Die siebte Woche von Frau Fischers Fritzen

Siebte Woche von Frau Fischers Fritzen - So

 7. Woche (25.12. – 31.12.)

Sonntag, 25.12.2011, 1. Weihnachtstag

 

Auch ohne dicken Schneeflausch auf Flur und Dächern haben Tage wie dieser etwas von einer natürlichen Geräuschlosigkeit, als ob das Leben über einen dicken Teppich liefe. Man traut sich ja kaum in gewohnter Lautstärke „Guten Morgen“ zu sagen, man haucht es mehr, von der Tiefgründigkeit des Datums in die Knie gezwungen, man schält sich lautlos aus der Decke, um das Echo der Stillen Nacht nicht zu besudeln, man erschrickt am ordinären Dröhnen der Klospülung und wünscht sich, die würdelosen Stoffwechselvorgänge wenigstens für einen Tag außer Betrieb setzen zu können.

Und dann gibt es da noch elf von solchen Anwandlungen unberührte Christtagsschänder, denen des Herrn Geburt nicht mehr wert ist als ein Sammelruf nach der Futterschüssel. Und natürlich müssen wir sie auch heute Morgen in den Garten lassen, um den Augiasstall zu reinigen, denn Stall ist nicht Stall, nicht einmal in solchen heilsbringenden Zeiten. Während die einen bei dem Wort Stall an Krippe, Ochs, Esel, Maria, Josef und geschäftige Englein denken, reduziert sich dieses Bühnenbild bei uns auf „Maria und Josef, wie siehts denn hier aus!“ – man kann sich das denken – oder doch besser nicht. Wie gesagt, man wünschte sich an solchen Tagen ein

Franzi mit Fetzer jr. und Franz
Stille Spiele im Weihnachtsparadies
Stoffwechselmemorandum, aber wenn das uns schon nicht gelingt, wie sollte es dann den kleinen Fieslingsschweinen gelingen? Und weil die Dinge so sind wie sie sind, müssen die kleinen Schweine auch heute in den Garten und man hofft, dass sie die Klappe halten am heiligen Christtag und nicht lauthals irgendwelche frohe Botschaften verkünden. Doch mit dieser Truppe sind wir in der Tat gesegnet, gebenedeit seist du, Franzi und gebenedeit sind die Früchte deines Leibes und gebenedeit seist du, Fetzi aus Landshut, die ihr uns still vergnügte Kinder beschertet. Als hätte ihnen ein fürsorglicher Zahnarzt aufgetragen, alle zusammen eine halbe Stunde lang brav auf imaginäre Wattetampons zu beißen, tollen sie lautlos durch ihr Paradies. Kein Mucks zu hören, höchstens ein Hecheln oder Quietschen, wenn einer über den Haufen genagelt wird.

Nach dem Frühstück und dem Wiegen, wenn alle wieder in der guten und gepflegten Stube zusammen sind, lassen sie dem aufgestauten Vokaldruck freien Lauf und während Frauchen mit ihren beiden Damen durchs leicht frostige, aber zutiefst schweigsame Mangfalltal schlendert, machen zuhause elf Kakadus von Captain Silver einen Stimmband- und Gehörgangstest. Selbst das bei Bedarf orkanartige Organ des Zeremonienmeisters taucht bei dieser Kakophonie unter wie eine Heulboje bei zwölf Windstärken. Aber so recht beschweren kann man sich nicht: die Stille Nacht ist ja bereits vorüber.

Ein Wort zum angesprochenen Frühstück: Heute ersetzen wir die Welpenmilch durch Ziegenmilch, die ähnlich gut und gehaltvoll ist wie die Welpenmilch. Der Hintergrund ist, dass wir testen wollen, wie das funktioniert und bei den Fritzen ankommt, weil die späteren Welpenbesitzer dann auf den Kauf der teuren Welpenmilch verzichten können, zumal einige dieser Kakadus relativ schnell keine Lust mehr auf Welpenmilch haben und sie gelegentlich auch nicht mehr vertragen werden. Dann bleibt man auf einem Eimer sündteurer Welpenmilch sitzen, und das muss nicht sein. Heute Morgen machen sie keinen Unterschied und schlabbern die Ziegenmilch genauso nachdrücklich wie ihre Welpenmilch. Wir werden sehen; wenn es klappt ist es ideal, wenn nicht, muss eben das Standardprogramm wieder aktiviert werden.

Was immer es war, Ziegenmilch war es sicher nicht, aber irgendetwas hat gestern die Fritzlinge mit einem Schlag vom Weltergewicht ins Halbmittelgewicht befördert: 2860 Gramm Fett- und Muskelanlagerung binnen eines Tages. Wir schwören, von unserer Weihnachtsente haben sie nichts bekommen, auf Ehr und Treu. Der bisherige Spitzenwert war 2640 Gramm am 21. Dezember, auch schon ein „giant leap“, doch knapp drei Kilo an einem Tag ist monströs. Mal sehen, ob das später noch getoppt wird. Wenn wir diese 2860 durch elf teilen, ergibt sich ein durchschnittlicher Zuwachs von 260 Gramm. Dass Franz an diesen 260 Gramm nicht scheitern würde, war abzusehen; er macht 310 Gramm gut, überspringt erwartungsgemäß die fünf Kilo (5300) und bleibt auf dem Sonnenplatz. Und Felix will sich nicht abschütteln lassen, auch wenn es ihm Mühe bereitet: 290 Gramm (4900), Platz 2. Auch auf Platz drei pure Langeweile: Fado lässt mit 330 Gramm nichts anbrennen (4710) und sichert sich seinen Stammplatz. Platz 4 bekommt einen neuen Platzhalter: Flori. Er kommt von Platz 7- adipöse 360 Gramm (4600) haben es möglich gemacht. Platz 5 belegt weiterhin mit stoischer Ruhe Ferdi. Mit dem exakten

Fianna vom Bairischen Blues
Fianna
Durchschnitt von 260 Gramm und 4580 lässt er den Positionskampf an sich vorbei rauschen. Vom 8. Platz auf den 6. rückt Fianna vor: 350 Gramm sind kaum weniger unanständig als Floris 360 und bescheren ihr satte 4570 Gramm rabenschwarzer Leibesfülle. Frenzy kann dagegen trotz stabiler 240 Gramm (4500) ihren 6. Rang nicht halten, sondern muss eine Stufe zurück auf 7. Aber dann: gestern noch strahlender Dritter mit 4380 Gramm versandelt der Junior anscheinend jede Mahlzeit und muss sich mit 70 Gramm plus (4450) und Platz 8 zufrieden geben. Das nennt man mal eine Fettschmelze. Den 9. Platz teilen sich Fanni (+160) und Fine (+240) mit 4030 Gramm und blicken ohne Grund recht hochnäsig auf die Einzige unter vier Kilo herab: Franca, die Elfe mit der Nummer 11. Dabei muss sie sich mit ihren ambitionierten 250 Gramm von diesen beiden hoffärtigen Blondchen wirklich nicht anrüpeln lassen…

 

Der Spielplatz
Der Spielplatz
Man kennt das: Weihnachten ist, Geschenkpackungen werden mit eiligen Fingern aufgebrochen, Glückslaute werden ausgestoßen, ach, wie schön, oh, wie aufmerksam, ei, wie teuer - und anderen Tags liegt das ganze Zimmer unter einer Decke von mehr oder weniger nützlichem Geraffel und Verpackungsmaterial. Wer Kinder hat, kennt diesen Zustand. Wir haben
Das Bällebad
Das Bällebad ist der Renner
Kinder, elf sogar, und deswegen ist auch für diese gestern Weihnachten gewesen und das Christkind gekommen und hat neue Spielsachen fürs Welpenparadies gebracht. Die liegen jetzt im Garten herum. Zu den aufregendsten Neuerungen gehören ein Bällebad und ein Flattervorhang aus Plastikstreifen. Während sich das Bällebad sofort großen Zuspruchs erfreut, fristet der Flatterer im hinteren Gartenteil ein eher zurückgezogenes Leben. Aber der kommt schon noch ins Spiel, wir kennen das, plötzlich, wie auf ein geheimes Kommando stürzen sich alle drauf und wollen nicht mehr von ihm lassen. Aber alles hat seine Zeit, die Zeit des Flattermanns kommt noch.

Ferdi mit seinem Pansenstück
Ferdi arbeitet sich am Pansen ab
Heute gibt es noch einmal – Weihnachten! – Pansenstücke, damit uns die Fieslinge nicht vom Fleisch fallen. Die Szenen sind bekannt, aber die Eroberungs- und Verteidigungsstrategien werden raffinierter. Und außerdem brauchen wir wieder richtige Darmfüller, weil wir wieder Kotpröbchen nehmen für die Wissenschaft, alle zwei Wochen, wie das Gesetz es befahl. Die letzten Proben waren alle wurm-negativ. Jetzt sieht man uns also wieder mit Argusaugen hinter den kleinen Ärschen herschleichen und nach Output Ausschau halten. Und immer wieder und immer noch schaffen sie es, uns ein Ei praktisch direkt hinter die Füße zu legen, ohne dass wir etwas mitkriegen. Ist das jetzt Zufall, Dämlichkeit unsererseits oder ausgebuffte Gruppenstrategie, ebenso ausgebufft wie die eingesetzten Strategien um die Pansenlappen. Der Mensch als Krone der Schöpfung wird von viertelwüchsigen Kleinsthunden vorgeführt; auf eine solche Krone könnte die Welt leicht verzichten.

