Die vierte Woche von Frau Fischers Fritzen

Vierte Woche von Frau Fischers Fritzen - So

4. Woche (04.12. – 10.12.)

Sonntag, 04.12.2011, 2. Advent

Ist nur die Chefin unterm Dach, fällt die Chronik leider flach.

So ähnlich klang das schon gestern, als der Chef gerne dem Ruf einer verdienten Freundin folgte, ihr bei ihrem Geburtstag die Aufwartung zu machen. Das hat er natürlich gerne getan, aber das Chronistenherz klagt leise Lieder, wenn sein scharfes Auge nichts zu sehen hat, also nichts, worüber man an dieser Stelle berichten kann.

Dennoch geht das Leben beim Blues weiter, ob der Chronist darüber wacht oder nicht. Frau Fischers Fritzen wachsen weiter und erfahren täglich neue, staunenswerte Dinge. Die Fritzles und Fritzlinnen sind jetzt in der so genannten Prägungsphase angelangt. Die Sinne der Welpen sind nun betriebsbereit, was nicht heißt, dass sie jederzeit schon zuverlässig zur Verfügung stehen, aber Augen, Ohren und Nase sind voll ausgebildet. Demnach können die Welpen nun ihre Umwelt mit all diesen Sinnen erfassen, das Erfasste abspeichern, zuordnen, verknüpfen. Die Augen verfolgen die Vorgänge um sie herum wachsam und suchen ihnen einen Sinn abzugewinnen. Man begreift die Welt nun buchstäblich mit den Beinen und den Zähnen, man erkundigt sie und

Franz vom Bairischen Blues am 04.12.2011
Franz erholt sich vom Prägestress
fügt sie einem Lebensschatz hinzu. Kurz: die Welpen funktionieren nicht mehr nur nach einem mitgelieferten Plan, sondern mehr und mehr dem eigenen Antrieb folgend. All diese Erfahrungen und Erkenntnisse fügen sich letztlich zu einem Bild zusammen, das später die Weltsicht dieses einzigartigen Wesens ausmachen wird – der Welpe wird geprägt fürs Leben. Nichts, was er in dieser Zeit lernt, wird jemals wieder vergessen, die Guten wie die Schlechten Erfahrungen werden ihn zu einer unverwechselbaren Persönlichkeit formen. Das heißt aber auch, dass er vieles von dem, was er jetzt nicht erfährt, später nur schwerer aufnehmen wird. Ein Welpe der in dieser Phase in völliger Stille auf sich allein gestellt lebt, wird zum geräuschempfindlichen und misstrauischen Einzelgänger. Wir als Züchter können in dieser Phase sehr viel richtig machen – und alles falsch. Es ist die Zeit, in der wir uns intensiv den Welpen widmen, ihnen Vertrauen zu den Menschen und deren Welt geben. Wir verschaffen ihnen Herausforderungen, die sie möglichst erfolgreich bestehen sollen, wir geben ihnen Wärme und sagen ihnen auch einmal, wenn sie sich daneben benehmen. Diese Schlüsselphase im Welpenleben reicht bis in die siebte Lebenswoche hinein und wird uns am Ende alle bereichert haben.

Was hier in wohl überlegten Worten schön klingt, bedeutet für uns nichts anderes als vier Wochen Dauerbeschäftigung, dabei ist noch nicht eingerechnet, dass wir natürlich unentwegt Teiche aufwischen, Häuflein entsorgen und für neuen Teich-und Häuflein-Nachschub sorgen müssen, das gehört zu den unabdingbaren Überlebensstrategien. Die eigentliche Prägearbeit fängt mit einer Vielzahl von Menschen an, die ihnen vermitteln, dass Menschen gut und unverzichtbar sind. Das setzt sich fort mit Kindern, die zwar auch Menschen sind, aber von Hunden anders wahrgenommen werde. Andere Hunde kommen dazu, damit sie auch diesen Umgang lernen können und die ersten Lektionen im richtigen Benimm bekommen, die über die Lektionen von Mama Franzi und Tante Anouk hinausgehen. Dazu kommt die Konfrontation mit dem ganz normalen häuslichen Leben: Staubsauger, Spülmaschine, Radio, Töpfeklappern und Geschirrscheppern (Frauchen opfert in dieser Zeit schon mal gerne eine Tasse oder einen Teller, die Fritzen bleiben davon völlig unbeeindruckt). Und nicht zuletzt bringen wir ihnen bei, was ein lohnenswertes Hosenbein ist und wie es erfolgversprechend bearbeitet werden kann, wie eine opferbereite Achillessehne gepackt werden muss. Besucher, mit einem unbedacht getragene Schal, der sich, an beiden Enden gezogen, zu einer famosen und lebensbedrohenden Schlinge zusammenziehen lässt, leisten unbezahlbare Dienste an der Entwicklung unserer Welpen, und der erfolgversprechende Zugriff auf einen Finger, mit besonderem Augenmerk auf die schmerzensreichsten Stellen im Nagelbett steht auch auf dem Weiterbildungsprogramm. Man sieht schon, wir tun alles um aus einem langweiligen Welpen einen Hovawart zu machen, der seinen Preis auch rechtfertigt. Dabei schonen wir uns selber nicht: für alle

Fanni und Exe vom Bairischen Blues am 04.12.2011
Fanni und Lily sind ein gutes Team
Übungseinheiten stellen wir uns zuallererst im Selbstversuch zur Verfügung – und die Folgen dieser Selbstversuche fließen großherzigerweise nicht in den Preis mit ein; das ist so zu sagen unsere Eigenleistung am Gelingen des Gesamtkunstwerks Hovawart vom Bairischen Blues.

Eine dieser Ausbildungseinheiten übernimmt heute Nachmittag Halbschwester Lily (Exe) aus dem nahen Kolbermoor. Und wer von den Fritzen bislang Zweifel an der Unbedenklichkeit blonder Hovawartinnen hatte, musste diese schnell zu den Akten legen: Lily ist ganz vernarrt in die wuselnde Verwandtschaft und umgarnt sie mit viel Umsicht und einem zauberhaft halbstarken Charme. Von dieser Verwandtschaft konnte man also schon etwas lernen - Prägestempel drauf!

Vierte Woche von Frau Fischers Fritzen - Mo

Montag, 05.12.2011

Dahin ist er, dahin, der goldene Herbst. Es stürmt, es regnet, nein, es seicht!, die Welt bereitet sich auf ihren Untergang vor, der sich auch dadurch nicht mehr aufhübschen lässt, dass sich der Regen im Laufe des Tages zu jahreszeitlich angemessenem Schneeregen herausputzt. Kälte macht unseren Fieslingen nichts aus, aber diese ekelhafte Nässe ist noch nichts für sie. Sie werden also warten müssen.

Da erinnern wir uns doch an die früheren Konsultationen des unbestechlichsten aller aufrechten Wetterfrösche, den Hundertjährigen Kalender. Für den Dezember prophezeit er uns folgendes: 1.-2. noch sehr kalt. Hier ist vor allem das noch zu beachten. Wir erinnern uns: gestern Mittag 12,5° c, am 1. 10° C, am 2. 8,5° C - noch sehr kalt! Schau mer mal, wie es zwischen dem 3. und heute sein sollte: 3.-6. täglich Schneefälle. So, so… Gibt es auch regionale Ausgaben des Hundertjährigen, solche, die dem Kleinklima vor der Haustür verpflichtet sind? Für die Zugspitze wollen wir den Schneefall nicht anzweifeln. Aber hier im lauen Mangfalltal? Machen wir weiter, denn eigentlich interessiert uns ja, was den Fieslingen bevorsteht und wann wir Hoffnung haben, sie wieder mal in die Freiheit zu entlassen: 7. es regnet. Das werden wir überprüfen, könnte aber nach den heutigen Zuständen zutreffen. Jetzt aber: 9.-19. hellt sich auf und gefriert. Das hieße zehn Tage reinste Freude für die Fritzen und Fritzinnen. Dann aber soll es wieder bäh werden: 20. -25. unfreundlich und Regenwetter (typisch Weihnachten), aber vom 28.-31. wieder kalt. Also, haben wir doch jede Menge Outdoor-Zeiten für Frau Fischers Gefolge zu erwarten. Wir werden es ja bald wissen – und wehe! Unsere Kleinen brauchen Luft zum Wachsen und Gedeihen.

Küchenakrobatik
Ein kleiner Hupf für die Menschheit, aber ein großer Sprung für ein Fritzle
Es bestehen keine Zweifel, dass sie sich in ihrer Wohnküche sauwohl fühlen, zumal sie keinen ernstzunehmenden Vergleich haben; zwanzig Minuten mit weichen Beinen im Grünen ist bestimmt nicht der Hit, den man stündlich einmal hören müsste. Allerdings bietet die Indoor-Verwahrung für die Kleinen wenig Gelegenheit, sich ihren Bedürfnissen entsprechend auszuleben. Die Spielzeuge werden zwar kompromisslos bearbeitet, aber die großen Reizpunkte fehlen hier doch. So gibt man sich eben Mühe, aus dem Mangel eine Tugend zu machen und seine Fortschritte an dem verfügbaren Material zu vervollkommnen.

Fine und Ferdi machen das sogar zu nachtschlafender Zeit. Als nämlich die Chefin während der Zeit der Hundewache (in der Seglersprache die besonders unbeliebte Wache zwischen Mitternacht und vier Uhr) mit Franzi zum Bardienst das Fieslingsterritorium betritt, kommen ihnen bereits laut grölend zwei mutmaßlich angetrunkene Fieslinge entgegen getaumelt: Fine und Ferdi, ausgebüxt aus Fortezza, der unbezwingbaren Franzensfeste. Es geht kein Weg daran vorbei, wir müssen die 30-Zentimeter-Hürde um 10 weitere Zentimeter aufstocken. Und so geschieht es: weggesperrt wegen schlechter Führung, Sippenhaftung wegen der Unvernunft zweier haltloser Fieslingsbengel.

