Die fünfte Woche von Frau Fischers Fritzen

Fünfte Woche von Frau Fischers Fritzen - So

5. Woche (11.12. – 17.12.)

Sonntag, 11.12.2011, 3. Advent

Es hat Nebel. Später reduziert sich die Suppe auf Hochnebel, um nachmittags das ganze Mangfalltal wieder in nieseliges Weiß zu tauchen. Es erübrigen sich weitere Anmerkungen zum klaren und frostigen Wetter, das uns der Hundertjährige verkündet hat. Wenn man sich jetzt auf den Standpunkt stellt, dass man Hundertjährigen nicht die Wetterphrophetie überlassen sollte, weil der Ausgangspunkt der Erkenntnis meist ein Kaffeesatz oder ein rheumatisches Knie ist, muss man leider auch zur Kenntnis nehmen, dass die meteorologischen Nachwuchshoffnungen mit ihren schwergewichtigen und hochkarätigen Computerzusammenschlüssen für heute, zumindest in unserer Gegend, schönes Wetter mit realistischer Aussicht auf Föhn vorhergesagt haben. Da ist es dann schon völlig egal, von wem man an der Nase herum geführt wird. Schade ist es nur für die kleinen Fritzen, denen wir einen zauberhaften Adventssonntag im Garten gewünscht hätten, der aber jetzt in den Nebel fällt, nicht dass wir Sorge haben, sie aus den Augen zu verlieren, aber diese Suppe würde die Kleinen binnen Minuten durchweichen. Dafür sind sie noch nicht stabil genug.

In der Gewichtschronik ergaben sich über Nacht tektonische Verschiebungen: Felix hat Franz den Rang abgelaufen. Gestern hatte Franz noch 2300 Gramm und heute sind es 2460, da kann man eigentlich nicht meckern. Wenn aber der Flix-Flax von 2140 auf 2480 hochschwingt, also schlappe 340 Gramm „zum Sehen“ auf den Tisch legt, hat der Franz nicht viel mehr als ein Pärchen auf den Tisch legen können und muss zugeben, dass der Flix-Flax einen Royal Flush zu bieten hat. Game over – zumindest für heute. Da wollen wir mal sehen, ob der Franz morgen mehr als ein Pärchen zu bieten hat und ob Flix-Flax noch einen nachlegen kann, schließlich trennen die beiden nur 20 Gramm, da ist alles drin. Über den Rest des Kalorienpokers muss nichts weiter gesagt werden: hinten, in der Mannequin-Klasse, tut sich sowieso nichts und ob zwischen den Welten einer einen Platz gut macht oder verliert interessiert höchstens die hoffnungsvollen zukünftigen Hundehalter, aber die können sich ja an der Tabelle Mut zusprechen.

Gestern haben wir von unserem Biobauern frische Innereien bekommen, darunter auch Rindergurgel, die wir unseren großen Mädels geben. Franzi gibt sonst eigentlich nichts her, was sie einmal zwischen den Kiefern hat, aber heute erinnert sie sich ihrer Mutterschaft und spendet ihr Gurgelstück ihren Kindern. Flori ist der Erste, der den Gummischlauch zu greifen kriegt und sich augenblicklich mindestens sieben seiner Geschwister erwehren muss. So ist das gut, ein bisschen Trainingskampf ums Überleben kann nicht schaden. Und Flori kämpft gut und tapfer, windet sich, reißt aus, wird gestellt und kommt wieder aus. Von der Regie nicht bedacht war, dass Ferdi

Ferdi vom Bairischen Blues mit der erbeuteten Rindergurgel
Porsche-Ferdi verschwindet vom Radar der anderen
als nächster den Atemschlauch jenes unseligen Miesbacher Rinds in die Fänge kriegt und bekanntlich ist Ferdi der Speedy Gonzales der Fritzen. Dieses Ehrentitels erweist er sich erneut als würdig; wie ein geölter Blitz kurvt er durch seine etwas hüftsteifen Geschwister, die ihn schnell vom Radar verlieren, und eh die die Himmelsrichtung ausmachen können, in der er verschwunden ist, hockt Porsche Ferdi, geschickt getarnt, hinterm Wäscheschaff und zerwirkt die Gurgel. Da droht das Schauspiel ins Stocken zu geraten. Aber natürlich wird auch er entdeckt, in kleinen Geschwadern schwärmt man aus auf der Suche nach dem Goldenen Vlies, und schließlich wird auch der fixe Ferdi gestellt und muss die Beute wieder abtreten, er ist ja gnadenlos fix, aber der Muskelmann der Truppe ist er nicht. So wird das Gurgelstück wie eine Dorfschönheit herum gereicht – jeder darf mal – und am Ende ist wieder Ferdi der Glückliche, der sich das Teil nochmal ergaunert und mit ihm eine Turborunde dreht. Wir haben unseren Spaß, die Fritzen haben ihren Spaß, aber sie können auch etwas lernen und beweisen. Lernen können sie, wie man in einem Rudel mit einem solchen Beutestück umgeht und welche Regeln da gelten und beweisen können sie, dass sie schon
Flori vom Bairischen Blues zerwirkt die Gurgel
Flori weiß schon, wie man zupacken muss
jetzt alles drauf haben, was man braucht, um auch gröbere Beutestücke mundgerecht zu verarbeiten. Instinktiv wissen sie, an welchen Stellen man anpacken muss, um das Ding klein zu kriegen. Es ist beeindruckend, wie sie eine Sehne zwischen die Backenzähne nehmen und sie vom Hauptteil abraspeln und abkauen. Alles funktioniert schon wie bei den Großen; man legt den Kopf zur Seite, nimmt das Beutestück zwischen die Backenzähne nagt und nutschelt, zerrt und zieht, die Augen geschlossen, um sich ganz auf die Mahl- und Reißarbeit zu konzentrieren. Das sind die Momente eines Züchters, in denen ihm das Herz übergeht: richtige, echte Hunde sind das schon, jetzt schon fast perfekt zum Überleben ausgestattet (wenn es nur mit der Jagd schon klappen würde).

Trotz dieser perfekten Demonstration der Überlebensfähigkeit von Frau Fischers frischen Fritzen, wollen wir uns nicht auf diese überlieferte Ernährungsweise verlassen und füttern sie natürlich wie bisher mit all den Leckereien, die man so zur Verfügung hat. Heute wird es ernst mit der Hinführung auf ein mitteleuropäisch-zivilisiertes Hundeleben (auf das die meisten Hunde gut verzichten könnten, aber wir als Züchter eben nicht): es gibt Trockenfutter, eingeweicht und zu einem morastigen Brei gemantscht. Und die Fieslingsfritzen hauen rein, als hätten wir ihnen Wiener Schnitzel mit Pommes kredenzt. Das unterscheidet sie massiv von ihren direkten Vorgängern, die vom ersten Mal an Trockenfutter verzichtbar fanden und bis zum Schluss konsequent daran herum mäkelten. Sind Trofuphobie und Trofuphilie etwa genetisch gestützt? An der Mutter kann das dann nicht liegen, weil es auf diesem Blauen Planeten eigentlich nichts gibt, was sie nicht zwischen die Zähne nähme. Diese Fritzen jedenfalls haben gegen Trockenfutter nichts einzuwenden. Und heute sehen wir neben der Gurgelraspelei und –knatscherei noch einen Fortschritt im Fressverhalten: sie können jetzt mit dem Fang richtig fressen, also ganze Portiönchen aufnehmen und schlucken, nicht nur mit der Zunge aufschlabbern. Jetzt wird gehapst, nicht mehr geschlabbst.

