3. Woche (06.03.2019 - 12.03.2019)

Aschermittwoch, 06.03.2019

Der Aschermittwoch kommt sehr frisch und wolkenlos in die Gänge: -2 °C. Später legt er seine frostige Attitüde ab und schwingt sich zu sonnigen 15 °C auf. Ob der Hundertjährige nun recht hat oder nicht, lässt sich aus diesen Temperaturen nur schwer vorhersagen: Um den Tag des Fridolin, da zieht der letzte Winter hin. Wir wollen es hoffen, glauben aber noch nicht so recht daran. Ein kleines Säckchen Schnee oder zumindest ein bisschen Frost hat er bestimmt noch für uns übrig.

Am Aschermittwoch ist alles vorbei, singen die ermatteten Pappnasen, und meinen damit das närrische Treiben, dem sie nun entsagen müssen. Am Aschermittwoch geht es los, predigen die Westchristen und meinen damit die 40-tägige Fastenzeit bis zum Karsamstag. Je nach Interessenlage kann man das eine bejubeln und das andere beklagen. Unsere Interessenlage wäre, dass sich Fianna weder an das eine noch das andere hält: Wir halten es mit Kinderfasching bis zum 16. April, wenn wir die Idefixe aus dem Paradies verjagen und bitteschön keine Fastenzeit, sonst müssen wir die Bande nicht verjagen, weil sie uns vorher schon davongeflogen wäre. Dem Augenschein nach denkt Fianna nicht daran, uns und ihren Kindern christlich-karnevalistisches Brauchtum zuzumuten und versieht ihren Dienst wie bisher. Ein Blick auf die kalorische Tagesbilanz des Faschingsdienstag mag dies bestätigen.

Irax legt 60 g zu und beschließt seine Regentschaft als "Seine Tollität Irax I." mit 1350 g. Es ist anzunehmen, dass ihm der Sinn auch weiter nach Führungsanspruch und kaum nach Fastendiät steht. Die tolle Partnerin an seiner Seite, Prinzessin Isi I., folgt ihm getreulich durch Dick, weniger durch Dünn, und gibt das Zepter bei einem Fasnachtsendgewicht von 1220 g (+50) ab. Die närrischen und nun arbeitslosen, aber ehrgeizigen IgnazIgnazHofschranzen und Kratzfüße heißen Ilmo, Inouk und Iltschi, alle mit 1190 g gewogen, aber für den Thron zu leicht befunden, wobei sich Inouk und Iltschi weiterhin Arm in Arm im Narrensprung bewegen (+90), während Ilmo das Bivirat mit +70 g zum Triumvirat aufbläst. Iberl gibt mit 1180 g (+60) den Mundschenk seiner Tollitäten (Graf Schenk Iberl von Drunter und Drüberl). Auf der Mauer, auf der Lauer hockt das Blümchen Indra (1150, +20), allzeit bereit, den Sprung an die Seite des abgedankten Monarchen zu wagen, aber derzeit noch zu schwach um die Brust. Die unverzichtbare Rolle des karnevalistischen Hofnarren ist dem kleinen, aber feinen Ignaz vorbehalten: 1030 (+40) und gerade zum Ende seiner offiziellen Amtszeit mit einem kühnen Narrensprung über das Doppelpfund gehopst.

Was sich heute Morgen andeutet, wird uns vor allem in den nächsten beiden Wochen beschäftigen und faszinieren: Ein nahezu stündlicher Update der aktuellen Fähigkeiten. Heute Morgen liegen alle noch in der Schlummerkiste und ratzen vor sich hin, zufrieden und mit sich im Reinen, als das Telefon rappelt. Und im Nu sind alle wach und schnattern wie ein ganzer Ententeich. Die Idefixe hören jetzt tatsächlich und nehmen den Ton nicht nur als ein belangloses Hintergrundgeräusch wahr, sondern als eine neue und kommentierbare Erfahrung.

Diese rasante Entwicklung nimmt im Laufe des Tages weiter Fahrt auf, indem sie mit einem Mal, wie auf ein heimliches Signal, die nähere Umgebung ihrer Kiste und des Kuddebetts verlassen, sich zur Inspektion der IlmoIlmo, noch unter Mamas Fittichen...Küche Ilmo... und schon unterwegsaufmachen und sich auf die weltabgewandte Seite des mittig gestellten Küchenblocks wagen, außer Sicht von Lager und Mama; kein Sichtkontakt mehr, kein Funkkontakt, nur noch Jammerkontakt, den die Mama aber ignoriert. Fianna greift nur ein, wenn der Klagelaut Gefahr signalisiert; Jammerlappen gibt sie keinen Support. Inouk gehört zu den Ersttätern, auch Ilmo und Indra, obwohl diese Erwähnung schon nach spätestens zwei Stunden nur noch Auf EntdeckungstourAuf Entdeckungstourhistorischen Wert hat, weil dann alle durch die Küche rutschen und lauter bewegliche Hindernisse darstellen werden. Fianna liegt derweil irgendwo, beobachtet ihre Kinder mit Wohlgefallen und bietet ihnen die Bar, wo immer sie sich gerade aufhält und die Zwerge der Appetit überkommt. Von Fastendiät kann also gottlob keine Rede sein.

Seit wir die Türen für Besucher öffneten, drängen diese erwartungsfroh herein, und eine dieser Besucherinnen ist Halina, Heddas Wurfschwester. Jetzt sind wir aber gespannt, wie sie sich den Idefixen gegenüber verhalten wird. Erwartungsgemäß stürmt sie im Überschwang des Glücks und der Wiedersehensfreude mit einer mächtigen Bugwelle in die Küche – bis sie von zehn Zentimeter hohen Aliens zum abrupten Stillstand gebracht wird. Und tschüß... Im Laufe des Tages sucht sie auch keine weitere Begegnung dieser Art mehr, sondern hält sich so abseits wie möglich. Wenn man berücksichtigt, dass Halinas und Heddas Oma Franzi vor der Begegnung mit Welpen mit allen Vieren auf jeden erreichbaren Tisch geflüchtet ist und später dennoch drei Würfe großzog, müssen wir uns vorerst keine Sorgen machen. Alles normal, wie es scheint. Hündinnen dieses Alters könnten zwar schon Mütter sein, aber als Halbschwestern oder Tanten taugen sie noch nichts. Und ob sich ihre Brüder ebenso pieselig anstellen, wollen wir derzeit lieber nicht testen, weil Hedda auf direktem Weg in die Standhitze ist. Ob dann die Welpen der Hitze den Rang ablaufen und den Rüden die Lust abkaufen oder ob sie vor lauter überbordender Hitze unter die Räder kommen würden, wollen wir nicht wissen. Es bleiben ja noch ein paar Wochen, in denen wir das ohne Standhitze erproben können. Unsere letzten Erfahrungen mit jungen Rüden endeten mit Flugfluchten über den Welpenzaun im Garten. Abwarten...