Trotz dieser Verfehlung einzelner ist die Kiste weiterhin eine stolze Burg und eine sichere Bank für die Kleinen. Obwohl sie sich nun unbeschränkt frei bewegen dürfen, ziehen sich alle immer wieder in die Schnullerbox zum Schnullern zurück. In dieser Hinsicht unterscheiden sie sich sehr von allen ihren Vorgängern, die meist schon nach wenigen Tagen kein Interesse mehr an der Kiste hatten und sie höchstens noch als Bedürfnisanstalt benutzten, weswegen wir sie, nachdem wir diese Erfahrung im A-Wurf machten, ab dem B-Wurf zügig wieder abbauten, weil wir der Meinung waren, dass die Schnullerkiste kein Welpenabtrit sein sollte. Doch diesmal ist alles anders; fast immer liegen ein paar Schnullerbabys in der Kiste und benutzen sie als das, wofür sie gedacht ist. Auch Franzi zieht sich gelegentlich in die Kiste zurück, ruft mit leisem Onk-onk ihre Kinder zu einem Imbiss. Schön, dass das Geburtshaus in Ehren gehalten wird. Vielleicht liegt es tatsächlich daran, dass Franzi in dieser Kiste das Licht der Welt erblickte? Vielleicht erzählt sie ihnen aufregende Geschichten von Tante Farah und Onkel Ferro, wer weiß schon, welche Geheimnisse der Himmel für uns bereit hält?

Doch abgesehen von diesen kontemplativen Momenten in der Kinderschar haben wir nun alle Mühe, diesen immer flinkeren und schnelllebigeren Flohzirkus im Auge zu behalten. Kaum nehmen wir für einen Augenblick die Sperre zum Treppenhaus weg, ist uns Fianna in unserem eigenen Windschatten entwischt und stapft durchs neue Reich wie eine wohlbetuchte Shopperin durch die Handtaschenabteilung, ein Blick links, ein abschätziger Blick rechts – und schon ist sie wieder in der Ausnüchterungszelle, wo sie hingehört; besoffen vom Freiheitsdrang.

Franca vom Bairischen Blues am 05.12.2011
Franca
Auch die kleine, feine Franca passt sich diesem Niveau immer mehr an, zurückgeblieben ist sie nur im Gewicht, was ihren Aktionsradius angeht, braucht sie keinen Vergleich mehr zu scheuen. Wegen ihrer zierlichen Gestalt ist sie auch geschwind wie der Teufel und blitzschnell um die Ecken und somit immer in Gefahr, unter die Räder, beziehungsweise unter die Stiefel zu kommen. Wir können gar nicht genug aufpassen, sie nicht zu übersehen. Das Mucksmäuschen muckt auf und wagt sich mit besonderer Begeisterung an menschliche Zehen und ist in dieser Disziplin inzwischen führend; kein Fiesling kann so sich fies festbeißen wie Frau Fischer.

Heute gibt es abends wieder Fleischbällchen à la main, wie man diese besondere Art der Handaufzucht bezeichnen könnte. Heute haben sie auch alle verstanden und lassen keine Schwierigkeiten im Umgang mit den Kügelchen erkennen; sie hauen rein und sie sauen rein und sie gebärden sich wie beim Jüngsten Gericht am allerletzten Tag. Natürlich gibt es Hauptschweine und Nebenschweine in diesem Plot, Schlingmaschinen und Feinschmecker, gediegene Mundwerker und Zappelphilippinen, alles vorhanden, aber alles auf hohem Niveau. Chapeau, in Sachen Kulinarik spielen die Fischer-Fritzen fast schon in einer eigene Liga.

Wir wollen noch kurz zum Schluss einen Blick auf die Speckrollenstatistik werfen, um vergleichen zu können, wie sich diese Hundskugeln (nix zum Lachen: so hieß die älteste Wirtschaft Münchens – seit 1440 -, die leider seit dem 1. Juni diesen Jahres ohne Pächter und geschlossen ist) aufs Ergebnis auswirken werden. Gestern hatten die Fritzen 980 Gramm zugenommen, heute waren es 780. Dabei ist Franz mit 1710 Gramm weiterhin der unumstößliche Leader of the Speck. Mit 1640 lässt allerdings Fado den Abstand nicht zu groß werden. Felix ist der Dritte auf dem Stockerl mit 1590 Gramm. Dann müssen wir aber schon auf 1520 Gramm hinunter blicken, um Fetzer jr. zu entdecken, da klafft schon eine Lücke. Ihm folgt mit 1510 Gramm Ferdi. Jetzt erst kommt mit Fianna (1480) die erste Dame, die ganz langsam das Tempo der Fressmaschinen nicht mehr mithalten kann. Danach reiht sich auch schon Frenzy mit 1460 Gramm ein; damit konnte man in den Anfangszeiten auch nicht unbedingt rechnen. Flori ist mit 1430 Gramm der zarteste unserer Buben, aber sicher auch der Formvollendetste – so a scheener Bua. Somit fehlen nur noch Fanni mit glatten 1400 Gramm, Fine mit 1360 und Schneckerl Franca mit 1590. Jetzt warten wir auf das morgige Ergebnis und rollen uns mit unseren Fieslingen in die Kiste. Gute Nacht, Freunde.

Vierte Woche von Frau Fischers Fritzen - Di

Dienstag, 06.12.2011

...
Ich sprach: "O lieber Herre Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist;
Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo's eitel gute Kinder hat."
- "Hast denn das Säcklein auch bei dir?"
Ich sprach: "Das Säcklein, das ist hier:
Denn Äpfel, Nuss und Mandelkern
Fressen fromme Kinder gern."
- "Hast denn die Rute auch bei dir?"
Ich sprach: "Die Rute, die ist hier;
Doch für die Kinder nur, die schlechten,
Die trifft sie auf den Teil, den rechten."
Christkindlein sprach:" So ist es recht;
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!"

Von drauß' vom Walde komm ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich's hier innen find!
Sind's gute Kind, sind's böse Kind?

Es regnet draußen, nicht nur im Walde, woher er kommt, der Knecht Ruprecht mit der Rute, sondern auch hier vor unserer Heimstatt. Dabei handelt es sich vermutlich um den letzten Tag des vorhergesagten Schneefalls, der halt wegen der Klimaerwärmung ein bisschen anders daher kommt. Macht ja nix, sollen die Schifahrer halt auf Wasserschi umstellen, ist doch auch ein schöner Sport. Ein bisschen elastisch darf schon sein, woher soll denn der Hundertjährige wissen, was uns so alles einfällt in einem Jahrhundert, und Schnee ist ja nichts anderes als gefrorenes Wasser; also: es schneit, wie prophezeit, nur etwas moderner.

Jetzt aber die Probe aufs gestrige Köttbullar-Exempel: was spricht die Waage?
Die Waage spricht: 1160 Gramm mehr seit gestern, macht gute 100 Gramm für jeden Fettfritzen. Das sind die Zahlen, die man erwarten darf, wenn die Fremdmahlzeiten die Muttermilch deutlich übersteigen. Franzi bietet sich zwar noch immer an, hat aber nicht mehr allzu viel zu bieten. Aber sie ist verantwortungsbewusst und unverdrossen und nimmt unsere Unterstützung gern an, ehrkäsig ist sie wahrlich nicht. Bin ich euch nicht mehr gut genug? Kann ichs ja ganz bleiben lassen! Das ist der Dank für all die Plackerei, bei der ersten Gelegenheit stürzt man sich auf jeden marktschreierisch angepriesenen Fraß. Geht doch gleich zu McDonalds, schlimmer kann das auch nicht sein… Nein, so ist unsere Franzi nicht, sie weiß, dass ihre Ressourcen ausgebrannt sind und weiß die gereichte Hand zu schätzen – vor allem wenn darin auch etwas für sie ist.
Also: 105 Gramm und ein paar Zerquetschte für jeden Fiesling. Schon bei Franca bestätigt sich, dass Durchschnittswerte reine Zahlengaukeleien sind (deswegen veröffentlichen wir so etwas, weil wir euch allen etwas vorgaukeln wollen, aber ihr merkt ja nichts…), die so viel inhaltliche Schwerkraft haben wie die Aussage, dass es draußen dunkler ist als drinnen. Franca legt als nur 70 Gramm zu, was für ihre Verhältnisse allerdings ein Kraftakt ist, und wiegt nun 1320 Gramm. Dass sie damit niemand überholt hat, bedarf keiner Erwähnung. Exakt 100 Gramm schwerer, mit 80 Gramm Plus, ist Fine, die damit weiterhin Rang 10 belegt. Auf Rang 9 verharrt Fanni mit 1530 Gramm und höchst bemerkenswerten 130 Gramm Auflastung. Flori ist mit 1570 Gramm der Nächste und er hat sogar 140 Gramm am Stück auflegen lassen. Platz 7 gehört dem Junior mit 1580 Gramm und nur bescheidenen 80 Gramm Zuwaage. Rang 6 ist für Fianna reserviert: 1600 Gramm, 120 mehr als gestern, nur noch zweitstärkste Frau von Welt, die Bally Prell der Fieslingsfritzen abgespatzt vom Wuchswunder Frenzy, die sich mit sagenhaften 150 Gramm Auspolsterung und 1610 Gramm an ihr vorbeischob, womit sie, so viel dürfen wir schon verraten, den heutigen Vogel abgeschossen hat. Wir geben die Bally-Prell-Plakette an Frenzy weiter. Platz 4 verteidigt Ferdi mit stabilen 1620 Gramm und einer Zulage von ebenso stabilen 110 Gramm. Jetzt geht’s aufs Stockerl und da moderiert Frau Langeweile die ewig gleiche Polonaise: Fado 1700 Gramm (+60), Felix 1730 (+140), was aber auch nicht weiterhilft, weil sich der Platzhirsch Franz nicht ins Bockshorn jagen ließ, 120 Gramm beisteuerte und mit 1830 Gramm weiterhin unangepöbelt den Tambourmajor gibt.
Die Köttbullar-Mahlzeit war als erfolgreich, unsere Fritzlein bekommen langsam Pausbäckchen.

Nachts sind die Wonneproppen noch immer in der Kiste und das geht auch bisher anstandslos; es ist Ruhe, die Fritzlein mümmeln, Friede, Freude, Eierkuchen. Es ist – nein, nicht Flix! – es ist Franz, der heute eine neue Runde im Zusammenleben zwischen der Krone der Schöpfung und deren Kronprinzen einläutet. Die Kronprinzen und -prinzessinnen müssen, wie das hier seit je her Usus ist, morgens zur Raumpflege in die Kiste, denn elf ausgeschlafene, jubilierende und viertelstarke Morgenlerchen machen jeden Putzversuch zur Seifenoper.