Diese Mahlzeiten, egal welcher Art und Konsistenz, haben Folgen, die am hinteren Ende des Welpen sichtbar werden und uns als Stoffwechselendprodukte das Leben schwer machen. Es ist ja schon oft über die feine Nase des Herrn geplaudert worden, und die Hoffnung, dass der Geruchssinn mit fortschreitendem Alter den Weg allen Irdischen gehen würde, sich langsam verabschieden und seinen Träger unbeeindruckt zwischen diesen Häuflein wandern lassen würde, ist eine Phantasmagorie. Die Wahrheit ist: und wenn es das Einzige ist, was sich im Alter neben dem Starrsinn behaupten, ja sogar immer feiner werden kann, dann ist es der Geruchssinn. In dieser Hinsicht wird für den Herrn jeder Wurf zu einer größeren Herausforderung. Diesmal haben wir aber, wie bereits geschildert, auch noch einen wissenschaftlichen Auftrag: wir müssen diese festen Stoffwechselendprodukte sammeln und auf Wurmbefall untersuchen lassen. Die frühere Befürchtung, dass wir möglicherweise in knietiefem Schnee nach diesen Häuflein schürfen müssten, hat sich bisher nicht bestätigt, weil es halt keinen Schnee gibt. Aber die, bürokratisch ausgedrückt: Dingfestmachung des Stoffwechselendprodukteurs und der Stoffwechselendprodukteurin erweist sich als nicht ganz triviale Aufgabe. Sagen wir mal so: gekackt wird viel, häufig und schamlos, aber nur selten vor dem Angesicht des Herrn und der Dame des Hauses. Und Namensschildchen des Lieferanten werden auch keine gesteckt. So bleibt es dem Zufall überlassen, wen wir gerade auf frischer Tat ertappen, ihm einen Teil seiner Produktion unter dem Hintern wegstehlen und in ein Röhrchen verschließen können. Der Herr, es muss zugegeben werden, überlässt aus den oben angedeuteten Gründen, diesen Dienst an der Wissenschaft gerne der Dame des Hauses, die ein olfaktorischer Ledernacken ist. Machen wir es kurz: nach einigen Stunden haben wir etwa die Hälfte der elf Proben eingetütet, der Rest, so viel wird schnell klar, kann zur Generalstabsarbeit werden. Nie schei… die Hunde, die wir noch brauchen, offenbar hat nur etwa die Hälfte einen funktionierenden Darmausgang. Dass es sich bei dieser wissenschaftlichen Arbeit doch eher um eine Komödie großen Stils handeln könnte, über die nur das vierbeinige Publikum lachen kann, geht dem Herrn abends schlagartig auf. Er steigt zu fortgeschrittener Stunde aus seinem Dachkabinett herab zu seinen Lieblingen, um sich etwas zu trinken zu holen, da sieht er ein kleines dampfendes Häuflein. Er räumt es weg, der Verursacher ist längst über alle Berge. Während er das Häuflein in der Toilette entsorgt, wie das mit Häuflein eben so geht, und wieder zurückkommt, um sich jetzt endlich ein Bier zu greifen, tritt er vor der Toilettentür beinahe in zwei frisch dampfende Häuflein. Da hätte er einen Schnaps brauchen können. Auch ohne Hochprozentiges gelingt es ihm, diese Produkte zu entsorgen, deren Verursacher, wie man sich denken kann, ebenfalls unerkannt bleiben. Aber jetzt – vier Haufen in der Küchenecke vor der Spüle, und weil die ganze Bande nun richtig auf Betriebstemperatur ist, auch ordentlich zertreten. Der Herr überlegt, ob er sich vorher oder hinterher besaufen soll oder einfach die Tür zu machen und so tun, als ob das nach seiner Zeit erst entstanden wäre. Nein, er

Stoffwechselendprodukt
Ohne Worte
beschließt, sich erst hinterher zu besaufen, weil sein Jagdtrieb entfacht ist: fünf Scheißer sind noch nicht verwissenschaftlicht und irgendeiner wird ihm heute noch ins Netz gehen. Damit ihm nicht das gleiche Malheur, wie gerade zweimal passiert, entsorgt er diese Endmoränen nicht, sondern versucht nur, die tobende Meute von ihnen fern zu halten um den Flurschaden zu begrenzen. Wenn jetzt Stoffwechselzeit ist, müssen die anderen bestimmt auch. Es muss aber keiner und keine und es tut auch keiner und keine. Nach zirka zehn Minuten, die unter diesen Umständen eine Ewigkeit beschreiben, beginnt der Herr mit der Beseitigung der vier Häuflein. Und irgendwann auf dem Weg aus der Toilette entdeckt er dann doch wieder zwei neue Häufen! Und kein Absender! Wir wollen den Kreuzweg des Herrn nicht unnötig breiter treten als die Häufen, denen er hinterher jagt: am Ende des Hase-und–Igel-Spiels waren 15 (!) Kalamitätenhügel entsorgt und kein Verursacher dingfest gemacht. 15, bei nur elf Welpen. Nach dieser knappen Stunde verzichtet der Herr auf Bier und Schnaps und alles und steigt sofort ins Bett. Man kann sagen, er fühlt sich nach Strich und Faden verarscht. Und jetzt sind es doch wieder Fieslinge!

Fünfte Woche von Frau Fischers Fritzen - Mo

Montag, 12.12.2011

Natürlich interessiert uns als erstes, ob Felix Franz‘ Gewichtskonter standhalten konnte. Die Antwort ist: er konnte! Franz ließ zwar keine Zweifel aufkommen, dass er seine Ansprüche auf den Titel als Fettspeicherkönig nicht aufgibt, aber Felix konnte ihn auf 10 Gramm Distanz halten: Felix (2620), Franz (2610), danach folgen Fado (2560), Fetzer jr. (2480) und Ferdi (2410). Flori und Frenzy, sieh an, die Kleine, teilen sich den sechsten Platz (2340), gefolgt von Fianna (2300) Am Ende der kommen die Diätspezialistinnen Fanni (2180), Fine (2130) und konsequent mit der Roten Laterne Franca (1980).

Wir dachten, der Nebel von gestern wäre angesichts der klaren und kalten Prophezeiung des Hundertjährigen schon genug der oberbayerischen Aufmüpfigkeit gegen oberfränkische Bevormundung (der Hundertjährige Kalender wurde erstmals im 17. Jh. vom Abt des Zisterzienserklosters Klosterlangheim bei Lichtenfels erstellt), aber wir lernen heute, dass es noch suppiger geht. Wir würden uns nicht wundern, wenn aus diesem Kunstgewaber plötzlich Freddie Mercury auftauchen und mit seiner langjährigen Freundin Barbara Valentin im Duett Bohemian Rhapsody singen würde, was im übrigen ganz hervorragend zu Franzens Gesangseinlage beim heutigen Putzgelage am Morgen passen würde. Es ist schwer auszumachen, wer mehr Druck hinter die Stimme bringt, Franz oder Freddie (bitte nicht mit unserem Ferdi verwechseln!), Nachteil Franz: ihn kennt keine Sau, außer einer verschworenen Internetgemeinde, die ihn sogar lieben gelernt hat. Aber die hört ihn nie singen! Der Herr des Blues hört ihn täglich singen, unsicher, ob es sich um Singen oder Stimmbildung handelt, und bevorzugt deshalb Freddie, des selbst bei Stimmübungen mehr Schmelz hat als Franz, wenn er schnurrt, und der einfach abgeschaltet werden kann. Was beim Franz nicht geht, weil er keinen Knopf hat und wegen der eigenen Lautstärke auch volltönige Bitten überhört. Heute hat Franz endlich Verstärkung bekommen - wir befürchteten schon, Franz hätte alle Stimmbänder seiner Geschwister konfisziert und sich zu eigen gemacht, doch heute beweisen uns zumindest einige, dass sie Franz die Bürde des Morgenprotests nicht alleine aufhalsen wollen und singen mit. Weiß jemand, wie schmerzlich Halluzinationen sein können, wie sie ins Herz einbrechen und dieses einer Zerreißprobe unterziehen? Zum Beispiel die Halluzination eines trällernden Amselbocks morgens um fünf auf Nachbars Dach. Man denkt, man wird diesen Morgengruß nie mehr erleben oder ihn verstört abweisen, weil jeder Laut zum Schmerzenslaut zu werden droht. Oder weil man sich plötzlich die missmutige Einstellung von Wilhelm Busch zu eigen macht: Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden. Doch dann denkt sich der Putzteufel: Sind eure Tage bald gezählt, die Amsel wieder fröhlich grölt. Man braucht Mut- unter Muntermacher in diesem Job. Es sei noch angemerkt, nachdem Franz wieder einmal die Bretterwand überstiegen hatte, legt er sich in seine Ecke und pennt ein -und schlagartig verstummen die Background Vocals auch. No leader, no pack.

Heute steht uns und Frau Fischers Fritzen noch ein großer Termin ins Haus: Zwischenabnahme durch die Zuchtwartin. Die Zwischenabnahme ist ein eher lockerer Termin (keine Angst, die anderen sind auch nicht unlocker), da wird eine kleine Zwischenbilanz gezogen, wie etwa: hat sich Frenzys Gletscherspalte auf der Brust zum Eisberg entwickelt oder ist sie zu einem Eiszäpfchen geschmolzen. Solche Sachen eben. Und jetzt kann man schon einen ersten Eindruck von den Gebissen gewinnen, was bei der Erstkontrolle aus naheliegenden Gründen nicht zu schaffen ist. Und so werden die Kleinen gedreht und gewendet wie Kartoffelpuffer und wir haben unseren Spaß, die Puffer eher weniger. Aber bevor es zu diesem Termin kommt, müssen die kleinen Fieslinge noch ein wenig aufgehübscht werden, vornehmlich ihre Krallen, die auch schon wieder wie Bambussprossen geschossen sind. Man will sich ja bei der Frau Zuchtwartin nicht unbeliebt machen, wenn die Probanden ihre zarte Gesichtshaut mit einem Schmiss verunstalten oder gar Schlimmeres verursachen, wie etwa Brustgravuren (in dieser Jahreszeit bekleidungsbedingt eher unwahrscheinlich) oder multiple Ohrpiercings. Gleich nach der Morgentoilette und Franzens kanonischen Einlassungen, machen wir uns ans Werk, das auch ohne himmlischen Beistand makellos gelingt; ziemlich handzahm sind sie geworden die Fieslinge der ersten Stunde. Es wird nur wenig genörgelt und wenig gezappelt beim Pediküretermin, manch einem dauert die Prozedur zu lange, weil des Herrn Optik gelegentlich nachjustiert werden muss, aber alles in allem lassen sie sich relativ klaglos die Zehen manipulieren – morgens im Vollbesitz ihrer Kräfte und noch völlig unausgepowert ist das nicht hoch genug einzuschätzen.

