Die dritte Woche von Frau Fischers Fritzen

Die dritte Woche von Frau Fischers Fritzen - So

3. Woche (27.11. – 03.12.)

Sonntag, 27.11.2011, 1. Advent

Was für ein Tag! Blitzblau, glasklar, mittags um die 10 Grad, ja, ein richtiger Frühlingstag, von 1. Advent keine Spur. Den Glühweinverkäufern wird ziemlich warm werden, wenn sie heute ihre Umsätze zählen, das können sie vermutlich ihren Vorschulkindern überlassen.

Advent bedeutet ja bekanntlich Ankunft und demzufolge kommen auch bei uns ein paar Besucher vorbei. Wir stecken auch ein Lichtlein an, für sie und uns, und fragen uns, wie sich ein Advent mit Weihnachten und Silvester, das ganze Holder-Knabe-mit-lockigem-Haar-Prosit-Neujahr-Paket also, mit Welpen anfühlen wird. das ist absolutes Neuland für uns, selbst Franzi kann uns da nicht weiterhelfen, obwohl sie an Silvester gezeugt wurde, aber das gilt in dem Zusammenhang wohl nicht. Erste Einschnitte in die Festtagsrituale müssen schon zur Kenntnis, mit Bedauern kundgetan und verdaut werden: Das Fünf-Gänge-Menü mit Freunden, das traditionelle „Apfändsschlingen“, ist in diesem Jahr vom Programm genommen, sonst kommt noch aus Versehen ein Fiesling in die Röhre: gefüllte Fieslingsbrüstchen in Blätterteig beispielsweise; dafür wäre Franz dann wohl erste Wahl. Oder Fieslingspastete im Ingwermantel… Nein, dazu wollen wir es gar nicht erst kommen lassen, deshalb müssen wir in diesem Jahr auf dieses Ereignis verzichten. Weihnachten mit Welpen dürfte etwa so gewöhnungsbedürftig sein wie Weihnachten bei Planter’s Punch und 35° unter Palmen. Wer es erlebt hat, ist ganz verrückt danach; wir haben es mit allen Körperfasern genossen und aufgesaugt. Ob wir die Welpenweihnacht in ebenso sehnsüchtiger Erinnerung bewahren werden, wird sich weisen.

Erst einmal wollen wir aber sehen, wer denn überhaupt für eine kulinarische Verwendung geeignet wäre. Die Drei vom Nockerl-Klub wohl eher nicht. Franca hat sich zwar fast schon grob fahrlässig 80 Gramm angefressen und verharrt nun bei 890 Gramm, aber das ist weder für Pastete noch für eine Füllung genug. Frenzy mit 950 und Fine mit 920 machen das Kraut bestimmt auch nicht fett. Das wäre vielleicht ein Diätmenü! Die Well-Done-Klasse, die bestenfalls für die Vorspeisenkarte à la gebratene Täubchenhälften mit Akazienhonig auf Rohkostsalat taugt, beginnt bei Fanni mit 1020 Gramm (+30 und Geburtsgewicht verdoppelt), der Nächste in der Reihe mit 1030 (+30) ist Felix (der hat zu viel Action, als dass an den was dran wächst), ihm folgen Flori mit 1050 (+50), Ferdi mit 1060 (+40 und verdoppelt), Fianna mit 1070 (+60) und Fetzer jr. mit 1080 (+50). Und auch er ist noch mindestens drei Armlängen von der Premier League weg, dort ist seit heute Franz nicht mehr allein, sondern hat plötzlich einen brandgefährlichen Konkurrenten bekommen: Fado, der mit 110 Gramm Plus allen anderen die Butter vom Brot gefressen hat und damit nicht nur mit 1150 Gramm den zweiten Platz belegt, sondern auch sein nicht gerade zartes Geburtsgewicht von 560 Gramm verdoppelt hat. Kandidat für einen Rollbraten! Nur Franz hat noch schlechtere Karten, wenn es ums Überleben an Weihnachten geht: gestopfter Franz mit Knödel und Rotkraut, warum nicht? - von 1190 Gramm können schon ein paar schwache Esser satt werden.

Bevor die Fritzen frisch in den Topf kommen, müssen sie aber noch einen etwas peinlichen Beitrag für die Wissenschaft leisten, ihr wisst schon, die Sache mit der Verwurmung der Welpen. Bisher mussten wir nur zweimal Franzis Hinterlassenschaften einschicken, beide Male Wurm-negativ, jetzt müssen die Fritzen ihren Arsch selbst hinhalten – ´tschuldigung -, aber es geht eben nicht anders, weil die Verdauungsrückstände noch vielfach von Muttern entsorgt werden und das kleine Stinkwürstlein, das seinen Duft aus der Kiste verströmt, nur selten bei der Produktion ertappt wird und deshalb nicht zugeordnet werden kann. Deswegen müssen die Fritzen und

Felix dient der Wissenschaft
Felix rektal
politisch korrekten Fritzinnen ihren Allerwertesten hinhalten. Auf den Chefinnenschoß gehievt, auf den Rücken gelegt, Mordiogeschrei mit Vergeltungsandrohung , dann ein angefeuchtetes Wattestäbchen in den zarten Fieslingsshintern geschoben - man macht sich keine Vorstellung, wie eisenhart dieser verschlossen werden kann bei gleichzeitiger scheunenweiter Öffnung der am anderen Welpenende angebrachten Öffnung. Nein, nein, das tut nicht weh, es ist nur unangenehm, so unangenehm wie ein Zäpfchen, das in den Hintern soll und einfach nicht den Weg hinein finden will, weil der ganze Körper Alarm schlägt: dieses Ende ist per Definition ein Ausgang und kein Eingang – Schotten dicht! Wer schon mal einem Kind ein Zäpfchen zu applizieren versuchte, kann sich ungefähr vorstellen, was hier abgeht. Unser Vorteil: die Zäpfchen schmelzen unter den Bemühungen dahin, das Wattestäbchen nicht - Nachteil für die Fieslinge. Am Ende müssen alle ein bisschen Darminhalt spenden und haben schon Sekunden später die ganze Aufregung vergessen; wackel, wackel, schnatter und erzähl…
In Zukunft wird die Chefetage des Blues in der Pflicht sein, wenn dieses sehr bodenständige Ritual durch ein eher bodenliegendes ersetzt wird und die Kleinen bei ihren Klogängen verfolgt und ihre „Liegenschaften“ aufgesammelt und verplombt werden müssen – errötend folgt er ihren Spuren. Der Chef sieht sich schon wie Sherlock Holmes, hexenbucklig gebeugt, mit Glas vor dem geröteten Auge durch den Garten streichen, dass ihm kein noch so heimlich abgesetztes Würstlein entgehe. Bonus-Gag, wenn dieses Würstlein sekundengeschwind im kniehohen Schnee versinkt und sich an der Eissohle mit sieben anderen abgetauchten Würstlein verbrüdert und dem Herrn mit dem Glas vor dem roten Auge die Zunge zeigen: Ätsch und Bäh. So kann die ganze Wissenschaft zusammenbrechen, wenn ein ermüdeter Mitarbeiter das falsche Objekt dem ebenso falschen Subjekt zuordnet. Bei einer Doktorarbeit auf solcher Datenbasis wäre es dann auch schon wurscht, ob korrekt zitiert wird oder nicht. Sie stinkt so oder so zum Himmel. Noch dienen wir aber der Wissenschaft aufopferungsvoll und auf höchstem Niveau (obwohl der Text dies kaum vermuten lässt).

 

 

Dritte Woche von Frau Fischers Fritzen - Mo

Montag, 28.11.2011

Der Unterschied zwischen einer Eule und einer Lerche liegt im Zeitpunkt, zu dem sie das Leben herausfordert, das ist Allgemeingut. Kann also eine Lerche ein Boxer sein, wenn die meisten Boxkämpfe zu Zeiten stattfinden, da längst keine Lerche mehr zwitschert? Vielleicht eine umgepolte Lerche, so wie ein umgepolter Linkshänder. Aber wird ein umgepolter Linkshänder ein feinmotorischer Rechtshänder und eine umgepolte Lerche Weltmeister in der Eulendisziplin Boxen? Eine Eule könnte sich auch niemals morgens das Leben nehmen, weil sie glatt den richtigen Augenblick verschlafen würde. Oder können Eulen so verzweifelt sein, dass sie sich sogar morgens das Leben nehmen würden? Falls jemand noch nach einem wuchtigen Thema für seine Doktorarbeit sucht, könnte er hier fündig werden.

