Dienstag, 15. Juni 2021

Bevor wir uns in die Niederungen der Kinderversorgung begeben, die sich durch viel Pepitakariertes, Kleinteiliges und Mikrokosmisches auszeichnet, empfiehlt es sich, einen bewundernden Blick auf das Makrokosmische und die Metaebene allen Existierenden zu werfen. Heute hat der Heilige Veit (auch: Vitus) Geburtstag, den er mit Edvard Grieg, Ingrid van Bergen, Herbert Feuerstein, Johnny Hallyday, Demis Roussos, Xi Jinping, Oliver Kahn und Ice Cube gemeinsam feiern darf. Doch anders als diese kleinkarierten Spezialbegabungen hat der Heilige Vitus das Große und Ganze im Griff, z. B., weil er für nicht weniger als den Lauf des Jahre zuständig ist: Nach St. Veit ändert sich bald die Jahreszeit. Donnerwetter, so ein Tausendsassa, dieser Vitus, legt einfach den Schalter für die nächste Jahreszeit um. Nicht genug damit: Der Wind dreht sich um St. Veit, da legt sich’s Laub auf die andere Seit‘. Was es sich, das Laub, bei allen anderen Heiligen nicht traut (schon wieder dieser unkontrollierte Lyrikschub!). Aber angesichts des heute zu erwartenden Wetters wollen wir den Veit doch gerne ein wenig beim Wort und ernst nehmen: Ist zu Sankt Veit der Himmel klar, dann gibt’s gewiss ein gutes Jahr. Klar doch, klar wie der heutige Himmel überm Mangfalltal.

Dennoch sind wir gut beraten, uns auf das augenblicklich Wesentlich zu konzentrieren: das Wohl und Wehe unserer Schutzbefohlenen. Soll sich der Vitusveit um den Wechsel der Jahreszeit kümmern, wir haben es überwiegend mit Trivialitäten wie Windelwechsel zu tun. Denn mit der nun beginnenden vierten Lebenswoche des Mangfall-Achters (was hätten wir nur gemacht, wenn Jodel nicht über Bord gegangen wäre? Einen Neuner gibt es bekanntlich nicht…), werden die Wege länger, die Tage noch kürzer, die Gefahren gefährlicher, die Unsitten unsittlicher und die Überraschungen zum Tagesgeschäft.

Gestern haben wir über unser Zeitmanagement philosophiert, und heute stecken wir tatsächlich schon mitten in dieser Zeitdisruption. Klar, wir wissen, wovon wir reden, erleben das Spektakel ja nicht zum ersten Mal, aber dass die Ankündigungen von den Gemeinten so schnell umgesetzt werden, haben noch nicht einmal wir uns ausmalen können. Tatsächlich lassen sie uns jetzt schon nicht mehr aus den Augen, wenn wir irgendwo auftauchen; wir werden verfolgt und, sofern möglich, besetzt. Das Pipiwischtuch wird schon mal festgehalten und am Wischen gehindert, was den Schutzdienstsportler freut, weil er sich immer freut, wenn der Hund auf Zug kontert. Das nötige Potential ist also schon erkennbar und müsste nur gehoben werden. Augenblicklich sind wir es, die es – unfreiwillig – heben, weil wir sonst unser Wischiwaschi nicht geregelt kriegen. Aber es gibt sogar Jabberwockys, die sich solche Situationen zunutze machen! Jasna nutzt beispielsweise die Gelegenheit, wenn der Assi einen Teich aufsammelt und pinkelt ihm gleich aufs Handtuch, das spart Zeit und Arbeit. Wie man sieht, gibt es viele und sehr unterschiedliche Möglichkeiten, sich der Freundschaft seiner Mitmenschen zu versichern.

Des weiteren werden die Zwerge immer sicherer und schneller auf den Beinen, was sie maximal unkalkulierbar macht; schnelle Entschlüsse, klitzekleine Radien, und schon fliegt ein Gulliver quer durch die Küche. Idealerweise mit zwei Händen voll Geschirr. Um solche Szenen zu verhindern, hat es sich bewährt, nicht vorher in der Küche vorbeizuschauen, wenn man etwas Dringendes zu erledigen hat, sonst wird das Dringende zum Aufgeschobenen. Ansonsten gilt, was schon länger gilt und von uns schon angesprochen wurde: Immer mindestens ein Auge auf dem Boden und den Sturzraum im Blick.

Die Der Welpengarten ist aufgebautDer Welpengarten ist aufgebautAlternative für die immer bedrohlicher werdende Enge in der Küche ist der Garten. Deswegen beschließen wir heute, das Welpenparadies einzurichten. Das ist zwar noch etwas früh, denn eigentlich wäre das Ende der vierten Woche der geeignete Zeitpunkt dafür, aber das Wetter ist überwältigend schön, und selbst wenn die Knirpse noch nicht in der Lage sind, das ganze Angebot zu nutzen, so können sie sich eben auf kleinerem Raum daran gewöhnen und wir uns im Haus besser bewegen. Mittags schleppen wir also die Gitter heran, stecken sie zusammen und machen aus unserem Garten eine Raubtiermanege. Der größte und einzige Verlierer dieser Installation ist der Igel, der nun nicht mehr aus Nachbarsgarten quer über unseren trippeln kann, sondern, immer den Zaun entlang, große Umwege in Kauf nehmen muss. So etwas hält geistig frisch.

Dann werden Milchspeisung im Gartendie kleinen Raubtiere von uns in den Garten Eden gebracht, der nicht zwischen Euphrat und Tigris liegt, sondern irgendwo zwischen Mangfall und Leitzach. Das Gras, die ganze Umgebung ist ihnen ja nicht mehr neu, aber ab jetzt werden sie viel Zeit dort verbringen und ihre Fertigkeiten trainieren können. Damit die nötige positive VerknüpfungJasna und Jule im Cafe Puppy ParadiseJasna und Jule im Cafe Puppy Paradise hergestellt wird, stellen wir ihnen eine Milchmahlzeit hin, uns legen wir ein paar Kissen und Decken aus, und der Serail ist fertig. Den Nachmittag verbringen wir im Schatten des Apfelbaums, die Zwerge schlafen unbeeindruckt, werden gelegentlich von einer halben Handvoll Besuchern gestört, weil geknuddelt. Zum Wohle des Personals wird Kaffee und Kuchen serviert; irgendwie ist es tatsächlich wie im Schani-Garten, in dem sich der Jani-Schani besonders wohlfühlen müsste. Wir tun das jedenfalls und finden, dass wir mit der Eröffnung unseres „Café Puppy Paradise“ einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Wiederbelebung der nach-coronaren Außengastronomie leisten.

TatsäGartenfestchlich ist dieser 15. Juni ein ausnehmend schöner Tag für uns und die Jays. Damit er auch der Anfang einer schöneren Zeit für Hedda und ihr Gesäuge wird, beginnen wir ab sofort mit der Entwöhnung der kleinen Kannibalen. Die positive Gewichtsresonanz der gestrigen Fütterung mit den Fleischbällchen bestärkt uns in dieser Maßnahme. Das bietet uns die Gelegenheit, einen Blick auf die Stoffwechselstatistik zu werfen.

Jazz 1880 (+150), Joschi 1710 (+100), Jackl 1660 (+90), Janitschek 1650 (+90), Judica 1600 (+150), Jasna 1500 (+120), Jule 1300 (+40) und Jeannie 1300 (0, das muss man erst mal schaffen!). Das ergibt eine Zunahme von 740 g und ein Durchschnittsgewicht von 1575 g.

Da nicht nur die körperliche Entwicklung JacklJacklsehr erfreulich ist, sondern auch die Milchmahlzeit zusammen mit dem Fleisch am Abend, keinerlei negativen Folgen für den Kotabsatz hatten – alles stabil und erfreulich –, können wir tatsächlich Hedda entlasten und nun vermehrt auf die Außengastronomie setzen.        