Auch die Zwischenkontrolle durch die Zuchtwartin verläuft unspektakulär; es gibt keine großen Aufreger, der Zahnstand ist nach Fakten- und Alterslage ohne Beanstandung, die weißen Abzeichen sind ohne Sorgenpotential und die Fritzlein sind so in die liebe Zuchtwartin verknallt, dass sie ihr nur schöne Augen machen und zu Teilen gleich mal bei ihr in einen seligen Schlummer verfallen. Wenn wir es nicht besser wüssten, würden wir bei dieser Vorstellung auf Schlafmützen plädieren, aber die Realität des Alltags schließt diese Kategorisierung aus. Es ist auch nicht weiter erwähnenswert, dass Felix wieder den größten Aufstand macht, aber der Schwabe würde sagen: ´s isch nimme des, soll mit Polt gesprochen heißen: der Nurejew ist früher auch schon höher gesprungen. Er hat schon viel Luft verloren, der alte Blasebalg.

Frenzy vom Bairischen Blues bei der Zwischenkontrolle
Gletscherspalte oder Eiszäpfchen, das ist bei Frenzy die Frage
Fado vom Bairischen Blues bei der Zwischenkontrolle
Jetzt fehlt nur, dass Fado sich in Windeln legen lässt
Felix vom Bairischen Blues bei der Zwischenkontrolle
Feli und Geli - ein Herz und eine Seeli

 

 

 

 

 

 

Felix und Franz vom Bairischen Blues erlegen ein Monster
Felix und Franz streiten ums erlegte Bärenfell
Wir sollten natürlich nicht verschweigen, dass die Zuchtwartin die Fieslingsfritzen mit einem riesigen Alien-Bär bestochen hat, um ihr Stillhalten zu erkaufen. Wir haben nichts dagegen –und die Fritzen schon gleich gar nichts.

Nun wird es allerdings Zeit, die Kinder an die Freiheit zu gewöhnen und dazu müssen die nötigen Vorkehrungen getroffen werden. Erstens muss der in Generationen bewährte Transit zwischen Küche und Terrassentür, quer durchs Wohnzimmer, aufgebaut werden. Ursprünglich hatten wir vor, die kleinen Freiheitshelden über den neu gestalteten Eingang und die Hundedusche in den Garten zu entlassen. Aber wir scheuten den Aufwand, das Treppenhaus gegen Abstürze zu sichern (und uns noch mehr

Der Transit
Der Transit
Gitterüberquerungen zuzumuten) und fanden es grundsätzlich alltagstauglicher, die Bande von unseren Hauptverbindungswegen fern zu halten. Da lässt gerade einer die Welpen durch den Eingangsbereich in den Garten und der andere kommt vom Einkaufen zurück und – schwupp – drängt der ganze Haufen durch die Haustür ins Freie. Es gibt angenehmere Vorstellungen. Also kommt der alte, immer weiter verbesserte Transit erneut zu Ehren.

Die zweite Maßnahme ist, unsere neue Hundedusche als Schlechtwetterraum und als Nachtquartier für die Fritzen vorzubereiten; tagsüber, wenn sie draußen sind, sollen sie hier einen trockenen und warmen Unterschlupf finden und nachts ihre Häupter dort betten. Wir räumen also alles beiseite, was für Welpen unzuträglich ist, stellen einen großen Hundekorb mit Laken darin bereit, auch einige Vetbeds gesellen sich dazu, ein Wassernapf und ein paar Lieblingsspielzeuge. Wenn das einmal angenommen ist und funktioniert, sind die Fritzlein tagsüber bestens versorgt und wir haben morgens eine Küche, die nicht das Gegenteil ist und können mit einem Schlauch die nächtlichen Darmproduktionen wegspülen. Ein herrliches Leben steht uns bevor, keine stundenlangen Morgenrituale mit Lappen und Schrubber und Brechreiz, alles, schwupp, weg - so viel Beschaulichkeit hatten wir noch nie.

Apropos Darmproduktion: Wir warten immer noch auf Ferdis Beitrag zur Wissenschaft. Er scheint diese Promotionsarbeit fälschlicherweise als Verschlusssache zu behandeln…

Fünfte Woche von Frau Fischers Fritzen - Di

Dienstag, 13.12.2011

Wenn man aus dem Fenster schaut und den Nebel sieht, später den trüb herum ziehenden Wolken nachhängt, kann man die Schweden verstehen, die heute mit ihrem Lichterfest der Lichterkönigin Lucia huldigen. Der 13. Dezember ist deshalb der erwählte Luciatag, weil er vor dem Gregorianischen Kalender der kürzeste Tag des Jahres war und man so den anwachsenden Tag mit Lichtern feierte. Nun haben die Schweden vor allem nördlich des Polarkreises reichlich Grund zu einem solchen Sehnsuchtsfest, aber wir zwacken uns einfach ein Stückchen von den Schwedenlichtern ab und tragen es in unsere bescheidene Hütte. Abwechslung in der Ödnis plärrender und stinkender Kinder hat immer etwas Erhellendes.

Vier Ausbrecher
Fine, Flori, Felix und Fianna
Wir wiederholen uns ungern: morgens rebelliert Franz in der Schnullerkiste und seine Wilde 10 randaliert. Business as uusal also. Auch die Gewichtstabelle kommt zu keinen großartigen neuen Ergebnissen, außer dass Franz‘ Konter jetzt gesessen hat: 2740 Gramm! Felix ist bei 2700 die Luft ausgegangen. Vielleicht sollte er nicht auf Franzens Heul- und Sirenenaktionen einsteigen, dann hätte er vielleicht mehr Luft zum Ende hin. Franz schadet aber offensichtlich seine eigene Energieverschwendung nicht, Franz, der Dudel hat offenbar einen eingebauten Sack, der ihn immer mit frischer Energie und Stimme versorgt und noch genug Reserven für die Fettanlagerung zur Verfügung stellt. So gesehen ist Franz ein Wunder an Energieeffizienz.

Felix und Flori vom Bairischen Blues auf einem Kellergitter
Felix und Flori erobern das Gitter für sich
Am späten Nachmittag bringen wir ein paar Spielsachen und Gerätschaften zum Turnen und Toben in den Garten. Vor allem sind das eine ganz normale Europalette mit einem Brett als Aufstiegshilfe, ein Tunnel, eine frei schwingende Schaukel und ein Gitterrost. Vom ersten Moment an zeigen die kleinen Fritzen keine Berührungsängste, sondern stürzen sich mit großem Interesse darauf. Besonders beeindruckend ist immer wieder, wie selbstverständlich diese kleinen Abenteurer über ein ausgelegtes Kellergitter wackeln, ohne auch nur darüber nachzudenken, dass man drüber vielleicht nachdenken müsste. Sie gehen einfach drüber. Und welch ein Aufstand, welch unsägliche Auftritte erlebt man mit erwachsenen Hunden, die so etwas als Welpe nicht gelernt haben. Dabei ist es so einfach. Wir erinnern uns: wir befinden uns entwicklungstechnisch in der Prägephase, jetzt lernt der Hund wie von selbst und nimmt die Dinge hin, wie sie kommen. In diesem Alter hat man kaum Scheu vor irgendetwas, in diesem Alter ist alles ein Wunder und dieses Wunder ist nur für einen selbst gemacht: Alles gehört mir, alles ist meins und alles ist eins. Und so stapfen sie über das Kellergitter, versuchen die Palette zu erklimmen, was gelegentlich an der Koordination scheitert und toben mit knapp weniger als Lichtgeschwindigkeit durchs Tunnel; Angst, dass es am Ende keinen Ausgang geben könnte? Fehlanzeige. Wo es rein geht, muss es auch wieder raus gehen. Das Leben hat noch keine Nackenschläge verteilt und keine Wände vor die Köpfe gestellt. Das Leben surft noch auf einer perfekten Welle, rein ins Tunnel, raus aus dem Tunnel für jetzt und immerdar.

Fanni vom Bairischen Blues erarbeitet sich die Freischaukel
Fanni an der Freischaukel
Wir müssen das Spiel schon bald abbrechen, weil es dunkel wird. Aber das schadet ja nichts; wer jetzt mit so viel Begeisterung bei der Sache ist, geht morgen mit großem Tatendrang wieder dran, um sich neu zu versuchen. Dies ist im übrigen auch das Prinzip in der Hundeausbildung und –erziehung: Aufhören, wenn der Hund alles richtig macht und mit großem Spaß bei der Sache ist, dann wird er morgen wieder mit Freude an die Sache gehen. Wenn er über den Punkt hinaus mit einer Sache beschäftigt wird, wird er am nächsten Tag mit einigem Widerwillen antreten und immer weniger Lust haben. So dreht sich die Spirale rasant nach unten und am Ende haben wir einen Hund, der nicht um alles in der Welt jagen wird, selbst wenn wir ihn zum Jagen tragen.

