Die sechste Woche von Frau Fischers Fritzen

Sechste Woche von Frau Fischers Fritzen - So

6. Woche (18.12. – 24.12.)

Sonntag, 18.12.2011, 4. Advent

Der Morgen kommt mit -5° C, ist bewölkt, aber eigentlich richtig angenehm. Und der Schnee ist schon wieder Schnee von gestern; nur noch ein paar hartnäckige Restflecken verteilen sich in unserm Welpenparadies.

Die Zusatzmahlzeit und die Besuchergratifikationen haben gestern für einen ordentlichen Speed auf dem Kalorienkarussell gesorgt: 2350 Gramm! Das sollten wir ein wenig näher ansehen, nur um die Zahlen zu genießen. Franz 3780 Gramm (+340), Felix 3430 (+170), das ist natürlich nix, wahrscheinlich zu viel in den Vordergrund gespielt bei alle den Leuten gestern und das Mampfen vergessen. Fado 3380 (+210), Ferdi 3280 (+220), Flori 3180 (+170), Frenzy 3160 (+310), Fetzer jr. 3160, aber nur 40 plus, ebenfalls auf dicke Hose gemacht, um dem Papa zu imponieren und nicht darüber nachgedacht, dass morgen auch noch ein Tag ist, Fianna 3090 (+210), Fanni 2910 (+210), Fine 2840 (+250) und Franca 2620 (+220). Da kann man nicht meckern, da darf gerülpst werden.

Nachdem die Sache mit der Hundedusche gründlich in die Hose ging, müssen die Kinder morgens, wie alle vor ihnen, in den Garten bis drinnen geputzt ist, und da zeigen sie sich wirklich von ihrer besten Seite. Sie spielen meist völlig lautlos miteinander, was in den frühen Morgenstunden die halbe Miete ist. Heute, am 4. Advent, sind wir nicht so früh dran wie sonst, weil wir ein bisschen ausschlafen wollen, aber wenn wir sie morgens um fünf Uhr raulassen müssen, sind Kinder, die die Klappe halten können, überlebenswichtig. Was hatten wir in dieser Hinsicht schon Kopfstände machen müssen; da gab es Würfe, die partout der ganzen Nachbarschaft mitteilen mussten, dass sie nun wach sind und bitteschön jetzt das Sandmännchen aus den Augen gerieben gehört und frisch mit dem Tagewerk begonnen werden müsse. Diese Spezialisten hatten auch Antennen für die leisesten Bewegungen im Haus, wenn nur ein Vorhang leise flatterte, stand der ganze Haufen an der Terrassentür und forderte lauthals Einlass. Da wird die Morgenroutine zum Eiertanz. Frau Fischers Fritzen quietschen höchstens vor Freude, wenn sie in ihr Paradies entlassen werden, setzen noch ein paar Freudenrufe frei und geben sich dann ihrem stillen Spiel hin, das meist in den beiden Welpenkörben und in der Hundehütte stattfindet. Richtig gelesen, die allzeit verschmähte Hundehütte ist inzwischen gesellschaftsfähig geworden und schuld daran ist Anouk. Weil sich die alte Dame, angetrieben von jugendlichen Muttergefühlen, mit ihren morschen Knochen gelegentlich in die Hütte zwängt, gibt es für die Kleinen gar keine Diskussion mehr, dass diese Hütte eine großartige Einrichtung ist (die Hundedusche bleibt aber weiterhin unbeachtet!). Und seither wird sie auch benutzt, wenn Anouk nicht mit drinnen liegt. Und so wird eben auch morgens in der Hütte gespielt – und alsbald, spätestens nachdem die Chefin das Frühstück gereicht hat, eingeschlafen. Und draußen herrscht himmlische Ruhe. Auch der Frostboden heute lässt sie völlig kalt, so kalt wie der Schnee von gestern. Die Fritzen sind eine wahrhaft pflegeleichte Kinderschar - wenn man von den Waffen an ihrem vorderen Ende absieht. Da lassen sie sich gegenüber ihren Halbbrüdern und -schwestern nichts nachsagen; echte Hovawarte wollen sie schon sein.

Nach dem Morgenspaziergang von Anouk und Franzi teilen sich die beiden die Mutterschaft, das heißt, sie servieren an getrennten Tresen handwarme Vorzugsmilch. Da glaubt man wirklich im Kino zu sein: auf der einen Terrassenseite schmatzt es an Franzis Bauch und gegenüber zapfen ein paar Anouks Brust an. Was uns anfangs ein bisschen wie eine flüchtige Marotte Anouks vorkam, wird zum Tagesinhalt der alten Dame: sie ist von Kopf bis Fuß auf Welpen eingestellt, denn das ist ihre Welt und sonst gar nichts. Sie hat einfach nichts anderes mehr im Kopf, ihr Leben dreht sich um Franzis Kinder. Die berüchtigte Anuschka vom Haselrieder Wald, die beim Blues ein strenges Regime führte, die keinerlei Unbotmäßigkeiten duldete und jede Überschreitung der Etikette unverzüglich und nachdrücklich maßregelte, diese Anouk verschwindet komplett unter einem ausgelassenen und frechen Welpenhaufen, der sie als Kletterberg benutzt und an ihr herumturnt wie die Maden an einer Leiche. Sie dürfen einfach alles, selbst wenn sie mal die Lefzen schürzt und ein dünnes „Mal langsam“ raunt, schert sich keiner dieser Tantenalpinisten um diese Mahnung. Sie ist altersmilde geworden, die Anuschka, ganz sicher nicht verrückt, auch wenn man manchmal den Eindruck haben muss. Ganz im Gegenteil, diese vierte Mutterschaft macht sie täglich lustiger, ausgeglichener und fröhlicher. Auch draußen beim Spaziergang wirkt sie, die schon vorher nicht hinfällig daherkam, wie in einen Jungbrunnen gefallen, die Rute über dem Kopf positioniert, schwebend wie eine Schneeflocke und den Blick voller Sterntaler. Zuhaus schleppt sie Teddys, Schweine, Krokodile und alles, was nicht kreucht und fleucht herum und serviert sie ihren Neffen und Nichten. Wo die Welpen sind, will auch sie sein, wenn wir sie nicht zu ihnen lassen schmollt sie nachhaltig und geht uns so lange auf den Nerv, bis wir, was sonst?, entnervt aufgeben und sie zu ihnen lassen. Die Welpenkiste wird auch mehrmals täglich einer Umdekorierung unterzogen, denn jegliche Einrichtung von unserer Hand wird abgelehnt, alles untauglich und unbrauchbar. Sie schiebt Handtuch- und Vetbettberge von links nach rechts und wieder zurück, als ob sie binnen