 

Donnerstag, 07.03.2019

Perpetua und Felizitas bringen uns das erste Gras. Ja, vielleicht dort, wo der Hundertjährige aus dem Fenster sprang, aber nicht im Mangfalltal. Hier liegt das erste Gras bereits mit Schnappatmung unter der Gülle. So gesehen ist das wenig freundliche Wetter mit Regen und Wind ein Segen für das erste Gras.

Heute vor 122 Jahren ließ ein Arzt namens John Harvey Kellogg seinen Patienten erstmals Cornflakes auftragen, die er mit seinem Bruder erfunden hatte, und die schon damals neben getrocknetem und breit gewalztem Mais hauptsächlich aus Zucker bestanden. Wie es den Patienten ergangen ist, deren Genesung durch dieses vegetarische Grundnahrungsmittel beschleunigt werden sollte, wissen wir nicht; wie es unseren Idefixen ergehen würde, wenn wir ihnen diese Erfindung aus der neuen Welt vorsetzen würden, können wir ahnen, vor allem wenn wir sie noch mit einer weiteren Erfindung dieses Arztes toppen würden: mit Erdnussbutter. Wir bleiben vorerst noch bei Muttermilch, jedenfalls solange Fiannas Quellen nicht zu spärlich fließen. Vorgestern haben sie für alle zusammen 480 g geliefert und gestern spendierten sie genauso viel. Am trotzigsten verweigert Isi die Fastenanweisung für die nächsten 40 Tage: 110 g können auch kaum noch als Ausrutscher durchgehen, sondern müssen als flagrante Fastenverweigerung bewertet werden (oder sie deuten auf die Einnahme von Cornflakes mit Erdnussbutter hin). Mit den erworbenen 1330 g kann sie sich zwar vom Fußvolk absetzen, aber dem Powerverwerter Irax nicht gefährlich werden: 1440 (+90); er weiß, wann er den Turboknopf drücken muss. Interessant ist das Zerwürfnis des gestern noch schunkelseeligen Triumvirats Ilmo, Inouk und Iltschi, die mit ebenbürtigen 1190 g auf die Reise gegangen waren. Jetzt meldet Iltschi 1250 (+60), Ilmo 1230 (+40) und Inouk 1220 (+30). Verbrüderungen und Verpaarungen in der Narrenzeit sind eben nur selten von gedeihlicher Dauer. 1230 g bringt auch Iberl auf die Waage (+50), und Indra hat die Hoffnung, einst an Irax Seite Isi abzulösen, noch längst nicht aufgegeben: 1210 (+60). Ignatius, der feurig Erleuchtete, vertraut indes auf den Sieg der Beständigkeit und Beharrlichkeit:  1070 (+40).

Irax beim MorgenspaziergangIrax beim MorgenspaziergangSeinen morgendlichen Verdauungsspaziergang absolviert Irax als Rundgang um und durch die gesamte Küche. Wenig später folgt Indra seinem verdauungsfördernden Beispiel – und bleibt genau unter dem Futtergestell und jener Schüssel sitzen, aus der Hedda gerade ihr Frühstück zu sich nimmt. Welches Ende wird dieses Drama wohl nehmen? Ein versöhnliches, wenn auch ungesundes, weil Hedda ihre sowieso schon sehr hohe Schlagzahl beim Futtern noch verdoppelt, was allen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation Hohn spricht, und sich dann fluchtartig entfernt. Aber sie nimmt lieber Schäden am eigenen Leib und Leben in Kauf, als dass sie sich die Göre zur Brust nimmt. Da weiß man ja kaum, was einem lieber sein soll.

IndraIndraHeute beobachten wir auch, dass erstmals ein von Besuchern mitgebrachtes und von Fianna in den Ring geworfenes Spielzeug Interesse findet. Es wird beschnuppert, besetzt, ein wenig hin- und her gezerrt (Ignaz und Indra), und dann ist es wieder uninteressant. Für passionierte Isi und InoukIsi und InoukSpielereien sind sie einfach noch zu jung, aber das Interesse ist geweckt. Allerdings beschäftigen sie sich schon sehr nachdrücklich miteinander: Erste Schnäbeleien, Rangeleien und Kämpfchen werden bereits in Szene gesetzt und ohne Sieger beendet. Lautlos. Auch das wird sich sehr bald ändern. Denn bellen können sie schon, und wenn sie erst gecheckt haben, dass bellen und raufen so erfüllend ist wie Leberkäs mit Weißbier, dann geht es hier tatsächlich zu wie am Stammtisch. Etwas Geduld noch. Nur wenige Tage verbleiben uns noch für den Genuss stiller Körperertüchtigung.

 

Freitag, 08.03.2019

Gestern verbrachte Fianna die ganze Nacht in der Küche bei ihren Welpen, heute hatte sie sich entschlossen, ihre Nacht bei uns im Schlafzimmer zu verbringen. Um kurz nach vier Uhr und gegen sechs signalisieren ihr die fordernden Rufe aus der Küche, dass es angebracht ist, Mutterdienste zu verrichten. Aber jetzt geht das Spektakel dort unten erst recht los; alle buhlen um einen Platz an Mamas Theke, aber im Gegensatz zu den lautlosen Schnäbelspielen verläuft der Kampf um die besten Plätze im gehobenen Dezibelbereich. Als eigentliches Problem stellt sich aber schnell heraus, dass Mama nicht der Meinung ist, liefern zu müssen, sondern nur nach dem Rechten sehen wollte. Da sie keinen Handlungsnotstand entdeckt, trollt sie sich wieder ins Schlafgemach. Der Protest schaukelt sich demgemäß so auf, dass wir überzeugt sind, dort unten acht kleinen Gelbwesten Kost und Logis gewährt zu haben. Jetzt beginnt es also, dass sie Forderungen stellen und lautstark einklagen.

