Franzis letzter Anlauf

Wir rechneten fahrplanmäßig mit Franzis Läufigkeit im September/Oktober. Üblicherweise hält sie ihre sechs Monate recht ordentlich ein, was in diesem Falle etwa um den 19. September wäre, doch das Fiasko vor dem E-Wurf, wo sie sich um mehr als zwei Monate verbummelt hatte, trägt zu einer gewissen Lässigkeit mit Franzis Fruchtbarkeitsritualen bei, eine Gelassenheit, die uns rät: nimm dir nichts vor und halte alle Optionen offen. So halten wir auch die Option, die letzte Ferienwoche (5.-11.9.) in Bertls Ferienhaus in der Toskana zu verbringen, sperrangelweit offen. Der Silberrücken aus unserem B-Wurf würde zwar selbst nicht dabei sein können, weil er gerade erst einen Umzug von Wien nach Berlin hinter sich gebracht haben würde, aber in trauter Viersamkeit mit unseren beiden Damen hätten wir die Gelegenheit, unter mediterraner Sonne zu relaxen, doch gerne genutzt, zumal ein Großteil der Ferien für die Vorbereitung der Ausstellung in Hohenpeißenberg (4.9.) drauf gegangen war. Noch eine Woche Seele baumeln lassen bei Rotwein und Meeresfrüchten, das wär‘s gewesen…

Mittwoch 31.8.

Es scheint anders zu kommen, d.h. Franzi scheint wenig Lust auf Bella Italia zu haben und überrascht uns drei Wochen zu früh mit einer rostbraunen Schmierblutung. Wir denken sofort an Anouks Planungen des B-Wurfs, als sie kalten Herzens einen fetten Strich durch Frauchens geplanten Italienaufenthalt gemacht hatte. Sind unsere Hündinnen gar mezzogiornophob? Pasta, Pizzaränder, Calamari und Osso buco nehmen sie eigentlich immer ohne Zögern. Oder blühen ihre Hormone schon beim Klang des Namens Mezzogiorno auf? Jedenfalls verzichtete Franzi auf ein monatelanges intensives und Rüden neckendes Begießen der Wegränder des gesamten Mangfalltals. Diesmal ist sie äußerst kurz angebunden, gönnt den Rüden offensichtlich nur eine kurze Vorwarnzeit und geht in die Vollen.
Einen Monat Aufschub hätten wir von ihr dankend entgegen genommen, weil wir dann mit der  Abgabe der Welpen in den Februar gekommen wären, was für die Käufer schon ein bisschen vorteilhafter ist; da lässt der Frühling nicht mehr lange auf sich warten und die Welpenschulen gehen wieder langsam in Betrieb. Diesmal will sie sich aber nichts nachsagen lassen. Franzi wird irgendwie square auf ihre reifen Tage hin.

Aber vielleicht ist das ja alles nur eine Falschmeldung und morgen ist schon alles wieder vorbei. Sie könnte es sich ja noch anders überlegen.

 

Donnerstag, 1.9.

Spaßbremse! Hellrote Blutflecke, zwar vereinzelt noch, aber humorlos in ihrer Aussage, lassen keinen Zweifel, dass es Franzi ernst ist; eine vaginale Unpässlichkeit zeigt sich anders.  Wir wählen eine Nummer in Landshut, um den Rüdenbesitzer auf das nahende Heil vorzubereiten  („Hallo Heller, das Blut wird heller“) und machen einen Termin beim Tierarzt für Freitag aus.

 

Freitag. 2.9.

Um 17 Uhr sind wir beim Tierarzt unseres Vertrauens in Stephanskirchen, den wir in Sachen Decktagsbestimmung diesmal dem jahrelang konsultierten Orakel von Baldham vorziehen, weil es im Stephanskirchener Team seit geraumer Zeit mit Mag. Lisa Stöger eine ausgewiesene Fachfrau in Sachen Fortpflanzungsbiologie gibt, die der auch in dieser Praxis üblichen Schnelltesterei eine Abfuhr erteilte. Warum also sollten wir dann wie bisher outsourcen, wenn doch das Gute so nah liegt. Man kann sich trefflich streiten, ob eine Decktagsbestimmung überhaupt notwendig ist, nicht streiten kann man darüber, dass Schnelltests meist die Treffgenauigkeit eines Schrotschusses haben und demnach tatsächlich unterbleiben können. Eine qualifizierte Decktagsbestimmung mit Progesterontest, Zytologie und Vaginalskopie gibt dem Fachmann oder der Fachfrau zuverlässige Daten. Natürlich würde es auch reichen, das Verhalten der Hündin genau zu beobachten, um den richtigen Tag zu erwischen, vor allem, wenn der Deckrüde nur 100 Kilometer entfernt steht und Fehlversuche zu verschmerzen sind, aber wir haben uns für die sichere Variante entschieden und überlassen anderen die tiefen Blicke in die Hundeaugen und die Versuchsreihen mit Deckrüden. Jedem das seine.

