G-Deih und G-Schrei

Tagebuch G-Wurf

G-Deih und G-Schrei - Die G-Schichte von Fiannas G-Schwader: Woche 8

8. Woche (03. 11. - 11. 11. 2015)

Dienstag, 03.11.2015

Der Countdown läuft. Von nun an geht's bergab.

Vorweg aber macht sich morgens helles Erstaunen breit, als wir nur neun stramme Häuflein in der Küche vorfinden, und das nach diesem stuhlgangabstinenten Abend. Das Geheimnis ist natürlich, die Bande vor dem Aufwachen zu erwischen. Wenn sie einmal wach ist, gibt es kein Halten mehr. Aber nun, da sie alle draußen im Garten sind, füllt sich dieser mit einer ansehnlichen Menge von Endmoränchen. Und wenn wir die ein wenig liegen lassen, könnten wir sie fast mit bloßen Händen aufsammeln - bei -2° C. Und dieser Morgen ist von einer glasigen Klarheit, das Licht wie gefangen in einer Kristallgrotte. Dieser Himmel tut, als hätte er das Wort Abschied nie gehört.

Die Waage verzeichnet heute einen neuen Zuwachsrekord: 410 g von Grappa an einem Tag! Vor kurzem staunten wir noch über 500 g an zwei Tagen. Große Bewegungen und Wachablösungen sind aber nicht zu verzeichnen: Girgl 6250 (+320), Greco 5950 (+230), Grappa 5900 (+410), Grille 5640 (+300), Gustl 5640 (+180), Gamba 5500 (+220), Gosh 5460 (+150), Gruschel 5410 (+340), Greta 5370 (+350), Gaudi 5360 (+290), Gundel 5160 (+240).

 MG 9036 200Auf ihn mit Gebrüll!Nach diesem brillanten Morgen steht ein langer und sonniger Spieltag auf dem Programm. Ein neuer Spielgefährte ist Gulliver, der lila Plüschbär, und das G-Schwader beschließt offenbar einstimmig: Gulliver muss sterben, zumindest aber muss er raus, weg aus dem Paradies. Vertreibung. Abschiebung. Verschleppung. Es macht uns schon nachdenklich, dass die Schlange und das Krokodil als Lieblingsschlaf- und Kuschelplätze dienen, der einfältige rosa Bär aber keinerlei Daseinsberechtigung zu haben scheint. Ist das nun auch wieder Natur, wie beim Profit und der Moral oder ist es entglittene Kultur?

Wenn das G-Schwader nicht mit Gulliver beschäftigt ist, rast es unermüdlich durchs Paradies. Die Kleinen haben inzwischen ein blindes Verständnis mit ihren Beinen, kennen die Tücken und Heimtücken jeder Ecke, fallen kaum noch auf irgendwelche Fallen herein, obwohl sich der Garten laufend selbständig verändert: Bretter werden verschoben, Tunnels rollen mit dem Wind, stehendes Gerät wird umgerannt und wird zum liegenden Gerät. All das bereitet den Zwergen keinerlei Kopfzerbrechen mehr, als wären sie sich bewusst, dass sie selbst die kreativen Umgestalter ihres Gartens wären. Sie haben sich ihre Welt untertan gemacht. Und nun sollen sie sie schon bald wieder verlassen...

IMG 9064 200Wir wollen wieder rausWie wenig selbst diese kleine Zwergenbande Lust darauf hat, ihren Paradiesgarten zu verlassen, demonstrieren sie uns abends, als wir sie, ihrer Meinung nach, zu früh ins Haus holen. Jetzt besinnen sie sich wieder einmal auf ihr profiliertes Protestpotential und plärren sich, an der Sperre zum Transit hängend, die Seele aus dem Leib und uns die Ohren vom Kopf. Ton- und Taktgeber sind Grappa und Girgl, der Grieche hat offenbar derzeit nichts zu sagen oder er hat seine Stimme abgegeben. Und schau mal einer an: Gundel, die künftige Oberschwäbin, mausert sich zur Oberprotestantin. Na, da kommt sie ja hin, wo sie hingehört.

 

Mittwoch, 04.11.2015

IMG 9071 200Auf Frauchens Arm kann Gaudi sogar das Magengrimmen ertragenNun also doch! Gaudi hat Spritzdurchfall. Die Lache, die er morgens in die Küche spritzt, sieht ungefähr so aus wie das pürierte Platinum, stinkt aber bestialisch. Und Gaudi verweigert auch das Frühstück. Immer erwischt es die Zartesten zuerst. Das Problem ist, dass die Welpen in den ersten Wochen ihre Immunisierung durch die Muttermilch erhalten, wenn die Mutter aber nicht mehr liefert, baut der Immunschutz schnell ab. Ein externer Immunschutz durch Impfung ist aber frühestens in der achten Woche sinnvoll, weil der jetzt noch vorhandene Immunschutz der Mutter eine Impfung wertlos machen würde. Andererseits reicht er nicht mehr aus, die Welpen vor Angriffen zu schützen. Diesen Zustand zwischen zwei wirksamen Immunisierungen nennt man auch Immunlücke, und in die können Viren und Bakterien nahezu ungehindert stoßen. Bisher hatten wir zweimal Infektionen, beide Male ziemlich heftig. Wir können jetzt nur abwarten, was aus der Gaudi-Geschichte wird. Wir helfen ihm mit mehreren Gaben Nux Vomica und Oral Pädon und gegen 11 Uhr ist er schon wieder auf dem Weg der Besserung, ist mit den anderen unterwegs und frisst einer Rose das Etikett weg. Die Rose schützen wir mit dem bodenlosen Eimer, der bisher Teil des Welpenparcours war; Gaudi braucht unseren Schutz nicht mehr. Wenn das tatsächlich alles gewesen wäre, müssen wir uns nicht beklagen, normal ist, dass die Welpen 24 Stunden platt und elend sind und dann wieder wie Phönix aus der Asche auferstehen. Alles vorbei. Wenn das wirklich alles war, dürfte es als Gaudi-Syndrom in die Geschichte des Blues eingehen. Aber längst ist nicht aller Tage Abend.

Der malade Gaudi macht uns ganz kopflos, weswegen wir vergessen haben, der Statistik den ihr gebührenden Raum einzuräumen. Auf der Waage zeigen sich heute drei Gruppen: die S-Klasse, also die mit 300 g und mehr, die Z-Klasse (Zwischenklasse), die ausschließlich aus Greta besteht mit 250 g und dann die A-Klasse (Abstinenzklasse) unter 200 g. Zur S-Klasse zählen Girgl (370), Gosh (320), Grappa (300) und Grille (300). Dazwischen Greta mit 250. Die A-Klasse rekrutiert sich aus Greco (190), Gamba (190), Gundel (150), Gruschel (140), Gaudi (130) und Gustl (120). In der Praxis bedeutet das, dass Greco seinen sicher geglaubten zweiten Platz wieder an Grappa verloren hat und dass Gosh und Gamba sowie Greta und Gruschel die Plätze getauscht haben:

Girgl 6620 (370), Grappa 6200 (300), Greco 6140 (190), Grille 5940 (300), Gustl 5760 (120), Gosh 5780 (320), Gamba 5690 (190), Greta 5620 (250), Gruschel 5550 (140), Gaudi 5490 (130), Gundel 5310 (150).

Gegen 9 Uhr trifft hoher Besuch beim Blues ein: Susann, die diplomatische Vertretung von Bjarni (Barni), dem Papa des G-Schwaders. Normalerweise ist das die Gelegenheit, unseren Welpenkäufern den Vater vorzustellen, aber das klappt eben nicht immer, zum Beispiel klappt es nicht, wenn der Papa nicht allein lebt, sondern mit anderen Hunden, Katzen und Pferden, die alle versorgt sein müssen. Dann muss sich eben die diplomatische Abordnung alleine auf den Weg machen, und Susann wollte die lange Strecke von Hildesheim nicht mit dem Auto fahren. Deshalb kommt sie ohne Barni eingeflogen. Und nun ist sie da und wir freuen uns von ganzem Herzen, sie ein paar Tage bei uns zu haben.

 MG 9115 200Die stolze Deckrüdenbesitzerin beim BabyshootingUm 11 Uhr packen wir die wilde Elf wieder einmal ins Blues-o-Mobil und kutschieren sie ins Grüne, nur etwa zwei Kilometer in Richtung Sterneck, wo wir sie bei einem Modellflugplatz ins Freie setzen. Es ist Frühling im Mangfalltal und mehr als die völlig neue Umgebung machen den Zwergen die 15° C zu schaffen; es ist richtig warm. Fiannas Kinder zeigen keine Scheu vor der neuen Umgebung und flitzen ziemlich munter herum. Klar, dass der eine oder die andere den Kompass falsch justiert hat und seine Einheit verliert, aber das ist schnell geregelt. Es stehen ja genug Hände zur Verfügung, zumal noch zwei Bekannte mit einem Kleinkind dazukommen, wodurch, vom Baby abgesehen, auf elf Welpen zehn Hände kommen. Natürlich gibt es auch in diesem Kindergarten Abenteurer, die sich beispielsweise in einen hüfthohen Wassergraben verlaufen, der dankbarerweise kein Wasser führt. Aber man muss durch das Ufergestrüpp steigen, um einen solchen Irrläufer wieder aus dem Loch zu fischen. Ganz wichtig hat es bei solchen Aktionen natürlich Mama Fianna, ohne deren Mitsprache und Einmischung nichts geht; sie ist ständig um ihre Kinder, hat alle im Blick, führt sie herum und zeigt ihnen ihr angestammtes Revier. Und wie sie es von ihrer Mama Franzi gelernt hat, zeigt sie ihren Kindern die lieben Mäuslein und bringt ihnen bei, wie man ihnen auflauert.  MG 9120 200Gamba, Gruschel und Greta zeigen schon, was sie von Mama Fianna gelernt habenUnd schon stecken drei die Köpfe in den Boden und machen sich mit den Gerüchen und Tönen aus der Unterwelt bekannt. Zum Schluss der Einweisung gelingt es Fianna doch tatsächlich, eine Maus zu erwischen, was sie bis zu dem Augenblick noch nie geschafft hat, aber der Stolz der Mutter lässt sie über sich hinauswachsen. Wir trotzen ihr das Mäuslein wieder ab und sie gibt es unter leisem Protest wieder her. Nun wissen ihre Kinder also auch wie die Mäusejagd funktioniert. Wir haben immer gesagt, dass wir nur nahezu fertig ausgebildete und lebenstaugliche Hunde übergeben. Ein Reh oder ein Fuchs war leider gerade nicht abkömmlich...

Der morgens noch angeschlagene Gaudi ist munter dabei, sucht sich allerdings früh einen Schatten. Die Idee finden auch andere nachahmenswert, und schon liegt die Meute zusammen und döst. Völlig unbeeindruckt, weg vom Lager, sozusagen mitten in der Prärie machen sie ein Mittagsschläfchen. Für uns heißt das, dass 45 Minuten genug sind und wir rufen sie zu uns.  MG 9189 200Sammeln zum HeimwegWir stehen etwa 50 Meter entfernt, und sofort sind alle hoch und stürmen auf uns zu. Das funktioniert also auch schon bestens. Nicht ganz bestens. Zwischen der Spielwiese und den Autos liegt der besagte Graben mit einem nur schmalen Übergang. Als die ersten hinter uns her stürmen, überqueren wir den Graben, um zu den Autos zu gelangen und sie folgen uns natürlich. Aber nicht alle sind so fix wie die ersten, Gaudi zum Beispiel ist noch etwas schläfrig und der Grieche auch. Als die endlich kapieren, was da abgeht, sind wir mit der Hauptabteilung längst über dem Graben, was zur Folge hat, dass die Nachzügler natürlich nicht den Übergang suchen, den sie noch gar nicht kennen können, sondern den kurzen Weg quer durch den Graben wählen wollen. Das ist nun ganz und gar nicht in unserem Sinne, weil wir keine Lust haben, die beiden aus dem Ufergestrüpp zu bergen und herüberzubringen. Also versuchen wir, sie mit der Stimme zu bremsen - und tatsächlich halten sie ein. Dann schicken wir Fianna hinüber, aber auf dem offiziellen Weg, nicht, wie sie es vorhat, mit einem mächtigen Sprung, und siehe da: Die zwei Träumer lassen sich von ihrer Mama brav auf den rechten Weg führen. Ist doch schön, wenn eine Mutter noch so viel Autorität hat. Um 12 Uhr sind wir wieder im Paradies und die Freigänger sind fürs erste richtig platt. Es gibt ja auch viel zu verarbeiten. Ab in den Schlaf.

Nachdem die kleinen Wandervögel sich erholt haben, geht es wieder rund im Paradies - und Gaudi ist mit vollem Einsatz dabei. Wenn es nicht mehr war, was der Virus zu bieten hatte, soll's uns recht sein.

Am späten Nachmittag gibt es Rinderpansen in schönen Fetzen; das ist natürlich noch etwas anderes als der bekannte Ziegenpansen. Da läuft die Bande aber zu voller Form auf und man schenkt sich nichts - und zwar im Wortsinn. Vor allem Greco gibt absolut nichts her und kämpft um jeden Bissen. Die Mutter wird von uns auch reichlich beschert, damit sie nicht auf dumme Gedanken kommt. Und so findet jeder schließlich ein lauschiges Plätzchen, um das gummige Ding zu zerwirken. Nur wir müssen aufpassen, dass sie die Reststücke nicht im Ganzen verschlucken, aber auch in dieser Hinsicht sind sie schon wahre Meister. Nach dieser Sonderspeisung entfällt heute die abendliche Fleischmahlzeit.

IMG 9195 200Grappa mit Sonderrechten Wir genießen zusammen mit Susann und Chrissi den Abend und plaudern uns die Nacht lauschig. Gaudi und Grappa streifen noch herum und wollen noch nicht schlafen, also holen wir sie kurz entschlossen in unsere Tafelrunde, was ihnen offenbar nicht übel gefällt. Ganz brav sind sie und fast schon Teil der Familie. Die geben wir einfach nicht weg...

 

Donnerstag, 05.11.2015

Es zieht wieder ein schöner Herbsttag ins Land; morgens ist es zwar noch leicht bewölkt, aber dann wirft der Himmel alles von sich und beweist mit strahlenden 16° C nachmittags, dass der Herbst wirklich noch reichlich schöne Tage haben kann. Was immer in den letzten Tagen noch passieren sollte: Wir hatten bisher einfach nur ein unverschämtes Glück mit dem Wetter.

Gaudi ist immer noch stabil, was man von seinem Kot noch nicht so recht sagen kann. Wichtiger ist im Moment, dass alle anderen keine Anzeichen einer Krankheit zeigen.

Es überrascht uns nicht, dass Gaudi gestern nur 40 g zugenommen hat, eher, dass auch die anderen sich sehr zurückgehalten haben, wenn man mal von Grille mit 210 g absieht. Aber das Gesamtergebnis sieht doch recht bescheiden aus; vorgestern konnten wir 3030 g melden, gestern 2460 g und heute landen wir bei 1460 g. Wir ahnen, dass es an der ausgefallenen Fleischmahlzeit liegt und der Pansen zwar den Magen füllt, aber, wie man weiß, einen deutlich geringeren Nährwert hat. Weil sich alle so bescheiden gegeben haben, ist auch die Tabelle ohne besondere Vorkommnisse:

Girgl 6760 (+140), Grappa 6320 (+120), Greco 6300 (+160), Grille 6150 (+210), Gustl 5930 (+170), Gamba 5870 (+180), Gosh 5830 (+50), Greta 5700 (+80), Gruschel 5670 (+120), Gaudi 5530 (+40), Gundel 5500 (+190).

IMGL1716 200Die Aufnahmen mit Grille entlarven die Hilfsmittel, ...      Foto: C. PinnekampWir n MG 9339 200...die für die "Poser"-Fotos zum Einsatz kommen.
Hier: Grappa
utzen das Prachtwetter für eine Foto-Session im Grünen: Einzel-Shooting für den Welpenordner. Dazu werden die kleinen Herrschaften einzeln auf die Wiese, gleich um die Ecke, gebracht, und während die Chefin den Pausenclown und die Animateurin gibt, liegt der Vize im Gras und feuert aus allen Rohren. Heute gibt ihm auch Chrissi noch Feuerschutz und feuert ebenfalls, was das Zeug hält. Bei den meisten Modellen ist die Aufgabe nicht allzu schwierig, aber ein paar wenige haben immer den Teufel im Leib und Hummeln im Hintern. Gruschel ist so eine, die keinen Augenblick stillhalten will, dauernd auf Achse ist und es nicht abwarten kann, den Fotografen persönlich zu begrüßen. Grille und Grappa sind vom gleichen Schlag, eine echte Herausforderung an die Animateurin, diese Quecksilber-Sister für wenige Sekunden in einer "Passfoto"-Position zu stabilisieren. Heute brauchen wir keine sausenden und tobenden und kletternden Motive, heute hätten wir gerne ein Motiv wie aus dem Mädchenpensionat: still sitzend und ebenso freundlich wie herzerweichend blickend. Herzerweichend ist bei diesen Mädels nur der Nervenabrieb beim Studiopersonal.  MG 9256 200Eine Sekunde nicht aufgepasst, und schon mopst sich Gruschel den FederfeudelGaudi gehört auch zur Zickzack-Fraktion, aber ihm verzeihen wir das, weil seine Umtriebigkeit nur ein Beleg seiner völligen Genesung ist. Aber natürlich setzt auch er unsere Nerven auf eine harte Probe. Als Gegenmodell profiliert sich Greco, bei dem es nicht darum geht, ihn für einen Moment zur Ruhe zu bringen: Er bricht ständig unter der Last seines Ziegen-Pansen-Ripperl-Ranzens zusammen, als ob ihn seine Beine nicht mehr tragen wollten. Der Vize fühlt sich an das Distichon des Simonides erinnert, der den Toten der Thermopylenschlacht von 480 v. Ch. ein Denkmal setzt: "Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest uns liegen gesehen, wie das Gesetz es befahl." Nur dass diesem Mangfalltal-Griechen kein Gesetz befahl, sich auf die faule Haut zu legen oder den toten Mann zu spielen, im Gegenteil. Schließlich kriegen wir auch ihn noch auf die Beine, was bei den erschlagenen Spartanern leider nicht mehr gelang. Einen Sondereinsatz bekommt Gruschel noch, weil Carl und Katharina die Fotoaktion aus ihrem angrenzenden Garten genauestens verfolgen und Gruschel, die Rote, wie sie sie wegen ihrer roten Nackenmarkierung nennen, in ihren Garten einladen. Dazu lässt sich die Rote nicht zweimal bitten und mischt innerhalb von Sekunden den ganzen Garten auf: Objekt der Gruschelbegierde sind zwei Laufenten, die ordentlich in Bewegung geraten, als ihnen Gruschel ein kleines Round-Up anträgt. Der ganze Hund ist ein einziges Spaßpaket: fliegende Ohren, fliegende Beine, flatternde Zunge und Augen wie Sternwerfer. Maximaler kann sich Lebensfreude nicht ausdrücken, auch zum Vergnügen der Kinder und der ganzen Familie, weniger zu dem der Enten. Gruschel, die Chefbotschafterin für Hundefrohsinn.  MG 9379 200Welpentaxi beim Bairischen BluesNachdem dieser spezielle Ententanz und das Shooting vorüber sind, packt die Chefin fünf aus dem G-Schwader in Anouks Gitterbox (die sie nie mehr benutzen sollte) und schiebt sie nochmal hinüber auf die Wiese, um dort Chrissi und Susann Modell zu stehen. Wie sie da zusammengepfercht unterwegs sind, vermitteln sie eher den Eindruck von Käfighühnern auf einem asiatischen Wochenmarkt, als den stolzer und freier Hovawarte. Sekunden später ist der Eindruck wie weggewischt und die einzig traurige Gestalt der Szenerie ist die von allen guten Geistern verlassene Gitterbox. Nun haben wir wirklich genug Bilder im Kasten, um unseren Welpenordner und noch ein paar Galerien damit füllen zu können.

Abends schlägt dann der Virus wieder zu: Gamba verweigert das Futter und erbricht sich. Grappa liefert breiigen Stuhl. Und gegen 23 Uhr findet der Vize eine stinkende, braune Lache in der Küche vor, ohne Absender. Möglicherweise ist Grille die Verursacherin, die sich so weit zurückgezogen hat, dass der Vize sie beim Zählappell, bei dem er nur auf zehn kommt, erst gar nicht findet. Erst ein zweiter und sehr genauer Blick identifiziert sie tief hinter dem Korb mit Handtüchern.

Eigentlich müssen wir dem Virus dankbar sein, denn ohne ihn wäre uns bei dieser braven Gesellschaft schon lange der Erzählstoff ausgegangen.

 

Freitag, 06.11.2015

6 Uhr, halbamtliches Bulletin aus dem Krankenlager: Grille ist krank und erbricht Schleim. Gamba ist auch reduziert. Die anderen scheinen momentan ohne Befund zu sein.

Wir sind gespannt, wie sich das Krankheitsbild auf der Waage widerspiegelt. Girgl zeigte keinerlei Anzeichen von Unwohlsein, kam aber dennoch über 170 g plus nicht hinaus (6930). Grecos verhaltene Motorik und Geistesgegenwart am Futter verhalf ihm zu weiteren 350 g, was ihn auf 6650 g anhebt und seiner gelben Schwester Grappa weiter enteilen lässt. Die mäkelte sich auf 90 g hoch, obwohl wir bei ihr nichts erkennen konnten, was auf einen Virusbefall hindeutet (6410). Noch bescheidener, aber eindeutig virusgeschwächt kommt Grille aus der Nacht: +40, 6190. Gustl geht unbeirrt seinen Weg: 6100, +170. Nun müsste sich eigentlich Gamba anschließen, aber die lässt auf sich warten. Gosh ist an ihre Stelle gerückt: 6020, +190. Darauf folgt Greta, die sich gestern offensichtlich in jeder Hinsicht schadlos gehalten hat: +300 und glatte sechs Kilo. Und plötzlich taucht da der rekonvaleszente und offenbar wiedergeborene Gaudi auf, als ob ihm der Virus einen Turbo eingepflanzt hätte: 420 g plus, eine Monstermarke und 5950 g, nur knapp die 6000er-Marke verfehlt. Immer noch keine Gamba. Zuerst meldet sich Gruschel: +190, 5860. Und erst jetzt, mit 130 g minus auf den vorletzten Platz gerutscht Gamba (5740); da hat der Virus jetzt schon ganze Arbeit geleistet und sie ist noch längst nicht durch. Am Ende schert sich Gundel um nichts, legt 160 g zu (5660) und lässt sich von der Unruhe vor ihr nicht anstecken.

Zum Frühstück gibt es heute gekochtes Hühnchen mit Reis, dazu Bactisel (Darmflora) und Ulmenrinde (Magen). Gamba und Grille verweigern das Frühstück. Vormittags erbricht sich Gamba immer wieder mal und hat fast 39° Fieber. Ihr geht es wirklich nicht gut. Und dann fängt auch Gosh an, sich seines Mageninhalts zu entledigen. Das trifft sich wirklich gut: Heute ist nämlich Impftermin!

Um 11 Uhr packen wir alle, auch die Kranken, unterstützt von Annemarie, die ihre Doosie heute zuhause ließ, ins Auto und fahren nach Stephanskirchen zu unserem Doc des Vertrauens. Gamba bekommt einen Vorzugsplatz auf dem Schoß der Chefin, die anderen verhalten sich sehr pfleglich, weil ihnen die Fahrerei nun schon sehr bekannt vorkommt.