Lebkuchen für die Fieslinge
Lebkuchen von Daxi
der nächsten Stunde mit der Niederkunft rechnen würde. Danach sieht nicht nur die Schnullerbox, sondern auch die nächste Umgebung aus wie bei Messies rund ums Sofa. Das kann nicht unsere Anouk sein, da muss uns irgendjemand einen Klon ins Haus geschmuggelt haben. Wer soll denn nun diese Viertelwüchsigen den gebotenen Benimm beibringen? Franzi vielleicht? Das Leben ist zu kurz, um über so einen schalen Witz zu lachen. Wir etwa? Sollen wir uns auf den Boden legen und den Welpen in die Nase beißen, und sie durch die Luft expedieren, wenn sie sich daneben benehmen? Das kriegen wir schon rein stimmlich gar nicht hin, da lachen uns die Fritzen doch aus. Gute Güte, unsere Anouk lässt uns alle im Stich, sie ist von der Erziehungsbeauftragten zur Verziehungsbeauftragten geworden. Welche Auswirkungen das auf die Fritzen haben wird, werden wir sehen. Mangel an Aufmerksamkeit und Empathie werden sie jedenfalls später nicht zu ihrer Entlastung vorbringen können.

 

 

Franz und Daxi vom Bairischen Blues
Franz und Daxi haben Spaß
Die heutige Besucherin schlägt auch beide Hände über dem Kopf zusammen, als sie die aufopferungsbereite Anouk unter den Fritzen ortet. So viel Hingabe und Nachsicht hätte sie sich auch gewünscht, obwohl sie mit zu den Wenigen gehörte, die bei Anouk mehr Grenzen überschreiten durfte als die meisten anderen – Daxi ist zu Besuch, die tolle Nudel mit dem Busentuch, der Knaller mit der Friedenstaube auf der Brust. Und Daxi bringt auch noch Lebkuchen mit, die sie extra und mit viel Liebe den kleinen Fieslingen gewidmet hat. Da bedanken die sich artig und der staunende Betrachter fragt sich, ob so viel Anstand etwa Folge von Anouks ultra-antiautoritären Erziehung ist? Ist doch was dran am alten A.S. Neill und sind wir Zweibeiner bloß zu doof dazu? Wurscht, Daxi kommt mit den Fritzen gut zurecht und die sind irgendwie lieb zu ihr. Vielleicht ist es auch nur der Zauber des 4. Advent und der Lebkuchenzeit.

 

Es wird wieder spät heute, es sind so viele nette Menschen hier, dass man gar nicht mehr zur Ruhe kommt, weil die Welpen die Menschen zusammenführen, uns buchstäblich in den Pferch treiben, wie es sonst nie möglich wäre. Wir freuen uns, dass so viele vorbeischauen und unsere Fritzlein bewundern wollen (wir hoffen, dass auch wir einen Teil ihres Interesses ausmachen) und sitzen gerne mit ihnen zusammen und plaudern und fühlen uns wohl. Doch abends, wenn der Vorhang fällt, stürzt mit einem Mal alles zusammen, dann geht uns die Luft aus wie einem Luftballon, den man sausen lässt – pfüüüüt. Und dann kommt auch noch der letzte Kampf des Tages: Anouk ins gemeinsame Schlafzimmer locken. Wenn wir keine Welpen haben, sollen die Damen selbst entscheiden, wo sie ruhen wollen, Anouk entscheidet sich meist für das Erdgeschoss, schließlich ist dort ihr Wachposten und

Anouk mit Teddy
Mach auf, ich will zu den Fritzen!
nicht in der Furzkaschemme. Aber in der Welpenzeit müssen die Damen ins Schlafzimmer, weil sie sonst alle naslang die Welpen durch die Tür hindurch ansummsen, dass die schlagwach sind und zu jodeln beginnen. Das kann im Halbstundentakt sein und jedes Mal tobt da unten Fury in the Slaughterhouse. Da haben wir nach den ersten solchen Nächten mit Anouk im A-Wurf abgestellt. Unten wird die Tür zum Treppenhaus geschlossen, die Damen kommen ins Schlafzimmer, das Schlafzimmer wird auch versiegelt – und dann ist Ruhe im Karton. Doch Anouk verweigert den nächtlichen Gehorsam, Anouk weigert sich, ihre Adoptivkinder zu verlassen! Anouk verweigert sogar den kleinen nächtlichen Pinkelgang auf die Wiese. Anouk wurzelt in der Schnullerbox und denkt nicht daran, den Platz an der Seite der Fritzen zu räumen. Anouk ist wie ein Kind, sie muss zwar, wie erwähnt, nicht Pipi machen, aber sie muss noch eine Gute-Nacht-Geschichte erzählen und sie muss dem Franz noch ein paar Takte bezüglich seiner Umgangsformen ihr gegenüber beibiegen, was in der Tageshektik untergegangen war, dem Felix muss sie noch den Hintern putzen und Franca noch ein paar Tropfen Vorzugsmilch verabreichen, damit sie morgen nicht so spickerig auf der Waage steht. Der Junior habe sie gebeten, so flüstert sie dem Chef im Vertrauen und mit einem schelmischen Augenzwinkern zu, also, der Junior habe sie gebeten, ihm die rote Markierung vom Nacken zu lecken, weil er immer so viel Spaß daran habe, dass der Chef ihn ohne Fleck nicht kennt. Da ist das Maß überschritten und des Herrn Langmut überdehnt; die sittenlose Kinderfrau wird mit sanftem Nachdruck aus ihrer Kiste operiert und unter halsstarrigem Protest nach oben verfrachtet. Dort legt sie sich in eisig stillem Protest auf die Beine des Herrn, der nun darüber nachdenken kann, ob er nicht besser geschlafen hätte, wenn sie unten geblieben wäre. Alte Knochen knarzen still gestapelt und verflochten – warum fallen einem nur in einem solch hinfälligen Moment die Merseburger Zaubersprüche ein?

 

ben zi bena,
bluot zi bluoda,
lid zi geliden,
sose gelimida sin.


(Bein zu Bein, Blut zu Blut, Glied auf Glied, als ob sie verknüpfet wären).