Auch für uns ist an solchen Tagen natürlich das Gartenrestaurant geöffnet, was nicht nur zur Entspannung beiträgt, sondern uns die problemlose Überwachung und Beobachtung unserer Schutzbefohlenen ermöglicht; so kann man gelassen bei einem gelungenen Spargelgericht sitzen, hat alles im Blick und im Griff und darf Zeuge sein, wie sich Joschi aus dem schlafenden Rudel unterm Apfelbaum löst, zu uns auf die Terrasse wackelt (den Weg hat er noch nie gemacht, das sind rund zehn Meter), zu unseren Füßen ein paar JoschiJoschiKringel mit eindeutiger Absicht dreht, mit dem Abtritt nicht zufrieden zu sein scheint, sich nach Südwesten in Richtung Hochbeet wendet (nochmal rund acht Meter), dort eine kleine Wurst gebiert und sich wieder zu seinen Geschwistern unterm Baum gesellt (sechs Meter). Welch eine epochale Leistung! Der kleine Kerl kann eventuell den Weg vom Apfelbaum zur Terrasse einplanen, weil er auf dieser Strecke schon mal hin- und hergetragen wurde und auch auf dieser Wegstrecke schon gefüttert wurde, das lässt sich also zusammenkalibrieren (wenn man genug Grips hat!). Aber die Strecke von der Terrasse zum Hochbeet und von dort wieder zurück zum Baum ist absolutes Neuland, zumal der Pimpf noch gar nicht in der Lage ist, die Distanz zu überblicken, also zu sehen, woher er gekommen ist und wohin er wieder will, dafür hat er noch viel zu viel Kartoffeln auf den Augen. Wir verneigen ins in größter Ehrfurcht vor Joschis Expedition (alles nur, weil er einen unbeobachteten Kackplatz brauchte!) und stellen dabei staunend fest, dass er auf dem gesamten Weg kein Wort gesprochen hat.

Das Welpenbrei im Gartenist schon Futterbreieine Sonderleistung von Joschi, obwohl natürlich auch die anderen gelegentlich ihr Lager für ihre Notdurft verlassen, aber eben nur die unbedingt nötige Distanz, weit genug weg vom Schlafplatz und nah genug, um ihn wieder zu finden. 

Bis 20:30 Uhr sind sie heute draußen Janitschek und JudicaJanitschek und Judicaund bekommen dort auch ihre erste Mahlzeit aus eingeweichtem und püriertem Welpen-Trockenfutter. Das putzen sie weg wie nichts, man könne auch sagen, sie inhalieren es, und lassen nichts über. Anschließend helfen sie sich gegenseitig bei der Fußwaschung der verkleisterten Beine, und Oma hilft, nicht ganz uneigennützig, mit. Mama bekommt den Rest in der Schüssel. Ein schönes und friedvolles, sattes und zufriedenes Familienidyll

Als wir sie wieder in ihre Küche zurückbringen, haben sie nicht mehr viel zu sagen, sondern sacken fast augenblicklich weg. Dream, ye terriers, dream…

 

Mittwoch, 16. Juni 2021

Der Tag ist jung und die Nacht noch nicht gestorben, da erlebt die Chefin den ersten Schock des Tages: Die Schlummerkiste ist total messy. Wer lesen und denken kann, ahnt, dass dieser Begriff eine sehr liebevolle Umschreibung dessen ist, was sie dort vorfindet. Heiliger Strohsack! Keine Frage: Die spätabendliche Gabe Trockenfutterbrei stellte die acht kleinen Därmchen vor eine noch nicht dagewesene Aufgabe. Bei Jazz haben wir den Eindruck, sie hat keine Zeit zum Wiegen, denn kaum haben wir ihr Ergebnis registriert und sie auf den Boden gesetzt, drückt sie sich einen Wunderwurm aus der Rückseite, den man diesem Persönchen nicht zutrauen würde. Und kaum tänzelt sie einigermaßen erleichterten Schrittes davon, liefert sie noch einen Nachschlag. Jetzt wundert uns nichts mehr. Aber alles, was wir vorfinden und beseitigen, ist in einem Top-Zustand, nix zu mäkeln, grad wie aus dem Lehrbuch. Nun sind wir natürlich gespannt, was die Waage dazu sagt.

Jazz Jazz nimmt alles, was ihren Körper formtJazz nimmt alles, was ihren Körper formt(vor dem Abort gemessen, eventueller Kisten-Output unbekannt: 2180. Damit ist sie nicht nur die erste Vierpfünderin, sondern sprengt mit 300 g plus alle Grenzen in diesem Alter. Alter, das glaubst du nicht! Dagegen wirkt Janitschek, der sich auf den zweiten Platz vorschleicht, immer noch wie ein Intervallfaster: 1830 (+180). Joschi 1780 (+70), Jackl 1770 (+110). Dann kommt die Spargel-Fraktion: Judica 1630 (+30), Jasna 1570 (+70), aber zum Schluss der Messreihe langen die Knubbelchen richtig zu: Jeannie 1470 (+170) und Jule 1440 (+140). Die Spreizung zwischen 2180 g und 1440 g wirkt natürlich enorm. ist aber, zumindest bei uns, nicht ungewöhnlich. Statistische Vergleiche mit anderen Züchtern stehen uns nicht zur Verfügung, zumal viele Züchter nur gelegentlich wiegen oder wenn es erforderlich ist, z. B. bei der Wurfabnahmen. Wir wiegen täglich, auch um Alarmzeichen frühzeitig zu erkennen. Und wenn kein Alarm zu erkennen ist, dient das Wiegen unserer Entspannung und Gelassenheit, wenn offenbar alle wachsen und gedeihen, auch wenn die Entwicklung unterschiedlich schnell voranschreitet. Wir kennen das und betrachten es als das, was es ist: eine genetische Disposition, im Fall von Jazz eventuell auch eine Spielform frühkindlicher Adipositas. Das gleicht sich meist sehr bald an, in den meisten Fällen zeigt sich schon vor der Wurfabgabe ein ganz anderes Bild. Das heutige Bild zeigt eine Gewichtsexplosion von 1070 g und führt zu einem Durchschnittsgewicht von 1708,75 g.    

Jeannie und Jule nach dem BadJeannie und Jule nach dem BadWeil wir Hedda vom Dasein einer Milchkuh befreien wollen, geben wir ihr auch ab heute keine Welpenmilch mehr, höchstens noch ab und zu, weil sie ihr schmeckt. Jetzt gibt es wieder Kraftfutter für aktive Mädels, keine Proteinbomben für Milchbarbetreiberinnen.

Sehr viel mehr ist über diesen herrlichen Sommertag mit 30 °C nicht zu erzählen, der nicht nur die Menschen in einen Sparmodus schickt. Der Tag fließt langsam und betulich im „Café Puppy Paradise“ dahin. Nur einmal lässt sich die Chefin eine Wohltat für ihre Kinder einfallen: Sie bekommen alle ein kühles Bad in einer kleinen Schüssel: Handwäsche mit Sonnentrocknung. Es scheint, dass sie den Service sehr genießen. Und später, wenn sie draußen im Jasna, die EntdeckerinJasna, die Entdeckerinrichtigen Leben angekommen sind, werden sie bestimmt nicht die Zehenspitzen ins Wasser stippen und sich angewidert abwenden. Ein Bairischer Blueser ist und bleibt ein Wasserhund! Die meisten jedenfalls… 

Als Fotograf wünscht man solche Tage zum Teufel. Immer nur schlafende und sich räkelnde Modelle lassen gelegentlich eine leise Verzweiflung aufkommen: Woher das morgige Tagesbild nehmen? Einen Tag kann man ja schummeln, aber zwei Tage fallen in diesem Alter schon auf. Und da liegen sie, verkriechen sich und tun nichts als nichts. Wenn dann doch Bewegung in die Bande und die Kamera zum Einsatz kommt, folgt die Ernüchterung bei Sichtung der Bilder. Ja, manchmal auch, weil sie nichts taugen, mehr aber, weil immer das gleiche freundliche Gesicht darauf zu sehen ist. Die Tagesbildstatistik würde es erforderlich machen, beispielsweise wieder einmal Jule zu zeigen.Judica und JasnaJudica und Jasna Aber Jule ist auf keinem Bild zu sehen. Dafür Janitschek. Auch Jasna wäre wieder einmal an der Reihe. Keine Jasna nirgendwo, höchstens von hinten beim Häufeln. Dafür Janitschek. Auch mit Joschi könnte man schnell mehrere Kalender füllen. Judica ist auch so eine verhinderte Politikerin, die immer auftaucht, wo eine Kamera in Anschlag gebracht wird. Bei Jazz ist es tatsächlich schwierig, sie zu übersehen, was auch ihr eine gewisse Überrepräsentanz beschert. Aber der größte Gatsby ist derzeit Janitschek. Zu seiner Entlastung räumen wir ein, dass es vermutlich weniger an seiner Kamerageilheit liegt, sondern an unserem Sehverhalten, das Auffälligkeiten besonders registriert und zur Kenntnis nimmt. Es ist kein Zufall, dass blonde Frauen viel häufiger abgelichtet werden als brünette oder sJackl und JeannieJackl und Jeanniechwarzhaarige, weil ihr Haar, vor allem unter Lichteinwirkung, das ganze Augenmerk auf sich zieht. Bei Jani sind es wahrscheinlich seine strahlenden Marken, die unsere Blicke magisch einfangen. Aber auch das ist keine Sonderheit des J-Wurfs; durch diese sehr hohle Gasse mussten die Fotografen des Blues schon neunmal. Und sie haben sie gemeistert.