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Franz, der Freiheitskämpfer
Doch heute beschließt Franz für sich (und seine Geschwister gleich mit), dass es genug sei mit der Käfighaltung und die Bretter, die in diesem Falle nicht die Welt, sondern das exakte Gegenteil bedeuteten, fallen müssten - Mr. President, tear down this wall! Aber beim Blues gibt es keinen Gorbi, beim Blues gibt es nur ungelerntes Hilfspersonal, das solche weitreichenden Entscheidungen nicht zu treffen hat. Franz findet diesen Umstand zum Schreien, vielleicht auch zum Brüllen komisch, jedenfalls macht er genau dieses und er macht es so, dass er weniger Aussetzer hat als ein professioneller schottischer Dudelsackpfeifer; ihm geht einfach die Luft nie aus, dem Franz, dem McDoodle schon. Und so schreit er und brüllt er und keift und presst, bis ihm die Augen aus den Höhlen treten. Die Herrschaften verlassen das Haus in Richtung Eisenbahn, der Herr besorgt sich Frühstück und noch ein paar andere Kleinigkeiten und als er wieder vor seine Tür tritt, schreit es drinnen immer noch franzjosefsmäßig (sind gute Kind, sind böse Kind…) – seit 45 Minuten. Es gibt keinen hinreichenden Grund zur Annahme, dass er zwischenzeitlich mal Luft geholt hätte. Der
Franz vom Bairischen Blues am 06.12.2011
Franz, der Schläfer
Rest der Mannschaft schläft, eventuell bereits durch eine fortgeschrittene Taubheit gehandicapt.
Die Küche ist geputzt, der Boden wieder trocken, nun wird das Tor geöffnet, wie das Gesetz es befiehlt, und schon stolziert der Dudelsack des F-Wurfs, ohne den Chef eines Blickes zu würdigen, an ihm vorbei in die Freiheit, legt sich ins Körbchen und poft. Lecko, so ein Saftsack, dieser Franz! Schreit 45 Minuten ohne Punkt und Komma und jetzt liegt er quasi im Koma und träumt vermutlich von einem historischen Sieg über die Weltverbretterer. Vor wenigen Tagen hatten wir uns für Franz auch eine Karriere als Therapiehund vorstellen können, so sanft und umgänglich war er, aber dass wir es sind, die bald therapiebedürftig sein würden, stand nicht auf dem Regiezettel.

Die Dinge gehen dann wieder ihren geregelten Gang, Franz erwacht und ist der gute alte Franz, wie wir ihn kennen und lieben. Er kneift uns in die Zehen, er knabbert an unseren Füßen, ein ganz normaler Jungknirps wie seine Geschwister. Keine Spur mehr von Wolf Bierman oder Che Guevara. Er hat auch keine roten Augen und kein geplatztes Zwerchfell. Aus dem Mr. Hyde ist wieder ein Dr. Jekyll geworden. Wie erstaunlich, dass ein bissiges Monster so viel mehr geliebt werden kann, wenn es vorher seinen Auftritt als Sirene hatte. Weil auch seine Geschwister uns mit immer neuen, ausgefeilteren Zeitvertreiben belustigen und offensichtlich nichts als Flausen im Kopf haben, bringt dieser Nikolaustag viel Kinderspaß und Elternstolz.

Abends, nachdem der Nikolaus da war (der Nikolaus, nicht so ein feuerrotes Coca-Cola-Männchen mit Säufernase) und Franz nur knapp wegen seiner sonst so auffällig guten Führung nicht in den Sack kam und mit Knecht Ruprecht hinaus in die Wälder musste, gibt es eine neue kulinarische Herausforderung: Rind im Futterring mit Kartoffelbrei. Herrschaften, da ist was los! Rock am Ring ist ein Dreck gegen diesen Rock im Ring. Vor allem die Fritzen-Twiggy Franca haut sich in die Fressrinne und bohrt sich wie ein Fräskopf durch ihre Geschwister. Wir staunen fassungslos über unsere entfesselte Frau Fischer. So etwa muss sie sich gebärdet haben, als sie sich am 12. November den Weg durch Franzis Geburtskanal freikämpfte, um als Erste aufzutauchen. Frau Fischer reloaded…

Knecht Rup, was du hier innen find‘st,
Sind gute Kind, sind böse Kind.
Dem einen mag die Rute frommen,
Der and're soll den Sack bekommen.
Nur Äpfel, Nüss und Mandelkern
Frisst keines unserer Kinder gern.
Sie stehn auf Gurgeln, Pansen, Ohren,
Sind alles brave Carnivoren.
Zehn eitel Brave sind‘s, nur gute;
Doch Flix, verflixt, verdient die Rute.
Und halt!, pack noch den Franz in Jute,
Dann hält der Sack vielleicht die Schnute.

Vierte Woche von Frau Fischers Fritzen - Mi

Mittwoch, 07.12.2011

Am 7. Tage des Dezembers soll es regnen, so die Prophezeiung. Und der Chronist bittet um Verzeihung für den Spott der frühen Tage: es regnet und es windet, dass dem Mühlhiasl der Hut von der finsteren Stirn fliegen würde. Hoffentlich ist das heute nicht der einzige Treffer für den Rest des Monats. Aber für diesen Treffer wollen wir den Hundertjährigen schon hoch leben lassen. 

Hüttenkäse - Leibspeise
Essen ...
Vor des Tages Mühsal, kommt das große Abwägen, heute mit der Beantwortung der bangen Frage, wie es um die körperlichen Verfassung der Fritzen und Fritzinnen nach der Rock-im-Ring-Sause bestellt ist. Wir orientieren uns heute an den Zunahmedaten und fangen mit der kleinsten BMI-Einspeisung an (ach so: BMI heißt nicht Bundesministerium des Inneren, sondern Body Mass Index): 70 Gramm für Fine – und das gibt schon einen Fingerzeig auf das, was uns jetzt erwartet, wenn sogar die Vorletzte im Speckranking 70 Gramm zulegt. Sie erreicht damit 1430 Gramm und bleibt auf ihrem Stammplatz. Dann bekommen wir es mit zwei Herrschaften zu tun, die sich gewichtsmäßig schon lange aus den Augen verloren haben: Franz und Franca bereichern sich um 110 Gramm. Man sieht, Franca kann auch nicht schlechter als Franz, allerdings nicht immer, aber immer öfter. Franca hebelt sich damit auf 1430 Gramm, aber keine Treppenstufe höher; Down under ist ihr Schicksal. Ganz anders Franz; ihn bringt die Zulage auf 1940 Gramm, die ihm den Spitzenplatz weiterhin sichern. Gehen wir einen Ausfallschritt weiter: 140 Gramm für Fanni, macht 1670 Gramm und trotzdem nur Drittletzte. Schön langsam wird’s maßlos: 180 Gramm Speckgewinnung für Fianna, Felix und Ferdi. Für Fianna bedeuten das 1780 Gramm und den vierten Platz von hinten, weil Frenzy, wie wir gleich sehen werden, nicht nachlässt in ihren Bemühungen, zu den Buben aufzuschließen. Für Ferdi summiert sich das auf 1800 Gramm gradaus und den fünften Platz, den er allerdings nicht allein für sich beanspruchen kann. Felix schafft 1910 Gramm und verliert wegen zu großer Lässigkeit oder weil er zu viel Substanz auf den Schlachtfeldern des Blues liegen lässt einen Platz
Die Wasserstelle des Bairischen blues
... und trinken ...
und rutscht auf drei. Frenzy, ehrgeizig und zielstrebig, lädt sich 190 Gramm auf und steigt auf ebenfalls 1800 Gramm wie Ferdi: platz fünf; für eine ehedem feingliedrige Ballerina ein Karriereknick, wenn es aber ums Kampfgewicht geht, ein Schlag ins Kontor der anderen. 13,5% und 14,6% Zuwachs auf ihr gestriges Gewicht können Fado und Flori. verbuchen. So kommt der Begriff Breitensport eine völlig neue Bedeutung; wer also nach drei Schweinshaxen und sieben Bier ordentlich in die Breite gegangen ist, darf sich zukünftig, je nach Gemütslage, einen fetzigen oder umflorten Breitensportler nennen. In ganzen Zahlen heißt dieses Ergebnis, dass beide 230 Gramm zugenommen haben, in Worten: zweihundertdreißig. Jetzt wiegen sie – oder wollt ihr das auf der Basis der gestrigen Zahlen selber ausrechnen? – 1800 Gramm (Flori) und 1930 Gramm (Fado). Für Flori bedeutet das, dass er sich mit Frenzy und Ferdi den 5. Platz teilt und Fado schließt bis auf zehn Gramm zu Franz auf. Wer aufgepasst hat, weiß, dass noch eine(r) fehlt. Wir hören jetzt hier auf und warten auf die Rückmeldungen, wird das ist. Nein? Doch nicht? Na denn: Der Junior bekommt die Speckrolle des Tages in Gold: 240 Gramm macht keinen schlanken Fuß, bringt aber Vorteile im täglichen Kleinkrieg gegen solche Rammböcke wie Franz und Felix. Wobei er mit seinen 1820 Gramm immer noch aufpassen muss, nicht allzu übermütig zu werden; zu den beiden Genannten fehlt noch einiges an Substanz, da hilft es nichts, wenn er sich mit diesem Kraftakt von Platz 7 auf Platz 4 gerülpst hat.
All diese Einzelwerte summieren sich auf 1860 Gramm, also fast 2 Kg, an einem Tag. So etwas hat man auch nicht alle Tage.

Handaufzucht
... hält Leib und Seele zusammen
Dieses Ergebnis kommt auch nicht von ungefähr, auch die Rind-im-Ring-Orgie ist nicht allein verantwortlich: Fressen hat für Hunde allgemein und für Welpen im Speziellen einen enorm hohen Stellenwert. Deshalb rotiert schon in diesem jungen Alter das Radar unentwegt auf der Suche nach Futtersignalen. Innerhalb der letzten Tage, an denen wir ihnen Futter zubereiten, haben sie schon herausgefunden, wo dies geschieht und entschlüsseln unsere Aktivitäten zuverlässig als Ankündigung einer nahenden Speisung. Sie hocken um unsere Füße herum oder streichen unruhig umher, grölen und lassen uns keinen Moment aus den Augen. Es ist immer wieder unfassbar, wie schnell Welpen die wichtigen Dinge des Lebens erfassen. So entgeht ihnen kaum eine Speisung und gelegentlich fallen auch vom Teller der Großen ein paar Happen ab. Das summiert sich und legt sich alles auf die Rippen.