Fünfte Woche von Frau Fischers Fritzen - Mi

Mittwoch, 14.12.2011

Es ist weiterhin trüb und regnerisch, was morgens um halb fünf aber sowieso Jacke wie Hose ist; morgens um halb fünf ist für eine Eule immer trüb und regnerisch. Aber die Verhältnisse, sie sind eben so und nicht anders. Wir wagen es, die Bande in den Garten zu lassen und hoffen, dass sie sich miteinander beschäftigen und die Klappe halten, was natürlich vor allem für Franz gilt. Die Großkonzerte der letzten Zeit waren nämlich ziemlich sicher auch in der Nachbarschaft zu hören, solche Frequenzen durchdringen Stein und Bein und auch ordentliche Bausubstanz. Also versuchen wir es heute einmal mit kontrolliertem Ausgang, kontrolliert deswegen, weil wir wegen des Regens die Tür zur Hundedusche öffnen, sodass sie sich dorthin zurückziehen können, wenn ihnen der Niesel unter die Haut kriecht. Was für eine Entspannung, leise pfeifend morgens um fünf den Putzfummel feudeln zu können, ohne am Rande eines Hörsturzes zu wandeln. So kann man sogar die unmenschliche Zeit ertragen. Das Experiment gelingt wider alle Erwartungen geradezu bilderbuchhaft: kaum ein Quietscher, manchmal ein Juchzer, aber kein Keifen oder Grölen. Das ist der Stoff, aus dem die Träume sind und eine freundliche Perspektive für die kommende Zeit, wenn die Fritzen sowieso nicht mehr in der Kiste zu halten sind und ins Freie müssen. Draußen bekommen sie jetzt auch immer ihre Welpenmilch mit Hüttenkäse und Banane (Apfel lassen wir jetzt mal weg, weil wir den Eindruck haben, dass sie davon einen weicheren Stuhl bekommen). Die Speisung geht zwar schmatzend, aber schweigend vonstatten und hinterher wird noch eine Runde gejockelt und gezockelt und dann zieht sich der ganze Haufen zum Verdauungsschlaf zurück – in den kleinen Hundekorb neben der Terrassentür, nicht in den großen in der Hundedusche. Was soll man da mehr machen als hoffen, dass sie schon wissen werden, was ihnen guttut und was nicht. Solange kein Wind den Regen in die Terrassenecke treibt, werden sie schon warm und sicher liegen; elf Welpen zu einem Haufen geknüllt entwickeln ja eine Hitze wie ein Backofen.

Nachdem die Gute Stube des Blues und die Schnullerbox wieder fein gemacht sind, wird gewogen. Und ehrlich gesagt hätten wir dem Flix so viel Hartnäckigkeit gar nicht zugetraut, die Rotglühenden sind ja meist schnell ausgebrannt, aber er hat sich nicht austanzen lassen wollen und gekontert: 220 Gramm plus (das ist Tagesspitze) und 2920 unterm Strich – auf Platz 1 zurückgemampft. Ob sich Franz zu sicher fühlte oder ob ihm die Falsettlage doch an die Substanz gegangen ist, will er uns nicht sagen, aber mit 170 Gramm Gewichtsauftrag hat er sich gegenüber Felix ziemlich schmählich hängen lassen, ist aber mit 2910 Gramm und 10 Gramm Rückstand noch glimpflich davon gekommen, doch seinen satten Vorsprung hat er recht leichtsinnig verjuxt. Fado hält sich stabil im Windschatten der beiden Maulhelden, legt ebenfalls 170 Gramm drauf und belegt mit 2770 Gramm den 3. Platz. Den 4. Platz hält Fetzer jr. mit 2760 Gramm und 150 Gramm Aufschlag. 100 Gramm stehen für Ferdi zu Buche und in der Endabrechnung 2600 Gramm – 5. Platz. Fianna konnte sich sogar 110 Gramm anschmatzen und landet so mit 2550 Gramm auf Platz 6. Ebenfalls 2550 Gramm meldet Frenzy mit 90 Gramm plus und teilt sich diesen 6. Platz gutschwesterlich mit Fianna. Flori musste bei 70 Gramm passen und belegt mit 2540 Gramm den 8. Platz im Fettranking. Die 90 Gramm für Fine lassen sie erwartungsgemäß auch nicht gerade nach den Kaloriensternchen greifen, aber Platz 9 mit 2370 Gramm liegen im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Den Vogel schießt aber Fanni ab. 0 Gramm, gar nichts, und somit weiterhin 2340 Gramm und Platz 10. Franca kann sowieso mampfen so viel sie will, und 50 Gramm sind in dieser Gesamtperformance so schlecht nicht. Damit bleibt sie sichere Letzte mit 2150 Gramm. Zwischen ihr und Felix liegen also 770 Gramm, wer aber meint, einerseits einen grobgliedrigen Bauernlackel und andererseits einen hüftschwingenden Balletfloh erwarten zu müssen, ist völlig falsch gewickelt. Felix (wie Franz) ist alles andere als fett und Franca besteht nicht aus Haut und Knochen; sie sind proper, fest, muskulös und geschmeidig alle zusammen, ganz egal, an welcher BMI-Position sich einer befindet. Diese Fieslinge sind alle gut entwickelt und stehen prächtig im Leben.

Franzi mit ihren Welpen am 14.12.2011
Franzi hat den Babysitter-Blues
Franzi steht aber ein bisschen daneben, also ein bisschen neben dem Leben, weiß nicht, was sie will und was sie soll. Sie ist unsortiert, schleicht dauernd herum, nörgelt, schleppt mal was zum Spielen für ihre Kinder herum, mal nicht, wenn sie etwas herum trägt, weiß sie nicht, ob sie es ihnen bringen oder besser davon laufen soll. Andauernd will sie zu ihren Kindern, und wenn sie bei ihnen ist, ergreift sie die Flucht, gelegentlich so hektisch, dass sie gleich einen Teil des Transits einreißt, ihm einen Fuß abhebelt und den Transit nach all den erfolgreichen Jahren zum Invaliden macht. Jetzt müssen wir erst sehen, ob er die verbleibenden Wochen standhält oder ob wir zur Notoperation schreiten müssen. Im Augenblick sieht es nach Operation aus. Franzi wäre gerne wieder barriere- und kinderfrei unterwegs, aber sie kann sich ihnen letztlich nicht entziehen; sie brauchen sie, sie rufen sie, sie fordern sie und letztlich beugt sie sich immer wieder der sanften Gewalt. Manchmal tut sie uns leid, wenn sie so hin und her gerissen, völlig uneins mit sich herum steht und zu wissen scheint, dass das nächste, was sie tun wird, für sie wieder das Falsche sein wird. Franzl, nur noch dreieinhalb Wochen! Aber wie lang können dreieinhalb Wochen sein. Im Urlaub sind sie vorbei, bevor man sich in ihnen eingerichtet hat…

Die Fritzen sind nicht ausgelastet, ihr Energiepotential reicht bis zur Decke, eigentlich müssten sie den ganzen Tag draußen toben (mit den notwendigen Schlafpausen, natürlich). Aber das gibt das Wetter momentan nicht her, zumindest so lange nicht, bis die Bande ein bisschen winterfest ist. Kälte würde den Frostfritzen ja nichts anhaben können, aber nasskaltes Sauwetter kriecht unter die Haut und tut nicht gut. Und weil sie so unausgelastet sind, entgeht ihrem Tatendrang natürlich nichts, was zur Triebabfuhr nutzbar gemacht werden kann, heute z.B. eine