Sechste Woche von Frau Fischers Fritzen - Di

Dienstag, 20.12.2011

Den gestrigen Montag legen wir wegen Mangels an Eigenschaften zu den Akten und stellen fest, dass nicht nur der ganze Tag ein wenig schläfrig war, sondern auch Felix sich in Sachen Fettreserven einlullen ließ und deswegen nicht nur von Franz abgehängt, sondern auch noch von Fado nach hinten gereicht wurde. Erwartungsgemäß übersprang Franz als Erster die vier Kilo (4120), gefolgt von Fado (3890) und Felix (3840). Die weitere Reihenfolge löst keine Adrenalinschübe aus und kann somit unterbleiben.

Heute Morgen blicken wir auf einen strahlend blauen Tag mit -8° C, der allerdings nicht hält, was er verspricht: nachmittags und abends fällt Schnee. Nachdem wir jetzt laut dem Hundertjährigen angeblich zehn Tage klaren und kalten Wetters hinter uns gebracht haben, beginnt also heute unfreundliches Regenwetter. So kann man sich täuschen – und getäuscht werden, wenn man den Sternguckern und Propheten auf den Leim geht. Allerdings, so viel Fairness muss schon sein, beten die modernen Wetterfrösche auch die Litanei vom Schmuddelwetter und dass bis Weihnachten keine Aussicht auf Besserung, geschweige denn Weiße Weihnacht, bestehe. Soll sein…

Anouk macht immer mehr Terror bezüglich ihrer selbst angeeigneten Mutterschaft. Morgens beschwert sie sich vehement, dass sie nicht unverzüglich zu „ihren“ Welpen darf, weil sie während unserer Putzrituale im Schlafzimmer bleiben muss. Sie drückt die dicke schwarze Nase in den Türspalt und schiebt ihre Schultern hinterher, um vor uns durch die Tür zu sein. Sie will einfach nicht einsehen, dass wir und unser Putzeimer jetzt wichtiger sind als ihre herum gereichten Teddys, Krokos und Plastikschweine. Franzi bleibt unverwandt liegen und wartet, ob Anouk als Türöffner Erfolg hat, wenn nicht, drückt sie nochmal ein Auge zu: sie kommt noch früh genug in den Genuss ihrer rüpelnden Fritzen. Wenn dann allerdings alles erledigt ist, die Fritzlein wieder eingelassen wurden (und sofort wieder ein paar Häuflein auf den frisch gewienerten Boden applizieren, weil ja draußen keine Gelegenheit war), ist die weiße Dame doch recht dankbar, wenn wir ihr das Frühstück nicht im Kindergarten, sondern separat servieren, nicht dass sie nicht teilen könnte, aber futtern ist für Anouk mehr als schiere

Fianna vom Bairischen Blues am 20.12.2011
Fianna
Nahrungsaufnahme; sie genießt ihre Mahlzeiten und lässt sich Zeit. Aber heute kommt die Frühstücksidylle ein wenig ins Wanken, weil sich hinterm Chef, als er Anouk die Futterschüssel in den Hauseingang bringt, klammheimlich Fianna in den Hausflur stiehlt, ohne dass er es merkt. Noch korrigiert er ein paar kleine Defekte am Transit, als ihn eine seltsame Stille aus dem Hausflur stutzen lässt; ganz geräuschlos geht auch bei Anouks Tischsitten eine Mahlzeit nicht vonstatten. Doch heute ist es seltsam still. Ein Blick sagt mehr als tausend Mutmaßungen: Fianna hängt ihren rabenschwarzen Schädel in Anouks Futternapf und gönnt sich ein kleines zweites Frühstück. Und Anouk steht recht fassungslos daneben – lässt sie aber gewähren. Darf die das? Nein, Anouk, das darf sie nicht. Die Mundräuberin wird in ihr Reich zurück gebracht und Anouk sieht hinter ihr her, und ihr Blick sagt: zu meiner Zeit hätte es so etwas nicht gegeben. Das mag sein, liebe Anouk, aber im vorliegenden Fall darf auch die Frage nach einer gewissen Mitschuld an solchem Verhalten gestellt werden, oder?

 

Die Situation ist für Anouk auch deswegen von einiger Schwere, weil sie nach der Übernahme der Mutterschaft reinhaut wie ein Holzfäller, wo sie noch vor wenigen Tagen an allem herum gemäkelt hat. Jetzt kann sie nie genug bekommen. Und nun muss sie auch noch etwas an Fianna abgeben – Langmut, dein Name sei Anouk.

Was Anouk in fester Form in sich hinein schaufelt, nehmen die Fritzlinge in flüssiger Form zu sich. Wir sind völlig perplex, wie viel die trinken. Ihre Vorgänger werden da auch nicht anders gewesen sein, aber irgendwie haben wir das vergessen. Dass demzufolge unseren Küchenboden keine Welpenlachen, sondern ausgewachsene Teiche zieren, kann sich jeder denken. Man muss schon über das Fassungsvermögen einer Welpenblase staunen. Weil wir uns heute so ausgiebig mit Essen und Trinken beschäftigen, wollen wir den Tag auch in dieser Tradition beschließen: heute gibt es gewolften grünen Pansen und für die Fieslinge ist das, als ob schon heute Weihnachten wäre.

Sechste Woche von Frau Fischers Fritzen - Mi

Mittwoch, 21.12.2011

Regen gibt es zwar keinen, aber so gut wie: Schneeregen, Sauwetter knapp über dem Gefrierpunkt. Mit Winter hat dieser Alibiniederschlag rein gar nichts zu tun. Man muss wirklich gespannt sein, ob diese Fieslingsfritzen von Frau Fischer noch richtigen Schnee erleben werden, noch bleiben gut zweieinhalb Wochen.