Deckel drauf, Fenster auf und gute Nacht. Ob sie dem Assi so gut werden wird, lässt sich erst morgen beantworten. Fürs erste ist sein Schlaf eher unruhig, denn morgen steht die seit einem Monat verschobene Umstellung auf Glasfaser-Breitband an. Lieber ein Leben lang abhängig von billigem Alkohol als einen Tag von der Telecom… In diesem Sinne: Gute Nacht.    

 

Donnerstag, 17. Juni 2021

Schon um 5 Uhr steht das Tagesbild auf unserer Homepage zur Verfügung, denn es wäre ein Desaster, kein Tagesbild zu haben, nur weil die Telecom an unserer Leitung herumschlossert. Und niemand weiß, wann sie uns den neuen Service schalten werden, irgendwann im Laufe des Tages soll es geschehen, so hört man. Aber um 5 Uhr morgens liegen die Schlafmützen hoffentlich noch unter ihren Decken und können nichts dagegenhaben, dass wir ein Tagesbild auf unsere Seite stellen.  

So früh am Morgen ist die beste Zeit für die Gewichtskontrolle, weil dann sogar die Umtriebigsten noch etwas schläfrig sind. Gestern zweimal Welpenmilch und einmal eingeweichtes Trockenfutter (dazu gelegentliche Aufenthalte an der Mama-Bar) bringen die Knirpse richtig voran. Waren es gestern 1070 g, sind es heute 990 g, was das Durchschnittsgewicht auf 1832,5 g anhebt. JuleJuleWir hatten es also nicht mit einem nur von Jazz verursachten künstlichen Blow-Up zu tun, sondern sehen jetzt bereits eine Verstetigung der Gewichtsentwicklung. Im einzelnen stellt das so dar:

Jazz 2230 (+50), Joschi 1980 (+200), Jackl 1970 (+200), Janitschek 1930 (+100), Judica 1800 (+170), Jasna 1650 (+80), Jeannie 1570 (+100) und Jule 1530 (+90).   

Als die zweierlei Deutschen in Deutschland noch wussten, wohin sie gehörten und was richtig und falsch war, feierte man hierzulande am 17. Juni den Tag der Deutschen Einheit. Nach dem Vollzug der Einheit hat sich das in vielerlei Hinsicht erledigt, zumal heute Aufstände für die Freiheit, sollte es solche geben, eher als Aufstand gegen die Freiheit verstanden und abgeräumt werden. Das wäre zu bedenken, wenn sich manch eine(r) beklagt, dass wir so gar nichts von der DDR übernommen hätten.

Heute also kein Feiertag, sondern KrümelKrümel – Im nächsten Leben Hovawartein ganz normaler Werktag. Der Assi bringt die Chefin zur Bahn, damit die in die Arbeit kommt. Dann treibt er ein wenig Krankengymnastik für sein hines Knie, anschließend werden die Jays versorgt und das Haus. Um 14 Uhr hat die Chefin genug gearbeitet, aber nur, weil heute vor allem die Sonne auf Hochtouren arbeitet und Schüler wie Lehrer mittags nach Hause schickt. Jetzt bleibt also den ganzen Nachmittag Zeit, bei 33 °C im Schatten unseres Apfelbaumes mit den Kindern unsere ganz persönliche Einheit und Einigkeit zu feiern. Unsere Kreißsaal-Assistentinnen gesellen sich zu uns und den Jays, Anna-Maria bringt gleich noch ihre Eltern und Krümel mit, und so wird dieser Tag ein kaum schöner auszudenkender Feiertag mit Eiskaffee, Kuchen und später ein wenig Bier. Den Kindern geht vor lauter Streicheleinheiten schon fast das Fell aus.

JudicaJudicaViel ist nicht los im Café Puppy Paradise. Jackl quält sich aus der Deckung und produziert bei einer einzigen Sitzung gleich drei veritable Würstchen, Judica schafft es nach einigen Übungseinheiten endlich, sich hinterm Ohr zu kratzen und Jazz putzt sich sogar schon den Popo.

Dafür, dass wir für die vierte Woche mehr Action versprochen haben, ist derzeit relativ wenig los beim Blues, hauptsächlich weil die Hitze den Aktionsradius unserer Zwerge einschränkt und sie dadurch noch wenig Gelegenheit hatten, ihr ganzes Paradies in Augenschein zu nehmen und sich untertan zu machen. Sie liegen mehr oder weniger auf einem Fleck zusammen, unterm Liegestuhl oder unter einer kleinen Palette und verlassen ihr Lager nur für unaufschiebbare Geschäfte. Diese werden durch den Trofu-Brei mittags und die Milch nachmittags generiert; nach dem gestrigen Morgenzustand der Schlummerbox gibt es abends keinerlei Fleisch mehr, Milch ist für den Darm des Personals abends die bessere Wahl.   

Und siehe da, nachdem uns die Telecom den ganzen Tag über mit Hinhaltebotschaften versorgt hat (Wir sind im Zeitplan und arbeiten ihren Auftrag innerhalb der nächsten sieben Stunden ab; Wir sind im Zeitplan und arbeiten ihren Auftrag innerhalb der nächsten fünf Stunden ab; Wir sind im Zeitplan und arbeiten ihren Auftrag innerhalb der nächsten drei Stunden ab), läuft das flitzeschnelle Internet tatsächlich am frühen Abend. Aber nur, weil die Chefin etwas nachgeholfen hat…

Ab jetzt geht bei uns die Post ab und rund, wie bald auch bei den Jays. Versprochen.

 

Freitag, 18. Juni 2021

Seit über 20 Jahren wird das Leben beim Bairischen Blues von Hunden bestimmt, was dazu führt, dass bei uns jeder Tag des Jahres ein Hundstag ist. Im Volksmund bezeichnet man allerdings den Monat zwischen 23. Juli und 23. August als Hundstage, also die besonders heißen Sommertage. Der Begriff geht bis in die Tage der alten Ägypter zurück und beschreibt den Verlauf des Sternenbilds des Großen Hundes von seinem Aufgang bis JeannieJeannie hauen die Hundstage umzu seiner vollen Sichtbarkeit. Durch die Schrägstellung der Erdachse ist jedoch heutzutage der Zyklus des Großen Hundes (wie der des gesamten Sternenhimmels) um einen Monat nach hinten verschoben und fällt somit in den beginnenden Herbst. Da man es mit solchen Dingen nirgendwo so genau nimmt, werden auch heute noch die heißen Tage des Jahres europaweit als Hundstage bezeichnet. Bei den Angelsachsen spricht man recht uninspiriert von dog days, und die Franzosen sondern mit la canicule eine Vokalsalve ab. Wenn man nun schlau ist, könnte man das canicule ums End-e kürzen, und schon sprächen wir von einem canicul, was mit Hundearsch zu übersetzen wäre. Und damit hätten wir flott den großen Bogen vom Großen Hund übers Sommerwetter zu unseren kleinen, herzigen Knubbelärschchen geschlagen. Zwischen Himmel und Erde ist eben nichts unmöglich.

Volle DeckungVolle DeckungEin solcher Hundstag ist auch der heutige Freitag, auch wenn er kosmologisch gar keiner sein dürfte. Auf 32 °C und sogar etwas mehr schwingt er sich hoch, verdirbt Fianna und Hedda die gute Laune und lässt die Zwerge unter allen verfügbaren Deckungen verschwinden.

Falls sie nicht gerade mit Sonnenabwehr befasst sind, entwickeln sich diese kleinen Herzensbrecher nun tatsächlich immer mehr zu Knochenbrechern – wenn man die Augen nicht überall hat. Das haben wir schon thematisiert, ändert aber nichts daran, dass sich daran bis zum Ende am 18. Juli nichts ändern, eher alles noch komplizierter werden wird. Wo man geht, lungert ein Haufen grölender Wegelagerer in den gewohnten Laufwegen, als ob sie in ihren ersten Lebenstagen nichts anderes zu tun gehabt hätten, als genau diese auszubaldowern, um uns irgendwann aus dem Hinterhalt heraus ein Bein zu stellen. Der Assi lehnt aus diesem Grund die Benutzung des Serviertabletts ab, um beispielsweise das Frühstück auf die Terrasse zu bringen: Kein Mensch kann nämlich sehen, was sich gerade unter diesem abspielt – und dann macht es bautz und der Wautz ist hin und das Frühstück gleich mit. Wir gehen also nicht nur sehr lange Ausweichwege durch unsere Küche, sondern auch viele mehr als üblich. Wem danach ist, der kann sich bei dieser Gelegenheit vom Evangelisten Matthäus verspotten lassen, der uns folgende Worte mit auf diese verschlagenen und verlegten Wege durch unsere Küche gibt: «Gehet ein durch die enge Pforte; denn breit ist die Pforte und geräumig der Weg, der zum Untergang hinführt, und viele sind es, die durch sie hineingehen. Wie eng aber ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben hinführt! Doch wenige sind es, die ihn finden.»