Tischdeko
Abstürzende Könige
Dreikönigsdeko mit Kerzen, die auf dem Tischchen im Flur aufgestellt ist. Die Drei Weisen aus dem Morgenland sind es aber nicht, die die Aufmerksamkeit der Fritzlein erregen, die erklären wir ihnen erst am 6. Januar, einen Tag vor der Abgabe, dass sie noch ein bisschen Kultur mit auf den Weg bekommen, nein, es ist die Decke, die unter dem Arrangement liegt und an beiden Tischenden überhängt. Hinter dem Rücken des Herrn, der sich gerade auf dem Weg in die Dachregionen des Blues befindet, tut es, passend zum ausgewählten Objekt, einen jesusmäßigen Schepperer, dass dem Herrn fast das Herz stehen bleibt. Aber das Echo des verheerenden Schepperers ist fröhliches Quieken und kein Schmerzschrei (den erkennt man sofort!), so dass die Hoffnung auf kleines Übel gerechtfertigt scheint. Der Anblick des Tatorts lässt dann allerdings das Blut des Herrn doch noch gefrieren, nicht wegen der tatsächlichen Schäden, sondern wegen der Vorstellung der möglichen, aber nicht eingetretenen Schäden. Weil am Rande des Tischchens eine massive Messingdose mit Sonne-Mond-und-Sterne-Deckel platziert war, flog diese, als die Bande an der Decke zog zuerst mit lautem Getöse zu Boden, was die Plündrer zur kurzen Flucht bewogen haben muss und sie an der Vollendung ihrer räuberischen Tat hinderte. Deswegen hängt das Dreikönigs-Arrangement aus massivem Metall und reichlich scharfen Kanten nun nur zur Hälfte über die Tischkante hinaus und pendelt hin und her wie der berühmte Filmomnibus über einer Klippe. Dieses Teil hätte ordentlichen Schaden angerichtet, wenn es geflogen wäre. Erschlagen von den Drei Weisen aus dem Morgenland! Und ins Grab Gold, Weihrauch und Myrrhe! Myrrhe wurde ja schon im alten Ägypten zum Einbalsamieren verwendet. Wie passend. Man kann wirklich nicht genug aufpassen, besser: nicht früh genug aufpassen. Dass diese Decke nicht ewig dort liegen bleiben kann, war uns schon klar, aber dass die Fieslinge so früh so fies sein würden, wollten wir nicht glauben. Welche Eltern wundern sich nicht über die Frühreife ihrer Kinder? Na, also, warum soll es uns anders gehen? Gerade erst ein süßes Knuddelchen in Papas Arm und gleich drauf ein Plünderer in Papas Reich. Wir werden unsere Heranwachsenden wohl ab sofort mit ehrlicheren Augen sehen müssen.

Ferdi und Fetzer jr. vom Bairischen Blues am 14.12.2011
Ferdi und der Junior nutzen eine Regenpause
Gottlob erscheint just zu dieser Zeit ein kleiner Sonnengott als Zeichen des Himmels am Himmel und die Fritzlinge dürfen austreten. Es treten aber nur fünf der elf aus: Flori, Frenzy, Fado, Fianna und Fine. Die anderen ziehen es vor, in ihrer Küchentrutzburg zu murmeln, pennen und zu kugeln. Aber auch diese fünf Outlaws stürzen sich nicht mit dem gleichen Übermut ins Freie, mit dem sie gerade die drei Weisen zu stürzen suchten, sondern nähern sich dem Garten schrittweise, indem sie erst einmal im Transit spielen und sich langsam in Richtung Tür schubsen und zerren. Das liegt daran, dass der Herr nicht mit nach draußen geht, weil er sehen will, wie sie die Herausforderung ohne ihn angehen. Und sie gehen sie an, wie gesagt vorsichtig, aber mit dem Ziel im Blick. Als sie dann endlich im Garten angekommen sind, folgt eine sehr kurze, aber sehr heftige Spielphase, in der alle Angebote einmal genutzt werden, dann trennen sich die fünf. Frenzy und Fine entdecken die offene Hundedusche und toben darin herum, die anderen drei kuscheln sich in den kleinen Korb neben der Terrassentür. Kaum fünf Minuten später trollt sich auch das Schwesternduo aus der Dusche zurück in die Küche und somit werden auch die im Körbchen wieder ins Haus gebracht. Ende der Vorstellung, das soll erst einmal genug sein; wir haben gerade mal 2° C und etwas Wind, daran muss man sich gewöhnen und akklimatisieren.

Gegen 11 Uhr, nachdem die Abenteurer und die Schnarchlappen einen kräftigen Zwischenpenn gemacht haben, werden sie wieder, diesmal alle, zum Lüften in den Garten gelassen, ehrlich gesagt, natürlich vor allem wegen der Verstoffwechselung ihrer Träume, die, in der Küche freigesetzt, den Träumen ihren Charme nehmen würden (vielleicht sollten wir an dieser Stelle einmal erwähnen, dass wir Ferdis Häufchen inzwischen auch identifizieren und zusammen mit den anderen der Wissenschaft zuführen konnten). Auch jetzt sind die Spielaktionen kurz und irgendwie fahrig und gestaltlos, es taugt ihnen heute nicht hier draußen. Wieder drücken sie sich alle zusammen i

Der Lieblingskorb von Frau Fischers Fritzen
Der Fritzen liebstes Schlafgemach
n den kleinen Korb. Warum in aller Welt wollen sie nur in diesem offenen Korb liegen und verschmähen sowohl die schützende Hundedusche wie die Hundehütte, die nur zwei Meter weiter aufgebaut ist? Wer will das verstehen? Zusammenkuscheln könnten sie sich auch in der Hütte, hätten eine dicke Decke unter und ein Dach über sich und keinen Wind, der um die Nase pfeift. Natürlich versucht der Herr, als sie sich im Korb zusammenrotten, ihnen die Hundedusche schmackhaft zu machen, weil sie ja dort in Zukunft auch die Nächte verbringen sollen, aber so wie sie hinter ihm her wuseln, drehen sie wieder ab, als sie merken, dass dort nichts zu holen ist und keine Futterschüssel wartet. Es sieht nach einem frühen Karriereende der Hundedusche aus, obwohl wir natürlich noch nicht aufgeben werden. Sture Stinkstiefel, diese Hovawarte, sogar schon in Windeln stur wie Maulesel. Selbst als es zu regnen beginnt, liegen elf Fischers Fritzen im Korb und scheren sich einen Dreck um die Sorgen des Herrn. Deshalb werden sie wieder kaserniert. Geht nicht anders. Ab vier Uhr nachmittags haut dann der Regen runter, dass jede weitere Outdoor-Aktion unter Flutlicht abgesagt werden muss. Extreme Indooring steht jetzt auf dem Plan.

Wir wollen jetzt nicht aufzeigen, was man mit einem Haufen ausgeschlafener Hovawartwelpen im Haus alles anstellen kann oder was sie mit uns anstellen können. Die Möglichkeiten sind variantenreich und weithin bekannt. Heute kommt beim Blues eine neue Variante hinzu, die Welpen bei Laune und ruhig zu halten. Diese Variante ist nach Tante Anouk benannt. Sie beschließt nämlich am frühen Abend, auf ihre alten Tage nochmal ins Muttergeschäft einzusteigen, dem Gouvernantenimage adieu zu sagen und Mama Franzi bei ihren Mutterpflichten zu entlasten. Ohne Vorwarnung stapft sie in die Schnullerkiste, legt sich zur Seite und beginnt Milch zu liefern! Binnen Sekunden ist sie mit elf zu allem bereiten und immer hungrigen Kindern bedeckt. Wir stehen stocksteif mit offenen Mäulern. Da mampft und schmatz es aus der Kiste und am hinteren Ende der Kinder tanzen die

Anouk säugt und spielt mit Franzis Welpen
Anouk im "Mutterglück"
Schwänzlein munter auf und nieder und signalisieren, dass die Quellen fließen. Was ist mit unserer Anouk los? Spinnt die? Ist es ihr zu langweilig mit uns? Will sie sich dem Großen und Ganzen opfern oder will sie uns mitteilen, dass sie sich nochmal Kinder wünscht? Sie liegt und lässt sich besteigen und bezupfen und zerbeißen und hat nichts als Sternchen um die Augen. Anouk ist glückselig. Und wir sind durch den Wind. Wer soll denn jetzt Franzis Kinder erziehen, wenn das Programm für die nächsten Wochen so aussehen soll? Wir rechnen nach und kommen zu dem Schluss, dass Anouk, am 19. September läufig geworden, gerade jetzt Welpen hätte, also ist sie hormonell brutfähig aufgestellt. Und das lässt die Übermutter Anouk sich nicht entgehen. Dieser Urgrund einer Hündin schafft es, uns sogar mit beinahe elf Jahren immer noch einen Knaller zu servieren, der uns von den Füßen holt, die ganze Anuschka vom Haselrieder Wald eine einzige, lebende, nein: lebendige Wundertüte. Und strahlt aus tiefen Augen nichts als Mutterglück…

Fünfte Woche von Frau Fischers Fritzen - Do

Donnerstag, 15.12.2011

Fakte ni scipovi komenci necesa libro. So etwa müsste es auf Esperanto heißen, wenn wir sagen wollen: Eigentlich könnten wir heute ein neues Buch beginnen. Am heutigen 15. Dezember, dem Esperantobuchtag, darf auch einmal ein bisschen Kultur in die Chronik des Bairischen Blues einziehen. Falls ein Leser dieser Zeilen des Esperantos richtig mächtig ist, freuen wir uns auf eine verifizierte Übersetzung, bis dahin muss das genügen.