Beim Tierarzt angekommen sind sofort alle Hände zur Stelle, um unsere Fracht zu entladen (an solchen Tag nimmt sich komischerweise kaum jemand frei), und so füllt sich das Sprechzimmer mit elf Welpen einer Kindsmutter, einer Ärztin, einer Annemarie, einer Chefin und einem Vizechef und dann noch mit bis zu vier Helferinnen. Ein ganz schöner Aufmarsch für einen so banalen Anlass: Impfen, Chippen, Blutentnahme. Die Zwerge verteilen sich nach ein paar Erkundungsrunden im ganzen Raum und legen sich zur Ruhe. Das Begleitpersonal füllt währenddessen den Abfalleimer mit durchgepinkelten Fließtüchern. Und dann schreiten wir zur Tat. Als erste wird Gamba auf Herz und Nieren untersucht und wegen des Fiebers vom Impfen ausgeschlossen. Gechippt wird sie aber und Blut für die Forschungsdatenbank muss sie auch abliefern. Das tut sie ohne Murren und mit einer Tube Nutri-Cal zwischen den Zähnen, eine Vitaminpaste, die seit Blues-Generationen die meisten Kandidaten vergessen lässt, was mit ihnen geschieht. IMG 9418 200Vorne schmeckt's gut nach Vitaminpaste, da ist Gosh der Pieks hinten total egalGrille und Gosh werden auch eingehend auf Herz und Nieren untersucht (wie natürlich auch alle anderen) und fürs Impfen freigegeben. Auch sie machen keine weiteren Umstände, schlabbern vorne ihre Paste und lassen hinten hinten sein. Diesmal haben wir einen sehr überschaubaren Anteil unverträglicher Patienten, nämlich nur zwei. Vor allem, und das müssen wir betonen, verhalten sich die Buben richtig tapfer; sie sind es nämlich, die üblicherweise am meisten herumplärren und -zicken, als ob man sie schlachten wollte. Sie geben sich revolutionär, obwohl sie nur die Hosen voll haben. Nicht so die G-Schwaderbuben. Außer Girgl. Der verweigert jede Mitarbeit, vor allem klemmt er die linke hintere Vene ab, die, wie bei allen, zum Blutspenden vorgesehen ist. Girgl klemmt hinten und mault vorne, verweigert sogar konsequent die Vitaminpaste. Nach der halben vorgeschriebenen Dosis Blut versiegt die Quelle und wir müssen ihn auch rechts zur Ader lassen. Das hat er nicht bedacht, der Trotzgockel, jetzt wird er auch noch rechts malträtiert. Schließlich ist das Röhrchen voll und Girgl hat die Nase voll, aber durch seine Renitentz trägt er nun als einziger zwei blaue Verbände an den Hinterbeinen, das Fußvolk hat nur einen - unübersehbare Insignien der Macht; der General hat ja auch mehr Lametta als der Kanonier.

Doch Girgl ist nicht als einziger verhaltensauffällig: Gundel steht ihm nicht nach. Für uns kommt das nicht überraschend, weil die anfangs eher zurückhaltende Gundel in letzter Zeit mächtig an Profil gewonnen hat und offensichtlich heute eine Kostprobe ihrer Widerstandskraft und ihres Willens geben will. Gundel sagt sofort "bäh" zum Nutri-Cal, obwohl sie noch gar nicht richtig weiß, was ihr blüht und dann verweigert sie die Blutabnahme links komplett, sie wehrt sich so, dass die Ärztin nicht einmal zum Stich kommt. Also probieren wir es rechts - und jetzt klappt es seltsamerweise ohne größere Gegenwehr. Aber mit Vitaminpaste lässt sie sich auch weiterhin nicht bestechen; wenn die Laune schlecht ist, soll sie es bitteschön auch bleiben. Blöd nur, dass sie sich links gar kein Tröpfchen abzapfen ließ, so muss sie auf die zweite Beinschärpe verzichten, die Girgl doch einiges an Solitärglanz beschert.

IMG 9394 200So ein Tierarztbesuch macht ganz schön müdeAber mit allen anderen läuft die Aktion wie am Schnürchen und so sind wir um halb zwei wieder zuhause, und die Zwerge haben auch das hinter sich. Außer Gamba, die muss noch einmal antreten, was nicht problematisch ist, weil sie später abgeholt wird, wodurch wir nicht in Zeitnot sind.

Dieser Tag ist gelebt und irgendwie gebraucht. Es zerrt schon an den Nerven, wenn der Nachwuchs schwächelt und sichtbar krank ist, obwohl wir uns über den Grad der Krankheit nicht zu beschweren brauchen. Das geht viel schlimmer.

Gamba, Grille und Gosh bekommen abends nochmal Hühnchen mit Reis wie morgens, die anderen Fleisch. Gosh und Grille scheint es zu munden, nur Gamba lässt die Hälfte liegen. Die hat es kräftig erwischt.

 

 Samstag, 07.11.2015

Morgens finden wir wieder eine braune Lache in der Küche vor, Absender natürlich unbekannt.

Die Gewichtstabelle schüttelt es heute kräftig durcheinander, weil die Kranken zum Teil deutlich an Gewicht verloren haben, was kein Wunder ist; die Zwerge haben in diesem Alter einfach noch nichts zuzusetzen, die wirbelt jedes Lüftchen kräftig herum. Girgl ist jetzt ein Vierzehnpfünder, und zwar so demonstrativ, dass man fast noch seinen Zorn auf die gestrige Zumutung beim Tierarzt herausspürt: 440 g (7370). Grecos Zuwachs hält sich zwar in Grenzen, aber er lässt nichts anbrennen: 6790 (+140). Grappa bringt auch heute nur 90 g zustande; das sieht fast so aus, als ob sie latent mit dem Virus im Clinch läge (6500). Gustl ist eindeutig stabil und ohne Befall: 6300 (+200). Auch Greta geht allen Anfechtungen bislang aus dem Weg und dokumentiert das mit beachtlichen 260 g (6260). Ein Jungbrunnen war der Virus für Gaudi; nach der gestrigen Hausse von 420 g, legt er heute nochmal 240 drauf und schwingt sich über die Sechs-Kilo-Marke. Gruschel legt 200 g auf und steht bei 6060 g. Aber jetzt geht es in den Keller: Grille verliert 170 g und bringt heute 6020 g auf die Waage. Auch an Gosh ging die Attacke nicht spurlos vorüber: -90 g (5930). Gundel muss keinen Tribut an den Virus zahlen und verlässt mit 5800 g (+140) den letzten Platz. Auf dem kauert nun die etwas eingefallene Gamba, die nochmal 290 g abgenommen hat (5450). Das ergibt am 54. Tag eine Gesamtbilanz von 1160 g. Was müssten wir wohl heute ohne unseren Rudel-Pykniker Girgl, und den Gustls, Gruschels und Gretas protokollieren?

Erfreulich ist, dass alle am Frühstück teilnehmen und keine(r) den Verdacht auf einen Infekt schürt.

Nur dauert dieses Empfinden nicht lange; kaum haben wir es gedacht und uns gefreut, legen sich Greta und Greco nieder. Als wir vom Morgenspaziergang zurück sind, begrüßt uns schon an der Tür der unverkennbare Duft einer braunen Lache. Es ist müßig, darüber nachzugrübeln, von wem sie stammt, wir putzen sie weg, schmeißen die mutmaßlich gesunden in den Garten, wo es zwar ein bisschen regnet, sie aber unter dem Balkon genug Schutz haben. Greco und Greta bleiben in der Hütte, weil sie einfach im Moment nichts dagegenzusetzen haben. Und sie scheinen die Sonderbehandlung zu schätzen.

Nach dem kleinen Regen spannt sich ein herrlich blauer Himmel übers Mangfalltal, was aber nicht verhindert, dass nun Stück für Stück einer nach der anderen schwächelt und sich krank meldet. Eigentlich sind wir nur noch auf Patrouille, um Darmrückstände zu beobachten und zu begutachten, um den Durchblick zu behalten. Durchfall, Erbrechen und Appetitlosigkeit steht heute als Motto über dem Tag, obwohl die Ausprägung der Krankheit nicht sehr stark ist. Die meisten kommen einigermaßen gut damit klar, sind aber eben nicht in der gewohnten Verfassung. Nur Girgl und Gustl tanzen ungebrochen durchs Paradies. Uns kommt der Verdacht, dass sie die Gnade der Erstgeborenen empfangen haben: den Löwenanteil der Kolostralmilch. Diese erste Milch ist das Wertvollste, das eine Mutter mitgeben kann, sie ist eine Art erste Lebensversicherung. Die späteren Welpen bekommen davon immer weniger ab und sind deshalb vermutlich anfälliger. Gaudi war der Drittletzte, Gamba die Vorletzte und Grille die Letzte. Grille ist ein besonders kräftiges und stabiles Mädchen und konnte sich deswegen länger zur Wehr setzen, aber die anderen beiden sind von der zarteren Sorte, und schon erwischt es sie. Dass sich dann die anderen mit der Zeit anstecken, überrascht natürlich nicht. Unter diesem Aspekt versteht man, warum es keine Kleinigkeit ist, wenn eine Hündin nicht säugt oder säugen kann.

Ein solcher Virusbefall kommt natürlich nie gelegen, aber wenn er mit dem Impftermin und heute mit der Wurfabnahme zusammentrifft, kommt er besonders ungelegen. Andererseits sind die Welpen zu einem so späten Zeitpunkt schon erheblich widerstandsfähiger als eine oder zwei Wochen früher. Irgendwie passt eine Krankheit eben nie.

 MG 9531 200Unsere Zuchtwarte Christine und Geli bei der Protokollierung der ErgebnisseNachmittags  MG 9550 200Geli und Gamba zeigen die "moderne" Form der Zahnkontrolle: Finger in Welpies Maul, Welpie beisst drauf, dann die Abdrücke zählenkommt also zum letzten Mal das Normenkontrollkomitee, um unseren Kindern, na, sagen wir mal, die Taufsprüche mit auf den Weg zu geben. Selten ist es uns leichter gefallen, eine Wurfabnahme zu protokolieren: Es gibt kaum etwas zu bemängeln. Die optischen Mängel sind geringfügig wegen der teilweise knappen Marken. Sonst ist alles ohne Beanstandung. Alle zeigen sich bei der Erscheinungsbildbeurteilung gelassen und freundlich. Beim Wesenstest in einem unbekannten Raum sind fast alle mit Feuer und Flamme dabei, zeigen zumeist einen ausgeprägten Beutetrieb und viel Neugier und Aktivität. Sie sind lustig und triebig und die Zuchtwartinnen haben dauernd ein Lachen und glänzende Augen in den Gesichtern. Das ist mehr, als man erwarten darf, weil man es kaum schafft, alle Welpen in einem munteren und ausgeschlafenen Zustand zu präsentieren; bei einer Prozedur, die sich über Stunden hinzieht, sind immer welche verschlafen. Aber diese hier sind offenbar schnell putzmunter. Wir müssten lügen, wenn uns das nicht mit Freude und auch ein bisschen Stolz erfüllte.

Jede Regel hat Ausnahmen, und unsere Ausnahmen heißen Gaudi und Greco. Gaudi fühlt sich in dem fremden Raum nicht wohl und verweigert die Mitarbeit, zu der er allerdings sofort bereit ist, wenn man sich mit ihm zusammentut. Solange er alleine agieren soll, stellt er sich quer, gemeinsam wird er aktiv. Ja, solche hatten wir immer schon, kleine Querköpfe, die ihre Unsicherheit in Starre verwandeln. Heute ist bei allen längst der Knoten geplatzt und sie unterscheiden sich nicht von ihren Geschwistern. Was wir aber von Gaudi zu behaupten wagen: Er wird nie eine Einhand-Weltumsegelung wagen, aber zusammen mit seinen Leuten fährt er auch über den Styx. Durch Dick und Dünn wird er mit ihnen gehen.

Greco ist ein Sonderfall, Greco ist gerade auf dem Höhepunkt seiner Auseinandersetzung mit dem Virus. Man merkt ihm an, dass er will, aber nicht kann. Er ist einfach zu schlapp. Wenn immer ihm sein Kopf sagt: "Mach jetzt mal los", knicken ihm die Beinchen weg. Die Zuchtwartinnen haben ihm deswegen auch ins Protokoll geschrieben, dass er krank und nicht im Vollbesitz seiner Kräfte ist. Wir sagen ihnen dafür im Namen Grecos Dankeschön.

Nicht vergessen dürfen wir natürlich Gustl, der nun in seiner Ahnentafel einen Zuchtausschluss wegen seines Keilwirbelchens stehen hat. Aber das wussten wir ja schon und seine zukünftigen Leute auch.

Fianna und Barni, das war eine Glanzleistung! Erst habt ihr offensichtlich wirklich euer Bestes gegeben und dann hat Fianna noch neun Wochen hart hingearbeitet, um aus den Rohdiamanten strahlende Klunker schleifen. Ihr seid wirklich wunderbar!

 

Sonntag, 08.11.2015

Der letzte ganze Tag mit dem G-Schwader. Ein letzter Tag voller schwerer Gefühle. Meist gibt man die Bande mit einem lachenden und einem weinenden Auge ab, weil sie uns einerseits so sehr ans Herz gewachsen sind, andererseits aber so unerträglich und nervig sind und einem das Leben wirklich schwer machen. Fianna Kinder haben uns das Leben bis heute nicht schwer gemacht; sie sind lustig, umtriebig und voller Schalk, aber sie sind keine Vandalen und Dauerkrakeeler. Die Körbe im Küchenblock sind noch immer unangetastet! Da fällt es uns umso schwerer, sie morgen wegzugeben. Ein Trost ist nur, dass wir sicher sind, elfmal eine gute Wahl getroffen zu haben.

Morgens finden wir wieder braune Lachen in der Küche vor, können aber nicht feststellen, dass eine(r) auffällig krank ist. Wir tun also, was wir nun acht Wochen getan haben: putzen und wiegen.

Die Waage verblüfft uns: Girgl hat abgenommen, obwohl wir ihm nichts anmerkten. Vermutlich kämpfte er einen stillen Kampf mit dem Virus, wollte nicht auf seine letzten Tage noch als Weichei verabschiedet werden. Aber das Ergebnis lässt keinen Zweifel zu: -150 g (7220). Grappa ist vorgerückt, weil andere nachgelassen haben: 6600 (+120). Bei Gustl haben wir uns offenbar nicht getäuscht, denn wer sich 300 g anfressen kann, kann nicht krank sein (6600). Und plötzlich taucht der Gaudi da vorne auf, ein "Kriegsgewinnler" nach überstandenem Beschuss: +230 (6420). Greta hatte auch zu kämpfen und tritt auf der Stelle 6260 (0). Grille ist auch wieder bei den Lebenden (6250, +230), ebenso Gosh (6200, +270). Wer jetzt überzeugt war, wir hätten Greco vergessen, der irrt: Den hat es richtig erwischt und ist einmal durchgereicht worden, was bei -590 g (6200) nicht verwundert. Umso bemerkenswerter ist seine Willensleistung gestern bei der Wurfabnahme; der Grieche kann nicht nur im Reifen liegen, er hat Kampfgeist, wenn es darauf ankommt. Chapeau, kleiner Mann. Gruschel ist unauffällig (6180, +120) und Gamba hat wahrscheinlich den Großteil von Grecos Verlust bei sich angelagert (5960, +510). Auch eine Art G-Schwisterliebe. Und für Gundel ist es natürlich nicht zielführend, wenn sie Substanz abgibt, denn so kommt man da unten nicht raus: 5750 (-50).

Der Augenschein, dass niemand sichtbar angeschlagen ist, bestätigt sich beim Frühstück; da hauen alle rein als wäre es die letzte Mahlzeit vor einer Atlantiküberquerung. Wir haben also Hoffnung, dass das Schlimmste vorüber ist.

 MG 9616 200Ob sie schon ahnen, dass es ihr letzter gemeinsamer Tag ist?Der Morgen ist herrlich bei 10° C und der Tag schwingt sich bis auf verschleierte 19° C hoch. Und was machen wir? Wir stellen die Welpenordner zusammen, schreiben hier und da noch ein bisschen um und etwas Neues dazu, legen die Geschenke bereit, bringen den Drucker zum Glühen, stapeln und sortieren Papiere, also alles Dinge, die der Stimmung nicht immer zuträglich sind. Und was machen die Kinder? Sie toben durch den Garten, kacken dünn und erbrechen sich gelegentlich. Aber solange sie so toben können, ist kein Anlass zur Alarmstimmung. Sie sind einfach noch nicht wieder stabil und der Virus verschafft sich einen langen Abgang. Beim Wein schätzen wir das, beim Virus nicht. Jetzt ist sogar Gustl noch ein wenig in den Streubereich des Kometenschweifs des Virus geraten, aber er macht nicht den Eindruck, als ob er ihm klein beigeben wollte.

Und dann ist alles bereit zur großen Abschiedsparty. Nur wir nicht.

 

Montag, 09.11.2015

Es deutet sich wieder ein schöner Tag an und wir tun so, als wenn es nicht der letzte wäre. Wir putzen und wiegen, und dieses Ergebnis wird das Schlussbild des G-Schwaders sein. Also: Girgl ist über dem Berg, den erst die Waage sichtbar machte und die auch heute belegt, dass er nicht ganz ungeschoren davonkam (+80). Dennoch hat es den Anschein, als ob er ein kräftiges Rescue-Paket Kolostralmilch abbekommen hätte. Gustl hat tatsächlich auch noch eine Streifschuss abbekommen (-120), Gruschel hat alles längst hinter sich (+230), Greta ist noch ein wenig angeschlagen (-70), Grappa kann längst wieder lachen (+350), Greco ist durch und auf dem Weg zu alter Stärke (+410), Gundel hat keine Sorgen (+250), Gosh kommt aus dem Tal (+50), Gaudi hat Spaß an der Speckrallye gefunden und mampft sich aufs Stockerl (+290; was'n Endspurt!), Gamba ist längst wieder in alter Form (+350), was auch für Grille gilt (+200).

Dennoch zeigt dieses Bild, dass es Zeit wird, die Zwerge loszuwerden. Grille läutet heute Morgen den zweiten Durchgang des Virus ein und hängt ein bisschen in den Seilen. Das Frühstück lehnt sie ab, ist aber mittags wieder am Napf. Es ist auch dies kein schwerer Beschuss, aber es hört halt nicht auf, wenn sie sich immer wieder gegenseitig anstecken.

Jetzt also das Gewichtsvermächtnis des G-Wurfs vom Bairischen Blues:

Girgl 7300, Grappa 6970, Gaudi 6710, Greco 6610, Gustl 6480, Grille 6450, Gruschel 6410, Gamba 6310, Gosh 6250, Greta 6190 und Gundel 6000.

 MG 9647 200Mama und Ziehmama nehmen ganz alleine Abschied von der RasselbandeWir nehmen uns Zeit für eine abschließende Kuschelrunde, reden den Zwergen noch einmal ins Gewissen, gute und anständige Hovawarte zu werden und ihrer Mama, ihrer ganz großartige Mama, keine Schande zu machen. Und wir sagen ihnen auch, dass es im hohen Norden, wo ihr Papa lebt, auch ein Internet gibt, und der sie auch mit dem liebevollen, aber kritischen Blick eines Vaters verfolgen wird. Sie sollen sich also anstrengen und auch ihren Papa ein bisschen stolz machen. Was soll man sagen? Kinder eben. Sagen "ja, doch" und sind schon wieder fort, wichtige Dinge zu erledigen. Vielleicht ist es auch besser, dass sie sich losreißen, wenn wir es schon nicht übers Herz bringen.

Um 11 Uhr gibt es beim Blues traditionell für alle ein Weißwurstfrühstück. Die ersten trudeln gegen 10:45 Uhr ein - und alle haben strahlende Gesichter. Wir offenbar nicht, denn woher kämen sonst die Fragen, wie es uns jetzt geht. Ja, mei, wie wird's schon gehen? Während des Brunch' erklärt die Chefin den Welpenordner, gibt die nötigen und wichtigen Hinweise und verweist auf die unumgänglichen Pflichten eines Welpenentführers: Erster Anruf nach der Ankunft zuhause, zweiter Anruf nach der ersten Nacht. Alle geloben Gehorsam. Und dann geht es los: Besprechung es Wurfabnahmeprotokolls und Kaufvertrags, Übergabe der Mitgift und - raus mit euch...

Gundel verlässt uns um 12:50 Uhr als erste in Richtung Schwaben. Zehn Minuten später zieht Gustl ins Frankenland. Weitere zehn Minuten später macht sich Greta auf den Weg in den Bayerischen Wald. Das geht so Schlag auf Schlag, dass selbst die Mama den Überblick zu verlieren scheint. Um 13:20 Uhr verlässt uns Grappa, um 13:35 Uhr verabschieden wir Gaudi nach Starnberg. Gosh geht als nächster um 13:50 Uhr und Greco folgt ihm um 14 Uhr. Das geht so schnell, dass wir jetzt eine kleine Atempause erbitten. Mit Gruschels Leuten, die für die letzte Entführung heute verantwortlich sind, genehmigen wir uns einen Kaffee im leergefegten Welpenparadies. Um 15 Uhr verlässt uns Gruschel in Richtung Königsdorf. Schluss für heute: Girgl, Gamba und Grille bleiben noch bis Mittwoch. Galgenfrist.

Fianna hält sich richtig tapfer, obwohl sie das alles nicht so ganz auf die Reihe kriegt. Wir haben ihr schon seit ein paar Tagen Ignatia gegen den Weltschmerz gegeben, was uns bei Anouk und Franzi gut geholfen hat, nachdem Anouk einmal bei der Abfahrt des letzten Welpen buchstäblich zusammengeklappt ist: Weltschmerz, Herzschmerz, Verlustgefühle. Wie sehr Fianna das Ignatia hilft, wissen wir natürlich nicht, aber sie verhält sich ziemlich normal, obwohl sie irgendwie aus dem Zählen nicht rauskommt. Irgendetwas ist da doch oberfaul. Aber wenn schon acht abgehen, beschäftigt sie sich eben umso mehr mit den verbliebenen dreien. Fianna ist wirklich eine rührende Mutter.

Viel Zeit zur Trauer und zum Nachdenken haben wir nicht, denn um 18 Uhr ist Impftermin mit Gamba. Wir packen die Kleine ins Auto, Fianna lassen wir bei Girgl und Grille. Gamba ist auf dem Schoß der Chefin nahezu tiefenentspannt und absolviert die Fahrt klaglos. Natürlich ist der Zwerg im Warteraum des Tierarzt Blickfang Nr. 1 und Mittelpunkt des Interesses. Gamba liegt herum lässt sich liebkosen und alles stoisch über sich ergehen. Die Tierärztin untersucht sie und hat erwartungsgemäß keine Einwände mehr gegen einen kleinen Pieks. Den nimmt Gamba ohne zu zucken und schon ist auch das erledigt.

Still ist es beim Blues. Fianna kümmert sich um ihre Kinder, wir uns um uns. Drei Kinder sind so gut wie keine Kinder. Warum fällt dem Vize jetzt bloß das Lied von den elf kleinen Negerlein ... uuups ... den elf kleinen Schwarzmarkenen ein?

 

Dienstag, 10.11.2015

19° C und wolkenlos, ein Frühlingstag im November. Was haben wir nur für ein Glück mit dem Wetter!

Die drei letzten Mohikaner toben mit ihrer Mutter den ganzen Tag durch das viel zu groß wirkende Welpenparadies und sind fidel. Wie komisch es ist, wenn man nur drei Futterschüsseln ausbringen muss. Wenigstens haben sie einen ungezügelten Appetit. Es macht den Eindruck, als ob der Virus mit ausgezogen wäre. Nach Schwaben? Franken? Oder nur ins nahe Kolbermoor? Soll er bloß bleiben, wo der Pfeffer wächst.

 

Mittwoch, 11.11.2015

DSC08052 200Bekanntschaft mit der MangfallNoch so ein Frühlingstag. Gleich nach dem Frühstück, gegen 8 Uhr, schnappen wir uns das Trio mit der Mutter und machen einen Spaziergang hinunter an die Mangfall. Munter wie tanzende Mücken sind die drei unterwegs, haben keinerlei Scheu vor nichts, flitzen hier hin und da hin, verfolgen ihre ballverrückte Mutter durch Acker und Flur und machen erstmals Bekanntschaft mit einem richtigen Fluss. Fließendes und kreiselndes und rauschendes Wasser. Wow! Ja, vorsichtig sind sie schon, das sagt ihnen ihr Instinkt vor, aber neugierig sind sie auch. Schließlich siegt die Vorsicht über den Übermut. Und dann wackeln wir nach Hause. Und schon ist Grilles neue Herrschaft da und wir müssen uns auch von der kleinen Ausbrecherin trennen. 9 Uhr ist es.

Langsam beginnen wir Spielsachen zu sammeln und zu verräumen, weil wir verhindern wollen, dass Fianna, wenn alle Kinder weg sind, deren Spielsachen jammernd durchs Haus trägt.

