 g, was sich bei ihm auf 5780 Gramm summiert und ihm den zweiten Platz sichert, nur noch 220 g hinter Hallodri. Der lässt es nämlich gerade etwas gemächlicher angehen und begnügt sich mit 110 g, und die tragen ihn auf glatte sechs Kilo. Tärä! Eine engagierte Leistung muss man auch Hias mit 240 g konstatieren, die ihm 5200 Gramm eintragen und seinen Lieblingsplatz Number Hakuna und Fianna vom Bairischen BluesFiannas Morgenpflege bei HakunaNine sichern. Den Rest beten wir jetzt runter: 3. Platz Hugo (5630, +200), 4. Platz Hobo (5610, +160), 6. Platz Harpo (5420, +140), 7. Platz Hetty (5300, 0), 8. Platz Hakuna (5280, +50), 10. Platz Hedda (5100, +150) und 11. Platz Hubsi (4600, +180).

Das Osterwetter ist immer noch engagiert, auch den letzten widerborstigen Hasen in seine Kate zu treiben. Morgens ist es kalt, stark bewölkt und windig bei 4° C, im Tagesverlauf wird es zunehmend regnerisch bei nicht mehr als 7° C, bis sich er Regen in eine stürmische Wasserfront verwandelt, die die Hallodris selbst in der Deckung unterm Balkon durchnässt. Das bedeutet wieder Kasernierung. Das bedeutet wieder nörgelige und zickige Kinder. Aber das heißt auch, dass wir das Hallodri-Assessment im Dachstudio fortführen können.

Hubsi vom Bairischen BluesHubsiHubsi vom Bairischen BluesHubsiHeute beginnen wir mit dem Rotlichtträger Hubsi. Er geht die Sache etwas vorsichtig an, weiß nicht so recht, was wir da mit ihm planen. Als wir ihn jedoch ansprechen, ist er sofort Feuer und Flamme, wedelt mit dem ganzen Körper wie eine Vogelscheuche im Sturm und stürzt sich auf uns. Hubsi ist ein Philanthrop wie Hugo; erst der Mensch und dann sein Sach. Getrieben von seiner Neugier, macht er sich nach der Begrüßung auf den Weg und versucht, alles aufzunehmen und sich einzuprägen, langsam und intensiv. Jetzt nimmt er von uns nur noch beiläufig Notiz. Auf das Ballspiel steigt er sofort ein, wird dessen aber auch genauso schnell wieder überdrüssig. Das Beißkissen dagegen erklärt er zu seinem besten Freund, da kontert er wie ein Profi und will es nicht mehr herausgeben. Dass er mit seinen Zähnen umzugehen weiß, hat nicht nur der Vize schon am eigenen Leib spüren dürfen. Für einen, der unzweifelhaft zwei bis drei Tage nach den anderen in Produktion gegangen ist, also um diese Zeit jünger ist, was sein Federgewicht erklärt, aber auch die immer noch eindeutig kleineren Zähne belegen, ist eine solche Vorstellung sehr beeindruckend, weil in dieser Entwicklungsphase zwei oder drei Tage einen enormen Unterschied bedeuten. Wir stellen Hubsi ein sehr vielversprechendes Zeugnis aus.

Hallodri vom Bairischen BluesHallodriHallodri vom Bairischen BluesHallodriWenn man acht sich sehr gleichende Vorstellungen gesehen hat, will und muss man natürlich die Unterschiede herausarbeiten, um überhaupt differenzieren zu können. Deswegen holen wir nun als Kontrastangebot nach dem Nachzügler die Dauervorhut: Hallodri. Er hält sich nur sehr kurz mit der Orientierung auf und läuft dann sehr zielstrebig in alle Ecken davon. Dabei ist er der Erste, der sich auch die ganz finsteren Ecken vornimmt und auch dabei gelassen und unaufgeregt bleibt. Das in der dunkelsten Studioecke liegende japanische Sitzkissen erwählt er sich als Feldherrnhügel, um die Lage von oben herab zu überblicken. Das Prüfungsteam begrüßt er im Vorübergehen freundlich, aber geschäftig, soll heißen: keine Zeit, ich komm später auf euch zurück. Die ganze Zeit ist er schnell auf seinen Beinen unterwegs, ohne dabei getrieben oder hektisch zu wirken. Auf die Spiele geht er auch sofort ein, bringt allerdings die Beute nicht zurück, sondern sichert sie. Eine ausgereifte Vorstellung.

Harpo vom Bairischen BluesHarpoHarpo vom Bairischen BluesHarpoNun Harpo. Man möcht fast sagen, auf Groucho folgt Harpo, nach dem gewichtigen und souveränen Chef kommt der Hansdampf und Oberschelm. Er findet nicht einmal die Zeit, einen Blick rundum zu senden, sondern läuft sofort in die Richtung los, in die er zufällig gestellt wurde. Auf seiner sehr zügigen Rundreise macht er einen Zwischenstopp auf dem Schoß des Vize, hält ein Pläuschchen und ist wieder weg. Feldherrnhügel überlässt er Wichtigeren, dafür hat er einen Sinn für die kleinen Dinge des Alltags, z.B. die Flasche Maxlrainer Weißbier unterm Glastisch. Die hat bisher noch keinen der Hallodris interessiert, aber Harpo entdeckt sie und macht ihr seine Aufwartung. Er ist ein Kobold auf Betriebstemperatur, er galoppiert herum, macht den Affen und ist in jeder Phase seines Tests völlig unbekümmert. Den Bällen ist er sofort hinterher und treibt sie durchs Studio, so, dass wir völlig überflüssig sind, weshalb wir ihn ans Beißkissen locken, was er ebenso offenherzig annimmt wie alles andere. Er ist wirklich ein sensationell fröhlicher und unbekümmerter Tropf ohne Hemmungen, Allüren und Flausen.

Hobo vom Bairischen BluesHoboDerHobo vom Bairischen BluesHobo letzte Auftritt gehört Hobo. Der bleibt erst einmal stehen und schnüffelt seinen Standort ab, dann geht er los. Hobo wedelt und sieht sich um. Hobo klettert auf Schöße, verteilt Liebesbriefe, wedelt und wandert weiter. Hobo wedelt und entführt einen Kugelschreiber. Hobo vergreift sich an Grünpflanzen und wedelt. Dabei betritt er allerdings nie die äußeren und finsteren Lebensräume, sucht hingegen immer mal wieder die Nähe der Tür, durch sie er hereingetragen wurde. Mit den Bällen freundet er sich sofort an, dem Beißkissen kann er anfangs nicht viel abgewinnen, lässt sich aber schnell überzeugen, es mit ihnen zu versuchen, was ihm dann auch Spaß bereitet, unbefangen ist er dabei jedoch nicht. Hobo verkörpert heute den interessiert offenen, aber bedächtigen Typ. Er wäre in der heutigen Verfassung erste Wahl für viele Hundesportler, die sich nämlich entgegen der allgemeinen Meinung nicht für den Kamikaze-Typ entscheiden, der mit verbundenen Augen auf Kommando von der Brücke springt, sondern eher für den kontrollierten Typ, der sich den Dingen offen und interessiert, aber mit Bedacht nähert. Solche Hunde haben für den Sport häufig den längeren Atem und mehr Tiefgang. So gesehen hat Hobo heute das kleine Sportabzeichen abgelegt.

Was wir gestern und heute gesehen haben, ist äußerst ungewöhnlich und fast beängstigend souverän, andererseits darf man nie aus den Augen verlieren, dass wir über 50 Tage alte Welpen reden. Bewertungen und Einschätzungen sind eine Momentaufnahme, der typische Charakterzüge zugrundeliegen, die aber nicht als Wechsel auf die Zukunft verstanden werden darf. Es ist eine sehr beeindruckende Basis vorhanden, gefestigt oder festgelegt ist nichts. Dieses Potential kann zum Blühen oder zum Welken gebracht werden. Aber was in ihnen steckt und was aus ihnen werden kann, haben die Hallodris eindrucksvoll gezeigt.

Der Rest des Tage spielt sich heute vorwiegend in Küche und Transit und ohne nennenswerte Ereignisse ab, die Outdoor-Phasen sind meist kurz und eher garstig. Diese Konstellation ist besonders unangenehm, weil Harpo und Halina wieder einmal Durchfall haben, breiige Grüße aus Darmstadt, ohne klinische Begleiterscheinungen. Aber in der Küche und im Transit gehören sie nicht zu jenen Gaben, die das Osterfest ideal beschließen.