Nach unserem Erscheinen in der Küche, stellen wir beruhigt fest, dass sich unter den verstummten Gelbwesten kein Hungerleider befindet, jedenfalls keiner, dem das anzusehen wäre. Allerdings, und da ist unsere Waage unbestechlich, sind seit gestern geringfügige Einbußen zu verzeichnen. Die sind allerdings nicht Fiannas Unlust an der Verabreichung eines Vorfrühstücks zuzuschreiben, sondern der Vielzahl von Besuchern gestern, weswegen der eine ungewohnt viel in Bewegung war und die andere womöglich mehrere Mahlzeiten auf InoukInouk – In der Ruhe liegt die Kraftwilligen Schößen verträumte. Andere wiederum scheint der Touristenstrom förmlich zu großer Form auflaufen zu lassen. Der größte Schaugewinnler ist, na, wer?, – Ignaz! 120 g an einem Tag, dazu braucht er sonst drei Tage. Jetzt steht er mit 1190 g zu Buche und immer noch am Ende des Geleitzugs. Iberl ist der zweite Profiteur. Er stopft sich mit 80 g auf und erobert mit 1310 g den zweiten Platz. Dieser Vorstoß lässt ahnen, dass Isi, der Kronprinzessin, irgendetwas aus dem Ruder gelaufen sein muss. Was das ist, wissen wir nicht, höchstens, dass sie eine der aktivsten Schoßhopper war, und das kostete ihr vermutlich die verlustigen 30 g. Somit rutscht sie auf 1300 g ab. Ungefährdet an der Spitze, aber nicht ungerupft bleibt Irax, der eine Nullrunde einlegt und sich mit seinen 1440 g immer noch sehen lassen kann. Indra meldet heute 40 g und 1250. Das ehemalige Triumvirat geht weiterhin getrennte Wege: Inouk 1280 (+60), Ilmo 1290 (+60) und Iltschi 1300 (+50).

Wir hatten es ja schon vergangene Woche fest eingeplant und dann doch verplant: Krallen schneiden. Diese kleinen Sicheln sind scharf wie die Hölle und können die Zitzen maximal malträtieren. Fianna sieht schon etwas geschändet aus, ist aber noch kreuzfidel und ohne Anzeichen einer Entzündung. Wir kennen das und wissen, Pediküre bei IltschiPediküre bei Iltschiwas es bedeutet, Eiter aus einer entzündeten Zitze zu streichen und Quarkwickel anzulegen. Es ist also höchste Zeit, die kleinen Sensenmänner und -fräuleins zu entwaffnen. Das ist traditionell der Job des Assi, weil er trotz des fortgeschrittenen Alters noch immer eine ruhige Hand hat und die Chefin zwar fast so viel weiß wie der liebe Gott und wie er alles hört und alles sieht, aber eben auch ein bisschen schielt, was der reinen Erkenntnis keine Hindernisse in den Weg legt, aber im Kleinteiligen zu verheerenden Übergriffen geeignet ist. So bekommen die Idefixe also alle geschnittene Nägelchen, gestutzt vom Assi, der hinterher deutlich erhöhte Temperatur hat, weil sich die sechs Burschen und zwei Dirndl wehren wie ein Mann. Sack und Asche, haben die schon gewalttätige Power in ihren durchschnittlich knapp 1300 g Körpermasse. Die können eigentlich nur aus Muskeln bestehen, abgesehen von Darm und Blase natürlich.

Zur Strafe für ihre wenig kooperative Haltung bekommen sie gleich anschließend den ersten Teil der ersten Entwurmung. Und das ist eine richtige Sauerei! Bislang hatten wir für die Wurmkur immer Flubenol, doch derzeit hat unser Tierarzt nur Panacur verfügbar, weil, wie uns erklärt wurde, Flubenol den meisten Kunden zu teuer IberlIberl – Rosskur wenn es sein muss, Panacur bestimmt nichtsei und wie Blei im Lager gelegen hätte und verdorben sei. Das muss man akzeptieren, allerdings nicht goutieren. Panacur hat gegenüber Flubenol zwei entscheidende Nachteile: Es ist deutlich flüssiger und schmeckt offenbar abscheulich. Die Idefixe schleudern uns die Pampe widerwillig um die Ohren. Im Umkreis von zwei Metern sehen wir aus wie Maler Klecksel am ersten Tag des ersten Lehrjahrs. Boden, Tisch, Hosen und Jacken, alles weiß gesprenkelt und  verkleistert. Wenn das eine Strafaktion für die Idefixe hätte sein sollen, dann war es ein Rohrkrepierer. Und es gibt keine Entwarnung: Die Aktion muss an drei aufeinander folgenden Tagen durchgezogen werden. Im Anschluss ist der ganze Blues erschöpft und ermattet, die Zwerge kauern sich bei Mama zusammen, um ihr das Lied von ihrem Leid zu singen. Die Mama hat gar nicht so viel Zungen, um alle trösten zu können und wir brauchen auch nichts mehr heute. Schicht nach der Schlacht.