Seit wir die erste gemeinsame Speisung auf dem Boden vorgenommen haben, erschallt auch der Futterruf: Matze-Matze. Und schon jetzt gehen sie durch Wände und über Decken, wenn sie diesen Ruf hören. Damit dieses Verhalten auch in Zusammenhang mit der Prägephase gebracht wird, in der wir uns ja gerade befinden: selbst unsere Erstlinge vom A-Wurf, die im Januar acht Jahre alt werden, kennen noch heute weder Freund noch Feind, wenn dieser Ruf erschallt. Ein solcher Futterkampfruf entfaltet dankenswerterweise auch im rivalisierenden Alltag des Hundesports seine beispielslos heimtückische Wirkung, wenn etwa der vierbeinige Sportler aus eigenem Hause, geführt von einem, nach eigener Meinung, untauglichen zweibeinigen Sportskameraden, sagen wir, beim VORAUS aus dem Hintergrund den aspirierten Ruf Matze-Matze hört, aus vollem Lauf auf den Hacken kehrt macht und an seinem Führungsoffizier vorbei zur Schallquelle eilt – Null Punkte, mangelhaft. Jetzt wisst ihr, wie die allgegenwärtige, verzweifelte Entschuldigung: das hat er doch noch nie gemacht zustande kommt. Da war vermutliche eine missgünstige Matz an der Bande gestanden und hat Matze-Matze geflüstert.

Noch ist es für unsere Kleinen nicht soweit, noch spielen sich die Rangkämpfe des Lebens untereinander und am häuslichen Herd ab. Und diese Rangeleien nehmen an Intensität täglich zu. Jetzt entscheidet sich, zumindest auf ein paar Tage hinaus, wer den Taktstock schwingt und wer danach die Backen aufzublasen hat. Da ist beispielsweise der Junior, dem eventuell wegen seiner beachtenswerten Speckrollenperformance und seinem Sprung über drei Plätze nach oben der Kropf etwas zu sehr geschwollen ist, vielleicht auch weil er sich einbildet, diesen 240 Gramm sei etwas Zaubertrank beigemischt gewesen. Dieser Jungfritze Fetzer Junior möchte also die apokalyptische Wirkung dieser neugewonnenen Kräfte unbedingt auf die Probe stellen - worauf er von seiner Schwester Fianna, dem ausgeguckten Opfer, eine so vernichtende Links-Rechts-Kombination eingeschenkt bekommt, dass er anschließend wie ein Mucksmäuschen in der Ecke sitzt und Schnullerkisten-Halma spielt. Was hat er daraus hoffentlich gelernt? Nur wenn Hirn und Muskel eine schlagkräftige Einheit bilden, wird langfristig ein richtiger Fiesling aus dem frischen Fritzen. Fianna reicht auch ein hinterer Ranglistenplatz, um mit weniger Masse, aber mehr Klasse den aufgepusteten Nachwuchsrocker aus dem Ring zu knocken.

 Wozu brauchen wir noch Kino und Fernsehen, wo Sitcom meist nur Shitcom ist, wenn man die weltbeste Unterhaltung zuhause in seinem Flohzirkus hat? Wem die tägliche Shitcom auch auf den Zeiger geht, sollte seine Hündin nehmen, zu einem ordentlichen Kerl fahren und die Komik des Lebens auf den Weg bringen; mehr Unterhaltung geht nicht, selbst wenn man den Dauerauftrag zur Endmoränen- und Teichbeseitigung einbezieht.

Ein Wort noch zu unserem Felix, der seit Anouks ungehaltenem Murren intern nur noch Flix heißt. Ob es die gestrige Androhung der Rute war oder gar die Sorge, er müsse sogar zusammen mit Franz in den Sack und hinaus in die Wälder, wir haben den Eindruck, er ist etwas handzahmer geworden und haut nicht jedem, der ihn passiert, eine auf die Nuss, er ist nicht mehr ganz so aufbrausend und jähzornig. Er ist aber noch immer ein Frontmann, eine Rampensau, der gerne im Mittelpunkt steht. Er ist als Erster in der geöffneten Spülmaschine und als Erster versucht er, eine Flasche aus einem Flaschenregal zu zupfen, die ihn im Erfolgsfalle wahrscheinlich erschlagen würde. Felix ist immer auf der Suche nach neuen Abenteuern und Schelmereien. Für Felix gilt: ist gutes Kind, ist böses Kind, je nach Hormonlage. 

Fanni vom Bairischen Blues am 07.12.2011
Fanni ist vom vielen Essen völlig erledigt
Seit ein paar Tagen dreht sich eigentlich alles nur noch um externe Futtergaben, natürlich weil sie notwendig geworden sind und nebenbei einen Haufen Spaß mitbringen. Aber Franzi säugt immer noch, lässt sich quälen und gibt ihr Bestes, auch wenn es ihr sichtlich schwerer fällt. Was uns auffällt, ist die Spielkultur nach den Futtergaben. Frenzy kugelt durch die Gegend und rollt sich mit dem kleinen Bärchen, Flori erlegt still und leise die Ikea-Ratte, nur damit er ihr anschließend ein Ohr abkauen kann. Das alles ist ein stilles Spiel, ein stillvergnügtes Spiel, ein selbstvergessenes und selbstverliebtes Spiel mit sich selbst. Aber auch wenn die Welpen miteinander spielen, läuft das fast geräuschlos ab, hier ein Schmatzen, dort ein Kieksen und, man könnte fast sagen, ein Kichern. Keine Aggression, kein Aufbrausen und kein Gegröle. So sieht das aus, nachdem Franzi gesäugt hat. Wenn wir füttern, ist das Spiel danach von handfesterer Qualität, dann geht es zur Sache und an die Wäsche. Vielleicht täuschen wir uns, vielleicht interpretieren wir so eine Art heile Welt ins Stillen. Vielleicht ist der Grund auch darin zu suchen, dass Franzi nur Milch liefert und wir Fleisch? Sind also Vegetarier doch die besseren Menschen? Und sind etwa sogar vegetarische Hunde die besseren Hunde? Man mag diese Frage im Hinblick auf die zu erwartenden Forumsdiskussionen gar nicht weiter verfolgen. Dort zumindest würde man bezüglich der Diskussionskultur keinen Unterschied zwischen Vegetariern und Karnivoren feststellen können. Dieser Gedanken konsequent zu Ende gedacht, liefe auf das Ergebnis hinaus, dass Forumsverweigerer vermutlich die friedlicheren Menschen seien. Doch das sprengt den Rahmen dieser Chronik – obwohl sie sich unentwegt um nichts als Fieslinge dreht…  

Vierte Woche von Frau Fischers Fritzen - Do

Donnerstag, 08.12.2011

Wir können alle beruhigen, die Angst hatten, dass Frau Fischers Fritzen weiter so ungeniert in den Kalorientopf stippen, dass sie bald platzen. Heute waren es „nur“ 1470 Gramm in der Gesamtbilanz. Und es sind einige bemerkenswerte Kennzahlen zu berichten. Da wäre Franca, die Maßlose auf bescheidenem Niveau: 150 Gramm auf einmal! Dafür hatte sie vor wenigen Tagen fast eine ganze Woche gebraucht. Näher ans Hauptfeld rückt sie mit den erreichten 1580 Gramm natürlich auch nicht. Nur Fine bleibt noch in Sichtweite, Fine, die immerhin auch stolze 140 Gramm auflegte und bei 1630 stehen blieb. Ein Meilenstein ist, dass wir heute die ersten drei Vierpfünder melden können. Das ist natürlich Franz (2110, +170), Fado (2090, +160) und Felix (2050, +140). Dazu kommen noch einige Perspektivspieler mit Aussicht auf die 2000 Gramm für morgen: Ferdi und Fetzer jr., beide mit 1960 Gramm, Flori mit 1940 Gramm und, wenn sie sich ein wenig anstrengt, Frenzy mit 1900 Gramm. Mehr muss heute nicht sein, entscheidend ist für uns und alle, die sich auf einen kleinen Fritzen freuen, dass alle in bester Verfassung sind und ihren Tag genießen.

Franca vom Bairischen Blues
Franca
Es ist kein Zufall, dass Franca jetzt auch auf der Waage ein wenig mehr ins Blickfeld rückt: Franca macht mächtige Aufholschritte. Wenn wir jetzt behaupten würden, dass Franca nie eine Riesin werden würde, könnte uns das gleiche passieren wie vor Jahren mit Benta. Da hatten wir im Brustton der Überzeugung doziert, dass das Schnuckelchen und Nesthäkchen immer eine eher Kleine bleiben würde, und wie hat uns daraufhin die Wirklichkeit zusammen mit Benta an den Ohren gezogen, dass sie ganz rot wurden vor Scham: Benta ist heute ein großrahmiges Schlachtschiff, das es mit ihrer nicht gerade zierlichen Mutter Anouk locker aufnimmt. Nein, so etwas kommt uns nicht mehr über die Lippen, schließlich werden nicht nur unsere Welpen jeden Tag ein bisschen schlauer, sondern auch wir sind, wenn auch der Prägephase weit enteilt, durchaus noch lernfähig, und zwar mit jedem Wurf. Natürlich ist Franca weiterhin die Kleinste und Leichteste. Aber der Menetekel-Spruch Gewogen und zu leicht befunden trifft für sie längst nicht mehr zu. Sie ist nicht die Aufschneiderin und Windmacherin in der Truppe, sie ist eher die stille Antizyklische. Wenn die Mehrheit schläft, geht Franca gern auf Entdeckungstour und lässt dabei wenig aus, kaum etwas entgeht ihrem Forschertrieb. Wenn aber die anderen auf den Putz hauen, zieht sie sich gerne in die Schnullerkiste zurück und drückt ein Auge zu. Dennoch ist sie keine Außenseiterin oder Mauerblümchen. Sie ist ein sehr selbstbewusstes und eigenständiges Persönchen geworden, das aber offenbar keine Lust hat, ihre Zeit mit Pöbeleien zu vergeuden. Dass sie nicht neben der Musik herläuft, belegt schon die Tatsache, dass sie Franz‘ beste Freundin ist. Sehr häufig, wenn man zwei innig und lautlos miteinander rangeln, kneifen, schnabeln oder einfach aneinander geschmiegt in der Kiste liegen sieht, sind es Franz und Franca. Die beiden sind ein Herz und eine Seele. Ohne Franz ist Franca meist intensiv mit irgendeiner Sache beschäftigt, das kann der 35. Versuch sein, auf Franzis Elefanten zu klettern, ohne gleich wieder auf die andere Seite hinunter zu plumpsen. Wenn sie eine Sache in Angriff nimmt, lässt sie erst locker, wenn sie sie bewältigt hat, wenn ihr der Dampf ausgeht oder wenn sie von einer vorbei marodierenden Horde zum Aufgeben gezwungen wird. Und oft genug sieht man dann den Rest der Bande, wie sie sich am gleichen Problem versuchen, sich aber, wie man sich denken kann, dabei nur gegenseitig im Weg stehen. Wenn man Franca aus diesem Blickwinkel betrachtet, ist sie nicht nur keine Außenseiterin, sondern häufig genug Initiatorin und Ansporn für ihre Geschwister. Wer die Konzentrationsfähigkeit von Welpen kennt, die ja ebenso kurz ist wie bei Menschenkindern, weiß diesen Durchhaltewillen zu schätzen; da ist ein Tiefbohrer am Werk, eine Schwester Leichtfuß ist Franca nicht. Wir beobachten sie mit besonderer Freude, weil umtriebige und schräge Vögel bei uns eher die Regel als die Ausnahme sind, weshalb die Tiefgründigen in einen Hauch Exotik gehüllt durch unsere Hallen streifen. Diese Frau Fischer werden wir uns in der zweiten Halbzeit sehr genau ansehen.