Die Krönung liefert dann allerdings am späten Abend der Juniorfetzer. Sterbensnahes Gekreische aus der Küche, Endzeitalarm! Heiliger Strohsack, was ist denn nun schon wieder los? Erst mal sehen wir nichts, folgen aber der Dreiklangfanfare im Welpenfalsett und diese führt uns zum Küchenblock. In unserer Küche Mitte steht nämlich ein buchenhölzerner Küchenblock (120 x 60) mit Schubladen und Gemüsekörben. Wenn diese Körbe entfernt sind, und sie müssen in nächster Zukunft entfernt werden, sonst müssen sie auf immer entfernt werden, öffnet sich den Kleinen ein großartiger neuer Spielplatz im Küchenblock. Fetzer jr. scheint nun schon mal die Möglichkeiten eines solchen neuen Angebots testen zu wollen, schiebt aber nicht den untersten Korb von der Bodenfläche, sondern kriecht gleich ganz unter den Küchenblock, dessen lichte Weite vom Boden zehn Zentimeter beträgt. Eigentlich kein Problem, der Junior ist wahrlich nicht der erste Abenteurer, der sich dort unten durch schiebt, aber entweder macht er einen Buckel oder geht vor lauter Plärren auf wie ein Luftballon, jedenfalls steckt dieser lebende Lachsack dort unten fest wie ein Korken in der Flasche und ist nicht herauszuziehen. Wir müssen allen Ernstes den Block anheben, um diesen Irrgänger wieder zu befreien. Wir überlegen kurz, ob wir ihn gleich wegen erwiesener Lebensuntauglichkeit einschläfern sollten; so einen Blindgänger kann man ja keinem Käufer zumuten, aber wer so mit Brillantine gewichste Lackschühchen an den Füßen trägt wie dieser Junior, der verfügt möglicherweise auch über den Horizont eines Gigolos. Nur weil wir wissen, dass der Junior ins Schwabenland auswandern wird, wo man bekanntlich erst mit 40 Jahren die nötige Reife erlangt, lassen wir ihn weiterleben und schwäbisch heranreifen. In den Gitterstäben zum Wohnzimmer ist uns schon der eine und die andere stecken geblieben, weil man leicht zwischen die Stäbe gleitet, aber dann mit den abstehenden Ohren und dem Pummelbauch hängen bleibt. Gut, darüber lacht man. Auch hinter unserem Stützträger in der Küche ist schon mal einer hängen geblieben, weil er sich überschätzte, was übrigens weniger komödiantisch war, weil weder der Stahlträger noch die Wand zwischen denen der Unglücksrabe festsaß auch nur einen Millimeter zu weichen bereit waren; den mussten wir quasi herausschrauben – aber sich auf ebener Erde, auf gleitfähigem Kacheluntergrund und bei zehn Zentimetern lichter Weite festzufahren, ist ein Husarenstück, das einmalig ist und auch bleiben dürfte. Vielleicht wollte der Gigolo auch nur testen, ob sein Sixpack vom Pansenmenü nicht zu sehr geschwollen ist, dass er Abschläge bei der Akzeptanz der Damen in Kauf nehmen müsste. Wir taufen ihn El Niño, das Weihnachtsdesaster.

Siebte Woche von Frau Fischers Fritzen - Mo

Montag, 26.12.2011, 2. Weihnachtstag

Der Schal als Objekt der BegierdeFranz und Flori vom Bairischen BluesGestern war die Tür beim Blues verschlossen, das erste Mal seit vier Wochen, doch heute drängt es die Weihnachtsgeschädigten wieder zu uns ins reale Leben von elf unbekümmerten Lebenskünstlern. Dennoch bleibt nicht viel zu berichten, weil sich die Bilder gleichen, obwohl die Fritzlein sichtbar jeden Tag neue Eindrücke verarbeiten und das, was diese Eindrücke auslösen, gleich mit. Ein meterlanger Schal ist zwar im Gerümpelkanon des Welpenparadieses nicht vorgesehen, erfreut sich aber gerade deswegen intensivster Zuneigung. Auch der Flattervorhang bekommt schon seinen Auftritt, früher als wir gedacht haben. Wenn man diese elf Bewegungsfanatiker sieht, wird einem das Elend klar, das Welpen erleiden, die ausschließlich im Haus oder in irgendwelchen Saukoben heranwachsen müssen. Kleinkinder laufen immer, Kleinkinder gehen nicht zu Fuß, sie müssen rennen, und genauso geht es unseren Welpen. Wenn nicht gefuttert, geschlafen oder an irgendeinem Teil herum operiert wird, bewegen sie sich am Tempolimit. Man kann ihnen stundenlang zusehen, mehr als der Tag Stunden hat.

Fetzer jr. vom bairischen BluesFine vom Bairischen Blues auf dem CatwalkKurz noch ein Blick auf die Gewichtsentwicklung. 2360 Gramm sind 500 Gramm weniger als gestern und geben keinen Anlass zur Klage. Auf dem Stockerl tut sich nichts: Franz (5400) vor Felix (5180) und Fado (4920). Doch dann, ein wahrer Walkürenritt, setzt sich Fianna (4820) auf den vierten Platz. Gestern noch Sechste, lässt sie Ferdi und Flori (beide 4810) hinter sich. Danach folgen Frenzy (4710), und der Nachwuchsgigolo Fetzer (4690). Die Nachhut ist dann wieder so spannend wie der Voraustrupp: Fanni (4350) vor Fine (4180) und Franca (3850).

 Das kann es dann auch gewesen sein von diesem 2. Weihnachtstag, der außer vielen liebenswerten Besuchern nur graues Wetter um 0° C bringt. Solche Tage gehen nicht in die Geschichte ein, weil sie keine Geschichten erzählen. So schweigen wir nun stille.

Siebte Woche von Frau Fischers Fritzen - Di

Dienstag, 27.12.2011

Wer an den Weihnachtstagen den Stern von Bethlehem sehen wollte, war ziemlich angeschmiert; er versteckte sich hinter einer Wolkendecke. Aber kaum ist der Stall geräumt, zieht der Himmel blank – nur der Weihnachtsstern ist jetzt weg. Dumm gelaufen, aber brillant schön ist es trotzdem bei -5° bis 4° C. Und Sterne gibt es am Himmel wie Sommersprossen in einem irischen Kindergesicht. Wir wissen das deshalb so genau, weil bereits um 3:20 Uhr der erste Weckruf des Elferrats erfolgt und wir deshalb einen verschleierten Blick Richtung Uhr und Himmel richten. Der Morgenruf verstummt jedoch bald wieder, offensichtlich sind die da unten sich noch nicht einig. Um 5:15 Uhr erfolgt der zweite Aufruf mit etwas mehr Nachdruck und einer Rufdauer von zirka 15 Minuten. Ihr könnt uns mal… Mit dem Einverständnis von Franzi und Anouk rollen wir uns wieder ein. Erst um 7:20 Uhr folgen wir dem dritten Weckruf, der jetzt allerdings eher wie eine allerletzte Warnung klingt. Trotzdem: wann haben wir zuletzt so lange geschlafen? Sind wirklich gute Kind‘ die elf von Franz und Fetz. Also dann: let’s fetz, auf geht’s, hinein ins Vergnügen. Draußen dämmert es bereits und die Fritzlein sind bester Laune, und wir eigentlich auch, denn ausgeschlafen lassen sich auch Augiasställe besser ertragen.

Aus der Gewichtsabteilung gibt es wieder ein paar Monstrositäten zu vermelden. Erstens: 2640 Gramm gehören zum Topniveau. Zweitens: Franz hat die Faxen dicke und legt den anderen einen Strike auf: 410 Gramm auf einen Schlag (5810) grenzen an Fresssucht und Maßlosigkeit, mein Gott, das ist fast ein Pfund an einem Tag! Da kann Felix mit seinen rührenden 220 Gramm (5400) nur noch bescheiden hinterher hinken. Aber Flori, auch so ein Abnormer dann und wann, haut auch wieder mal einen raus: 390 Gramm (5200) und 3. Platz, Fado weg gekegelt. Der, Fado, bringt es auf 180 Gramm und 5100, und eben den 4. Platz. Auch Fianna, obwohl mit 260 Gramm (5080) auch nicht gerade in der Diätspur, ließ sich von Flori düpieren und rutscht wie Fado um einen Rang nach unten, 5. Platz. Ferdi folgt mit 5070 (+260) auf Platz 6. Damit sind die Zehnpfünder abgearbeitet. Platz 7 belegt der Junior (4920, +230) und Frenzy folgt mit 4910 (+200). 4500 stehen für Fanni zu Buche (+150) und Platz 9, danach Fine (4370, +190) und Franca, die mit glatten 4000 (+150) den Hungerturm der Sechspfünder verlässt.

Anouk mit schickem T-ShirtDiese hyperagilen Kugelporsches sind nun mehr oder weniger ganztägig auf der Suche nach allem, was sich bewegt und bewegt werden kann. Dazu gehören bekanntlich auch Anouks Zitzen, die sie inzwischen, vor allem dank Anouks unendlicher Duldsamkeit, bis aufs Blut malträtieren und sie liegt immer noch mit Sternchen vor den Augen da und schmilzt dahin. Unsere Geduld schmilzt auch dahin, denn wenn einmal Blut fließt, hat der Spaß ein Loch. Wir ziehen Anouk ein T-Shirt über, das sie ebenso erduldet wie diese Blutsauger.