Um 16 Uhr schlägt die Stunde für Girgl, der allerdings das Privileg genießt, mit seiner Mama nochmal an die Mangfall zu dürfen. Klar, dass er zeigen muss, das er das da mit dem Wasser schon alles im Griff hat, der Pygmäenkönig.

Und während der noch auf Kneippkur ist, leert sich das Lager endgültig. Um 17 Uhr macht sich auch Gamba aus dem Staub.

Was bleibt ist Ramsch und unfeine Gerüche.

Es ist alles vorbereitet. Wir packen unsere Siebensachen ins Auto und fahren mit Fianna nach Hohenpeißenberg zu unserer Doosie, damit die verlassene Mutter etwas Abstand gewinnt. Mit ihrer Freundin Doosie ist sie genug abgelenkt. Und wenn wir morgen Abend zurückkehren, wird der schlimmste Kummer ausgestanden sein.

 

Epilog

Die Rückmeldungen bestätigen unsere Vermutung, dass alle die Fahrt gut hinter sich gebracht haben, jedenfalls hat kein Fiannakind größere Probleme gehabt. Die Nacht haben sie auch souverän absolviert, der eine musste ein wenig jammern, der andere zum Pinkeln und der dritte beides. Aber nun sind sie angekommen und bringen in die finsteren Spätherbsthütten ihrer neuen Leute neuen Glanz. Offenbar haben sie schon alle Herzen gebrochen. Warum soll es denen besser gehen als uns.

Die meisten der elf sehen wir beim Welpenkurs auf dem Hundeplatz in Siegertsbrunn wieder. Das erste Treffen ist vor allem ein seelisches Wechselbad für Fianna. Nachdem die Kleinen ihre Welpenstunde hinter sich gebracht haben, darf Fianna zu ihnen - und ist völlig außer Rand und Band. Alle nimmt sie einzeln in die Arme, knuddelt sie und leckt sie und jagt mit ihnen über den Platz, dass nicht nur uns das Wasser in die Augen steigt. Nichts ist so zerbrechlich wie ein Mutterherz und nichts ist so leicht heilbar.

 

 MG 9758 200Gerda AltmannGirgl, Fiannas Erstgeborener lebt jetzt in Höhenkirchen-Siegertsbrunn bei seinem Großonkel Dino, (Flynn vom Fuchsiengarten), dem Bruder seiner Oma Franzi.
So selbstbewusst und souverän, wie wir dich bei uns erlebt haben, wirst du sicher auch mit dem alten Herrn umgehen, und wahrscheinlich wird dir der gutmütige Dino bald den Vortritt lassen. Dass du mit dieser Führungsrolle sehr gut umgehen kannst, hast du bei uns bewiesen: Du warst der verträglichste und gelassenste Rudelchef, den wir je hatten. Natürlich hast du deine Meinung gesagt, manchmal auch laut, aber du warst jederzeit ein Chef, wie ihn sich jeder wünscht. Du hast nie den Macho vor dir hergetragen und warst bei allen Geschwistern ein gesuchter Spielpartner. Dabei warst du ein begeisterter, aber umsichtiger Spieler, keiner, der sich Hals über Kopf ins Abenteuer stürzte; dafür hattest du ja deine Kamikaze-Sisters Gruschel und Grille, die für dich abprüften, ob das Rudel, wenn's dumm läuft, eventuell ohne Häuptling dastehen könnte. Und du warst nie ein Raufer, weil du das, was du haben wolltest auch anders bekommen hast. Ja, manchmal macht eben Masse die Klasse. Wahrscheinlich haben wir es deinem guten Vorbild zu verdanken, dass unsere Hände und Beine auch nach acht Wochen noch nahezu unversehrt sind.
Dich werden wir oft sehen, weil der Hundeplatz ebenso deine zweite Heimat sein wird, wie er es für deine Mama ist. Es wird uns viel Freude machen, dich weiterhin zu begleiten.

 

 MG 9679 200Wolfgang BüttnerGustl lässt sich im fränkischen Neuhaus nieder.
Du warst immer gut aufgelegt, immer lustig und es war uns, als hättest du tagein, tagaus ein Lied auf den Lippen. Den Welpenparcours hast du zu deinem persönlichen Abenteuerspielplatz gemacht, weil du dich gar nicht satt spielen konntest. Im Nachhinein sind sogar wir überzeugt, dass wir den Kettendurchlauf nur für dich aufgestellt haben, jedenfalls war keines deiner Geschwister so begeistert damit beschäftigt wie du. Du bist ein richtig herziger, aber auch pfiffiger Geselle mit einer strammen Portion herben Charmes. Standesdünkel als Zweitgeborener haben wir bei dir nie festgestellt; manchmal hast du den Reserve-Chef gegeben und dann wieder den von jeder Verantwortung befreiten Rudel-Buddy, gerade so, als ob sich der Kronprinz in Bermudas und Muscle-Shirt wirft und seinem Volk am Isarstrand Würstel grillt. Du bist ein rundum liebenswerter Knopf, der aber auch weiß, wie man einen Kompass kalibriert, um sicher und geradeaus ans Ziel zu kommen.
Wir sind überzeugt, dass du es großartig getroffen hast, denn deine Leute haben nicht nur ein großes Hundeherz, sondern auch reichlich Hovawart-Erfahrung (Ari von der Froschbrücke, Buck v. Traumjägers Feuerherz). Auf dem Hundeplatz von Großbellhofen kannst du beweisen, dass einer vom Blues nicht zu unterschätzen und ganz bestimmt kein Ungustl ist, wie unsere österreichischen Nachbarn gerne mal einen Blödmann und Kotzbrocken nennen.
P.S.: Mach dir keine Gedanken wegen des Keilwirbelchens: Kein Keil ist so mächtig, dass er sich zwischen dich und uns treiben könnte.

 

 MG 9735 200Carolin Beham und Rupert AignerGruschel schlägt ihre Zelte in Königsdorf auf.
Welch ein Irrwisch bist du! Manchmal hatten wir den Eindruck, du hättest die Fähigkeit zur Bilokation, ach Quatsch: zur Multilokation, also die Fähigkeit an mehreren Orten gleichzeitig zu sein. Wenn immer ein Mensch einen anderen fragte: "Wen hast du denn da?", kam die Antwort: "Die Rote". Du warst ständig mit mehreren oder allen zugleich beschäftigt, immer auf der Überholspur. Du hast auch alles zuerst ausprobiert, es sei denn, du hättest es vor lauter Beschäftigung übersehen. Aber das Größte für dich sind: Menschen! Kinder! Du hast sie gefangen genommen, betört, hast ihre Schöße im Flug erobert - und genauso schnell wieder verlassen, wenn eine neue Aufgabe anstand. Die Carl-Traverse müsste eigentlich in Gruschel-Traverse umbenannt werden und den Katharinen-Parcours hast du ein dutzendmal durchflogen; ein Sprungwunder bist du und ein Klettermaxe. Allerdings bist du mit deiner Vorwitzigkeit auch öfter als alle anderen ins Fadenkreuz deiner Mama geraten, die dir mehr als einmal das Kleine Einmaleins des Hunde-Knigge beibiegen musste. Und gerade deshalb hast du schon jetzt das feinste Unterwerfungsverhalten von allen. Sonst hätte dir die Mama nämlich den Vorwitz portiönchenweise hinter den Ohren herausgepult.
Dass aus dem Wildfang ein temperamentvolles, aber auch alltagstaugliches Hovawartmädchen wird, garantieren deine neuen Leute, die mit deiner Vorgängerin Bakira vom Wildblumenland auch bestens zurecht gekommen sind und auf deine Tricks und Schliche bestimmt nicht mehr reinfallen.

 

 MG 9686 200Silvia und Dieter HeinrichmeyerGreta zieht ins Heidelbeerparadies nach Arnbruck zu Assira vom Waldläufer, einer Enkeltochter unserer Anouk.
Du warst lange Zeit die stille sich allein Unterhalterin, immer mit Dingen beschäftigt, die es zu untersuchen galt; du bist sozusagen die Feinmotorikerin des G-Schwaders. Du willst den Dingen auf den Grund gehen, lässt nicht nach und gibst nicht so schnell auf. Aber du bist zwischen den Exerzitien auch eine unwiderstehliche Schmusebacke und Spielratz. Auf den ersten Blick bist du nie in den Vordergrund getreten, hast dich nicht als Rampensau in den Vordergrund gespielt, aber wenn man genauer hingesehen hat, war immer die mit dem grünen Punkt mit im Spiel. Du bist eine kleine Persönlichkeit, die auch unter den Geschwistern geschätzt wurde und die auch Streitereien aus dem Weg gehen konnte, ohne gemobbt zu werden. Unsere Chrissi und Geli, die Zuchtwartin, haben dich sofort ins Herz geschlossen und hätten dich sofort entführt, wenn wir nicht ein Auge auf dich gehabt hätten - und darauf kannst du dir wirklich etwas einbilden.
In deinem neuen Zuhause kannst du mit Assira jetzt das tun, was ein Hovawart am liebsten tut: bewachen. Heidelbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren, Saubären ... das ganze Beerenfleckerl jetzt unter deinem Schutz und deiner Verantwortung. Pass bitte auf, dass für uns immer ein Kisterl überbleibt.

 

 MG 9693 200Sabrina Gebauer und Marc TittusGrappa zieht in den Münchner Norden und teilt ihr neues Zuhause mit der fünfjährigen Mixhündin Jazz.
Über dich ist ja fast schon alles gesagt, weil du reichlich Gelegenheit für Ratsch und Tratsch geboten hast. Wir haben deiner Stimmgewalt ein Denkmal gesetzt und deinen Freiheitsdrang gerühmt. Aber dahinter steckt kein kleiner, verzogener Trotzkopf, sondern eine große Portion Autonomie. Du entscheidest, was du willst und du machst, wofür du dich entschieden hast. Es ist kein Zufall, dass du bei unseren kleinen Ausflügen meist auf Abwegen warst; du wolltest das erkunden, was die anderen alle zusammen nicht sehen, denn das, was sie herausfinden, können sie dir ja später erzählen. Aber du stellst auch etwas dar, bist kräftig und durchsetzungsstark, wodurch du im Rat der Geschwister immer ein wichtiges Wort mitzureden hattest. Und so, wie du gefestigt und selbstsicher durchs Leben gehst, spielst du auch: Wenn du spielen willst, bringt davon nicht so schnell etwas ab. Wenn du durch den Parcours rast, dann ohne Kompromisse und mit ganzem Körpereinsatz. Lasche Kompromisse sind nicht dein Ding. Deine Mama hat dich sehr geschätzt und dir viel freie Hand gelassen. Deiner neuen Hausgenossin wirst du schon noch einige Rätsel aufgeben, aber den kleinen, brezenlutschenden Windelträger hast du längst ins Herz geschlossen, den wirst du nicht aus den Augen lassen.
Dass du jetzt Luzy heißt, wird dir ziemlich egal sein - solange du nicht mit "c" geschrieben wirst, denn zur dauerfrustrierten Beziehungsgeschädigten von Charlie Brown taugst du wirklich nicht.

 


 MG 9719 200Lydia und Jürgen GannsGrecos neues Zuhause liegt in Kolbermoor, bei der Hovawarthündin Benita von den Spessarträubern.
Über "den Griechen" haben wir uns immer ein bisschen lustig gemacht, und das hat seinen Grund vor allem darin, dass man sich nur über den lustig macht, der es wert ist. Man nimmt die bedeutendsten Persönlichkeiten nicht zuletzt deshalb auf den Arm, weil man von ihnen oft mehr erwartet als sie leisten können. Wir können ja nichts dafür, dass dein Lieblingsruheplatz der Reifen war, das ist nicht anstößig, aber eben ein bisschen schräg. Und schräg finden wir immer gut, weil: Square sind ja alle.
Dabei bist du wirklich ein prächtiger Kerl mit einem Herz am rechten Fleck, der aus diesem auch keine Mördergrube macht, sondern lieber an der Seite seiner Schwester Grappa schaurige Lieder für eine bessere Welt singt. Und du bist alles andere als ein Hallodri, du überlegst dir genau, was du vorhast, du schaust dir das genau an, und dann ziehst du es durch. In dieser Hinsicht hast du viel mit deiner Schwester Grappa gemein, vielleicht weil ihr nebeneinander in eurer Mutter aufgewachsen seid und euch viel über die Erwartungen an euer zukünftiges Leben unterhalten habt. So wie sie, bist du ein intensiver Spieler, auch einer, der am Beutespiel viel Gefallen findet und dann auch richtig fordernd, ausdauernd und hart sein kann. So hart, wie bei der Verteidigung von verzehrbarer Beute; deine Konterattacken gegen mundräuberische Geschwister bleibt im Gedächtnis des Blues ebenso wie deine verwirrenden Fluchtwege und deine Täuschungsmanöver. Wir haben viel über dich gelacht. Aber wie du zum Schluss bei der Wurfabnahme gegen den Virus angekämpft hast und unbedingt eine gute Figur machen wolltest, das hat uns fast zu Tränen gerührt.
Deine Grappa wird dir vielleicht ein bisschen fehlen, aber du hast ja eine andere Weggefährtin in deinem neuen Heim, die Benita von den Spessarträubern. Mit der kommst du bestimmt klar, denn du bist ja a boarischer Bursch - und die können, entgegen allen Klischees, ziemlich galant sein.

 

 MG 9674 200Andrea und Hugo SchorppGundel lässt sich im oberschwäbischen Meßkirch nieder.
Als wir die Anfrage deiner Leute erhielten, ob wir für sie einen Welpen hätten, haben wir schon "ja" gesagt, bevor sie die Frage ganz ausgesprochen hatten. Natürlich wussten wir damals noch nichts von dir und dass du einmal die Glückliche sein würdest. Aber eines können wir dir mit auf dem Weg geben: So viel Losglück hat nicht jeder deiner Artgenossen. Deine Leute haben sich für die Hovawarthündin Luna und unseren Arik aus dem A-Wurf aufgeopfert bis zu deren letztem Tag, haben sich für sie krummgelegt bis zum Bandscheibentotalschaden und haben sich gekümmert und gesorgt bis zum Haarausfall. Einen besseren Platz hatten wir für dich nicht.
Und wir wissen, dass du ihnen ein Leben lang ein Sonnenschein sein wirst, wie du auch bei uns ein Sonnenschein warst. Du bist das beste Geschwisterkind, das man sich denken kann: Immer mitten im Haufen, bei jedem Spaß dabei und bei jedem Unsinn Feuer und Flamme. Manch einem schien die zarte Gundel zu unscheinbar, was auch daher rührt, dass man in der Meute nicht so auffällt wie diejenigen, die sich absondern, egal ob aus Scheu oder zur Dominanzpflege. Aber wir haben dich genau beobachtet, du warst der quirlige Mittelpunkt deines Geschwisterrudels und die Strahlefrau, die du auch weiterhin sein wirst. Und wenn irgendwo zwei oder drei deiner Geschwister versammelt waren, im Bällebad oder im Kuschelkorb, warst du mitten unter ihnen. Und wenn du mal nicht als Gruppendynamikerin aufgefallen bist, hast du sicher irgendetwas stolz umhergetragen; alles hast du herumgeschleppt, nichts war dir zu schwer oder zu unförmig. Vielleicht kannst du deinen Leuten ja mal mit der Zeitung oder dem Einkaufskorb zur Hand gehen, um dir diese Leidenschaft zu erhalten und sie zu entlasten, denn bei der Fährtenarbeit, die dein Chef für dich vorgesehen hat, gibt es halt nix zu tragen. Dir fällt bestimmt was ein.

 

 MG 9715 200Astrid und Jürgen BrettschneiderGosh schlägt seine Hütte in Hohenlinden auf und gewöhnt sich gerade an seinen neuen Namen Gismo.
Gosh ist einer dieser Pfundsburschen, bei denen man sich schwertut, einzelne Attribute herauszuheben, weil sie ein stimmiges Gesamtpaket sind.
In erster Linie bist du ein richtiger Lauser und Schlingel, wie du es in deinem Alter auch sein sollst. Auf den zweiten Blick offenbarst du Wesenszüge, die du besonders ausgeprägt hast. Du bist ein großer und ausdauernder Spieler, nicht so ein Tüftler und Bossler wie Greta, aber einer, der sich im Spiel verlieren kann, ohne über es nachdenken zu wollen. Du warst dann manchmal richtig verloren im Spiel und weggetreten und hast bei Gelegenheit auch mal eine wilde Hatz verpasst, weil sie an dir vorbeilief, ohne dass du es bemerkt hättest. Und, auch wenn das kaum jemandem aufgefallen ist, du warst der innigste Schoßhocker und Schmuser, mit einer Ausdauer und Inbrunst wie bei deinen Spielanfällen. Aber schließlich warst du auch ein leidenschaftlicher Attackereiter, einer dem aus dem Nichts die Idee kam, einmal Dampf ablassen zu müssen, und zwar bei deinen Geschwistern und uns. Deine Geschwister haben dir dann fix den Marsch geblasen - und wir auch, aber im Gegensatz zu ihnen haben wir dich anschließend auf den Schoß genommen und dir die Nase gekrault, weil du selbst bei deinen Parforce-Ritten immer ein Schlingel geblieben bist. Ein Kerl wie du muss auch mal Dampf ablassen dürfen, was bei einem Mittelgewichtler immer eine aufwändigere und vor allem aufopferndere Strategie erfordert als bei einem Schwergewicht wie Girgl, der einfach seine Masse einsetzt. Für uns war aber besonders beeindruckend, dass du alles, was du getrieben hast, mit Nachdruck gemacht hast, du hast mit Nachdruck gespielt, gekuschelt und gerangelt, hast dich nicht leicht ablenken und abschütteln lassen, sondern auch mal nachgefasst - für einen, dessen Chef mit ihm eine Karriere als Sporthund plant, keine schlechten Eigenschaften.
Dein vierköpfiges Rudel ist dir jedenfalls jetzt schon völlig verfallen und in dich verliebt. Du hast es gut getroffen. Bestimmt wirst du es schaffen, deinen Leuten die Tränen über die Trauer um deinen geliebten und verehrten Vorgänger Arko vom Wildanger trocknen zu lassen.

 


 MG 9704 200Brigitte Irmer und Klaus HammerGaudi residiert nun in Starnberg und hört auf den Namen Leon.
Wir haben dich immer Gaudibursch oder Gaudimax genannt - wie hätten wir dich auch sonst nennen sollen? Du bist eben ein Gaudibursch und ein Gaudimax; in deiner Gewichtsklasse empfiehlt es sich nicht, den Feldherren spielen zu wollen, dann schon lieber den Gaukler, der die Stimmung in der Truppe hoch hält. Wer seine Möglichkeiten richtig einschätzt und adäquat umsetzt, ist ein Lebens- und Überlebenskünstler. Und wie souverän du den Gaudimax gespielt hast! Alle deine Geschwister konnten dich richtig gut leiden. Du warst auch immer und überall mit dabei und schon früh mit deiner Motorik besser befreundet als einige deiner Geschwister - richtig fix und flott bist du nämlich und einer, der sich in die Kurven extra reinlegt, um die anderen aus der Spur fliegen zu lassen. Wir hatten den Eindruck, dass du mit jedem neuen Spielgerät immer gewitzter geworden bist und die meisten Geräte zusammen mit Gruschel oder Grille für die anderen getestet hast. Mit dem Mut wuchs bei dir auch der Übermut, und wir müssen gestehen, dass einige der, zugegeben sehr wenigen, Kampfabzeichen an unseren Beinen und Füßen von dir stammen. Vor allem morgens, frisch ausgeschlafen und voller Tatendrang und Übermut zog es dich am Ende deiner Anwesenheit beim Blues fast magisch an unsere Beine, am liebsten an unsere Waden. Wir können allen versichern: Der Gaudibursch hat einen markigen Griff. Und loslassen wolltest du auch nicht so richtig freiwillig. Heißt es nicht, dass die Kleinen besonders viel Gift haben? Dieser Rudelclown kann auch anders. Und so können wir auch bestätigen, dass dein Leichtgewicht nicht von mangelnder Durchsetzungskraft am Napf kommt, denn auch da hast du dir den Fleischbrei nicht vom Schnabel klauen lassen, sondern die Schultern eingesetzt und um deinen Anteil gekämpft. Daran lag es sicher nicht, dass du momentan noch im Federgewicht antreten musst. Aber Achtung, lieber Gaudi, du stehst nun vor der größten Herausforderung deines noch jungen Lebens. Bedenke, dass nur das Gewicht zählt, das von Muskeln kommt. Wer aber in einem Delikatessengeschäft und Feinschmecker-Restaurant lebt, läuft Gefahr, sich sein Gewicht anderweitig zu erarbeiten. Da auch deine Leute trotz dieser Herausforderung noch immer in Topform sind, werden sie bestimmt auf dich aufpassen und dir nur an Weihnachten und deinem Geburtstag Gänsestopfleber erlauben.

 

 MG 9769 200Dr. Claudia KemperGamba hat sich für Taufkirchen entschieden und für ein Leben an der Seite unserer Brianna aus dem B-Wurf.
Zu Beginn warst du eine ganz Liebe, nun, ja: Das bist du immer noch, aber nun nicht einfach nur lieb, sondern lieb mit Profil. Bei dir haben wir schon mal eingeräumt, dass uns viele deiner Aktivitäten entgangen sind, weil deine lila Markierung wie eine Tarnfarbe auf dem schwarzen Haarkleid war. Was wir aber sicher sagen können, ist, dass du dich nie versteckt hast oder als Mauerblümchen in der Ecke gesessen bist. Du warst, zumindest anfangs, keine Pionierin, aber auch keine die ständig auf Rückzug war. Vielleicht warst du einfach das, was man gelegentlich als Mitte der Gesellschaft bezeichnet. Doch das änderte sich in den letzten Wochen erheblich. Die Mitte der Gesellschaft hat sich zu einer Spitze der Gesellschaft geformt und du warst einer der Wortführer und Antreiber der Rasselbande. Bei einer Vorgängerin von dir haben wir es einmal so formuliert, sie habe den Tutu gegen Lack und Leder der Domina getauscht. Das Bild stimmt nicht ganz, weil du nie einen Tutu, bestenfalls einen Jogginganzug getragen hast. Und von Domina und Lack und Leder wollen wir bei dir schon gar nicht reden, vielleicht geht es so: Du hast den Jogginganzug gegen die Lederkombi getauscht. Du hast immer mehr Gas gegeben und dir mächtig Respekt verschafft. Am Schluss gab es keine Aktion mehr, bei der du nicht maßgeblich beteiligt warst. Deine letzte Marotte war, den Leuten die Haare vom Kopf zu fressen, was wir dir beinahe übelgenommen hätten, weil du den Eindruck vermittelt hast, wir würden dich nicht ausreichen und artgerecht versorgen.
Die Entwicklung, die du genommen hast, wird dir für die Zukunft sehr helfen, denn deine ältere Hausgenossin gehört zum Kantigsten und Profiliertesten, das der Blues hervorgebracht hat. Deine Wurfabnahme hast du jedenfalls fast mit Summa cum laude gemeistert; das wird dir demnächst ein Leben auf Augenhöhe mit Brianna ermöglichen.