Fett für ein paar arktische Tage hätten die meisten genug auf den Rippen; wir können nämlich heute ein bisheriges Allzeithoch in Sachen Gewichtsaufnahme verzeichnen: 2640 Gramm. Ob es am Pansen lag? Bei Fianna könnte es das zweite Frühstück gewesen sein, das sie Anouk klaute. Damit hat sie sich immerhin 380 Gramm auferlegt und das bedeutet in dieser Betrachtung den zweiten Platz. Insgesamt gibt Fianna 3920 Gramm zu Protokoll und belegt damit den 4. Platz im Gesamtergebnis. Dass so viel Dreistigkeit auch noch belohnt wird, empört uns doch ein wenig, obwohl wir ihr diesen Riesensprung vom 7. Platz natürlich gönnen. Den Futtervogel schoss aber Fine ab: für 390 Gramm müsste sie eigentlich Übergepäck bezahlen. Die schlechte Nachricht ist, dass sie mit den nun erfutterten 3480 Gramm keinen Schritt von ihrem vorletzten Platz gekommen ist. 370 Gramm hat sich Felix unter die Schwarte gepflastert und kommt mit 4210 Gramm wieder an Fado vorbei auf den 2. Platz. Fado legte wohl einen Diättag ein und begnügte sich mit 80 Gramm, eine Größenordnung, die bei einer solchen Hausse zu keinerlei Ansprüchen berechtigt. Nur sein Polster rettet ihm den 3. Platz. Ohne Rast und ohne Ruh schlug der Franz auch gestern zu. Als ob ihm der Kontrollverlust gegenüber Felix vor kurzem wie der Gottseibeiuns unter die Haut gefahren wäre, lässt er sich auf keine Lockungen ein und marschiert weiter, immer weiter voran: 330 Gramm machen 4450 und natürlich den Platz an der Sonne. Ambitioniert zeigten sich auch Fanni und Flori mit jeweils 240 Gramm. Für Fanni summiert sich das auf 3550 Gramm, den 9. Platz wird sie damit aber nicht los. Bei Flori errechnen sich 3890 Gramm und der 5. Platz. Frenzy schaffte gestern 210 Gramm, landet bei 3710 Gramm und Platz 8. Der Junior ist mit 200 Gramm auch bei der Musik dabei, meldet 3880 Gramm und den 6. Platz. Francas tapfere 140 Gramm bestechen im Willen, aber halt nicht, wenn die anderen auch gewillt sind: 3060 Gramm, immerhin der Sprung über die Drei-Kilo-Marke und weiterhin das Nesthäkchen am Ende. Der Low-Performer des Tages, der Pansenverweigerer, ist Ferdi mit geradezu empörenden 60 Gramm; 3810 Gramm, 7. Platz.

Jedem Rüsselchen sein SchüsselchenDiese Pansensache macht, außer Ferdi, offensichtlich allen Spaß, deswegen wiederholen wir sie heute, allerdings servieren wir erstmals in der Futterbatterie mit Einzelschüsseln. Der Futterring fördert die Sozialisation und unterdrückt den Futterneid, weil alle nebeneinander auskommen müssen. Die Schüsseln benutzen wir vor allem, um die Futtermenge für jeden Einzelnen besser steuern und überwachen zu können. Außerdem wird die Morgenmilch mit Hüttenkäse bald zu viel für die beiden Ringe, sodass wir dann auch auf die Schüsseln ausweichen müssen. Für die Fritzen scheint es völlig unerheblich zu sein, aus welchem Blechnapf sie fressen sollen, solange nicht gespart wird. Natürlich müssen wir einige umsortieren, weil der Erfahrungshorizont noch nicht so weit reicht, dass hier für jeden ein Schüsselchen steht, also schlagen sich schon mal drei um einen Napf, aber das ist in Sekunden geregelt und dann hört man nur noch leidenschaftliches Schmatzen.

Eigentlich sollte man nach dem Essen ruh’n oder tausend Schritte tun. Die Entscheidung hat man aber nur, wenn man keine Tante Anouk hat, die nicht ruhen will und nicht ruhen lässt; ohne Unterlass trägt sie jeglichen Plunder herum, wirft ihn den Kindern vor die Füße oder in die Kiste, dass die gar nicht anders können als auf Anouks gut gemeinte Offerten einzugehen. Nichts, aber auch gar nichts bleibt bei Anouk unberücksichtigt oder unbeachtet: Teddy, Huhn und Plastikschwein müssen in die Kiste rein, dazu Amsel, Drossel, Fink und Meise und die ganze Spielie-Sch… wenn das alles nur ihr Problem wäre und das ihrer Halbnichten und –neffen, könnte man ja ein Ei drüber schlagen und den lieben Gott einen geduldigen Mann sein lassen, doch die Folgen ihres Umtriebs baden natürlich wir aus, weil die Fritzen nie zur Ruhe kommen und somit auch uns keine Ruhe lassen. Werden so etwa ADHS-Kinder herangezogen?

Gar nicht nach ADHS wirkt Anouks Spaziergang mit dem Chef am Nachmittag. Erst signalisiert sie, dass sie keine Zeit und keine Lust hat, weil sie noch ein paar Prägungsspiele mit den Fritzlein machen müsse – Prägespiele mit dem Plastikschwein! Als aber Ausreden nicht verfangen und sie auf ihren augenfälligen Bewegungsnotstand hingewiesen wird, lässt sie sich herab, schwingt sich mühselig und beladen die Eingangsstufen hinab und bewegt sich wie ein Flusspferd fünf bis zehn Meter hinter ihrem Begleiter in Richtung Wiese. Dort wird sie nicht schneller, leidet augenscheinlich an Herzwassersucht, Rheuma und Asthma im Endstadium. Die elegante Weiße taumelt und walzt schwer angeschlagen und gliederschwer hinterher, bleibt nach mindestens jeweils fünf Schritten stehen, muss sich setzen und mit gebrochenen Augen mit der Welt abrechnen. Ein todkranker, ausgelaugter, endfertiger Hund, der von seinem Herrn immer wieder zu sportlichen Höchstleistungen gezwungen wird. Der Dompteur lässt nicht locker und fällt auf diese Mimikry nicht herein, und so bekommen zufällige Betrachter dieses ultimativen Spaziergangs eine Komödie der Extraklasse vorgeführt, vor allem, wenn sie ausharren und warten, bis die alte Dame einmal um die Wiese herum ist und die Nase wieder in östliche Richtung gen Heimat in den Wind halten kann, dann plötzlich strömt Leben in den hinfälligen Leib, dann baumt die Rute wieder über Kopf auf, der Schritt schwebt und federt wie der einer Gazelle und die Gazelle selbst schwebt mindestens zwanzig Meter vor ihrem Begleiter, dass er sie kaum noch einbremsen kann, vom duftigen Schritt, zum swingenden Trab und zum verhaltenen Galopp: Alter nimm die Füße in die Hand und mach den Turbo auf. Die weiße Zecke ist einfach nur kindstoll. Aber eben auch richtig toll! Der Herr gebe ihr das ewige Leben.