 

Dienstag, 18. April 2017

Der Vize schaut frühmorgens mit verkleistertem Blick aus dem Fenster und denkt, ihn laust der Hase: Hat doch der vermaledeite und frustrierte Osterhase sämtliche Puderzuckerreste für die nicht abgerufenen Osterlämmer im Hallodrigarten entsorgt. Da ist ja alles weiß; Puderzucker, keine Frage, der ganze Garten kandiert. Spinnt das Bunny jetzt komplett? Erst als sich die Schlafjalousetten vor seinen Pupillen heben, wird ihm klar, dass er dem Hasen Unrecht tat: Das ist Schnee! Und der fällt auch noch in Schneefetzen so groß wie Kartoffelchips aus allen Wolken. Zwischendurch schauert es, dann schneeregnet es. Der Winter ist zurück; in Garmisch-Partenkirchen mit 30 cm Neuschnee, in Rottach-Egern, nur eine kräftig ausgestreckte Armlänge von hier, auch noch mit 15 cm. Im Mangfalltal reicht es nur zu einem Zuckerguss. Dieses Treiben zieht sich weit in den Nachmittag hinein, dann erst löst sich der eisige Deckel in Wolken mit Sonne auf, allerdings auch mit viel Wind. Und abends bleibt der Papp, der dann wieder über uns kommt, bei 0° C liegen. Schöne Nachbescherung.

Wegen der hohen Feuchtigkeit und der Morgentemperaturen um 0° C müssen wir die Hallodris nach dem Putzen gleich wieder ins Haus holen. Obwohl wir gerade dabei sind, ihre Leben, mindestens aber ihre Gesundheit, zu retten, stimmen sie ohne Verzug ein gellendes Kakadu-Konzert an: Wir sind das Volk, wir wollen raus, wir sind das... Und während die einen an den Grenzanlagen kreischen und sich das Volk nennen, verscheißen die anderen ihr Staatsgebiet, das frisch geputzte, wohlgemerkt. Das Volk, das selbsternannte, ist dümmlich meist, immer aber laut und dreist. Und das Staatsoberhaupt erkennt die Vergeblichkeit des guten Tuns. Dabei fallen ihm, etwas verspätet, die zwei Kernsätze des Karfreitags ein, "Es ist vollbracht", was sich im vor-liegenden Fall auch mit "es ist prachtvoll" übersetzen ließe und "Noch heute werdet ihr mit mir im Paradiese sein". Das aber würde voraussetzen, dass er des Lebens überdrüssig wäre. Davon kann keine Rede sein, schon aus purem Trotz nicht. Dorthin senden würde er das ganze Pack allerdings leichten Herzens. Express mit UPS (Universal Paradise Service).

Zur Beruhigung der Gemüter bietet sich das Wiegeprotokoll an. 2060 sind nach dem Exzess von vorgestern und dem Reduktionstag gestern eine vernünftige Marke. Dabei dürfen wir nicht außer acht lassen, dass Harpo und Halina wieder Durchfall hatten, was sich prompt auf deren Ergebnis niederschlägt. Harpo liefert heute 80 g mehr als gestern, was für einen Diarrhoe-Hollaraiduljöh gar nicht so übel ist. Mit 5500 Gramm rutscht er vom 6. auf den 7. Platz. Bei Halina macht sich der Durchfall deutlicher bemerkbar: 50 g und 5480 Gramm. Die Konsequenz ist ein Durchfall von fünf auf acht. Überhaupt keine Kenntnis hatten wir von einer Unpässlichkeit Heddas, die uns mit nur 30 g beglückt, dabei sieht sie uns an, als Hias vom Bairischen BluesHiaswollte sie ein Kompliment über ihre Modelfigur hören: 5130 Gramm, 10. Platz, wie gehabt. Was soll das Gehabe? Im Weiteren verfolgen wir das Protokoll von links nach rechts, also in der Reihenfolge der Erdenfahrt unserer Hallodris. Hartl meldet 200 g an, die ihn auf 5980 Gramm anwachsen lassen und weiterhin zum ersten Anwärter auf die Thronfolge machen (2. Platz). Das kann Hias trotz seiner 260 g nun wirklich nicht von sich behaupten. Ihm geht es ähnlich wie Hubsi: Er gibt sich Mühe und sieht kein Land (5460, 9. Platz). Da geht es Hakuna deutlich besser, weil im Mittelfeld Bewegung ist, während die Ränder festgefügt sind. Sie kommt gar mit 290 g mehr auf die Waage. Die 5570 Gramm tragen sie von Platz acht auf sechs. Hugo gibt sich dagegen mit seinen 140 g eher zugeknöpft. Zur Strafe rutscht er von drei auf vier (5770). Hedda haben wir bereits besprochen. Hubsi liefert 100 g, zu wenig, um des Vizes Vorhersage Wirklichkeit werden zu lassen, aber genug, um stetig an seiner Rüdenwerdung zu arbeiten (4700, Rotlicht). Hetty hat so etwas Maßloses und Unstetes, sie ist der lebende Jo-Jo-Effekt der Hallodris. Heute bereichert sie das Tableau mit 330 g (5630) und ihrem Aufstieg von sieben auf fünf. Halina und Harpo haben wir auch schon abgearbeitet. Fehlen noch Hobo und Hallodri. Hobo meldet 210 g, was ihm mit 5820 Gramm den 3. Platz von Hugo einbringt. Und wenn zwei sich ums Besteck rangeln, löffelt der Dritte die Suppe aus: Hallodri. Mit 370 g zeigt er, dass er immer kann, wenn er will und keiner glauben soll, dass er ihm irgendwann das Fett von eben jener Suppe abschöpfen kann: 6370 Gramm und up, up and away.

Die RampeRampensauAls nachmittags das Wetter zwar frisch, aber sonnig ist und die Hallodris ihren Garten genießen können, lassen sie richtig die Sau raus (offensichtlich fehlt ihnen ein tierischer Spielpartner, weil in den letzten Tagen der Hase ein Totalausfall war). Gerade haben sie noch gekuschelt und jetzt geht die Post ab; vermutlich haben sie beim Kuscheln nur die Muskeln Hetty und Hartl vom Bairischen BluesHetty und Hartlvorgeglüht. Der echte Bringer ist die neue Rampe, mit der sie erstmals in luftige Höhen von etwa 50 cm klettern können – und beim Absturz auch noch die Lacher auf ihrer Seite haben. Das Motto des Tagesbildes "Young Fast Loud" füllen sie heute Nachmittag kompromisslos mit Leben, vor allem das loud hat es ihnen angetan. Es ist schon gut, dass der frische und windige Nachmittag niemand außer dem Fotofix des Blues auf einen Aufenthalt im Freien lockt. Da können sie krakeelen so lange sie wollen. Wir haben nur liebenswerte und absolut keine kleinkarierten Nachbarn, aber auch sie haben das Recht, nicht alles kommentarlos schlucken zu müssen, was ihnen eine Horde unerzogener Welpen zumutet. Wir haben allen Grund, uns bei dieser Gelegenheit auch mal bei der gesamten Nachbarschaft für ihr Verständnis herzlich zu bedanken.

Als der Abend vorangeschritten ist und die Hallodris die Küche belagern wie besoffene Landsknechte, erbricht Hetty einen großen schleimigen Berg undefinierbaren Inhalts. Das einzige, was der Vize in dem Pamp identifizieren kann, ist eine Art Knochenstück oder irgendetwas anderes großes Weißliches. Hetty geht es unendlich schlecht. Sie erbricht immer wieder Schleim, sie hat definitiv Schmerzen und jammert und wimmert. Die Chefin gibt ihr Nux vomica, um Magen und Darm zu beruhigen und nimmt sie zu sich ins Bett; Wärme und der Herzschlag der Chefin sollen Harpo vom Bairischen BluesHarpoihr helfen. Aber Hetty bleibt unruhig und fahrig. Wir machen uns richtig Sorgen, bringen sie jedoch wieder zu ihren Geschwistern und hoffen auf die Hilfe von Nux vomica; wenn es wirkt, hilft es relativ schnell. Gegen Mitternacht macht der Vize nochmal eine Visite bei seiner Patientin und findet sie zwischen ihren Geschwistern, entspannt auf der Seite liegend. Als er sie ein wenig berührt und streichelt, grunzt sie schläfrig und streckt sich mit Hakuna vom Bairischen BluesHakunaallen vier Beinen und einem Katzenbuckel, wie es Hunde tun, wenn sie sich entspannen. Das sieht wieder gut aus. Gegen ein Uhr wirft der Vize nochmal einen Blick auf Hetty und findet, dass sie zwischen ihren Geschwistern kaum mehr zu finden ist. Offenbar alles wieder gut. Wahrscheinlich hat sie ihrer Mama ein Stück ihres Kalbsknochen abgekupfert und einen deutlich zu großen Brocken geschluckt. Da hat auch ein Großer schon mal Aufruhr im Bauch.

Es geht in die finale Woche mit den Hallodris, da kann man auf solche Dramas gut verzichten, wo doch die ganze kommende Woche ein einziges Drama ist. Vor allem für die Welpenbesitzer, für die es nun heißt: Off Limits. Kein Zutritt mehr. Wir haben genug um die Ohren und um die Herzen. Was diese erleichtert, sind die ersten Schwalben, die uns gerade heute wegen der tieffliegenden Insekten im Tiefflug um die Nasen rauschen. Eine Schwalbe macht zwar keinen Sommer, füllt aber die Leere, die die überfälligen Nachtigallen und erfrorenen Kuckucke erzeugten. Und sie kündigen den Sommer an, die Zukunft, Glück und Wärme. Auch ohne Hallodris.