Wir finden, dass JanitschekJanitschek fühlt sich nicht angesprochenuns der breite Weg deutlich weniger dem Untergang entgegen führen würde als die Schleich- und Stolperpfade, mit welchen uns die Jennerweins direkt aus unserer Küche ins Jenseits befördern möchten. Aber vermutlich hat der Matthäus nie acht Welpen versorgen müssen. Der hat leicht reden von da oben herab.

Aber natürlich lieben wir es, wenn die Jays uns erkennen und uns entgegenfliegen, sobald wir in ihrer Nähe auftauchen. Wir sind auch überaus glücklich, wenn sie uns das Wischtuch verzerren, mit dem wir gerade versuchen, ihre Teiche zu trocknen oder, falls wir versucht sein sollten, das Pipituch mit den Füßen über den Boden zu bewegen, sich auf den Wischfuß legen, am besten gleich zu zweit. So wird schnell aus einem in die Jahre gekommenen Bollerkopf (gemeint ist selbstverständlich der Assi) eine peinlich anmutende Ballerina.

Wenden wir uns lieber erfreulicheren Dingen zu: Hedda hat, wie es scheint, ihre Leiden hinter sich gelassen und freut sich ihres Lebens. Vor allem hat sie offenbar die hinter ihr liegenden Malaisen vergessen oder verarbeitet, jedenfalls legt sie sie nicht ihren Kindern zur Last, sondern ruft sie immer wieder mal im Laufe des Tages zu sich an die Bar, ein Aufruf, den keine(r) überhört. Viel häufiger als viermal am Tag tut sie das nicht mehr, und das ist auch gut so; den großen Rest erledigen wir. Allerdings müssen wir unsere Milchration um die Hälfte erhöhen, weil die bisherige Portion (125 g Magerquark, 150 ml Ziegenmilch, drei Eigelb und drei EL Distelöl, wir erinnern uns) schneller verratzt ist als wir sie zusammenmixen können.

Dementsprechend erfreulich entwickeln sich die Gewichte unserer Zwerge: Heute verzeichnen wir drei neue Vierpfünder nach Jazz. Die ließ es ausnahmsweise mal geruhsam angehen: 2260 (+30). Jackl hat Joschi in der Verfolgerrolle abgelöst: 2110 (+140) und ist damit der zweite Viertelpfünder. Janitschek (+100) und Joschi (+50) laufen gleichauf mit 2030 g ins Ziel und haben es auch geschafft, die zwei Kilo zu knacken. Die Prinzessinnengarde wird jedoch noch ein bisschen spachteln müssen, bis sie zu den ersten vier aufschließen kann: Judica 1870 (+70), Jasna 1790 (+140), Jeannie 1074 (+170) und Jule 1640 (+110). Dass sie sich keine Mühe gäben, kann man ihnen wirklich nicht nachsagen, denn von den 810 g Zugewinn gehen allein 490 g auf ihr Konto. Das Durchschnittsgewicht nähert sich auch stramm den zwei Kilo: 1933,75 g.

Mittags beschließen wir, den Transit Der TransitDer Transitdurch unsere Gute Stube zu errichten, weil wir einerseits nicht wollen, dass Heddas multipel inkontinenter Nachwuchs auf dem Weg von der Küche in den Garten unser Wohnzimmer benutzt, wie es deutsche Autofahrer gerne mit ihren Raststätten halten. Aber wir wollen sie auch nicht unentwegt hin- und hertragen: Wer vier immer flottere Beine hat, soll sie selbst bewegen. Deshalb gibt es seit unserem ersten Wurf den inzwischen legendären Transit durch die Stube. Und weil wir schon im Bastel- und Gestaltungsmodus sind, verzurren wir noch ein Sonnensegel im Garten, um mehr Schatten bereitzustellen als der Apfelbaum in der Lage ist. Dann wird noch ein bisschen Spielgerümpel dazu geliefert und das Paradies hat eine neue Qualität und Anmutung bekommen. Neue Reize braucht der Zwerg.  

Das Paradies wird aufgehübschtDas Paradies wird aufgehübschtDen Transit bauen wir natürlich auf, während sich die ganze Bande im Garten befindet, befände sie sich nämlich in der Küche, befände sich wahrscheinlich deren Hälfte nicht mehr dort, sondern bereits im Himmel, totgetreten oder totgeschlagen. Das heißt einerseits, dass die im Garten nichts von den neuen Möglichkeiten wissen und andererseits, dass wir begierig darauf warten zu erfahren, wer ihn als erste(r) zur Kenntnis und in Besitz nimmt.

Dies geschieht punkt 18:45 Uhr, als die Chefin in der Küche die Welpenmilch zubereitet. Die Jays liegen im Schatten des Gartens und dösen. Offenbar inspiriert durch bekannte Lautsignale, macht sich Judica auf den Weg, eilt durch den ganzen Garten schnurstracks auf die Terrasse zu und überquert diese, als wäre sie ihr Wohnzimmer. Das ist schon bemerkenswert, JudicaJudicaweil sie mit unserer Terrasse bisher nicht vertraut ist; wir haben die Jays immer in den Garten getragen und dort haben sie sich ausschließlich im hinteren, schattigen Teil aufgehalten; große Entdeckerrunden standen ja bisher noch nicht auf dem Programm. Judica lässt sich also von fremdem Terrain nicht sonderlich aufhalten, peilt zielstrebig unsere Terrassentür an, zögert, staunt, gibt ihrem Herzen einen Stoß und betritt die Terra Incognita des Bairischen Blues, auch Transit genannt. Was jetzt kommt, übersteigt allerdings auch unsere Vorstellungskraft. Nach wenigen Schritten macht sie einen Buckel und drückt sich eine stramme Wurst aus dem Kreuz, nimmt damit offenbar unseren Transit in ihren Besitz und marschiert weiter in die Küche, um nachzusehen, wie es um ihr Abendmahl bestellt ist. Mannomann, so was von Girlie-Power!

Die Fütterung findet dann, wie gewohnt, im Garten am Ring statt, demnach sind alle draußen versammelt. Gleich nach der Speisung bricht das übliche Tohuwabohu aus, alle sind irgendwie miteinander beschäftigt, um alle verfügbaren Milchreste abzugreifen, Hedda und Fianna bekommen Schüsseln zum Auslecken. Dies ist nJazzJazzormalerweise nicht der Moment, der für große Aufbrüche steht, eher für Ein- und Abbrüche. Doch vielleicht gerade deswegen, gerade weil alle mit anderem beschäftigt sind, nutzt nun Jazz die Gelegenheit, für eine Expedition ins Unbekannte und stapft durch den Transit. Sehr zu ihrem Erstaunen findet sie an dessen Ende, in der Küche, ihre Mama vor, die sich ins Kudde schmiegt und ihre Tochter mit wenigen Worten zu einem kleinen Nachschlag an der Mama-Bar einlädt. Sonderspeisung ausgerechnet für Jazz. Jetzt wissen wir, woher das kommt. Jedenfalls ist es wieder eine kleine Lady, die mutig vorangeht. Uns überrascht das nicht, im Gegenteil. Neun Würfe waren fast immer die Mädels die Fixeren und Mutigeren; sie sind eben, wie bei uns auch, den Buben in diesem Alter eine Nasenspitze voraus. Doch schon an diesem Abend wird der Transit von allen mehr oder weniger souverän eingeweiht (und entweiht!). 

Am Ende eines eigentlich ereignislosen Tages mit viel Gedöse, aber eben doch ein paar Ereignisspitzen fallen die Zwerge in einen sehr zufriedenen Schlaf. Den finden sie noch immer in ihrer Schlummerkiste am sichersten. Und wir sind der gleichen Ansicht.

 

Samstag, 19. Juni 2021

Um 4:45 Uhr jubilieren die Mangfall-Lerchen in ihrer Schlummerbox, kreischen, jodeln, krähen und beginnen einen Sonnentanz in der Kiste, dass uns Hören und Sehen, vor allem aber das Schlafen vergeht.

Auch heute liegt wieder ein heißer und drückender Tag vor uns, dessen Hauptaktivitäten für Hedda und Fianna in den frühen Morgenstunden angesiedelt sind, das heißt: Die Chefin dreht große Runden und der Assi zu Hause am Rad, also auch Runden, allerdings mit dem Putzeimer. Zum Trost dient ihm, dass die aktuellen Herausforderungen kaum der Rede wert sind, verglichen mit dem, was in den folgenden Wochen in der Morgenküche auf ihn warten wird.