Wir haben jeden Tag wieder Grund, über das Lerntempo der Fritzen zu staunen. Auch beim sechsten Wurf gibt es keine Routine und nichts ist für uns selbstverständlich. Gestern haben wir bemerkt, wie schnell die Kleinen gelernt haben, wann und wo ihr Futter zubereitet wird und dass sie um uns herum lungern und uns nicht aus den Augen lassen; das hatte noch etwas von Unsicherheit, gepaart mit Hoffnung, so ähnlich wie die Fans eines Stars vor einem Hotel herumlungern, von dem sie mehr als nur eine vage Hoffnung haben, dass er dort abgestiegen ist. Schon heute ist das alles anders: heute sind keine Zweifel mehr, heute wird nicht vor der Hoteltür herumgelungert und der Name gerufen, heute wird die Tür in aller Gewissheit, dass der oder die Angebetete sich dort drinnen aufhält, gestürmt, d.h. die Kleinen hängen uns schon an den Hosenbeinen und klagen lauthals das ein, was nun unzweifelhaft für sie bestimmt ist. Und für uns wird das Abstellen der Futterringe (einer reicht ja schon längst nicht mehr aus) auf den Boden immer komplizierter, weil die Bande schon voraus eilt und genau dort tobt, wo ihr Futterplatz ist. Wir müssen also jetzt öfter den Platz wechseln, um die Geier zu verwirren. Wir wissen, dass selbst die Fütterung im Garten, wo man meint, genügend Platz zu haben, bald schwierig werden wird, weil diese entfesselten Kugelporsches so schnell sind, dass man sie entweder zusammentritt, wenn man versucht, sie abzuhängen oder zu spät kommt und alle, egal, wohin man sich wendet, schon wieder einen grölenden Mob um die Füße herum bilden. Wie oft haben wir schon eine ganze Portion über den Hungerleidern ausgeschüttet! Ach, wie wir diese schlauen und lebhaften Kinder lieben!

Das Mangfalltal zeigt sich heute von seiner herbstlichen Seite: blauer Himmel bei sehr frischem Wind. Wie weit dieses Wetter mit dem Hundertjährigen konform geht, lässt sich nicht sagen, weil dieser den 8. geflissentlich ausspart. Vielleicht hat ihm das Fest der Unbefleckten Empfängnis, das die römische-katholische Kirche heute feiert, die Sprache verschlagen. Für die fixen Kopfrechner, die jetzt kichernd in der Ecke hocken und sich darüber lustig machen, dass Maria ihren Jesus entweder in nur 16 Tagen ausgetragen oder ihn mehr als drei Monate übertragen habe, sei ins Stammbuch geschrieben, dass es sich bei dieser unbefleckten Empfängnis nicht um die von Jesus handelt, sondern um Marias Empfängnis, also genau genommen, die ihrer Mutter. Mit diesem Dogma soll Maria, die Gottesmütter, quasi vom ersten Tag ihres Lebens von der Erbsünde befreit werden, weil selbst eine unschuldige Sünderin nicht zur Mutter Gottes taugt. Das Fest Mariä Geburt wird folgerichtig am 8. September gefeiert und zwar schon seit dem 7. Jahrhundert. Und dann haben die Chefmathematiker im Vatikan ungefähr zweihundert Jahre gerechnet und gerechnet und gerechnet, bis sie irgendwann im 9. Jahrhundert den 8. Dezember als den Tag der Empfängnis verkünden konnten. Gut Ding will eben Weile haben. Die Welt ist voller Schnurren – und beim Blues kriegt man sie kostenlos zum Abheften geliefert.

Anouk mit Welpen im Garten
Anouk steht mit Rat und Tat zur Seite
Aber zurück zum blauen und windigen Wetter. Wir holen die Welpengitter heraus und machen unseren Garten ausbruchsicher (hoffentlich!), weil wir den kleinen Fritzen heute einen halbwegs komfortablen gemeinsamen Ausgang gönnen wollen. Man weiß ja nicht, wie lange das noch gut geht mit dem Wetter, eine Armlänge weiter, drüben in Miesbach, liegt heute schon Schnee. Und dann wird die ganze Meute am frühen Nachmittag in die Freiheit entlassen. Mama und Tante sind sehr behilflich, sprechen Trost zu und
Fanni auf der Terrasse
Fanni findet kalte Füße furchtbar
geben den ein oder anderen aufmunternden Klaps, aber schon nach wenigen Minuten ist die Neugier größer als der Bammel. Interessant ist, dass die Schwierigkeiten ganz unterschiedlich erlebt werden; so gibt es einige, die mit dem Steinboden der Terrasse nicht zurecht kommen und mehr oder wenige auf dem Bauch robbend sich fortbewegen, aber im Gras keinerlei Probleme haben. Bei anderen ist es dagegen genau anders herum. Den ganz anderen ist beides egal, sie nehmen unter die Füße, was sie unter die Füße bekommen. Fürs erste Mal machen Frau Fischers frische Fritzen das aber sehr ordentlich, allerdings ist ihr Durchhaltevermögen bei dem frischen Fritzenwind überschaubar: nach einer Viertelstunde hat sich alles im bereitgestellten Kuddebett versammelt und schläft eng zusammen gekuschelt einen aufregenden, von Träumen durchwehten Schlaf. Sind schon ziemlich gute Kind, die kleinen Fieslinge.

Vierte Woche von Frau Fischers Fritzen - Fr

Freitag, 09.12.2011

Der heutige Freitag beginnt mit 3° C und wolkenlosem Himmel, schwingt sich mittags zu wolkigen 14° C auf und endet nachts bei 7° C und Regen. Soviel zum Thema: 9. – 19- hellt sich auf und gefriert! Mehr sagen wir dazu nicht mehr.

Mehr sagen wir aber zur Gewichtsentwicklung, wenn auch nicht wirklich viel. Tatsächlich haben alle Vierpfund-Kandidaten den Sprung über die Hürde geschafft. Der Junior hat nur das Nötigste getan und schafft 2040 Gramm (+80). Mehr hat sich Ferdi ins Zeug gelegt: 2200 Gramm, das sind 240 Gramm Aufschlag. Wenn man bedenkt, dass heute nur insgesamt 1120 Gramm zu Buche stehen, hat er sich von diesem Kuchen ein ordentliches Stück genommen. Flori ist der Minimalist in Sachen Futterverwertung: 60 Gramm haben ihm gereicht, um sich und uns nicht zu blamieren und eine Punktlandung auf 2000 Gramm hinzukriegen. Da zeigte Frenzy schon einen anderen Ehrgeiz und drehte dem maulfaulen Kerl eine Nase: 120 Gramm und weiche Landung auf 2020. Auf die Mädels ist eben Verlass. Tusch, Frenzy! Somit sind nur noch die drei Leichtgewichte Franca, Fine und Fanni von der Vierpfünderschaft entfernt, und zwar deutlich, und Fianna, der wir mit 1980 Gramm den Sprung für morgen vorhersagen. Vorne ist alles beim alten; Franz regiert (2240), Ferdi pariert mit 240 Gramm und 2200 beim Fettbörsenschluss, und die Möchtegerne Felix und Fado (2150) verlieren an Boden. Aber noch ist nicht der Strich unter der Tabelle, noch sind (fast) alle Optionen offen - außer der, dass die Mannequin-Fraktion am Ende ganz oben steht.

Natürlich nutzen wir den recht brauchbaren Tag immer wieder für einen Ausgang im Garten und die kleinen Fritzen zeigen sich schon recht trittsicher, Die kleine Franca, der wir schon einen enormen Entwicklungssprung bestätigt haben, ist ganz und gar auf Outdoor eingestellt, hier blüht sie plötzlich auf, schubst Bälle herum, schleppt jegliche Krimskrams mit sich und ist einfach wie ausgewechselt. So eine Nudel!