Felix vom Bairischen Blues
Felix
Diese Maßnahme könnte die Lösung aller Probleme sein, wenn da nicht ein Oberegel in der Truppe wäre, der Felix heißt. Früher hätten wir ihn noch mit Oberekel tituliert, doch inzwischen ist er vom harten k zum weichen g gewechselt. Was früher aus Kompromisslosigkeit und Aggression gebaut war, ist heute eine fast endlose Kette von Charmemodulen. Bücher könnte man über ihn füllen, doch das sollen die tun, die ihn ein Leben lang genießen dürfen und ertragen müssen. Wir schlagen einen Jahresalmanach vor. Dieser Felix ist von einer so ausgeklügelten Durchtriebenheit und Chuzpe, einer Liebenswürdigkeit und Lebensfreude, dass er intern den
Anouk in der Hundehütte
Anouk ruht sich in der Hütte aus
Ehrentitel „Flix, Le Magnifique“ tragen darf. Er fühlt sich von Anouks Brustgebinde keineswegs behindert, sondern findet ohne Umwege unter das T-Shirt und an die Zapfstellen. Und Anouk scheint ihn dafür besonders zu lieben, zumindest himmelt sie ihn an, wie Mütter ihre familiären Sonderposten ins Herz schließen und ihnen jedes Bubenstück auf die Habenseite buchen. Wenn sie ihm bedeutet, dass er sich jetzt mal trollen solle, kneift er sie mit einem Augenzwinkern in die Lefzen – und sie sie deckt ihn zu und wärmt ihn. Er knibbelt ihr stundenlang die Zehen, hängt sich ihr an den Schwanz und lässt sich durch den Garten ziehen. Steinerweichend ist seine Nummer, wenn er zu Anouk in die Hundehütte will. Sie thront alleine dort, er will rein, soll aber nicht. Dann legt er sich auf den Rücken, robbt sich hinterrücks über die Schwelle, zupft an einem Anoukbein und beißt ihr in die Kehle. Wenn sie knurrt, fällt er tot
Felix macht sich an Anouk ran
Felix wanzt sich an
um, rafft sich wieder auf und zieht sie am Ohr. Am Ende des dritten Akts liegt er auf dem Rücken neben ihr und sie putzt ihm den Hintern. Wenn je ein Hofnarr Narrenfreiheit besaß, dann dieser Flix. Seinen Geschwistern zeigt er immer noch, dass er das Zitronencremebällchen auf dem Kosakenzipfel ist, aber er hat jede Bosheit verloren, er haut nicht mehr drauf und fragt erst hinterher, ob es dafür einen Grund gab, sondern haut ihnen eine auf die Nase und lädt sie anschließend zu einem Bällebad ein. Hatte er früher noch die Manieren eines Landsknechts (Frundsberg!), beherrscht er nun schon das ganz große Fach zwischen den Intrigenspielen eines Richelieu, der süffigen Galanterie eines Casanova und den Hinterhof-Harlekinaden eines Pumuckl. Dieser Blonde taugt zum Burgschauspieler. Felix‘ breites Charakterfeuerwerk hat uns veranlasst, die anderen Fritzen nun auch noch einmal zu durchleuchten und ihre
Felix hat es geschafft
Geschafft
Wandlung vom vierwöchigen Wesenskeimling zum siebenwöchigen Herangereiften zu protokollieren. Denn wenn nichts sicher ist - dass hier eine signifikante Verhaltensänderung bei fast allen stattgefunden hat, kann keiner übersehen, der die Fritzlein täglich vor Augen hat.

 

Franz vom Bairischen Blues
Franz
Da wäre zum Beispiel Franz, der andere Anführer von Frau Fischers Fritzen. Im Gegensatz zu Felix fehlt ihm der allgegenwärtige Schalk, Franz wirkt irgendwie reifer, fertiger. Schon optisch setzt er sich langsam von seinen Geschwistern ab, die alle noch echte Pummelwelpen sind, während er schon hochbeiniger und hundlicher ist. Was er in seinem Reifeprozess nicht verloren hat, ist sein Freiheitsdrang. Noch immer ist er zu keinen Zugeständnissen bereit, wenn es darum geht, gegen seinen ausdrücklichen Willen eingesperrt zu sein. Dann macht er Spektakel, so lange, bis der hartgesottenste Welpenvater klein beigibt, und sei es nur seiner Gesundheit wegen. In dieser Hinsicht kennt Franz keine Kompromisse. Franzens Freiheitsdrang hat aber nicht nur eine rebellische Seite, sondern auch eine zutiefst gemeinnützige: er verspürt diesen Drang so intensiv wie kein anderer in dieser selbstvergessenen Truppe, wenn es ums Austreten geht. Wenn Franz muss, will er nach draußen, und wenn nach draußen zu ist, lärmt er. Und wenn ihn keiner beachtet, produziert er sein Geschäft direkt vor die Terrassentür, dass man sie kaum noch aufkriegt, ohne diese Franzensmanifestation mit der Tür zu verstreichen. Von diesem besonders ausgeprägten Wesenszug abgesehen, ist er sehr verträglich, muss sich nicht dauernd beweisen, steht aber sein Männchen, wenn es gefordert ist. Felix will es da manchmal wissen, nur um zu sehen, wie die Koordinaten aktuell verlaufen; dann keilt Franz zurück. Auch mit Fado bekommt er es manchmal zu tun, der zwar ein äußerst gelassener Geselle ist, aber irgendwie auch gelegentlich den Floh im Ohr hört, der ihm zuflüstert, dass er schon ein ganzer Mann sei. Franz steht diese Anmachereien durch, nimmt sie an und keilt zurück. Schön ist, dass alle ihre Niederlage eingestehen und die der anderen respektieren können. Es gibt kein Nachkarten und kein Nachtreten: what’s done is done, what’s won is won and what’s lost is lost and gone forever. Gut, den letzten Teil würden wir nicht so hundertprozentig unterschreiben, denn Forever kann schon morgen Vergangenheit sein, weil tomorrow ja bekanntlich another day is. Franz ist also eine Art Stabilitätsfaktor der Truppe mit Che-Guevara-Potential. Seine Lieblingsschwester ist immer noch Frau Franca Fischer, die Kleine, mit der er so eine Art Überlebenssymbiose bildet, der dicke Franz und die zierliche Franca, die beiderseitigen Buchstützen der Gewichtsstatistik. Stillvergnügt treiben sie ihr Spiel aus den ersten Kindertagen weiter, kungeln und kugeln und sind ein Herz und eine Seele. Aber nicht nur Franca kommt in den Genuss franziskanischer Größe, denn alle, die ihm offensichtlich unterlegen sind, lässt er gerne mal gewinnen, legt sich auf den Rücken und gibt klein bei. So haben vor allem die Mädels viel Spaß daran, mit Franz in den Ring zu steigen und ihre Kräfte auszuprobieren; niemals müssen sie sich anschließend gedemütigt davon schleichen, immer gehen sie erhobenen Hauptes. Und Franz klopft sich mit einem stillen Lächeln den Staub aus den Kleidern. Wir hatten in jedem Wurf so einen Fels in der Brandung, einen oder eine, um die sich alles drehte, ohne dass sie selbst das Rad in Bewegung setzen mussten, nur um das Zentralgestirn zu sein. Sie sind die Starken in der Gelassenheit, es sind die Ruhepole im täglichen auf und Ab. Doch wenn dem Franz nach Kiefergymnastik ist, schafft er es spielend, ein Feuerwerk der Gefühle, von unserer Achillessehen ausgehend zu entfachen. Der zärtliche Francabespieler kann anders, ganz anders. Umso schöner, wenn er es nicht dauernd auf dem Programmzettel hat. Da tun sich andere hervor.

Die große Schar von Hausbesuchen, die alle kommen, weil Ferien sind und in dieser Zeit „zwischen den Jahren“ (welch ein dämlicher Begriff!) sowieso nie etwas zu tun ist, außer Silvesterraketen zu kaufen, können alle diese Charaktereigenschaften unserer Fritzen ausgiebig studieren – wenn sie könnten. Denn wer hat schon einen klaren Blick, wenn rosarote Sternchen vor der Pupille tanzen? Sind alles brave Kind‘ und gute Kind‘ und keines kann ein Wässerchen trüben…

Siebte Woche von Frau Fischers Fritzen - Mi

Mittwoch, 28.12.2011

Gestern fühlten wir uns wie im Himmel, dass wir nach drei nächtlichen Weckrufen erst nach 7 Uhr aufstehen mussten – heute dürfen wir völlig ohne Weckrufe bis 8 Uhr liegen bleiben! Mitten in der Woche, weil Ferien sind und die Fritzlein sich vom gestrigen Besuchertag erholen müssen. Und der süße Kern dieses Himmels ist eine höchst spärlich besudelte Küche. Klar, wer schläft, sündigt nicht. Wir versuchen, den kleinen die Logik dieses Programms zu vermitteln, ernten aber nur schwanzwedelndes Unverständnis.