Mag. Lisa Stöger mit FranziMag. Lisa Stöger nimmt bei Franzi einen Scheidenabstrich und blickt in deren Inneres, was diese geduldig geschehen lässt, obwohl ihr der Wunsch nach dem Sprung aus dem Fenster anzusehen ist. Frau Magisters Gesicht zeigt große Verwunderung: "Für den dritten Tag der Läufigkeit ist die aber schon sehr weit." Ungläubiges Staunen, sie mag es kaum glauben.

Jedenfalls war es eine richtige Entscheidung, unseren Toskanaaufenthalt abzusagen, da säßen wir nun unter Wein, Zypressen und Olivenbäumen und eigentlich doch nur auf Kohlen. Wir könnten aber als Reminiszenz an den vermasselten Urlaub den F-Wurf italianisieren: Fragola, Fiorentina, Formaggio, Fiasco, Fiesole, Frascati, Fagiolino, Fortezza, Fettucino, Finale, Fascista... Mal sehen, ob das durch die Nomenklaturbehörde geht.

 

Sonntag, 4.9.

Wir sind auf der Landessiegerzuchtschau (CAC) in Hohenpeißenberg, im schönen Pfaffenwinkel. Es ist ja schon ein Fortschritt, dass seit kurzem läufige Hündinnen auf einer Ausstellung gezeigt werden dürfen, aber der Fortschritt macht sehr kleine Schritte, zumindest wenn der Fortschritt Franzi heißt: sie leidet an ihrem Zustand. In diesen Dingen ist sie ein Seelchen. Und so erschleicht sie sich zusammen mit ihrem Frauchen ein Sehr Gut 2, und damit den zweiten Platz bei den Gebrauchshündinnen, was erheblich besser klingt als es ist: bei drei Hündinnen in der Konkurrenz ist es eine Frage des Betrachters, ob sie nun Zweitbeste oder Vorletzte geworden ist. Franzi ist nicht wirklich phlegmatisch, aber charmereduziert, sie hört mehr in ihren Körper hinein, als dass sie diesen zur Schau stellt. Franzi goes intro. 

 

Montag, 5.9.

Da unser Schlaflager in Hohenpeißenberg nicht von Hunden getrennt werden kann, breitet sich Franzi nur allzu gerne in unseren Betten aus – und übersät diese mit einem lustigen roten Fleckenmuster. Dass ein einzelner Hund in einer einzigen Nacht so viel Blut verlieren kann! Wir sehen vorsichtshalber gleich mal nach, ob sich Anouk eventuell solidarisch erklärt hat und jetzt im Gleichtakt mit ihr tropft. Tut sie aber nicht. Das Muster ist ganz alleine Franzis Werk. Mittags fahren wir wieder nach Hause und Franzi gibt für den Rest des Tages das Urmele in der Mupfel.

 

Mittwoch, 7. 9.

Vormittags erfahren wir telefonisch aus der Tierarztpraxis, dass Franzi keine auffälligen Bakterienkolonien beherbergt, ein Antibiotikum demnach nicht zum Einsatz kommen muss. Ist man in dieser Hinsicht zu sorglos, kann es einem widerfahren, dass die gefräßigen Keime sich über die Spermien hermachen und den ganzen Aufwand zum Scheitern bringen. Manche leer gebliebene Hündin ist tatsächlich nur leer „gefressen“. Aber so, ohne Pharmahämmer, ist es uns natürlich am liebsten. Diese positive Diagnose hindert uns aber nicht daran, nachmittags (16:30 Uhr) zum Progesterontest nach Stephanskirchen zu fahren. Als Franzi, wie immer geduldig, aber mäßig erfreut, auf dem Behandlungstisch abwartet, was da kommen soll, legt sie dennoch die Rute bei jeder Berührung ihres hinteren Endes geflissentlich zur Seite - sie beginnt also bereits mit Dulden und das heißt, dass sie in spätestens drei Tagen keinem Kerl mehr aus dem Weg gehen wird und lockte er sie auf eben diesen Behandlungstisch. Da kennt die Natur keine Empfindlichkeiten, da lockt sie und Franzi wird ihrem Ruf getreulich folgen. Die Magisterin nimmt Franzi Blut ab und sorgt mit einem Expresslabel auf dem Päckchen mit Franziblut dafür, dass wir morgen vom Labor das Ergebnis haben werden. Dann sehen wir weiter.