Tatsächlich könnten wir heute mit einem neuen Buch beginnen, das beispielsweise heißen könnte: Anouks letztes Mutterglück oder Anouki und die elf Bekloppten. Dem ultraletzten FilmImFilmFilm-Gezeter unserer Kommerzvolltöner Rechnung tragend, könnte der Titel auch Heiße Zitzen, eiskalt serviert. Anouk – Der Filmriss heißen. Oder einfach Heißes Herz und zuckersüße Schnuten. Wie auch immer, jeder darf sich einen Titel wünschen und vorschlagen: wir müssten ein neues Buch beginnen, das Buch von Franzis letzter Mutterschaft schließen und das Buch von Anouks allerletzter Mutterschaft eröffnen. Anouk rollt ihr ganzes Mutterrepertoire aus und Franzi sagt: Merci, Cherie. Nun darf natürlich nicht der Eindruck entstehen, Franzi enthielte sich der Franzi und die Säuglingemütterlichen Tätigkeiten gänzlich. Falsch, sie tut noch immer, was getan werden muss, sie säugt noch immer im Stehen, sie sieht nach ihren Fritzen, sie sorgt sich, wenn irgendein Ton nicht ins Klangbild passt, sie beäugt Besucher und schätzt sie ab, ob man sie rein lassen soll (Solle mer se roilasse?) oder ihnen gleich bedeuten sollte, besser im Eingang zu antichambrieren. Franzi ist nicht desinteressiert, aber sie macht sich nicht mehr krumm für die Kleinen, sie opfert sich nicht auf; sie will wieder die Franzi vom Fuchsiengarten sein, wie die Welt sie kennt, ein schräger Vogel und Harlekin und keine ausgelutschte Vogelscheuche ohne Perspektive jenseits der Brut. Anouk hingegen würde es als größtes Glück empfinden, unter diesem wuselnden Kinderhaufen zu sterben. Ein größeres Glück als Kinder kann es für sie gar nicht geben. Es gilt noch immer und mehr denn je die früher getroffene Unterscheidung: Anouk ist eine Mutter ist eine Mutter ist eine Mutter und Franzi ist eine berufstätige Mutter, die ein ganzes Leben neben der Kinderschar organisieren muss. So ergänzen sich die beiden geradezu ideal; wenn Franzi Zigarettenpause macht, gibt Anouk den Rattenfänger und schart die Brut um sich. Welche Welpenschar hat jemals so viel qualifizierte Fürsorge genossen?

Nachts hilft der pflegerische Doppelstern den Fieslingsfritzen aber auch nicht, vor allem in der vergangenen Nacht wurden sie nämlich vor eine neue Aufgabe gestellt: Nachtlager in der Dusche. Es ist ja unser erklärtes Ziel, morgens aufzustehen, eine mitteleuropäisch-zivilisierte Küche vorzufinden, in der wir das Frühstück für die Fritzen bereiten und im Garten servieren können, um anschließend die Hundedusche mit einem Schlauch wieder in einen ordentlichen Zustand zu bringen. Die Nacht verläuft auch recht zufriedenstellend; Franz rumort zwar gelegentlich, aber sonst ist der Umschluss in der Dusche stressfrei. Morgens um fünf ist dann allerdings vorbei mit lustig, dann geht das Konzert los und alle wollen raus – und die Freude ist so groß, dass sie es der ganzen Nachbarschaft lautstark mitteilen müssen: Husch, husch, alle aus der Dusch! ist eines der Lieder, das sie singen, aber auch Duschelein fein, Duschelein klein, nie mehr sollst du mein Nachtlager sein wird grölend zu Gehör gebracht. Das klingt nach Revolte, das klingt nach Tahrir-Platz.
Erst einmal muss das Meutervolk in die Küche, weil wir uns gerne noch etwas länger guter Nachbarschaft erfreuen würden. Dann wird draußen gefüttert: Welpenmilch, Hüttenkäse und Banane. Und schlagartig ist es vorbei mit der Meuterei, was darauf schließen lässt, dass auch beim Nachwuchsrevolutionär erst das Fressen und dann die Moral kommt. Was natürlich nicht in unserem Plan stand ist, dass wir nun heute Morgen die Dusche und die Küche einer Generalreinigung unterziehen müssen, denn natürlich hatten die Freiheitskämpfer keine Zeit, das Notwendige im Garten zu erledigen, da wurde die Küche flugs zum Abtritt umfunktioniert. Wir werden die Kleinen schon noch von den Vorteilen dieser Hundedusche überzeugen, die großen Pläne der Weltgeschichte wurden auch nicht an einem Tag zur Erfolgsstory. Wir müssen den von Mama und Tante völlig verzogenen Gören ein bisschen Zeit zugestehen. Wird schon, da sind wir sicher.
Auch als das ganze Morgenprozedere vorüber ist und alles in seine natürlichen Bahnen einschwenkt, bleiben die Gewissheiten der vergangenen Tage bestehen: die Dusche kann noch so einladend geöffnet sein, sie wird verschmäht. Die Hundehütte kann noch so gepolstert und bedacht sein, sie wird missachtet. Das Körbchen ist das Home, das heißgeliebte und heißgeschmiegte Castle.

Der Freiheitsdrang der kleinen Fritzen beschränkt sich nicht auf Ausbruchsszenarien aus der Dusche und aufs Absingen von Kampfliedern, sondern nimmt zunehmend auch im Kleinen Gestalt an. Franca findet heute Vormittag zum Beispiel einen Weg aus der Küche ins Wohnzimmer. Wo sie die Passage entdeckt hat, erschließt sich dem Schließpersonal nicht, irgendwie ist sie durch; ehrlich gesagt, kein sonderlich beruhigender Aspekt. Aber Franca ist auch die Schlankste von allen und mit der Zeit wird sie auch zur Pfiffigsten. Das Unschuldslamm hat mäh gesagt, und alle staunen voller Stolz. Trotzdem muss sie zurück, aber nicht bevor sie nicht noch eine ausgiebige Streicheleinheit auf dem Arm genießen durfte; große Taten schreien nach Anerkennung. Und große Taten sind auch dann groß, wenn sie Kleingeistern, wie Gefängnisaufsehern, über den Kopf wachsen. Und wie stolz der Zwerg ist! Fast platzen muss sie, wenn wir jetzt wiegen würden, könnte sie den Fettboliden Konkurrenz machen.

Die nachmittägliche Fleischmahlzeit besteht heute aus gekochter Hähnchenbrust mit Kartoffelbrei, immer noch mit dabei ist die Ulmenrinde, vor allem, wenn wir eine neue Speise auf die Menükarte setzen. Heute gibt es aber auch einen guten Grund für die Slippery Elm: ein paar Fritzen haben Durchfall. Wir haben keine großen Sorgen, dass es sich dabei um eine ernsthafte Bedrohung handeln könnte, sondern vermuten, dass die Darmverstimmung vom Grasfressen kommt. Jetzt, nachdem sie doch einige Zeit im Freien verbringen, werden sie eben auch mit den Unannehmlichkeiten dieser Freiheit konfrontiert, und wer überall herum nascht, muss sich nicht wundern, dass der Darm irgendwann rebelliert. Also, kein Grund zur Sorge, aber Anlass, etwas dagegen zu tun, schon in unserem eigenen Interesse: braune Seen sind ungleich ekelhafter zu beseitigen als stramme Würstchen.

Die Zeit im Garten bringt aber immer neue Erlebnisse und Erfahrungen, die die kleinen Fritzen mit Begeisterung machen. Ein gutes Beispiel ist die Rappeldose, eine alte kleine Konservendose (Kondensmilch, etc.), in die ein paar Steinchen gelegt werden. das Ganze wird in einen alten Socken gesteckt und dieser verknotet – und fertig ist das aufregendste Spielzeug der Welt: es rappelt, es bewegt sich und kann hin und her gezerrt und getragen werden und eignet sich bestens als Premiumbeute.

Fianna vom Bairiischen Blues beim Beutespiel
Fianna steht auf Leder
Eine andere Aufgabe hat das Plastikschwein: es dient der Befriedigung von Tante Anouk. Sobald das Schwein auf den Plan tritt erhebt Anouk ihre Ansprüche darauf und ist selten ohne es anzutreffen. Wenn es aber einmal unbeachtet herum liegt, gibt es einen geduldigen und kläglich quietschenden Spielpartner für die Fritzlinge ab. Dieses Schwein ist der perfekte Antagonist zu lehrreichem und natürlichem Spielzeug aus Jute und, wie gerade beschrieben, Weißblech mit Socke. Tatsache ist aber, und das mussten wir schon beim ersten Wurf lernen, Welpen halten sich wie Kinder nicht an unsere Wertvorstellungen und entwickeln ihre eigene Sicht auf die Dinge. Unser damaliger Versuch, Plastik gegen Jute auszuspielen, ging nachhaltig in die Hose; die vom A-Wurf haben sich für Plastik, für eben dieses Schwein entschieden. Und seither gehört es zum Kanon des Blues
Franca vom Bairischen Blues am Schrägbrett
Franca und ihr Schwebebalken
und Anouk ist uns dafür vermutlich am dankbarsten von allen.
Leder kommt jetzt auch in die Arena, Leder an einem Strick für die ersten Beutespiele. Und hier gibt es nur eine Ansage: „And the winner is: Fianna“. Die hat vielleicht einen Spaß, hinter dem Lappen her zu hetzen!
Das Schrägbrett auf die Palette ist immer noch der Markplatz der Eitelkeiten, dort versammelt man sich zu Ratsch und Tratsch, also zu einem Schwätzchen, dort lässt man die Hüften kreisen und die Muskeln spielen und zeigt gerne einmal en passant, was man so drauf hat. Franca, wir haben es schon erwähnt, ist die begnadete Brett-Surferin; sie lässt einfach nicht locker, dieses Brett in beide Richtungen zu beherrschen und den gelegentlich unbeholfenen Bemühungen ihrer Geschwister mitleidig beizuwohnen. Wirklich ein ganz pfiffiges und knackiges Mädchen, die Kleine.
Das Schrägbrett als Treffpunkt
Marktplatz der Eitelkeiten
Und so kommt eins zum anderen, ein alter Deckel eines Wasserfasses mit einem Knauf, damit er sich wie ein Kreisel dreht, in den wir ein paar Fläschchen legen – und schon haben wir eine neue Surfgelegenheit geschaffen. Ein alter Reifen, ein Schaukelbrett mit zwei unten angeschraubten Halbkreisen – da geht die Post ab.