Gleich nach ihrem ausgedehnten Spaziergang und dem Morgenimbiss legt sich Hedda im Garten ins Hundebett, zu Marketenderdiensten bereit, was ein weiters Mal belegt, dass sie nun in Sachen Kinderversorgung komplett in ihrer mütterlichen Mitte angekommen ist, keine körperlichen oder mentalen Probleme mehr damit hat. Wie sie nun im Bette hingestreckt liegt, die Kinder aber in der Küche weiß, ruft sie sie zu sich, und dann geht das Rennen um die Pole-Position an der ergiebigsten Zapfstelle los. Sie fordert also ihre Kinder auf, durch den Transit zu ihr zu kommen. Wie wir wissen, haben das gestern auf eigenen Beinen nur Judica und Jazz geschafft. Insofern ist es keine Überraschung, dass diese beiden auch heute sofort im Bilde und on the road Jackl und JoschiJackl und Joschisind. In ihrem Windschatten eilt auch Jasna herbei und findet den rechten Weg. Jule und Jeannie trauen dem Frieden noch nicht, stellen sich doof oder tot, in der Hoffnung, einen Lift zu bekommen, der ihnen auch gewährt wird. Joschi und Jackl wollen nichts auf sich sitzen und sich nachsagen lassen, machen sich auch auf den Weg und finden, dass dieser Weg kein leichter sein wird, eher einer mit unerwarteten Tücken. Der Bürgermeister und die Sabberkachel schaffen es doch tatsächlich, sich in diesem von Gittern begrenzten Gang zu verirren, sich zu verlaufen und zwischen Gitter und Terrassentürflügel stecken zu bleiben – Sackgasse, plärr, Charlie Brown lässt grüßen. Vielleicht spricht auch nur Scham und Zorn aus dem Kasperltheater, das die beiden anzetteln. Für einen Logenplatz reicht es jedenfalls nicht mehr, aber für einen ganzen Eimer Spott vom Amazonengeschwader um Jazz. Und, fragt sich der aufmerksame Leser, und was treibt der Jani-Schani in diesem Welpenassessment? Janitschek verlässt sich auf seine westlevantinische Pfiffigkeit oder hat das Buch Ruth (1, Vers 16,17) gelesen: Wo Du hingehest, da will auch ich hingehen. Und wo Du bleibst, da bleibe auch ich! Und fußelt eifrig hinter dem Assi her, der Jule und Jeannie an die Bar bringt. Die krälenden Brüder lässt er hinter der Terrassentür stecken. Mit dieser Methode ist er zwar nie an vorderster Front (wozu auch?), aber immer auf der sicheren Seite und bleibt dabei gelassen und frohen Mutes, immer ein fröhlich Liedchen auf den Lippen. Ein schlauer Kerl, dieser Janitschek. Vielleicht sollte man doch öfter die Bibel lesen.     

Undercover-JanitschekUndercover-JanitschekDer Tag selbst ist angereichert mit einer Handvoll Besuchern und sommerheißem Nichtstun. Die Jays dösen, wenn sie nicht gerade zum Streicheldienst abgeordnet sind, im Schatten, wobei die meisten unter die eigentlich als Sitzgelegenheiten bereitgelegten Kissen und Polster kriechen. Eigentlich sollte man vermuten, dass es unter ihnen noch wärmer sein müsste, die Wahrheit dürfte aber lauten, dass das Gras unter ihnen frisch und kühl geblieben ist. An Überlebensstrategie fehlt es ihnen offenbar nicht.

Für andere Aspekte des Überlebens sind jedoch immer noch wir zuständig: Die Mahlzeiten, die Mutter nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung stellen kann und soll. Heute bekommen sie morgens eineinhalb Portionen der Welpenmilch mit einer halben Banane (püriert). Mittags gibt es etwa 400 g Kopffleisch, fein püriert, mit Kartoffelbrei. Abends folgt dann nochmals eine doppelte Portion Milch mit Banane, was dann die Kapazitäten doch ein wenig übersteigt. Gefüttert wird weiterhin am Ring.

Dass diese Welpendiät nicht komplett an den Bedürfnissen vorbeigeht, bescheinigte uns die Waage am Morgen: Jazz 2400 (+140), Joschi 2340 (+310!), Jackl 2250 (+140), Janitschek 2160 (+130), Judica 2020 (+150, noch eine Vierpfünderin), Jasna 1900 (+110), Jeannie 1850 (+110) und Jule 1650 (+10), macht 1100 g Gewichtsgewinn an einem Tag und ergibt ein Durchschnittsgewicht von 2071,25 g, womit wir auch in dieser Hinsicht über zwei Kilo wären.

Spät nachts bringt der Assi die Kinder zu Bett, allerdings muss er ihnen keine Wiegenlieder singen; das erledigen sie selbst. Der Protest in der Schlummerkiste will heute nicht aufhören. Natürlich ist Joschi der Wortführer, aber er ist heute Nacht nicht allein. Für diese anhaltenden Beschwerden können nach unserer Erfahrung nur zwei Dinge verantwortlich sein: Entweder sie wollen nicht mehr in ihrer Kinderkiste nächtigen oder es ist ihnen heute zu warm, obwohl wir alle Fenster und Türen, soweit es vertretbar ist, offen haben. Aber es bewegt sich kein Lüftchen, was sich bewegt ist die Luftsäule, von den Stimmbändern der Jabberwockys zum Schwingen gebracht. Wenn sie damit nicht aufhören, müssen wir Fenster und Türen auch noch schließen. Der Assi setzt sie über die Folgen ihres Tuns in Kenntnis. Mal sehen, wieviel er bewirken kann. Ein gute Viertelstunde hört er sie noch, ermattend, erschlaffend. Ob er es ist, der da langsam aus dem Bewusstsein gleitet oder die Kinder, wer weiß…

 

Sonntag, 20. Juni 2021

Im nördlichen Wendekreis steht die Sonne heute im Zenit, hoch im Norden geht sie nicht unter und das bedeutet, dass wir heute den längsten Tag des Jahres genießen und die Sommersonnwende feiern dürfen. Wenn dann diese Sonne auch noch strahlt, steht uns ein wahrlich prächtiger Tag bevor.

Für uns und die Jays ändert sich erst mal nicht viel. Die Kinder erzwingen einen relativ geordneten Tagesablauf, der mit Wiegen, Putzen und Speisen beginnt, denn die Länge des Tages ist unseren Pfleglingen reichlich wurscht. Und uns auch. Die einen vermessen den Lebenslauf als Spanne zwischen der Wiege und der Bahre, wir vermessen unseren Tageslauf von der Waage bis zur Liege.

DannJoschiJoschi wollen wir doch mal wissen, ob Joschi seinen Turbospurt hinter Jazz her durchgehalten oder sie ihn auf Distanz gehalten hat. Zur Erinnerung: Gestern trennten die beiden nur noch 60 g – und er hat sich respektabel gehalten, nur 10 g ihr gegenüber eingebüßt. Jazz 2500 (+100), Joschi 2430 (+90), Jackl 2390 (+140), Janitschek 2290 (+130), Judica 2080 (+60), Jasna 2060 (+160, und ebenfalls die Zwei-Kilo-Marke genommen), Jeannie 1930 (+80) und Jule 1740 (+90) = 850 g und ein Durchschnittsgewicht von 2177,5.

Bekanntlich hat jede Nahrungsaufnahme Folgen, über die man sich meist nicht austauscht, es sei denn man wäre Baby- oder Welpenversorger. Dann gewinnt die Betrachtung der Rückstände eine Bedeutung, die den ersten Worten (heutzutage eher Instagram als Mama) und ersten Schritten nicht nachsteht. Das gilt selbstredend auch für uns. Es gibt keinen Buckel auf standfest ausgestellten Hinterbeinen, der von uns nicht argwöhnisch investigiert wird. Und bisher sind wir mit uns und den Jays sehr zufrieden. Trotz der wechselnden Angebote (Welpenmilch, Fleischbällchen, Trofu-Brei, Kopffleisch) bleibt der Output qualitativ hochwertig, sowohl in Form wie in Farbe. Die kraftvollen Wurstprodukte sind ausdrucksstark bei einer nachvollziehbaren Farbentwicklung von Senf (Milchüberhang) über rehbraun bis zum aktuell intensiven Maron. Alles also wie es sich ein Züchter wünscht. Nur eine Veränderung lässt uns mit einiger Sorge in die Zukunft blicken: das Größenwachstum! Wir haben den Eindruck, es eilt der Nahrungsmenge voraus.