Franz vom Bairischen Blues gibt Laut
Erst mal die Forderungen deutlich machen
Franz ist da aus anderem Holz geschnitzt. Das stille Spiel ist nicht seine Kernkompetenz. Franz ist ja eher laut und wer Gerümpel im Schnabel herumträgt, kann sich nicht angemessen artikulieren, zumindest jetzt noch nicht, später wird ihm das gelingen. Dabei ist Franz ein ganz Gutmütiger, so eine Art Tiefenentspannter, der, wie wir schon ausführten, unglaublich innig und lautlos mit Franca liegen oder spielen kann. Er ist kein Krawallo! Aber über Franzens leidenschaftlichen Freiheitsdrang haben wir uns schon verbreitet, und wenn ihn dieser zum Protest gemahnt, dann ist Krawallo noch nicht einmal mehr das angemessene Etikett für ihn. Heute muss Franz wieder einmal, wie jeden Tag, in die Box, weil geputzt werden muss, und heute ist nach Franzens Kalender der Tag der Tage, jener, an dem definitiv mit dem Leben im Laufstall ein Ende sein muss. Franz raunt laut. Franz
Franz vom Bairischen Blues nimmt seine Rechte selbst in die Hand
Nur Feiglinge leben freiwillig hinter Mauern
rumort. Franz dreht am Pegel, Franz grölt. Franz arbeitet sich an der Barriere ab, die ihn von der Welt trennt. Franz schreit. Franz arbeitet die Boxenwand von innen auf, bearbeitet sie mit allem was er hat. Franz macht Klimmzüge und plärrt dabei. Die Klimmzüge bringen ihn bereits auf Brustniveau mit der Boxenkante und Franz laufen vor Anstrengung, Wut und Stimmdruck fast die Augen über. Franzens Gesang bringt schon fast die Gläser zum Klingen – da ist er drüber. Plumps. Pardauz, da liegt der stolze Franz auf dem Boden, rappelt sich auf und wackelt davon. Doch das Flurbereinigungspersonal ist not amused und schafft ihn wieder dorthin, woher er kam. Franz fängt die Vorstellung von neuem an und landet wieder unsanft auf der Nase. Das Problem ist, dass er selbst nach dem vierten Mal dieselbe noch immer nicht voll hat und es ein weiteres Mal versucht. Woher
Franz vom Bairischen Blues - kopfüber in die Freihei
Hals über Kopf in die Freihet
nimmt der Knirps nur die Kraft?! Das Putzpersonal fragt sich, ob der Feldversuch bis zur totalen Erschöpfung des Probanden weiter geführt werden sollte, oder doch die Plackerei belohnt werden müsste. Natürlich wird sie belohnt! Nach dem nächsten erfolgreichen Versuch darf sich Franz auf seine Decke schleppen und neue Kräfte sammeln. Es ist nicht geklärt, ob der Versuch wegen des warmen Herzens des Putzmeisters abgebrochen wurde oder aus reinem Selbstschutz, weil bei Franzens Vollton-Performace nicht nur die Luft, sondern auch die bereits etwas waidwunden Nerven vibrierten. So ist jedenfalls Franz der Liebling der Nation, ohne auch nur einen Finger dafür krumm gemacht zu haben, einfach, weil es ihn gibt, weil Frauen wohlbeleibte Männer zu schätzen wissen (solange es nicht ihre eigenen sind) und weil wegen eines existenzbedrohenden Mangels an Typen, jeder das Typenschild bekommt, der in typenreicher Zeit noch mit dem großen Haufen gelaufen wäre; Soziologen nennen so etwas neuerdings auch das Guttenberg-Gefälle, welches die gesellschaftliche Überhöhung eines grauen Flanellzwergs zum Paradiesvogel beschreibt. Doch eigentlich müssen wir diese Einordnung dem Franz gegenüber sofort wieder zurücknehmen, weil der ja nicht nur gelegentlich eine an der Klatsche, sondern wirklich was auf der Kiste hat. Immerhin hat er es nicht nur bei der lauthalsen Ankündigung großer Taten belassen, sondern diese ein ums andere Mal in die Tat umgesetzt, wie einst der unselige Sisyphos. Wenn wir ihn gelassen hätten, hätte er um seine Freiheit vermutlich bis zum Exitus gekämpft. Das sind Kerle! Dieser unser Franz ist ein ganz großer Franz, nicht nur weil er um seine Freiheit kämpft wie ein Großer, sondern weil an seiner Seite auch die Schwächeren nicht verkommen. Er ist sich für kein Spielchen zu schade und gibt gerne den „großen Bruder“ für die, die in seinem Schatten Geborgenheit suchen. Und dem Felix haut er auch mal eine auf die Nase. Deswegen kommt es auch nur selten zum Bullen-Showdown, weil beide wissen, was sie an einander haben. Und weil alle ihren Franz so schätzen, lassen sie ihn sein Steckenpferd reiten und schlafen unbeeindruckt, während er für ihre Sache kämpft. Der Franz wird’s schon richten. Entweder er holt sich eine blutige Nase oder etwas für uns raus. Hinter einem solchen Burgfried lässt es sich sorgenfrei schlummern.
Die Viererbande erobert Anouks Bett
In fremden Betten tobt sich's gut

Doch Franz ist nicht ganz allein bei seinen Extratouren. Abends bricht er plötzlich mit Verstärkung ins Wohnzimmer ein, räumt Widerstände in Form einer liderlich befestigten Barriere nahezu mühelos beiseite und bricht mit seinem Rollkommando in fremdes Territorium ein. Die Mitmarodeure heißen Felix, Fine, Fanni und Ferdi (die drei Blonden hat er vermutlich zur Beschwichtigung der dort lebenden Ureinwohner mitgenommen). Aber auf diese haben es die Usurpatoren gar nicht abgesehen, ihr Ziel ist Tante Anouks Kuddebett mit flauschigem Winterbezug. Mit großem Gejohle dringt die Bande in Anouks Reich ein, pöbelt und randaliert wie einst die Langobarden in Rom und vertreibt eine völlig entnervte Anouk aus ihren Gemächern, wie jene einst den Romulus Augustulus aus seinem Reich. Anouk wählt als Rückzugsort das Sofa, von dem herab sie das Treiben

Die Viererbande macht sich über die Hausheiligen her
... und macht euch die Erde untertan ...
indigniert beobachtet, obwohl man ihr eine gewisse Altersmilde nicht absprechen kann; sie seufzt, verdreht die Augen und murmelt etwas von verzogenen Fratzen. Es müsste ja eigentlich Fritzen heißen, aber darauf kommt es gar nicht an. Nachdem Anouk entwurzelt war, macht sich der Haufe über die Staatspreziosen her, plündert einen Fotorucksack und eine Kameratasche erfreut sich ganz besonderer Beliebtheit. Wenn sie es nur dabei belassen hätten! Aber nein, wenn immer sich ein entfesselter Mob seiner Sache sicher und den Gegner wehrlos glaubt, setzt er sich über alle auch nur irgendwie vereinbarten gesellschaftlichen grenzen und lässt alle Schamgrenzen fallen. Dieser Mob hier entledigt sich völlig ungeniert seines Ballasts, entleert Darm und Blase großflächig und schnattert dabei herum wie die Gänse auf dem Kapitol. Dieser Auftritt ist ein einziges Festival (für
Anouk zieht sich indigniert zurück
Der Klügere gibt nach...
sie) und ein Inferno (für uns). Nachdem wir gesehen hatten, wie weit sie zu gehen bereit sind und wie weit sie letztlich auch gegangen sind, kommen sie unter die Arme und bekommen einen Frei-Lift back home. Man fragt sich, welche Rolle eigentlich eine Mutter in einem solchen Fall zu spielen hätte – oder eine Tante, die doch sonst immer wusste, was sich schickt und was nicht. Doch die eine betrachtet den Narrenaufzug unbeteiligt aus der Küche und die andere zieht sich, wie schon erwähnt, auf ihr Sofa zurück und mault leise. Als ob sich dadurch schon jemals etwas hätte ändern lassen.

Als letzte Mahlzeit, beinahe hätten wir diese nach den Vorgängen am Abend Henkersmahlzeit genannt, gibt es heute erstmals Pansen, gewolft und mit Kartoffelbrei geschmeidig gemacht. Ein Futterfremdeln gehört jedenfalls nicht zur Grundausstattung dieser Fritzen; sie stürzen sich auf diese ungewaschene Stinkepampe und verputzen sie mit Heißhunger und sichtbarem Vergnügen. Also Leute: Pansen wird erbeten – es muss ja nicht im Wohnzimmer sein; die Fritzen dinieren auch im Hof oder auf der Terrasse.

Und weil den kleinen Fieslingen ihre Portion Pansen nicht genug war, greifen sie auch noch Mama Franzis Ration ab, indem sie sie dazu bringen ihre Portion wieder hervor zu würgen. In der Natur ist das der Übergang von der reinen Milchmahlzeit und der richtigen Fleischmahlzeit. Weil die Kleinen ihre Fleischportion noch nicht richtig zerlegen und zerwirken können, kommt ihnen die Mama entgegen, indem sie schon mal eine entsprechend große Portion vorverdaut und sie auf Kommando wieder abgibt. Das Signal dazu geben die Welpen, indem sie ihrer Mutter an die Lefzen gehen, sie in die Lefzen beißen und bestimmte Lockrufe ausstoßen – und dann macht’s würg und schlürg und die ganze Bescherung kommt wieder hoch. In unserem Fall direkt in die Schlummerkiste, Mahlzeit. Es ist unappetitlich, aber es ist die reine Natur, anders würde es dort nicht funktionieren. Hovawarte sind noch sehr naturnahe Hunde, weshalb dieses Verhalten bei ihnen noch vielfach anzutreffen ist. Andere Rassen haben davon keine Ahnung mehr; für sie kommt das Futter aus dem Napf wie für uns der Strom aus der Wand. Für uns heißt das aber konkret, dass wir darauf achten müssen, wann wir was wo füttern, weil nicht alles vorgewürgt wird, Trockenfutter bleibt beispielsweise immer in der Mutter, während Pansen oder Innereien heiße Würgekandidaten sind. Auch wenn hier die Natur ruft, muss man die Natur nicht überall im Hause zu Gast haben. Wir erinnern uns, wie Anouk einmal die ganze Bescherung in die Schwelle der Terrassentür würgte; man macht sich keine Vorstellung, wie lange man da putzen und friemeln kann, bis die Bescherung aus all den Ritzen und Falzen wieder entfernt ist.

Vierte Woche von Frau Fischers Fritzen - Sa

Samstag, 10.12.2011

Wir haben Halbzeit; vier Wochen fulminantes Fieslings-Festival hinter uns und vier Wochen fulminantes Fieslings-Festival vor uns.

Wir mögen gar nicht darüber nachdenken, dass wir schon auf dem halben Weg zum Abschied sind. Während die einen mit vereinten Kräften die Zeiger beschleunigen wollen, hängen wir uns mit unseren bescheidenen Kräften an diese, damit sie langsamer rücken. Ach, menno, auch wenn uns Franz heute wieder einen besonderen Beweis seiner Stimmkraft liefert, ein Konzert für Solist und zehn Schläfer, wollen wir auf diese Fritzen von Frau Fischer einfach nicht mehr verzichten. Sie sind jetzt in einem Alter, in dem die Wässerchen, die sie trüben könnten, noch ziemlich klar sind und in dem Übergriffe und Gemeinheiten so putzig sind wie die künstlerische Relevanz des hiesigen Bauerntheaters. Wenn der Geisacher Bepp zornrot über die Bühne tobt, weil ihm der Oberbichler Sebi die Krautner Marjorie ausgespannt hat, und der Bepp dem Sebi finstere Drohungen widmet, die so authentisch klingen wie die McDonald’s-Werbung vom Schubeck Alfons, wenn er dabei zornbeflügelt über die Bühne schwebt wie der Calmund Kalli, dann muss das Publikum lachen, obwohl es um den Sebi fürchten sollte. Komik ist wenn man trotzdem lacht, Bauernkomik ist, wenn man die tragischen Momente verlacht und sich vor den romantischen fürchtet. Wir lachen viel über unsere Fritzen und vor allem dann sehr ausgiebig, wenn sie sich besonders anstrengen, uns zu piesacken. Dieses Lachen wird uns bald vergehen, das Theater wird seine künstlerische Relevanz erlangen und wir werden, jede Wette, an den richtigen Stellen aufjaulen. So viel ist sicher und dennoch können wir von den frischen Fritzen nicht genug bekommen.