 

 MG 9745 200Barbara FröhlichGrille hat ihr Revier nun in Ottobrunn.
Wir haben bei keinem deiner Geschwister Sorge, dass es mit seinem Leben nicht zurecht kommen könnte, aber dass du unter die Räder kommen könntest, ist für uns ausgeschlossen. Wir haben selten so ein fest im Leben verwurzeltes Kind gehabt wie dich: lebensfroh, lebensklug, lebenswillig und lebenslistig. Clever bis zur Durchtriebenheit, gedankenschnell und vorwärts orientiert. Ja, eigentlich könnten wir mit der Laudatio aufhören, weil alles gesagt ist. Aber es ist noch nicht gesagt, dass du die Auserwählte des Vize gewesen wärst, wenn sich die Frage gestellt hätte, und das ist nicht wenig. Er ist nämlich in diesen Dingen schleckig und nicht leicht zu überzeugen. Du hast es im Handumdrehen geschafft. Deswegen hat er sich auch über deine Ausreißereien mehr amüsiert als besorgt gezeigt: Eine Grille plumpst nicht ins Wasser, wenn sie nicht plumpsen will. Allerdings besteht die Gefahr, dass du gerade das im Schilde führen könntest, um zu testen, wie es dann weitergeht. Man muss bei dir mit allem rechnen. Es schreckt dich ja auch nichts: Wenn es dir sinnvoll und nötig erscheint, haust du auch mal dem Girgl eins aufs Maul, dabei habt ihr beide euch prächtig verstanden - vielleicht gerade deswegen. Nein, es schreckt dich nichts und du schreckst auch vor nichts zurück. Das Visier hast du auch beim Fressen offen, vor allem, wenn es Spezialitäten zu verteidigen gibt; dann schaust du dem Maulräuber in die Augen, damit er weiß, worauf er sich einlässt und womit er rechnen muss. Andererseits hast gerade du, neben Greco, die effektivsten Strategien fürs Verstecken und Vergraben entwickelt; du beherrscht also den schlauen Rückzug und die beinharte Abfuhr. Und auf dem Schoß des Vize bist du geschmolzen wie ein After Eight after sun.
Ein bisschen solltest du dein Temperament aber jetzt zügeln und zeigen, dass in dir auch viel Feingefühl steckt: Du hast die große Ehre neben einer großen alten Dame leben zu dürfen: Dima vom Deichselbachtal hat deinem Einzug wohlwollend zugestimmt. Die alte Dame wird im April 16 Jahre alt (was wir alle sehr hoffen) und verdient nicht nur Respekt, sondern auch viel Rücksicht.

 

Uns bleibt jetzt nur noch, uns bei allen von ganzem Herzen zu bedanken, die zum G-Lingen des G-Wurfs beigetragen haben. Wir wollen nicht alle anführen, weil man mit fortgeschrittenem Alter auch vergesslicher wird - und das hätte niemand verdient. Deswegen sagen wir euch allen ein herzliches Vergelt's Gott.

Und was für den F-Wurf galt, gilt auch für den G-Wurf:
Wir schließen nun das Zuchtbuch des Bairischen Blues auf unbestimmte Zeit. Wir werden weiter präsent sein, die Wege unserer Kinder verfolgen und darüber berichten. Und ihren Leuten werden wir immer mit Rat und Tat zur Seite stehen und Freunde sein.

Keep on the sunny side, always on the sunny side,
Keep on the sunny side of life.
It will help us ev'ry day, it will brighten all the way
If we'll keep on the sunny side of life.

G-Deih und G-Schrei - Die G-Schichte von Fiannas G-Schwader: Woche 7

7. Woche (27. 10. - 02. 11. 2015)

Dienstag, 27.10.2015

Morgens tropft uns der Hochnebel auf die Füße, später hält er etwas mehr Distanz, aber dass ein Tag so grau sein kann, wäre beinahe deprimierend, wenn da nicht unsere Kinder wären, die Licht in unsere Hütte bringen.

Das Speckbarometer zeigt heute folgendes: Girgl - was sonst? Grille hat ihren zweiten Platz wieder an Grappa verloren, Gosh und Gustl haben einen gewaltigen Zwischenspurt eingelegt. Das war's. Weil aber heute so gar nichts los und zu vermelden ist, machen wir es uns gemütlich und schreiben das Tableau ohne weiteren Kommentar nieder:

Girgl 4400 (+180), Grappa 4310 (+210), Grille 4210 (+50), Greco 4170 (+120), Gosh 4080 (+240), Gustl 4070 (+310), Gamba 4010 (+180), Gruschel 3990 (+160), Greta 3910 (+70), Gaudi 3740 (+110), Gundel 3700 (+110).

Was gibt es von diesem Tag ohne Eigenschaften, von dem nicht ein einziges Foto existiert, sonst noch zu berichten? Wir haben erstmals gekochten Fisch gefüttert, den das G-Schwader genauso emotionslos weggeputzt hat wie alles andere. Uns schwant, Fiannas Kinder haben stark verkümmerte kulinarische Anlagen, eher könnte man sie als prollinarisch bezeichnen: viel und billig, also der überquellende Schnitzel-Pommes-Teller für unter 10 €. Dass sie uns so etwas antun...

 

Mittwoch, 28.10.2015

Der Morgen beginnt mit hochnebligen 9° C, aber dann zeigt sich doch die Sonne und treibt die Temperatur bis auf 13° C hoch, bevor sich abends Nebel ins Mangfalltal schiebt. Es gibt ja keinen Grund zu klagen, selbst wenn wir uns gelegentlich den goldenen Oktober wünschen: Es ist trocken, und das bisschen Nebelnieseln ist kein Grund zur Klage. Man kann sich ganz anderes Wetter vorstellen (auch das kennen wir), das jeden Kindergärtner an den Rand der Verzweiflung treibt: Regen, Matsch und Kälte. Das alles zusammen haben wir leidvoll erfahren und wünschen es uns für immer und ewig nicht wieder. So aber haben wir und Fiannas Kinder ein entspanntes Reifen unter nicht immer heiterem bayerischem Himmel. Die Heiterkeit liefern wir und unsere Besucher gratis dazu.

 MG 8782 200Wer 370 g zunimmt, der kann auch einen Clown erlegenAuf der Waage gibt es heute eine Art Zwergenaufstand. Es ist Gamba, die das Leben in der hinteren Tabellenhälfte satt hat, immer nur beiläufig erwähnt zu werden, sozusagen Beiwerk zu sein, so eine Art Sättigungsbeilage oder Tellergarnitur. Zumindest scheint das ihr Empfinden gewesen zu sein, als sie gestern beschloss, in den Kommentarspalten auftauchen zu wollen. Sie verwirklichte dies mit einem bislang nicht gesehenen Akt der Selbststopfung, so wie es bei den Gänsen für die fette Leber gemacht wird und schaffte es doch tatsächlich, sich 370 g Masse unter das Fell zu stopfen. Und dieser grenzwertige Selbstversuch katapultierte sie vom siebten auf den dritten Tabellenplatz (4380). Vor ihr rangieren nur noch Girgl (4640, +240) und die in Sachen Masse unnachgiebige Grappa (4400, +90), die allerdings wegen eines Fastentags ihren zweiten Rang fast noch an Gamba verloren hätte. Noch verdutzter dürfte Grille sein (4360,+ 150), die vermutlich noch nie so weggerempelt wurde, und das, obwohl sie sich in Sachen Kalorienbilanz nichts vorzuwerfen hat. Dahinter passiert dann genau das, wovor Gamba die Flucht nach vorne angetreten hat: nichts, jedenfalls nichts, wofür man als Chronist eine griffige Formulierung suchen müsste. Es herrscht der Gähnfaktor des Tabellenmittelfelds: Greco 4320 (+150), Gustl 4250 (+180), Gosh 4230 (+150), Gruschel 4120 (+130), Greta 4060 (+150). Doch dann kommt wieder Stimmung auf, weil auch die Purzel am Ende einen Aufstand versuchen, dem allerdings nur statistische Bedeutung zukommt. Gaudi mampft sich 200 g auf die Rippen (3940), kommt aber nicht vom Fleck. Und Gundel, die es sogar auf 230 g bringt, muss erkennen, dass ihr Schicksal das der Laternenträgerin zu sein und bleiben scheint (3930), obwohl sie sich bis auf zehn Gramm an den Gaudimax herangefuttert hat.

Anders als der gestrige Tag ohne Eigenschaften, ist dieser in zweierlei Hinsicht substantiell gefüllt: Gustl muss zum Tierarzt und unsere Doosie kommt zu Besuch. Gustl muss sich sein Schwanzspitzchen röntgen lassen, das mit dem Makel eines nicht zugelassenen Wirbelkörpers behaftet ist. Und weil da ein Angestellter des Blues fahren und ein anderer den kleinen Gustl betreuen muss, kommt Doosie mit Begleitung, um Fiannas rührige Bande zu bewachen, weil Fianna natürlich auch mit zum Doc muss, um ihrem Buben seelisch beizustehen und außerdem auch nicht ohne Aufsicht mit ihren Kindern allein bleiben soll.

 MG 8723 200Doosie inmitten des G-SchwadersFür diejenigen, die mit den Dingen des Blues nicht so bewandert sind: Doosie aus unserem D-Wurf wurde im Sommer von einer Zecke beinahe mitten aus dem Leben gebissen: Hirnhautentzündung, so stark, dass Blut in der Rückenmarksflüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) war. Doosie war praktisch von der Nasen- bis zur Schwanzspitze gelähmt, komplett ohne jeden Reflex. Viel Hoffnung durften wir und ihre Leute uns wirklich nicht machen. Aber entschlossen durften sie sein, das Unmögliche doch möglich zu machen. In einem unglaublichen Kraftakt, mit unerschütterlichem Willen, Doosie zu retten und dauernder Physiotherapie und Gymnastik, angeleitet und begleitet von einer befreundeten Tierärztin, ist Doosie nun wieder in der Lage zu liegen, wie ein Hund liegt und sich sogar schon wieder für Sekunden aus eigener Kraft aufzusetzen. Zusammenkünfte mit uns und Fianna befeuern zudem ihren Ehrgeiz und Willen in besonderem Maße an, wodurch ein Besuch beim Blues nicht nur der Kinderbetreuung dient, sondern eine weitere Reha-Maßnahme ist. Zudem hat Doosie als Mutter ein Riesenherz für Kleinzeug und wird ihr Herz für unsere Racker in elf Stücke teilen. Diese Annahme ist zwar uneingeschränkt richtig, aber die gute Absicht, Doosie in den Welpenauslauf auf die Terrasse zu legen, erweist sich schnell als allzu blauäugig, nicht weil Doosie den Welpen Schaden zufügen würde, sondern weil diese ihr zu massiv zu Leibe rücken; sie kommen nicht damit klar, dass ein Artgenoss, zumal ein so großer, sich nicht wehren und davonlaufen kann, also versuchen sie alles, um herauszubekommen, was mit diesem wehrlosen Geschöpf los ist und wie man es unter Umständen in Bewegung bringen könnte. Also legen wir Doosie jenseits des Gitters neben das Wasserbecken, das neulich Grilles Gefallen gefunden hat, und nehmen sie so aus der Schusslinie. Jetzt liegt sie sehr entspannt und noch interessierter hinter dem Gitter und die Bande steckt die Nasen durch die Stäbe und palavert mit ihr. So haben alle das Ihrige: Doosie ihre Ruhe und die Kinder ihre Dame ohne Unterleib. Es ist nicht zu übersehen, dass Doosie fast im Paradies ist und alle Anstrengungen unternimmt, dieses auch noch selbst zu betreten. Sie rackert und kämpft sich immer wieder hoch, um den entscheidenden Schritt zu machen, schaffte es aber noch nicht. Doch ihr Ehrgeiz brennt. Ihr Wille will. Und mehr Therapie geht nicht, zumal Doosie ein Willenswunder ist, das nicht aufgibt und den Kopf zwischen die Schultern nimmt, um Hindernisse wegzuräumen.

Jetzt gibt sie erst einmal die liebe Tante und ihr Pflegepersonal kümmert sich um die wilde Elf, während wir den Gustl greifen und zum Tierarzt fahren. Der Vize kutschiert, die Chefin macht es sich im Fond mit dem kleinen Gustl auf dem Schoß bequem. Zu Beginn der gut halbstündigen Fahrt klagt er uns etwas kleinlaut sein Leid, aber als wir ihn dann zu seiner Mama in deren Abteil geben, vergisst er das Gesumme und Gebrumme, das Rattern und Rumpeln um sich herum und schläft an Mamas Bauch ein. Auch beim Tierarzt ist er Herr der Situation, thront royal auf der Rezeptionstheke und lässt sich Leckereien reichen; das hat er von Oma Franzi, die jedoch niemals auf freundliche Gaben wartete, sondern in Eigenregie, aufrecht stehend, die Leckerlischale ausräumte. Franzis O2 0 200Gustl's Rutenanomalie: wir haben sie weiß auf schwarzTod hat auch in dieser Hinsicht eine Lücke gerissen; niemand nach ihr hat sich so um die Belustigung des Praxispersonals so verdient gemacht. Im Sprechzimmer begutachtet Gustl alles, inspiziert jede Ecke, pinkelt unter den Behandlungstisch und rollt sich dann mitten im Zimmer zusammen und schläft, bis die Dottoressa erscheint und an ihm den kleinen Welpencheck vornimmt, um sicherzustellen, dass an dem Knuddel alles in Ordnung ist. Es ist alles in Ordnung - bis auf das Knubbelchen am Schwänzchen. Und deswegen muss er jetzt in die Strahlenschleuder. Tapfer hält er sich dort, ohne zu murren lässt er das über sich ergehen. Und dann haben wir Gewissheit: Das vorletzte Glied von Gustls Rute ist ein Keilwirbel. Das wird zwar den kleinen wie den großen Gustl ein Leben lang nicht daran hindern, kerngesund und ein Keilwirbelwind zu sein, aber es wird ihm, davon müssen wir jetzt ausgehen, einige wenige große Momente der trauten Zweisamkeit vorenthalten, weil er sehr wahrscheinlich ein zuchtbuchamtliches Siegel bekommen wird, das ihn davon abhalten soll, weitere kleine, keilwirbelige Gustls zu produzieren, vulgo: Zuchtausschluss. Die Rückfahrt bestreitet er wie die Hinfahrt: entspannt in Mamas Armen und im Gefühl, heute der Mittelpunkt der Welt gewesen zu sein.

Zurück im Welpenparadies und bei Doosie ist erwartungsgemäß alles in Sahne, Doosie erdrosselt sich vor Freude fast mit ihrem eigenen Schwanz und die Welpen plappern alle durcheinander, weil sie uns ja so viel zu erzählen haben, schließlich waren wir ja lange zwei Stunden weg.

 MG 8738 200Und alle drauf auf das neue SchaukelteilUm ihr Interesse von uns abzulenken, stellen wir ihnen die Pendelschaukel ins Paradies und sofort sind wir und Doosie die belangloseste Nebensache der Welt. Dieses freischwingende Brett fordert höchste Körperbeherrschung und es vergeht keine Viertelstunde, da haben sich alle elf mindestens einmal an diesem Schleudergerät versucht. Aber auch bei diesen protokollieren wir, wie bei ihren Vorgängern: Es ist unglaublich, welche Körperbeherrschung die Zwerge schon haben. Natürlich purzeln sie allesamt nach wenigen Sekunden vom Brett, aber wie sie bis dahin die zum Teil sehr kabbeligen Schwingungen austarieren, ist eine Augenweide und eine Freude für das Lachmodul der Anwesenden.

Zur Belohnung gibt es anschließend wieder Ziegenpansen - und das dazugehörige Pansen-Round-Up kreuz und quer über feste und schwankende Untergründe. Einfach untergründig schön...

 

Donnerstag, 29.10.2015

Es ist Herbst, Nebel gibt den Ton an, obwohl oder gerade weil er jeden anderen verschluckt. Später gibt er den Blick auf Wolken, für Augenblicke sogar auf die Sonne frei, bis er dann in Nieselregen übergeht.

Die Morgenroutine dieses Donnerstags unterscheidet sich in nichts von den vorhergegangenen, misten, putzen, wiegen. Die Waage hält auch heute wieder eine Überraschung für uns bereit. Girgl ist es nicht. Wenn wir uns gestern über das langweilige hintere Ende der Tabelle ausgelassen haben, war das nur sehr unvollständig, denn das langweiligste an dieser Tabelle ist Girgl; ob der 100, 200 oder 500 g zunimmt, interessiert eigentlich niemanden mehr. Wo Girgl ist, ist vorn, womit er sich als neues Wappentier Bayerns ins Spiel bringt. Machen wir es also kurz: Girgl 4870 (+230). Damit touchiert er schon beinahe die 5-Kilo-Marke, während die Letzten heute die 4-Kilo-Hürde übersprungen haben. Auch das ist nicht die Meldung des Tages. Die gehört Greco. Der Grieche lässt sich nur ungern bewitzeln und Gähnfaktor im hinteren Tabellenteil will er schon dreimal nicht sein, also hat er wohl seinen Reifen verlassen, möglicherweise der Mehrzahl seine Geschwister ihren Pansen geklaut und sich 370 g angefressen. Das hat zuletzt Gamba mit deutlichem Erfolg geleistet, und auch Greco wird für die herausragende Mundraubleistung belohnt: zweiter Platz, 4690 g. In einer durch und durch profitorientierten Gesellschaft wird nicht Moral belohnt, sondern der durch unmoralisches Handeln erwirtschaftete Zugewinn. Kapitalismuspropheten werden sich die Hände reiben und jubeln: Die Natur ist unser Lehrmeister. Lassen wir das, sicher ist nur, dass Greco wahrlich nicht der erste Grieche ist, der es hierin zu einer gewissen Meisterschaft gebracht hat. Dass Grappa sich auf so hohem Niveau von ihrem Dauerkonkurrenten in die Schranken weisen lassen muss, wird sie, davon sind wir überzeugt, nicht ruhen lassen: 4620 (+220). Und Gustl, der Keilgewirbelte, schiebt sich mit zusätzlichen 270 g immer weiter an die Sonnenplätze: 4520 g. Gamba kann mit 120 g heute nicht ganz mithalten und rutscht wieder ein wenig ab (4500), aber dass sie sich auf diesem Niveau halten könnte, war auch eher unwahrscheinlich. Grille hat Federn lassen müssen und landet auf einem wenig spektakulären sechsten Platz: 4490, +130. Und dann schwenkt die Tabelle wieder in die ausgetretenen Gleise: Gosh 4420 (+190), Gruschel 4400 (+280), Greta 4270 (+210), Gaudi 4160 (+220), Gundel 4050 (+120). Irgendwie kommt man schwer aus diesem Loch, selbst wenn man so massige Ergebnisse wie Gruschel liefert. Und auch Gaudi oder Greta tun, was sie können, aber jede Tabelle hat eben ihre Kopf- und ihre Fußzeile. Hätte sie das nicht und stünde da in jeder Zeile die gleiche Zahl, wäre sie noch langweiliger als wenn immer die gleichen vorne und hinten aufgeführt sind. Es ist ja keine Qualität an sich, Speck anlagern zu können. Und es ist kein Mangel, mit weniger auf den Rippen gesund und munter zu sein.

IMG 8852 200Eine wahrhaft göttliche Auszeit in dem Welpentrubel - wir haben es genossenWenn wir schon beim Essen und Genießen sind, müssen wir an diese Stelle Gaudis zukünftigen Napfbefüllern danken, die uns, weil wir uns unvorsichtigerweise als Austernliebhaber geoutet haben, mit einem "Fresskorb" voller Austern, Chablis und Beiwerk beschenkt haben. Das hat uns glücklich gemacht, haben wir doch schon seit Juni in Frankreich keine Austern mehr genossen. Jetzt feiern wir ein Austernfest, begießen Gustls Keilwirbel mit Chablis und trinken auf Doosies Genesung. Wer niemals eine Auster schlürfte, weiß nicht, wie uns zumute ist. Wenn der Himmel Stil hätte, würde er keine Tränen, sondern Austern weinen. Sterben unter einem Austernregen müsste der ultimative Glücksschritt ins Jenseits sein.

Und was haben wir der Welt noch mitzuteilen? Nichts. Zu diesem Zeitpunkt haben wir uns bei früheren Würfen die Finger wund getippt, weil uns jene Mieslinge und Fieslinge von einer Verlegenheit in die nächste Notlage stürzten, das Wohnzimmer verwüsteten oder nachts gemeinschaftlich auf der Straße spazieren gingen. Nichts davon. Fiannas G-Schwader ist beinahe ein chronistischer Totalschaden. Dafür werden ihre neuen Herrschaften viel Freude an ihnen haben.

 

Freitag, 30.10.2015

Heute hat der Meteorologe leichtes Spiel: ganztägig Hochnebel um 10° C.

Girgls eintönige Präzision an der Futterverwertungsfront ist atemberaubend: neuerliche 220 g heben ihn gleichsam schwerelos über die 5-Kilo-Marke (5090). Dass sich Grappa den griechischen Affront nicht bieten lassen würde, war klar, und so tat sie es dem Griechen mit 360 g fast gleich und landet auf 4980 g. Respekt! Greco hatte gestern nichts zu klauen und natürliche Futteraufnahme befeuert ihn nur unvollständig, deswegen muss er wieder zurück auf den dritten Platz: 4890, + 200. Auch Grille will sich nicht so leicht nach hinten abschieben lassen und legt mit 310 g kräftig zu, wodurch sie wieder auf Platz vier vorrücken darf. Dafür werden Gustl und Gamba wieder nach hinten gereicht: Gustl 4710 (+190), Gamba 4600 (+100). Und am Tabellenende liefern sich immer die gleichen ihr Schneckenrennen: Gosh 4580 (+160), Gruschel 4550 (+150), Greta 4460 (+190), Gaudi 4360 (+200), Gundel 4320 (+270). Allerdings muss man anerkennen, dass sich die Schlusslichter weiterhin mit sehr beachtlichen Ergebnissen durchs Leben fressen und nicht abreißen lassen wollen.

 MG 8731 200Gaudi und Gosh mit der KrawallsockeHeute hören wir die Knirpse erstmals bellen. Bisher war es so ein indifferentes Raunen und Räuspern, aber das jetzt, das war richtiges vorstimmbrüchiges Bellen. Wenn man versucht, ein G-Schwister aus einem Versteck herauszulocken, tut man das jetzt mit bellen. Auch die Krawallsocke ist ein Bellbeschleuniger. Die Krawallsocke ist eines der fabelhaftesten und billigsten Spielsachen: Ein paar Steine in eine alte Blechdose, diese in einen alten Socken, oben zubinden und fertig ist die Krawallsocke. Nichts ist hier im Paradies beliebter als die Krawallsocke. Fast ständig hat irgendeine(r) das Schepperding zwischen den Zähnen und wird damit - seit heute fröhlich bellend - durchs Paradies gehetzt. Nichts geht da drüber.

Freitagnachmittag ist turnusmäßig Hundeplatz in Siegertsbrunn. Die Chefin hat seit Wochen HPE, das ist zwar nicht so gefährlich wie HIV, auch nicht so ansteckend, aber mitunter eine Belastung für die Mitmenschen: HundePlatzEntzug kann die Psyche eines sonst umgänglichen Menschen ins Unumgängliche verändern. Ob sie selbst diese Wesensveränderung an sich bemerkt hat oder einer inneren Stimme gefolgt ist, kann hier nicht geklärt werden, jedenfalls hat sie beschlossen, heute mit der ganzen Mannschaft auf den Hundeplatz zu fahren und alle künftigen Besitzer eingeladen, dort zu erscheinen, falls es in deren Terminplatz passt. Also stopfen wir in unserem Welpenmobil wieder einmal alle Durchschlüpfe hinter dem Fahrersitz, wo sich kein Sitz befindet, mit Decken voll, damit die lieben Kleinen nicht abhauen können. Dann nimmt die Chefin auf dem Sitz schräg hinter dem Fahrer Platz, lässt sich die Kleinen einzeln durchs Fenster reichen, setzt sie auf den Boden neben sich, und als alle gezählt und registriert sind, geht sie ab, die Welpenpost nach Siegertsbrunn. Elf zu allem bereite Heranwüchsige. Doch auch in dieser Disziplin machen sie keinen Versuch, es ihren Vorgängern gleichzutun. An manche Welpenausfahrten wollen wir gar nicht mehr denken; es fühlt und hört sich heute noch so an, wie es Dantes Inferno uns ausmalt. Tinnitus war das mindeste, was wir zu verzeichnen hatten. Nichts von alledem. Grille und Gruschel versuchen abwechselnd und standhaft, über die Mittelkonsole zum Vizechauffeur zu gelangen, Girgl mault ein bisschen herum, der Grieche auch, aber der Rest belässt es bei gelegentlichen Jammerversuchen und wenig ambitionierten Beschwerden. Und dann rollen sie sich ineinander und schlafen knarzend. Außer Grille und Gruschel. Und als wir nach einer halben Stunde am Hundeplatz ankommen, haben es Greta und Gaudi doch glatt geschafft, durch oder über die Deckenverstopfung zu ihrer Mama ins Abteil zu klettern. Klammheimlich. Pssst, Mama. IMG 8868 200Erst wird noch fleißig geübt...Spannungs- IMG 8878 200..doch dann erkundet das G-Schwader lieber die Weiten des Hundeplatzesund erwartungsgeladen begrüßt uns dort das Empfangskomitee, um ihre Lieblinge in Empfang zu nehmen. Und dann geht es auf dem Platz zur Sache. Die größte Herausforderung ist letztlich, die kleinen Raser bei zunehmender Dunkelheit unter den Sträuchern ausfindig zu machen. Mama Fianna ist gänzlich außer sich vor Begeisterung und Fürsorge, dass ihr ja kein Schutzbefohlener abhanden kommt. Nach einer knappen Stunde geht es wieder ins Auto und nach Hause. Kaum ein Laut ist zu hören, glückliche und zufriedene Erschöpfung leistet ganze Arbeit.