Die Gewichtsstatistik fällt heute vergleichsweise mager aus (1270) Gramm, das ist nicht einmal die Hälfte von gestern und sie vermittelt keine neuen Erkenntnisse, weshalb wir sie ignorieren. Allerdings wollen wir sie nicht ganz zu den Akten legen, denn auch magere Ergebnisse können Aufschlüsse geben. Wir haben gestern zweimal Frischfleisch und nur einmal Trockenfutter serviert, und die Futterverwerter haben ordentlich zugelangt, und dann so ein Ergebnis (die Besuchergratifikationen bitte nicht zu vergessen!). Das Ergebnis liefert einen weiteren Beweis, dass Frischfleisch erheblich besser verwertet wird (im übrigen der beste Proteinlieferant ist) und Trockenfutter extrem gehaltvoll ist. Für die Praxis heißt das: Mit Frischfleisch kann man erheblich sorgloser mit den Mengen umgehen als mit Trockenfutter, das sich sehr schnell auf die Rippen legt. Wer also seinen Liebling wirklich verwöhnen will, gibt ihm Frischfleisch mit Flocken etc., so viel er will; das ist abwechslungsreich und erhält die Figur – und die Gesundheit.

Draußen wechselt der Himmel die Farben zwischen Nebel und Hochnebel. Es ist also trist. Aber heute feiert die katholische Kirche das Fest der unschuldigen Kinder, das auf die Flucht des Jesuskinds nach Ägypten, um dem Knabenmord Herodes zu entgehen, zurückgehen soll. Wir feiern mit, weil wir ja einen Sack voller unschuldiger Kinder haben und diese mit allerlei Narreteien auffällig werden, genau so, wie sich das Fest später zu einem Narrenfest für Kinder entwickelt hat, bei dem Kinder sogar das Recht erhielten, die Erwachsenen mit Rutenschlägen zu traktieren und Spottverse herzusagen. So weit sind wir hier noch nicht, und dieser Brauch hat sich auch nur noch in einigen Randgebieten Europas (Kärnten, Steiermark) erhalten.

Franz vom Bairischen Blues bei seinem ersten Ausflug
Franz allein in eisiger Flur
Ferdi vom Bairischen Blues
Porsche-Ferdi immer mit Vollgas
Aber Narreteien sind uns hier nicht fremd. Wir denken uns, bevor sich die Fritzen auf archaische Bräuche besinnen, beschäftigen wir sie sinnvoll – und machen um die Mittagszeit einen Ausflug. Ein paar liebe Besucher sind auch zur Hand, die uns zur nämlichen gehen können, dann wird das Auto kindgerecht und ausbruchsicher präpariert – und los geht’s. Nur fünf Minuten müssen wir fahren, um an
Fado vom Bairischen Blues
Fado ganz souverän (mit Fernsteuerung)
Franzis erste Lektion
Franzis erste Lektion: wo sind die Mäuslein?
den Waldparkplatz zu kommen, den schon andere vor ihnen als erstes Ausflugsziel kennengelernt haben. Erste Wahrnehmung: Kein Jammern, kein Klagen, kein Randalieren und Beschweren im Auto, selbst Franz ist von diesem Umschluss so beeindruckt, dass ihm kein Klagelaut entfährt. Im Schatten der Bäume liegt noch immer Reif auf den Wiesen und Eis zieht sich über die Wasserlachen und Reifenspuren. Den Fritzen um Frau Fischer macht das nichts aus. Natürlich sucht der eine und die andere mal eben Deckung unter
Franz und Felix sind gelehrige Schüler
Drum Franz und Felix, diese Buben
Löcher in die Scholle gruben
den Autos, aber auf die Dauer ist das so ganz allein noch unheimlicher als mit den anderen da drüben auf der Wiese herum zu stapfen. So sind dann nach kurzem alle zusammen und staunen nicht schlecht, wie groß eine Welt sein kann, wenn kein Zaun um sie errichtet ist. Hier würde noch nicht einmal Franz Grund genug finden, ein Freiheitslied anzustimmen. In wenigen Tagen stehen uns ja wieder die saisonalen Sternsinger ins Haus, hier und heute bekommen wir schon einmal einen Eindruck, was Sternfahrer sind, nämlich solche, die sich sternförmig in alle Richtungen verbreiten. Wir haben wirklich alle Hände voll zu tun, sie immer wieder zusammen zu führen und sind um die rührigen Extrahände sehr dankbar, die uns unterstützen – obwohl dieses H ilfspersonal natürlich nur Augen für den eigenen Stern des Lebens hat und ihn mit Argusaugen verfolgt und rettet. Der Rest derer, die kein Personal ihr Eigen nennen, muss von uns eingefangen werden. Ja, die
Felix vom Bairischen Blues
Felix gelobt Besserung
Züchterei hält auch Geist und Körper auf Trab. Doch die wesentlichen Lebenserfahrungen bekommen die Fritzlein nicht durch uns und unsere Fürsorge, sondern von Mama und Tante, die ihnen die ersten – lebenserhaltenden – Lektionen erteilen: Mäusebuddeln. Uns ist das egal, die Unsitte sollen die rechtmäßigen Besitzer später selber regeln, bei elf beherzten Schaufelbaggern fühlen wir uns überfordert. Nach zwanzig Minuten verpacken wir sie wieder im Auto, nicht ohne noch einige Spurts hinlegen und uns unter die Autos strecken zu müssen, aber dann geht es wieder genauso lautlos nach Hause, wie wir angereist sind, was uns allerdings im Gegensatz zur Anreise jetzt weniger überrascht. Wenn wir allerdings der Meinung gewesen sein sollten, dass die Freigänger jetzt erst einmal hin und kaputt sind, dann widerlegen sie dies umgehend. Sie machen da weiter, wo sie da draußen aufgehört haben und geben ordentlich Fersengeld. Und weil sich nachmittags der Garten auch wieder mit Besuchern füllt, haben sie gar keine Zeit, sich auszuruhen. So wird der Tag der unschuldigen Kinder zum Tag der unruhigen Kinder. So werden sie nachts zu unserer Zufriedenheit wie elf Steine schlafen.

Später, als der Besucherstrom wieder abgeflossen ist, zeigt Fine als Erste so etwas wie Wachhundverhalten. Offensichtlich nimmt sie drüben bei den Nachbarn irgendetwas wahr, etwas, was uns entgangen ist, jedenfalls tippelt sie höchst aufgeregt und voller Konzentration den Welpenzaun entlang, auf und ab, mit erhobener Rute, ach nein, Rütchen, mit Ohren in Habachtstellung, immer hin und her, die Augen nicht vom Nachbargrund lassend. Nur das Bellen, das Melden, funktioniert noch nicht, es ist eher ein aufgeregtes Japsen, das ihr entfährt. Jetzt ist also die nächste Stufe erreicht, die beweist, dass aus unseren Fritzen einmal rechte Hovawarte werden. Das macht uns froh.

Fine vom Bairischen Blues
Fine
Zu Fine gibt es auch noch einiges zu sagen: Fine ist die Schöne, das Crèmestückchen der Fieslingsfritzen. Fine ist eine lustige Kleine, die aber gar nicht so klein wirkt, wie ihr vorletzter Platz auf der Gewichtsstatistik vermuten lässt. Sie ist stramm, fest, voller Energie und Lebensfreude. Zerbrechlich ist sie jedenfalls nicht, eher hat sie etwas von der seltenen Gattung Vitale Dorfschönheit, also kein zerbrechliches Stöckelwesen mit achterkreiselndem Hintern, sondern eine, die ihre Schritte beherzt setzt und ihre Attraktivität aus der Körperspannung bezieht, mit der sie das Leben unter die Füße nimmt. An Fine ist nichts Gekünsteltes, nichts Geziertes und nichts Gestelztes. Nur auf die Nagelpflege, ihren ureigenen Tick, will sie weiterhin nicht verzichten. Noch immer liegt sie selbstvergessen in einem Bett oder im Korb und kaut mit geschlossenen Augen an ihren Füßen herum, dass man den Eindruck gewinnen muss, sie habe gleich nach ihrer Geburt einen Vertrag als Fußmodel unterschrieben. Es sind die gleichen Füße, auf denen sie für den Rest des Tages so unprätentiös durchs Leben schreitet. Fine ist gern überall dabei, mischt mit und mischt sich ein, ohne aber Anspruch auf einen Amazonentitel erheben zu wollen. Sie gehört zu denen in der Fritzenschaft, die jedes Teil im Welpenparadies ausführlich getestet haben und mit Leidenschaft und Hingabe weiter nutzen, egal ob Bällebad, Wackelbrett oder Schaukel, Fine trainiert täglich auf ihrem Trimm-Dich-Parcours, was eine Erklärung für ihren festen und trittsicheren Gang wäre. Kuscheln kann sie auch, mit Hingabe und ohne Zeitlimit. Fine ist nämlich agil und sehr aktiv, vermittelt aber nicht den Eindruck, dass sie unter Zeitdruck stünde. Und wenn sich eine Kuschelpartie anbietet, nimmt sie das Angebot ohne falsche Scham an. Neben der reinen Körperertüchtigung und der Regeneration auf etwelchen Armen reitet Fine noch ein drittes Steckenpferd: sie beißt wie ein Pavian. Analog
Fine vom Bairischen Blues
Fine
zu ihrem festen und elastischen Gang hat sie einen sehr festen und geschmeidigen Griff entwickelt, den sie täglich mit dem gleichen Feuereifer weiter entwickelt wie ihre anderen Leidenschaften. Starke Frauen haben starke Kiefer (manche nur eine große Klappe), weshalb sie der Chef manchmal und verschwörerisch Haderthauer ruft, aber sehr aufpassen muss, dass die Chefin davon keinen Wind kriegt, weil er sonst noch ein paar runderneuerte und kraftvolle Zahnreihen zu spüren bekäme. Nicht wegen der starken Kiefer, aber wegen der Griffigkeit des ganzen Persönchens liegt Fine noch immer exzellent im Rennen um einen Stammplatz beim Bairischen Blues als Nachfolgerin der Stammmütter Anouk und Franzi. Da ist noch nichts entschieden und Fine macht uns die Entscheidung nicht leichter, sondern täglich schwerer…

Siebte Woche von Frau Fischers Fritzen - Do

Donnerstag, 29.12.2011

Heute Morgen ist Turboputzen angesagt. Der Wettergott gebärdet sich wie ein richtiger Ungeist und beschert uns Regen satt bei 2°C. Da heißt es, den Morgenausgang so kurz wie möglich zu gestalten. Für den Herrn der Wringe bedeutet das eben Turbofeudeln – und das bei einem Sudelfeld, das zu den ausgeprägtesten der jüngsten Vergangenheit gehört. Kaum ist man aus den Federn, ist man schon wieder durchgeschwitzt.