[1] Es sind nur abgezählte Tage. Und wer von euch krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage fasten. Und denen, die es mit großer Mühe ertragen können, ist als Ersatz die Speisung eines Armen auferlegt. Und wenn jemand freiwillig Gutes tut, so ist es besser für ihn. Und dass ihr fastet, ist besser für euch, wenn ihr es (nur) wüsstet!

 

6. Woche (05.04. - 11. 04. 2017)

Mittwoch, 5. April 2017

 

Es liegt eine unheimliche Stille über dem Anwesen des Blues. Der Vize traut seinen Ohren nicht: nichts! Stille! Es bedrückt ihn im Bett die Frage, ob die vor wenigen Tagen erfolgte Zustellung eines Werbebriefs der Firma Amplifon (Hörgeräte) doch kein auf sein Alter gezielter Affront, sondern schiere Vorsehung war. Lässt ihn sein bislang noch alltagstaugliches Gehör im Stich? 6 Uhr und die Hallodris liegen offenbar in süßer Ruh. Oder sind sie etwa der eigenen Giftgasproduktion erlegen; Sumpfgas liegt bekanntlich schwer am Boden und die Hallodris tun dies auch. Während die Zeit mit Denken und Grübeln verstreicht, dabei die Frage Überhand gewinnt, ob es zuträglicher ist abzuwarten oder nach dem Rechten zu sehen, übersieht der Vize, dass er eigentlich auch aufstehen könnte, denn der Schlaf ist ihm bereits abhanden gekommen. Doch er liegt ähnlich schwer wie Sumpfgas in den Federn. Um 6:30 Uhr rumort es dann doch unter ihnen, und zwar erwächst dem sphärischen Schweigen binnen Sekunden akustischer Hochdruck, begleitet von Geräuschen, die vermuten lassen, dass dort unten Polka getanzt wird. Welch ein Glück. Ruhe bis 6:30 Uhr, aber es lebt noch, was da kreischt. Wie bescheiden man geworden ist. Wie glücklich man über eine Stunde mehr Schlaf sein kann. Das Glück der Chefin geht durch die Decke, als sie nur fünf, kaum der Erwähnung werte, Häuflein zählt. Also nix wie raus mit der Bande, Milchspeise in die Ringe und ab. Nach dem Frühstück zieht die zu erwartende Darmol-Prozession durch den Garten, die Hallodris vorneweg, die Chefin mit Eimerchen und Schaufel hinterher. Und dann kuscheln sich die von jeglicher Last Befreiten in ihr Terrassenbett und verlängern die Nacht auf unbestimmte Zeit. Viel versäumen sie heute auch nicht, denn der Himmel hängt sein Wasserbett schwer über die Köpfe der Hallodris: Es ist Waschküche bei 5° C. Also Augen zu und durch.

Die von der Chefin eingesammelte Speisekarte von gestern ist etwas dünner als die letzten Tage, was daran liegen wird, dass die Hallodris gestern erstmals Gekochtes kredenzt bekamen. Wir werden diese Erfahrung noch häufiger machen, weil sich der Darm auf die unterschiedlichen Anforderungen der jeweiligen Speisen einstellen muss. Ein Welpendarm ist kein Tausendsassa, der schon bei Geburt alles kann; er muss erst lernen, mit allem fertig zu werden, was ihm geliefert wird. Und diese Vorgänge verändern kurzfristig den Zustand der Endprodukte. Wir machen das gerne, weil wir, soweit es in unserer Macht liegt, Hunde übergeben wollen, die mit ihrer zukünftigen Futterwelt im Reinen sind. Die Käufer unserer Hunde bekommen somit einen Hund, dessen Darm mit allem, was man üblicherweise füttert, zurechtkommt. Damit sind unsere Welpenkäufer in der Futterwahl frei, ohne sich um die Umstellungsprozesse und deren Folgen kümmern zu müssen. Aber es handelt sich dabei nicht nur um schiere Menschenfreundlichkeit unsererseits, sondern vor allem um Hundefreundlichkeit: Welpen, die ihren Magen-Darm-Trakt in dieser frühen Phase nicht entwickeln können, die im schlimmsten Falle völlig unzulänglich gefüttert werden, behalten ein Leben lang einen Reizdarm mit allen Folgen für sie und ihre Besitzer. Es ist nach unserer Auffassung Aufgabe des Züchters, einen auch in dieser Hinsicht stabilen und gesunden Hund abzugeben. Auch wenn es manchmal besch...eiden ist.

Fianna säugtFianna säugt noch immer unverdrossenMuttermilch gehört nicht zu jenem Nahrungsangebot, das den Hallodris Probleme bereitet, und davon scheint auch Fianna überzeugt zu sein, denn kaum ist sie von ihrem Morgenspaziergang zurück, baut sie sich vor ihren Kindern auf und bietet ihnen die Brust. Wie viel sie noch zu liefern hat, wissen wir nicht, aber offenbar hat sie noch etwas zu bieten und ihre Kinder wissen es sehr zu schätzen. Es fasziniert uns anhaltend, wie konsequent Fianna ihren Mamajob erledigt, dabei auch keine Rücksicht auf sich nimmt, weil die Hallodris ihr jetzt schon richtig wehtun; die Krallenspuren an ihrem Bauch sprechen eine deutliche Sprache.

Nach der Vorzugsmilch am Morgen lassen wir die Bande wieder ins Haus, weil es draußen einfach zu garstig ist, nicht dass sie uns bis zur Abgabe noch zu Yetis mutieren. In der Küche legt sich Fianna nun zu ihren Herzgewächsen und bespielt sie mit Ausdauer und Leidenschaft. Bei dieser Leidenschaft muss wohl Hartl ein bisschen zu leidenschaftlich geworden zu sein, jedenfalls steht Hartl vom Bairischen BluesHartl nach dem Frühstück und vor der Abreibunger mit einem Mal im Fokus ihres Interesses und sie liest ihm die Leviten, was der Spargeltarzan aber wohl nicht gelten lassen will und Widerworte gibt, worauf aus den Leviten eine Abreibung wird. Fianna bringt ihm die Anstandsregeln derer vom Bairischen Blues nachdrücklich bei. Als er endlich ihren Fängen entkommen und unter dem Küchenblock davongekommen zu sein glaubt, erwartet sie ihn an der anderen Seite des Küchenblocks, nimmt ihn in Empfang und schenkt ihm noch eine ein. Das war's. Sie leckt ihm die Nase, beendet den Benimmuntericht, und Hartl trollt sich heftig grummelnd in den Transit. Doofe Mama! Wir können Hartl verstehen, mehr noch sind wir von Fiannas pädagogischen Maßnahmen begeistert; sie ist herzensgut und jederzeit für ihre Kinder da, aber auf der Nase lässt sie sich nicht herumtanzen. Da fällt der Watschenbaum um.

Fianna mit ihren KindernFianna im Kreise ihrer LiebenEs besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass Hartls Unmut gar nicht so sehr gegen seine Mama gerichtet ist, sondern gegen seine Geschwister, die ihn durchs Feuer gehen ließen und weiter ihren Vergnügungen nachgingen, den neuen Bälledom umstürzten und die Bälle unter Begeisterungsstürmen durch die ganze Küche trieben. Das setzt dem Stolz eines jungen Helden mächtig zu.

Von der Waage lesen wir ab, dass wir nun etwas mehr für die Hallodris tun können, weil Fianna zwar noch ihren Leib spendet, aber den Bedürfnissen ihrer Schar nicht mehr Herr wird. Das müssen wir ausgleichen. 1560 g Zunahme bedeutet einen Zuwachs im Schnitt von knapp 142 g. Von diesen 1560 g hat allein Hubsi 200 g für sich abgezwackt, was ihm zwar keine Positionsverbesserung beschert, aber ein wohliges Gefühl im Bauch (2570, 11. Platz). 190 g Hias vom Bairischen BluesHias auf der Waagegriff Hallodri, der es am wenigsten nötig hat, ab (3480, 1. Platz). Und zwischen diesen beiden deutlich vom Feld Abgesetzten tobt ein zäher Positionskampf auf einem Schlachtfeld von 210 g Unterschied: 2. Hugo 3100 (+100, Platz behauptet), 3. Hetty 3060 (+120, Platz behauptet), 4. Hakuna 3030 (+130, einen Platz rauf), 5. Hobo 3010 (+80, einen Platz runter), 6. Hartl 2960 (+170, hoch von 8), 7. Hedda 2940 (+100, eins runter), 8. Halina 2920 (+120, eins runter), 9. Hias 2910 (+180, trotz Gewaltleistung hängen geblieben), 10. Harpo 2890 (+170, dito). Man sieht: Es geht zäh voran, selbst wenn man bereit ist, sich den Magen zu verrenken.