Auch für den Rest des Abends fällt den Kleinen nicht mehr viel ein, nur die Augen fallen ihnen noch zu.

 

Samstag, 31.10.2015 (Hallo Wien)

Ein richtig schöner Tag macht sich heute auf den Weg, den "Hallo Wien"-Gruslern ihren düsteren Tag zu verderben. Der Morgen beginnt mit Hochnebel und 8° C, aber dann schwingt sich ein weiß-blauer Königstag auf, der uns und unsere Kinder mit strahlenden 15° C beglückt.

Das Wägeprotokoll ist so prickelnd, wie Kleinkinder furchterregend sind, die einem mit verschmierten Gesichtern an der Haustüre drohen. Ob unsere Kleinkinder, die die Maskerade zum Teil von Natur im Gesicht haben, nun von Süßem oder Saurem 2500 g zugenommen haben, stellt sich nicht: Unsere Kinder werden artgerecht ernährt. Aber 2500 g sind ein deutliches Zeichen, dass sie nun in einem Alter sind, in dem sie fast explodieren. Wenn sogar der schwache Esser Gaudi 190 g zunimmt und damit das Ende des Zuwachsprotokolls markiert, ahnt man, dass die Kurve nun steil nach oben gehen wird. Das Gewichtsprotokoll, weil es ohne nennenswerte Ausschläge ist, ohne Kommentar: Girgl 5400 (+310), Grappa 5240 (+260), Greco 5120 (+230), Grille 5000 (+200), Gustl 4920 (+210), Gamba 4830 (+230), Gosh 4800 (+220), Gruschel 4790 (+240), Greta 4660 (+200), Gaudi 4550 (+190), Gundel 4530 (+210).

Diese metabolische Glanzleistung aller bekommt eine besondere Bedeutung, wenn man bedenkt, dass sie sich gestern auf dem Hundeplatz richtig ausgetobt haben und keinerlei kulinarische Sonderposten ausgegeben wurden. Andererseits haben sie sich heute Nacht wahrscheinlich so wenig bewegt, dass sie gar keine Kalorien verbrauchen konnten; vier morgendliche Häufchen in der Küche sprechen jedenfalls eine deutliche Sprache bezüglich der nächtlichen Aktivitäten. Die waren scheintot. Und selbst jetzt am frühen Morgen, wenn sie eigentlich nach so viel Schlaf aufdrehen sollten, kauern sie sich still in ihrem Terrassenlager zusammen und machen keinen Mucks. Die bekommen noch die goldene Nachbarschaftsmedaille.

Diese Freundlichkeit und Gutmütigkeit des G-Schwaders wissen wir auch im Haus sehr zu schätzen, obwohl sie uns mitunter etwas verwirrt. Wer unsere Küche kennt, weiß, dass in deren Mitte ein Arbeitsblock steht, in dem mehrere Weidenkörbe Zwiebeln, Knoblauch und vieles mehr für uns bereithalten, was man schnell im Zugriff haben möchte. Diese Weidenkörbe waren bislang die ersten Opfer geschlüpfter Welpenzähne und mussten meist schon früh ausgelagert werden, worauf die Welpen den freigewordenen Raum unter der Arbeitsfläche sofort als neue Spielstube besetzten. Fiannas G-Schwader hat diesen Küchenblock kaum zur Kenntnis genommen. Ganz zu Beginn ihrer Laufübungen, als sie noch ziemlich klein waren, versuchten einige, sich an den Körben vorbeizuquetschen und sich zwischen Wand und Korb zu verstecken. An den Körben selbst haben sie sich nie zu schaffen gemacht. Als diese Übungen massebedingt unmöglich wurden, versuchten sie nicht, wie wir es auch schon erlebt haben, die Körbe aus dem Block zu schieben, nein, sie schenkten ihm einfach keine Beachtung mehr. Bis zum heutigen Tag erfüllen die Körbe im Küchenblock ihre Aufgabe und sind keinerlei Bedrohung ausgesetzt. Sollte sich also in Zukunft jemand beschweren, dass sein Hund Schuhe und Handtaschen frisst, ist dieses Problem hausgemacht und wir übernehmen dafür keine Verantwortung.

Neben den Verhaltenskonstanten "Ruhe am Morgen" und "Weidenkorbabstinenz" zeigen die Kinder aber auch laufend Verhaltensänderungen. Neulich haben wir berichtet, wie plötzlich der Wachtrieb erwachte oder das Raunen zum Bellen wurde. Eine Verhaltensänderung beobachten wir seit einigen Tagen: Der Lieblingsrangel- und Schlafplatz war das Kuddebett in der Küche, das am Gitter zum Wohnzimmer liegt. Dort traf sich immer tout le monde, die Welpen, die Mama, auch die Tanten und die Besucher zum Kuscheln, Spielen und Schlafen, dort traf man sich, um es alpenländisch auszudrücken, zum Hoagascht. Sozialmeditativ könnte man es auch als analoge Twitter- und Chat-Stätte bezeichnen. Doch diese Chat-Stätt ist mehr und mehr verwaist, ein Polstermöbel außer Funktion. Gelegentlich wird es noch benutzt, um ein Bächlein darin loszuwerden. Wir erlösen das Kuschelkudde von seiner entwürdigenden neuen Rolle und schaffen es in den Keller. Die Küche ohne Kuschelkudde wirkt allerdings so erbärmlich wie Brüssel ohne Manneken Pis.

DSC07919 200Die Belagerung vor dem AusgangDie Kinder haben sich neu orientiert, sie liegen jetzt nicht mehr zusammen in einer Quasi-Höhle namens Kudde, sondern in der Küche verstreut, alle haben sich eine Lieblingsplatz erobert, mittendrin oder irgendwo an der Peripherie, und wenn es ihnen nach Rudelschlafen ist, kuscheln sie sich direkt an der Sperre zum Treppenhaus zusammen, was den Ein- und Ausgang, vor allem nachts, äußerst erschwert. Aber auch das hat seinen Sinn und belegt die Beobachtung von neulich: Auch hier zeigt sich der Wachhund. Die Kleinen haben die Logik des Hauses entschlüsselt, wissen wo die Zentralstellen und natürlich auch, wo, ihrer Meinung nach, die zentralen Schwachstellen sind. Und dieser Durchgang führt zum Eingang, von dort kommen die meisten Besucher und dort hinaus verschwinden sie auch wieder. Dieser Platz muss gemeinschaftlich gesichert werden. Und so liegen sie alle zusammen an der Sperre zusammengekuschelt oder etwas verstreut, aber jedenfalls so, dass man kaum weiß, wohin man den Fuß stellen soll, wenn man sie übersteigen muss. Im Gegensatz zur "Weidenkorbabstinenz" zeigt das G-Schwader hier das gleiche Verhalten, das alle ihre Vorgänger auch gezeigt haben.

Seit einigen Tagen müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass einige unserer Kinder solche Gierschlünde sind, dass sie sich regelmäßig bei der Aufnahme der Platinum-Bröckchen verschlucken und herumkeuchen und sich räuspern. Davon haben wir nun genug und weichen sogar das feuchte Platinum ein und pürieren es. Das hat zwar nichts mehr mit artgerechter Nahrungsaufnahme zu tun, verhindert aber, dass sich doch noch mal einer die Gurgel verrenkt. Wenn schon bei den Welpen kein Lerneffekt zu erkennen ist, müssen wenigstens wir die Überlegenheit des Homo Sapiens unter Beweis stellen. Zu unserer Freude können sie sich nun nicht nur nicht mehr verschlucken, sondern hauen die Brühe mit Begeisterung weg, dass es nur so spritzt.

 MG 8996 200Gustl erfreut sich an einem Ziegenripperl - wie (fast) alle GeschwisterNachmittags  MG 8995 200..nur Greco kann nicht genug bekommen und verschwindet gleich mit einem großen Trummliefern wir Ziegenrippchen mit viel Fleisch frei Garten. Schon wieder ein kulinarisches Festival beim Blues. Und die Knirpse arbeiten sich mit Eifer an den Rippen ab, verteidigen jeden Übernahmeversuch leidenschaftlich, aber nicht immer erfolgreich. Wieder einmal ist die schlimmste Mundräuberin die Mama, die ihre Beute jedoch nicht ihrer eigenen Kalorienbilanz zuführt, sondern sie zu vergraben sucht, weil Mama eben eine sehr fürsorgliche und weitsichtige Mama ist, die nicht weiß, ob nicht morgen ein kleiner Weltuntergang oder ein kollektiver Herzinfarkt des Pflegepersonals auf dem Programm steht und ihre Kinder vor leeren Schüsseln stünden, weshalb sie schon mal fürs Schlimmste vorsorgen möchte. Wir müssen diese Hamsterstrategie leider unterbinden, sonst wachsen der Buchshecke noch Ziegenbärte. Wer weiß...

Zwei Highlights hält dieser Samstag noch für unsere Welpen bereit. Das erste heißt Carl und Katharina, nein das sind keine Wirbelstürme, aber so etwas ähnliches. Carl und Katharina sind zwei Nachbarskinder, die nahezu täglich eine Spielstunde mit unseren Welpen organisieren. Heute befinden sie, dass die lose und unsystematisch herumliegenden Gerätschaften einem höheren Sinn zugeführt werden müssten und bauen aus ihnen einen zusammenhängenden  MG 8969 200Welpenparcour designed by Carl und KatharinaWelpenparcours, gegen den sich jeder Agility-Parcours als Laufstall für Anfänger ausmacht. Da geht es über Hindernisse, Wackelbretter, Schaukelbretter und durch Tunnels, dazwischen das Bällebad und das Flaschenlager und ganz am Ende der Showdown: zwei schräge Ebenen, ans Welpengitter angelegt, verbunden durch einen Gitterrost, der sogenannten "Carl-Traverse". Wer jetzt glaubt, die beiden Parcours-Architekten wären nun mit der Umgestaltung unseres Welpenparadieses zufrieden, kennt Carl und Katharina nicht. Jetzt ruhen sie nicht, bis sie jeden und jede aus dem G-Schwader zumindest einmal über diesen Parcours gelotst haben. Keine Anstrengung, keine Mühsal ist ihnen zu groß, um mit allen Mitteln der Verführung letztlich bei jedem schließlich Erfolg vermelden zu können: Das G-Schwader des Bairische Blues hat ohne Ausnahme den schwersten Welpenparcours der Welt durchstiegen und besiegt. Fiannas Kinder sind mit Feuer und Flamme bei der Sache und benehmen sich zum Teil wie zu allem entschlossene Käufer am Wühltisch. Wer solche Kinder für seine Welpen zu Verfügung hat, kann sich wirklich glücklich schätzen, auch weil Kinder eben Kinder sind und auf Ideen kommen, die bei uns schon längst verschüttet sind. Carl und Katharina haben sich um den G-Wurf unsterblich verdient gemacht, und wenn jetzt noch jemand kommt und klagt, dass sein Hund nicht über einen Gitterrost steigt, ist auch das hausgemacht wie die oben erwähnten zerlegten Schuhe.

Das zweite Highlight ist ein etwas hinterfotziges, weil dem heutigen "Hallo Wien" geschuldetes: Um der erpresserischen Frage nach Süßem oder Saurem zuvorzukommen, stopfen wir die Kleinen mit einer Art Süßsaurem: Milbemax. Wir entwurmen sie heute zum letzten Mal und heute ist auch der Bandwurm im Visier. Die eklige, aber immer ohne Anstand akzeptierte Paste, hat ausgedient, es kommt nun eine Tablette zu Einsatz, die sie klaglos schlucken, weil sie offensichtlich recht angenehm schmeckt. Ob das unbekannte Leckerli nun süß schmeckt oder sauer oder einfach nur lecker, müssen wir nicht wissen, Hauptsache wir haben auch diese letzte Entwurmung unter Dach und Fach.

 

Sonntag, 01.11.2015 (Allerheiligen)

Früher zogen die Damen an Allerheiligen immer ihren Persianermantel aus dem Schrank und trugen ihn zum Friedhof. Heute trägt kaum noch jemand Persianer, wenn doch, käme die Trägerin nicht nur wegen der scheelen Blicke ganz schön ins Schwitzen, sondern auch wegen der Temperaturen: Blitzblanke 15° C würden ihr die Entscheidung, das Vlies abzulegen erheblich erleichtern.

Natürlich freuen wir uns nicht, dass es nun November ist und der Tag der Trennung schmerzlich nahe rückt, aber solange der November weiterhin so schöne Tage für uns und Fiannas Kinder bereithält, lässt sich der Schmerz leichter ertragen.

Ob es die Ziegenrippchen waren oder das pürierte Platinum, der achterliche Ausstoß der Kinder ist von einer geradezu beispielhaft festen Konsistenz - und das nach einer Entwurmung. Worüber man sich als Züchter so freuen kann...

Wenn wir uns die heutigen Gewichte bei Lichte betrachten, könnte man auf die Idee verfallen, die doch sehr gespreizten Zuwächse (zwischen 70 und 320 g) mit dem Bewegungseinsatz im Katharinen-Parcours und auf der Carl-Traverse in Verbindung zu bringen. Vielleicht ist da tatsächlich etwas dran, nix is fix, aber ausschließen können wir eine Korrelation nicht. Also machen wir doch einfach den Versuch:

Girgl 5690 (+290): Stubenhocker.
Greco 5440 (+320): Sport ist Mord.
Grappa 5310 (+70): Und wenn sie nicht gestorben ist, parcourt sie noch heute.
Grille 5160 (+160): Wer durch das Gitter geht, braucht keine Carl-Traverse.
Gustl 5080 (+160): Keilwirbelwind? Kein Wirbelwind.
Gosh 5040 (+240): Weniger ist mehr.
Gamba 5000 (+170): Wer eine Runde nicht ehrt, ist den Parcours nicht wert.
Greta 4930 (+270): Probier's mal mit Gemütlichkeit.
Gruschel 4870 (+80): Hacke-Spitze-Hacke-Spitze 2-3-4.
Gaudi 4850 (300): My Baumstumpf is my castle.
Gundel 4660 (130): 1,2,3 - genug der Gaukeley.

Eine gewisse Relevanz ist nicht gänzlich von der Hand zu weisen...

 MG 8981 200Gamba zeigt, dass man sich in einem Bällebad wunderbar alleine vergnügen kannAn einem so schönen Tag sind die Kinder natürlich nur draußen und vergnügen sich auch heute mit dem Parcours oder dem, was sie davon übriggelassen haben, ohne Anleitung, aber mit viel Einsatz und Spaß. Es scheint, als ob die Bockigen von gestern heute deutlich mehr Begeisterung zeigten. Eine gewisse bayerische Sturschädeligkeit, sich nicht vorschreiben zu lassen, was man tun soll, könnte dabei eine Rolle spielen.

Ein wenig geeigneter Spielpartner ist Cento, der Schwarze aus unserem C-Wurf, der heute zu Besuch ist. Cento ist zwar ein sehr verträglicher Rüde, aber er ist ein erwachsener Rüde, der Kleinzeug lieber aus dem Weg geht. Schon die Vorstellung, da könnte ein hungriger Zögling versuchen, an seiner einzigen Zitze zu zuzeln - und das versuchen sie immer! -, lässt einen Kerl wie ihn die nötige Distanz wahren. Allerdings bleibt Cento dabei sehr gelassen, geht den Kleinen aus dem Weg, ist aber nicht in Gefahr, sich beinahe alle Gräten bei der hektischen Flucht über den Zaun zu brechen, wie wir das auch schon erlebten. Wieder andere speicheln so, dass wir das Gefühl haben, der Mangfallpolder wäre nur für sie gebaut worden. Cento, Vater einer ganzen Reihe von Kindern, hat ja auch schon einige Erfahrung, die ihn die Situation ohne Stress einschätzen und beherrschen lässt.

Abends bekommen die Zwerge zur Abwechslung einmal pürierte Zucchini ins Fleisch, was sie anscheinend sehr schmackhaft finden (aber was finden die nicht schmackhaft?) und dann fallen sie nach einem langen Tag voller Eindrücke rechtschaffen müde in einen wahrscheinlich traumlosen Schlaf.

 

Montag, 02.11.2015

Erster Eindruck: Die Zucchini haben keine negativen Auswirkungen auf den Stuhlgang gehabt, die Küche ist in einem gewohnt zweifelhaften Zustand. Also haben sie das Gemüse bestens vertragen.

Zweiter Eindruck: -2° C und ein glasklarer Himmel. Ein eiskaltes Versprechen.

Dritter Eindruck: Zucchini setzen sich bei manchen Geschöpfen direkt als Fett unter die Haut. Nicht bei Girgl allerdings, der in den vergangenen Tagen schon besser verstoffwechselt hat, aber natürlich keine natürlichen Feinde kennt (5930, +240). Greco hat sich endgültig von seinem gelben Schatten emanzipiert und den zweiten Platz fest im Griff (5720, +280), aber Grappa (5490, +180) muss aufpassen, dass sie nicht von Gustl abgelaufen wird, weil Gustl offenbar der effektivste Zucchini-Verwerter ist (5460, +380). Grille (5340, +180) ist einen Platz nach hinten gerutscht, was man ihr angesichts der 380 g von Gustl nicht verdenken kann. Bei Gosh (5310, +270) geht auch alles seinen gewohnten Gang, Gamba (5280, +280) reiht sich ordentlich im Feld ein, kommt aber selbst mit dieser Leistung nicht voran, wenn sich die anderen ebenso ins Zeug legen. Aber der Gaudibursch (5070, +220) hat eine mächtige Schippe draufgepackt und reiht sich vor der gleichgewichtigen Gruschel ein (5070, +200), weil er exakt die 20 g mehr performt hat, die er gestern noch hinten lag; so viel Einsatz muss honoriert werden. Greta verdaut noch an den 270 g vom Vortag (5020, +90) und für Gundel gilt: Wenn man abgehängt ist, bringen einen auch kraftvolle Zwischenspurts nicht sofort nach vorne (4920, +260). Mit dem heutigen, letzten Tag der siebten Woche wiegt das gesamte G-Schwader deutlich über einen Zentner (58,61 kg) und hat heute 2580 g zugenommen. Auch um solchen Unsinn der Nachwelt zu bewahren, hat der Herr Chronisten geschaffen.

Heute gibt es wieder Ziegenrippchen, über deren Geschichte man nicht viel erzählen müsste, weil sie sich nicht von der samstäglichen Ziegenripperl-Story unterscheidet, wenn da nicht Mama Fianna wäre, die sich wohl unentwegt den Kopf zerbrochen hat, wie sie diese Rippen zukunftstauglich unter Verschluss bringen kann, ohne dass die zweibeinigen Wichtigtuer ihr dauernd ins vorsorgende Handwerk pfuschen können. Und da kam sie wohl auf die bestechende Idee, die Rippen im Bällebad zu verbuddeln und einen großen Berg Bälle darüber zu häufen, damit auch wirklich keiner das Versteck entdeckt. Wie viele großartige Pläne, scheitert auch dieser erwartungsgemäß an der Praxis. So sehr sie auch buddelt und sich Mühe gibt: Die Rippchen versinken zwar zwischen den Bällen, aber der Berg will nicht wachsen, und je mehr sie sich ins Zeug legt, desto mehr Bälle zieren wie viele bunte Smarties die Umgebung des Bällebads und umso weniger Bälle stehen zur Berggestaltung zur Verfügung. An dieser Aufgabe wären auch andere als unsere Fianna gescheitert. Und als sie die Vergeblichkeit ihres Tuns erkennt und beschließt, nicht als Smartie-Sisyphos in die Geschichte eingehen zu wollen, nimmt sie sich beherzt das Rippchen, trägt es ins Haus und verzehrt es, ohne weitere vorsorgliche Aspekte zu berücksichtigen. Wir lassen ihr die Rippe, weil sie sich so viel Mühe gegeben hat und vor allem während ihres Treibens keinem ihrer Kinder ihre Rippchen klauen konnte, sodass die alle zu ihrem Recht und ihrer Mahlzeit kamen.

Zweifach lieben Besuch dürfen wir heute noch protokollieren. Unsere liebe Freundin Chrissi kommt aus Gelsenkirchen, um einige Tage Urlaub am Tegernsee zu machen und um unsere Kinder liebzuhaben und zu fotografieren. Wir freuen uns sehr, dass es nach vielen Jahren doch wieder einmal mit dem Termin geklappt hat. Und dann kommt auch Chilli noch einen ganzen langen Abend zu Besuch und bedient im Kudde (das plötzlich wieder zum Leben erweckt wird) einen Zwerg nach dem anderen. Es sieht tatsächlich so aus, als würden die alle wie im Einwohnermeldeamt eine Nummer ziehen und brav warten, bis sie dran sind und von Chilli nach allen Regeln der Tantenliebe gehudert und gepudert werden. So still ist es selten beim Blues, ganz andächtig genießen sie Chillis Fellpflege. Um 22:30 Uhr müssen wir Chilli fast mit der Flex aus dem Kudde schneiden, weil ihr, wie einem Kind, immer noch eine Ausrede einfällt, warum sie jetzt noch nicht gehen kann.

Nach diesem Tag sind die Kleinen wirklich völlig platt. Und wir auch. Die Chefin verschwindet im Schlafzimmer, der Vize in seiner Dachstube. Als er gegen halb zwölf wieder in die Niederungen herabsteigt , um nach dem Rechten zu sehen, nehmen die Kleinen keine Notiz von ihm. Selbst als er in die Küche muss, um ein Licht zu löschen, das die Chefin brennen ließ, regt sich nichts. Es raunzt nur und knarzt um ihn herum. Dann macht er mit Fianna den täglichen kleinen Nachtspaziergang. Als sie zurück sind, wirft Fianna einen Blick auf ihre Kinder, verkneift sich aber den üblichen Locklaut, weil ihr der Vize den Schnabel zuhält, und auch jetzt regt sich nichts im G-Schwaderlager. Der Vize geht zu Bett, wirft noch einmal einen Blick in die Runde: Keine Reaktion und auch noch immer keine Pfütze und kein Häufchen. Na, sauber, das wird ja morgen zünftig aussehen hier...

Aber darf das lange Ende einer kurzen Liebe so beschissen anfangen?

G-Deih und G-Schrei - Die G-Schichte von Fiannas G-Schwader: Woche 5

5. Woche (13. 10. -19. 10. 2015)

Dienstag, 13.10.2015

Als die Chefin die Welpen und uns morgens gegen 5 Uhr von der nächtlichen Plärrkonferenz erlöst, ist es wieder totenstill beim Blues. Aber es leben alle noch, wenn man es nach dieser Nacht auch kaum noch körperlich erfühlen kann, das, was man für gewöhnlich als Leben bezeichnet. Wir sind eher taub gegenüber allen Außenreizen und machen uns Sorgen, dass die nächtliche Stimmlage einen andauernden Tinnitus auslösen könnte. Der schaurige Chor schläft einen finsteren Erschöpfungsschlaf. Und den hätten wir auch nötig.

Passend zum Grauen der Nacht geriert sich der Morgen: Mehr Herbst geht fast nicht mehr; der Nebel tropft vom Himmel, den Bäumen fallen die Kleider vom Leib, und das alles bei garstigen 5° C. Da wünscht man sich beinahe, dass es wieder grause Nacht würde. Zu der Erkenntnis war ja schon Herzog Wellington vor Waterloo gekommen, als er stöhnte: "Ich wollte es wäre Nacht, und die Preußen kämen". Dem Wunsch schließen wir uns an, also: den mit der Nacht; die Preußen haben den Ruf ja pflichtschuldigst in die Tat umgesetzt, obwohl sie es nicht bis Waterloo geschafft haben, sondern nur bis Bayern. Die wissen eben, wo es schön ist.