Mit den Gewichten geht es wieder in die gewohnten Regionen: 2390 Gramm über alles. Franz (6260, +270), Felix (5840, +260), Fado (5470, +210), Fianna (5420, +270), Ferdi (5420, +210), Flori (5330, +50), Fetzer jr. (5310, +170), Frenzy (5080, +100), Fanni (4910, +370!), Fine (4780, +340!) und Franca (4200, +140).

Fanni vom Bairischen Blues
Fanni
Die richtigen Bringer waren also Fine und vor allem Fanni, deswegen werfen wir einen Blick auf die zweite Blondine in der Fritzenschwesterschaft. Fanni gehört mit Sicherheit zum Liebsten, was dem Blues entsprungen ist. Fanni ist eine rundum freundliche Hündin, der jeder Gedanke an das Böse in der Welt fremd ist. Sie ist lustig und voller Bewegungsfreude. Wenn man Fanni kurz charakterisieren wollte, müsste man sagen: wo gefeiert wird ist Fanni, wo gefeuert wird, sind die anderen. Das wäre dann allerdings doch zu schön gefärbt, denn natürlich mischt sich auch Fanni in die Alltagshändel ein, schon weil sie es gar nicht immer verhindern kann. Wer mitten in einer Demo steckt, kann den Strahl des Wasserwerfers nicht immer vermeiden. Wenn sie aber ins Handgemenge gezogen wird, langt sie zu. Zum Prügeldirndl taugt Fanni nicht. Dennoch liegt ihre Kernkompetenz eher bei den Soft Skills als bei jenen Elemantarteilchen des Zusammenlebens, die dies zuweilen zu einer endlosen Reihe von Showdowns machen. Fanni ist ein leidenschaftlicher Schoßbesetzer und Armsurfer. Wenn es ums Kuscheln geht, ist Fanni die begnadetste Frontfrau, die man sich wünschen kann, vorausgesetzt, man hat Zeit, Geduld und wohlproportionierte Oberarme; auch fünf Kilo hängen sich an. Wenn sie aber nicht schmust, spielt sie, huscht über den Parcours, schiebt Bälle vor sich her und hat immer ein Auge dafür, wo gerade eine neue Spielbank eröffnet wird. Fanni ist ein zartes Wesen, ohne fragil zu sein. Sie ist zurückhaltend, ohne Außenseiterin zu sein. Wir persönlich finden es jedenfalls außerordentlich erfrischend, dass bei der Annäherung eines Fritzlings nicht automatisch alle Sperrgürtel und Selbstschussanlegen um uns herum aktiviert werden müssen. Ein Fanni-Biss ins Fersenbein kommt leicht in Verdacht, vergnügungssteuerpflichtig zu sein. Ein solcher Hausgenosse müsste eigentlich als permanenter Stimmungsaufheller von den Kassen bezahlt werden. Unsere Fanni verleitet zu abgedroschenen Wortspielen: Sunny-Funny.

Nicht nur Fanni, auch bei anderen Fieslingen entwickelt sich jetzt die Rudimentärform des Bellens. Heilix Blechle, zum Wegschmeißen komisch diese raunzigen Stimmversuche. Aber es sollen ja richtige Hovawarte und Wachhunde mit einem sonoren und einflussheischenden Organ werden, Da lohnt es sich, früh zu üben. Für seine Stimmlage kann ja keiner was, aber so ein wohltönender Bariton hinter der Haustür sorgt schon für die gewünschte Distanz auf der anderen Seite der Tür; und manch einer, vor allem solche, die wissen, dass sie nicht überall gern gesehen sind (z.B. messianische und andere Klinkenputzer) nehmen schon gerne mal Reißaus, bevor sie auf die Klingel gedrückt haben. So ist selbst unser Seelenheil durch unsere Sonoras nie in Gefahr. Wir kennen eine Hovawarthündin, die leider über ein eher ungenügendes Organ verfügt und deren Lautäußerungen beim Stellen und Verbellen im Schiutzdienst etwa so klingt wie wenn die Hausfrau das Familiensilber aus dem dritten Stock wirft. Da müssen selbst die Schutzdiensthelfer an sich halten, um nicht los zu prusten. Aber sie kann halt nix dafür, umso schöner, wenn die Natur frühzeitig die Weichen stellt, damit unsere Fritzlein wohltemperierte Baritone entwickeln.

Die Wurfkiste wird abgebaut
And the children go to summer camp and then go to university
And they all get put in boxes and they all come out the same. (Pete Seeger)
Heute wird die Schnullerbox wieder abgebaut und bis auf unabsehbare Zeit eingelagert. So spät ist das noch nie geschehen, außer beim A-Wurf, wo sie bis zum Schluss stand. Aus diesem Kardinalfehler haben wir aber schnell gelernt, denn die Kiste wurde ja nicht mehr als Schlaf-, Spiel- und Kuschelplatz genutzt, sondern als Pissoir. Und als wir sie abbauten, wussten wir, warum wir den ordinären Geruch trotz allen Putzens nicht losgeworden sind (wer beim Oktoberfest so eine Massenpissrinne schon mal aufsuchen musste, weiß, was das bedeutet). Durch die Ritzen war dauernd die Seiche gelaufen und hat sich mit den Tagen zu kristallinen Lachen aufgebaut. Bei den folgenden Würfen bauten wir die Kiste dann sofort ab, wenn die Welpen die Küche als festen Schlafplatz und im Gegenzug die Kiste als Pinkelplatz nutzten. Da war dann Schluss - und den bestialischen Geruch waren wir auch los. Aber diese Fritzlein haben erst jetzt angefangen, ihre Notdurft in der Kiste zu erledigen, bis heute haben immer welche drin geschlafen, oder bei Anouk gekuschelt und getrunken. Und solange war natürlich an einen Kistenlokus nicht zu denken. Doch nun haben sich auch diese Aktivitäten immer mehr nach draußen verlagert – und die Kiste ist fällig. Gut hat sie ihren Job gemacht, die neue, alte Kiste, in der schon Franzi das Licht der Welt erblickte und die den Fritzlein offenbar ein sehr geliebtes Lager war. Schau mer mal, wann sie wieder zum Einsatz kommt.

Während dieses „Abbruchs“ hatten wir die Welpen natürlich im Garten, denn mit so vielen eifrigen Helfern würden wir vermutlich noch morgen sitzen und schrauben und Schrauben suchen und putzen und stapeln und Fritzlein vor dem Erschlagenwerden retten. Nein, das geht gar nicht. Aber wir sind natürlich gespannt, wie sie reagieren, wenn ihr Erstlager plötzlich weg ist, dafür an dieser Stelle ein Tisch und darunter zwei Waschschäffer mit Handtüchern und Vetbets stehen. Sie reagieren emotionslos. Sie schauen, nehmen zur Kenntnis, orientieren sich und prägen sich die neue Lage ein und gehen zur Tagesordnung über. Wer also glaubt, einem Welpen nichts zumuten zu können, hat hier einen Beweis, dass sie höchst flexibel auf Veränderungen reagieren. Wegen so etwas lassen sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Spielen, kuscheln und Milchzuzeln kann man auch woanders. Kein Problem.

Franz vom Bairischen Blues
Franz hat's eilig ...
Nur unser Franz, also nicht Franzi, sondern Mighty Franz, scheint seinen Unmut artikulieren zu müssen. Diesmal geht es nicht um Freiheitsberaubung, schließlich war die Kiste nicht immer seine beste Freundin, aber ohne seine Zustimmung empfindet er einen solchen unauthorisierten Abbruch als Zumutung. Ausgerechnet Franz, den wir schon so gelobt hatten, dass er darauf besteht, für seine großen Geschäfte in den Garten gelassen zu werden, ausgerechnet dieser Franz scheißt uns nach über einer Stunde Outdooring unmittelbar nach dem Einlass mitten in die Küche – dabei war die Terrassentür und damit die Option immer noch offen. Und gleich hinterher, Entschuldigung, aber das muss jetzt sein, brunzt er uns auch noch in die Ecke! Vielleicht sollten wir mit den Charakterportraits einfach aufhören, wenn man immer nur Lügen gestraft wird.