Halbzeit ist immer eine passende Gelegenheit, eine Zwischenbilanz zu ziehen (Männer, wir liegen 0:5 hinten, das war nichts bisher, aber verloren is‘ noch nix, weil aus ist erst, wenn der Schiri pfeift, und außerdem ist der Ball rund undsoweiterundsoweiter…). Das wollen wir auch tun, ohne einem lachhaften Zweckoptimismus das Wort zu reden.

Optisch reiht sich dieser Wurf in Franzis Würfe ein, wobei ihm die Ausreißer nach oben und unten fehlen; es fehlt die nahe ans Ideal heranreichende Perfektion einer Echo, aber auch die Negation des Standards in Sachen Weiß einer Daxi. Franzi verteilte den Inhalt ihres Füllhorn in allem gleichmäßig auf alle: Hier ein bisschen zu wenig Farbe, dort ein bisschen zu viel, und das Weiß verteilt sich unproblematisch auf viele Körperpartien und Kinder, nicht alles auf einer Brust wie bei Daxi. Bezüglich der Gewichte gibt es nichts Spektakuläres: Frau Fischers Fritzen sind leichter als ihre direkten Vorgänger und liegen etwa gleichauf mit den Doras. Franzis Würfe waren bisher sehr triebig, aber weniger aggressiv als Anouks, dieser hier zeigt seine Trieblage bisher vor allem in einem sehr hohen Spielniveau, das teilweise mit sehr langen und intensiven Spielphasen besticht. Dabei sind diese Fritzen alles andere als Fieslinge, sie sind eher zurückhaltend, nicht zögerlich oder ängstlich, eher besonnen (jawoll, die Welt besteht nicht nur aus Flix und Franz!), sie sind nicht so durchgeknallt, wie wir es schon erlebt haben, dass einem dauernd der Draht aus der Mütze fliegt, weil die

Franzi vom Fuchsiengarten
Zufrieden mit eurer seriös gewordenen, gereiften Franzi?
Nachwuchshelden von einem Extrem ins andere fallen. Irgendwie wirkt dieser Wurf reifer für sein Alter, als ob Franzi ihre eigene Reife an ihre Kinder weiter gegeben hätte. Wie hätte auch ein Kobold seriösen Nachwuchs generieren sollen? So seriös kann kein Deckrüde sein, es sei denn er wäre eine Schlafmütze vom Format eines Riesenfaultiers. Franzis Lebensabschnittspartner gehörten nicht dazu und Fetzer schon gleich gar nicht. Wir sind jedenfalls sehr angetan, die Fritzen sind lustig und fidel, neugierig und tatendrängig, sie stehen mit ihren Stummelbeinchen breitbeinig auf der Erde und machen einen ausgesprochenen cleveren Eindruck. Dass sie genug Pfeffer haben, werden wir bald spüren und ihre zukünftigen Herrschaften werden auch noch genug damit zu kämpfen haben. Sie stehen schon sehr selbstbewusst im Leben und es ist unsinnig anzunehmen, dass sie sich demnächst zu Angsthasen und Duckmäusern reduzieren werden. Kurz: wir sind mehr als zufrieden; wir strahlen wie Fukushima, nur nicht so lange.

Über Franca und Franz haben wir schon ein bisschen etwas gesagt. Jetzt sollen auch die anderen zu ihrem Recht kommen.

Frenzy vom Bairischen Blues mit vier Wochen
Frenzy
Frenzy ist so eine Grenzgängerin zwischen dem seriösen neuen Typ von Franzi und dem alten von Anouk. Anfangs unscheinbar, klein und sanft, etwas verhuscht und gelegentlich eher ängstlich als kampfeslustig. Jetzt aber legt sie die Karten auf den Tisch, zieht Trumpf um Trumpf und macht sich breit im Feld der Fritzen. Keiner zieht die Kleine, die keine Kleine mehr ist, sondern längst in die Gewichtsdomäne der Brüder eingebrochen ist, keiner zieht diese Frenzy mehr über den Tisch. Die langt richtig zu. Frenzy entwickelt sich zusehends zur Kneifzange der Fieslinge, zum Schnappi der Fritzen; wenn es weh tut, hat Frenzy ihre Werkzeuge im Spiel. Aber sie ist eine lustige Nudel, keine Spur von humorloser Beißstute, nimmermehr!, sie hat den Schalk gepachtet, gibt die Nimmermüde und ist in jedem Knäuel dabei. Wo es raucht und zundert, ist nicht nur Felix dabei, sondern zunehmend auch Frenzy (und, soviel vorweg: Fianna). Sie keilt aus und steckt männiglich ein. Sie ist von dem Holz, das wir mögen, ein ehrliches, gerades Wesen, das aus seinen Gefühlen kein Geheimnis macht, sondern zupackt, wenn ihm danach ist und kuschelt, wenn die Kuschelstunde schlägt. Als wir sie Frenzy tauften, das ja Wahnsinn oder Raserei bedeutet, war sie von diesen Eigenschaften noch Lichtjahre entfernt, jetzt nähert sie sich ihrem Namen an, aber nur so viel, dass sich in Richtung frenetisch bewegt, etwa, wenn sie frenetischen Beifall für eine gelungene Aktion bekommt. Frenetisch hat die gleiche Abstammung wie frenzy und steht nicht nur für rasend, überschäumend und ungebändigt, sondern heute vor allem für voller Begeisterung. So sehen wir inzwischen unsere Frenzy: voller Begeisterung.

Flori vom Bairischen Blues mit vier Wochen
Flori
Flori ist der neue Mann, von dem Frauen immer schwärmen (Neue Männer braucht das Land), obwohl die neuen Frauen davon anscheinend auch schon wieder abgekommen sind. Egal, Flori ist so einer, wie er vermutlich vor Jahren hätte sein sollen: sanftmütig, aufmerksam, verständnisvoll, ach ja, so ein ganz Guter eben, wie es ihn eigentlich nirgendwo gibt, außer in der Phantasie von Frauen – und bei uns. Unser Flori ist so einer. Sanftmütig, ein ständiger Schatten, vorsichtig und rücksichtsvoll. Wenn wir kochen, liegt uns etwas, nein, nicht zu Füßen, sondern auf den Füßen: Flori. Wenn uns etwas am Hosenbein zupft – Hallo, Herr Nachbar, ich hätt da mal ne Frage: Flori. Wenn jemand auf einem x-beliebigen Arm ohne jeglichen Argwohn einschlummert: Flori. Flori scheint noch vor dem Sündenfall im Paradies gezeugt und erst heute zu uns gekommen zu sein. Aber Flori hat auch eine sehr irdische Seite: er ist unser Chefingenieur. Wenn er nicht Arme besetzt oder träumt, erkundet er, zerlegt mit Engelsgeduld, geht den Dingen auf den Grund, will wissen, will erspüren, will bosseln. Er ist also in zweifacher Hinsicht tiefgründig, nur abgründig ist er nicht. Noch etwas ist er: schnell, flott auf den Beinen, nicht so schnell wie Porsche-Ferdi, aber richtig fix. Wozu er diese Fertigkeit bei seiner beschaulichen und entschleunigten Lebensführung überhaupt braucht, wird sich hoffentlich noch offenbaren. Vielleicht steckt ja noch viel mehr in ihm und er gibt die ganze Wahrheit wie ertappte Politiker nur scheibchenweise preis. Ein richtig liebenswertes Bürschchen, unser Flori, der eigentlich auch gar nicht anders heißen darf. Man stelle sich diesen sanften Wuschel als Fitzcarraldo, den Zorn Gottes vor…

Fetzer jr. vom Bairischen Blues mit vier Wochen
Fetzer jr.
Der Junior Fetzer war bisher der Mann ohne Eigenschaften, die einzige Eigenschaft die ihm so etwas wie Profil gab, war, dass er den Namen seines Vaters tragen durfte. Er war also so etwas wie von Beruf Sohn. Doch gerade in den letzten Tagen schlüpft ein lebhaftes Kerlchen aus der Kapsel, einer der sich von der Last des Namens befreit, der aufdreht, der sich vor allem um jedes Spielzeug verdient macht, indem er sich ihm mit besonderer Aufmerksamkeit widmet, es rüttelt und schüttelt und irgendwie keine Ruhe hat, bis er auch dem letzten aller Spielzeuge seine Aufwartung gemacht hat. Jetzt dreht er plötzlich auf, ist bei immer mehr Partys zu sehen und scheint langsam zu spüren, dass ihm der zugeknöpfte Frack zu eng geworden ist. Bei ihm haben wir noch lange nicht alles gesehen, der Junior ist noch eine Wundertüte. Und gibt es etwas Schöneres, als eine Wundertüte zu öffnen? Wir sind uns ganz sicher, dass in dieser Tüte kein Ramsch steckt.

Fine vom Bairischen Blues mit vier Wochen
Fine
Fine ist die kleine Schöne, die Sanfte, die sich offenbar selbst genug ist. Sie ist schon gerne mit den anderen unterwegs, aber ihr Glück findet sie, wenn sie nach Mamas Mahlzeiten auf dem Rücken liegt und sich die Nägel macht. Dann liegt sie da, knabbert an ihren Füßen und Zehen herum, murmelt leise Lieder, jauchzt hin und wieder und spricht mit Elfen. Fine ist einfach brav, sie ist gut, so gut wie unser Flori, aber sie hockt uns nicht auf den Füßen herum, weil sie ihr Glück bei ihren Füßen gefunden hat. Wir machen uns Sorgen, ob die Zarte nicht später mal diesen bei Frauen finanziell so zerstörerischen Schuhtick entwickelt. Aber, und das ist nicht nur so her gesagt, wir befinden uns erst am Ende der vierten Woche. Eine Vorhersage über das endgültige Wesen dieser kleinen Nägelbeißerin, wäre nicht nur verfrüht, sondern höchst dumm und gefährlich. Wer einmal erlebt hat, wie im B-Wurf aus einem im Tutu herum tänzelnden Ballettmäuschen namens Beltane ein zupackendes und nichts anbrennen lassendes Vollweib namens Suki geworden ist, ist von solchen vorschnellen Prognosen fürs Leben gefeit. Wer also glaubt, mit dieser kleinen Fine auf der unkomplizierten und sicheren Seite des Lebens angekommen zu sein, der könnte möglicherweise bald auf einen Psychiater angewiesen sein.