Wir beschließen Anouks Plastik- und Plüschkrempel durch Nahrhaftes fürs Leben zu ersetzen, mit dem sie mindestens so beschäftigt sein werden wie mit Anouks Toys `r`Us –Winterschlussverkauf. Nach dem durchgedrehten Pansen gibt es für die durchgedrehten Kinder jetzt noch Pansen am Stück. Da lohnt sich die Hatz durchs Paradies wenigstens. Innerhalb von Sekunden fliegen sie alle auseinander wie das Universum und verstecken sich strategisch günstig, um ihren Magenanteil ungestört zu verarbeiten. Flori ist da ein ganz viver und bringt sich so unterhinter dem Buchs in Deckung, dass selbst wir Probleme haben ihn auszukundschaften. Die anderen müssen jedoch ihr Mahl mehrmals unterbrechen und eine Station weiterziehen, weil halt immer wieder einer mit seinem Beutelappen auf die Reise geht, um zu sehen, ob nicht ein anderer noch etwas Leckereres hat. So lange ist das Spiel auch für uns von hohem Unterhaltungswert, aber auch voller Hinweise auf die Gefühlslage unserer Fritzchen; da sind nämlich schon ein paar Gierschlünde dabei, die sogar uns die Zähne zeigen, wenn wir ihnen an die Beute gehen wollen. Die bekommen dann auch einen Lerneffekt, nämlich den, dass beim Blues immer noch - das Thema hatten wir schon- die Moral vor dem Fressen kommt. Da zeigen wir ihnen dann, wo der

Fanni jagt Franca den Pansen ab
Zwischen Franca und Fanni gehts um die Pansenwurst
Lappen hängt, nämlich unerreichbar über ihren Köpfen – und wenn sie das verstanden haben, kriegen sie ihn wieder. Wetten, dass die Zahnreihen bei der nächsten Übung im Futteral bleiben? Problematischer ist die Pansennummer, wenn sie sich dem Ende zuneigt und einige dieser Kannibalen keine Zeit mehr haben, den verbleibenden Rest auch noch ordentlich zu zerlegen und versuchen, ihn gleich ganz zu schlucken. Da heißt es „Spitz pass auf“ beim Pflegepersonal. Wir haben bei früheren Würfen schon ganze Pansenschläuche wieder aus den Speiseröhren befördert, weil einige gemeint hatten, jetzt wäre es Zeit für einen finalen Rettungsschluck. Und dann steht man da und würgt und keucht und kriegt das Ding weder vorwärts noch rückwärts in Bewegung. Aber auch daran kann die Bande lernen, wenn wir sie damit nicht alleine lassen. Diese F-Bande benimmt sich eigentlich ganz seriös, vor allem die bekannten Ingenieure und Tüftler arbeiten ihr Werkstück bis zur letzten Faser ab, nur die immer Eiligen und Hurtigen, die Wichtigen und Adabeis, die müssen wir vor dem „Erstickungstod“ retten, vor allem Franz, der mal schnell im Vorbeifliegen dem Junior seinen Restlappen aus dem Maul reißt und im Weitergaloppieren zu schlucken versucht, weil er natürlich die Retourkutsche ahnt. Wenn schon Kloppe zu erwarten sind, soll wenigstens die Beute in sicherer Verwahrung sein. Er hat nicht mit uns gerechnet. Er hat sie wieder abgeben müssen – viel hat nicht mehr aus dem Rachen herausgelugt – und der Junior hat seinen Anteil wieder bekommen; wie gesagt: erst die Moral… Und wenn wir gesehen haben, dass einigen ihr Anteil zu groß war und sie nur noch lustlos an ihm herum lutschen, haben wir das Stück für ihre Mama konfisziert. Die hat ja auch die meisten Plagen mit den Plagen. Nach uns, selbstredend …

 

Sechste Woche von Frau Fischers Fritzen - Do

Donnerstag, 22.12.2011

Jauchzet, frohlocket! Es ist Sonnwend, es geht bergauf! Ab sofort werden die Tage wieder länger. Der Winter, der bisher keiner ist, wird jetzt Zug um Zug, Tag für Tag mehr seiner finsteren Seite beraubt. Angesichts dieser Freude ahnt man, warum die großen Feste der Frühzeit um die Wintersonnwende gelegt wurden: man feiert den Lichtblick, die Hoffnung auf Wärme und die mit der Tageslänge wachsende Kraft und Energie. So ist es natürlich auch kein Zufall, dass wir Christenmenschen in zwei Tagen die Geburt des Messias feiern, der vermutlich auch nicht ganz zufällig als Licht der Welt bezeichnet wird, jene Geburt, die man praktischerweise auf die Zeit der Julfeste pfropfte, um die Feierlichkeiten der zu missionierenden Germanen und Kelten für die eigenen Ziele zu nutzen. Und das hat ja ganz fabelhaft geklappt, wie wir heute wissen. Und so heißt Weihnachten in skandinavischen Sprachen noch heute Jul oder Jol, selbst im Englischen ist noch der Begriff Yule bekannt. So freuen wir uns also auf die wachsenden Tage und Weihnachtsgeschenke und brauchen keine Elfenopfer mehr zu bringen, wobei wir mangels genauer Kenntnisse dieser Opferrituale nicht wissen, welches Opfer uns mehr abverlangt, das Elfenopfer oder das finanzielle Opfer der Weihnachtsgeschenke.

Ab sofort also mehr Licht. Wer jetzt schlaumeiert, Goethes angeblich letztes Wort „Mehr Licht“ sei auch auf diesen Wendepunkt der Sonnenbahn zurückzuführen, der irrt fundamental: Goethe starb nämlich am 22 März.

Trotz dieses kalendarischen Lichtblicks ist es heute trüb und regnerisch, gelegentlich auch schneeregnerisch. Genau so verläuft auch der Tag beim Blues: schleppend und bleiern. Natürlich gehen Besucher ein und aus wie jeden Tag und bringen reichlich Glanz in unsere Hütte, viel mehr als dieser sonnenfaule Sonnwendtag zustande bringt, aber dennoch liegt etwas Zähes in der Luft, als ob uns diese langsam ausginge. Doch zweieinhalb Wochen müssen wir noch durch- und Anouks Allüren aushalten. Zweieinhalb Wochen voller Freuden und Nervenattacken. Und wir spüren es tief in uns: wir wollen niemals auseinander gehen, wir wollen immer zueinander stehn, uns’re Welt ist so schön, wir wollen niemals auseinander gehen.

Anouk mit ihrem PlastikschweinNur Anouk geht uns auf den Geist, macht uns ganz schuri und meschugge, weil sie ohne Schwein und Huhn nicht mehr lebensfähig scheint, selbst beim Spaziergang besteht sie auf Begleitpersonal aus Plaste. Und sogar ihren geliebten Banditenkater Rossi lässt sie spüren, dass die Dinge hier keine Seifenoper ist, sondern eine knochenernste Angelegenheit, indem sie ihm einfach den Rückweg versperrt, als er nur mal nach dem Rechten sehen und fragen wollte, wie es denn mit dem Dinner aussehe und dabei den Fehler begeht, auf die Arbeitsplatte zu springen. Anouk legt sich davor und verfolgt fortan jede seiner Bewegungen, und wenn er ihrem Aktionskreis zu entschlüpfen droht, rückt sie nach. Nur der Beherrschung der 3. Dimension hat es Bandit zu verdanken, dass er ihr entkommt, indem er sich in einem kühnen Sprung über Anouks Kopf hinweg auf den Küchenblock rettet und sich auf und davon und aus dem Staub machen kann.