Nicht unerwähnt kann in diesem Zusammenhang das unterschiedliche Abtrittsverhalten der Knirpse bleiben, das uns aber nach neun Würfen auch nicht mehr in die Verzweiflung treibt, obwohl ein gelegentlicher Arschritt durchaus erzieherisch wirksam sein könnte. Ja, es gibt hygienisch motivierte Individuen, die zum Zwecke der Darmentleerung die Küche durch den Transit verlassen und den neu gewonnen Freiraum „Garten“ ansteuern, um ihr Geschäft zu erledigen. Dass ihr Tun keinerlei Vorbildwirkung hat, zeigen jene, die aus dem Garten durch den Transit in die Küche eilen, ja: eilen, weil es drückt, und sich dort erleichtern, obwohl es im Garten unter weniger Zeitdruck sozial verträglicher möglich gewesen wäre. Diese Schutzhüttenscheißer können sogar dem abgebrühten Züchter gelegentlich den Draht aus der Mütze fliegen lassen. Aber was soll man machen? Schweigen, soll man und keine Namen veröffentlichen.      

Immerhin beweist diese Episode, dass der Transit immer mehr in den Lebensraum der Jays integriert ist. Vorgestern wurde er eingerichtet, gestern mussten wir ihnen zum Teil noch einen Blindenhund zur Seite stellen und heute gehört er zu ihrem Lebensraum. Die Lernleistung dieser Zwerge ist enorm und beeindruckend. Das hilft uns vor allem, wenn sich alle Zwerge oder auch nur einige in der Küche befinden und wir im Garten füttern wollen. Dann erschallt der Futterruf „Matze-Matze-Matze“ und, nur dreimal praktiziert, lässt er acht Kugelporsches in den Garten speeden. Dieser Ruf wird sie zu jeder Fütterung rufen und sie werden ihn bis zum Ende ihrer Tage nicht mehr vergessen. Machen wir uns nichts vor: Darauf zu reagieren ist eine Sache, am zweiten Tag den direkten Weg durch den Transit zu finden ist eine andere. Aber sie machen sich auf diesen Weg, sie wissen, wohin sie sollen, wo sie den Zugang zum Garten finden, aber manche finden auch heute nicht den Ausgang. Dem Ruf folgt eine Puppy-Stampede, die sich am Ende stark verdünnt. Manche bleiben immer noch im Transit stecken (plärr), die anderen finden zwar den Ausgang auf die Terrasse, wissen dann aber JacklJacklnicht mehr weiter, und nur zwei oder drei schaffen den erfolgreichen Zulauf bis zum Futterring. Und auch diese Namen werden aus Gründen der Pietät den anderen gegenüber verschwiegen. Maximal noch ein Tag, dann erübrigen sich diese Erzählungen. Dafür drängen sich andere auf, etwa solche Erfolgsgeschichten wie die des Jackl vom Bairischen Blues, der gestern noch zusammen mit seinem Bruder an der Klagemauer des Transits gescheitert ist, heute den Transit als willkommene Übergangslösung für seinen Stuhlgang nutzt, also nicht mehr drin, aber fast schon draußen. Man muss nicht alle Herausforderungen auf einmal bewältigen, die Erledigung über Milestones ist meist erfolgreicher. Ups, haben wir jetzt doch ein Geheimnis ausgeplaudert, das wir in der Brust bewahren wollten?

Wie sehr JudicaJudicader Transit schon in der Realität der Jays angekommen ist, zeigen sie uns, als wir sie während der Futterzubereitung (in der Küche) auf der Terrasse ausgeschlossen hatten und sie die vertrauten Töne offenbar bis hinaus hörten. Sie haben keine Sekunde Orientierungsschwierigkeiten, woher die Geräusche kommen und auf welchem Weg man zu ihnen gelangen könnte: über den Transit! Aber der liegt hinter der verschlossenen Terrassentür. Also steht die halbe Mannschaft auf den Hinterbeinchen und bearbeitet die Tür und krakeelt, damit sie nachgibt. Man kann gar nicht so schnell mitdenken wie die lernen. 

Aber es ist nicht nur das Lernen, das sie jetzt zu acht kleinen Überraschungspäckchen macht, sondern auch die körperliche Reife; die Kraft wächst parallel zum Hirn (wir hoffen, dass das in den nächsten Jahren dann andersrum ist). Das wirkt sich dann folgendermaßen aus. Einige Gitter des Transits haben Türchen, dass wir JasnaJasnanicht dauernd klettern müssen, wenn wir in den Wohnbereich oder ins Treppenhaus wollen. Die Tür ist zweigeteilt, unten ist ein zwanzig Zentimeter hohes Gitter, darüber das Türchen zum Öffnen. Wenn man über den Gittersturz im unteren Teil der Tür will, braucht man als Welpe Muckis, weil es nichts gibt, worauf man sich stützen und hochstemmen könnte. Bisher haben es einige schon versucht, uns auf diese Weise zu besuchen, hingen dann aber immer recht kläglich auf dem kleinen Gitter und schafften es nicht weiter. Jasna schafft es heute als erste! Und stiefelt wie selbstverständlich durch unsere Allerheiligstes. Ab jetzt heißt es also: Luken dicht. Etwas verstörend ist, dass ausgerechnet heute, am Tag von Jasnas Emigration, Internationaler Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen ist. Ist die etwas noch gewiefter als wir schon länger befürchten?

Immerhin liefert unsere Welt Gründe genug für diesen Internationalen Aktionstag. Wem aber nützt oder wen schützt der „Tag der Filtertüte in Deutschland“, den wir heute begehen sollten oder könnten? Melitta Bentz etwa, der Erfinderin der Filtertüten, die am 20. Juni 1908 den Gebrauchsmusterschutz für ihren neuen Papierfilter eingetragen bekam? Sollen wir jetzt unseren gerade komplett überholten Kaffeeautomaten stilllegen, in den nächsten Supermarkt rennen und Filtertüten kaufen, damit wir unseren Gästen heute, am Tag der Heiligen Melitta, endlich wieder mal einen echten Bohnenkaffee aufbrühen können? Blöd, dass wir ausgerechnet heute keine Gäste erwarten.

Da halten wir uns dann doch lieber an den amerikanischen „Tag des Vanille-Milchshakes“ (National Vanilla Milkshake Day) und bauen ihn zu einem „Vagener Tag des Vanille-Eiskaffees“ um. Dafür haben wir alles im Haus und verknüpfen irgendwie geschickt den Vanilla-Shake-Tag mit dem Kaffeefiltertag (ohne Filter); Kreativität bringt die Welt voran. So sitzen wir also mit unsere Kindern, der Mama und der Oma in unserem Garten, trinken Eiskaffee und essen köstlichen Besucherkuchen von gestern. Wenn jetzt ein Flüchtling vorbeikäme, wäre er bei uns ein gern gesehene Gast, da bräuchte er keinen UNHCR anrufen. Bei denen bekäme er nämlich keinen Eiskaffee mit Kuchen, höchstens einen Packen Formulare und einen Dolmetscher. Unser Gartencafé kommt ohne das alles aus.

Zwei FutterringeNeben der Kinderspeisung, die wir vornehmen und dabei inzwischen die doppelte Portion Milchshake in zwei Futterringe verteilen müssen, weil sonst die Zartbeflankten kaum noch ans Manna kämen, bietet Hedda immer wieder ihre Dienste an, freiwillig, weil frei von Qualen, aber nicht mehr sehr ergiebig. Die Zwerge nehmen ihr Angebot dennoch gerne an, müssen aber damit leben, dass Hedda ihre Theke nicht verdoppeln kann wie wir, weshalb die Schlacht an Mamas lauwarmem Büffet mit immer härteren Bandagen geschlagen wird. Zum Glück meist nur sehr kurz, weil die zu kurz Kommenden zwangsläufig von der Einsicht vertrieben werden und die Rammköpfe zwar zum Zuge kommen, der letztlich jedoch bestenfalls noch ein Züglein ist. Hedda hat fast fertig.

Wie man unseren Ausführungen entnehmen kann, verbringen wir diesen Sonntag ohne Besucher, auch ohne Flüchtlinge, strecken und recken uns mit unseren Kindern in der Sonne, dösen und holen versäumten Schlaf nach. Solche Tage sind in der Welpenzeit unverzichtbar, wenn man nicht vorzeitig in die Knie gehen will.

JazzJazzDie Kinder dürfen heute nach der gestrigen Erfahrung frei in der Küche schlafen. Es ist mucksmäuschenstill, als wir die Tür schließen. Wird wohl doch nicht die Hitze gewesen sein gestern, denn heiß und schwül ist es immer noch.