Nachdem gestern die ersten vier die Zwei-Kilo-Hürde genommen haben, interessiert es uns natürlich, wer sich ihnen heute angeschlossen hat. Die Vorreiter selbst hinterlassen heute einen etwas erschöpften Eindruck und tragen zum Gewichtsaufkommen wenig bei: Girgl 2190 (+10), Grappa 2100 (0), Greco 2090 (+50) und Greta 2050 (+50). Die neuen Vierpfünder sind Gundel mit 2010 (+60), Gustl 2000 (+100) und Gruschel, ebenfalls glatte 2000 (+70). Somit fehlen noch vier, die noch ein bisschen zu naschen haben: Grille 1950 (+50), Gamba (+110) und Gosh (+100) beide mit 1930, die sich wenigstens erkennbare Mühe gegeben haben. Das Ende ziert der geradezu mühelose Gaudi, der selbst bei 1800 keine Notwendigkeit sieht, Gas zu geben und sich mit 20 g begnügt (1820). Bei so wenig Ehrgeiz des gesamten G-Schwaders wundert es uns nicht, dass nach dem ganzen Fütterungsaufwand nicht mehr als 620 g zu Buche stehen. Was reißt man sich denn fast das Herz aus dem Leib, um die Brut g-deihen zu lassen, wenn die so lustlos auf dem Angebot herumkaut? Naja, vermutlich ist es die Mutter, bei der immer weniger Milch und schon gar kein Honig fließt.

IMG 8036 200Wer wagt es, uns noch einzusperren?Um 8 Uhr geht die Chefin mit der Mutter ihren morgendlichen Patrouillengang durchs Mangfalltal und der Vize muss den Feudel schwingen. Dazu sperrt er den Kakophonie-Clan in die Box, weil sonst die Kinder gewienert würden, nicht aber der Boden. Eigentlich sollte das die erste Outdoorphase des Tages sein, wenn alle raus dürfen, ihr Frühstück bekommen und dann - hoffentlich - die Klappe halten und sich noch einmal einkuscheln. Aber das G-Schwader war wegen des bescheidenen Wetters noch nie draußen, also entfällt diese Variante aus Gründen der Vernunft und der nachbarlichen Rücksichtnahme; denn dass die, da draußen in der bösen Welt alleine ausgesetzt, geduldig auf den Wiedereinlass warten, würde selbst einem Zwangsoptimisten nicht in den Sinn kommen. Also begleiten sie mit ihren süßen Stimmchen den Vize bei seiner Arbeit aus der Schnullerbox heraus. Dabei fällt ihm auf, dass der Grieche schnell lernt: Gestern noch nieste er Ho-Tschi, heute morgen kräht es schon zusammen mit Grappa das ganze Lied, ohne Textaussetzer. Sie sind doch gescheit, Fiannas Kinder, nur eben ein bisschen sehr laut für das sensible Ohr des Feudelmeisters. Allerdings postuliert schon Schiller in seiner Glocke: "Wenn gute Reden dich begleiten, dann fließt die Arbeit munter fort". Und so fließt dem Vize die Arbeit am Küchenboden munter fort und mit ihr fließen die Überreste des gestrigen Tages dahin.

Später werfen wir den Kleinen erstmals etwas Trockenfutter in Brocken auf den Boden. Und auch das wird anstandslos akzeptiert und vereinnahmt. Die größte Herausforderung ist dabei, die Bröckchen auf der Erde als Futter zu identifizieren. Auch in dieser Disziplin gibt es naturgemäß Schnellspanner und langsame Brüter, solche die den Braten schon riechen, wenn er eigentlich noch gar keiner ist und andere, die sich die Brocken in die Füße treten, ohne zu merken, dass die zum Futtern sind. Wir helfen dann eben etwas nach: "Gucke da!" "Stell dich nicht so!" "Dumme Socke, schau auf den Boden und nicht uns auf die Nasenspitze!" Es soll ja schon vorgekommen sein, dass einer infolge ununterbrochener Heiligendevotion verhungert ist. Das wollen wir unseren lieben Kleinen ersparen.

Nun wird es aber Zeit, endlich das zukünftige Welpenparadies im Garten vorzubereiten: Wir stellen die Welpengitter ausbruchssicher auf und machen aus unserem Garten einen Hochsicherheitstrakt. Und dann ist es soweit: Im grauen herbstlichen Nieselbiesel darf Fiannas G-Schwader den ersten Blick in die kleine, weite Welt machen. Für uns ist das immer ein großer Augenblick, weil es natürlich spannend ist zu sehen, wie sie sich anstellen. Die Kinder haben es dabei leichter, denn sie wissen ja nicht, was wir mit ihnen vorhaben, wenn wir ihre Mama in den Garten rufen und sie ihr brav folgen. Und eh sie sich versehen, sind sie draußen, spüren zum ersten Mal in ihrem Leben Steinboden unter den Füßen und lernen, dass es statt kuscheliger Decken auch noch so etwas seltsames wie Grasboden, ebenfalls klitschnass, gibt. Aber sie machen ihre Sache erstaunlich gut, was wesentlich darauf zurückzuführen ist, dass sie schon einige Tage älter sind als ihre Vorgänger, als wir diese in den Garten entließen. Ein paar Tage machen in diesem Alter einen großen Unterschied. Viel selbstsicherer sind sie schon, als jene, die teils zitternd wie Espenlaub herumstanden, sich keinen Schritt bewegten und um Erlösung flehten. Diese hier staunen zwar, ertasten sich die neue Welt vorsichtig, aber sie zeigen keine Scheu; einige machen sich sofort über die herumstehenden Herbstpflanzen her, andere untersuchen unverzüglich den ausgehöhlten Baumstumpf - und Grappa stapft ohne zittrige Beinchen munter hinter ihrer Mama bis in den entlegensten Gartenteil. Erst als diese sich aus dem Staub macht, schneller als Grappas kurze Beine sie tragen können, wird es ihr ein wenig mulmig und sie ist dankbar, dass wir ihr den Weg zurück zeigen.  MG 8024 200Grille erkundet die neue WeltAuch Grille nimmt ihre erste kleine Reise unter die Füße, was uns nicht wundert, weil Grille immer die Nase im Wind hat und die Mädels generell etwas forscher sind; sie sind halt den Kerls nicht nur bei den Menschen immer einen Schritt voraus. Aber auch die Bürschchen können ihre Neugier nicht verbergen und stapfen munter herum, wenn sie auch sorgsam darauf achten, ihre Mama immer in Sicht- und Griffweite zu wissen. Wir erlösen sie schon nach wenigen Minuten wieder, und dafür sind alle dankbar. Jetzt muss das Neue erst einmal überschlafen und verarbeitet werden. Nicht zu viel auf einmal, sonst läuft der Lernspeicher über.

Wenn wir schon gerade dabei sind und die erste Hälfte unserer Welpenzeit verstrichen ist, könnten wir ja mal einen kurzen Blick auf Fiannas Kinder werfen und sie charakterlich ein bisschen einordnen; dabei sollte man nie vergessen, dass das nur eine Momentaufnahme sein kann, weil nix fix ist und alles einem steten Wandel unterliegt. Und Welpen in diesem Alter ändern ihr Verhalten manchmal schneller als sich das Wetter wendet.

Girgl DSC07663 200Girgl ist der unangefochtene Chef des G-Schwaders. Führend in der Gewichtstabelle, ist er auch führend im Ring des Bairischen Blues. Bei den üblichen kleinen Keilereien zwischen den Geschwistern, die absolut normal und notwendig für die Persönlichkeitsbildung sind, ist Girgl immer mit von der Partie und baut sich über seinem Kontrahenten auf. Allerdings ist er kein aufbrausender Großkotz und aufgeblasener Pfau, sondern einfach nur überlegen, was er in der arttypischen Weise demonstriert. Wir haben auch nie den Eindruck, dass ihm seine Geschwister aus dem Weg gehen, weil sie ihn lieber von hinten sehen. Solche rüden Kaliber hatten wir früher auch schon, doch davon ist Girgl weit entfernt. Er ist einfach nur souverän, ohne das immer gleich raushängen lassen zu müssen. Seit einigen Tagen findet er sogar Gefallen daran, einige seiner Geschwister auf sich herumturnen zu lassen, dann liegt er unten und gibt den Spaßbär. Seine Lieblingsturnerin ist derzeit Gundel, aber auch der Gaudibursch hat viel Narrenfreiheit bei ihm, ohne einen echten bayerischen Grant bei ihm zu provozieren. Mit dem "roten Po" als Anführer sind wir sehr glücklich.

Gustl DSC07533 200Der Gustl ist ein lustiger und ausgesprochen verschmuster Kerl mit einem unverschämten Bonbonblick. Der Kerl ist ein echter Schwerenöter, der es der Chefin richtig angetan hat. Meistens schafft er es mit dieser Masche auch auf einen Schoß. Dann ist er der arm-selige Gustl im Glück, der mit allen Beinen nach oben genießt. Allerdings ist er kein Weichei, das sich kraulen lässt, während bei den anderen die Post abgeht: Da mischt er dann schon auch ordentlich mit. Bei ihm ist auffällig, dass er bereits schöne, lange Spielphasen hat und auch mit sich alleine klarkommt. Gustl ist ein für sein Alter ausgesprochen ausgeglichener Rüde.

Greco DSC07596 200Greco ist eine Marke. Greco gehört zu denen, die überall sind, aber dabei gar nicht auffallen. Wenn man aber abends Bilder sichtet, stellt man fest: der ganze Tag ein Greco-Festival; überall ist der gelbe Po unterwegs. Kurioserweise ist auch die gelbe Schulter, Grappa, meist an seiner Seite. Die zwei ziehen durch die Lande und hecken Unsinn aus. Er gehört zu denen, die immer alles im Blick und dann im Griff haben, immer dabei, überall unterwegs. Wenn ihm langweilig ist, macht er auch mal seine Geschwister an und haut sie kurz in die Pfanne, um sie dann anschließend mit einem breit grinsenden "Give me five" wieder zu versöhnen. Wie man gerade gesehen hat, macht er gerne auch mal als Chefkrakeeler auf sich aufmerksam und sich unbeliebt, am liebsten zusammen mit Grappa; geteiltes Leid ist halbes Leid und gedoppelter Protest ist viermal so laut. Er ist häufig antizyklisch unterwegs, schläft, wenn die anderen Rabatz machen und nervt die schlafenden Geschwister, wenn er munter ist. Menschenarme verschmäht er auch nicht, allerdings nur, wenn ihm danach zumute ist; locken lässt er sich nicht. Aber er hat viel Spaß daran, mit uns Menschen zu spielen, und seine Spielphasen sind auch schon sehr ausgeprägt.

Gosh DSC07636 200Gosh ist als Herzensbrecher die Steigerung von Gustl. Für ihn scheint das ganze Leben eine Narrhalla-Party zu sein: Spaß und Spiel, opulente Mahlzeiten und Amouren mit Menschen – was sich bietet, wird genommen, wie es kommt. Man kann gar nicht anders: Wenn Gosh vor einem steht und himmelt, muss er auf den Arm. Und er himmelt viel und effektiv. Allerdings ist er auch einer, der nach all dem Trubel und der Lebensfreude seinen Ausgleich im Alleinsein findet: Er verdrückt sich gerne und häufig alleine in die Schnullerbox, um ganz für sich das Erlebte zu verarbeiten. Sollten seine Geschwister dann der Ansicht sein, ihm Gesellschaft leisten zu müssen, kratz er schon mal die Kurve und verzieht sich in eine einsame Ecke zum Krafttanken. Wenn er aber am Gesellschaftsleben seiner Geschwister teilnimmt, ist er ein gern gesehener Kumpel, der zu jedem Unsinn und zu jeder Rempelei eingeladen wird. Gosh ist einfach ein zauberhafter Kerl; davon scheinen auch seine Geschwister überzeugt zu sein.

Gaudi DSC07558 200Gaudi hat sich aus unerfindlichen Gründen den zutreffendsten aller zur Auswahl stehenden Namen ausgewählt: Er ist wirklich ein richtiger Gaudibursch. Klein und leicht, auch leichtfüßig wie ein Hofnarr, treibt er seine Scherze, gaukelt und poltert herum, knufft und pufft seine Geschwister - und entwischt ihnen wie ein Kobold auf einen Menschenarm, wenn sie ihm das Handwerk legen wollen. So klein er ist, so durchsetzungsfähig ist er. Er ist auch nicht schmächtig, eher knuffig und von der Milchbar seiner Mutter lässt er sich nicht so ohne weiteres verdrängen; er weiß sich durchzusetzen. Flitzeflink ist er bei seinem Gewicht natürlich auch, was ihm nicht wenige Vorteile verschafft. Gaudi ist eigentlich immer mittendrin, statt nur dabei, nur sieht man ihn halt nicht immer auf den ersten Blick. Wenn man genauer hinsieht, ist der Gaudibursch bestimmt dabei, der Schlingel.

Generell dürfen wir ziemlich erfreut feststellen, dass wir bei den Rüden keinen Aggressive Leader haben, keinen ungehobelten Rambo oder Mobbing-Proll. Solche hatten wir schon, aber - und das versöhnt immer wieder - keiner ist es später geblieben, alle sind sie gut verträgliche Burschen geworden. Wir dürfen also hoffen, dass von den jetzigen Jünglingen alle ihre guten Tischsitten beibehalten werden.

Gruschel DSC07608 200Bei den Hündinnen ist Gruschel die Rennsemmel und immer vorne dran. Häufig sieht man sie als rotes Duo mit Girgl auf der Pirsch. Anbrennen lässt die wirklich nichts; wo Gruschel ist, ist vorne. Die freche Nase hat sie immer im Wind und treibt ihre Späße mit den Geschwistern. Wir fragen uns gelegentlich, ob so jemand ein Ohrfeigengesicht hat, weil er so ist oder ob sie so ist, weil sie ihrem Ohrfeigengesicht gerecht werden will. Trotz ihrer vielen Verpflichtungen, findet sie zwischendrin immer wieder Zeit, einen Schoß zu entern und Herzenswärme zu tanken und ist dann für Minuten eine richtige Kuschel-Gruschel. Und schon ist sie wieder auf und davon und um die Ecke und gruschelt irgendwo herum. Wenn sie dieses Temperament behält, wird sie sich als erste den Titel "Pumuckl des Bairischen Blues" verdienen und ihre Herrschaften standesgemäß fordern.

Grille DSC07581 200Grille steht in ihrem Forscherdrang ihrer Gruschel-Schwester in nichts nach und ist auch immer in der ersten Reihe zu finden. Über diese beiden könnte man fast eine Schablone legen, wenn Grille nicht ein bisschen spröder wäre als ihre Schwester. Das soll heißen, dass Grille bei all dem Wind, den sie sät und bei all dem Umtrieb, den sie anzettelt, distanzierter und autonomer ist. Manchmal ist sie auch einfach berechnender: Gruschel schlägt ein Rad, weil sie radschlagen und durch die Luft fliegen will, Grille schlägt ein Rad, weil sie jemanden beeindrucken will. Gruschel läuft dann davon und freut sich über das gelungene Rad und Grille will wissen, wer es gesehen hat. Grille hat bei all ihrer Leichtigkeit und Fröhlichkeit schon einen sehr ausgeprägten eigenen Kopf und ist schon jetzt ein Ausbund an Hovawart: mutig, durchtrieben, durchsetzungsfähig, lustig und die größte Charmeoffensive seit Michelle Hunziker. Der Vize meint, wenn er wählen dürfte, wäre sie die Seine (nein, nicht die Hunziker).

Greta DSC07659 200Greta ist sehr verspielt, aber eine sehr intensiv spielende Hündin. Sie muss alles in die Pfoten nehmen und untersuchen, ernsthaft und interessiert, aber auch aus reiner Spielfreude. Anfangs war sie immer unscheinbar und unsichtbar wie ein Phantom, von dem man weiß, dass es existieren muss, aber eben nie gesehen wurde. Aber das täuschte sehr. Greta war immer präsent, nur nicht auf die gelegentlich krawallige Art von Gruschel und Grille. Sie war immer eine, die sich zuerst ans Abenteuer wagte oder ein neues Spielzeug erkundete und herumtrug, aber kein Aufhebens darum machte. Es interessierte sie und deshalb beschäftigte sie sich damit. Zur Rampensau wird man damit erst später, wenn die anderen ihr Pulver schon verschossen haben. Wir haben es schon einmal gesagt: Greta kommt langsam, aber gewaltig.

Gundel DSC07544 200Gundel ist auch so eine Schablone zu Greta wie Grille zu Gruschel. Auch sie wirkt erst einmal eher zurückhaltend, ist aber eine aufopferungsvolle Spielratz und traut sich viel mehr zu, als man ihr zutraut. Die kleine, schwarze Hexe lernt gerade das Große Hexeneinmaleins, aber auch das macht sie hingebungsvoll und nicht coram publico, sondern in ihrer kleinen Hexenküche, und immer, wenn sie eine neue Zauberei dazugelernt hat, lässt sie uns und ihre Geschwister daran teilhaben. Und sie lernt schnell und effektiv. Dazwischen braucht sie immer mal einen Schoß. Mittlerweile kommt niemand mehr auf die Idee zu fragen: Wo ist denn Gundel?

Grappa DSC07563 200Grappa ist nicht nur schultergelb, sondern auch die weibliche Ausgabe des gelben Greco: raumgreifend, schlitzohrig und laut, am liebsten vorlaut. Ihre letzte Stimmprobe, natürlich im Duett mit Greco, klingt uns noch in den Ohren. Trotz ihrer robusten Art schleppt sie einen großen Sack voller Liebenswürdigkeiten mit sich herum, den sie auch gerne überall ausschüttet und alle damit besticht. Über sie können wir wirklich viel lachen. Grappa spielt viele Rollen ziemlich perfekt für ihr Alter, egal ob Scherzkeks oder Mama Africa; man nimmt ihr alles ab, weil sie unbeschwert fliegen und sich manifest durchsetzen kann. Dass sie Letzteres immer wählt, wenn es um Leben oder Tod geht, sieht man an ihrem Gewicht; da versteht sie keinen Spaß. Abseits der Nahrungsquellen ist sie umso friedfertiger, provoziert niemanden, lässt sich aber euch nicht provozieren und könnte sich in ihr Familienwappen durchaus das bayerische Lebensmotto: "Leben und leben lassen" sticken lassen.

Gamba DSC07526 200Gamba ist momentan die ruhigste in der Mädchenbande, dennoch weit davon entfernt ein Mauerblümchen zu sein. Sie ist nicht so unterrepräsentiert, wie es scheint, drängelt sich aber nicht ständig ins Scheinwerferlicht. Vielleicht liegt es ja auch daran, dass ihre unscheinbare lila Markierung so untergeht und optisch einfach nicht so dominant ist wie das Gelb und Rot des Führungspersonals. Das gilt möglicherweise auch für die grüne Greta, das nicht so gut hervorsticht aus dem dunklen Pelz. Wenn man genauer hinsieht, steht Gamba aber nie abseits, lässt sich nie die Butter vom Brot nehmen und lässt auch keine Spielrunde aus. Bei ihren Geschwistern ist sie bestens akzeptiert. Und auch wir haben jederzeit ein Paar offene Arme für sie.

Fiannas G-Schwader scheint vom Temperament ein wirklich sehr ausgeglichener Wurf zu sein. Sie sind alle spritzig und voller Leben, aber nicht so durchgeknallt, wie wir es auch schon erlebten. Es gibt auch keinen richtigen Raufbold und keinen Prügelknaben; sie vertragen sich alle wirklich gut und die täglichen Raufereien und Rangeleien brauchen sie für die Entwicklung ihres Sozialverhaltens. Was können wir uns mehr wünschen? Wir sind gespannt, wie sich die elf bis zur achten Woche weiterentwickeln werden; da haben sich schon manche Mauerblümchen (die wir wirklich nicht haben) zu mächtigen Solitären entwickelt und großspurige Tiger sind schon mal als Bettvorleger gelandet.

Bezüglich der weiteren Entwicklung trägt die Mama immer weniger bei: Ihr geht ganz langsam die Milch aus. Heute legt sie sich noch dreimal zu ihren Kindern, aber die fordern natürlich mehr. Immer häufiger versuchen sie nun ihr Glück im Stehen, doch darauf lässt sie sich nicht ein und maßregelt sie deutlich. Wir sind begeistert, wie sich Fianna gegen ihre Kinder und zu ihrem eigenen Nutzen durchsetzt, schließlich tut diese Hochhüpferei und Zitzenzerrerei richtig weh und das lässt sie sich nicht bieten. Wem die stabile Seitenlage nicht genügt, muss sich auf einen Anpfiff einstellen, der nicht von schlechten Eltern, beziehungsweise einer schlechten Mutter ist. Fianna ist eine ausgezeichnete Mutter. So gesehen trägt sie also doch maßgeblich zur Entwicklung ihrer Kinder bei; mit Kalorien versorgen können auch wir sie, aber aus ihnen herzerwärmende Hovawarte machen kann nur sie.

Nach dem Fiasko der vergangenen Nacht, dürfen sich die Terroristen heute auf ihre erste "Freinacht" freuen: Die Box bleibt offen, der Terror hat gesiegt. Egal, Hauptsache die Nacht ist ruhig.

 

Mittwoch, 14.10.2015

Die Nacht war so ruhig, dass wir den Flügelschlag der Engel hören konnten. Fianna musste zu uns ins Schlafzimmer, die Schlafzimmertür blieb zu, sodass sie nicht auf die Idee kommen konnte, eine kleine Inspektionsrunde bei ihren Kindern zu machen, und sie machte auch keine Anstalten dazu. Kein Ton drang die ganze Nacht zu uns.

Weil das Wetter immer noch uneinsichtig nässt, müssen die Kinder auch heute die Putzrunde in ihrer Kiste überstehen, was erwartungsgemäß nicht allen gefällt. So singen sie alle gemeinsam das Lied, das sie gestern von Greco und Grappa gelernt hatten. Diese Kinder sind wirklich hochbegabt; wie schnell sie lernen! Nur Gruschel findet, dass das ganze gewerkschaftliche Getriller und Gegröle wenig zielführend ist und man sein Schicksal selber in die Hand nehmen müsse - und überwindet die Bretterwand. Sie sieht sich um und schaut, wo ihre Geschwister bleiben, und nachdem ihr keiner gefolgt ist, kommt sie zum Putzmajor gewackelt und macht ordnungsgemäß ihre Meldung: Freifrau Gruschel vom Bairischen Blues meldet gehorsamst den Ausbruch. Der Putzmajor verkneift sich ein Lachen und packt die Freifrau wieder in die Kiste. Aber die ist augenblicklich wieder da, macht ihre Meldung und wird wieder eingewiesen. Viermal geht das so, bis ihre Kraft (oder bayerisch: ihr Irxenschmalz) aufgebraucht ist. Nun muss sie sich dem Protest der anderen, der Versager, von denen es einige versucht haben, aber alle gescheitert sind, doch noch anschließen. Auch der Pavian und Platzhirsch Girgl musste beschämt aufgeben. Die Freiheit ist halt vornehmlich reine Kopfsache. Und der Putzmajor wischt und wäscht und wundert sich.

Heute haben nur noch zwei das Etappenziel von zwei Kilo verfehlt: Gaudi und Gamba, beide mit 1970 g, was nicht weniger heißt, als dass der Gaudibursch nicht mehr alleiniger Inhaber der Roten Laterne ist. 150 g hat er zugenommen, Gamba nur 40, und das kommt dabei heraus: ein aufgeschlossener Gaudi.

Die anderen gaben nach der bescheidenen Performance von gestern ordentlich Gas: Girgl +170 (2360), Greco +190 (2280), Grappa +90 (2190), Greta +90 (2140), Grille +170 (2120), Gruschel +90 (2090), Gustl +80 (2080), Gundel +70 (2080) und Gosh +140 (2070), macht 1280 g und mehr als das Doppelte von gestern. Geht doch.