Heute haben wir auch Anouk mitgenommen, weil sie ein letztes Mal in ihrem Leben eine Impfung bekommen soll; egal, wie alt sie werden wird, sie hat so viel bekommen, dass es nun wirklich für den hoffentlich langen Rest ihres Lebens ausreichen dürfte. Obwohl Anouk in dieser Praxis schon die eine oder andere Unannehmlichkeit über sich ergehen lassen musste, ist sie immer ganz aufgekratzt und wie von Sinnen, wenn wir sie hierher bringen. Während Franzi vor der Tür schon zielstrebig versucht, uns in den angrenzenden Fressnapf zu zerren, kann es Anouk gar nicht erwarten, dass wir sie durch die Doppeltüren des Eingangs bugsieren, und wenn sie den Chef sieht, dem sie offenbar grenzenloses Vertrauen entgegenbringt, fängt sie an zu singen und zu tanzen, wobei sie für diesen Ausnahmemenschen einen Gesang vorbehalten hat, dem sie niemandem sonst gewährt: Anouk singt Falsett und steppt auf den Hinterbeinen.
Frau Magister guckt Anouk in die Ohren, steht fassungslos vor einem noch immer elfenbeinfarbenem Gebiss, fummelt sie vorn und hinten und unten und oben ab und lauscht ihr in die Brust, senkt dann ihren Blick, zeigt ein sehr betretenes Ärztinnengesicht und schlawienert: „Langweiliger Hund, so a langweiliger Hund“. Für diesen Weaner Schmäh bekommt sie einen Ehrenplatz in unserer VIP-Galerie und von uns die Praxisposition zwei, gleich hinter ihrem Chef, zugewiesen, das bedeutet Absolution für mindesten drei freie Fehldiagnosen. In mancher Hinsicht kann man sich eben nichts sehnlicher wünschen als einen langweiligen Hund! Anouk scheint einen Jungbrunnen ausgesoffen zu haben und wir hoffen, dass sie dabei keine Kröte geschluckt hat, die auf dessen Grund nur auf sie gewartet hat. Wir sind aufgekratzt. Diese alte Dame! Haben wir nicht so etwas wie Weaner Schmähfalten um Anouks Augen gesehen. Eine neue Freundin hat sie auf jeden Fall, so viel ist schon mal klar. 

 

Donnerstag, 8.9.

Um halb eins kommt der Anruf aus der Praxis: Progesteron bei 1,1. Holla, doch schon. Jetzt mal schnell die alten Aufzeichnungen herausziehen und gegenrechnen. Beim letzten Mal war Franzi am Mo, 22.2. auf einem Progesteronwert von 3, zwei Tage später, mittwochs, dann auf 9. Am Donnerstag feierte sie Hochzeit mit Bruno. Das läuft doch tatsächlich auf einen Decktermin am Wochenende hinaus, und wenn nicht, wie gesagt, Landshut liegt nur 100 Kilometer entfernt, da bleibt man gerne gelassen. Wir vereinbaren einen weiteren Progesterontermin für morgen Mittag bei unserer Vaginalexpertin und Anouks neuer Busenfreundin.

Wie schon angedeutet: man muss diese Untersuchungen nicht machen, die Hündinnen halten einen in aller Regel sehr präzise über ihren Zustand auf dem laufenden. Während unseres heutigen Nachtspaziergangs hängt Franzi jedenfalls sekundenlang an jedem verfügbaren Grashalm, entleert ihn seines olfaktorischen Inhalts, zappelt aufgeregt von Grashalm zu Grashalm wie ein Bienchen um die Blüten brummt, und keckert dabei wie Judy aus Daktari. Der Nachtspaziergang zieht sich und dehnt sich und der Leinenjunkie am anderen Ende wird zum Sterndeuter.

Auch Anouk trägt erheblich zur Präzisierung der Zeichendeutung bei, indem sie fast unentwegt bei Franzi aufreitet, was diese durch Hinlegen oder Flucht unter den Tisch zu verhindern sucht, aber der hartnäckigen Verfolgung der alten Dame nur bedingt etwas entgegenzusetzen hat. Hat mal jemand bei Anouk eine Spondylose diagnostiziert? Wenn überhaupt, ist bei der höchstens eine Spindel lose.