In der Chefetage des Blues lebt eine Lerche und eine Eule, deren jeweiliges Verhalten dem anderen als verhaltensauffällig gilt, sachzwanghaftes Verhalten einmal ausgenommen. Von Sachzwängen gesteuert ist, dass morgens die Fieslinge gewogen werden müssen, die Kiste gemistet und all die Dinge, über die ein normaler Mensch, gleichviel ob Eule oder Lerche, weder morgens noch abends nachdenken würde. Deswegen findet sich auch die Eule des Blues morgens zur Lerchentätigkeit ein, wenn auch etwas zeitversetzt, weil die normative Kraft des Faktischen keine Rücksicht auf die inneren Befindlichkeiten der handelnden Individuen nimmt. Völlig undenkbar für die Eule ist allerdings, was heute Morgen passiert: nach den morgendlichen Routinetätigkeiten öffnet die Lerche den Fritzen die Schnullerkiste, macht hoch die Tür, die Tor macht weit, und entlässt sie symbolisch in die Freiheit. Ausgang, Freigang – und das morgens um 6:15 Uhr! Eine Eule ist morgens kaum in der Lage, das Brett zur großen Freiheit anzuheben, liefe sogar eher Gefahr, dieses Brett dem ersten Flüchtling guillotinemäßig ins Kreuz fallen zu lassen, die Lerche dagegen zwitschert und trällert und jubiliert mit den Flüchtlingen um die Wette und stört sich noch nicht einmal daran, dass dieser Glücksmoment für sie ein denkbar kurzer ist, weil sie schon Minuten später in die Arbeit verschwindet – und eine handlungsunfähige Eule mit frei laufenden Fieslingsfritzen allein zurück lässt. Warum macht die Lerche das, wenn sie nicht einmal eine angemessene Glücksstrecke dabei für sich verbuchen kann? Sind Lerchen Zwangshandelnde? Und Eulen demnach Zwangsbehandelte? Diese frühe Öffnung des Burgtors hat etwas Selbstzerstörerisches, denn je früher die Bande den süßen Schmelz der Freiheit schmeckt, desto schneller wird sie sich weigern, wieder in den Umschluss zurückzugehen, desto hartnäckiger wird sie ihre Freiheit einklagen. Das gilt vor allem abends – wenn die Lerche schläft und die Eule sich mit den krakeelenden Drachen der Nacht herumschlagen darf. 

Muss das jetzt sein, jetzt, um diese Zeit, fragt die Eule? Ja, jetzt ist der Moment, sagt die Lerche!

Erster Ausgang in der Küche am 28.11.2011Und schon ist es passiert. Der Junior und Fianna sind schon draußen, zwitschern und schnabeln wie die Lerchen und verderben es sich, ohne es zu ahnen, mit dem Chef. Schon folgen Felix und Ferdi, finden ihre Mutter unweit ihrer Schlafstatt und saugen sich an ihr fest. Dann gesellt sich noch Flori dazu. Nur Franca, Fanni und Fado finden des Herrn Gefallen, weil sie tun, was Eulen um diese Zeit tun: sie schlafen. Fanni wird dann doch abtrünnig, sieht ihren Herrn verzweifelt vor der Kiste knien, Kindergeschrei und –gejubel am Morgen!, wackelt zu ihm, stupst ihn mit der Nase und sagt: Hi, starker Daddy, mit dir zusammen geh ich auch nach draußen, Augenaufschlag, Augenniederschlag und der Big Daddy trägt seinen Sonnenschein wie alle Big Daddys auf der Welt zu den anderen und strahlt mit diesem um die Wette. Ja, sogar Eulen sind zu großen Morgentaten fähig, wenn der Antrieb ein weiblicher mit Augenaufschlag ist (vielleicht gibt es beim Boxen deshalb die knapp bekleideten Nummerngirls, um die boxenden Lerchen auf Trab zu halten?).

Jetzt kommt aber erst die eigentliche Herausforderung für die Fritzen, aus der Kiste stolpern und strawanzen gehen, kann jeder: was macht man da draußen, wenn man dort nicht mehr sein möchte, wenn es einem zu unheimlich wird und nirgendwo ein Wegweiser steht mit der Aufschrift „Zurück in die Kiste“? Man macht es wie Franz. Man orientiert sich an den Sternen (vulgo Halogenstrahler), nimmt Kurs auf, lässt sich durch kein Hindernis behindern, überquert ein Randpolster des Kuddebetts, durchquert das Kuddebett, überquert das zweite Randpolster, stürzt kopfüber in die Tiefe, schüttelt sich, nimmt Kurs auf und ist wieder zurück in Fortezza - Home Sweet Home – rollt sich ein und schläft eulenmäßig ein. Die anderen sind derweil der Verzweiflung nahe, kreischen und keckern und huschen herum wie die Falter um die nächtliche Laterne, ziellos, richtungslos, hoffnungslos. Sie werden zurückgebracht, sacken in sich zusammen und verstummen binnen Sekunden. Erschöpfungsschlaf!

Nach kaum einer halben Stunde ist die Verzweiflung und Erschöpfung weggeschlafen, neuer Mut in den Adern gewachsen und Ferdi eröffnet die zweite Runde. Er wackelt los, schraubt sich mit modelhaftem Hüftschwung vorwärts, pinkelt ins neue Zentrum seines Kosmos, also mitten in die Küche und lässt die anderen wissen, dass es jetzt Zeit sei, sich ihm anzuschließen. Und sie lassen sich nicht zweimal rufen. Bald sind sie alle unterwegs, alle, ohne Ausnahme, verrichten ihre Notdürftchen mit haarsträubenden Notdüftchen und trauen sich dann, entsprechend erleichtert, ins neue Land hinaus. Während der Pulk unter starkem Mitteilungsbedürfnis durch die Küche robbt, stolpert Felix in Richtung Wohnzimmer, überquert die geistige Datumsgrenze – und versteigt sich skrupellos in Anouks heiliges Winterkudde, das mit dem flauschigen Velourbezug. Anouk steht fassungs- und hilflos vor so viel Unverfrorenheit und legt sich raunend unter den Wohnzimmertisch. Es hört sich an, als ob sie mit dem gebotenen Unmut der Gouvernante „Flix“ gezischt hätte. Jedenfalls können wir uns nicht erinnern, dass irgendein Bluesbarde der Vergangenheit sich beim ersten Freigang so weit vorgewagt hätte.

Nun kommt wieder Mama Franzi ins Spiel, die die Gelegenheit nutzt und sich ins verlassene Fortezza zu legen, um zu sehen, welches ihrer Kinder den Braten zuerst riecht. Es ist Flori, dem Mamas Positionswechsel nicht verborgen bleibt und der sich, wie zuvor Franz, auf ebenso direktem Weg auf den Weg zu ihr macht, nur bedeutend

Flori vom Bairischen Blues am 28.11.2011
Flori, das Bewegungswunder
behänder, denn Flori ist das Bewegungswunder der ersten Stunde: wo alles robbt, gibt er den Ribéry. Der Floribéry saugt sich an der fettesten Zitze fest und lässt sie nicht mehr los. Dazu gibt es auch keinen dringenden Grund, denn die anderen sind dermaßen desorientiert, dass sie eher in der Wüstenei der Küche verdursten und verhungern würden, als dass sie den Weg zu Muttern fänden und ihm den Saugstutzen streitig machen könnten. Selbst der vorher so zielsichere Franz findet zwischen seinen irrlichternden Geschwistern keinen Ausgang. Am härtesten trifft es allerdings Felix, den Plüschgebetteten: er müsste verhungern, wenn wir ihm nicht einen Lift geben würden. So labt er sich bald zusammen mit seinen ebenfalls erlösten Geschwistern an Mutters Milchbar, währen Flori längst in satten Seelenfrieden sinkt.

Doch nicht nur die Mobilität der Fritzen entwickelt sich jetzt, auch mit dem neu gewonnen Freiraum, rasant, sondern auch ihr Entdeckungstrieb. Hier ein Stuhlbein, das angelutscht wird, dort ein Tischbein, das angepinkelt wird, ein Bärchen, das von Flori herumgedreht und gekugelt wird, um seinen Anfang und sein Ende zu erkunden. Alles steht innerhalb weniger Stunden auf dem Prüfstand; Wahnsinn, wie schnell das jetzt geht!

Zum Schluss noch ein Blick auf die Gewichtsverteilung. Der Premium-Franz hat es geschafft, sein sattes Geburtsgewicht von 630 Gramm am 16. Tag seiner Existenz zu verdoppeln: 1260 Gramm, Punktlandung. Hinter ihm ist weiterhin nichts als weites Land. Fado ist der nächste mit 1150 Gramm, und das, obwohl er heute einen Diättag mit Nullkommanull eingelegt hat. Ihm folgen Fetzer jr. mit 1110 Gramm und nur einen Schritt dahinter Flori und Ferdi mit 1100 Gramm. Fanni steht mit 1000 Gramm wie eine Brunhilde im Ring, 1090 stehen für Felix (verdoppelt) zu Buche und 1080 für Fianna, die sich langsam in die eher weiblichen Regionen der Gewichtstabelle begibt, obwohl sie von den drei Schaumküsschen des F-Wurfs natürlich noch immer respektvollen Abstand hält: Fine (verdoppelt) und Frenzy 970, am Ende Franca 940. Das alles beruht aber auf gerade mal 360 Gramm Zuwachs. Wir werden bald zufüttern müssen; der Bedarf der Fritzen übersteigt allmählich die Produktionskapazität ihrer Mama.