Diesen Bedingungen nun Rechnung tragend, füttern wir ab heute vier Mal, um die größeren Mengen besser verteilen zu können. Heute gibt es beispielsweise morgens pro Welpe etwa 75 ml Welpenmilch, am späten Vormittag 40 g eingeweichtes und püriertes Trockenfutter, nachmittags 40 g Fleisch (heute rohes und gewolftes Rinderherz plus gekochten Karotten) und abends wieder 40 g Trockenfutter.

Dazu fallen schon mal verschiedene Sorten Knabberstangen ab, die ein sehr positives Echo auslösen und auf die sie sich stürzen, als hätten sie heute noch darben müssen. Die Mehrzahl der Hetty mit KnabberstangeHetty mit Knabberstange im TransitKnabberer müssen sich unermüdlich gegen ihre Geschwister und vor allem gegen ihre Mutter zur Wehr und durchsetzen. Nur Hetty zeigt wieder einmal keine Neigung zum Teilen, Altruismus ist in Nahrungsangelegenheiten ihre Sache nicht, und schafft es, mit ihrer Stange unbemerkt im Transit zu verschwinden und das Stäbchen unter Ausschluss der neidischen Öffentlichkeit zu verarbeiten. Doch selbst als sie entdeckt und zur Herausgabe der Beute aufgefordert wird, leistet sie erfolgreich Widerstand und schlägt den hungrigen Mob in die Flucht. Irgendwo muss ja der 3. Platz im Ranking seine Ursache haben.

Harpo mag Leberwurst aus der TubeHarpo mag Leberwurst aus der TubeHeute gibt es sogar Geflügelleberwurst aus der Tube, die ein einfühlsamer Besucher spendet, und die offenbar so mundet, dass sie dafür sogar übers Wasser gehen würden; Harpo jedenfalls hat den aufrechten Gang ins Repertoire aufgenommen, um an das Tuben-Manna zu kommen. Da sind wir mal gespannt, wie sich diese Kalorienorgie morgen in der Tabelle auswirken wird.

Wir geben auch gerne zu, dass wir gelegentlich Leckereien vor die Perlen werfen, um auch mal ein Foto schießen zu können, was mit jedem Tag schwieriger wird, vor allem wenn wir ohne Besucher mit den Hallodris alleine sind. Es soll ja Leute geben mag, die glauben, dass ihre Welpen Rampensäue sind, die keiner Kamera aus dem Weg gehen können, doch das ist natürlich eine Legende. Tatsächlich stürzen sie sich auf alles, was vor ihnen in die Hocke geht und ihnen in ihrer Vorstellungswelt einen Antrag auf ein fröhliches Spielchen macht – auf ihn mit Gebrüll. Und schon hängen sie an uns, zerren an den Hosen und den Fersen und den Zehen, am liebsten aber am Kameragurt. Beste Bedingungen für authentisches und herzergreifendes Bildmaterial. Man kann in dieser Situation vermutlich erstklassige Panoramafotos vom Garten machen, auf denen aber dummerweise kein Welpe zu sehen ist.

Abends werfen wir noch einmal einen Blick aus dem Fenster und einen in die Bauernregeln: ganztägig Grauwetter. Und was sagen die Weisen aus dem Bauernland dazu? "Ist St. Vinzenz Sonnenschein, gibt es vielen guten Wein." Macht ja nichts, trinken wir eben Bier. Schaurig schön ist allerdings der zweite Losspruch, der eher nach einer Geheimlosung von WikiLeaks klingt: "Wenn St. Vinzenz tritt in die Hall', so bringt er uns die Nachtigall." Geht's noch?

 

Donnerstag, 6. April 2017

Der Tag beginnt bedeckt und frisch und windig bei 4° C. Sehr viel wärmer wird es heute auch nicht mehr, obwohl sich die Wolken auflockern und auch der Sonne Platz machen, damit sie ein paar Lichtpfeile verschicken kann.

Der Blick auf die Gewichtstabelle bestätigt die Binse, dass die Reichen immer reicher werden und die Fetten immer fetter. Hugo, der bislang Zweitplatzierte will offenbar nach ganz oben und macht Hallodri eine Kampfansage: 250 g. Das bringt ihn mit 3350 Gramm näher an Hallodri ran, aber nicht auf Griffweite. Der kontert nämlich lässig mit 230 g, die ihm mit 3710 Gramm noch genügend Raum lassen, eine Diätrunde einzulegen, wenn ihm einmal danach sein Hedda vom Bairischen BluesHedda hätte noch gerne einen Nachschlagsollte. Danach sieht es jedoch nicht aus. Aber auch Harpo hat seinen Anspruch auf einen Platz unter den Zelebritäten angemeldet: ebenfalls 230 g. Mit den erwirtschafteten 3120 Gramm rückt er vom vorletzten Platz auf den 6. Platz vor, den er mit Hedda teilt, die mit 180 g Zuwachs in die Registratur kommt. Ein zäher Kämpfer an der Gewichtsfront ist Hobo, der mit 190 g wieder einmal bei den Top-Anlegern ist; 3200 Gramm lassen ihn von fünf auf vier vorrücken. In diesem eng gepackten Mittelfeld hat Hetty alle Kiefer voll zu tun, um sie Hobo mit Müh und Not und 170 g vom Leib zu halten: Mit 170 g kann sie gerade noch 30 g zwischen Hobo und ihrem 3. Hubsi auf der WaageHubsi auf der WaagePlatz puffern. Weil Harpo einen so kräftigen Satz nach vorne gemacht hat, lassen Halinas 180 g sie mit 3100 Gramm um einen Rang auf neun abrutschen. Das gleiche gilt für Hakuna; 160 g sind eine feine Tagesleistung, aber Hobos Kraftakt schickt sie um einen Platz nach unten (5. Platz, 3190). Auch Hartl hat das Nachsehen: 150 g ergeben 3110 Gramm und den 8. Platz, zwei Plätze weiter unten, weil Hedda und Harpo aus seinem Windschatten vorbeigezogen sind. Für Hias gilt, dass 100 g Zuwachs in der aktuellen Boom-Lage einfach zu wenig sind; dann findet man sich mit 3010 Gramm auf dem Vor-Hubsi-Platz wieder. Und Hubsi muss wirklich mehr tun als die seriösen 140 g, wenn er die Prophezeiung seines Vizes nicht ins Reich der Legenden befördern will: 2710 Gramm, das sind noch immer 300 g hinter Hias und eine Menge Verdauarbeit, wenn er ihn überholen will.

Manchmal fragt man sich als Züchter, warum man sich das alles antut, die Dauerüberschwemmung der Küche, die Tretminen, die von keiner UN-Menschenrechtskonvention geächtet werden, der Gestank, der durchs Haus wabert, das Schlafdefizit und die Sorgen, ob alles gutgeht und wir das Zauberpack nach acht Wochen auch vollzählig an den Mann und die Frau bringen – und dann kommt so ein kleiner Hugo daher und liefert die Antwort darauf: Es sind die täglichen Perlen, die uns die Hallodris liefern und ihre Vorgänger geliefert haben, es sind die Schmonzetten und die Schlaglichter auf ein stilles Glück, auf einen kleinen Geniestreich und ein unerwartetes Husarenstück. Heute dürfen wir Hugos Morning-Show erleben und davon berichten.