 

Samstag, 09.03.2019

Die Welt ist allseits voller Rätsel. Wir denken ernsthaft darüber nach, unsere unschmeichelhaften Einlassungen über das Wurmmittel Panacur zu widerrufen und es stattdessen als universelle Masthilfe für alles Belebte anzupreisen. Zum allgemeinen Verständnis lassen wir ohne weiteren Kommentar die Gewichtstabelle an uns vorüberziehen:

An der Bar wird es langsam engAn der Bar wird es langsam engIrax 1540 (+100), Iltschi 1420 (+120), Ilmo 1400 (+110), Iberl 1400 (+90), Isi 1380 (+80), Inouk 1370 (+90), Indra 1320 (+70) und Ignaz 1250 (+60). Das sind 720 g Gewichtszunahme an einem Tag, und ausschließlich durch Mamas Milchshake – und Panacur, obwohl mindestens die Hälfte der vorgesehenen Gabe am Boden, auf dem Tisch und an uns klebte. Die Probe aufs Exempel und die wissenschaftliche Auswertung von Panacur als Welpenmast erfolgt heute mit der zweiten Portion der ersten Entwurmung und morgen in der Tabelle.

Dreierlei lohnt, dass wir heute darüber berichten, und zwar über die hellhörigen Ohren, die strammen Waden und die erwachenden Zähne. Fangen wir bei den letzteren an, weil dieses Topic am schnellsten abgearbeitet ist: Jetzt spürt man die kleinen Beißer schon, noch sind sie nicht durchgebrochen, aber es kann sich nur noch um wenige Tage handeln. Noch kneifen die Idefixe nur mit ihrer Kauleiste, bald werden sie uns mit ihren Kampf- und Spielzeugen malträtieren und auch noch ordentlich Spaß dabei haben.

Das Gehör der Kleinen ist nun schon beachtlich gut justiert und sie entwickeln damit schon jetzt jene Fähigkeiten, die sie später einmal auszeichnen werden: Sie beginnen schon die Nadel in den Heuhaufen fallen zu hören. Denn selbst im Schlaf arbeitet ihr Gehör jetzt schon, was es uns fast unmöglich macht, mit irgendetwas auch noch so leise zu hantieren: Sie hören es, sie werden wach, sie recken die Köpfe machen sich auf die Suche nach der Quelle. Für uns bedeutet das erhöhte Wachsamkeit bezüglich herumstreifender Welpen.

Und damit wären wir natürlich bei den strammen Waden der Mangfalltaler Nixen und Tunixen. Nicht nur, wenn sie sich auf der Streife nach einer Geräuschquelle befinden, sind sie auf Expedition. Die Küche haben sie Auf dem Weg zu neuen UfernAuf dem Weg zu neuen Uferninzwischen als ihr natürliches Habitat in Besitz genommen (wir sind darin allerdings geduldet), und die ersten machen sich schon auf den Weg, das Wohnzimmer zu erobern. Sehr weit trauen sie sich dort noch nicht hinein, aber wir rechnen bereits für morgen mit dem Schlimmsten. Lange dauert das ja nicht, bis sie sich überall heimisch fühlen. Und mit dem Schlimmsten meinen wir natürlich nicht die Spaziergänge, sondern die Hinterlassenschaften der Wildpinkler und Würstlmeister. Die Küche hat sich schon zu einer Art Abtritt entwickelt, vor allem unter dem Tisch erleichtern sie sich mit Vorliebe, weil sie dort ein Höhlenerlebnis haben und wir uns am schwersten tun, dort unten zu putzen.

Diese Dauerpräsenz der Idefixe ist, wie man ahnt, eine ziemliche Herausforderung für Hedda, wobei sich ihr Verhalten gegenüber der Zwerge in drei Kategorien bewegt. Kategorie 1 ist ein Besucherschoß, auf dem sich ein Idefix räkelt. Dieser Alien ist ein relativ vertrauenswürdiger und ermöglicht einen direkt Kontakt mit der Nasenspitze. Ähnlich verhält es sich mit einem nicht aufgeschoßten Welpen, der sich langsam und behäbig wackelnd vor Hedda her bewegt, also von ihr weg. Auch dann übernimmt die Neugier das Regiment und schafft es, Heddas Nase unter das Stummelschwänzchen zu dirigieren, die sich dort allerdings nur für Sekunden aufhält. Ob es am Geruch liegt oder am unter dem Schwanz schwindenden Mut der Nasenträgerin, entzieht sich unserer Erkenntnis. Kategorie 3 ist der direkt auf Hedda zusteuernde Welpe, frontal, bedrohlich selbst dann, wenn er, Freundschaft signalisierend, quietscht und krächzt und mit der weißen Fahne wedelt. Dann zeigt Hedda ihre Waffen und gibt Fersengeld. Frontale Annäherung und Hund – zwei Welten, die wohl nie so zusammenkommen werden. Das gilt auch, wahrscheinlich sogar besonders für Welpen, deren Bewegungsmuster so bedrohlich wirkt, dass sie gar nicht klein und unbeholfen genug sein können, um nicht den Abwehrreflex auszulösen. Wir sind jetzt schon sehr gespannt, wie sich das entwickelt, wenn die Idefixe unseren Garten in Besitz nehmen und bespielen. Ob Hedda dann mitmacht? Oder wie ihre Oma die Szene vom Tisch aus beobachtet? Vorerst ist der Beitrag eines Besuchers, sie solle sich mal nicht so haben, in spätestens einem Jahr wäre sie vermutlich selbst Mama und würde ihre Kinder genauso großziehen wie Fianna, wie die Androhung des nahen Todes noch vor der Erdbeerzeit. Hedda verschwindet für mindestens eine Stunde in den Kavernen des Blues und rechnet sich vermutlich aus, wie groß ihre Chance, gemessen an ihrer Eitelkeit ist, die bevorstehende Zuchttauglichkeitsprüfung mit großer Geste zu vermasseln, um diesen angedrohten Kelch noch rechtzeitig umkippen zu können. Wir werden sehen. Letztlich bleibt sowieso kaum eine Frage unbeantwortet.

Abends erfolgt dann die erwähnte Zweitration der Entwurmung, deren Gestaltung sich in nichts von der gestrigen unterscheidet: Die Welpen sind ungehalten und kaum zu halten, das Idefix-Habitat ist ein Augiasstall und Herr und Frau Herkules stehen da wie besudelte Pudel. Morgen ist der Tag der Wahrheit über Panacur.