Fianna vom Bairischen Blues mit vier Wochen
Fianna
Fianna, es hat sich schon herumgeraunt in der Gemeinde, ist Frauchens Herzgewächs. Sie hat nicht nur ein rabenschwarzes Ohrfeigengesicht, sondern ist durch und durch rabenschwarz. Eigentlich wollte sie ja auch phänotypisch ganz schwarz auf die Welt kommen, bis man ihr steckte, dass zwei schwarzmarkene Eltern keine schwarzen Kinder bekommen können (Genetik für Fortgeschrittene, kommt erst in der Unterprima dran). Da beschloss sie eben der Form halber und um Mendel nicht bloß zu stellen, sich ein wenig Makeup aufzutragen, aber nicht mehr als es die Regel als Minimum erfordert. Diese Fianna ist wirklich ein kleiner Hexensabbat, hat jetzt schon einen Beutetrieb, dessen sich auch Große nicht zu schämen bräuchten, greift sich alles, was sie kriegen kann und schleppt es herum, wenn nichts anderes verfügbar auch gerne mal ein Geschwister. Sie geht keiner Rangelei aus dem Weg und wenn Feuerpause vereinbart wurde, zettelt sie gleich ein neues Scharmützel an, dass es nicht langweilig wird. Auch die Herren von der Hosenträgerschnalz-Fraktion wissen sie richtig einzuschätzen und legen sich mit ihr nur versehentlich an, kann ja vorkommen im Eifer des Gefechts, dass man dem Falschen auf die Nase haut. Wenn diese Nase zufällig Fianna gehören sollte, muss der übermütige Macho veritable Schäden an der eigenen einkalkulieren. Nein, an Fianna vergreift sich keiner ungestraft, auch nicht Flix und Franz, die Flegel. Aber Fianna ist auch so etwas wie der weibliche Flori: man dreht sich um und wird von ihr angestrahlt. Man geht weiter, dreht sich um und wird von Fianna angestrahlt. Fianna ist unser Schatten. Manchmal, man kennt das, hat man das Gefühl, dass man beobachtet wird. Wir haben dieses Gefühl derzeit dauernd: Fianna verliert uns fast nie aus dem Blick, Fianna ist so etwas wie unsere optische Fußfessel. Und mit Tante Anouk versteht sie sich auch schon sehr gut! Die Rübe ist nicht nur wehrhaft, sondern auch noch durchtrieben…

Fado vom Bairischen Blues mit vier Wochen
Fado
Jetzt kommen wir zu Fado, der in den ersten Tagen farblich von Fianna kaum zu unterscheiden war, ein schwarzer Iberer eben, der sich aber in den vergangenen Tagen seiner Verantwortung als schwarzmarkener Hovawart bewusst wurde und Marken nachlieferte. Fado ist der mit dem flauschigsten Fell und einem fast ebensolchen Gemüt, ein Menschenfreund, ohnegleichen gutmütig und über alle Aufgeregtheiten einer hektischen Kinderstube erhaben. Wie einst die Seeräuber-Jenny beim Anblick rollender Köpfe nur Hoppala sagte, würde auch Fado angesichts eines hinter ihm umstürzenden Küchenschrankes nur Hoppala sagen. Fado ist wirklich nicht zu erschüttern; wer von einer hohen Reizschwelle bei Hovawarten spricht, muss diesen Fado meinen. Trotz dieser urigen Unverwüstlichkeit ist er kein Sonderling oder Außenseiter. Fado ist immer dabei, hat keine Feinde und weiß sich zu wehren. So etwas wie Fado auf der morgendlichen Waage haben wir noch nie gehabt. Während die meisten möglichst schnell wieder runter wollen, am besten erst gar nicht rauf müssen, alles versuchen, dieser Waagschale zu entkommen, dass wir manchmal vier Hände brauchen, um die türmenden Gesellen vor einem Sturz vom Tisch zu bewahren, steht Fado fröhlich und morgenmunter in der Schale und lässt sein Schwänzlein wie einen Propeller rotieren: näher, mein Mensch, zu dir! So nah, so auf Augenhöhe, ist er sonst den ganzen Tag nicht. Diese Momente genießt der schwarze Fado und freut sich wie ein Schnitzel. Aber Fado wäre nicht Fado, wenn er dann, wenn das alles vorbei ist, in Trübsal versinken würde. Dann ist eben ein anderes Programm, wo ist das Problem?

Fanni vom Bairischen Blues mit vier Wochen
Fanni
Fanni ist, ähnlich wie Fine (ob das Blond doch mehr ist als nur eine Farbe, mal von Felix abgesehen?), eine süße Maus, auch anfangs etwas unsicher und zurückhaltend mit wachsender Sicherheit und Selbstsicherheit. Sie braucht aber die Menschen mehr als Fine, die ja mit ihren Füßen genug zu tun hat. Dass Fanni ebenso wie Fine bei der Erstürmung des Wohnzimmers mit von der Partie war, zeigt, dass wir hier keine Porzellanpüppchen heranziehen, sondern echte Hovawarte und Hovawartinnen, die selbst dann noch ordentlich Unruhe stiften können, wenn sie nicht zur Kampfsporttruppe gehören. Fanni ist aber im Hauptberuf Schmusebacke und ihr Arbeitsplatz ist auf einem Arm. Vielleicht hat sie auch deshalb am längsten von allen gebraucht, bis sie richtig flott auf ihren Beinen unterwegs war. Aber da hat sie heute längst kein Defizit mehr. Wer immer in vier Wochen Fanni in die Arme schließen darf, wird jedenfalls Probleme haben, sie dort wieder heraus zu bekommen – aus heutiger Sicht. Für die Zukunft verweisen wir auf die diesbezüglichen Ausführungen unter --> Fine 

Felix vom Bairischen Blues mit vier Wochen
Felix
Felix! Müssen wir - oder können wir uns das sparen? Ist über diesen blonden Engel nicht schon zu viel gesagt worden? Er leidet ja schon heut nicht an Minderwertigkeitskomplexen. Müssen wir wirklich diesen Standartenträger der schlechten Manieren positiv besprechen, seine Vorzüge herausarbeiten und seinen finsteren Charakter vornehm verschweigen? Nein, müssen wir nicht! Sagen wir mal so, wir liefern die ganze Wahrheit… Oder, nein, fangen wir anders an: Felix ist der Einzige dieser Fritzen, der schon ein neues Zuhause hatte, bevor er seiner Mutter die vorletzten Qualen einer langen Geburt bereitete (warum nur fällt mir bei diesem Kind immer Rosemary’s Baby ein?). Und dieses neue Zuhause liegt vermutlich nicht ganz zufällig im Unterallgäu, irgendwo in der Wildnis zwischen Bad Wörishofen und Mindelheim, wo es nicht einmal Füchse und Hasen zum Gute-Nacht-Sagen hin verschlägt. Diese räumliche Zuordnung ist aber nicht unwesentlich, denn Mindelheim ist die Heimat des gar gefürchteten und fürchterlichen Landsknechtführers Georg von Frundsberg (1473 – 1528), der seine militärischen Fähigkeiten und Grobheiten in die Dienste des Heiligen Römischen Reiches gestellt hatte. In solcher Umgebung werden Kerle wie Felix gebraucht und verehrt. So ein spätgeborener Landsknechtführer ist auch Felix: rau, ungehobelt, ruppig, eine echte Herausforderung, vor allem für uns, die er unentwegt drangsaliert, während er bei Besuchen nur seine vierfarbig blinkenden Visitenkarten verteilt und uns keiner glaubt, dass dieser springfidele Nurejew ein Bocksbein hat. Seinem Kampfeswillen entgeht kaum jemand, außer Fianna und gelegentlich Franz, den er aber gerne mal als Sandsack zum morgendlichen Aufwärmen instrumentalisiert. Er kommt immer breitbeinig daher, bei ihm ist fast immer High Noon und er greift sich, was nicht schnell auf dem Baum ist. Wenn wir ihn dann von seinem Opfer operativ entfernen, zeigt der kleine Landsknecht auch uns die Zähne. Dabei kann er, wenn wir ihm nicht gerade sein Opfer entreißen, richtig lieb sein, dieser Felix, den wir ja schon mit Dr. Jekyll und Mr. Hyde verglichen haben. Das müssen wir ihm schon positiv in seinem Zwischenzeugnis vermerken: zu Menschen uneingeschränkt freundlich, ein Charmeur und Herzensbrecher (deswegen tut man sich ja so schwer, wenn man die Wahrheit, und nichts als die reine Wahrheit ausspricht). Zwei Umstände lassen uns trotzdem ganz gelassen in die Zukunft blicken: erstens kommt dieses kleine Frundsberglein (warum haben wir ihn eigentlich nicht gleich so genannt?) in beste Hände, die mit der Formvollendung ungeschliffener Klötze bestens vertraut sind und zweitens wagen wir zu behaupten, dass dieser blonde Suppenkasper wie alle Raufbolde beim Blues am Ende seines Aufenthalts ein richtig liebenswerter Bursche sein wird, weil auch er nur den Tiger spielt, der bald als Bettvorleger landen wird. Deshalb haben wir an unserem Felix viel Spaß, was seine Geschwister nicht immer unterschreiben würden.

Ferdi vom Bairischen Blues mit vier Wochen
Ferdi
Der letzte in der Geburtsreihenfolge ist Ferdi, bei dem die Mutter Franzi, nach der Versorgung seines Vorgängers mit allen Unarten, die man so mitgeben kann und woher vermutlich das Wort Mitgift kommt, einfach nichts mehr übrig hatte in ihrem Giftschrank, weshalb mit Ferdi ein freundliches Wesen ohne List und Arg zu uns kommen konnte. Ferdi ist in etwa auf derselben Ebene mit Flori und Fado einzustufen: Menschenfreund, Wonneproppen und Glückskind, immer nur lustig, immer vergnügt. Manchmal scheint er pfeifend und mit den Händen in den Hosentaschen durch sein Reich zu strawanzen, wie Hans im Glück. Ob Ferdi böse Genabschnitte in sich trägt, wird die Zukunft erweisen. Aber eines hat er allen voraus: er ist der Turbo-Ferdi, auch Porsche-Ferdi, so schnell wie dieses kleine Wollknäuel ist kein anderer unterwegs; wir vermuten, dass er sich bei Regen zwischen den Tropfen durch schummeln könnte und trocken nach Hause käme. Ferdi ist einer, dem man mit Tränen in den Augen ein nicht enden wollendes, ewiges Leben wünscht, weil solche Sonnenstrahlen so selten sind auf unserem Planeten.

Wenn wir uns heute zur Ruhe legen, wird es eine unruhige Ruhe sein, weil wir die Zeit immer lauter ticken hören. Wie ein Tinnitus tickt die Zeit in unseren Ohren: Fine Franca Fanni Ferdi - Ferdi Flori Fanni Franz - Felix Felix Fado Fetzi - Frenzy Franca Fanni Franz – Fianna Fianna Fianna Franz – Felix Fanni Fine Fine Fine da capo al fine…