Trotzdem gibt diese Unmutsäußerung Grund zur Feststellung, dass wir nun, in der Mitte der siebten Woche, mit Ausnahme eines kleinen flüssigen Intermezzos, immer noch stramme Häuflein zu beseitigen haben. Ob’s an der Ulmenrinde liegt, am winterlichen Wetter oder daran, dass Franzi noch immer 2-3-mal täglich säugt? Von Anouks Milchbeitrag gar nicht zu reden. Wir wissen, dass wir den Wurf nicht vor der Abgabe loben dürfen und noch alles möglich ist, aber es ist sehr angenehm, bis hierher gekommen zu sein, ohne viral abgeschlaffte Welpen herum liegen zu haben, die Odellachen absetzen. Wir hoffen das Beste und drücken uns und den Fritzlein die Daumen.

 Diese Fritzlein sind heute auch sehr rechtschaffen müde, denn wieder war Tag der sehr Offenen Tür und da reicht es auch den Kleinen am Abend. Noch ein bisschen spielen, still, vergnügt und innig, ein bisschen an Tante Anouk knibbeln und dann hinübergleiten in Morpheus‘ Arme. Ach, wie süß die Englein schnurpseln…

Siebte Woche von Frau Fischers Fritzen - Fr

Freitag, 30.12.2011

Heute hat Felix Namenstag – wir gratulieren dem Tausendsassa recht herzlich. In katholischen Ländereien ist ja der Namenstag zum Teil heute noch wichtiger als der Geburtstag. Der Namenstag kam mit der Christianisierung der Völker außerhalb des Römerreiches auf, weil der christliche Name zum Unterscheidungskennzeichen gegenüber den bösen Heiden wurde. Und damit ein solcher neuer Christenmensch auch einen würdigen christlichen Namen bekommt, hat man eben die Namen von Heiligen, Aposteln und Märtyrer genommen, die am Tauftag, meist dem Tag nach der Geburt, gestorben waren. Unser Felix geht so auf Papst Felix I zurück, der am 30. Dezember 274 gestorben ist. Von diesem Felix-Papst wissen wir so wenig, dass der Ruhm unseres Felix‘ dessen Nachruhm schnell überflügelt haben wird. Die Verdrängung des Namenstages durch den Geburtstag hatte allerdings auch unerfreuliche Folgen, weil damit auch die Empfehlung des Konzils von Trient in Vergessenheit geraten ist. Damals wurde nämlich im Rituale Romanum festgelegt, der Pfarrer möge dafür sorgen, dass den Kindern keine anstößigen oder lächerlichen Namen gegeben werden oder gar solche, die den Sagen entnommen wurden oder solche von Götzen oder Heiden. Stattdessen sind, soweit irgend möglich, die Namen von Heiligen vorzuziehen. Daran hätte man sich besser halten sollen. Oder ist ein Felix Baiblues nicht einem Frodo Baiblues vorzuziehen? Und einem Fräulein Kraxenbichler würde eine Maria oder Kreszentia auch besser stehen als eine Cheyenne Shirley. Deshalb heißt unser Felix Felix und nicht Flesh Gordon oder Fishbone. Basta. Und wehe, es nörgelt jetzt jemand an Fado oder Frenzy rum!

Wettertechnisch kommt dieser Felixtag allerdings recht vorchristlich und heidnisch daher mit atlantischen Winden, die gut und gerne Freia oder Frithjof heißen könnten, wenn sie sich hätten aufraffen können, ein Sturmtief zu werden. So bleiben sie namenlos, treiben aber trotzdem recht gnadenlos ekelhaften Regen vor sich her. Und bei 1°C ist das eine ziemliche Spaßbremse.

Die Lavendelkillerbande
Die Lavendelkillerbande
Unsere Fritzlein sind dagegen nichts als Sonnenschein. Schon wie sie uns morgens zur Begrüßung entgegen wackeln, wie sie sich freuen und das ganze winzige Kerlchen sich windet und verbiegt vor schierer Freude, wischt die heidnische Wettersuppe mit einem einzigen freudigen Kiekser beiseite. Nur Franz hat was von Herrchen, ist die Eule der Truppe und stolpert um diese Zeit noch über die eigenen Beine. Man muss Franz erst mal auf den Arm nehmen, damit die Lebensgeister erwachen. So umsorgt, tankt er dann allerdings Kraft und Energie für den ganzen Tag.

Die Gewichtskurve verzeichnet mit 1610 Gramm heute einen Durchhänger und verzichtet auf Spektakuläres. Höchstens Fianna wäre zu erwähnen, die hinter Franz (6300)und Felix (5890), beide nur schlappe 40 Gramm plus, sich auf das Bronzetreppchen hochgefuttert hat: 5690 (+270). Respekt! Die beiden Top-Performer waren jedoch Flori mit 330 Gramm (5660) und – Franca mit für sie sagenhaften 300 Gramm (4500). Dafür gibt es ein: Chapeau!

Auch sonst ist dieser Tag ohne große Hebungen und Senkungen. Vier Dinge seien noch erwähnt. Erstens haben wir den Eindruck, Franzi habe ihre Säugeaktivitäten wieder etwas ausgeweitet, jedenfalls haben wir sie heute dreimal als Kapitolinische Wölfin im Garten gesehen. Für diesen Zeitpunkt, Ende der siebten Woche, eine außergewöhnliche Hingabe. Zweitens, nicht spektakulär, aber der Vollständigkeit halber auch zu erwähnen, haben wir den Zwergen heute erstmals Euter gefüttert, da haben sie so geschmatzt, als hätten sie Mamas Euter zwischen den Zähnen. Drittens bekommen die Nachwuchshovis heute den Ritterschlag fürs Hundeleben: ein Halsband. Wir tricksen sie dabei ein wenig aus, indem wir Trockenfutter auf den Boden streuen und ihnen nebenbei die Halsbänder umlegen, so merken die gar nicht, was mit ihnen geschieht. Und wenn sie den letzten Winkel der Küche nach noch versprengten Futterstückchen abgesucht haben, ist die Aufregung längst vorbei. Nach ein paar Minuten nehmen wir sie ihnen wieder ab, und eigentlich ist das alles mehr oder weniger an ihnen vorbei gegangen. Der eine oder andere kratzt sich, weiß aber gar nicht so recht warum. Morgen üben wir das wieder.

Und dann, viertens, haut es uns abends noch eine richtige Lage Pappschnee hin, dass der Jahresausklang wenigstens einen Hauch von Winter für sich reklamieren kann. Nichts als Alibi, aber die Fritzlein haben ihren Spaß. Und das ist bekanntlich das Wichtigste im Leben.

Siebte Woche von 'Frau Fischers Fritzen - Sa

Samstag, 31.12.2011, Silvester

Endspurt für das Jahr 2011, einem Jahr, das es wirklich in sich hatte. Die Umwälzungen im arabischen Raum wären allein genug Historie für ein einziges Jahr. Mubarak und Ben Ali weg vom Fenster, Gaddafi, Bin Laden, gestrichen von der Liste der Diesseitigen – aber ist die Welt besser geworden?
Quoth the raven: Nevermore*.
Doch nicht genug: Fukushima, Fluten, Überschwemmungen und eine niederträchtige Abfolge bösartigster Hurrikane und Taifune – Weckrufe für eine sich taifunartig um die eigene Hoffart drehende Menschheit?
Quoth the raven: Nevermore.
Wenn das schon alles gewesen wäre! Staatspleiten, Finanz-Overkill, Hedgfond-Harpyien, Derivat-Drückerkolonnen, Monetenmafia, seelenloses Fitch-Hiking, skrupelfreies Moody-Bluesen, europäische Wohlstandsnivellierung auf Armenstandard durch Standard Pooring, Böse-Börsen-Buben, Bunga-Bunga-Präsidenten, Merkosy-Marktwirtschaft – kann’s noch schlimmer kommen?
Quoth the raven: Evermore.
Und wer uns zu all diesem Unglück auch noch alles verlassen hat! Über Ludwig Hirsch und Georg Kreisler hatten wir schon Gelegenheit, die angemessen Worte zu finden. Aber die mortale Phalanx der ganz Großen macht uns arm. Night Owl Gerry Rafferty mit 63 vom Suff dahin gerafft. Immerhin hat er es fast dreimal so lange durchgestanden wie Amy Winehouse. Gary Moore bekommt mit 59 keinen Blues mehr. Dann die großen Aktricen Liz Taylor, Maria Schneider (die vom Letzten Tango in Paris) und Anni Girardot, das späte Mädchen. Loriot! Wer soll ihn denn ersetzen? Die Knollennase Dirk Bach etwa? Auch Franz-Josef Degenhardt spielt jetzt wieder mit den Schmuddelkindern. Und dann noch Václav Havel, den vermutlich die Verzweiflung über seinen missratenen Nachbarn Orban zum Aufgeben bewog. Da wird es einem ganz gruselig vor so vielen Untoten, die den Lebendigen das Leben noch ziemlich schwer machen dürften. Beschwert sich jemand, dass wir Bernd Clüver und Witta Pohl unerwähnt lassen? Die sind halt vom Schatten der Großen zu stark verdunkelt worden. Ups! Das Urgestein unterschlagen: Jopi Heesters, mit 108 Jahren an Heiligabend zu den Enkeln gegangen (andere gehen zu ihren Vätern); mit dem Termin erhofft er sich offenbar per Stairway to Heaven als überständiges Christkindl einen direkten Zugang zum Paradies zu ergattern. Mit ihm aber schließt sich der Kreis wieder, denn sein berühmtestes Lied „Heut geh‘ ich ins Maxim“ klingt in unseren Ohren heute wie ein Champagner-Round-Up von Wallstreet-Gel-Bürschchen und Insurance-Jongleuren bei einer After Work Party: Heut geh ich ins Maxim / dort bin ich sehr intim / Ich duze alle Damen / Ruf sie beim Kosenamen / Lolo, Dodo, Joujou / Cloclo, Margot, Froufrou / Sie lassen mich vergessen / Das teure Vaterland. // Dann wird champagnisiert / und häufig cancaniert / Da geht’s ans Kosen, Küssen / Mit allen diesen Süßen / Lolo, Dodo, Joujou / Cloclo, Margot, Froufrou / Da kann ich leicht vergessen / das teure Vaterland.