Dritte Woche von Frau Fischers Fritzen - Di

Dienstag, 29.11.2011

Bevor wir in die Tagesbetrachtungen einsteigen, sollten wir, kurz innehalten und ein paar Gedanken auf Frau Fischer und ihre frischen Fritzen verwenden. Knapp zweieinhalb Wochen haben sie jetzt auf dem zarten Buckel, zwei Wochen davon ein Leben als Saugwelpen, in dem noch keine hervorstechenden und präzisen Erkenntnisse über die Nachwuchshoffnungen in der Fischerkiste zu erwarten sind. Nun aber dürfen wir uns langsam dran machen, erste Auf- und Augenfälligkeiten, neudeutsch würde man vielleicht Alleinstellungsmerkmale sagen, ausfindig zu machen, die kleinen Unterschiede im Verhalten, die heute die ganze Wahrheit sind und morgen schon Schnee von gestern sein können.

Frau Fischer, also Franca, um mit ihr zu beginnen, ist der Leichtmatrose des Elferrats. Ihre Ambitionen auf Leadership hat sie an ihrer Anlegestelle im Uterus zurückgelassen; momentan erhebt sie wenig Anspruch, als Fähnleinführerin in die Geschichte des Blues einzugehen. Sie ist aber kein Sonderling, sondern mit von der Partie wenn es um den Zugriff zu den Zapfstellen geht, hat aber gelegentlich wegen ihrer geringen Masse das Nachsehen. Wenn sie den Zugriff geschafft hat, verteidigt sie ihn eisern, solange ihre Kräfte den Rempeleien statthalten können. Da das lauwarme Büffet an Mutters Milchbar bei zehn Zitzen und elf Durstigen sowieso immer eine Reise nach Jerusalem ist, organisieren wir für sie immer mal wieder eine Armenspeisung, um sie in Ruhe trinken zu lassen. Schwächlich ist sie jedenfalls nicht und auf den Beinen gehört sie zu den Stabilsten. Sie ist auch nicht furchtsamer als die anderen; plötzlich ist sie irgendwohin geraten, wohin zu gelangen sicher nicht ihre Absicht war, aber sie bleibt nicht vor dem Basislager hängen, sondern schaut sich um, macht sich ein Bild, sie macht das unspektakulär und ohne großen Aufhebens. Erst wenn ihr die Einsamkeit zu groß wird, geht der Alarm los, doch meist nicht mit der Intensität anderer in ihrem Rudel. Noch wissen wir nicht, ob Franca nur bescheiden ist oder nur ein stilles Wasser, das in der Tiefe genug Feuer birgt, um es zum Kochen zu bringen.

Frenzy vom Bairischen Blues am 29.11.2011
Frenzy
Frenzy, die Kleine mit der frostigen Gletscherspalte auf der Brust, war anfangs ein Nichts und wäre ohne ihre Erkennungsmarke kaum aufgefallen. Jetzt aber gewinnt sie täglich an Statur, macht einen ausgesprochen pfiffigen Eindruck, wächst an den Aufgaben und wird immer präsenter. Aber auch ihr müssen wir gelegentlich eine Sonderration zuschustern, weil sie zwar herzhaft um ihren Platz am Familientisch kämpft, aber massebedingt häufig das Nachsehen hat. Wir prophezeien ihr einiges an Potential, da ist noch einiges versteckt und wartet auf Entdeckung.

Flori ist nicht nur das Bewegungswunder der Truppe, sondern ein ausgesprochen munteres Kerlchen. Flori wuselt herum, Flori ist zugegen, Flori ist lustig und Flori ist ein Sonnenschein. Flori ist aber auch ein sehr beherzter Alleingänger, einer, der sich auch ohne Begleitschutz zurecht findet. Mehr braucht man im Moment über ihn nicht zu sagen. Wir sind aber sicher, dass wir über ihn noch viel berichten werden.

Fetzer jr. ist ein stabiles Element in Frau Fischers Fischerkiste, stabil im Auftreten, stabil im Durchsetzungsvermögen, stabil im Stimmvermögen, ohne lauthals zu sein. Er ist noch nicht der Geschickteste auf den Beinen, gleicht das aber durch Beharrlichkeit aus. In manchen Situationen zeigt er Ansätze einer Hovawart-typischen Eigenständigkeit; wenn er nicht auf den Arm will, will er nicht und tut das kund. Wenn er will, sorgt er schon jetzt dafür, dass dieser Wunsch nicht übersehen wird. Der Junior hat noch einiges auf der Pfanne.

Franz und Fine vom Bairischen Bluea am 29.11.2011
Franz und Fine
Ach, Fine, Finchen, Zuckerpuppe. Fine ist das zufriedenste Kind, das man sich vorstellen kann, mit sich und der Welt anscheinend jederzeit im Reinen. Wenn die Welt um sie herum zusammenstürzt, liegt sie auf dem Rücken und kaut auf ihren Beinen herum. Wenn um sie herum der Bär steppt, sitzt sie und grüßt die Welt mit einem langen sehnsuchtsvollen Blick. Fine ist auch ein richtig hübsches Kind, das anscheinend um seine Wirkung weiß, ein rechtes Mädchen eben, das Papa skrupellos um den Finger wickelt. Unsere Erfahrungen mit solchen Ballettmäuschen geben zur Vorsicht Anlass! Was da mitunter in den beiden letzten Wochen beim Blues aus dem Cocon schlüpfte, hatte mit Zuckerwatte und Schaumküsschen nichts mehr zu tun. Da sind wir wirklich gespannt. Jetzt ist sie jedenfalls noch unser Kuschelfinchen.

Fianna vom Bairischen Blues am 29.11.2011
Fianna
Fianna ist die Inkarnation der schwarzen Seele des Blues. Sie ist mittig, gegenwärtig, mit großem Vortrieb versehen, unmissverständlich, Schwerkraft in der Fritzenkiste. Man hört sie selten und sieht sie immer. Fianna ist die eigentliche Frau Fischer. Da wächst etwas heran.

Franz, der Dicke, ist bereits jetzt hinlänglich bekannt, Liebling der Massen und Massezentrum der Fieslinge. Franz ist fix und meistens früher fertig als die anderen, Franz ist forsch und immer fröhlich. Bisher macht er keinen Gebrauch von seien körperlichen Möglichkeiten, noch wäre seine berufliche Ausrichtung die eines Therapiehundes. Noch… Fortsetzung folgt.

Fado ist die Gelassenheit in Person. Fado macht keine Wellen, er ist einfach da. Er ist auch eher ein Stiller im Lande, lässt es aber an Präsenz nicht fehlen. Es ist diese für einen Welpen so ungewöhnliche Ruhe, die ihn heraushebt. Er ist eine Wanderer zwischen den Welten, der wenig Schlaf braucht (wie Felix, dazu aber gleich mehr), viel auf eigene Faust unternimmt, alleine sich in der Welt umtut, als stiller Undercover-Agent ein heißer Tipp. Wenn für jemand der Satz „In der Ruhe liegt die Kraft“ zutrifft, dann für diesen schwarzen Fado.

Fanni und Fetzer jr. vom Bairischen Blues am 29.11.2011
Fanni und Fetzer jr.
Fanni ist kräftig und kraftvoll, bringt aber ihre Kraft noch am wenigsten auf den Boden: sie ist die mittelmäßigste Fußgängerin, die man sich vorstellen kann. Aber, wer Kinder hat, weiß, dass zur Panik kein Anlass ist. Fanni macht sich bemerkbar, setzt sich durch und weiß sich zu helfen – und sei es durch kraftvolles Klagen. Fanni spricht gerne mit allen, für alle und, wenn es angebracht ist, gegen alles. Fanni ist eine laute und vorlaute Göre.

Felix, oder auch Flix, wie Anouk ihn getauft hat, ist die Hardcore-Herausforderung schlechthin, ein umtriebiger, niemals ruhender Treibauf, ein Rotzlöffel und Meistergrantler. Er ist immer und überall, rastlos und allgegenwärtig wie der Schubeck Alfons, zünftig und hinterkünftig, die fleischgewordene Rocky-Horror-Picture-Show, Sternzeichen Wolpertinger. Dabei ist er doch so lieblich blond! Wenn andere ruhen, ist Felix ausgeruht, wenn andere ausgeruht sind, geruht er, sie vor sich her zu treiben. Wenn dieser Felix so weitermacht, hat er bei Abgabe vermutlich bereits die Hälfte seiner Lebensenergiebilanz aufgebraucht. Nur gut, dass wir uns bei ihm wegen der starken Hand, die er braucht, keine Sorgen machen müssen. Ihm werden schon noch, wie wir in Bayern sagen, die „Wadln viere g’richt“, zu Deutsch: die Waden in die richtige Richtung gedreht.