 

Freitag, 9.9.

Vaginalskopie bei FranziUm 12:30 Uhr sind wir bei der Meisterin, nehmen Franzi Blut ab für den Progesterontest, gucken mit der Röhre in ihren Abgrund und entnehmen Gewebe. Der Augenschein zeigt, dass sich die Scheidenschleimhaut schon sehr verändert hat und das Mikroskop unterstützt diesen Befund, weil es zeigt, dass die Zellstruktur der Schleimhaut schon stark umgebaut ist. Auch der Vaginalwiderstand beim Einführen des Spekulums ist stärker als beim letzten Mal, ebenfalls ein Zeichen, dass es voran geht. Und damit wir keine unsachgemäßen Schlüsse ziehen, legt Franzi heute selbst bei diesen eher unangenehmen und erniedrigenden Manipulationen die Rute wacker zur Seite und signalisiert ohne Umschweife: der Schweif ist weg, der Kerl kann kommen. So etwas hätte es bei Anouk in keiner Östrusphase gegeben. Niemals hat sie bei eingeführtem Spekulum die Rute zur Seite gelegt, noch nicht mal ein Leckerchen akzeptierte sie als Widergutmachung, da hatte sie ihren Stolz und ihren Trotz. Jetzt hoffen wir, dass das Labor bis morgen Mittag das Ergebnis liefert (immerhin ist morgen Samstag), damit wir Bescheid wissen. Aber eigentlich haben wir uns sowieso schon entschieden, auf jeden Fall nach Landshut zu fahren, um, wenn die Dame sich noch nicht gefügig zeigt, wenigstens den Deckneuling schon mal an die Sache heranzuführen und ihm eine Trainingseinheit zu gewähren. Wer weiß denn schon, wie sich ein dreieinhalbjähriger Rüde bei einer siebeneinhalbjährigen Hündin anstellt. Vielleicht geht er vor Respekt und Demut in Deckung statt in Deckstellung.

 

Samstag, 10.9.

Wir rufen am späten Vormittag in der Praxis an, ob das Labor schon geliefert hat? Es hat: 2,5 Progesteron. Die einschlägigen Dokumentationen besagen, dass die fertile Phase einer Hündin bei einem aktuellen Wert von 2 zwischen -1 bis +6 Tage liegt, das hieße also von vorgestern (der Wert ist ja von gestern) bis nächsten Donnerstag. Heute ist Franzi sicher schon weiter, also werden wir uns heute Nachmittag auf den Weg nach Landshut machen und sehen, ob die Täubchen schon turteln wollen.
Um halb zwei Uhr ruft dann Franzis Wiener Vaginalberaterin an, sie habe eben mal in der Praxis vorbei geschaut und wollte nur sicher gehen, dass wir das Ergebnis schon hätten. Jetzt sind wir platt; so etwas nennt man Engagement oder neudeutsch: Commitment. Die Entscheidung für dieses Orakel war goldrichtig, es spricht nämlich sogar, wenn es gar nicht mehr sprechen müsste. Wir verbeugen uns, sagen herzlich danke und empfehlen es auf innigste weiter.
Den für 16 Uhr geplanten Bestäubungstermin in Landshut verschieben wir telefonisch um mindestens eine Stunde: 26° C sind für Ehestandsübungen im Freien einfach zu viel. Wenn die Versprochenen ein paar Aufwärmrunden drehen und dabei Rumpel und Stilzchen spielen, sind sie platt, bevor es zum Stich kommt.