Bandit in der Klemme
Bandit in der Klemme
Nein, wir haben es alle nicht leicht in diesen Tagen und wissen nicht recht, wer von uns am Ende dieser acht Wochen am reifsten für die Klapse sein wird. Anouk ist bereits jetzt im Vorteil, aber wir fürchten, wir werden aufholen.

Sechste Woche von Frau Fischers Fritzen - Fr

Freitag, 23.12.2011

Die vergangenen beiden Tage dürfen als Energie-neutral betrachtet werden, denn 1420 Gramm gestern und 1540 Gramm Zuwachs heute sind eher unterer Durchschnitt. Es ist also zu vermuten, dass die Energiemenge, die in der Pansenbeute von vorgestern steckte, durch deren Verteidigung und Verarbeitung wieder verbraucht wurde. Philosophisch betrachtet könnte man also am Pansengleichnis postulieren, dass man sich an den ganz großen Brocken nicht nur verschlucken kann, sondern dass der Preis für deren Erlangung, Ergaunerung , Verteidigung und Verwaltung in keinem Verhältnis zu ihrem Wert steht. Wenn wir diese Annahme zur Grundlage unserer Gewichtsbetrachtung machen, müssen wir feststellen, dass Franz am heftigsten von dieser Logik betroffen war: 10 Gramm! Wenn man einbezieht, dass die Waage immer einen kleinen Schwankungsbereich hat und selten ganz ruhig steht, könnten es sogar -10 Gramm gewesen sein. Was für ein Missverhältnis zwischen kämpferischem Aufwand und Ertrag! Dennoch bleibt er natürlich mit 4680 Gramm an der Spitze. Allerdings muss man Franz auch zugutehalten, dass er sich treppenartig nach oben bewegt, immer mal ein Diättag abwechselnd mit schierer Völlerei. Vielleicht haben wir ja gerade wieder mal seine sieben mageren Jahre hinter uns und dürfen uns jetzt auf sieben fette freuen. Allerdings ist Franz mit dieser Leistung wirklich ganz allein auf weiter Flur, obwohl auch die anderen nicht wirklich geglänzt haben (sonst wäre ja auch mehr heraus gekommen am Ende). Fine 40 Gramm und 3660 zum Fettbörsenschluss; auch sie hat sich entweder übernommen oder nichts abbekommen. Fianna bekam mit 80 Gramm auch nicht gerade viel Fett weg und steht mit 4090 trotzdem als fette Lady, Anführerin der Damenklasse, im Protokoll. Da konnten die Restmädels Frenzy (120), Fanni (140) und Franca (150) noch so effektiv ihren Pansengummi verteidigen und verwerten, an Fianna kamen sie nicht vorbei. Flori mit 130 Gramm und Felix mit 140 lassen erkennen, dass bei ihnen Aufwand und Ertrag etwa im Gleichgewicht waren. Nur Fetzer jr. mit 260 Gramm Zulage (4200) und vor allem Ferdi mit 330 Gramm (4230) hatten offensichtlich die beste Strategie und sind etwas näher an die Spitze heran gerückt.

 

Ferdi vom Bairischen Blues
Porsche-Ferdi immer auf dem Sprung
Weil das Wetter zwar morgens nieselig und trüb daher kommt, sich aber im Laufe des Tages als recht brauchbar erweist, verbringen die Fritzlein die meiste Zeit draußen. Und sie haben richtig Spaß und drehen auf. Es ist beeindruckend, wie viel Bewegungsbedarf sie haben; sie sind kaum müde zu kriegen, jagen alles und vor allem sich gegenseitig, schleppen jeglichen Plunder herum, raufen wie eine bayerische Hochzeitsgesellschaft und machen einen allerliebsten Spektakel: große Bühne im Blues-Land, die Kleinen verkaufen sich prächtig bei den reichlich anwesenden Interessenten und Neugierigen. Als Züchter muss man da fürs Marketing nicht mehr viel machen, höchstens die Hosenbeine entzahnen und Strangulationen unvorsichtiger Schalträger unterbinden. Es ist immer wieder erstaunlich zu beobachten, wie unbedarft selbst Hundebesitzer (ja, sogar
Franca vom Bairischen Blues
Franca mit dem Witwe-Bolte-Huhn
Hovawartbesitzer!) den Freilauf sechs Wochen alter Hovawartwelpen betreten, so, als ob sie Meerschweinchen besuchen gingen. In der Tat ist es von außen nicht leicht vorstellbar, wie viel Energie und Kampfbereitschaft im Spiel solcher Welpen liegt. Wir erinnern uns immer wieder mit großer Freude an eine liebe Freundin und Labradorzüchterin, der wir beim Besuch einer ihrer Würfe besorgt die Frage stellten, wie lange ihr im Garten aufgebauter 30-Zentimeter-Karnikelzaun die Welpen am Ausbruch hindern würde und sie uns verständnislos ansah und antwortete: bis zum Schluss. Sie hatte nicht verstanden, was unser Problem war. Das erkannte sie bei einem Gegenbesuch bei uns und dem Anblick eines Gartens als Hochsicherheitstrakt. Als sie dann auch noch Zeuge eines fast geglückten Ausbruchsversuchs wurde, war ihr ein weiterer signifikanter
Fine vom Bairischen Blues
Fine weiß nicht, was ihr lieber ist
Unterschied zwischen Labrador und Hovawart klar geworden. Den Besuchern unserer Fritzlein ist meist schon beim ersten Versuch eine Ahnung gekommen, was da später auf sie zukommt, was jetzt gerade auf sie zukommt ist unübersehbar, kommt meist im Mehrfachpaket, ist schnell wie ein Nest Vipern und setzt die Nadelstiche so präzise wie Muhammad Ali. Wie wir sie lieben, diese Unbeschwertheit unserer eigenen Beine, einmal am Tag nicht Opferknochen halbverhungerter Schakale zu sein.