Ferdi, die wandernde Knutschkugel, der Menschenfreund. In fast allen Würfen hatten wir einen von dieser Sorte, so einer, der dich verfolgt auf Schritt und Tritt, einer der wie beim Hasen und Igel immer schon da ist, wenn man selbst noch nicht weiß, wo man demnächst sein wird. So einer, der auf seinem Pummelpo hockt und nach oben himmelt und strahlt, der Menschen als die besseren Hunde betrachtet. Ferdi ist zwangsläufig gut zu Fuß, denn sonst würde er in seiner Lieblingsdisziplin Menschenverfolgung scheitern, nein er ist nicht nur gut zu Fuß, er ist der Nurmi unter den Fritzen, so flink und flitz, das er sich bereits zu einem so frühen Zeitpunkt einen ehrenvollen Kampfnamen, einen echten Ehrentitel erarbeitet hat: Porsche-Ferdi.

All diese beindruckenden Vorzüge und Leistungen unserer Fieslinge können sie nicht davor schützen, von uns auch heute mit einer weiteren Zumutung unsererseits konfrontiert zu werden. Ja, liebe Freunde, so geht das acht Wochen lang, ihr bekommt keine Ruhe vor uns: ihr vergreift euch an uns und wir vergreifen uns an euch. So ist das Leben. Heute steht die erste Entwurmung auf dem Terminplan, und zwar erste Entwurmung erster Teil. Weil wir in diesem Alter mit Flubenol entwurmen, müssen sie morgen die gleiche Zumutung nochmal über sich

Felix wird entwurmt am 29.11.2011
Felix, Nachwuchshoffnung bei ATTAC
ergehen lassen, was übrigens auch Mama Franzi und Tante Anouk widerfahren muss, weil es keinen Sinn macht, nur die Welpen zu entwurmen und die Alten nicht (obwohl wir zumindest bei Franzi, dank der Wissenschaft, wissen, dass sie wurmfrei ist). Wir können uns kurz fassen: die Fritzen mitsamt ihrer Frau Fischerin zeigen wenig Gegenwehr und schlucken die Pampe zwar angewidert, aber ohne große Gegenwehr. Nur Felix, die leibhaftige Antithese, meint, seinen Protest mit größter Vehemenz manifestieren zu müssen. Das war sein Schicksal! Denn wer sein Maul so weit aufreißt, dass eine halbe Lammkeule darin Platz fände, macht den Weg frei. Und eh er sich versieht und verprotestiert, hat er bereits die ganze Antiwurmkampagne bis hinunter zur Rachenmandel appliziert bekommen. Mmpf. Und weg ist der gesunde Brei und Felix ist fürderhin sprachlos.

Die Essentialitäten von der Kalorienfront fassen wir heute wie folgt zusammen: Franz ist vornweg mit 1280 Gramm, aber ordentlich bedrängt von Fado, der ihm bis auf 50 Gramm auf den strammen Leib gerückt ist. Frenzy (1050), Fetzer jr. (1140) und Fianna (1150) haben ihr Gewicht verdoppelt, jetzt fehlt nur noch das Schlusslicht Franca, die allerdings mit 950 Gramm nicht mehr allzu weit hinter Fine (989) zurück hängt. Der Rest soll heute keine weitern Erwähnung wert sein.

Die dritte Woche von Frau Fischers Fritzen - Mi

 

Mittwoch, 30.11.2011

Bleiben wir doch gleich bei der Futterverwertung. Franca legt keinen Wert auf weitere Erwähnung und bleibt bei 950 Gramm stehen; auch eine Taktik, den Schlagzeilen zu entgehen. An der Spitze des Feldes setzt sich Franz (1350) mit einem Plus von 30 Gramm gegenüber gestern von Fado wieder etwas ab; das ist anscheinend seine Art der Zermürbungstaktik, Auflaufen lassen und dann wieder abhängen. Erwähnenswert ist, dass jetzt auch das Kuschelfinchen den Sprung über die Kilogrenze geschafft hat (1020). Der Gewinner des Tages ist aber Frenzy, die schön langsam richtig satt in die Gänge kommt; sie legt 70 Gramm zu, bringt somit 1120 Gramm auf die Waage und rangiert damit vor Fanni (1100) und nur knapp hinter Felix (1130), eine sehr beeindruckende Leistung. Die nächsten angreifbaren Ziele wären Ferdi (1140) sowie Fianna und Flori, beide 1150. Da ist was drin, die sind zu knacken; go, Frenzy, go!

Am dritten Tag des Freigangs, bewegen sich alle Fieslinge wie selbstverständlich in der Küche, die einen eleganter, die anderen eher chaplinesk. Aber schrecken tut sie nichts mehr! Fast stündlich scheint ihr Forscherdrang zu wachsen, sie voran zu treiben, sie zu motivieren und zu neuen Ufern zu locken. Die ersten wissen sogar schon, was ein Bein mit einer Hose ist und dass man sich daran fabelhaft anhängen kann. Es ist hoffnungslos zu hoffen, dass man einmal im Züchterleben ohne diese Anhängsel durchs Leben schreiten könnte. Und wenn erst einmal Zähne wachsen…
Aber dieses Anhängen ist eben auch ein Zeichen der Anhänglichkeit, ein Zeichen, dass sie unsere Nähe suchen und nicht wieder verlieren wollen; sie suchen uns und sie brauchen uns als Stütze im ach so gefährlichen Leben außerhalb der Fluchtburg. Diese Fluchtburg, ihr Kreißsaal und ihr Kinderzimmer bleibt aber immer noch die letzte Zufluchtsstätte, die man immer noch gerne annimmt und in die man sich zurückzieht, wenn es genug der Abenteuer ist.

Auch das Stimmvolumen ist mit den Körpern gewachsen, es stellt inzwischen einen eindrucksvollen Klangkörper dar, der die Chefetage des Blues an die schlimmsten Zeiten von Anouks stimmgewaltigen Würfen erinnert. Franzis Würfe waren bisher moderater in ihrer Stimmgewalt, keine Leisetreter, gewiss nicht, auch nicht wohltemperiert, aber von solidem, erdigem Klang, der die Sinne selten über die Maße reizte. Diese hier scheinen mit sehr tragenden Resonanzböden ausgestattet zu sein, so wagnerianisch aufbrausend, dass bereits jetzt die Luft vibriert. Fanni ist die Vorsängerin, Felix der Einpeitscher, Franz der Jedermann mit der Sprung auf der Platte und die anderen geben den grausen Chor der Erinnyen. Wie mag das noch werden?

Felix wird entwurmt am 30.11.2011
Und Felix grüßt das Murmeltier ...
Wir haben gestern gelernt, dass Wurmpaste die Mäuler stopft, also schreiten wir zur zweiten Auflage der ersten Anwendung. Wenn der Umtrieb am stärksten und die Unterhaltung am lautesten ist, kommt die Ernüchterung via Spritze. Auf die Klappe, weg damit und Ruhe jetzt. Und siehe da: manch einer knurrt noch seinen Einspruch und dann ist Ruhe. Könnte man nicht jeden Tag entwurmen?... Wie erfolgreich diese Wurmkampagne ist, werden wir sehen, weil Franzi heute bei ihrem Spaziergang eine tote Maus verspeist, ein geradezu genialer Wurmträger. Da werden wir ja sehen, was die nächste wissenschaftliche Auswertung ergibt.

Weil auch ein kleiner Welpenmagen auf die Dauer nicht von Wurmpaste satt wird und die Mutter heute nur 380 und gestern 410 Gramm Auflastung beisteuern konnte, entschließen wir uns jetzt, extern zu füttern. Dies ist immer ein großes Ereignis, weil es eine weitere Abnabelung von der Mutter bedeutet und die motorischen Fähigkeiten der Kleinen aufzeigt. Es ist kein Geringes, erstmals in seinem Leben Nahrung nicht aus einem Schnuller zu saugen, sondern die Nase in eine Flüssigkeit zu tauchen und zu wissen, dass man jetzt seine Zunge zum Einsatz bringen muss, und zwar anders als bisher, da die Zunge um die Zitze gelegt werden musste, um eine Art Vakuum herzustellen, damit die Milch abgesaugt werden kann. Jetzt muss die Zunge löffeln, und zwar so, dass das Gelöffelte auch seinen Weg ins Maul findet.