 MG 8055 200Gemeinsamer ZeltaufbauNachdem wir gestern die neuen Reviergrenzen für die Kinderschar abgesteckt haben, werden heute die Gerätschaften und Spielsachen aus dem Dachboden geholt und verteilt, alles zur Prägung der Kleinen, damit wir sie mit ziemlich viel Wassern gewaschen ins Leben entlassen können. Der Herbstnebel und -regen ist ja zu so etwas nicht zu gebrauchen. Und dann wird der berühmte Transit zwischen Küche und Terrasse, quer durch das Wohnzimmer errichtet, die Küchensperre geliftet und die Schar in die feuchte Freiheit entlassen. Munter stürzen sie sich hinaus, fühlen sich auch schon ein klein wenig heimisch, gehen auf Erkundungspirsch und helfen uns bei unseren Gestaltungsarbeiten, wie etwa beim Aufbau des Zirkuszelts. Aber dann geht es ihnen wie der Butter in der Sonne: Sie schnurren förmlich zusammen. Natürlich ist der Garten noch kein vertrautes Revier, der aufgestellte Korb und die aufgebaute Hundehütte sind fremd und noch kein tauglicher Zufluchtsort, und so sitzen sie plötzlich völlig ermattet irgendwo herum und kämpfen mit dem Schlaf, taumeln wie betrunken hin und her, bis sie sich doch noch in eines der angebotenen Refugien aufmachen und sich vom Schlaf übermannen lassen. Nur Gaudi und Greco bleiben mannhaft auf der Terrasse sitzen, bis ihnen die Köpfchen auf die Brust fallen und sie zusammengesunken dahocken wie zwei übermüdete Fiaker. Bevor sie umfallen, sammeln wir die kleinen Wachposten (oder sind es doch Schlafposten?) ein und legen sie zu ihren Geschwistern.

Unsere Kinder Benta und Dacapo kommen heute zu Besuch vom Bayerischen Wald herunter, um sich ihre Nachfolger anzusehen. Für Dacapo ist der Spaß überschaubar, weil erwachsene Rüden wenig Verständnis für das Gewusel und Gewimmel um sie herum haben; sie machen sich aus dem Staub, wenn immer es geht. Und so ist auch Dacapo meist da, wo ihm bestimmt keine Welpen ans Gemächt gehen kann, um dessen Milchtauglichkeit zu testen. Benta dagegen ist zweimalige Mutter und wie Chilli völlig welpengaga. Wenn sie könnte, würde sie Fianna das Angebot machen, ihren Job zu übernehmen. Aber soweit kommt es nicht, weil sich die beiden nicht begegnen sollten: Im Freien kommen sie gut miteinander aus, aber im Haus stellen sie Besitzansprüche, die dem häuslichen Frieden eher abträglich sind. Also werden sie wechselseitig voneinander getrennt, sodass beide immer wieder auf ihre Kosten mit den Welpen und uns kommen.

Aber Benta und Dacapo sind nicht die einzigen, die uns heute besuchen - der Strom will gar nicht enden. So viele kommen heute, dass der Vize ständig meint, es wäre Wochenende: Ja, ist denn schon wieder Wochenende? Nein, wir schreiben Mittwoch und am Ende des Tages haben sich 27 liebe Menschen bei uns die Klinke in die Hand gegeben. Heute mit dem Welpenauslauf ist ja auch viel mehr zu sehen und zu fotografieren als in der Indoorphase. Und die Kleinen geben alles und machen die Besucher glücklich. Als uns die letzten um 20 Uhr verlassen, bleiben uns nur noch Benta, Dacapo und ihr Gesinde. Wir machen uns noch einen netten Abend und fallen bald tot erschöpft in den Schlaf: die Kinder, Dacapo, Benta, Fianna und wir auch. Puuh...

 

Donnerstag, 15.10.2015

Weil heute der Vize etwas zu feiern hat, hat der Welpengott mit ihm ein Einsehen und beschert ihm morgens um kurz vor 7 Uhr eine blitzblanke Küche. Zwar ist die Tretminen-Entsorgung Chefsache, aber man startet doch ganz anders in den Tag, wenn die Luft halbwegs rein ist. Halbwegs, denn die Teichlandschaft hat sich natürlich über Nacht prächtig entwickelt, weshalb ein Duft wie im Oktoberfest-Pissoir in der Luft liegt. Dafür füllt sich mit der Freilassung der Fiannakinder der Welpenpark augenblicklich mit Tretminen und zwar so vielen, dass man vermuten muss, sie haben sich extra zum Wohle des Vize die ganze Nacht zurückgehalten und nun einiges nachzulegen. Aber, wie gesagt: Tretminen sind Chefsache.

Trotz des wohlmeinenden Zutuns der Welpen, ist der Tag auch kein anderer als seine Vorgänger: ein trüber, grauer und nasser Herbsttag mit Hochnebel knapp über den Baumspitzen und später wolkenverhangen.

Der Gaudibursch hat sich schon wieder abhängen lassen: 210 g hat Gamba aufgeladen und sich auf 2180 hochgeschwungen, der Gaudi begnügte sich derweil mit 90 g, was ihn aber eben doch als letzten in die Vierpfünderklasse befördert (2060). Noch viel bescheidener gab sich gestern Gosh mit nicht nennenswerten 10 g, die ihn gerade noch vor Gaudi einreihen (2080). Der zauberhafte Gustl hat sich auch nicht mehr als 20 g schmecken lassen und tapert mit 2100 g ziemlich unambitioniert vor den beiden her. Was ist denn da los? Hat das Trekking-Abenteuer im Vagener Wildpark so viel ihrer Substanz gefordert? 2160 g bringt Gundel auf die Waage, auch nur 60 g mehr als gestern. Aber jetzt: Einen mächtigen Satz macht Gruschel mit 170 g und landet bei 2260. Ebenfalls 2260 g zeigt die Waage bei Greta, bei der allerdings nur 120 g dazukommen. 2370 meldet Grappa und ist stolz auf ihre 180 g mehr. Ebenfalls 2370 g erreicht Grille, die allerdings noch mehr Grund hat, auf sich stolz zu sein: 250 g plus! 120 g macht Greco gut und steht nun bei 2400. Nur noch 90 g Vorsprung hat Girgl, aber mit 130 g plus zeigt er, dass er nicht gewillt ist, dem Griechen das Feld zu überlassen.

1360 g für alle zusammen ist ja kein beklagenswertes Ergebnis, aber da denken wir uns doch, dass es heute ein kleines Festmenü für die Zwerge geben sollte: gekochtes Huhn mit Reis. Zum ersten Mal so etwas Leckeres zwischen den Zähnen, da rotieren die Schwänzchen und die ganze Bande will gar nicht aufhören zu mümmeln und zu schlabbern. Aber weg ist weg. Zehn Minuten suchen sie wie Süchtige nach jedem Reiskorn im Gras und putzen sich gegenseitig die verklebten Nasen und den Pelz sauber. Mama hilft natürlich auch mit, ihre Welpen einen schicken Eindruck bei den Besuchern machen zu lassen, nicht ganz uneigennützig, wie man sich denken kann, obwohl sie selbstverständlich auch ihren Teil vom Huhn abbekommen hat.

Anschließend verteilt sich das G-Schwader zum Verdauungsschlaf, die meisten im Hundebett, ein bis zwei im Korb, ein paar hartgesottene auf dem Steinboden, von dem wir sie ins Bett bringen, was sie aber nicht akzeptieren und wieder abhauen, zurück auf den Steinboden (Sturschädel, hovawartige!) - nur Gosh dreht noch einsame Runden durch sein neues Paradies, immer den Tigerfuchs im Schlepptau, den ihm seine Mama geschenkt hat. Mit dem ist er noch eine ganze Weile beschäftigt, bis auch ihm die Augen zufallen.

 MG 8123 200Greco testet das Federbrett - geht doch schon super!Man kann sagen, sie fühlen sich schon richtig wohl in ihrem neuen Revier, überall Krempel und Gelumpe, das erkundet werden muss, auf das man klettern oder auf dem man seine Matschebeinchen auf Standfestigkeit überprüfen kann. Das Federbrett, das gautscht wie ein Schiff in Kreuzseen ist nämlich neben dem kleinen Autoreifen der Top-Act im "Erlebnispark Mangfalltal". Wie besoffene Seebären stehen sie auf diesem Brett und versuchen das Gleichgewicht zu halten, bis es sie unwiderruflich abwirft. Aber einige stellen sich schon richtig geschickt an. Der Autoreifen ist eine komplett andere Attraktion: In dem kann man zu zweit oder zu dritt prächtig toben und raufen, den Verlierer über Bord werfen und als uneinsichtiger Verlierer wieder ohne Rücksicht auf Verluste in das volle Boot springen, in der Hoffnung, dass dadurch ein anderer seinen Stammplatz verliert. König des Autoreifens, also quasi der "Auto-König", ist Greco, der so tut, als hätten wir das Ding nur für ihn in den Garten gebracht, ein richtiger Platzhirsch auf Kautschukbasis. Und auch jetzt schläft er im Reifen, so in die Höhlung gekuschelt, dass man ihn beim Zählen glatt übersieht.

Heute ist die Besucherzahl sehr überschaubar, aber Benta und Dacapo mit ihrem Gesinde sind noch da und bereiten dem Jubilar ein kleines Festessen, indisches Huhn mit Reis, und mindestens so lecker wie das Welpenhuhn von heute Nachmittag. So klingt auch dieser Tag harmonisch aus bei feiner Speis und feinem Wein. Der Vize kann sich aber im Gegensatz zu den Welpen weigern, sich morgen auf die Waage stellen zu müssen. Also noch ein Löffelchen für Grille und eins für den Griechen und noch eins für den zünftigen Gaudi - nein, alle schafft er nicht mehr...

 

Freitag, 16.10.2015

Es regnet bei 6° C. Das sind keine idealen Bedingungen für einen Morgen im Freien. Andererseits stellt sich die Frage, was die Bande sagen würde, wenn wir sie zum Putzen wieder in ihre Schnullerkiste stecken würden. Darüber denken wir gar nicht nach. Also raus! Sie sollen sich im Bett oder im Korb oder in der Hütte gemeinsam warmhalten, schließlich ziehen wir Hunde groß und keine Kanarienvögel. Die Entscheidung findet eine 10:1-Zustimmung - zehn pennen nach der Morgentoilette und eine hat schon wieder die Trillerpfeife zwischen den Lippen: na klar, Grappa, wer sonst. Allerdings gibt ihr der Grieche heute keinen verbalen Flankenschutz, sondern lässt sich lieber von seinen Brüdern und Schwestern wärmen. Für uns ist es ohne Bedeutung, ob eine oder elf morgens um 5:30 Uhr die Nachbarn aus dem Bett trillern. Wir greifen also zum Äußersten und zu Grappa und bringen sie ins Haus, wo sie abwechselnd von der Chefin und vom Vize auf dem Arm geschaukelt und betüttelt wird, während der jeweils andere die fälligen Morgenarbeiten erledigt. Grinst sie etwa? Fehlt nur noch, dass sie uns wie Greco mit einem verschmitzten "Give me five" das Du anbietet. Es ist eben wie im richtigen Leben: Man muss nur das Maul weit genug aufreißen und schon kommt man auf den Arm. Aber besser, wir nehmen das Kind auf den Arm, als dass sich die Nachbarn auf den Arm genommen fühlen.

Die Gewichtskontrolle bestätigt den Trend von gestern: nochmal ein bisschen weniger. 1250 g sind im Durchschnitt 113,6 g. 110 g hat Girgl zugelegt, also etwas unterm Schnitt und steht bei 2600. Greco bleibt ihm auf den Fersen: 2560 (+160), er profitiert offenbar von seinem Reifendomizil. Grille hält Anschluss und lässt sich von den Boliden nicht abhängen: 2510 (+140). Und dann klafft schon ein Riesenloch, an dessen Ende Grappa mit 2370 auf der Stelle tritt. Dann Gruschel 2350 (+90) und Gustl, der sein Hungerleiderdasein im letzten Drittel des Kalorienzuges offenbar satt hat und mit ebensolchen satten 240 g auf 2340 klettert. Das ist mal ein Lebenszeichen. Die 2200er-Fraktion führt Gundel mit 2290 (+50) an, ihr folgt mit 2280 Greta (+20), dann Gamba mit 2250 (+70). Das Schlusslicht dieser Reihe ist Gosh mit 2220 und tapferen 140 g plus, was ihn wegen des Kraftaktes von Gustl trotzdem auf den vorletzten Platz befördert. Dahinter schlendert nur noch Gaudi (2190), wenn man 130 g noch als schlendern bezeichnen kann.

IMG 8227 200Entspannte Zwischenabnahme - auch für GruschelJetzt werden die Zwerge noch nachmarkiert und gekämmt und sie bekommen noch Verhaltensregeln eingeimpft, denn heute Nachmittag kommt die Normenkontrollkommision zum Zwischencheck. Wenn die Zwerge nicht so lustig wären, würden die Zuchtwartinnen wahrscheinlich schläfrig vom Stuhl purzeln vor Langeweile; deshalb setzen sie sich gleich lieber auf den Boden zur Arbeit. Wenn man nämlich mit einem Welpen in den Händen plötzlich einschläft, ist die Fallhöhe niedriger als vom Stuhl. So bestätigen sie uns, dass alle Näbel wohl verheilt sind, dass die frischen Zähnchen eine gut funktionierende Schere bilden, was wir bestätigen können, dass die Marken mehr geworden und andere im Kommen sind, dass die Nasen und Ohren ordentlich geputzt sind (das gehört allerdings nicht zum Standardprogramm, soll aber unsere Bemühungen würdigen) und dass das G-Schwader überhaupt ein ganz süßer und wohlgelungener Haufen ist, der nur einen schweren Mangel hat: Er langweilt einen Zuchtwart zu Tode. Keine schiefen Zähne, keine planetengroßen weiße Flecke (da sehnen sie sich mit Tränen in den Augen unsere Anouk zurück), keine Nabelbrüche, nichts. Gottseidank können wir zur Wiedergewinnung des seelischen Gleichgewichts zweier Zuchtwartinnen wenigstens unseren Gustl aufbieten, an dessen äußerstem Schwanzspitzelchen sie sich abwechseln abarbeiten, um zu dem Schluss zu kommen, der uns nicht fremd ist: Er muss unter die Röntgenmaschine, um abzuklären, ob das Knickschwänzchen ein Zuchtausschluss ist.

IMG 8263 200Spiel- und Schmusetante Chilli zu BesuchSpäter kommt Chilli nochmal zu Besuch und umgarnt Fiannas Kinder, wie nur sie das kann, und die haben schnell gelernt, dass die Tante eine ganz liebe ist, aber nichts Verwertbares zu bieten hat und deshalb lassen sie sie heute einfach in Ruhe und spielen mit ihr, beißen sie in die Zehen und in die Ohren, und wenn sie ihr das Herz ausbissen, würden sie so glücklich sterben, wie keine vor ihr.

 

Samstag, 17.10.2015

Morgens beim Hygienecheck ist es totenstill auf der Terrasse; selbst Grappa macht keinen Mucks - alles schläft, keiner kracht. Man könnte fast meinen, die Spezialbehandlung gestern Morgen hat sie so aus der Fassung gebracht, dass sie lieber die Klappe hält, als sich noch einmal wie ein Baby herumtragen zu lassen.

Die zweite freudige Erkenntnis dieses Morgens ist, dass die Küche nahezu clean ist - ein Häufchen! Wir rechnen das dem Frischfleisch zu, das wir gestern Abend anstatt des Trockenfutters gegeben haben. Aber wissen kann man das nicht.

Schauen wir nur mal kurz auf die Gewichte von oben nach unten: Girgl 2770 (+170), Greco 2650 (+90), Grille 2610 (+100), Grappa 2570 (+200), Gruschel 2480 (+130), Gustl 2470 (+130), Greta 2440 (+160), Gundel 2420 (+130), Gosh 2370 (+150), Gamba 2370 (+120) und Gaudi 2350 (+160). Das ergibt für heute ein Plus von 1540 g. Sehr schön.

Samstag ist es, das Wetter hat sich aufgerafft und bedient uns mit mehr Sonne als Wolken, also erwarten wir heute reichlich Besuch und, dass aus dem Welpenparadies eine Vagener Freilichtbühne wird. Die Welpen geben alles, um die Besucher zu beglücken und zu bestechen und ihr Wohlwollen zu gewinnen; schließlich geht es ja langsam darum, die richtigen Herzen zu brechen. Wenn die wüssten, dass die Herzen längst in Scherben liegen und ihr neues Zuhause bei den meisten klar und bei den anderen so gut wie geklärt ist. Und die neuen Besitzer, sofern sie heute hier sind, empfinden selbstredend die Performance ihres Herzkaspers als überragend. Was sonst!

Chilli wollte heute nochmal einen Abstecher zu ihren Lieblingen machen und zeigt nun allen Anwesenden, dass sie eine solche Schmusetante ist, wie wir ihr immer nachsagen: Für das Publikum hat diese Glucke kein Auge, nur für ihre Spielratzen und man weiß nicht, wer jetzt glücklicher ist, die Chilli oder die Zuschauer. Ungeachtet der Tatsache, dass sich die Kleinen den ganzen Tag abgerackert haben, den Zuschauerpreis zu gewinnen, ist am Ende des Tages Chilli der Star der Szene. Man spielt eben befreiter, wenn man nichts mehr zu gewinnen hat.

IMG 8293 200Gosh weiß wirklich nicht, was an der Emtwurmung gut sein sollUm die kleinen Überflieger wieder auf den Boden der Tatsachen zu bekommen, gönnen wir ihnen abends den ersten Teil ihrer zweiten Entwurmung. Sie tragen es mit Fassung und denken sich womöglich: Tomorrow is another day. Womit sie zweifellos recht hätten.

 

 Sonntag, 18.10.2015

Wenn die Fangemeinde frühmorgens die müden Augen auf ihre Bildschirme richtet und versucht, die Zahlen der Gewichtstabelle und das Tagesbild zu fokussieren und sich nebenbei ehrlich darüber freut, dass die Informanten immer so zeitig dran sind, sind die vom Blues schon einmal durch die Gülle gewatet wie weiland Herkules durch den Augiasstall und haben dabei schon ein T-Shirt durchgeschwitzt. In anderen Worten: Wenn sich das Publikum amüsieren und faszinieren lässt, haben wir schon eine bis eineinhalb Stunden auf dem Buckel. Welpenzeit ist immer auch Schlafmangelzeit, denn im Frühtau die Zwerge, sie kräh'n, fallera. Dabei ist das G-Schwader im Vergleich mit seinen Vorgängern ein Elite-G-Schwader, zumindest was den Grölfaktor und die Inkontinenz betrifft. Das gilt morgens auch für Grille, Grappa und Greco. Es hätte viel schlimmer kommen können - aber das kann ja noch kommen.

Das Wiegeprotokoll vermeldet heute keine Sensation: Girgl 2900 (+130) - und dann lange nichts. Greco 2780 (+130), Grille 2760 (+150), Grappa 2720 (+150). Gustl ist mit 2640 (+170) ein einsamer 2600er. Dann kommen die 2500er mit Gruschel 2580 (+100), Greta 2570 (+130) und Gundel 2520 (+100). Und jetzt geht es in den Tabellenkeller: Gosh 2480 (+110), Gamba 2460 (+90) und Gaudi 2400 (+50).

Zur LMU-Milch[1] geben wir heute erstmals einen Becher Hüttenkäse und eine Banane. Während das Küchenpersonal sich mit der Rezeptur der Kinderverköstigung beschäftigt, haben diese es auf die Zehen der Küchenschranzen abgesehen; wie verzogene kleine Prinzen und Prinzessinnen, die ihre Kinderfrauen aus Langeweile und Hochmut sekkieren. Diese Prinzchen vergehen sich an den Zehen des Personals, die sie betulich umgarnen und umzuzeln, dabei langsam und genüsslich in ihre waffenstrotzenden Gesichtsöffnungen hineinarbeiten und am Ende, ganz hinten, herzhaft zubeißen. Varreck! Man muss sie mögen, die Zehenmonster!

Mittags servieren wir erstmals Trockenfutter (Platinum) in Brocken im Futterring, also so eine Art Brock im Ring. Wir haben das Futter schon öfter als Hühnerfutter gegeben, d.h. zum Locken auf den Boden gestreut, weil es relativ klein und weich ist, sodass sie es gut verarbeiten können. Dennoch hält sich die Begeisterung in Grenzen; der Wechsel zwischen den Ringen ist auffällig lebhaft, weil man schauen muss, ob die anderen nicht doch etwas Schlundfreundlicheres in ihrem Ring haben. Haben sie aber nicht. Zudem stellen die Knirpse sich etwas an und verschlucken sich an den Bröckchen, weil sie sie aus dem Ring mehr inhalieren als kauen, was sie bei der viel geringeren Menge, die wir gelegentlich auf den Boden bröseln, offenbar nicht machen. Aber das lernen sie bestimmt auch noch.

Weil dieser Sonntag verregnet ist, ist es ein beschaulicher Besuchertag. Die letzten verlassen uns erst spät am Abend, was uns jedoch nicht daran hindert, heute noch den zweiten Teil der zweiten Entwurmung unterzubringen.

Und dann kriechen wir in unser Wurmloch und tauchen viel zu schnell am nächsten Tag wieder daraus hervor.

 

Montag, 19.10.2015

Grauer Hochnebel hängt sehr tief über dem Mangfalltal, Regen mischt sich dazu. Mit goldenem Oktober hat das kaum etwas zu tun, eher mit einem mattgrauem Platin-Oktober.

Die morgendliche Bestandsaufnahme des Vortages lässt keinen Zweifel: Die Banane im gestrigen Frühstück war zu unreif. Schon gestern waren die Rückstände der Kinder tagsüber etwas zu weich, obwohl man noch nicht von einem echten Durchfall sprechen kann, aber es macht einen Unterschied, ob man feste Würstchen entfernen muss oder breiige Fladen. Heute Morgen sind die Fladen immer noch deutlich im Vorteil gegenüber den Würstchen. Und so kommen jetzt gereiftere Bananen zum Einsatz, schließlich ist es nicht unwesentlich, ob der Brei vom Obst kommt oder andere Ursachen hat.

Den Gewichten hat die kleine Darmunpässlichkeit nicht geschadet. Girgl hat gleich 200 g zugelegt und ist mit 3100 g der erste und bislang einzige Sechspfünder. Weiter auf den Fersen sind ihm Greco mit 2980 und ebenfalls 200 plus und Grille mit 2940 (+180). Grappa beschließt diese Klasse mit 2900 (+180). Nach diesen Speckbaronen und -baronessen klafft schon ein mächtiges Loch, das es den Verfolgern schwer machen dürfte, in die Drei-Kilo-Klasse aufzusteigen. Obwohl ebenfalls 200 g zugelegt, reichte es für Greta nur für 2770 g, 2760 (+120) bringt Gustl auf die Waage und Gruschel landet mit 150 g plus bei 2730. Für Gundel stehen 2650 g zu Buche (+130), Gamba (+130) und Gosh (+110) liefern 2590 g und der Gaudimax legt sich mit 180 g plus und 2580 g hinter den beiden auf die Lauer. 1780 g Zuwachs können sich sehen lassen.

Da heute Montag ist und bei uns der Laden dicht wie bei den Frisören, genießen wir einen ziemlich entspannten Tag mit unseren Kindern, allerdings nur wenn wir sie ins Freie lassen, was wir heute etwas ungern tun, weil es so entsetzlich nässt, dass wir ein bisschen Sorge haben, die zarten Fellmäuse könnten sich die Schwindsucht holen: Kälte ist unproblematisch, aber die bis in die Knochen kriechende Kälte gefällt uns nicht, zumal das Lungerpack sich nicht an die Vorgaben hält und in den Betten ruht, sondern sich unverzüglich auf den Steinplatten verteilt, sobald man ihnen den Rücken kehrt. Aber sie haben die Freiheit geschmeckt und machen uns die Hölle heiß, wenn wir sie einsperren. Also raus mit ihnen, wird schon schiefgehen. Und dann sind sie so tiefenentspannt wie wir an einem grauen, besucherlosen Montag.

 MG 8372 200Pansenstange - nicht schlechtAls Nachtkonfekt reichen wir den Kleinen wieder mal etwas Neues: Pansen-Knabberstangen. Manche stellen sich bei der Verarbeitung der störrischen Stäbchen etwas dusslig an, andere versuchen, das Problem gemeinsam, zu zweit oder dritt zu lösen, dabei ist die eigentliche Problemlösung allgegenwärtig: Mutter Fianna, die das Zeug Stück für Stück wegräumt. Viel zu gefährlich und zu früh für ihre Kinder. Nur der Gaudibursch lässt sich anscheinend nicht beklauen; jedenfalls kaut er noch tief versunken an seinem Stäbchen, als alle anderen schon schlafen oder sich trödelnd in den Schlaf spielen.