Nach dem Morgenappell im Garten (Spielen, Futtern, Wiegen, Toben) holen wir die Bande wieder ins Haus, weil es unangenehm frisch und windig ist. Nach einigen kleinen Undichtigkeiten, die draußen nicht mehr zu erledigen waren, versinken alle in den zweiten Schlaf. Alle, außer Hugo. Hugo ist munter und tatendrängig und nach Kasernierung steht ihm der Sinn ganz und gar nicht. Deshalb beschließt er, unser Frühstück mit wohlgesetzten Gesangseinlagen zu bereichern. Hugo singt. Hugo jodelt. Hugo durchschreitet alle Belcanti von Caballé bis Gabalier, streut auch mal einen Westernhagen ein und versucht uns am Ende sogar mit der neuen deutschen Weinerlichkeit eines Tim Bentzko zu beeindrucken (Ich bin doch keine Maschine. Heul). Hugo mixt das alles am Sperrgitter zu eine neuartigen Cover-Version des Gefangenenchors aus Nabucco. Wir frühstücken und stellen das Radio lauter. Hugo passt sich der neuen Gefechtslage an und dreht auch auf. Die Geschwister schlafen. Weil wir unter dem akustischen Dauerbeschuss heute besonders emotionslos und zügig unser Frühstück hinter uns gebracht haben, holt sich die Chefin die vierbeinige Klagemauer an den Frühstückstisch, den er nun mit gespannter und stummer Freude abwandert und inspiziert (Hugos Zukünftigen gestehen wir ohne schlechtes Gewissen, dass er ein Stückchen Wurst bekommen hat, weil wir uns momentan selbst die Nächsten sind). Hugo scheint glücklich zu sein, was die Chefin zu der Hoffnung veranlasst, ihn wieder zu seinen Geschwistern entlassen zu können. Doch Hugo ist mit dieser Welt und diesem Morgen noch nicht fertig. Nun stimmt er ein Solo an, dass irgendwo zwischen Schimpanse und Pfau angesiedelt werden muss, ein Glissando aus spitzen Krakeelschreien und einem verzweifelten Keckern. Dazu zerrt er am Sperrgitter wie einst Schröder, der ins Kanzleramt wollte. Das klingt und wirkt nun so endzeitlich bedrohlich, dass die Chefin den Sterbenden dem Vize ans Herz legt, weil der gerade an einem Beuteltee mit der Bezeichnung "Innere Ruhe" nippt, was, wie sie meint, bei günstigen Bedingungen auf den Leidenden überspringen könnte. Der Vize reduziert mit dem pumpenden Hugo an der Brust seinen Herzschlag auf die Frequenz eines Blauwals, damit seine innere Ruhe zur äußersten Ruhe von Hugo werden möge. Der strebt jedoch wieder zum Tisch und weg vom pulsenden Herzen. Hugo ist auch mit dem Frühstückstisch noch nicht fertig, vor allem vom Latte-Schaum hat er noch nicht genascht, was schleunigst nachzuholen ist. Also reißt er sich los und nascht vom Schaum und wieselt wie ein Haustroll über den Tisch. Das ist zu viel für des Vizes innere Ruhe, worauf er den Pumuckl wieder in die Küche setzt. Es scheint die richtige Maßnahme zu sein, denn es tritt eine seltsame und irgendwie gespannte Ruhe ein, die das Blues-Personal mit gedämpftem Plaudern und Zeitungsrascheln füllt. Und dann erhebt sich ein neuerliches Glissando, ein Jubelgeheul, eine Triumphfanfare – allerdings nicht aus der Küche, sondern aus dem Transit. Und dort sitzt er, der kleine gelbe Arsch, und jauchzt und jubelt, weil er es geschafft hat, eine weiche Stelle der Sperre auszubaldowern, das Möbel beiseite und uns ein paar Meter näher auf die Pelle zu rücken. Nun ist er aber irgendwie alleine, keine Geschwister, kein relaxierendes Herz, alleine im unbelebten Niemandsland des Blues und weint gar jämmerlich. Die Einsamkeit des Herzens treibt ihm das Wasser in die Augen. Der Vize kann das Elend nicht mehr mit ansehen und schmeißt den Jammerlappen in den Garten, wo er sich in sein riesiges Bett rollt und Sekunden später tiefenentspannter ist als der Vize mit seinem Beuteltee und dem Wal-Trick jemals sein kann. Dafür züchtet man. Für solche unvergesslichen Moment, die man noch Jahre später erzählt und die den vergreisenden Gesichtern Lachfalten schenken.

Nachmittags setzt Hakuna ein Glanzlicht, weil sie voller Begeisterung mit Mamas viel zu großem Ball am viel zu langen Strick durch den Garten wieselt, mit der kugelrunden Materie kämpft, mehr stolpert als wieselt, aber es immer wieder schafft, ihren missgünstigen Geschwistern ein Schnippchen zu schlagen und ihnen mit ihrer Beute zu entkommen. Sogar Mama ist so berührt von dem Zauberstück ihrer Tochter, dass sie sie mitsamt ihrer Beute stellt, auf den Rücken dreht und ihr das Bäuchlein massiert und ausstreicht. Und Hakuna liegt wie ein Maikäfer auf dem Rücken und zappelt vor Vergnügen. So sehen sie aus, die Bausteine des Züchterglücks.

Und dann geht es an diesem Tag auch noch weiter. Die Kreißsaal-Hospitantin Alexandra spendiert den Hallodris einen Weihnachtselch, so ein Ungetüm, das, wenn man es an der richtigen Stelle zwickt, herumhüpft, ho-ho-ho sagt Hobo mit dem Ho-HoHobo mit dem Ho-Hound dreckig lacht. Der Rotnasenrudi wird sofort umlagert und mit äußerstem Interesse begutachtet, allerdings nicht sehr lange, weil die Aufmerksamkeit von Kindern sehr kurzlebig ist und die Hallodris bayerisches Blut führen und von degeneriertem Weihnachtsviehzeug nur schwer in Wallung gebracht werden. Da geht es ihnen wie ihrem Vize. Ein rechter Krampus – immer herzlich willkommen, aber ein Ho-Ho mit Säufernase? Da braucht er nur zum Wirt gehen, da sieht er die Figuren das ganze Jahr. Hetty allerdings scheint dem Ho-Ho auf die Schliche kommen zu wollen und bearbeitet ihn so lange, bis er auf ihr Kommando ho-ho sagt und lacht. Und dann probiert sie es wieder. und wieder. Nach ein paar Minuten weiß sie, an welcher Stelle, nämlich an der linken Hand, der Cola-Wichtel in Betrieb gesetzt werden kann. Und das begeistert sie so, dass wir ihr zu unseren Seelenrettung den Ho-Ho-Kasper wegnehmen müssen, um nicht reif für die Insel zu werden. Was für eine Leistung von Hetty, die es geschafft hat, das Geheimnis des Ho-Hos zu knacken. Dafür erdulden wir sogar dessen lärmende Fröhlichkeit ohne Widerspruch. Wenigstens für kurze Zeit.

Die Nacht ist kurz, aber das Glück, das unser dieser Tag gespendet hat, wiegt den Schlafmangel locker auf. Wenigstens für kurze Zeit.

 

Freitag, 7. April 2017

Es ist heute Morgen recht kühl, um 7° C, wolkig und windig. Das hält sich so den ganzen Tag, auch mit etwas Sonne, aber alles in allem haben wir heute ein sehr angenehmes Welpenwetter, das die Hallodris aktiv macht und nicht den Schatten aufsuchen lässt.

Hakuna, Hartl und HeddaUnd so kann man morgens schon die ersten quietschfidelen Rufe durch den Garten schallen hören, die sich inzwischen schon wie richtiges Bellen anhören. Es geht voran mit den Hallodris, auch stimmlich, was uns gute Laune macht, aber morgens um sechs unter Berücksichtigung der Nachbarschaft zum Schweigen gebracht werden muss. Dann muss eben alles weg, worum man sich balgen und anmaulen kann, tabula rasa bis auf Weiteres.

Beim Wiegen ist sowieso meist andächtige Stillen, einerseits weil die Chefin ein bisschen "Vogelfutter" verteilt, damit die Bande beschäftigt ist, andererseits, weil alle gespannt sind, was der andere zu bieten hat. Langweilig ist es immer, wenn Hallodri oder Hubsi in den Wiegestand gehoben werden. Wen interessiert es schon, ob Hallodri 100, 200 oder auch 300 g zugenommen hat? Das löst ein müdes Gähnen aus. Ebenso ergeht es Hubsi, der immer einsam seine Wiegeprozedur absolvieren muss, weil selbst seine Geschwister nicht mehr an einen Scoop glauben. Dabei geben die beiden sich heute nicht viel. Hallodri liefert 150 g (3860) und zieht weiter seine Kreise. Hubsi schafft immerhin 140 g und bleibt erwartungsgemäß mit 2850 Gramm das Schlusslicht. Ein Kilogramm liegt zwischen den beiden und es ist zu vermuten, dass sich dieser Abstand noch vergrößern wird. Viel spannender ist die Frage nach den Positionsrangeleien zwischen Hallodri und Hubsi. Und hier ergibt sich, dass Hugo seinen 2. Platz und Hias seinen vorletzten Platz verteidigt hat, beide mit je 120 g plus. Für Hugo errechnen sich somit 3470 Gramm und für Hias 3130. Hartl kann auch keine Begeisterung auslösen, weil er gerade auf seinem 8. Platz hockt wie ein verstockter Altbauer auf seinem Erbhof (3240, +130). Die anderen haben jedoch die Tabelle ein bisschen in Bewegung gebracht. Hakuna beispielsweise Hubsi vom Bairischen BluesHubsimit 220 g. Das lässt sie mit 3410 Gramm von fünf auf drei rücken. Hetty (3380) und Hobo (3350) hat sie damit nach unten, auf den 4. und 5. Platz durchgereicht, die beide gerade mal 150 g zustande brachten. Halina dagegen hat Hedda und Harpo weggevespert. 210 g bringen ihr den 6. Platz, das ist ein Aufstieg um drei Plätze. Hedda rutscht mit 150 g (3270) um einen auf den 7. Platz und Harpo verschlechtert sich gleich um zwei Plätze auf neun (3220, +100). Wir sind richtig gespannt, ob sich eine(r) noch zu einem Solo aufraffen kann, so richtig Schwung in die Bude bringt und den anderen den Schweiß auf die Stirn treibt.