Felix ist der erste Testkandidat – und das ist ein Fehler! Felix steht auf vier erschütterungsfreien Beinen, senkt seine Nase in die lauwarme Welpenmilch und löffelt und löffelt und löffelt, als ob er nie in seinem kurzen Leben etwas anderes gemacht hätte. Wir schwören: nicht ein einziger seiner Vorgänger und politisch korrekten Vorgängerinnen hat auch nur einen annähernd makellosen Auftritt hingelegt. Felix schlabbert bis er nicht mehr papp sagen kann und trottet davon. So einer darf ein Maulheld und eine Nervensäge sein. So einer ist hochbegabt! Und die Hochbegabten fallen ja bekanntlich nicht nur durch ihre außergewöhnlichen Leistungen auf, sondern auch durch ihre außergewöhnliche soziale Auffälligkeit, Stinkstiefel sind diese Genies gerne. Aber wenn man weiß, dass die Stinkstiefeligkeit von einer gewissen Unterforderung herrührt, kann man dem abhelfen. Felix, du kommst ab sofort ins Sonderprogramm.

Franz vom Bairischen Blues bei seiner ertsen Milchmalzeit
Franz mit seiner Millsuppn (Milchsuppe)
Franz allerdings fällt nicht weit hinter Felix zurück; auch er besteht die Prüfung mit Bravour, was belegt, dass nicht jeder Hochbegabte eine Nervensäge sein muss (vielleicht aber auf gutem Wege dorthin ist!). Vielleicht ist Franz gar nicht hochbegabt, sondern hat nur eine Sonderbegabung für alles, was mit Futteraufnahme zu tun hat.

Nach ganz kurzen Anlaufschwierigkeiten zeigen sich auch Fado, Frenzy, Ferdi und Flori von ihrer besten Seite. Alle beeindrucken durch die schnelle Umsetzung der gestellten Aufgabe. Der Junior, Fanni und Fine erkennen den Sinn der Aufgabe nicht sofort, kommen dann aber mit der Herausforderung, begleitet von einigen humoristischen Einlagen, gut zurecht.

Franzi reinigt Fianna von deren Milchresten
Da fällt sogar für Mama noch was ab
Fianna schießt allerdings den Vogel ab: sie weiß zwar schnell, was von ihr erwartet wird, findet aber den motorischen Zugang zur Aufgeb nicht. Sie sieht binnen Sekunden aus wie Kleopatra nach dem Bade, ist am ganzen Körper mit Milch bedeckt, was ihre Mama zu schätzen weiß, indem sie ihre schwarze Tochter mit großem Eifer von den Speiseresten reinigt.
Franca bei ihrer ersten Milchmahlzeit am 30.11.2011
Franca
Nur Franca sieht keinen Sinn in dieser Art der Nahrungsaufnahme und stellt sich ziemlich dusslig an. Aber auch das lässt uns ziemlich gelassen, weil wir noch keinen Welpen erlebt haben, der nicht verstanden hat, wie das mit dem Essen außer Haus geht. Wir sind zufrieden: die Fieslinge sind nicht nur gut, sondern saugut, manche säuisch gut und ein paar sind einfach nur normal. Und wenn man ein Jahrhunderttalent als Ersten starten lässt, muss man sich nicht wundern, wenn die Folgenden aussehen wie aus einem Förderprogramm Entlaufene. Franzi, deine Fieslinge werden Rieslinge!

 

Die dritte Woche von Frau Fischers Fritzen - Do

Donnerstag, 01.12.2011

Der Dezember beginnt mit dickem Nebel und einer Sonne, die eisig fahl wie ein Bühnenscheinwerfer durch den Kunstnebel gleißt. Und die Kühe sind immer noch draußen! Noch nie gab es hier am 1. Dezember Kühe auf den Weiden. Dieser Herbst eine einzige lange Wellness-Kur: Sonne ohne Ende, kalte Nächte, warme Tage, die Hunde strahlen um die Wette – was geht es uns gut!

Der gestrige Restaurantbesuch unserer Fieslinge hatte noch nicht den gewünschten Erfolg: 500 Gramm hätte Franzi mit einiger Mühe vielleicht auch noch hingebracht. Oder auch nicht mehr, wer weiß? Richtig verfangen hat die Zuspeisung eigentlich nur bei Ferdi mit 120 Gramm (1220) und Felix mit 80 Gramm (1210). Die restlichen 300 Gramm verteilen sich auf die verbleibenden Neun; spektakulär sieht anders aus. Aber immerhin hat es sich sogar für die spitzlippige Franca (980) ein wenig gelohnt: 30 Gramm sind für ihre Verhältnisse bemerkenswert. Wir sollten uns also heute nicht weiter mit diesem Diätprotokoll aufhalten, sondern uns bedeutenderen Dinge zuwenden.

Da wäre beispielsweise Flori, dem wir schon attestiert hatten, dass er mit den Herausforderungen des Lebens gut umgehen kann und der ausgesprochen gut zu Fuß ist. In dieser Hinsicht ist er seinen Mitbewohnern weit voraus. Das stellt er immer wieder unter Beweis, vor allem, wenn alle schlafen und er seine Ausflüge macht, dann streift er herum, keckert und meckert, peilt zielsicher in die genau diagonal zur Schlafstatt liegenden Küchenecke, presst sich ein Würstlein aus seinem hinteren Ende, begutachtet es, verteilt es säuberlich mit den Beinen und macht sich wieder auf den Weg zurück. Sehr beeindruckend, wirklich, vor allem der künstlerische Aspekt der Fliesenmalerei.

Man hätte Flori heute mit dieser Nummer eigentlich zum Man of the Day ausrufen können, wenn, ja, wenn da nicht seine einzigartige Schwester Fianna wäre, die ihm am heutigen Tag die Schau stiehlt. Kommt der Chef ins Erdgeschoß geschwebt, hört er ein einhelliges Schmatzen aus jener Küchenecke, in der die Schnullerbox steht, aha, denkt er sich, die Mannschaft ist zum Umtrunk geladen. Doch dann entdeckt er in genau jener Ecke, die vor wenigen Minuten Zeuge von Floris Eigenmächtigkeiten geworden war, einen mobilen schwarzen Fleck – es ist Fianna. Was soll da Besonderes sein? Die Speisekiste ist mit der 30-cm-Barriere verrammelt – und die hat Fianna überwunden - das ist es! Jetzt geht nämlich diese Türmerei los, und am Ende der dritten Woche ist uns das noch ein bisschen frühreif; schließlich sollte man die Dinge immer auch vom Ende her denken. Das zeichnet dann ein ziemlich düsteres Bild.

Fetzer jr. am 01.12.2011
Der Junior
Heute gibt es zwei Mahlzeiten außer Haus und der gestrige Eindruck bestätigt sich, und kleine Korrekturen geben Anlass zur Freude. Felix beweist, dass er gestern nicht nur einen schöpferischen Tag hatte, sondern vermutlich tatsächlich hochbegabt ist. Heute muss man ihm noch nicht einmal mehr zeigen, was das da ist und wo es steht, er stapft zum Schälchen und leert es bis zur Neige. Alle anderen bestätigen mit den lernbedingten Verbesserungen ebenfalls ihre Leistungen des Vortags und auch Franca freundet sich mit der seltsamen Art der Nahrungsaufnahme an, wie wir sowieso den Eindruck gewinnen, dass sie zügig hinterher kommt, dass sie zulegt, nicht nur körperlich, sondern sich immer mehr dem allgemeinen Niveau annähert. Frau Fischer ist eben mehr die Führungskraft für die inneren Angelegenheiten gewesen, für die externen Herausforderungen braucht sie etwas länger; konkret heißt das, dass Franca gegenüber den meisten etwa zwei bis drei Tage zurück ist. Spätentwickler sind nicht dümmer, nur langsamer.

Über Floris selbstverständliche Selbständigkeit haben wir schon berichtet; dem gegenüber steht Ferdi, nicht weil er unselbständig wäre, nein, er ist nur unendlich unglücklich, wenn er selbständig und alleine sein muss: er braucht die Menschen zum Glück. Er hat seinen Zug zu Menschen noch intensiviert und sitzt uns nun buchstäblich auf den Füßen herum, nuckelt am Hosenbein und schnuckelt an nackten Knöcheln und ist mit der Welt zufrieden, solange er uns besetzen kann. So ein süßer Knopf! Wenn man ihn mit Flix vergleicht, kommt man immer wieder ins Staunen, wie unterschiedlich Kinder von denselben Eltern sein können; aber das ist ja nichts Neues. Manchmal sind sie sogar so unterschiedlich, dass man die Elternschaft zurecht anzweifeln muss. Im vorliegenden Falle können wir für diese jedoch mit jedem Eid der Welt verbürgen.