Und so ist die Nacht zwar wegen der Welpen ruhig, aber nicht wegen der äußeren Umstände: Es droht ein heftiges Gewitter! Es rumort und randaliert aus allen vier Himmelsrichtungen um uns herum, der Himmel ist blauschwarz. Wir lassen die Balkontür im Schlafzimmer wegen der frischen Luft noch offen, solange es eben geht, dann fährt ein Luftstoß durchs Haus, die Schlafzimmertür fliegt zu, gerade als wir im Begriff waren uns einzunesteln, und dann war der unbegonnene Traum schon wieder vorbei. Fianna versucht unter Frauchens Bett zu verschwinden und Hedda schäumt und will raus. Die beiden schieben Panik. Es ist das Erbe eines Hagelunwetters an Pfingsten 2019, das wir mit den beiden im Wohnmobil auf dem Weg in den Urlaub auf der A 96 am Ammersee erlebten. Wir befanden uns damals im Zentrum des Unwetters und fühlten uns wie unter Artilleriebeschuss. Der Lärm im Auto war furchterregend, die Dachfenster wurden durchschlagen und die Windschutzscheibe sprang. Wir vergessen diese Viertelstunde nie, aber wir können damit umgehen, Fianna und Hedda haben seither Panik, wenn die äußeren Umstände sie an diese Zustände im Womo erinnern. Wir können ihnen das nicht übelnehmen, aber wir können ihnen diese Gefühle auch nicht abnehmen. Wenn es uns bei dem Gedanken daran noch ganz spooky zumute ist, haben die beiden dem nichts entgegenzuhalten. Für sie ist es ein fürchterliches Deja-vu.

Zum Glück bleibt alles in sehr erträglichem Rahmen, reichlich Wind, ausreichend Regen, ohne in ein Unwetter auszuarten. Vor allem bleibt der Hagel aus. Vielleicht haben uns die Hagelflieger des Landkreises die Nacht und mehr gerettet. Unbekannterweise dafür herzlichen Dank. Die Nacht verläuft im Großen und Ganzen ruhig, Die Mädels bleiben jedoch bis zum Morgen eher skeptisch und auf dem Sprung. 

 

Montag, 21. Juni 2021

Die Nacht bleibt tatsächlich ruhig bis zum Morgen und aus der Küche ist bis 5:30 Uhr kein Laut zu vernehmen. Der Blitz wird dort nicht eingeschlagen haben, das wäre uns nicht entgangen. Also ist die große Zeit der Schlummerbox vorüber. Man steht jetzt auf Beinfreiheit.

Und noch etwas wissen wir zu würdigen: Wegen der langen Nacht, haben sie ganz vergessen, unsere Küche zur Latrine umzufunktionieren. Kein einzige Häuflein liegt herum. Wir lassen sie in den Garten, und siehe da, jetzt geht die Darmpost ab. So wünscht man sich das, und weiß, dass die Tage des unbeschwerten Glücks in Zukunft sehr dünn gesät sein werden.

JanitschekJanitschek geht ausnahmsweise vor der Kamera in DeckungHeute ist offizieller Sommeranfang, und der startet, wie die vergangenen Tage, sehr sonnig durch. Diese Gelegenheit nutzen wir gleich nach dem Morgenspaziergang und einem kräftigenden Frühstück für ein weiteres Fotoshooting im Garten. Es ist Tradition beim Blues, dass die Kinder nach vier Wochen ein Porträt geschenkt bekommen. Die Zeit rennt so rasant dahin, dass man sie zwischendurch mal für einen Augenblick anhalten und einfrieren muss – klick. Und noch ein Klick. Der Fotograf sehnt trotz des Zaubers des Augenblicks sein baldiges Ende herbei, weil er sich bäuchlings im Gras liegend nach Dehnung der Glieder sehnt. Allein die Models haben kein Einsehen und er dafür das Nachsehen. 

Wenn die Bedrängnis am größten ist, sucht man am besten die Befreiung in der meditativen Suggestion der Zahlen. Die lassen wir nun unkommentiert auf uns wirken: Jazz 2680 (+180), Joschi 2590 (+160), Jackl 2520 (+130), Janitschek 2380 (+90), Judica 2220 (+140), Jeannie 2140 (+210, vierpfündig!), Jasna 2060 (0), Jule 1840 (+100), macht 1010 g plus und ein Durchschnittsgewicht von 2303,75 g.

JudicaJudica hat eine eigene Methode der Teint-PflegeDamit die Verdauung dieser gewaltigen Zahlen nicht zulasten unserer Küche geht, bleibt der Transit jetzt ganztägig geöffnet, was das Prachtwetter natürlich anbietet. Das heißt, dass die Knirpse nun ganz allein entscheiden können, ob sie wegen des Teints Küchen-Indooring bevorzugen oder doch lieber den Schatten des Apfelbaumes genießen wollen. Es entwickelt sich ein ständiges Hin und Her, weil beides Vor- und Nachteile bringt, manchmal fehlt auch nur ein Spielgeschwister zum perfekten Glück und ein andermal ist eine Nervensäge zu viel. So sieht leider der Ernst des Lebens aus. Bisher konnte man sich noch beim Personal beschweren, wenn man gegen den eigenen Willen verpflanzt wurde, jetzt muss man sich vor sich selber rechtfertigen. Nach vier Wochen schon Managemententscheidungen solchen Ausmaßes…

Am späten Nachmittag bekommen sie wieder eine immer größere Portion Kopffleisch mit Kartoffelflocken serviert, jetzt sind es schon 500 g, und putzen es in Windeseile weg. Mäkelige Kinder haben wir nicht, aber solche Exemplare hatten wir noch nie; diese Exemplare werden erst später gemacht 😉.

Nachts ziehen wieder schwere Gewitter herum, die uns auch diesmal verschonen, aber schon wenige Kilometer in Richtung München alles kurz und klein schlagen. Der Bairische Blues ist eben doch eine Außenstelle des Paradieses. Nicht nur für die Kinder. Nichtsdestotrotz How to make die HalbzeitbilderHow to make die Halbzeitbilderwollen sich Fianna und Hedda auf solche Lobhudeleien nicht verlassen und entscheiden sich für Deckung, Fianna wieder unterm Bett der Chefin, Hedda kriecht lieber unter die Decke des Assi, hat aber Pech, weil bei solchen Temperaturen und geschlossenen Fenstern und Türen wegen des Sturms nirgendwo keine Decke ist, unter die man kriechen könnte. Dann kriecht sie ihm eben unter die Epidermis. Ach, Herzblatt…  

Mit diesen Betrachtungen findet die vierte Lebenswoche der Jays ihren Abschluss. Doch wie das Foto-Shooting in der vierten Woche fest im Traditionskalender des Bairischen Blues notiert ist, ist es gute Sitte, zur Halbzeit ein erstes, kurzes und flüchtiges Persönlichkeitsprofil zu wagen. Gehen wir es an.

JacklJackl: Der Zupackende mit dem festen Griff
Das hört sich gefährlicher an als es ist, weil Jackl vor allem in sich ruht und sich meist fest im Griff hat. Das ist die eine Bedeutung des festen Griffs. Die andere ist sein tatsächlich markanter Griff, wenn er einmal zupackt, was allerdings nicht häufig geschieht, weil er kein Raufer und Wichtigtuer ist. Wir haben noch nicht beobachtet, dass er einen Streit vom Zaun gebrochen hätte, aber wenn es zu Rangeleien kommt, weiß er sich zu wehren und lässt sich ganz sicher nicht die Butter vom Brot nehmen. So, wie er in sich ruht, lässt er die Dinge auf sich wirken, ist interessiert und sieht sich alles genau an, manchmal zu genau (Transitstrandung!). Wenn er nicht auf Erkundungstour ist, die ihn beispielsweise als ersten einmal um den Küchenblock geführt hat, spielt er gerne und intensiv. Die Umrundung des Küchenblocks muss ihn so stark bewegt haben, dass dieser derzeit sein bester Freund zu sein scheint, weil er jede Gelegenheit nutzt, unter ihm zu schlafen. Mehr Schutz und Sicherheit geht nicht. Jackl wurde schon früh als „der Bürgermeister“ bezeichnet, darin liegt viel Wahrheit, vor allem aber wären viele Gemeinden froh, wenn sie einen solchen Bürgermeister hätten.