Doch als dann die Temperatur auf 0° C geht, wird der Spielplatz geschlossen und die Kleinen Fieslinge kommen in die Gute Stube zum Aufwärmen und Verhirnwechseln der vielen neuen Eindrücke dieses Tages. Zum Schluss bekommt jeder noch eine kleine Tablette Milbemax zur Entwurmung, das geht so schnell, dass sie gar nicht mitkriegen, was ihnen da untergejubelt wird, schluck und weg, und diese ungeliebte Entwurmerei ist auch auf zivilisierte Weise erledigt. Nur Mama Franzi kotzt uns die Tablette vor die Füße. Danke! Aber letztlich wird sie mit einem Leberwurstbrot bestochen; wie schlicht die Welt doch gebaut ist.

Zum Schlafen geht es dann wieder in die Hundedusche und beim Blues geht das Licht aus.

 

Fünfte Woche von Frau Fischers Fritzen - Fr

Freitag, 16.12.2011

Der Freitag kommt mit 2° C und höchst schäbig gekleidet daher. Was soll ein Tag bringen, der so aufsteht? Der Wetterbericht sagt es uns: Sturm! Als das Thermometer mittags auf 12° C steigt, sind wir langsam überzeugt, dass der Deutsche Wetterdienst diesmal die Nase gegenüber dem Hundertjährigen vorne hat.

Im Gewichtskarusell gibt es keine Ausreißer, wenn man davon absieht, dass Franz Felix davon zieht: gestern noch trennten sie nur 50 Gramm (Franz 3100, Felix 2950), heute hat Franz Super getankt und einen Zwischenspurt hingelegt, dass es Felix bei der Verfolgung fast aus der Kurve getragen hätte: Franz 3280, Felix 3050) Die Plätze eins und zwei sind damit aber weiter in fester Hand, obwohl Fado mit glatten 3 kg Ansprüche an Felix‘ Position geltend macht. Wie schnell aber 50 Gramm verspielt sind, hat Felix gerade erst leidvoll erfahren müssen. Als Vierter folgt Ferdi mit 2940 Gramm und als Fünfter der Junior mit 2930. Flori belegt mit 2880 Gramm den 6. Platz, mit großem Abstand gefolgt von Fianna mit 2760 Gramm. 2730 Gramm stehen für Frenzy auf dem 8. Platz zu Buche, danach versucht Fanni mit 2600 Gramm noch etwas Anschluss zu halten. 2510 Gramm lassen Fine auf dem 10. Platz noch nicht aussichtslos in die Zukunft blicken, was für Franca nicht behauptet werden kann: mit 2290 Gramm kann sie bestenfalls noch die Dralle Drolli in der Liliputwelt werden, aber dass sie pfiffig ist, beweist sie uns ja jeden Tag, ein pfiffiger Miniaturschatz halt.

Aber der Ausflug ins Gewichtskarusell greift den Tagesereignissen dieses Schwarzen Freitags voraus, wohl auch, weil man sich mit bestimmten Dingen nur ungern auseinander setzen will und sich deshalb lieber in schrulligen Miniaturen ergeht. Aber wir kommen ja nicht drum herum…

Franz vom Bairischen Blues am 16.12.2011
Franz kann kein Wässerchen trüben
Um drei Uhr nachts begann der Tag: Franz sang sein Lied. Oben in den Schlafgemächern drückte man Augen und Ohren zu in der Hoffnung, er werde bald an Stimmverlust leiden. Er litt nicht, fuhr aber doch freundlicherweise den Masterpegel herunter, so dass oben wieder der Schlaf Einzug halten konnte, oder etwas dem Schlaf irgendwie Ähnliches. Die Töne sind spitz und kristallig schrill und die Gedanken wandern zu den Nachbarn. Das Konzert, bei dem er gelegentlich geschwisterliche Unterstützung bekam, plätscherte dahin, verstummt auch mal, brauste aber gegen 5 Uhr wieder zu voller Lautstärke auf. Im Schlafgemach zieht man sich jetzt endgenervt und verzweifelt die Decken über den Kopf, nur die Mama und die durchgeknallte Tante nehmen keinen Anstoß am Furiengesang. Wir hätten gerne ein paar Takte mehr geschlafen, Frauchen hat freitags keine Schule! Bei einer kurzen Atempause gegen 6 Uhr fällt der Chef in einen anfallartigen Tiefschlaf, der ihm einen lustvollen Traum beschert. Er träumt von einem gleißend weißen Designerhaus an irgendeinem gleißend weißen Strand mit gleißend-glitzernder Brandung, in dem sich plötzlich aus den oberen Geschossen Welpen, Tausende von Welpen, wie Kakerlaken über die Treppenfluchten ergießen, über Galerien abstürzen und sich in einem gigantischen leblosen Kakerlaken-Welpen-Haufen im Keller türmen, ein blutender, nie gesehener Fleischberg, dem immer noch spitze Schreie entsteigen. Es ist kein Traum, das Elend ist Wirklichkeit, nur der leblose Fleischberg bleibt ein Traum. Die da unten haben jede Menge Leben im Leib! Viele wird es freuen, wir gehören zu den Wenigen.
Gegen 7 Uhr beenden wir unsere Qualen und steigen hinab. Was sich uns dort offenbart spottet jeder Beschreibung und entzieht sich unserer Vorstellungskraft: die ganze Dusche ist über und über – Verzeihung – verschissen, wabernde Teiche von Urin und von Kot und die Wände bis in Reichhöhe der Akrobaten kunstvoll gestrichen; aus dem taufrischen Hundehaus ist das Braune Haus von Vagen geworden. Das sind die Momente, in denen man seinem Schöpfer dankt, dass er einen mit einem unverwüstlichen Herzen und einer hohen Reizschwelle ausgestattet hat. Alle raus und mit Entsetzen dem Entsetzlichen ins Auge sehen. Hilft ja nichts…

Franzi vom Fuchsiengarten am 16.12.2011
Franzi hat auch noch Schlafbedarf
Der Rest des Tages bringt keine Höhepunkte mehr, die nach diesem noch erwähnenswert wären. Wir stellen das Hundeduschen-Experiment ein, die Fieslinge haben gewonnen. Der Raum ist zu klein, sie können sich nicht in Ecken zum Lösen verdrücken, sie rasen umher, weil sie raus wollen, gehen an den Wänden hoch, weil sie einen Ausweg suchen und das Ergebnis ist das Vorliegende, das wir zu unserer und aller Schonung nicht fotografisch dokumentieren. Aus ist es, die Fritzen kommen nachts wieder in die Küche und wir werden auch in Zukunft tun, was wir fünf Würfe lang getan haben. Never change a running system! Es war eine schöne Idee, ein kleiner Traum, aber wenn wir ihn weiter verfolgen, können wir die neue Dusche gleich generalüberholen. Nein- Schluss!

Im übrigen: Wer noch immer bei Pro7 und SAT1 herumhängt auf der Suche nach The Voice of Germany, kann sich das schenken und zu uns kommen: wir haben sie! Franz vom Bairischen Blues ist die Stimme Deutschlands.