 

Die weiteren Schauelemente liefert Anouk mit Ihren Stilleinlagen, welche die Besucher zu ungläubigen Maulaffen machen, die meinen, in einem kitschigen Disney-Movie gelandet zu sein und nicht bei einem halbwegs seriösen Hovawartzüchter. Die weiteren hormonbedingten Auffälligkeiten

Frenzy und Fine vom Bairischen Blues
Frenzy und Fine - Damenringkampf im Schlamm
der alten Dame strapazieren wir hier nicht weiter, sondern setzen sie als Allgemeinwissen voraus und geben nur zu Protokoll, dass man sie sich als Running Gag durch den gesamten Text vorstellen darf. Anouk ist hormonell eben völlig vom Riemen. Punkt.

 

Franzi entledigt sich hingegen ihrer Mutterschaft mehr und mehr, was ihr unter den gegebenen Umständen sehr leicht gemacht wird. Zweimal am Tag säugt sie noch immer im Stehen, darauf besteht sie auch, aber mehr Betreuungsdienste leistet sie nicht mehr. Sie kümmert sich größtenteils um sich selbst und das tut sie auf der Flucht, dort ist sie nämlich meistens: auf der Flucht, wie Richard Kimble (die Älteren unter uns kennen den noch, die Jüngeren sollen das Internet eben mal sinnvoll nutzen). Bei einer dieser Fluchten reißt sie dann schon mal den Transit im Wohnzimmer nieder und zermalmt ihn unter ihrem darüber stürzenden Leib, was ihre Situation nicht entspannt, weil ihr nämlich augenblicklich die ganze Meute, im Wohnzimmer ausschwärmend, johlend im Nacken sitzt und sie zu Paaren treibt. Welch ein Happening, sich ungehindert ins Wohnzimmer ergießen zu können, Mama im Viereck jagen und alles niederwalzen zu dürfen, was sich einem in den Weg stellt. Wieder was gelernt – Prägungsphase eben.

 

Anuschka vom Haselrieder Wald
Noch einmal schlafen ...
Fado, Felix und Fianna vom Bairischen Blues
... dann kommt das Christkind
Wir registrieren heute erstmals Durchfall. Bisher sind wir ja durch alle Anfechtungen geschritten wie Jesus über den See Genezareth. Identifiziert haben wir Ferdi und den Junior, die sich in Lachen entleeren. Wir haben endlich wieder Morastteiche in der Küche- züchterisches Endzeit-Glück… Fanni verweigert dann abends die Mahlzeit und ist augenscheinlich etwas krank. Wir vermuten bei ihr, dass sie sich etwas verkühlt hat, weil wir sie gestern Abend beim Einsammeln hinterm Hundekorb vergessen haben, wo sie zusammengekauert im Dunkeln lag. Erst nach über einer halben Stunde und wiederholten Zählappellen war klar, da fehlt was Blondes. Vielleicht war das zu viel Nachtfrost, der bei etwa 4° C eigentlich kein Frost war, aber so ein nackter Welpenbauch ist halt sehr empfindlich. Wir werden sehen. Und morgen ist Weihnachten, da ist ja seit 2000 Jahren die Erlösung allen Übels die Zentralbotschaft. Was soll uns da etwas anhaben?

 

Sechste Woche von Frau Fischers Fritzen - Sa

Samstag, 24.12.2011, Heiligabend 

Wenn man das Weihnachtsklischee zu Rate zieht – schneebedeckte Dächer, aus denen wohlig nach Herz duftender Rauch steigt, klare Luft draußen und Lebkuchenduft aus allen Fenstern, sphärische Klänge vom Himmel hoch und aus den Lautsprechern Taratatatamm, pudelbemützte warmherzige Gesichter mit glühweinenden Augen voller Seligkeit, wenn man sich diese Weihnachtsidylle also als Vorlage nimmt, dann kommen einem wirklich die Tränen, und das ganz ohne Glühwein und Rührseligkeit: es stürmt atlantisch und es regnet, was runter geht. Wenn bei einem solchen Sauwetter überhaupt jemand vors Haus geht, dann nur Leute wie wir, die glauben einen oder mehrere Hunde lüften zu müssen, die selber gut darauf verzichten können. Da fliegt einem das Taratatatamm gleich mitsamt dem Little Drummer Boy um die Ohren und statt Jingle Bells gibt die Feuerwehrsirene Laut. Wie würde der Schwabe sagen? `S isch nimme dees, soll heißen: früher war alles besser. Was allerdings keine Kunst ist.

Wir hatten uns ja immer gefragt, wie es denn sein würde, Weihnachten unter diesen besonderen Umständen zu feiern, aber so hässlich hatten wir es uns nicht vorgestellt. Weihnachten bei 4° C, mit Sturm und Regen. Da waren die 35° am Strand mit Planter’s Punch schon eine andere Hausnummer, bei der die rauchenden Kamine und roten Nasen nicht wirklich fehlten. Aber heute fehlt einfach alles; so ein Tag dürfte nicht nur für Weihnachten nicht vergeben werden, sondern müsste ganzjährig verboten werden.

 

Shit happens
Sinnfällige Präsente von mitfühlenden Freunden
Da wird schon die Erkenntnis, dass der partiell aufgetretene Durchfall vorüber zu sein scheint, zur frohen Botschaft, die allerdings erst im Laufe des Tages ihre Wirkung entfalten kann, weil die Morgenlage eine gänzlich andere Sprache spricht: Endsauerei! Und ein Geruch wie in einer Cholerastation. Wenn das der ersehnte Lebkuchenduft sein soll, verzichtet man am besten ganz auf Weihnachten! Aber wenn das alles war an Durchfall, dann ist es doch eine frohe Botschaft, die wir nicht von uns weisen werden. So glimpflich wären wir noch nie weggekommen.

 

Auch die Gewichte geben keinen Einbruch zu Protokoll, obwohl auch heute die Gesamtbilanz nicht gerade explosiv zu nennen ist: 1610 Gramm sind mehr als an den beiden vergangenen Tagen, aber nicht sehr üppig. Gehen wir die Ereignisse einmal von oben nach unten durch. Franz hat wieder einen fetten Tag, legt 310 Gramm zu und ist mit 4990 Gramm morgen ein sicherer Fünf-Kilo-Kandidat. Felix lässt nicht nach, kann aber nicht mithalten: 190 Gramm und 4610. Fetzer jr. und Fado liegen gleichauf bei 4380 Gramm, wobei der Junior mit 180 Gramm den größeren Sprung machte als Fado mit seinen 120. Ferdi folgt mit 4320 Gramm und 90 Gramm plus. Und dann schon Frenzy mit 4260 Gramm, das sind 210 Gramm mehr als gestern. Flori ist der Nächste mit 4240 Gramm (+130) und den Schluss der Vier-Kilo-Liste stellt Fianna mit 4220 Gramm (ebenfalls +130). Jetzt also die Enddreitausender: Fanni meldet 3870 Gramm (+90), Fine 3790 (+130) und Schlussakkord Franca belastet die Waage mit gerade mal 30 Gramm mehr, macht 3440 Gramm.