 

Sonntag, 10.03.2019

Die christliche Zahlenmystik liefert Stoff für ganze Bibliotheken und zieht sich unbarmherzig durch unseren Alltag. So bezieht sich die Sieben auf den siebten Tag, an dem die Schöpfung abgeschlossen war und der Herr sich von den Strapazen ausruhte. Es gibt sieben Geister vor dem Thron Gottes, im Herzen des Menschen sind sieben Gräuel, am goldenen Leuchter sieben Lichter und am Passah-Fest isst man sieben Tage gesäuertes Brot. Die Zwölf ist auch so eine ständig wiederkehrende Zahl. So kennen wir die zwölf Patriarchen als die Vorfahren der zwölf Stämme. Das neue Jerusalem soll zwölf Grundlagen für seine Mauer haben mit den Namen der zwölf Apostel. Und natürlich wird die Mauer zwölf Tore haben. Man könnte die Reihe verlängern. Heute haben wir es aber mit einer anderen Zahl zu tun: mit der Vierzig. Mose prüfte sich selbst vierzig Jahre in der Wüste, außerdem war er zweimal für vierzig Tage und vierzig Nächte auf dem Berg beim Herrn und aß kein Brot und HundekuchenStatt 40 Tage Fasten: "Hundekuchen" am Sonntagtrank kein Wasser. Kundschafter erforschten das Land vierzig Tage lang. Die Stämme wurden vierzig Jahre lang in der Wüste erprobt. Saul, David, Salomon und Joas wurden jeweils durch eine Regierungszeit von vierzig Jahren geprüft. Auch Elias Zeit der Versuchung am Berg Horeb war vierzig Tage lang. Dass Jesus sich vierzig Tage lang in der Wüste der Askese verschrieb und von Tod und Teufel versucht wurde, weiß jeder. Heute haben wir es mit den vierzig Märtyrern, bzw. Rittern zu tun. Und da blubbert es aus dem Hundertjährigen, als ob er noch ein Vierziger wäre: 40 Ritter mit Eis und Schnee, tun dem Ofen noch 40 Tage weh. Oder: Regen, den die Vierzig senden, wird erst nach 40 Tagen enden. Ein Tusch auf die Lyrik: Wie es an 40 Ritter wittert, wittert es noch 40 Tage. Und weil die Vierzig sich so allein vorkommt, bekommt sie zur Unterstützung auch noch die Sieben: Wie unser Wetter auf 40 Ritter fällt, es sich noch 7 Wochen hält. Und was bedeutet das nun für uns? Nicht viel Gutes. Mit Frost haben wir es heute nicht zu tun, eher mit mildem Frühling, der allerdings bald mit Regen und Orkan einhergeht. Es ist das Sturmtief Eberhard, das den grimmen Bennet ablöst. Glauben wir also dem Hundertjährigen, müssen wir nicht unbedingt mit vierzig Tagen Orkan rechnen, aber den Regen sollten wir sicherheitshalber schon mal einplanen. Das heißt: Regen bis Ostern. Dann dürfen wir auf Besserung hoffen (wenn der Alte nicht noch was im Köcher hat), aber falls es am 27. Juni – Achtung: Siebenschläfertag! – Mistwetter hat, geht das glatte sieben Wochen so weiter. Und der Sommer ist dahin.

Wir haben es jedoch derzeit mit der Acht zu tun, mit den acht Idefixen, für die die Bibel auch noch einige Stellen bereithält. So war beispielsweise die Beschneidung am achten Tag. Bei uns fand sie trotzig erst am 17. Tag statt. Der Auferstehungstag ist der achte Tag, einen Tag nach dem siebten, dem Sabbath, an dem der Herr ruhte. Und dann eben wieder aufstand. Da hat sich der Herr doch ausgesprochen menschlich verhalten. Ruhen und wieder aufstehen. Das beherrschen sogar die Idefixe ohne Einweisung durch ihre Mama. Und ganz schön langsam entwickelt sich aus dem Aufstehen immer mehr ein kleiner Aufstand. Ganz und gar rührend ist jedoch die Tatsache, dass in der Arche des Noah acht Seelen gerettet wurden, um mit einer neuen Welt anzufangen. Was den Blues angeht, können wir dem zustimmen: Acht Seelchen werden demnächst in die Welt ausschwärmen. Ob sie diese auch gleich retten werden, lassen wir dahingestellt. Falls die acht Seelen der Arche jedoch die Neue Welt aufgebaut haben sollten, darf man gelegentlich bedauern, dass sie gerettet wurden. Es ist eben nobody perfect. Noch nicht einmal der Schöpfer. Vielleicht hatte er die Idee mit den acht zu rettenden Seelen halt gerade im döseligen Erwachen zwischen dem siebten und achten Tag. Da hat man schon mal neben einem schlechten Atem auch ein schlechtes Karma.  

Wenden wir uns den profanen Niederungen der kleinen Blues-Welt zu. Die Chefin ist heute auf der Jahreshauptversammlung des RZV in Himmelkron (irgendwie bekommen wir den Himmel heute nicht aus den Kleidern). Als Vorsitzende der Landesgruppe Süd gilt Kindersegen nicht als hinreichender Grund für Abwesenheit. Also ist der Assi für einen unschönen, sturmgebeutelten Sonntag des Jahres 2019 Chef. Blöd nur, dass sich bei ihm keinerlei Chef-Feeling einstellt, weil sich seine Aufgaben um keinen Deut ändern. Ruhe findet er jedenfalls keine, jene Ruhe, die einen die Welt von einem Chefthron herab betrachten lässt. Die acht sind ziemlich anhaltend unterwegs, einer oder eine jedenfalls immer, kaum dass mal Gruppenruhe angesagt ist. Und wenn immer einer unterwegs ist, lässt er immer irgendwo ein Teichlein liegen. Oder ein Würstchen. Chefsache. Andere finden den Weg zu Mama nicht wieder und krälen nach Erlösung. Chefsache. Acht kleine Stolpersteine im Dauereinsatz in der Bluesküche.