Was steht uns nun 2012 bevor? Wir begeben uns nicht aufs aalglatte Börsenparkett mit unseren Vorhersagen, lassen uns weder verkohlen noch verzinken (für diejenigen, denen diese Kryptik zu undurchschaubar ist: gemeint sind Anja Kohl, ARD-Börsen-Jubelperserin und Franz Zink, ZDF-Börsenverkohler), sondern legen uns auf zwei Hundertprozentige fest (ähnlich apodiktisch wie der Hundertjährige): Deutschland wird am 1. Juli in Kiew Fußball-Europameister und weil nicht sein kann, was nicht sein darf, ist am 21. Dezember Weltuntergang. Hat jemand etwas dagegen?
Quoth the raven: Nevermore.
Doch, ein bisschen schon: um die Fritzlein wär’s nämlich jammerschade. Denen wenden wir uns auch jetzt wieder zu.

In ihrem Paradies liegt Schnee, nicht viel, aber genug zum ausgelassenen Schneeblödeln. 2° Minus halten das Geläuf in Form und bei Laune. Im Lauf des Vormittags fängt es dann allerdings zu pappschneien an, richtig fetter Schmand fällt da vom Himmel, und weil ein solcher Schnee eben sehr nah ans Wasser gebaut hat, kippt der gelierte Aggregatszustand am späten Nachmittag wieder in Richtung Wasser. Beim Vagener Silvesterfeuerwerk singt dann der Regen wieder leise Lieder. Aber es scheppert trotzdem lang und laut; doch dazu später mehr.

Nach dem Motto: jeder legt noch schnell ein Ei, blicken wir ein letztes Mal für dieses Jahr auf die Kalorienstatistik, nur kurz, weil wir wegen der Feierlichkeiten keine Zeit für ausführliche Betrachtungen haben. Franz 6500 (+200), Felix 6260 (+370), Flori 5890 (+230), Fado 5810 (+210), Fianna 5730 (+40), Ferdi 5640 (+ 10), Fetzer jr. 5410 (+80), Frenzy 5380 (+250), Fanni 5200 (+80), Fine 5000 (+120) und Franca 4630 (+130).

Nach der morgendlichen Putzaktion kommen die Fritzlein wieder ins Haus und der Herr verlässt dasselbe, um Frühstück zu holen und seine drei Damen bei ihrem Morgenspaziergang aufzusammeln. Doch als die gesamte Chefetage wieder zuhause eintrifft, steht dort alles Kopf: elf Fieslinge toben im Wohnzimmer oder, um es mit Jopi Heesters auszudrücken, es wird cancaniert. Irgendwie sind sie in den Transit eingedrungen und haben dort eine offene Flanke gefunden, weil wir, wenn die Sperre zum Transit zu ist, ein Seitenteil des Transits aufschieben, um uns besser bewegen zu können und nicht immer klettern zu müssen. So stand ihnen also, nachdem die Transitsperre geknackt war, nichts mehr im Wege. Wer der Panzerknacker war, lassen sie uns nicht wissen; sie sind zu sehr mit Johlen, Cancanieren und Marodieren beschäftigt, als dass sie unserem investigativen Nachfragen auch nur eine Spur Beachtung schenken wollten. Vielleicht war ja Franca die Dosenöffnerin, sie hat uns ja schon einmal gezeigt, dass Fort Knox zu knacken ist, ohne uns ihr Geheimnis mitzuteilen. Oder hat der Herr die Sperre schlampig verschlossen, nicht sauber in den Türausschnitt geschoben und damit eine winzige Öffnung für eine naseweise Nase gelassen, durch die sich bald ein ganzes Fieslingskörperchen und anschließend das ganze Rattenpack schieben konnte? Es wird eines der ungelösten Rätsel der Menschheit bleiben und mit ihr am 21. Dezember 2012 verdampfen, verdunsten, zerplatzen. So what? Allerdings sind wir jetzt und knapp ein Jahr vor dem Finale erst mal fast eine Stunde damit beschäftigt, den Fetenmüll zu beseitigen, Lachen zu trocknen, Darmprodukte aufzusammeln und den Dielenboden zu schrubben, Pflanzenreste zu entsorgen, nun ja, man kennt das ja: nach jeder ausgelassenen Feier vermiest einem der Anblick und die Beseitigung deren Überreste noch nachträglich den Spaß. Wir tragen es mit Fassung, was bleibt uns auch übrig? Nur das Frühstück wird nach diesem Bubenstück ein Spätstück.

Franca vom Bairischen Blues
Franca
Wenn wir schon Franca, die Frau Fischer, in Verdacht haben, diesen Hunnensturm ausgelöst zu haben, bleiben wir doch gleich noch einen Moment bei ihr. Genauer hinsehen wollten wir, so haben wir es vor drei Wochen versprochen, was aus der kleinen Franca geworden sein wird. Also, sehen wir eben etwas genauer hin. Was sollen wir sagen? Klein ist sie immer noch und eine Tüftlerin und Tiefbohrerin, wenn es darum geht, irgendein Problem oder eine Aufgabe zu lösen und zu stemmen auch. Franca, das kann man jetzt schon sagen, hat einen riesigen Sprung gemacht. Wir machen es uns einfach und sagen es mit Mutter Kempowski aus Tadellöser & Wolff , die ihren Sohn Walter mit So klein, wie er is, so fix isser beschrieb. Mehr ist fast nicht zu Franca zu sagen. Sie ist eine Fixe und Pfiffige, eine unermüdliche Spielmaus, mit immer noch dem gleichen Nachdruck, wenn es darum geht, den Dingen auf den Grund zu gehen. Sie ist auch vorn dran, wenn es Neues zu entdecken gibt. Das Bällebad hatte in Franca seine erste Besucherin, und sie bestieg es nicht mit hochgekrempelten Röcken und spitzen Zehen sondern stürzte sich mit Lust in die vielen bunten Smarties. Sie gehört aber immer noch nicht zu den Raufbolden der Fritzenschaft, vermutlich signalisiert ihr wacher Geist, dass ihre Körpermaße dafür nicht die besten Voraussetzungen schaffen und sie vielleicht noch ein bisschen an ausgleichenden Taktikvarianten arbeiten müsse, um der körperlichen Unterlegenheit etwas entgegensetzen zu können. Allerdings hat sie bereits sehr erfolgreich an der Ausbildung ihrer Waffen gearbeitet, Francas Kieferschluss lässt längst keine Rückschlüsse auf ihre Körpergröße mehr zu. Vielleicht übt sie ja immer noch heimlich mit Franz, der weiterhin ihr fast ständiger Begleiter und Beschützer ist. Das Pärchen müsste man erfinden, wenn es bei uns nicht schon existierte. Sagen wir es kurz: so klein, wie sie is, so fix isse! Um sie machen wir uns längst keine Gedanken mehr, die kommt durchs Leben, nicht mit der Faust auf dem Tisch, sondern mit Schmalz in der Hirnbüchse und einem Herz auf dem rechten Fleck. Der anfängliche Entwicklungsrückstand ist längst nur noch ein körperlicher. Diese Franca hat wirklich das Zeug zur Frau Fischer und zur Bannerträgerin ihres Fritzenhaufens.

Die Spiele dieser kleinen Fritzen werden immer vielfältiger; alles wird einbezogen, fast stündlich werden neue Spiele erfunden. Ein ganz neues Spiel ist der Kampf um den Küchenblock, jenes Möbels, unter dem der Junior noch vor Tagen stecken geblieben war wie der Korken in der Flasche. Einer kriecht auf die untere Ebene zwischen Gemüsekorb und Seitenwand und die anderen versuchen, ihn daraus zu vertreiben; sie kläffen von der Seite, schnappen von unten, zerren am Korb (wie schwer ein bisschen Gemüse sein kann!), versuchen, den Blockwart von hinten am Schwanz aus dem Block zu zerren. Es geht zu wie auf dem Hamburger Fischmarkt. Und was man da hört, ist schon ein richtiges kleines Bellen. An diesem Spiel beteiligen sich eigentlich alle einmal. Wir hätten beinahe unser sehr verspätetes Frühstück sausen lassen, weil wir uns von dem Spektakel nicht trennen können. Nur Felix beteiligt sich staunenderweise eher selten: er hat sich schon größere Aufgaben vorgenommen, zum Beispiel Tante Anouk am Schwanz durch die Küche zu ziehen oder ihr ein Ohr abzukauen. Er darf halt einfach alles. Dafür wird er geputzt, gehudert und gepudert und kriegt noch ein Küsschen. Wenn je ein Welpe nach Strich und Faden verzogen wurde, dann dieser verflixte Flix. Aber Anouk lässt nichts an sich heran, sie ist überzeugt, dass das ganz und gar ihre Sache sei und uns das nichts anginge. Kannst zerschellen an dem Hund… Wenn man sich fragt, warum immer diese Nassauer mit Hundeblick so komfortabel durchs Leben gleiten, muss man sich nur dieses Pärchen vor Augen halten. Alles klar?