Der erwähnte Felix ist ein buchstäblich explosives Kerlchen, nein, das ist kein Witz! Die Versuchsanordnung ist wie folgt. Man nehme einen Felix, der irgendwo in der Küche seinem fragwürdigen Tagwerk nachgeht. Man nähere sich ihm, greife ihm mit beiden Händen um den Leib, um ihn anzuheben. In diesem Moment entfährt diesem Felix ein explosives ÄH, spitz, scharf und von rattenscharfer Kürze, dabei fährt er zusammen und vibriert, als ob soeben 1000 Volt durch seinen Körper geströmt wären. Bei diesem Felix scheinen die Nerven buchstäblich frei zu liegen. Welch eine Aufgabe, das Potential dieses Explosivpakets an der richtigen Stelle nutzbar zu machen. Wow!

Im übrigen ist auch der inniglich geliebte und betuliche Franz auf gutem Weg, es seinem blonden Bruder gleich zu tun. Er ist nicht so explosiv und hochtourig wie dieser, aber er nörgelt mindestens genauso viel und ist immer auf Lautsprecher eingestellt.

Da taucht doch ein Reim aus den Kindertagen aus deren Tiefen herauf, materialisiert sich und scheint wie für diese beiden verfasst zu sein: Ach, was muss man oft von bösen / Kindern hören oder lesen! / Wie zum Beispiel hier von diesen, / welche Franz und Felix hießen… Mene tekel u-parsin …

Dagegen ist eine Begegnung mit Fianna wie eine Frischzellenkur: selbstbewusst, selbstverständlich, grade heraus und eine in sich ruhende, aber nach außen wirkende kleine Persönlichkeit. Explodiert ist sie bisher noch nicht, wenn ihr auch manchmal zum Kotzen ist, wenn sie hochgenommen wird und dies nicht in ihren Plan passt. Ein lautloser Knaller, diese schwarze Queen.

Dritte Woche von Frau Fischers Fritzen - Fr

Freitag, 02.12.2011

Heute Nacht schliefen die Fritzlinge erstmals bei offener Kiste, hatten also die Wahl zwischen drinnen und draußen. Die meisten hatten sich für drinnen entschieden, zumindest war das der Stand beim morgendlichen Appell. Wie stark die nächtlichen Wanderungsströme waren, können wir naturgemäß nicht protokollieren, jedenfalls schlummern bei Tagesanbruch acht Fieslinge in der Kiste und drei im Kudde.

Die nächtliche Situation beim Blues bedarf allerdings noch einer bescheidenen Erwähnung. Seit Anfang der Woche ist die Chefin wieder ins gemeinsame Lager gezogen, Anouk und Franzi sind ihr gewohnheitsgemäß gefolgt. Da aber Franzi mindestens einmal nachts die Notwendigkeit verspürt, ihren Kindern einen Milchshake zu offerieren, muss die Schlafzimmertür geöffnet bleiben. Dies hat zur Folge, dass zwei Menschen, zwei Hunde und bis zu drei Katzen sich das Gemach und gelegentlich auch das Bett teilen; Anouk knarzt, Franzi hechelt, Jamie keckert, Lorenzo summt und brummt an der 20-Hertz-Marke entlang und der rote Bandit schläft lautlos wie ein tonnenschwerer Findling zwischen den Kopfkissen. Da mag manchem der Zeigfinger unwillkürlich an die Schläfe zucken, richtig und völlig korrekt, anders ist dieses Feldlager auch kaum zu kommentieren, aber richtig abgründig wird diese Lagerhaltung erst, wenn man weiß, dass das alles völlig unnötig ist. Erinnern wir uns: die Tür bleibt offen, weil Franzi zu ihren Kindern muss. Blöd nur, dass Franzi nie zu ihren Kindern geht, ohne vorher Frauchen zu wecken und sie zur Begleitung aufzufordern. Man könnte die Tür also getrost geschlossen und zumindest die Katzen draußen halten, Franzi und, wahrscheinlich unvermeidbar auch Anouk mit einschließen, und die Sache gliche wenigstens in Ansätzen einem mitteleuropäischen Schlafstandard. So aber wird die ganze Meute wach, wenn Franzi um Frauchen herumtanzt, fiemt und kniest, bis die beiden ins Basislager trippeln und ihre genetisch vorbestimmten Verrichtungen absolvieren: Franzi säugt und Frauchen sitzt daneben und döst, bis alle zufrieden sind, Bandit die Gelegenheit genutzt hat, in die Freiheit entlassen zu werden, was immerhin den anschließenden Besatz der Schlafstätte um ein Haupt und vier Beine reduziert. Dieser Akt ist täglich zwischen 3 Uhr und 4 Uhr zu besichtigen. Wer also an Schlafstörungen leidet – willkommen beim Blues….

Nach diesem Abstecher in die Intimsphäre des Blues richten wir unser Augenmerk auf die Speckrollenstatistik des heutigen Morgens. 670 Gramm sind der absolute Spitzenwert, unerreicht bislang und Fingerzeig, dass aushäusige Kost nahrhafter ist als Mutters Schmalhansküche.

Allein die 80 Gramm von Franca, wären eine Extraausgabe wert, sie heben die Kleine über die Kilomarke (1060) und lassen sie als Letzte ihr Geburtsgewicht verdoppeln – am 20. Tag! Dieser fischer‘sche Rösselsprung kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass sie weiterhin die roteste aller Roten Laternen tragen muss. Es führt kein Weg daran vorbei: wir müssen die Schaumgebäck-Klasse auf Franca reduzieren, zu weit ist der Abstand zu den Nächsten.

Die aus Francas Sicht Nächste ist Finchen mit 1150 Gramm (+70). Aber auch sie hängt irgendwo zwischen den Speckwelten, dass man für sie eigentlich auch eine separate Klasse definieren müsste, so etwas wie eine Fahrstuhlklasse, mal oben, mal unten, wie der 1. FC Nürnberg: wir nennen sie der Einfachheit halber deshalb einfach Clubklasse, das klingt sogar ein bisschen mondäner als es ist und schmeichelt dem Insassen. Fine besetzt also die Clubklasse als einzige Repräsentantin.

Jetzt kommen die Zwölfender, die wir, um weder mit dem Militär, noch mit den Grünfräcken über Kreuz zu geraten, nicht so nennen wollen, sondern es bei der bewährten Well-Done-Klasse belassen. Aufsteigen sortieren sich Flori (1210, ±0), Fanni (1210, +10), Fenzy (1220, +40), Fianna (1240, +70), Felix (1260, +50), Ferdi (1279, +50) und als Deckel setzen wir noch Fetzer jr. mit 1300 (+90) oben drauf.

Fehlen nur noch die bekannten Schwergewichte der Premiumklasse Fado (1370, +60) und der Ultra-Heavyweighter Franz mit ausgreifenden 1440 (+60). Die Milchdiät schlägt also an. Franzi, Entlastung ist in Sicht.

Die ist auch dringend nötig, nicht nur weil Franzi den Nachschub kaum noch organisieren kann, sondern weil jetzt über Nacht die Zähnchen durchgebrochen sind. Jetzt wird der Barbetrieb für Franzi zunehmend zur Folter; die wollen wir auf das mögliche Maß reduzieren.

Diese beiden Komponenten, die kräftige Gewichtszunahme und die sprießenden Zähnchen, veranlassen uns, den Fieslingen ein den Voraussetzungen angemessenes Trainee-Programm zu verpassen. Nummer 1: Große Freiheit Nr.1 und Nummer 2: Köttbullar.

Zuerst ist der Duft der großen weiten Welt aufgerufen, auch weil uns die Wetterfrösche prophezeien, dass es mit dem herbstlichen Sommerwetter schnurstracks zu Ende geht. So sollen die Herren Fritzen und Damen Fritzinnen mal am Duft der großen weiten Welt, dem Garten des Blues, schnuppern, bevor diese nur noch aus Schnee besteht.

Flori bei seinem ersten Freigang am 02.12.2011
Flori
Fianna bei ihrem ersten Freigang am 02.12.2011
Fianna
Fine bei ihrem ersten Freigang am 02.12.2011
Fine
 

Als Erster wird Flori ins Freie gebracht und der grünen Wiese übergeben. Er schmiegt sich zuerst ins Gras, wittert im Kreis, macht, was man als Hund machen muss, er sichert nach allen Richtungen, fasst dann Vertrauen in die Situation und bewegt sich erst in kleinen, dann immer größeren Kreisen, alles ziemlich gelassen. Der Kopf wird immer höher getragen, das Schwänzchen bleibt jedoch bestenfalls auf Habacht, so wie wir das aus der Vergangenheit von den meisten Welpen kennen. Nur die Größenwahnsinnigen und potentiellen Selbstmörder tragen bei diesem ersten Ausgang den Schwanz aufrecht. Flori jammert kaum und macht einen sehr gefestigten Eindruck. Bestanden.