Seine Aufgabe wird aber durch die Entwicklungssprünge der Zwerge erheblich erleichtert, denn die meisten reagieren schon auf Ansprache, folgen Lockversuchen, kommen zögerlich herbei, weil sie auch schon Orientierung in der Küche haben. Wenn sie die Küche in Richtung Flur und Hausflur verlassen, verlässt sie auch die Orientierung schnell, dann hängt schon mal einer mit der Nase im Spalt der Klotür und kommt nicht mehr vor oder zurück. Die schlimmsten akustischen wie psychischen Folgen haben diese Verkeilungen, wenn der siebenfache Jubel der Geschwister die Öffnung der "Bar Mama" verkündet. Und einer sitzt im Rahmen der Klotür fest! In solchen Fällen wird aus dem Teilzeitchef ein Kriseninterventionsteam.  Es wäre ja der Geschichtsschreibung kaum zu vermitteln, dass in der Arche Bairischer Blues nur sieben Seelen gerettet würden.

Eine ganz andere Sache ist es, wenn der Expeditionsdrang der Idefixe nicht vor Heddas Bein halt macht, die gerade bei der Nahrungsaufnahme ist und keine Lust zur Flucht verspürt. Oben mampft Hedda Trockenfutter und unten knibbelt ein fixer Ide an ihrem Bein. Darauf reagiert sie sehr unwirsch, weil die Nahrungsaufnahme Alles verrammeltAlles verrammelteine Flucht geradezu verbietet. Also heißt der Beschluss: Futtergestell ab sofort aus der Küche und ins Wohnzimmer, das gleichzeitig mit den seit Jahren bekannten und bewährten Sperren unzugänglich gemacht wird. Das gibt Fianna und Hedda die verdiente Ruhe bei den Mahlzeiten und garantiert ganz nebenbei, dass die Wasserschüssel nicht in naher Zukunft ebenso einer Inspektion unterzogen wird wie alles andere. Es wäre nicht das erste Mal, dass wir die Küche trocken legen müssten, weil sich so ein Naseweis an der Schüssel hochzieht, um mal zu sehen, welche besonderen Leckereien sich darin befinden, wenn Hedda so zickig reagiert. Nun haben also die Damen Ruhe beim Futtern und die Zwerge können nicht mehr ins Wohnzimmer oder den Eingangsbereich, wo als erstes die Kellertreppe lockt. Alles verrammelt.

Nun kann sich Hedda also ungestört im Wohnzimmer aufhalten und die Zwerge beobachten. Auch im Eingangsbereich ist sie vor ihnen sicher. Nur: Zwischen all diesen Zufluchtsorten stehen Sperren, zwischen dem Welpenhabitat Küche und dem Wohnzimmer ein mächtiger Oxer von 52 Zentimetern Höhe. Zwischen den Welpen und dem Eingangsbereich drohen sogar 60 unüberwindbare Zentimeter. Machen wir es kurz: Bei ihrem ersten Versuch, das Wohnzimmer zu verlassen, zerlegt die federleichte Hedda die Kontinentalsperre. Und so wird aus dem Chef schon wieder ein kleiner Assi, der im Keller mit Werkzeug hantieren muss. Auf dem Hundeplatz federt sie über die Meterhürde wie ein Grashüpfer und springt in ihrem Garten aus dem Stand aufs Hochbeet, um Freunde zu begrüßen und vermeintliche Feinde auf Distanz zu halten, aber 52 Zentimeter im Reich der Aliens bringt sie an die Grenzen. Aber eben nicht drüber. Seither baut sie sich vor den Sperren auf und begehrt um Durchlass. Die Rollen der Chefs sind eben andere als früher. Heute schreibt auch keine Sekretärin mehr einen Brief. Selbst ist der Chef heute. Jawoll. Und beim Blues verrückt er, der Sprunghaftigkeit seiner Nachwuchshoffnung folgend, unentwegt Habitatsperren. Da ist es doch völlig wurscht, wenn er morgen wieder ein Assi ist.

Ignaz' Pana-KurIgnaz' Pana-KurUnd Isis Pana-KurIsis Pana-Kurweil der Assi eben im Hauptberuf Assi ist und kein Chef, hätte er beinahe vergessen, die Gewichte zu liefern. Machen wir es kurz, sozusagen von links nach rechts: Ignaz 1250 (0), Irax 1640 (+100), Iberl 1450 (+50), Isi 1460 (+80), Indra 1390 (+70), Ilmo 1450 (+50), Inouk 1390 (+20) und Iltschi 1480 (+60). Damit ergibt sich eine Gesamtbilanz von 430 g, was eine Beteiligung von Panacur am Zugewinn praktisch ausschließt. Das Rätsel wird rätselhafter. Doch die dritte Charge der Panacur-Kur wird dennoch fällig. Und die Idefixe zeigen weiterhin kein Einsehen mit den Kur-Fürsten...

 

Montag, 11.03.2019

Schnee, Graupel und SturmSchnee, Graupel und SturmEin strammer Wind treibt Schnee- und Graupelschauer durchs Mangfalltal und bereitet damit den Boden für die gute Kunde der Rosamunde: Sturm und Wind an Rosamunde bringen eine gute Kunde. Oder: Bringt Rosamunde Sturm und Wind, so ist Sybilla (19. März) uns gelind. Der Hundertjährige hält sich weiterhin konsequent an das berüchtigte Motto von Konrad Adenauer: Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern? Gestern sieben Wochen andauernde Kassandrarufe, heute schon wieder Schnee und Wind von vorgestern. Wir sollten uns an die harten Fakten halten und nicht an ein hirnweiches Faktotum, also an die Gewichte.

Beginnen wir doch gleich mit Ignaz, dem kleinen Herzensbrecher, der sich gestern eine Nulldiät verordnet hatte und dafür heute 120 g draufsattelt (1370). Heutzutage spricht man in einem solchen Fall wohl von Intervallfasten, was allgemein als höchst gesundheitsfördernd eingestuft wird. Wir dürfen uns also auf einen kernigen, knuffigen und kerngesunden Ignaz freuen. Dafür nullerte gestern der mächtige Irax, der ebenfalls zum Intervallfasten neigt, sich dafür aber an den fastenfreien Tagen vollschlägt wie früher das arme Volk bei Hochzeiten, Taufen und Totenfeiern. Irax verharrt heute auf seinen 1640 g von gestern. 90 g gönnt sich Iberl (1540) und Isi holt sich mit +130 g (1590) den Platz der Kronprinzessin zurück. Indra bewegt sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten voran (1440, +50), ebenso Ilmo (1510, +60). Mit +20 stand bei Inouk eher Schmalkost auf dem Plan (1410). Und Iltschi zieht seines Weges mit mal weniger und mal etwas mehr; heute sind es +60 g und 1540. Das sind in der Endabrechnung stattlich 530 g, Fiannas zweitbeste Leistung. Und noch immer leistet sie das aus Bordmitteln, ohne Hilfe von außen. Chapeau.