Hobo vom Bairischen BluesHobo bringt den Lavendel in FormWegen des famosen Welpenwetters sind die Hallodris heute vom Frühstück bis gegen zwanzig Uhr durchgängig im Freien. Dabei kennen sie kaum Ruhepausen; einer oder eine hat immer etwas zu schaffen oder zu erledigen, z. B. die Minze kurz halten, den Lavendel in Form bringen oder die Buchshecke untergraben. Komplette Ruhe gibt es heute kaum und wir fragen uns, wann die todmüde umfallen? Wir versuchen diesen Prozess zu Hakuna vom Bairischen BluesHakunaprovozieren, indem wir ihnen den Kettengalgen und das Federbrett in ihr Paradies stellen, aber auch damit werden sie schnell fertig, integrieren sie in ihr Leben und gehen weiterhin ihren Geschäften nach. Der Kettengalgen ist ein einfaches Gestell, von dem Ketten herabhängen, durch die sie laufen sollen, ohne sich zu scheuen. Da scheut aber keiner und keine; sie packen sich die Ketten und versuchen, die Der KettengalgenDer Kettengalgenganze Apparatur durch den Garten zu zerren. Das Federbrett ist eine Sandwichkonstruktion von zwei stabilen Bodenbrettern, die durch Bettfedern verbunden sind. Wer auf das Federbrett tritt, kommt sich augenblicklich schwer betrunken vor, weil das Ding nach allen Seiten nachgibt und schaukelt. Aber auch davon sind die Hallodris nicht sonderlich beeindruckt, sondern probieren es aus und legen es zu den Akten. Dann gehört dieser Taumler eben auch dazu, steht halt ein bisschen im Weg, aber dann rennt man eben drüber; was soll der Das FederbrettDas FederbrettKinderkram? Im Grunde finden sie Alexandras Erlebnistunnel mit den vielen Fäden bedeutend interessanter. In dem geht die Party ab. Auch der Ho-Ho kommt wieder ins Spiel und wird mit Leidenschaft niedergemetzelt. Geschieht ihm recht. Ganz zum Schluss gibt Hedda noch eine Kostprobe von einem professionellen Beutespiel mit einem Ball, den sie sich immer wieder greift, ihn schüttelt, fortschleudert und ihm konsequent wieder nachsetzt, kontert, wenn man mit ihr daran zerrt, nicht nachgibt bis ihr offenbar die Nackenmuskeln schmerzen: Der Zwerg hat eine klare Positionierung zu Mein und Dein und den nötigen Willen, diese Meinung durchzusetzen. Aber nicht nur Hedda überzeugt mit diesem Spiel: Generell wird das Spiel jetzt ausdauernder, intensiver und tiefer und hat die Phase des kurzen Anspielens und wieder Vergessens hinter sich gelassen. Den Besuchern bieten die Hallodris heute eine große Show und schicken sie mit einem glücklichen Gesichtsausdruck wieder nach Hause; sie wissen, was sich gehört und verstehen etwas von Marketing.

Fianna vom Bairischen BluesFiannaUndHedda tankt nachHedda tankt nach Fianna? Macht einfach mit, ist immer zwischendrin und mittenmang dabei, versäumt es aber auch nicht, ihren Mutterpflichten nachzukommen. Immer wieder versammelt sie die Bande unter ihrem Bauch, dreht dann irgendeinen Kandidaten auf den Rücken, pflegt ihn sorgfältig, ohne eine Widerrede zuzulassen und entlässt ihn wieder zu seinen Geschwistern. Was für eine großartige Mutter! Wenn wir sie nicht in ihrer Brutpflege stören müssten, könnten wir sie den ganzen Tag umärmeln. Wir sind mindestens so verzückt und verzaubert wie unsere Gäste, mit einem Unterschied: Wir haben sie alle den ganzen Tag und die ganze Nacht und nicht nur mit ihren Zaubereien, sondern auch mit ihren Schweinereien. Aber das Glück ist doppelwandig.

 

Samstag, 8. April 2017

Der 8. April des Jahres 2017 besticht durch seine Bedeutungslosigkeit, ein Tag ohne Eigenschaften.

Er beginnt draußen vor der Tür mit Temperaturen knapp über 0° C und schwingt sich zu einem wolkenlosen Frühlingstag mit bis zu 15° C auf. Darüber kann man sich freuen, vor allem, wenn für abends die Grillpremiere des Jahres 2017 in kleinem Kreis geplant ist. Wenn man den Lossprüchen des heutigen Tages folgt, könnte die Begeisterung etwas kleinmütiger ausfallen: "Wenn`s viel regnet am Amantiustag, ein dürrer Sommer folgen mag." Gegenprobe: "Ist's um Amandus schön, wird der Sommer keine Dürre seh'n." Das kann nur heißen, dass wir einen feuchtfröhlichen Sommer zu erwarten haben. Trost spendet der Blick auf frühere Lostage, die uns das Gegenteil prophezeien. Der Realitätscheck erfolgt dann etwa Ende Oktober.

Die Gewichte sind ebenso eigenschaftslos wie der ganze Tag, nur Hetty hat das Programm nicht verstanden und 250 g zugelegt, was ihr die anderen Schnarchnasen übelnehmen. Aber so verhalten sich skrupellose Karrieristen, halten sich an keine Abmachung und nutzen die Zurückhaltung der anderen zum eigenen schändlichen Vorteil. Hetty trägt diese Unsolidarität nach vielen Tagen wieder den zweiten Platz ein. Wie sehr sich dagegen die anderen an die geheime Abmachung gehalten haben, kann man an der Fettbilanz ablesen: 1510 g. Völlig ambitions- und lustlos. Geradezu Arbeitsverweigerung.

Halina vom Bairischen BluesHalinaDie Bilanz: 1. Hallodri 4030 (+170). Man kommt nicht umhin zu erwähnen, dass Hallodri damit als erster Achtpfünder geführt werden muss, was auch niemand überrascht. 2. Hetty 3630 (+250), 3. Hugo 3580 (+110), 4. Hakuna 3570 (+160), 5. Hobo 3530 (+180), 6. Hartl 3410 (+170), 7. Halina (+60) und Hedda (+100), beide 3370, 9. Harpo 3300 (+80), 10. Hias 3280 (+150), 11. Hubsi 2930 (+80).

Der Versuch, Hallodris Flucht nach vorne durch eine vegane Ernährung zu stoppen, indem wir ihn wie einen Papagei aus der Hand mit Banane stopfen, schlägt fehl, weil auch Hartl und Hias Gefallen an dieser Leckerei finden, und durch ihre Begeisterung sogar ihre Mutter anlocken, die ihnen den ganzen Bananenrest wegfrisst, obwohl sie sonst nie auf Banane steht. Wir stellen den Versuch ein, um keine unabsehbaren Kolateralschäden zu provozieren.

Und dann, im Laufe des Vormittags, bekommt Hedda Durchfall. An den Bananen kann es nicht liegen, denn sie hatte keine. Sie ist ziemlich schlapp. Wir verabreichen ihr Oral Pädon für den Elektrolyt-Haushalt, vermischt mit aufgelösten Kohlekompretten. Nachmittags macht sie wieder mit und ist wieder wohlauf. Wir sind gespannt, ob sie ein Einzelfall bleiben wird oder andere mit hineinzieht. Wir wetten auf das Zweite.

Der Grill spendet uns abends nicht nur die Energie für den nächsten Tag, sondern auch Wärme, die diesem Tag nun ausgeht wie dem angepieksten Luftballon die Luft.

 