Fianna ist die Nächste. Sie zeigt fast das gleiche Verhalten wie Flori, pirscht anfangs etwas mehr, was ihr die gespannte Eleganz eines schwarzen Panthers verleiht, entspannt sich aber rasch, schaut sich um und bleibt in der ungewohnten Situation gelassen. Sehr schön.

Die kleine Fine muss als Nächste ran und die kleine Fine macht keine Anstalten, sich etwas nachsagen zu lassen. Sie macht sich gleich auf den Weg, hält sich nicht mit langem Vorgeplänkel auf, die ersten Schritte geduckt, dann, als ob sie von einem Airbag aufgeblasen würde, richtet sie sich mehr und mehr auf und dreht ihre Runden. Kein Laut entkommt ihr, sie schweigt eisern. Bravo, Fine!

Fado bei seinem ersten Freigang am 02.12.2011
Fado
Felix bei seinem ersten Freigang am 02.12.2011
Felix
Franca bei ihrem ersten Freigang am 02.12.2011
Franca

Danach Fado. Schwarz und mächtig, entschlossen und bedächtig, so macht sich Fado auf den Weg in die neue Freiheit. Konzentriert und kontrolliert zieht er die weitesten Kreise bisher. Beeindruckt ist er kaum, eher erstaunt und an allem interessiert. Starker Auftritt ohne Glamour und Klamauk.

Kontrastprogramm Felix, nach dem stillen Wasser ein sprudelnder Spritzbrunnen. Oder? Irgendetwas hat der Kerl, was ihn mit den Göttern in Bund bringt; kaum ist er auf dem Rasen abgesetzt worden, schmuggelt sich seine Mama irgendwie aus dem Wohnzimmer und eilt ihm zu Hilfe, ihm, dem größten Großmaul, wird auch noch moralische Unterstützung zuteil. So gesehen müsste man Felix‘ Performance eigentlich als Streichergebnis verbuchen, weil unerlaubte Hilfestellung das Ergebnis verfälscht. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt: er macht es gut, ist kaum beeindruckt, wie die anderen auch, wagt sich noch weiter hinaus als Fado, beginnt dann an den Grenzen dieses selbst gewählten Kosmos aber zu jammern. Da war auch Mama längst wieder weg. Wir geben ihm dennoch eine sehr befriedigende Zensur, er kann ja nichts dafür, dass seine Mama im falschesten Augenblick ihr Gluckengen entdeckt.

Eine schwer zu beurteilende Vorstellung liefert Franca. Sie ist wirklich nicht amused über das, was ihr da zugemutet wird. Sie jammert und keckert herum – aber sie bleibt stabil; ihr Aktionsradius ist überschaubar, aber in diesem Umkreis lässt sie sich nicht kleinkriegen. Eigentlich macht sie, als ob sie in die Hosen machen möchte, aber de facto gibt sie nicht auf, bleibt auf den Beinen und kämpft sich durch, bis wir sie erlösen. Diese zwei Tage, die unsere Franca hinter den anderen herhechelt, werden überall deutlich. Wir wetten, wenn wir sie am Sonntag oder Montag wieder hierher bringen, unterscheidet sich ihr Verhalten nicht von dem ihrer Geschwister. Nesthäkchen mit dem Potential zum Karabiner.

Frenzy bei ihrem ersten Freigang am 02.12.2011
Frenzy
Fetzer jr. bei seinem ersten Freigang am 02.12.2011
Fetzer jr.
Fanni bei ihrem ersten Freigang am 02.12.2011
Fanni

Die nächste Vorstellung, die uns in seltener Ratlosigkeit zurück lässt, ist die von Frenzy. Diese Kleine blüht gerade sichtlich auf und so ist ihr Verhalten: zwischen allen Stühlen, nicht Fisch, nicht Fleisch. Einerseits jammert sie die Wolken vom Himmel und schickt Stoßgebete dort hin, andererseits nimmt sie einfach die Beine unter den strammen Leib und stapft los, geradeaus in Richtung Westen, immer weiter, kein Hindernis bringt sie von der gewählten Route ab, erst Frauchens starke Hände können sie stoppen, bevor sie vierkant gegen das Hochbeet brettert. Ist sie auf der Flucht? Oder hat sie nur ihren Mut mit starken Worten unterfüttert, wie man ja bekanntlich im Keller gerne pfeift? Oder war das eine Art Wallfahrt – ich bin dann mal weg? Diese Kleine ist eine Wundertüte; da werden wir noch einiges entdecken.

Der junior Fetzer gibt sich cool und verunreinigt als erstes den Rasen mit einem zierlichen Darmwürstchen; dann ist aber auch so ziemlich jegliche Substanz aus ihm gewichen und er könnte auf die verbleibenden drei Minuten, die noch vor ihm liegen, gut verzichten. Die Erstbegehung des Blues-Rasen ist seine Sache nicht.

Fanni reiht sich in die Mehrzahl ihrer Geschwister ein, ist kaum beeindruckt, sehr interessiert und klagt erst zum Ende des Ausflugs ein bisschen. Das ist eine solide Leistung.

Franz bei seinem ersten Freigang am 02.12.2011
Franz
Die vorletzte Vorstellung gibt der gewaltige Franz, aber da draußen lässt er erkennen, dass Masse und Meisterklasse nicht unbedingt eine Ehe eingehen müssen. Nein, Franz ist kein Angsthase und kein Ausfall, aber ein Held ist er auch nicht. So sehr er sich körperlich von seinen Geschwistern abgesetzt hat, so sehr reiht er sich in dieser Disziplin, die nicht mit dem Schnabel zu bewältigen ist, wieder in ihre Reihen ein. Debüt mit kleinen Fehlern.

Ferdi bei seinem ersten Freigang am 02.12.2011
Ferdi
Auch Ferdi lässt einen Schlussakkord mit Paukenschlag vermissen. Da er auch im Haus eher durch Charme und Liebreiz auffällt, hätte es eine besondere Wendung gegeben, wenn die Schmusebacke nicht nur ein Herz zum Verlieben, sondern noch ein zweites zum Kämpfen hätte. Hat er aber nicht, sagen wir mal: noch nicht, die Burschen haben ja noch Windeln an und sollen hier auf dicke Hose machen. Das liegt zwar nahe, funktioniert aber nicht. Also auch Ferdi bekommt keine Tapferkeitsmedaille, sondern die Urkunde für den Fiesling, der die meisten Kringel auf dem Teller gedreht hat, ohne auch nur einen halben Meter Boden zu gewinnen. Wenn der Bammel in die flinken Beinchen fährt, werden auch die flinksten Porsche-Ferdi-Beine schwer wie Sandsäcke.

Alles in allem stellen wir fest, Helden haben wir noch keine, einige sind ausgesprochen souverän, aber andere wären doch lieber unter Mamas Schweif. Da hatten wir früher andere Kaliber, die die Welt sofort unter die Hufe nahmen. Das ist der eine Teil der Wahrheit. Der andere ist, dass auch sie am Ende alle als ganz normale Hovawarte wieder gelandet sind. Wo steht, dass der, der als Erster einen Felgumschwung hinkriegt, am Ende Weltmeister am Reck wird? Und beim nächsten Mal sind sie ein paar Tage älter (hängt vom Wetter ab) und wir schwören, da sieht die Bilanz anders aus.

Fleischbällchen für Frau Fischers FritzenDas war Nummer eins des Trainee-Programms, abends folgt Nummer zwei: die Köttbullar, auch Fleischbällchen genannt. Die erste feste Nahrung für Frau Fischers Fritzen. Wir drehen blitzsauberes Muskelfleisch vom Rind durch, vermischen es mit einem Löffelchen Ulmenrinde, formen acht Kügelchen und fertig ist die Buletten-Mahlzeit. Ulmenrinde (Cortex Ulmi campestris pulv.) mischen wir dazu, weil diese eine beruhigende Wirkung auf den Magen und den ganzen Verdauungstrakt hat, indem er diese Einheiten mit einer Art Schutzfilm überzieht, der die Reizung der Verdauungswege bei ungewohnten Nahrungsmitteln etwas reduzieren soll (für Interessierte: Eibischwurzel soll die gleiche Wirkung haben). Den Fritzen ist es eh egal, ob da Slippery Elm, wie die Ulmenrinde in charmantem Englisch heißt, untergemischt ist oder pulverisierte Fingernägel oder getrockneter Kamelmist – die Herausforderung ist so groß, dass für solche Abwägungen kein Raum ist.