Inouk ist bei der morgendlichen Erstbegehung des Idefix-Habitats nicht in der Schnullerbox anzutreffen, in die wir die Zwerge noch immer, ohne größeren Widerstand, nachts sperren. Inouk watschelt still vergnügt und mutterseelenallein durch die Küche, meckert ein bisschen und scheint seinen Morgenspaziergang zu genießen. Wegen der Gleichbehandlung aller Idefixe, wird er wieder in die Box gepackt – aus der er schnurstracks wieder ausbüxt. Einmal Oberkannte Latte anpeilen, ein bisschen Irxenschmalz einsetzen und, schwupps, ist er drüber. Das überzeugt uns in dreierlei Hinsicht: Erstens, es war kein Zufall, sondern Absicht. Zweitens, bevor wir ihm noch weitere Trainingseinheiten gönnen, öffnen wir die Box und lassen auch den Rest der Bande in die Freiheit. Und drittens: Ab sofort reich die 30-Zentimeter-Sperre nicht mehr aus, wir müssen auch den 10-Zentimeter-Aufbau einlegen. Das reicht in der Regel so lange, bis sie die Kiste sowieso ablehnen und wir sie abbauen. Dieser Bewegungsdrang ist wahrscheinlich mit ein Grund, warum dieser Kerl niemals ein Irax werden wird; der ist wirklich dauernd unterwegs. Obwohl: Irax ist auch ein Ewigpräsenter, aber entweder verschafft er sich mehr und besseren Zugang zu den Quellen oder er ist ein besserer Futterverwerter. Das wird man in ein oder zwei Jahren beurteilen können, wenn aus den Knirpsen Hovawarte geworden sind und die Grundkonzepte jedes einzelnen wirklich erkennbar werden.

Für uns stellt sich allmählich das bekannte Welpenfeeling ein, das uns gelegentlich aus dem seelischen Gleichgewicht bringt. Vor allem ist es die liebenswerte Penetranz ihrer Präsenz: Wo wir sind, sind uns die Knirpse auf den Fersen. Wenn es allerdings nur die Fersen wären, könnte man damit geschmeidig umgehen, nein, es sind unsere Füße und unsere Schuhe, die sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit besetzen, vor allem aber die Putzlappen, mit denen wir ihre flüssigen Hinterlassenschaften beseitigen wollen. Kaum flutscht so ein Lappen über den Boden, hockt schon mindestens einer oder eine darauf und lässt sich herumkutschieren, derweil drei andere in einer fernen Ecke ebenfalls ihre Blasen entleeren, mit Hurra durchlatschen und flächig in der Küche verteilen. Dahinter scheint ein Plan zu wirken, der maximalen Spaß für die Zwerge verspricht. Uns verspricht es mindestens einen zusätzlichen, eigentlich völlig überflüssigen, Putzgang pro Tag, weil die weitläufig verteilten Überflüsse nicht mehr ordnungsgemäß entsorgt werden können. Wir geben zu: Das ist Jammern auf sehr hohem Niveau, denn wir dürfen uns glücklich schätzen, dass Fianna noch immer alle Teiche ihrer Kinder plichtschuldigst beseitigt, wenn sie es mitbekommt. Wenn die Zwerge aber erst einmal ihre Därmchen konsequent hier entleeren, meist alle acht in kurzer Folge, und Fianna ihren Dienst verweigert, dann geht es erst richtig los. Dann tun wir gut daran, die Moränen in Echtzeit zu entsorgen... Das heißt Dauerpräsenz unsererseits.

Irax und IndraIrax und IndraAn Tagen Fianna schaut sich das Treiben in Ruhe anFianna schaut sich das Treiben in Ruhe anwie diesem, wo sich keine Besucher und keine Schöße zum Besetzen finden, beschäftigen sich die Idefixe neben den Grundtugenden schlafen, trinken und verdauen vor allem untereinander. Die ersten kleinen Kämpfe und Rangeleien werden ausgefochten, man verkeilt sich mit den Kiefern, besteigt sich gegenseitig von hinten, legt eine Pfote in den Nacken des anderen – alles Übungen für die Gesellschaftsfähigkeit des erwachsenen Idefix. Noch läuft das alles meist im Stillen ab, aber bald schon werden sie das dazugehörigen Schlachtengebrüll mitliefern. Niedlich. Noch.

Gar nicht niedlich ist, was wir gegen Mitternacht, als die Chefin nach Hause kommt, feststellen: Fianna hat eine harte und dicke Zitze. Das Fieberthermometer liefert, 39,1 °C. Und der Assi hat nichts bemerkt, weil er nicht andauernd an seiner Hündin herumfmmelt und diese in ihrem Verhalten auch völlig unauffällig war; Spaziergang nachmittags fröhlich und lebhaft, Abendmahlzeit mit großem Appetit und der Pinkelgang um 23 Uhr ebenfalls komplett unauffällig. Von der Chefin bekommt er dennoch eine Rüge wegen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht. Ihre erste Handlung jedenfalls ist die Kontrolle des Gesäuges, und da kommt das Malheur an den Tag. Wir versuchen erst einmal die Zitze zur Abgabe zu bewegen, was ein bisschen gelingt, dann legen wir einen saugstarken Idefix an, um den Milchfluss in Bewegung zu bringen. Der zieht an, sagt bäh und wendet sich ab. Also heißt es, die Verhärtung auszustreichen. Offenbar ist die Zitze noch nicht entzündet, denn Eiter finden wir noch keinen, aber die Aktion ist zeitaufwändig und eine Tortur für Fianna, die sie allerdings stoisch und geduldig über sich ergehen lässt. Dieses Problem hatte sie beim letzten Wurf auch schon, allerdings bereits mit Eiter. Möglicherweise rührt das daher, dass diese vorderste linke Zitze etwas mickrig ist und vermutlich auch nur spärlich liefert. Somit wurde sie nicht richtig entleert, und was da zurückblieb, verdickte sich und machte sich auf den Weg zur Entzündung. Über eine Stunde arbeitet sich die Chefin an der Zitze ab, bis das Gröbste geschafft ist. Nun bekommt die Dame einen Quarkwickel und darüber Heddas schicken Jane-Fonda-Body. Gegen ein Uhr verschwindet die Chefin im Bett. Der sorglose Assi muss zur Strafe noch den Wickeldienst übernehmen (abwarten, Wickel abnehmen und Quarkbatz aus dem Haarkleid waschen). Für ihn endet der 11. März um 2 Uhr des 12. März.