LiebestanzKurz vor halb sechs Uhr holen wir Fetzer in seiner Landshuter Residenz ab und fahren im Konvoi nach Gündlkofen in die Hauptschule, wo Fetzers Chefin das Sagen hat und jetzt am Wochenende keiner zuhause ist. Tor zu, Hunde aus dem Auto und Samen Marsch. So denkt man sich das. Aber erst einmal stellt sich Fetzi vor seinen Herrn und fordert ihn zu einem munteren Ballspielchen auf. Der reagiert nicht und bleibt ungewohnt verstockt. Jetzt fühlt sich Franzi in der Pflicht, sie denkt nicht dran, sich hier hinter einem Ball einreihen zu sollen und reagiert feminin: sie pinkelt. Dieses Angebot kann Fetzer natürlich nicht ignorieren und Sekunden später geht dem Spermaträger ein Licht auf und weitere Sekunden später tropft schon Der Duft der Frauenfetter weißer Sabber aus seinem Maul. Er hat angebissen wie ein tollpatschiger Karpfen. Jetzt ist er kaum noch von Franzis Achtersteven zu trennen, Franzi legt nach und macht den Franzitanzi, einmal hin und einmal her, rundherum, das ist nicht schwer, der Freier verbeugt sich tief und tiefer, gar bis unter die Grasnarbe, um ihren Duft zu trinken, sie ermuntert ihn zu waghalsigen Sprüngen und Kapriolen und biegt sich mit ihm im sanften Abendwind. Schon versucht er es einmal, was er nie probieren durfte: Pfote auf die Dame. Und siehe da, statt eines Tadels, erntet er vielstimmiges Lob und eine in der Position eingefrorene, zu allem bereite Edeldame. Ein weiterer, sehr unmissverständlicher Versuch wird von einem Dem Charmeur ist nichts zu schwerhellen Quietscher von Franzi begleitet, aber Fetzer lässt sich, im Gegensatz zu vielen Anfängerrüden, davon nicht eine Sekunde beeindrucken, sondern klammert noch fester und zieht die Zugeloste noch näher heran. Herrjeh, was ist denn das für einer? Ist da ein neuer Chefvergewaltiger auf dem Weg zu seinem Gesellenstück? Gentleman-Rüden (vulgo: Weicheier, lat. Softorchiden) gibt es ja reichlich, aber so einen Dickbrettbohrer haben wir schon lange nicht mehr erlebt. Machen wir es ebenso kurz wie die beiden Herrschaften hier im Schulhof der Gündlkofener Grundschule: Nachdem Frauchen Franzi in ihrem ungestümen Bewegungsdrang etwas gebremst hatte, indem sie deren Hinterleib unterstützte, damit Fetzis Zielansprache Der F-Wurf geht in Produktionpräziser wird – bewegliche Ziele sind nur für den erfahrenen Schützen eine Herausforderung, für alle anderen sind sie der Vorhof zur Hölle – nachdem also Franzi zur Ruhe gebracht wurde, geht alles ganz schnell: Ziemlich genau um 18:10 Uhr hängen die beiden und tauschen Körperflüssigkeiten. Das einzige Problem, das sie haben, ist, dass Fetzer, wie sein Papa Bruno (Banani B. von Ranzi’s Räubern), kein Riese ist und deshalb das linke Hinterbein beim Hängen nicht mehr auf den Boden bringt, was ihn dann fünf Minuten in diesem hängeschwebenden Zustand fixiert. Bequem ist anders, aber in dieser Situation trachtet keiner nach Bequemlichkeit. Dann ist es 18:15 Uhr und vorbei, und wir hatten den unspektakulärsten und schnellsten Deckakt Sie können nicht mehr von einander lassenvon allen erlebt. Turbo-Fetzi und Flitzefranzi – was da wohl raus kommt? Fetzis Chef, auch er ein Neuling in diesem Geschäft, fragt etwas verwirrt, ob es das schon gewesen sei, er habe sich auf zwei Stunden eingerichtet. Ja, das war es. Wir verstauen die Hochzeiter in den Autos und fahren zum Hochzeitsmahl in den Biergarten in Kronwinkl, erledigen die Formalitäten und gehen als mutmaßliche Eltern gegen 21 Uhr wieder auseinander.

Das Widersehen mit Anouk, die wir selbstverständlich zuhause gelassen hatten, war anouktypisch. Erstens hatte sie sicher den Braten schon gerochen, bevor wir die Heckklappe geöffnet und Franzi aus dem Auto entlassen hatten. Sie nimmt rund ums Auto eine Vielzahl von Geruchsproben, steckt ihre Nase entrüstet unter Franzis Rute und steigt auf, wie sie das in diesen Tagen ständig tut. Diesmal ist es aber kein Lesbenritual, sondern der Versuch einer Exortion. Das geht schief. Dann wird Futter gereicht. Franzi schlägt sich sichtlich zufrieden voll, Anouk verweigert ihr Lieblings-Trockenfutter mit versteinerter Miene: No want! Und dann gibt sie die letzte Probe ihres Unmuts zu Protokoll. Als wir den beiden zum Tagesabschluss einen Ochsenziemerkopf zum Knabbern geben, verweigert sie diesen zwar nicht, sie ist ja nicht auf Selbstverwirklichungstripp - sie verspeist ihn in ihrem Kuddebett, während Franzi den ihren mit uns zusammen auf der Terrasse schlotzt. Normalerweise ist das ein Unding; bei Knabberzeug besteht Anouk an 365 Tagen im Jahr darauf, dieses im Garten zu verspeisen, egal wie die Wetterlage ist und Franzi ist meist sehr glücklich mit einem Knabberplatz im Haus, am besten auf dem Sofa, versteht sich. Und jetzt das: Anouk straft uns mit Verachtung und knabbert unter Ausschluss der Öffentlichkeit. An diesem Hund kannst du wirklich zerschellen.