Flori vom Bairischen Blues
Flori
Schneetreiben im Paradies
Schneetreiben
Draußen ist heute, wie oben schon erwähnt, alles auf Schneetoben gestellt, da gibt es keine Blockwarte und Hungerleider, die sich nach oben randalieren wollen, sondern einfach nur so eine Art Ski-Jöring, einer hinter dem anderen her, bis einer keine Verfolger mehr hat, weil es alle anderen aus der Kurve getragen hat. Auch eine Variante der Selektion. Bei dieser Hatz ist Felix dann aber wieder dabei, das lässt er sich nicht entgehen. Das bessere Ende hat häufig Porsche-Ferdi für sich, weil er nicht nur blitzschnell und trittsicher ist, sondern auch nicht so viel Ballast um die Kurven jonglieren muss, wie seine schärfsten Konkurrenten. Aber die Mädels machen ihm das Leben schwer, da hat er zu tun, diese leichtfüßigen Wiesel abzuhängen.

Ferdi vom Bairischen Blues
Ferdi
Ferdi hat sich nicht wirklich verändert seit der letzten Wesenserhebung. Er ist, wie gerade berichtet, immer noch schnell wie Nervengift, aber auch fix, wenn es um neue Spiele geht, da hat er einiges mit Franca gemein. Wenn wir den kleinen Fritzen etwas Neues vorsetzen oder, schlimmer noch, ihnen zeigen wollen, was sie da zu tun hätten, steht Klein-Ferdi schon mit erhobenem Finger, sagt, Frau Lehrerin, das kann ich schon und macht es allen vor. Er ist ein Spielratz und könnte auch als Roadrunner Karriere machen. Muskeln setzt er überwiegend zur Tempogewinnung ein, eher selten zum Raumgewinn oder Platzgewinn, was heißen soll, dass er kaum rauft und sich seine Vorteile dadurch schafft, dass er häufig schon dort ist, wo andere noch gar nicht wissen, dass sie hin wollen, und sich so manchmal Vorteile erläuft, die ihm andere erst wieder streitig machen müssen. Dieser Ferdi ist einfach ein ganz lieber Kerl, ein Schmusebär, wann immer er nicht auf der „Flucht“ ist. Man hat ja immer solche Kuschelmonster im Wurf, solche die nicht zum Kämpfen kommen, weil sie ihre Waffen erst aus dem Arsenal holen und kampffertig machen müssen – und dann ist die Schlacht meist schon vorüber. Manchmal haben wir den Eindruck, Ferdi staunt darüber, dass man die Dinge mit Fäusten regeln muss, wenn man sie doch mit Geschwindigkeit und Cleverness auch lösen könnte. Dieser Friedensengel wird dennoch von seinen Mitfritzen uneingeschränkt akzeptiert, nicht nur, weil sie ihn kaum zu fassen kriegen, um ihm die Leviten zu lesen, sondern weil er kein Außenseiter ist; die äußersten Sterne eine Galaxie gehören ja auch zu dieser, obwohl sie von der Zentralkraft weit entfernt sind und sich mit Geschwindigkeiten bewegen, von denen man da drinnen gar nichts weiß. Dort draußen lebt man leichten und schnellen Fußes, beschwingt und unbeschwert, mit wehenden Röcken und fliegenden Ohren, während die drinnen alle Pfoten voll zu tun haben, in der Enge und im Gemenge Distanz zu halten. Ferdis Sternzeichen könnte der Luftikus sein, ohne die damit unterstellte Oberflächlichkeit. Ferdi schwebt und lebt und liebt die Menschen und das Leben. Ferdi ist ein Sternenkind und ein schrecklich netter Tropf!

Anders als bei diesen Spielen, die häufig in kugelnden Welpenhaufen und -zusammenballungen enden, ist das Schlafen im Pulk jetzt out. Man ist groß und braucht kein wärmendes und nuckelndes Geschwister mehr, sondern sucht sich einen eigenen Schlafplatz auf Distanz. So liegen sie alle verteilt wie die Jünger am Ölberg, in den Ecken, unter Tischen, auf dem Alien-Bär oder im Handtuchschaff und man muss sehr genau hinsehen, wohin man tritt; elf Welpen machen sich ganz schön breit.

So verbringen wir unsere schmale Zeit mit Beobachten und Staunen und reiner Freude am Umtrieb unserer Fritzlein. Und alles bleibt liegen, weil man selbst meist auf der Lauer und auf dem Fotoansitz liegt, weil man mit einem Fritzlein auf dem Schoß ein Schlummerlied summt und den Tag verraucht , verschläft und vergeigt wie Lenaus drei Zigeuner. Obwohl uns mit diesen verbindet, dass auch wir an den Kleidern Löcher und Flicken tragen, trotzen wir nicht wie diese den Erdengeschicken, sondern erwachen spätestens abends aus dem rosaroten Traum, nur um uns eingestehen zu müssen, dass der Tag viel kürzer als irgendeiner je zuvor war und wieder alles liegen geblieben ist.

Na denn und wohlan, zurück ins Leben! Die Kleinen bekommen heute nach einer Spiel- und Toberunde, aber vor dem allgemeinen Buhbuh ihre Halsbänder angelegt, weil sie dann so fertig sind, dass sie sich in diesem Zustand gar nicht mehr mit diesen Strangulatoren beschäftigen können und sie in ihren aufregenden Schlaf mit hinüber nehmen, in dem das bisschen Halsband unter all den zu verarbeitenden Großereignissen eine Marginalie ist. Und so gewöhnen sie sich „wie im Schlaf“ an die Halsbänder. Uns ist es wichtig, dass die Welpen bei Abgabe kontrollierbar sind, damit sie beispielsweise bei einer Pinkelpause nicht unkontrolliert aus einem Auto springen können. Man könnte sagen: Lebensverlängerung durch Aktionsradiusverkürzung.

Silvestermenü mit "Schokopops"
Silvestermenü mit "Schokopops"
Nachmittags kommt der schwarze Cento aus dem Allgäu mit seinen Leuten, um mit uns den Jahreswechsel zu begehen. Da gibt es nochmal ein Highlight für die Fritzlein, die sich ihrem Viertelbruder gegenüber wie rechte Fieslinge benehmen, was diesen aber mit der Reife der Jahre immer weniger aus der Fassung bringt. So gleitet das altersschwache Jahr dahin und hinüber, begleitet von lustvollen Schmatz- und Schluckgeräuschen, wohlgesetzten Worten und zuletzt von einem Höllenkrach. Wer glaubt, hier auf dem Lande, sei das Schießpulver bei Regen nass, der irrt: die Mangfalltaler sind schießfreudige Feuerteufel, und wenn es regnet, wird eben dreimal so viel verballert, damit wenigstens das Spaßniveau des Vorjahres erreicht wird. In diesen Dingen ist man auf dem Lande sehr pragmatisch. Unsere Fritzlein lassen wir während des Artilleriebeschusses im Haus, der Krach ist auch da drinnen nicht zu überhören. Aber sie liegen herum oder spielen, als wären ihnen die Ohren noch gar nicht aufgegangen. Die Großen bekämpfen das Friendly Fire zum Schutz der kleinen Fritzlein mit Schimpfkanonaden, erfolglos, wie man sich denken kann, aber mit wachsender Begeisterung. Letztlich macht der Blues fast mehr Krach als die Artillerie der Nachbarschaft. Wir konstatieren also Frau Fischers Fritzen nicht nur Schussfestigkeit auf allerhöchstem Niveau, sondern sogar Artilleriefestigkeit (was nirgendwo nachgefragt wird, nicht mal bei Treibjagden) und erwägen, 100 € zusätzlich als Exzellenzabgabe einzufordern. Wer kann denn sonst mit so etwas aufwarten?

Fianna vom Bairischen Blues
Hat Fianna schon Grund zum Feiern?
Gegen 2 Uhr verschließen wir erstmals vor dem neuen Jahr die Augen – und sind uns ziemlich sicher, dass es Fianna wird. Oder doch Fine? Ach was, nicht schon nach zwei Stunden wieder eine Entscheidung fürs Leben treffen müssen! Kennt denn dieser Entscheidungsdruck keine Grenzen, nicht mal Zeitgrenzen, Jahresgrenzen? Das geht einfach so weiter, mit einer 12 am Ende, statt mit einer 11. Die Banalität des Lebens wird mit keiner noch so aufgeblasenen Ballerei außer Funktion gesetzt. Wenn jetzt noch einer nach Fianna oder Fine fragt, kriegt er eine auf die 12.

*Edgar Allen Poe, The Raven