Franca bekommt ihre erste Fleischration
Franca ist noch nicht überzeugt
Wie zu erwarten, gewinnt Franca nicht den großen Hackfleisch-Pokal. Irgendwie scheint sie im Kopf noch an der Milchsache zu datteln und jetzt das: auf Frauchens Schoß hockend, eine nie gerochene breiige Masse vor die Nase bekommen, und was damit machen? Sie kriegt das dann durch Versuch und Irrtum geregelt, indem die Nase in die Fleischgabe stürzt und der Schnabel gar nicht anders kann als aufzugehen – geht doch! Sie schafft ihr Kügelchen, sieht aber so aus, wie ihre Vorstellung erwarten ließ. Da hat Mama noch was für sich.

Frenzy lässt da weniger anbrennen, wie gesagt, die ist gerade in einem Hoch, sie greift zu und rein und kommt recht schnell mit dieser ungewohnten Situation zurecht.

Fanni bekommt ihre erste Fleischration
Fanni muss auch überzeugt werden
Fianna saut wie sie in der Milch saut, das sind aber eher motorische Defizite als intellektuelle; sie weiß, was von ihr erwartet wird, setzt es aber etwas grobmotorisch um.

Fanni weigert sich, totes Fleisch zu essen und besteht darauf, Vegetarierin zu sein. Nach dem ersten, eher zufällig geschaufelten Maul voll, sind die Ideale wie weg geblasen und Fanni greift zu.

Franz, ganz das Gegenteil von seiner Nachmittagsvorstellung: ständig in Bewegung, um sich greifend und strampelnd, Pfui Deifi, weg mit dem Dreck - von wegen: auch er wird bekehrt und weiß die Gabe wohl zu schätzen, das heißt, die Hälfte der Gabe, weil die andere Hälfte an Frauchen und der näheren Nachbarschaft klebt.

Flori bekommt seine erste Fleischration
Flori lässt nichts über
Flori ahnt, dass wir ihm nichts Unrechtes unterjubeln und Sekunden später weiß er sogar, dass Fleisch ein besonderes Stück Lebenskraft ist. Flori erweist sich als Chefkarnivore der Fritzen; er weiß, was schmeckt.

Fine denkt sich, dass sie auf die Figur nicht zu achten braucht und haut rein, egal, was das ist, wird schon nicht vergiftet sein.

Ferdi ist dann wieder Kollege Normalo, stellt sich erst an, zoppelt und zappelt und ist dann doch schnell von der Qualität des Angebots überzeugt.

Felix frisst seinen Köttbullar wie eine Henkersmahlzeit, alles auf einmal, so schnell, dass sich das Fleischbällchen zu verflüssigen scheint, er ratzt und fatzt alles weg und das, was von den anderen in Reichweite kleben geblieben ist gleich noch dazu. Wer mal einen stilvollen Begleiter für eines dieser gottlob aus der Mode gekommen Ritterfressen sucht, findet in Felix einen geeigneten Kandidaten.

Fetzer jr. erhält seine erste Fleischration
Der Junior will auch groß und stark werden
Fado hat schon in einem früheren Leben Fleisch verarbeitet und er sieht nach der Mahlzeit so salonfähig aus, wie Felix nicht einmal davor.

Und Fetzer jr. ist dann wieder die Standardnummer, so wie eben einer Fleisch zu sich nimmt, der weder weiß, was Fleisch ist, noch wie es verarbeitet werden soll, wenn man es nicht süffeln kann.

Das war eine heitere Viertelstunde zum Ende eines ereignisreichen und langen Tages und wir sind fast so geschafft wie unsere Fritzlinge. Gute Nacht, allerseits...

Dritte Woche von Frau Fischers Fritzen - Sa

Samstag, 03.12.2011

Es kommt, wie es kommen musste: die Welpen werden langsam flügge und das Wetter wird säuisch - es regnet. Jetzt muss man mal sehen, wie das mit den Spaziergängen wird, wenn draußen Oberleutnant Dreck, General Matsch und Väterchen Frost das Regiment führen.

Obwohl der Bewegungsdrang der kleinen Fritzen und Fritzinnen fast stündlich zunimmt und die gezogenen Kreise immer weiter werden, lassen sie sich nachts noch immer anstandslos in die Box einsperren, machen die Äuglein zu und schlafen. Was hatten wir da schon diabolische Konzerte durchzustehen! So gesehen war die frühe Entlassung der Fritzen aus ihrer Schnullerbox am Montag gar nicht so schlimm; wir haben überwiegend brave Kinder.

Bevor wir eine neue Runde der Fütterungsvarianten einführen, werfen wir einen Blick auf die Gewichte, weil wir ja wissen wollen, wie die Köttbullar gestern angeschlagen haben – und 870 Gramm ist eine Duftmarke! Aber man sieht auch, dass sich das Feld jetzt weiter spreizt.

Da haben wir die dreipfündigen Premium-Cowboys, die sich gegenseitig nichts schenken und wie die Wilden auf und davon stürmen: Franz vornweg mit 1570 Gramm und 130 Gramm plus, dahinter Fado 1500 Gramm und ebenfalls 130 Gramm; nicht lockerlassen schwarzer Ritter!

Danach kommen die Well-Dones mit 1300 Kubik. Rädelsführer in dieser Möchtegernklasse ist zwangsläufig Felix mit 1380 Gramm (+120). Ihm folgen mit 1350 Ferdi (+80) und der Junior (+50). Am Ende dieser Einheit taucht jetzt schon Frenzy auf, die nicht nur als Möchtegern auftritt, sondern sich diese Position hart erarbeitet hat: Vom Nockerl-Flockerl zu den gut Durchwachsenen, das ist schon aller Ehren wert; für sie notieren wir 1310 Gramm (+90).

Jetzt kommen wir zu den schon bekannten Zwölfendern, den Durchhängenden und Abgehängten, angeführt von Fianna mit 1290 (+50), die man natürlich auch noch bei den Möchtegerns einsortieren könnte, 20 Gramm sind ja nicht die Welt. Aber nein, das muss sie sich schon erarbeiten und verdienen, Sympathieboni werden nicht vergeben. Knapp hinter ihr Fanni mit 1280 (+70) und Flori mit 1270 (+60). Am Ende dieser Skala rangiert Fine mit 1210 Gramm (+60), die damit zwar immer noch die rosa Laterne trägt, sich aber vom kleinen Zicklein Franca, das da am hinteren Wagenteil der schwäbisch-bayerischen Eisenbahn hängt, schon beträchtlich abgesetzt hat. Franca ist die letzte Überlebende der doppelpfundigen Baiserklasse: 1090 Gramm (+30). Der Aufstieg von den Lacto-Vegetariern zu den Fleischfressern bringt aber langsam Substanz in die Existenz der Fieslinge.

Frau Fischers Fritzen testen den Futterring
Rock am Ring - und Fanni mitten drin
Wie bereits angedeutet, geht es immer weiter beim Blues, Stillstand ist nicht vorgesehen. Heute wird die nächste Ernährungsstufe eingeläutet: gemeinsames Dinner am Futterring, fürs Erste wieder mit Welpenmilch, Fleisch kommt erst in der nächsten Ausbaustufe. Da sie das kleine Fütterschüsselchen schon kennen und beherrschen, ist dieser große Futterring keine allzu große Herausforderung; sie begreifen sofort, was da abgeht, sortieren sich blitzschnell um die Schale, einigen muss natürlich geholfen werden, weil sie sich irgendwo herumtreiben und den ganzen Auflauf nur von der Ferne ahnen, aber nicht wissen, worum es dabei geht. Die werden also zugeführt und dann schlabbern alle im Gleichtakt – 10 Sekunden, dann hängen die ersten quer im Ring, panzern durch die Milch, verschütten alles, sauen sich und ihre Geschwister ein, ja, natürlich produzieren die Fritzen binnen Sekunden das gleiche Chaos wie alle anderen. Es steckt eben auch im Hund irgendwo in seinem Genom ein Stück Schwein. Das Chaos ist von erhabener Größe, die Hälfte der Milch versinkt im untergelegten Laken und die andere Hälfte schlabbert Franzi aus den Haarkleidern ihrer Kinder. Immer wieder ein Höhepunkt im Leben eines Züchters – Rock am Ring!

Fines Zähne werden befühlt
Alle Zähnchen sind schon da...
Zum Schluss dieses Tages müssen wir natürlich unbedingt noch erwähnen, dass unser Franz heute Namenstag hat, was wir zu einer kleinen Gratulation nützen wollen und dem dicken Franz einen Knutsch auf die dicke Nase geben.

Und noch etwas: der rektalinvasive Eingriff bei unseren Schnuckelchen ist ausgewertet und alle Kotproben sind negativ. Das erfreut das Herz des Züchters.

So schließen wir diese dritte Woche - mehr passiert heute nämlich nicht, weil der Chronist verreist und eine alte Chronistenweisheit klagt: Ist der Schreiber aus dem Haus, / tanzen Katz und Weib und Maus, / doch die Chronik - die fällt aus.