Nachts sind die Fritzen wieder in ihrer geliebten Küche und draußen tobt Tief Joachim über die Dächer. Beim Einschlafen trösten wir uns, dass wir die zerbrechlichen Kleinen bei diesem Wetter sowieso nicht in die Besenkammer gesteckt hätten…

Fünfte Woche von Frau Fischers Fritzen - Sa

Samstag, 17.12.2011

Nach dem gestrigen Sturm von Tief Joachim liegt heute der erste Schnee. Man kann nicht behaupten, dass die Fritzen davon tief beeindruckt wären, wobei „tief“ bei gerade mal drei Zentimetern sowieso etwas hochgegriffen ist. Sagen wir es schlicht und kurz: es ist ihnen schnuppe, ob sie Gras unter den Stollen haben oder so etwas kaltes Weißes, wahrscheinlich betrachten sie diese weiße Unterlage als neuen Gag ihrer Herrschaften, die ihnen ja schon einige Bodenbeläge untergeschoben haben. Allerdings macht ihnen dieser Emergency-Schaum-Teppich reichlich Spaß und man ahnt schon bei diesem ersten Schneekontakt im Leben eines Hovawarts, dass daraus eine

Franz vom Bairischen Blues im Schnee
Franz, ein Schneeleopard?
Liebe fürs Leben werden könnte. Es wird ja in manchen Familien durchaus darüber sinniert, ob sich nicht doch irgendwann mal aus Versehen ein Schneeleopard in die Ahnentafel gemogelt hat; beißen kann er wie ein Schneeleopard, schnell kann er sein wie ein Schneeleopard, hören kann er wie ein Schneeleopard, anschleichen kann er sich wie ein Schneeleopard, das Geburtsgewicht zwischen 300 und 700 Gramm passt, die Schulterhöhe von durchschnittlich 60 cm passt und sogar der wissenschaftliche Name Unica Unica lässt Rückschlüsse auf eine heimliche Verwandtschaft zu, denn jeder Hovawart ist ein richtiges Unikum – nur bei der Sprunghöhe, die beim Irbis locker fünf Meter erreicht, hapert es ein bisschen: viele Hovawartbesitzer wären froh, wenn ihr Liebling die Meterhürde ohne aufzusetzen meistern würde. Wir können es aber dabei belassen, dass Hovawart und Schnee in jedem Fall eine innige Verbindung eingehen.

Felix vom Bairischen Blues auf der Waage
Felix, die Waage lügt nicht!
Wenn wir nur einen flüchtigen Blick auf die Gewichtstabelle werfen, finden wir Franz als König der Leoparden nachhaltig bestätigt: 3440 Gramm gegenüber 3260 von Felix. Franz hat dem Blonden gezeigt, wo der Bartl den Most holt. Die 1510 Gramm Gesamtzunahme sind zwar etwas mehr als in den letzten Tagen, bestätigt aber den Trend und unsere Vermutung, dass weder von Franzi noch von Anouk noch genügend Substanz kommt, um ein bisschen mehr anzulegen. 1510 Gramm sind im Schnitt 137 Gramm für jeden, das ist zwar nicht schlimm, dürfte aber zum Ende der fünften Woche auch etwas mehr sein. Generell sind wir immer bestrebt, unsere Hunde, auch unsere Welpen trocken zu halten, wie der Fachmann für rank und schlank sagt; uns ist es nicht wichtig, Premiumgewichte von weit über acht Kilo zur Abgabe anzusteuern, uns ist ein langsames und gleichförmiges Wachstum wichtiger. Wenn ein Welpe ein solches Gewicht erreicht, haben wir nichts dagegen, aber wir legen uns dafür nicht ins Zeug. Das Endgewicht ist sowieso genetisch festgelegt und wird nur durch starken Mangel unter- beziehungsweise durch Überfütterung überschritten. Dennoch brauchen wir für die kommenden Wochen ein bisschen „Speck“ auf den Rippen, damit der kleine Fritze sich gegen Angriffe der unsichtbaren Art wehren kann, er muss etwas zusetzen können, wenn ihn beispielsweise ein Durchfall oder eine Infektion am Schlafittchen hat. Deswegen werden wir ab heute viermal füttern. Konkret heißt das: morgens Hüttenkäse mit Welpenmilch oder Ziegenmilch und Banane, mittags eingeweichtes Trockenfutter, nachmittags Fleisch oder Fisch in allen Variationen mit Flocken, Reis, Nudeln oder Kartoffeln und abends wieder eingeweichtes Trockenfutter. Für heute wäre das allerdings nicht unbedingt nötig, denn heute kommt der Papa Fetzer sen. und stellt sich den Welpenkäufern vor. Da ist eine vermehrte Futterinfiltration anzunehmen.

Immer um diese Zeit herum laden wir die Zukünftigen zu einem zünftigen Weißwurstessen mit Public-Papa-Viewing. Dazu kommen dann selbst eingefleischte Vegetarier (gibt es eigentlich auch eingepflanzte Fleischesser?).

Fetzer vom Vögele hof
Fetzer vom Vögele Hof
Natürlich will jeder den Papa seines baldigen Hausgenossen kennenlernen und insgeheime Annahmen treffen, inwieweit sich die Kriegsbemalung des eigenen Welpen möglicherweise der des Vaters noch angleichen könnte. Die Mutter ist ja in dieser Hinsicht schon ausgetestet und lässt keine weiteren Hoffnungen zu. Aber der Papa mit seiner sehr schönen Kriegsbemalung könnte doch Anlass für den einen oder anderen Hoffnungsschimmer geben. Aber natürlich sagt das keiner, wer würde schon coram publico bemängeln, dass sein Auserwählter markenmäßig etwas knapp bestückt sei? Jedenfalls nicht vor der Weißwurst, aber hinterher haben wir es auch noch nicht erlebt, schließlich trägt auch eine Weißwurst mit Breze einen gewissen Bestechungsfaktor in sich. Dabei wäre das natürlich gar nicht mehr nötig, denn schon jetzt sind ja die kleinen Fritzen für die meisten von jeglichem Umtausch ausgeschlossen, zumindest für die, welche bereits wissen, wen sie demnächst in die Arme und ins Haus schließen dürfen.

Der Papa, und das muss man so ungeschützt und laut sagen, benimmt sich wie ein Dandy von Welt, ein Schnösel, dem nichts, aber auch gar nichts etwas anhaben kann. Wir haben bei den vergangenen fünf Würfen keinen Erzeuger (und auch keinen anderen erwachsenen Hovawartrüden) erlebt, der sich so völlig selbstverständlich in dieser seiner Welpenschar bewegte. Was wir bisher kennen sind Fluchtreaktionen, so haarsträubend, dass sie sich lieber die Gräten beim Sprung über die Welpengitter gebrochen hätten als auch nur eine Sekunde länger zwischen diesen lärmenden, stinkenden, zwickenden und zwackenden Nachzöglingen eigenen Blutes zu verweilen. Turbokomische Szenen konnten wir protokollieren, wenn mächtige Rüden mit Sabberfäden bis zum

Fetzer vom Vögele Hof
Fetzer im Welpenparadies
Boden durch den Welpenauslauf galoppierten mit einer Schleppe grölender Vatermörder hinter sich. Erwachsene Rüden können Saugwelpen nicht ertragen. Wenn sie älter werden, so ab der achten Woche, ändert sich das, weil dann in der Natur der Vater die Erziehung und Ausbildung der Jungen übernimmt. Aber Fritzen in diesem Alter sind noch unter der Würde für einen stolzen Rüden, eigentlich sogar unter aller Sau. Doch dieser Fetzer vom Vögele Hof steht mitten in unserer Küche, unter ungefähr 20 Erwachsenen, mehreren Kindern, elf Welpen und zwei Mutterschiffen und zeigt kaum sonderlich Erregung. Ja, ein paar Fäden hängen ihm vom Maul herab, aber sonst bewegt er sich fast stressfrei und ohne Hektik in diesem Tohuwabohu. Fetzer ist sich seines Herrchens gewiss, er setzt auf das eingeschworene Team und denkt sich: wo du hingehst, will auch ich hingehen. Kann man etwas Schöneres von einem androcynischen Team sagen? Wohl kaum. Wir verbeugen uns vor Christian und Fetzer sen. und sind richtig stolz auf einen solchen Papa. Allerdings darf nicht unerwähnt bleiben, dass ein solch souveränes Verhalten eines Deckrüden auch Gefahren für ihn mitbringt; er hätte an diesem Tag bestimmt viermal verkauft werden können. Aber sein Herrchen lässt nicht mit sich handeln, auch unmoralische Angebote fechten ihn nicht an, zumal er als Banker solche kennt und mit ihnen umzugehen versteht. Nein, Fetzi ist nicht verkäuflich und sein Chef nicht käuflich, ein Dreamteam eben. Eine Supershow.

Anouk mit Frenzy und Fianna
Bei der tollen Tante ist alles erlaubt
So wie Fetzer jr. den unbedingten Willen zur Vaterschaft bezeugte, offenbart Anouk den ganzen Tag über, und auch nachdem die letzten Besucher die Türe von außen geschlossen hatten, dass sie sich weiterhin mit jeder Faser zur Mutterschaft bekennt, auch wenn es nicht ihre eigene ist. Normalerweise sind nach einem solchen Tag alle hin und kaputt und verziehen sich relativ schnell in ihre Gemächer, aber nicht Anouk. Sie liegt den ganzen Abend bis spät in die Nacht im Kreise ihrer Liebsten in der Kiste, lässt sich auszuzeln, besteigen, befingern, begrapschen, abfieseln und malträtieren und ist dabei nichts als glücklich. Eine wirklich schrecklich nette Hündin; auch sie mit Franzis Welpen – ein Dreamteam. Ein Tag zum Heulen schön.