Sonntag, 9. April 2017

Geht doch, möchte man den Hallodris zurufen, wenn man sich die Zahlen der Waage auf der Zunge zergehen lässt wie ein Stückchen Gänseleber: 2830 g. Wir wiederholen in Ziffern: 2-8-3-0, das gab es noch nie bei diesen H-Benichtsen. Nur Heddalein, die Durchgefallene, fällt mit einer glatten Nullnummer aus dem Rahmen und noch einmal durch. Doch das war vorherzusehen. Wenn nichts drin bleibt, kann auch nichts anschlagen. Wenn aber die anderen zehn 2830 g zulegen, also jede(r) im Schnitt 283 g, lässt sich ahnen, wo sich Hedda heute wiederfindet: auf dem Vor-Hubsi-Platz, Rang 10 und weiterhin 3370 Gramm. Aber auch der Zaunkönig Hubsi lässt keine Hoffnung auf einen Wettsieg des Vize keimen, man könnte meinen, er boykottiere diesen geradezu mit seinen untergärigen 70 g. Oder ist er einfach nur ein Zahlenfetischist, der es darauf anlegt, ein Ziel auf den Punkt anzusteuern? Mit seinen 70 g erreicht Hubsi nämlich exakt die 3000 Gramm und darf sich nun Sechspfünder nennen. Wir sind längst davon überzeugt, dass in diesem Perkeo vom Bairischen Blues ein schelmisches Naturtalent schlummert. Die nächste Messgröße darf, an heutigen Maßstäben gemessen, auch noch als bescheiden bewertet werden: 160 g. Doch irgendwie kann man sich manchmal einer kleinkarierten Schadenfreude nicht so recht enthalten, wenn ein solcher Mikrozensus ausgerechnet die gestrige Durchstecherin Hetty trifft. Sie hat wohl in einer gewissen Selbstverliebtheit vor sich hin gemampft und nicht gemerkt, was die Geschwister um sie herum abgesprochen haben: Retourkutsche. Und die ist auf ganzer Linie geglückt. Die 160 g bringen Hetty mit 3790 Gramm vom 2. auf den 5. Platz. Wer Hetty kennt, weiß dass es sie richtig wurmt und nicht ruhen lassen wird. Doch nun geht es ambitioniert weiter. Hobo und Hugo liefern jeweils 270 g. Für Hugo bedeutet das weiterhin den 3. Platz mit 3850 Gramm, Hobo sortiert sich mit 3800 Gramm direkt hinter ihm ein. 300 g meldet Hakuna. Da sie gestern nur 10 g hinter Hugo rangierte und Hetty einen Einbruch hatte, klettert Hakuna mit diesem Ergebnis und 3870 Gramm auf den Reservemeisterplatz zwei. Fußball-Liebhaber wissen, wie schwer es ist ganz unten raus zu kommen, wenn die davor nicht schlafen. So geht es Hias. Mit 320 g hat er sich wahrlich nichts vorzuwerfen, aber die erwirtschafteten 3600 Gramm nageln ihn stabil auf dem 9. Platz fest. Halina geht es wie ihm. 330 g bringen sie auch nicht wirklich voran: 3700 Gramm und 7. Platz, wie gehabt. Über Hallodri müssen wir auch reden, weil es sich verbietet, Himmelsstürmer zu ignorieren, nur weil ihre Flugbahn vorhersehbar und damit in gewisser Weise langweilig ist. Hallodri geht mit 350 g plus aus dem Rennen, was ihn auf 4380 Gramm trägt und den Abstand auf Hakuna, die Zweitplatzierte, auf 550 g anwachsen lässt. Hartl bringt 360 g mehr auf die Waage und bestätigt damit seinen 6. Platz. Der Schlussakkord bleibt heute Harpo vorbehalten: 400 g! Und es ist schon bitter, dass man mit fast einem Pfund mehr nur um einen Platz vorrückt. So teilt er sich jetzt mit Halina den 7. Platz (3700). Unsere Vermutung, dass die Bananenspeise von gestern wegen des Kohlehydratschubs messbare Auswirkungen haben müsste, gibt diese Tabelle nicht her; Hallodri Leistung lassen keine bananische Herkunft erkennen, Hartl und Hias liefern zwar für ihre Verhältnisse starke Ergebnisse, fallen aber nicht komplett aus dem Rahmen. Und der Knapp-Pfünder Harpo wurde an der Banane überhaupt nicht gesichtet. Es lohnt also nicht, der Banane eine Art segensreicher Wirkung unterstellen zu wollen.

GHias vom Bairischen BluesHias macht sich ein Bettanz und gar nicht segensreich ist der Durchfall, der nun Hubsi ereilt hat. Nach einer Hängepartie morgens und am Vormittag kommt er gegen Mittag wieder auf die Beine. Wir hatten schon recht vermutet, dass Hedda nicht die einzige bleiben wird, die uns Sorgen bereitet. Diese sechste Woche ist oft kritisch, weil die Welpen ihren Immunschutz anfänglich fast ausschließlich vom Kolostrum der Mutter in den ersten 24 Lebensstunden erhalten. In der Folge bauen sie nicht allzu viel mehr auf, aber die Wirkung des Kolostrums geht verloren, was um die sechste Woche zum Tragen kommt. Geimpft werden die Welpen aber erst am Ende der achten Woche; es entsteht also eine sogenannte Immunlücke. Wenn die Bedingungen für Keime günstig sind, wie jetzt gerade, wo wir mittags angenehme Frühlingstemperaturen haben, kann das schnell zu einem ernst zu nehmenden Befall der Welpen führen. Zwar sorgen wir mit Spiritus und Sagrotan dafür, dass sich möglichst wenig Keime ausbreiten können, aber Herr wird man ihnen nicht. Jetzt hat es also Hubsi erwischt und wieder freigegeben. Doch nun macht nachmittags Hetty schlapp, was wir schon befürchten mussten, weil sie schon bei der Vormittagsfütterung mit langen Zähnen im Futter herumnagte. Und das bei Hetty, die eigentlich etwas gut zu machen hätte. Und sie erwischt es voll, vor allem, weil sie das Oral Pädon und die Kohle nicht bei sich behält, und wir ihr den Durchfall nicht verkürzen und erleichtern können. Hetty muss sozusagen auf eigene Rechnung gegen den Virus antreten und sich deutlich länger quälen als Hedda und Hubsi. Irgendwann verzieht sie sich hinter den Bälledom in der Küche und leidet still vor sich hin. Und verschont unsere Küche dabei nicht. Irgendwann nachmittags zählt Fianna routinemäßig die Häupter ihrer Lieben und sieht, dass eines auf der Strecke geblieben. Sie geht suchen und findet Hetty hinter dem Bälledom. Nun wird dem Häufchen Elend der Po geputzt und das krampfende Bäuchlein massiert, dass es eine Wonne ist, und Hetty lässt es geschehen, weil es ihr offenbar guttut. Als am späten Nachmittag das Matze-Matze-Matze durch den Garten schallt, ist Hetty wieder bei ihren Geschwistern, bringt aber sehr zu ihrem Leidwesen noch immer keinen Bissen über die Lippen. Aber sie ist wieder auf den Beinen und auf dem Weg der Besserung. Dafür erleidet nun Hubsi einen Rückfall und schießt aus allen Rohren. Noch ist der Rest der Hallodris stabil, aber wie lange wir das halten können, wissen wir nicht. Eines ist schon heute klar: Ein Rekordergebnis wird die morgige Wiegeprozedur nicht liefern.

Hartl vom Bairischen BluesHartl hat Besseres zu tunWir Hedda vom Bairischen BluesHedda hat Spaß am Fot-Shootingnutzen den schönen Tag und machen noch einmal Portraitbilder der Hallodris. Wir erwischen dabei gerade den günstigen Augenblick zwischen Hettys Genesung und Hubsis Rückfall. Aber blass sehen die beiden dennoch aus. Von ganzer Gesundheit zeigen sich dagegen die anderen neun, die ihren bäuchlings im Gras liegenden Lichtbildner fast auffressen vor Begeisterung und Zuneigung: Die Chefin wird bei seinem Anblick fast so bleich wie Hetty und Hubsi zusammen, kann sich aber einer gewissen Varieté-Belustigung nicht enthalten, als sie sieht, wie ihm das Blut aus beiden Ohrläppchen und der Hetty vom Bairischen BluesHetty ist wieder fitUnterlippe tropft. Das sieht gefährlich aus und ist der Preis, den man für die Aufzucht von vor Liebe und Zuneigung überschäumenden Herzgewächsen zu zahlen hat.

Sie sind eben irgendwie richtig gut drauf heute, haben nichts als Schabernack im Sinn und sind auf der Suche Hias vom Bairischen BluesHias, das Schlüsselkindnach der großen Showeinlage. Die gelingt letztlich Hias, der einen kompletten Schlüsselbund klaut und mit ihm unter großem Hallo und Helau durch den Garten peest und sich vor Begeisterung fast selbst überholt. Für Hias ist das nicht nur ein Paradestreich und Husarenstück, sondern gleichsam ein Schlüsselerlebnis, mit dem er sich die Herzen seiner in der Entscheidung wankelmütigen zukünftigen Napfbefüller im Handstreich erobert; jetzt hat er sie zur Entscheidung gezwungen. Strike!

Zur Neige dieses wolkenlosen Traumtags mit bis zu 17° C dürfen die Hallodris noch lange draußen bleiben und den zunehmend kühlen Abend auf der Terrasse genießen. Das ist keine reine Hallodri-Liebe, die uns dazu bewegt, sondern vor allem die Hoffnung, dass sie ihre Abendmahlzeit im Garten entsorgen mögen.

Und wir sitzen bei ihnen und werden immer trauriger, weil wir nichts hören, obwohl wir uns so konzentrieren. Der Kuckuck lebt nicht mehr! Jedenfalls, wenn wir dem heutigen Losspruch folgen: "Hört Waltraud nicht den Kuckuck schrei'n, dann muss er wohl erfroren sein". Waltraud hört ihn nicht, die Chefin hört ihn nicht und der Vize auch nicht. Dass so ein Tag so tragisch enden muss...

 

Montag, 10. April 2017

Um 5:40 Uhr beschließen die Hallodris, dass die Nacht nun vorbei ist. Das verursacht nur bescheidene Freude beim Personal, die sich allerdings rasch zu unverhohlener Freude aufschwingt, als sichtbar wird, dass die Küche nur ein sehr minimalistischer Augiasstall ist und die Maladen von gestern wieder mit der Musik marschieren. So gute Nachrichten kann man gar nicht früh genug bekommen, zumal sie sich im ersten Fall mit jeder verstrichenen Minute verschlechtern würde.

Dieser Morgen strahlt uns mit 3° C aus allen Himmelsrichtungen an. Nachmittags bringt es der Tag auf 22° C, wird dann aber etwas schwül und droht, uns ein Gewitter zu schicken. Windig ist es schon mal, ein wenig Regen wird mitgeliefert, aber dann ist plötzlich wieder alles in trockenen Tüchern, und um 23 Uhr registrieren wir immer noch 13° C.