Vielleicht ist es Fines filigraner Körperbau, der sie befähigt, die engsten Nadelöhre der Welt zu passieren, jedenfalls ist sie gewitzt genug, die Schwachstellen der Sicherheitskonzeption des Blues zu durchschauen und mit Körpereinsatz zu manifestieren. Die einzige „feste“ Sperre beim Blues ist an einem der Durchgänge zwischen Küche und Wohnzimmer installiert (die andere zum Transit hin ist logischerweise beweglich). Bei dieser festen Sperre handelt es sich um ein eingespanntes Babygitter, das allerdings wegen zweier dazwischen gesetzter Kanthölzer immer etwas nachgiebig war, weil die Kanthölzer keinen so innigen Kontakt mit dem Mauerwerk aufnehmen wie es die Schraubbacken tun würden. Nun ist also wieder einmal das ganze Gitterwerk ins Gleiten geraten und macht den Weg frei, zumindest für den, der Augen hat zu sehen. Fine hat ihre Augen überall, und kaum ist das Bollwerk aus der Form geraten, schlüpft sie zu uns ins Wohnzimmer und sofort wieder zurück, ihr Kompass funktioniert perfekt. Sie zeigt uns: guck, hier ist das Loch! Danke, Fine. Sie wiederholt ihre Wanderung zwischen den Welten und wir lassen sie gewähren, weil sie erstens keinen Gedanken daran verschwendet, unser Wohnzimmer in Besitz zu nehmen, sondern ausschließlich Spaß am Hin- und Herschlüpfen hat und zweitens, weil

Das reparierte Gitter
Der notdürftig geflickte Checkpoint "Fine"
die anderen so beschäftigt sind, dass sie von dem Loch noch gar keine Notiz genommen haben. Fine soll ihren Triumph genießen; stark wird man durch Leistung, vor allem, wenn sie belohnt wird. Als dann allerdings ihr Tun auffällig wird und sich Interesse regt, müssen wir handeln, und zwar richtig, damit wir diese Baustelle zukriegen, sonst werden wir in den verbleibenden zwei Wochen nicht mehr froh. Wir setzen die Schraubbacken direkt auf das Mauerwerk und binden die Kanthölzer an beiden Seiten vor die Lücken, die jetzt entstanden sind. Jetzt allerdings bricht für Fine eine Welt zusammen, weil sie es nicht verstehen kann, dass dort, wo soeben noch ein Tor in die Welt war, nur noch ein Brett vor dem Kopf ist. Denk dir nichts Fine, so ist die Welt, kaum glaubt man, eine bestechende Lösung gefunden zu haben, muss man s ich selbst ein Brett vor dem Kopf konstatieren. Es setzt eine gewisse Reife voraus zu erkennen, dass das Brett vor dem Kopf nicht der eigenen Unzulänglichkeit, sondern dem ständigen Wandel der Welt zuzurechnen ist. Hat doch schon Hannes Wader ganz trefflich formuliert: „... und was gestern noch galt, stimmt schon heut oder morgen nicht mehr“.

 

Die Fritzlein sind nicht nur Ausbrecher, sondern vor allem richtige Herzensbrecher. Wenn sie nicht gerade Achillessehne zum Frühstück bevorzugen, sind sie richtig liebenswert. Gerade Fines Nummer belegt dies, denn ihre mehrfach verübte Ein- und Ausreise wurde nicht bemerkt, weil die anderen in kleine Zweier- und Dreierspiele vertieft waren, sich beknuddelten und bezoppelten, kieksend und glucksend hinter einander her waren, dass

Anouks Spiele mit den Fritzen
Anouks Ganztagskrippe
einem das Herz übergeht. So sehr sie auch massiv sein können im Spiel, es fehlt diesen Fritzen das Fiese, die böse Aggression. Wenn es laut und heftig wird, folgt sofort und wirksam die De-Eskalation. Wir haben das auch so ähnlich bei Franzis Vorgängerwürfen beobachten können. Obwohl die Trieblage hoch ist, ist die Aggression sehr kontrolliert. Bei Anouks Würfen waren da erheblich mehr Messer zwischen den Zähnen zu entfernen. Uns freut das sehr, weil wir triebstarke Hunde haben wollen, aber keine schwierigen. Nun sind auch aus Anouks Würfen keine Raufer hervorgegangen, aber so ist es uns viel lieber. Wir grübeln aber auch darüber nach, wie viel Aggression, die auch aus Langweile entsteht, durch Anouks unermüdlichem Einsatz absorbiert wird. Sie beschäftigt sich unaufhörlich mit ihren Adoptivkindern und wenn einer Kummer, Langweile oder Kuschelbedarf hat, kann er jederzeit zur Tante gehen, und auch wenn der Bauch grummelt, bekommt er sofort die angemessene Behandlung. Wann hat je eine Kinderschar über eine solche Krippentante verfügen können? Ja, vielleicht hat auch das etwas mit der guten Laune und Ausgeglichenheit dieser Fritzlein zu tun.

 

Doch stur sind sie trotzdem die Fritzen von Frau Fischer. Trotz des Sauwetters drängt es sie immer wieder nach draußen, was uns nicht lieb ist, aber sie machen so lange Radau, bis wir nachgeben; warum soll man sich den Weihnachtsfrieden versauen? Und gerade heute soll man doch Wünsche erfüllen. Sie sind dann zwar nicht lange zugange da draußen im stürmenden Seichwetter, aber rein wollen sie auch nicht: sie drücken sich lieber in die durch Anouk geadelten und deswegen nutzbaren Hundehütte zusammen und wettern ab (es muss nicht erwähnt werden, dass die offen stehende Tür zur Hundedusche keine Beachtung findet). Nein, es ist die Hütte, die als Schlechtwetterbiwak herhalten muss. Wir lassen sie gewähren. Immer wieder mal stolpert ein Botschafter nach draußen, windzerzaust und nassgeduscht kehrt er als begossener Pudel wieder zurück in die Arche, wie einst Noahs Tauben.

Erst als wir handgreiflich werden, lassen sie sich überzeugen, dass der Heilige Abend im Haus gefeiert wird und nicht in einer Hütte, nein, auch nicht in einem Stall, da flöge uns ja heute das Stroh um die Ohren. Ochs und Eselin können auch in unserer bescheidenen Hütte Wache halten über die Kindlein, die uns gekommen sind…