JazzJazz: Die Autonome
Jazz ist eine Erscheinung. Das liegt einerseits an ihrem Format, wodurch man sie kaum übersehen kann. Jazz ist ein bayerisches Weibsbild, kein Gramm zu fett, aber gebaut aus Muskeln und Sehnen. Und so wie sie gebaut ist, gibt sie sich auch: resolut und voller Strahlkraft. Mehr als alle anderen hat sie ihren eigenen Kopf. Wenn sie schmusen möchte, macht sie das mit Hingabe, wenn sie ihre Ruhe möchte, sucht und findet sie diese. Wenn es ihr danach ist, schläft sie mitten im Rudel, wenn nicht, liegt sie weitab. Sie spielt leidenschaftlich und kann so tun, als ob es auf der ganzen Welt kein Spielzeug gäbe. Vor allem hat sie bewiesen, dass sie alles ganz genau wissen will und allem sehr intensiv auf den Grund gehen will, für alles Lösungen sucht und, falls es welche gibt, sie auch findet. Das findet nicht immer unsere ungeteilte Zustimmung, weil diese Forscherseele sie auch unberechenbar macht; mit Jasna zusammen führt sie inzwischen (kleiner Vorgriff auf die nächste Woche) den Ausbrechertrupp an. Jazz ist eine ausgesprochen starke Persönlichkeit mit großem Potential.  

JanitschekJanitschek: Die Welt und er sind schön
Der Jani ist der große Gatsby des J-Wurfs: schön, wohlgebaut, elegant und Beherrscher der großen Geste. Das hat er seiner (derzeit) nahezu perfekten Markenzeichung zu verdanken. Und da Kleider bekanntlich Leute machen, weiß auch er um seine Wirkung. Aber Achtung: Janitscheck ist kein hohler Geck. Er ist lustig, meist guter Dinge und guter Laune, gelegentlich ein Hansdampf in allen Gassen, aber kein nerviger Adabei. Er bricht erfolgreich alle Herzen, die er brechen will und bleibt für alle anderen ein herziger Charmeur. Mit seinen Geschwistern lebt er meist in Harmonie, obwohl auch er am vorderen Ende Zähne hat, deren Vorteile er mitunter zu schätzen weiß. Er ist immer mittendrin, nicht nur dabei, was zur Folge hat, dass sein Konterfei vermutlich von jedem dritten Foto in unserer schon umfangreichen Bibliothek strahlt.

JeannieJeannie: Die Kämpferin
Das Leben meinte es zu Beginn nicht gut mit ihr, weswegen sie mit einigen Startschwierigkeiten zu kämpfen hatte. Und genau das tat sie: Sie kämpfte, sie wollte leben – und sie lebt. Und wie! Wer sie jetzt erlebt, trifft auf eine eher zierliche, aber kraftvolle Hündin voller Energie. Anfangs war sie noch ein wenig unsicher, gelegentlich auch hektisch und unsortiert. Nichts mehr davon! Jeannie ist heute einer der Mittelpunkte der Jays, eine pfiffige und fröhliche Hündin, die vermutlich am meisten Spaß von allen an Spielsachen hat. Sie spielt mit allem und hingebungsvoll. Trotz ihrer körperlichen Nachteile lässt sie sich am Futterringe nicht abräumen, sondern bohrt sich rein und beißt sich durch. Sie findet immer einen Weg. Jeannie ist eine ungemein charmante, lustige und unkomplizierte Hündin.    

JoschiJoschi: Der Geschichtenerzähler
Bei Fußballfreunden ist der Bayer Thomas Müller auch als „Radio Müller“ bekannt, weil er auf dem Platz unentwegt Anweisungen gibt, motiviert und dirigiert. So einen haben wir auch: Radio Joschi. Ihm würde auch in Tausendundeine Nacht nie der Erzählstoff ausgehen. Joschi ist ein Unikum, wie man es selten hat. Und diesem Joschi kann man noch nicht einmal böse sein, wenn er einem nicht nur ein, sondern schon beide Ohren abgequatscht hat. Nichts, was er nicht kommentiert. Aber wir dürfen ihn nicht auf sein Erzähltalent reduzieren: Joschi ist ein sehr gelungenes Gesamtpakt. Er ist, vermutlich, weil er alles verbal verarbeitet, sehr ausgeglichen, sein eigener Mittelpunkt, dabei freundlich und fröhlich, immer mit von der Partie (klar, sonst hätte er als Klatschreporter nix zu erzählen), dreht selten richtig auf, aber auch nie durch. Und mit Streit kann er überhaupt nicht viel anfangen. Wenn da was in der Luft liegt, dreht er das Radio auf und kommentiert die Ereignisse.  

JuleJule: Die Piratin mit dem Durchblick
Sie war schon bei ihrer Geburt das Leichtgewicht der Jays und wird es wahrscheinlich auch bleiben. Am Gewicht des ihr fehlenden rechten Auges wird es kaum liegen. Wer dieses kleine Kraftpaket wiegt und zu leicht befindet, wird sich wundern. Natürlich musste sie anfangs das Fehlen eines Auges optisch auf die Reihe bringen und wird es auch weiterhin tun müssen. Aber mangelnde Lebenstüchtigkeit oder Durchsetzungskraft ist bei ihr nicht festzustellen. Sie ist fester Bestandteil der Jays, oft genug mitten im Trubel und steht ihren Geschwistern in nichts nach. Gefallen lässt sie sich von ihnen nichts und kann bei zu grobem Spiel auch mal kräftig zurückkeilen. Sie ist ein echter Aktivposten, überall zugegen, wissbegierig und spielfreudig. Lebendes Spielmaterial scheint sie derzeit zu bevorzugen, zumindest Zehen, Knöchel und Fersen stehen aktuell auf ihrem Speiseplan ganz oben; in dieser Hinsicht ist Seeräuber-Jenny an der Spitze der Nahrungskette. Wer den Fehler macht, die kleine Piratin zu unterschätzen und sich wegen ihres Defekts um ihr Fortkommen sorgt, sollte sich besser um sich selber Sorgen machen: Die Jule hat auch mit einem Auge den vollen Durchblick.

JasnaJasna: Die immer Lustige
Manchmal denkt der Chronist: Was soll man über diesen Hund eigentlich schreiben? Ein Hund ohne Eigenschaften? Die Erfahrung lehrt: Gibt es eigentlich nicht. Die Erfahrung.2 legt dann nahe, besonderes Augenmerk auf dieses Exemplar zu legen. Und wenn es dann so weit ist, dass der Chronist etwas über diesen Hund schreiben muss, kann er sich eigentlich genüsslich zurücklegen und nichts schreiben, weil über sie, diese Jasna, schon fast alles gesagt ist, und zwar in den Kapiteln über ihre Geschwister. Ja, zu Beginn ihres Lebens war sie etwas unauffällig, was aber auch etwas mit ihrer optischen Bescheidenheit zusammenhing: kaum Marken, wenig Blickfang. Doch seitdem Leben und Bewegung in der Truppe ist, verkörpert Jasna nahezu alles, was über die anderen bereits gesagt wurde: Findig, umtriebig, neugierig, spielfreudig, mutig, immer vorne mit dabei und mitten im Geschehen, sogar schön, soweit man ohne Marken gefallen kann (Ansichtssache), Co-Chef-Entdeckerin neben Jazz, frohsinnig und unbekümmert. Im Gesamtpaket ist Jasna ein großes Glück und eine wunderbare Aufgabe.

JudicaJudica: Die Menschenfreundin
Auch über Judica ist bereits alles gesagt, allerdings müsste man sich dann mit den Profilstudien über unsere Fianna auseinandersetzen. Judica hat alles, um die rechtmäßige Erbin ihrer Oma zu werden, fast wie geklont. Sie ist lebensfroh und tiefgründig, beherzt und charmant und besticht durch ihre offene Beherrschtheit. Sie ist ein Fixpunkt in ihrem Rudel, ohne der Dreh- und Angelpunkt zu sein. Sie gehört zu jenen ausdrucksstarken Geschöpfen, die nicht ständig präsent sein müssen, aber auffallen, wenn sie fehlen. Doch ihre hervorstechende Eigenschaft, und da gleicht sie ihrer Oma am meisten, ist ihr Menschenbezug. Wo wir sind, ist auch Judica. Es ist, als ob sie sich von Jani hätte anstecken lassen, das Buch Ruth zu verinnerlichen: Wo Du hingehest, da will auch ich hingehen. Und wo Du bleibst, da bleibe auch ich! Wenn wir einen Schatten um uns fühlen, ist es Judica. Wenn uns ein Welpe die Füße wärmt, ist es Judica. Wenn wir glauben, unversehens wieder eine Katze zu haben, kann es nur Judica sein. Sie sitzt und liegt und himmelt uns Menschen an. Biete ihr ein Königreich, dann bescheidet sie sich mit einem Arm. Fianna muss ihr erzählt haben, wie sie uns rumgekriegt hat…      

Mehr können wir nach vier Wochen noch nicht über unsere Kinder sagen, aber wenig ist es dennoch nicht. Die Chefin hat auch eine Meinung, und die lautet: Ich gebe keinen ab, die sind soooo süüüüß.