 

 Dienstag, 12.03.2019

Um halb fünf Uhr ist die Nacht schon wieder vorüber und die Spannung zum Greifen. Fiannas Temperatur ist auf 37,6 °C unten, sie macht einen fitten Eindruck und die Zitze ist zwar noch nicht im gewünschten Zustand, aber die harte Schwellung stark zurückgegangen. Also wird wieder gedrückt und ausgestrichen, einmal und zweimal. Dann kommt ein weiterer Quarkwickel zum Einsatz und nachmittags noch einer. Fianna schätzt diese Wickelei, weil sie erstens einem kleinen Duschgang nie abgeneigt ist, mit dem wir ihr den Quark aus dem Fell waschen, und außerdem ist der entwickelte und ziemlich trockene Quark eine gern genommene Zwischenmahlzeit. Soll sie haben, ist ja nichts als Protein, und davon kann sie jede Menge vertragen. Es sieht gut aus. Die Alarmglocken werden wieder eingepackt und das ganz ohne Medikamente.

Die Versorgung der Idefixe hat unter dem Malheur allerdings ein wenig gelitten, und zwar ganz unterschiedlich. Ignaz hat 50 g abgenommen (1320), Isi (1590) und Ilmo (1510) haben ihr Gewicht gehalten, die anderen ließen sich durch die zitzelige Unpässlichkeit ihrer Mutter nicht von ihrem Gedeih in Richtung Vererb stürzen: Irax +120 (1760), Iberl +100 (1640), Inouk +60 (1470), Indra +50 (1490), und Iltschi +30 (1570).

Iltschi und der ElchIltschi und der ElchHeute Isi und der FuchswurmIsi und der Fuchswurmbekommen die Idefixe Gesellschaft in ihrer Küchenöde, und zwar ziehen die unverzichtbaren Welpengesellschafter ein, die in keinem Wurf fehlen dürfen und sich bei allen Kindern besonderer Beliebtheit erfreuten: die schwarze Ratte, der braune Elch und der rostige Fuchswurm. Für uns ist es jedenfalls keine Überraschung, dass sich auch die Idefixe umgehend auf diese neuen Hausgenossen stürzen, möglicherweise auch deshalb, weil die sich absolut unempfindlich gegenüber den kleinen Zähnchen der Zwerge verhalten, die nun tatsächlich durchgebrochen sind und die sie bereits tapfer testen.

Ilmos erste FleischmahlzeitIlmos erste FleischmahlzeitUm Inouks erste FleischmahlzeitInouks erste Fleischmahlzeit14:38 Uhr ist es dann soweit: Trotz 40-tägiger Fastenzeit bricht für die Idefixe die Zeit der unbegrenzten Fleischeslust an. Feinstes Tatar haben wir bei unserem Metzger besorgt und zu acht kleinen Bällchen geformt. Und dann wird Milchbubi für Milchmädchen, einer nach der anderen, auf bayerische Grundversorgung umgestellt. Auf dem Schoß der Chefin werden sie initialisiert, und es scheint ihnen sehr zu munden, jedenfalls stellen sie sich sehr geschickt an, was auch daran liegt, dass wir diese Umstellung diesmal ein paar Tage sIgnazIgnaz könnte einen Nachschlag vertragenpäter vornehmen, wodurch die Zwerge schon deutlich geschickter sind als ihre Vorgänger. Jeder Tag ist wie ein Quantensprung in der Entwicklung. Was sie mit ihren Vorgängern verbindet, ist die äußerst sorgfältige Fellpflege in der Geschwisterrunde nach der Speisung, weil sie zwar geschickt sind, aber nicht so, dass sie nicht trotzdem noch über und über mit Fleischresten bestückt sind. An dieser Bereinigung beteiligt sich auch Mama Fianna,  der keine ihrer Sprösslinge durch die Lappen geht, das heißt, dass ihr alle unter den Zungenlappen geraten.

Das komische Dessert zum Fleischgericht ist Inouk vorbehalten, der Mamas achtlos auf dem Boden zurückgelassenen Quarkbecher entdeckt und sich darüber und hinein stürzt. So weit, so normal. Dass ihn aber noch nicht einmal Unruhe überkommt, als er das Ding nicht mehr loswird, weil sich sein Bollerkopf darin verspreizt, lässt Rückschlüsse auf das momentane Nervenkostüm des Komikers Inouk im QuarkbecherInouk hängt im Quarkbecher festzu. Er räkelt sich ein wenig, windet sich wie ein Wurm und dann ist er das Ding wieder los und zieht unbeeindruckt davon. Störend sind nur die Geschwister, die sich lästig an seiner Quarknase verlustieren.

Diese Woche hat viel Neues für die Idefixe gebracht: eine Entwurmung, eine lästige Pediküre, neue Spielgenossen und Fleisch vom bayerischen Weiderind. So oder so ähnlich wird es weitergehen; nahezu jeder Tag eine Wundertüte für die Idefixe und noch mehr Besucher. Fünf ereignisreiche Wochen liegen noch vor uns allen. Packen wir sie an. Und stehen wir sie durch!