Für morgen, sonntags, haben wir keine Pläne. Wir sind früh in Franzis Fertilitätsphase, der Eisprung wird morgen erfolgen, und so haben wir keine Eile und uns noch einmal für Montag 18:30 Uhr in der Gündlkofener Grundschule verabredet. Uns ist es recht, erstens soll es morgen noch wärmer werden als heute und zweitens werden sich auch noch die allerletzten Feriennachzügler über die Autobahnen quälen; da müssen wir nicht mitten unter ihnen sein.

 

Montag, 12.9.

Doppelt genäht hält besserNachdem Frauchen den ersten Schultag nach den Ferien hinter sich gebracht hat, treffen wir uns mit Fetzer um kurz nach halb sieben wieder in der Gündlkofener Grundschule. Fetzers Lernkurve geht gegen vertikal. Schon beim Anblick unseres Autos erstarrt er. Als er seine Geliebte dem Auto entsteigen sieht, ist er wie ein infrarotgesteuertes Projektil unbeirrbar auf sein Ziel fixiert. Herrchen muss ihn mit dem Hintern nach vorn, den Kopf rückwärts zum Ziel gerichtet, hinter sich her ziehen, die Ballen qualmen und aus Fetzer steigt auch eine Art Rauch auf. Er steht unter Volldampf. Heute muss Franzi keine Sondereinladung auspinkeln, Fetzi ist sofort auf Kurs. Nur Franzi zeigt sich heute etwas spröder. Das liegt nicht daran, dass ihre Noch einmal inniglich verbundenDeckfähigkeit schon abgelaufen wäre. Was dem Ende entgegen geht, ist ihre Deckbereitschaft und das ist etwas ganz anderes. Aber so ist Franzi. Bei Bruno war es dasselbe: beim ersten Treffen gibt sie alles, damit dem genetischen Programm Genüge getan wird, beim nächsten Mal tut sie bestenfalls noch ihre Pflicht. Rumblödeln, das wär’s jetzt, so ein „nackiges Lackeln“ ohne Penetration, Spaßgesellschafterin wäre sie jetzt gerne, aber da haben wir etwas dagegen. Nachdem sie sich Fetzer einige Male entzogen und ihn listig mit Vollgas durchs Gelände gelockt hatte, dass dem armen Kerl schon die Zunge bis zum Boden hängt, sieht alles nach Kapitulation aus. Doch plötzlich hat er sie nieder gerungen und lässt sie nicht mehr aus – er hat sie tatsächlich am Kanthaken. Franzi fühlt sich übertölpelt und will raus aus der Umklammerung. Weil wir in der Situation gar nicht mit dem Vollzug gerechnet hatten und der Liebhaber, hängend, schon über die Dame steigen will, was ihm wegen seiner Größe nicht gelingt, und bei der Dame Fluchtreflexe auslöst, ist das Deckpersonal zu einer ungeplanten Sprinteinlage aufgefordert. Es geht alles gut, die beiden können unter Kontrolle gebracht werden, bevor sie versuchen, vor einander Reißaus zu nehmen und sich dabei ernsthaft zu verletzen. Diese Hängepartie dauert, wie auch die zweite bei Bruno, deutlich über zehn Minuten, und dann ist es endgültig vollbracht. Um kurz nach sieben sagen wir Adieu, wünschen uns gegenseitig einen schönen Wurf und gehen fürs erste jeder seiner Wege.

Überm Land liegt eine laue, farbendurchflutete Spätsommernacht wie das kitschige Echo auf eine ebensolche Romanze. Doch angesichts des Decktermins rund um diesen historischen 11. September herum, stellt sich ganz unromantisch eigentlich nur eine Frage: nine oder eleven?
In etwa vier Wochen, nach dem Ultraschall, wissen wir mehr und spätestens um den 12. November herum liegt die ganze Wahrheit in der Kiste.

Als Vermählte grüßen

Fetzer vom Vögele Hof und Franzi vom Fuchsiengarten

Fetzer vom Vögele Hof und Franzi vom Fuchsiengarten