Wie vermutet kamen Hetty und Hubsi gestern in der Kalorienstatistik mit einem blauen Auge davon, mussten aber keine Federn lassen. Die Null steht bei den beiden. Die anderen haben sich mit 1620 g nicht schlecht geschlagen, denn ein weiteres Kracherergebnis in Folge war auch nicht zu erwarten. Außer dass Hetty vom 5. auf den 8. Platz gerutscht ist, hat sich nicht viel ereignet; hinter Hubsi geht es sowieso nicht mehr weiter.

1. Hallodri (4490, +110), 2. Hugo (4140, +290), 3. Hakuna (4060, +190), 4. Hobo (4010, +210), 5. Hartl (3900, +130), 6. Harpo (3880, +180), 7. Halina (3810, +110), 8. Hetty (3790, 0), 9. Hias (3740, +140), 10. Hedda (3630, +260; die hatte Nachholbedarf), 11. Hubsi (3000, 0).

Hedda und Hetty vom Bairischen BluesHetty und Hedda haben den KnochenMan Fianna vom Bairischen BluesDie Mama hat ein ganzes Schweinweiß ja, dass ein nahrhaftes Fleischsüppchen einen Kranken wieder auf die Beine stellt, und deshalb servieren wir den Hallodris heute einen kräftigen Kalbsknochen, der mindestens genauso gut ist und keine Sauerei verursacht wie ein gemeinsames Süppchen. Der Knochen erregt freudiges Aufsehen und ist sofort heiß begehrt und mindestens so umstritten. Besonders tun sich Hedda und Hetty in der Eroberung und Verteidigung des Knochens hervor, wohl weil sie um dessen segensreiche Wirkung wissen, und ein bisschen schwach sind sie ja schon noch auf den Beinen. Aber auch Hugo steht sein Männchen, baut sich zu voller Stärke auf und geht auch einem Handgemenge mit Hallodri nicht aus dem Weg. Dem, so vermuten wir, ist so ein Knochen seit vorgestern nur noch randständig wichtig, seit er nämlich erfahren hat, dass er in Zukunft stolzer Wächter eines 10-Tonnen-Expeditionstrucks namens Hannibal sein darf und demzufolge noch jede Menge Knochen in der Wüste für ihn reserviert sind. Da steht man über so einem kümmerlichen Kalbsrelikt.

Hallodri vom Bairischen BluesHallodri lässt sich den Pansen schmeckenBeim ungewaschenen Lammpansen allerdings kann Hallodri nicht mehr widerstehen und setzt auf Teilhabe, weil er nicht sicher sein kann, ob die Wüstenbewohner den Pansen ihrer geschlachteten Lämmer für ihn reservieren oder doch lieber selber verschlingen. Also reiht er sich ins Pansenfestival ein, zerrt an dem Lappen herum, klaut sich durch die Reihen, steckt Prügel ein Hakuna vom Bairischen BluesHakuna bringt ihren Pansen in Sicherheitund teilt welche aus, ganz wie seine Geschwister, die alle mehr oder weniger davon überzeugt sind, dass die anderen das bessere Stück abbekommen haben. Doch schließlich hocken und liegen sie im Garten verteilt und sägen und zerren und wirken an dem Gummi herum, bis sie ihm Herr geworden sind oder die Mama es für sich beansprucht.

Die Chefin war von dem nur schwach exkrementierten Hallodrilager heute morgen so angetan, dass sie sich eine Fortsetzung morgen herbeisehnt. Und dafür soll der Vize garantieren, indem ihm aufgetragen wird, eine längere Nachtschicht einzulegen, um das zu beseitigen, was die Chefin morgens nicht mehr sehen will. Dem Häufchenanfall soll also die Spitze genommen werden. Die Hallodris lümmeln quer durch die ganze Küche, grunzen und wimmern im glücklichen Pansen- und Knochenschlaf, und der Vize treibt sein Wesen: Er hantiert herum, er räumt die Spülmaschine aus, er räumt sie Spülmaschine ein, er spült Gläser von Hand, er geht auf die Terrasse und trinkt ein Bier, kommt zurück, räumt um und auf und tut alles, um die Schar aufzutreiben und in Bewegung zu bringen und mit ihnen ihren Darm und ihre Blasen. Das Zeitopfer findet kein Gehör. Sie schlafen wie besoffene Freibeuter und denken nicht daran, ihm oder besser der Chefin einen Gefallen zu tun, nur drei erheben sich kurz, um zu pinkeln. Das ist es. Gegen ein Uhr gibt er auf und trollt sich zu seinen Damen. Er war bereit sich zu opfern. Mehr kann man im Sinne des häuslichen Friedens nicht leisten – und mehr kann er heute auch nicht mehr denken. Ende.

 

Dienstag, 11. April 2017

Grau ist der Morgen im Mangfalltal und verhangen bei 7° C.

Rosig sind die Bäckchen der Chefin, die nur fünf Häufchen in der Küche vorfindet und dies hoffentlich dem unermüdlichen Nachteinsatz des Vizes zuschreibt. Der ist noch immer elend müde von der Hundewache und denkt nicht daran, diesen Irrtum aufzuklären. Aber: Es war wohl der Pansen, der seine segensreiche Wirkung über die Hallodris und ihre Ziehmutter brachte; es gibt ja kaum Zuträglicheres für einen Hundedarm als naturbelassener Pansen.

Hallodri vom Bairischen BluesHallodriUnd auch in der Ranzenbilanz hat der Pansen seine Schuldigkeit getan: 2040 g sprechen eine satte Sprache. Da sich gestern keine(r) den Pansen vom Brot nehmen lassen wollte und richtig zulangte, bringt der Spitzenwert von 270 g die wiedergenesene und wieder kampfbereite Hetty nicht mehr als einen Platz nach oben: 4060, 7. Platz. Sie hat mit Halina den Platz getauscht (3960). Auch Hobo und Hakuna haben den Platz getauscht. Hobo jetzt Dritter (4200), Hakuna Vierte (4160). Sonst ist nichts Erwähnenswertes passiert, außer dass Hubsi mit 230 g die zweitbeste Bilanz vorzuweisen und immer noch den letzten Platz warm hält. Die anderen Platzierungen im Schnelldurchlauf: 1. Hallodri (4700, +210), 2. Hugo (4290, +150), 5. Hartl (4110, +210), 6. Harpo (4070, +190), 9. Hias (3920, +180), 10. Hedda (3790, +160), 11. Hubsi (3230, +230).

Hobo vom Bairischen BluesIst er jetzt platt? Heiß ich jetzt Grobo?Das Hobo und Hakuna vom Bairischen BluesHakuna: "Mach ihn platt, mein großer Hobo!"Wetter entwickelt sich wieder zu einem idealen Welpenwetter, etwas wolkig und windig bei 13° C. Damit halten sich die Hallodris sowie ihre Besucher und Bewunderer den ganzen Tag im Garten auf. Das Leben aller scheint unbeschwerter nicht sein zu können, zumal die meisten derjenigen, die nicht nur als Bewunderer, sondern auch als Kindsentführer zu uns kommen, nun auch wissen, welchen der elf sie am 24. April entführen dürfen und wir einfach wegsehen, aber fürs Schweigen die Hand aufhalten. Ein Tag in unbeschwerter Leichtigkeit, dieser 11. April.

Hugo vom Bairischen BluesHugo bezwingt den RinderpansenNach dem Lammpansen-Festival versuchen wir es heute mit original stinkendem Rinderpansen, der bei den Hallodris die gleiche Begeisterung auslöst wie das Lamm. Es ist beeindruckend, mit welcher Hartnäckigkeit, fast möchte man sagen Verbissenheit, sie an diesem zähen Lappen herumarbeiten, sägen und kauen, um sich Stückchen für Stückchen verschluckfertig zu machen. Wir achten sehr darauf, dass keine(r) ein zu großes Stück verschluckt, an dem er leicht auch ersticken könnte, wenn es nicht mehr vor- und rückwärts geht. Aber die Hallodris erledigen die Zerlegarbeit mit großer Akribie, nur Hubsi nimmt es mit einem Mordsbrocken auf, schluckt ihn runter und sieht hinterher um die Taille herum aus wie ein Sumo-Ringer.

Halina vom Bairischen BluesHalinaAbends bekommt dann Hakuna Durchfall, dabei wirkt sie aber nicht reduziert wie die anderen vor ihr. Vermutlich ist die darmpflegerische Wirkung von zweimal Pansen binnen eines Tages doch ein bisschen mehr als zuträglich. Aber solange nicht mehr passiert als ein dünner Output und der Hund dabei quicklebendig bleibt, können wir damit gut leben.

Abends sitzen wir mit Freunden und Kindsentführern zusammen und schwelgen in einer großen Käseplatte mit dem besten aus Frankreich und der Schweiz. Vielleicht ist die Käseplatte auch ein stilles Symbol für unsere Gefühle zu Beginn der vorletzten Hallodri-Woche: Alles Käse.