Was von diesem Tag bleibt, ist die erhebende Erkenntnis, dass es die Banane war. Die reifen von heute liefern wieder bestens ausgereifte Verdauungsprodukte.

Scheißspiel, schon fünf Wochen rum. Wie im Flug.


[1] Wir wiederholen auf Anfrage: Eine selbstentwickelte Welpenmilch der Ludwig-Maximilians-Universität München - 125 g Magerquark, 150 ml H-Vollmilch, 3 Eigelb, 3 El Distelöl oder Keimöl)

G-Deih und G-Schrei - Die G-Schichte von Fiannas G-Schwader: Woche 6

6. Woche (20. 10. - 26. 10. 2015)

Dienstag, 20.10.2015

Jetzt geht es mit den Temperaturen in den Keller, nahe an die Frostgrenze immerhin, und der Vize muss sich die Sicht aus dem Auto freikratzen. So wünscht man sich das: Erst Nebel und Regen und dann sofort Frost. Und wo bleibt der Herbst, also der mit Sonnenschein und brennenden Bäumen? Der kommt heute! Es ist nämlich nicht einfach nur frostig, sondern frostig, weil sich der Himmel über Nacht völlig entblößt hat und wie am allerersten Tag strahlt, so wie damals, als unser Planet geschöpft wurde. Der Hauptverantwortliche wird seinerzeit ja kaum einen vernieselten und verbieselten Drisseltag im Sinn und zusammengebastelt haben. Der Vollständigkeit müssen wir anfügen, dass sich dieser Tag dann nachmittgas seiner unverschämten Blöße bewusst wird und wieder verhüllt wie weiland jene zwei im Paradies. Aber fürs erste reicht das, um Fiannas Kindern einen zauberhaften Tag in ihrem Paradies zu bescheren.

Diese frostige Morgen lässt die Kleinen sich auf der Terrasse zusammenkauern, schweigend und leise schnatternd, während wir drinnen für die Wiederherstellung der Ordnung sorgen. Das klingt logisch, dass sie sich zusammenkuscheln und so der Kälte trotzen, muss aber nicht so sein; einige ihrer Vorfahren hatten sich für die Klagetherapie entschlossen, der Erkenntnis folgend, dass Kreischen und Brüllen, wenn es nur exzessiv genug betrieben wird, Seele und Muskeln wärmt. Die Nachbarschaft erstarrt allerdings dabei; morgens um sechs ist deren Welt dann nicht mehr in Ordnung. So gesehen schafft dieses G-Schwader schnatternd und schweigend Wärme, nicht nur für sich, sondern auch für unser seelisches Gleichgewicht und eine wohltemperierte Nachbarschaft. Wenn das so bliebe...

Gewichtsmäßig haben sich gestern alle ordentlich ins Zeug gelegt. Tabellenführer ist weiterhin und erwartungsgemäß Girgl mit 3210 (+110). Hinter ihm klafft jedoch schon eine markante Lücke, deren erste Lückenschließerin Grappa ist: 3080 (+180). Ebenfalls 3080 bringt Greco auf die Waage, allerdings mit nur 100 g plus. Mit 3040 g (+100) beschließt Grille den Sechspfünder-Block. 2930 g (+170) bringt Gustl auf die Waage, für Gruschel stehen 2880 zu Buche (+150), Greta meldet 2860 (+90) und Gundel 2810 (+160). Gamba lässt 2760 g anschreiben (+170), Gosh 2740 (+150) und der Gaudi meldet stolze 2700 g (+120), macht zusammen einen Zugewinn von 1500 g.

 MG 8420 200Aufbau des Flattervorhangs - und alle Welpen helfen fleißig mitHeute holen wir den Flattervorhang aus dem Lager, an dem die Zwerge sofort so interessiert sind, dass wir es kaum schaffen, ihn aufzuhängen. Und als er dann hängt, wird er intensiv inspiziert und zum Inventar genommen. Fortan wird er kaum noch als Hindernis bei den Sauserunden wahrgenommen, nur Greta versucht gelegentlich, eines der Bänder, und damit den ganzen Vorhang, durch die Buchshecke hindurch in ihre Spielzeuggrube zu ziehen, die sie sich dort unübersehbar angelegt hat. Mit dieser Aufgabe ist sogar die Feinmechanikerin des G-Schwaders überfordert.

Während die Kinder immer fideler werden, reduziert Fianna ihre Futtergaben auf etwa zweimal am Tag. In der sechsten Woche sollten sich die Knirpse schon langsam damit abfinden, dass die Küche des Hotels Mama demnächst schließt. Uneinsichtige Dauergäste ruft sie herzhaft zur Ordnung und bedeutet ihnen, dass ihr Bauch nun langsam nur noch ihr gehört. Aber sie belässt die Frustrierten nicht in ihrem Tal der Tränen, sondern bietet ihnen ein Spielchen an, was diese gerne annehmen, obwohl sie erkennbar verunsichert sind und dieses Verhalten ihrer Mama noch nicht so richtig einordnen können. Wir dagegen stehen fasziniert vor diesem pädagogischen Lehrstück, das Fiannas Vorgängerinnen zwar auch zur Aufführung brachten, aber selten so klar und unmissverständlich wie sie es macht, ein pädagogisches Lehrbeispiel, wie es sich jeder Hundeausbilder und Erzieher zu Herzen nehmen sollte: Lass deinen Zögling nicht im Frust hängen, sondern biete ihm immer eine Lösung an. Anders gesagt: Setze niemals die Peitsche ohne das anschließende Zuckerbrot ein. Fianna braucht dazu kein Lehrbuch; sie weiß einfach, was zu tun ist. Nur die Krone der Schöpfung meint, auf die Prügel noch den Tadel folgen lassen zu müssen und auf diesen ein unbefristetes Grollen. Auf dem Weg zur Schöpfungskrone sind uns augenscheinlich eine Menge Perlen aus derselben gefallen, weshalb sie gelegentlich einen so abgewirtschafteten und glanzlosen Eindruck hinterlässt.

Den Kindern ist das einerlei, sie lassen sich von Mama gerne inspirieren. Vor allem aber legen sie zunehmend höchsten Wert auf Gartenfreizeit; Einschlüsse im der Küche monieren sie lauthals. Sie tun dabei, als wären sie alle Möpse, die in die Küche kämen, dem Koch ein Ei stählen und dann von vielen Köchen erschlagen würden. Wie ein kollektives Gedächtnis scheint diese Mopsgeschichte in ihnen zu arbeiten und ihnen den Aufenthalt in der Küche als nicht zukunftssicher erscheinen zu lassen, zumindest tagsüber, wenn draußen der Herbst brilliert. Der Gruppendruck der Aufständischen ist dann so groß, dass man sie gerne wieder ins Freie entlässt, wo sie sich in schwarzbraune Engel verwandeln.

Alle paar Wochen muss der Vize aus zehn Kilo Rindfleisch ein nahrhaftes Barf-Futter für die Katzen kreieren. Das ist zwar keine intellektuelle Herausforderung, zieht sich aber hin und wird zur Bedrohung für die Welpen, wenn diese dem Katzenfutterproduzenten unentwegt zwischen die Füße laufen. In diesem Sonderfall kommt dann das Gegenteil des Kücheneinschlusses, nämlich der kollektive Küchenausschluss zum Zuge: alle raus in den Garten. Damit dem Vize beim Hantieren in der Küche nichts entgeht, was da draußen so gespielt wird, bleibt die Terrassentür und damit der Transit offen. Die Sperre zur Küche bleibt natürlich zu. So kann ihm nichts entgehen und im Wege stehen. Aber so sehr sich die Freiheitskämpfer den Ausgang ertrotzt haben, so sehr treibt sie die Neugier nach drinnen, um zu sehen, was ihr Zuchtmeister da so geschäftig zu erledigen hat. Jetzt hängen sie also an der Sperre und wollen alle rein in die Küche. Jetzt machen sie Terror um sich Einlass zu ertrotzen. Die Welt, so ahnt der Vize, während ihm die Ohren sausen, ist nichts als Stückwerk. Und plötzlich - gottlob hat er den schlürfenden Chinesengang schon so verinnerlicht, dass er von ihm sogar in Abwesenheit seiner wuselnden Begleiter nicht mehr lassen kann - stehen zwei knirpsige Fellknäuel hinter ihm und fragen: "Was machsn du da? Ist das für u-uns?" Ja, Zackenbarsch und Zölibat, was machen die denn da? Haben diese Terrier doch tatsächlich den Zugang für sich aufgesprengt, so, dass er zwar immer noch hält, aber diesen beiden einen Durchschlupf bot. Keine Ahnung, wie sie das geschafft und die anderen davon nichts spitzgekriegt haben. Und jetzt macht er, was er der Chefin zur Last gelegt hatte: Er nimmt die beiden ohne Ansehen ihrer Person und bringt sie nach draußen, rückt den Zugang zurecht - und hat keine Ahnung, wer die Eindringlinge waren. Ja, er hat's wirklich vermasselt. Wieder klappt eine unersetzliche und unverzeihliche Wissenslücke in der G-Schwader-Chronik.

 MG 8432 200Tauziehen von Gruschel und Girgl - wer ist der Stärkste im Land?Wirkliche Ruhe kehrt erst ein, als der Vize seine Fleischverarbeitung abgeschlossen hat. Jetzt breitet sich Alltag im Paradies aus. Und wenn man sich Zeit nimmt, entdeckt man Dinge, die würde man nicht ohne Weiteres glauben. So liegen nachmittags neun Geschwister im Korb neben der Terrassentür und entspannen vom anstrengenden Aufdringlichsein, während zwei so eine Art Wache schieben; sie lungern lässig auf der Terrasse herum und wenn sie Jacketts anhätten, würde man ihre Ausbeulungen unter den Achseln sehen können. Die Szene erinnert ein wenig an Erdmännchen, bei denen auch immer Wachpersonal im Einsatz ist, wenn der Rest schläft. Und dann fährt ein Kind auf dem Fahrrad an unserem Garten vorbei, die zwei spitzen die Ohren (soweit das anatomisch möglich ist) und richten sich kerzengerade auf wie Erdmännchen mit unverwandtem Blick Richtung Gehsteig - und im selben Augenblick ist die schlafende Neun auf ihren 36 Beinchen und stürmt in Richtung Buchshecke, hinter der ein mächtiges Hochbeet die Sicht versperrt und erst dahinter der Gehsteig verläuft. Sehen können sie definitiv nicht, was oder wer da draußen sein Unwesen treibt, aber sie hören es und sie ahnen es und sie spüren es. Der Wachtrieb des Hovawarts hat seine erste Bewährungsprobe bestanden. Sie bellen ein bisschen herum, wenn man das Geraune Bellen nennen darf, aber sie machen sich bemerkbar und signalisieren, dass hier etwas nicht in Ordnung ist und werden ausgiebig gelobt, womit dann auch die ganze Ernsthaftigkeit in Sekunden verflogen ist und aus den Scharfmachern wieder selig spielende Kinder werden.

 

Mittwoch, 21.10.2015

Auch dieser Morgen beginnt klar und mit Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Den G-Schwistern scheint auch heute das Schnabelwerk eingefroren zu sein, jedenfalls dringt kein Laut von der Terrasse in die Küche. Fast beschwingt tanzt da der Feudel, zumal immer noch sehr wenig nächtliche Rückstände die Morgenstimmung verderben. Gestern Nacht musste der Vize sechs Därmlinge entsorgen, die Chefin heute Morgen fünf. Das sind genau elf über die Nacht. So viel Minimalismus ist uns fremd und verunsichert uns fast; die werden doch nicht noch ein paar dieser Dinger irgendwo versteckt haben. Nein, davon kann man nicht ausgehen, außerdem würde die Nase des Vize sofort Alarm schlagen. Wir sind eher der Ansicht, dass die abendlichen Fleischrationen anstatt der früheren Trockenfutterportionen für den reduzierten Output verantwortlich sind. Sicher kann man sich nicht sein, aber ein Ansatz wäre es, der zukünftig verfolgt und verifiziert werden müsste.

IMG 8482 200Gaudi hat sich einen ganz besonderen Schlafplatz ausgesucht: das Krokodil als UnterlageGirgls einsames Rennen an der Speckfront setzt sich heute Morgen fort: 3390 g (+180) sind eine Kampfansage, die sich allerdings die gelben Geschwister Greco und Grappa nicht zweimal sagen lassen. Immer wieder scheinen sie Vergnügen darin zu finden, sich im Parallelschwung durchs Leben zu futtern, so auch gestern wieder: beide +190 und somit beide schiedlich-friedlich auf 3270 vorgerückt. Es wird interessant sein zu sehen, wann der Hündin bei diesem Speckschwartenrennen der Schnauf ausgeht. Mit 160 g plus und 3200 hält Grille Kontakt nach vorne und den Rest auf Distanz. Dieser Rest beginnt bei Gustl mit 3030 g (+100) und Gruschel (3020, +140). Weiter geht es in der bekannten Reihenfolge mit Greta (2990, +130). Gamba hat sich mit 2900 (+240) wuchtig nach vorne geschoben (wuchtig ist unseres Finanz-und-Heimat-Söders Lieblingsvokabel, also müssen wir sie auch einmal einsetzen, nicht dass er es uns dereinst, wenn er Bayernkönig geworden ist, übelnimmt). Gosh bleibt ihr mit 2880 (+140) knapp auf den Fersen. Gundel hat gestern mit 60 g plus (2870) zwei Plätze verloren. Den Schluss macht wie immer Gaudi mit 2820 (+120), und darüber gibt es auch nichts zu meckern.

 MG 8465 200Gustl mit seiner PansenstangeNach dem mittäglichen Trockenfutter (Platinum in Brocken) geben wir zur Belustigung unserer Besucher noch ein paar getrocknete Pansenstangen aus, dabei zeigen Girgl, Gosh und Gustl schon beachtliche Fortschritte in Sachen Beutesicherung. Man kann nicht so schnell schauen, wie die drei mit ihrer Stange wie vom Erdboden verschluckt sind. Selbst Grille, die begnadetste Spürhündin, weil sie vermutlich alle bislang benutzten Verstecke fein säuberlich kartographiert hat, tut sich schwer, den dreien auf den Fersen zu bleiben. Nur Mama behält den Überblick und jedes ihrer Kinder im Auge und klaut denen, die nicht ständig auf der Flucht vor ihr sind, skrupellos ihre Beute aus dem Schnabel. Diese Lernrunde geht wieder eindeutig an die Mama, die ihren Kindern zeigt, dass das Leben kein Ponyhof ist, was diese nur murrend akzeptieren wollen. Greco ist der letzte, den sie beklauen kann, weil der sich wieder einmal so in seinen Reifen drapierte, dass er sogar dem kleptomanen Auge seiner Mutter entgangen war. Doch letztlich zählte sie wohl die Häupter ihrer Lieben und stellte fest, dass noch eines fehlte. Und dann ging sie auf die Suche und fand den Griechen im Reifen. Diese Reifenprüfung hat der Kleine nicht bestanden.

Unsere Besucher haben ihren Spaß, die Kinder ihre Lektion und die Mutter eine ganze Tüte Pansenstangen im Bauch. Sie weiß halt nur noch nicht, dass ihr die abends wieder abgezogen werden, denn wer nur noch Sparmilch ausgibt, darf nicht mehr auf Doppelrationen hoffen.

 

Donnerstag, 22.10.2015

Der Morgenfrost der vergangenen Tage hat ausgedient: Um 7 Uhr verzeichnen wir heute schon 7° C. Das verspricht doch einiges, ohne gleich übermütig werden zu wollen.

Bei der Morgenlage auf der Terrasse ist es auch heute wieder schläfrig still, und auch die Wägeprozedur der Chefin bringt das Kinder-G-Schwader nicht aus der Ruhe. Und schon mit dem ersten Bestücken der Waage stellt sich der Chefin die Frage: Wo war Girgl gestern? Was hat der gemacht? Tatsächlich hat er nichts gemacht - kein Gramm zugenommen hat er! Girgl legte ein Speck-Sabbatical ein. Die 3390 g von gestern reichen ihm zwar heute auch noch für die Pole-Position, aber man macht sich ja direkt Sorgen um den kleinen Kalorienbaron. Aber nichts deutet auf eine Unpässlichkeit hin. Diese Manna-Pause lässt Greco Morgenluft schnuppern, der sich mit 3370 (+100) so nahe an ihn heranschiebt, dass der Girgl schon seinen Atem im Nacken spürt. Irgendwie muss das gestern ein komischer Tag gewesen sein, denn auch Grappa schwächelt mit bescheidenen 60 g (3330) beträchtlich und muss den Schulterschluss mit Greco aufgeben. Grille hält den vierten Platz mit 3290 g, obwohl auch sie mit 90 plus keine metabolische Großtat vollbrachte. Wenigstens Gustl hat sich einige Mühe gegeben und mit 160 plus (3190) seinen Platz souverän verteidigt. Aber es ist nicht mehr Gruschel, die ihm getreulich folgt, sondern Greta, die mit 3140 (+150) ein deutliches Lebenszeichen (nein, heute lassen wir das "wuchtig" bleiben) gibt. Gruschel teilt sich jetzt den Platz mit Gamba (3060), mit dem Unterschied, dass Gruschel bescheidene 40 g auflegte, Gamba dagegen mit 160 g brilliert. Es folgen Gosh und Gaudi - Stopp! Gaudi? Tatsächlich hat der kleine Mann die Bürde von zusätzlichen 190 g zu tragen, was ihn auf die Stufe mit Gosh hebt, der es bei 130 g belassen hatte. Somit ist heute Gundel die Treuhänderin der Rote Laterne: 2930 (+60).

Insgesamt hat das G-Schwader 1140 g zugenommen. Für uns ist das ein Signal, dass wir jetzt auf vier Mahlzeiten täglich erhöhen müssen, weil Fianna ihre Milchbar nur noch einmal am Tag geöffnet hat. Das reicht natürlich hinten und vorne nicht mehr.

DSC07808 200Gut, dass die Schaukel 100 Kilogramm trägtDer Tag hält so in etwa, was er morgens versprochen hat, schwingt sich auf diesig weiß-blaue 12° C hoch, bevor er sich abends wieder im Hochnebelniesel versteckt. Da sind die Kinder putzmunter, und wir spendieren ihnen die knallrote Pendelschaukel von IKEA, auf die sie sich mit Karacho stürzen - und gottlob nicht mit ebensolchem Karacho auf der anderen Seite wieder runterkrachen; die Zwerge haben ihre Beinchen und den ganzen Rest schon richtig geschickt unter Kontrolle.

Es tummelt sich wieder einiger Besuch bei uns, der den Körperübungen der Nachwuchs-Äquilibristen begeistert beiwohnt. Insgesamt treiben sich heute 17 Leute bei uns herum, aber durch das ständige Kommen und Gehen, angereichert durch die Kleinkunststücke der elf Zwerge wirkt der Tag auf uns wie ein Besuch im Cabaret.

Was uns mehr als all die Kunststücke und Verzückungen von diesem Tag in Erinnerung bleibt, ist, dass die Kleinen mit einem Mal mächtige Würstchen aus ihrem hinteren Ende drücken. Warum so gänzlich ohne Übergang? Und warum heute, wo doch die Gewichtstabelle keinerlei Hinweis auf eine Überfütterung zulässt? Alle, aber wirklich alle haben sich offenbar verabredet, von den Kinderwürstchen Abschied zu nehmen und uns mehr Bewegung zu verschaffen, weil von den Endprodukten bisherigen Ausmaßes drei oder vier auf ein Schäufelchen zur Beseitigung gingen, jetzt aber beansprucht ein, bestenfalls zwei Endmoränen den gleichen Platz, und so streunen wir ständig durch unseren Garten, vom Häufchen zum Eimerchen und vom Eimerchen zum Häufchen und wieder zum Eimerchen... Schön, dass unsere Besucher Mitleid mit uns haben und uns beim Eimern und Schaufeln tatkräftig unterstützen.

 

Freitag, 23.10.2015

Ein trüber Hochnebelnieseltag nimmt seinen Anfang, der sich auch bis zum Ende nicht eines Besseren besinnen will. Dieser Oktober scheint einfach partout ein November sein und bleiben zu wollen.

 MG 8503 200Wen wunderts, dass die Zwerge so viel zunehmen - wo sie doch keine Gelegenheit auslassen, zusätzlich einen Happen abzubekommenBeim Wiegen orientieren wir uns heute erst einmal am hinteren Ende, weil wir natürlich neugierig sind, ob Gaudi wieder gebummelt hat und von Gundel die Rote Laterne erneut umgehängt bekam. Aber der Kleine blieb auf dem Quivive und ließ Gundel (3080, +150) nicht vorbei, was doch ein bisschen erstaunt, weil 150+ für ein Federgewicht ja keine geringe Leistung sind. Warum das so ist, wird schnell klar, weil Gaudi gleich 210 g zulegte und sich mit 3220 g deutlich von Gundel absetzt. Und auch Gosh, der gestern noch gleichauf mit Gaudi war, steigt auf die Herausforderung ein und legt sogar 230 g auf (3240). Diese Ergebnisse lassen aufhorchen: Was war da gestern los? Warum legen die so zu, wenn sie solche Häufchen absondern? Der Stoffwechsel ist ein modernes Buch mit sieben Siegeln. Die nächste in der Reihe ist Gamba, die mit 240 g ebenfalls auftrumpft und bei 3300 g landet. Gruschel liefert +250 und schreibt am Ende 3310 g auf. Greta bringt 3360 g auf die Waage, das sind auch 220 plus. Knapp davor kann sich noch Gustl schieben (3370), der aber mit +180 schon fast auffällig ist. 150 g meldet Grille und kann damit zwar ihren vierten Platz mit 3440 halten und nach hinten Distanz schaffen, verliert aber nach vorne den Anschluss. Dort, auf dem dritten Rang, taucht heute Greco auf, der mit 160+ auf 3530 g kommt, aber eine wild entschlossene Grappa vorbeiziehen lassen musste: plus 260 (3590). Unsere Frage, wann sie wohl im Rennen mit dem Griechen den Kürzeren ziehen wird, hat offenbar ihren Ehrgeiz zur vollen Blüte gebracht; denn auch zum leidenschaftslosen Girgl (3600, +210) fehlen ihr heute nur noch 10 g. Insgesamt überraschen uns unsere Kinder mit eindrucksvollen 2260 g. Und das, obwohl die Mama nur noch lustlos ihre Bar öffnet und wir schon glaubten, das Völkchen müsste darben.

 MG 8554 200Vigo sieht zwar nicht aus wie ein Hovawart, doch das hält die Meute nicht vom Spielen abWir bekommen heute noch Besuch von Balou, dem früheren Dulin aus unserem D-Wurf. Weil Balou nicht der herzhafteste Kämpfer an der Welpenfront ist (was ihn kaum von den meisten Rüden unterscheidet), bringt er noch den jungen Australian Shepherd Vigo mit, der ihm mit seinen fünf Monaten schon aus Altersgründen den Rücken im Welpenrevier freihalten kann. Und so kommt es dann auch: Der Ausssie macht sich schnell bekannt und ist schon bald beliebter Mittelpunkt und begehrter Spielpartner des G-Schwaders. Und je länger er sich im Getümmel tümmelt, desto eifriger und rasanter sind er und die Kleinen bei der Sache. Balou hat Freischicht, die er aber nicht im Welpenrevier verbringt, sondern in den Tiefen des Hauses; sicher ist sicher. Ein kleiner, aber sehr feiner Nebeneffekt dieses Besuchs: Balous Händchenhalterin Nadja bringt die Mitgift für die Welpen vorbei, die kleinen Geschenke, die sie am Tag ihres Auszugs mitnehmen dürfen, Knuddelkram, Decken und einiges mehr. Wir freuen uns und Balou ist heilfroh, als dieser Besuch in seiner Wiege, den er sich vermutlich anders vorgestellt hatte, endlich vorbei ist.

Desweiteren wird dieser Freitag in keiner Chronik besondere Erwähnung finden: kein Wetter, keine Ein- oder Ausbrecher und nur zwei Besucherinnen. Da packen wir die Gelegenheit beim Schopf und bauen die Schlummerbox ab. Seit Tagen wird sie kaum noch zum Schlummern, sondern fast nur noch zum Pullern genutzt, und das hat sie nicht verdient. Also: Weg damit bis zum nächsten Mal. Jetzt rücken wir an ihre Stelle den Küchen- und Wiegetisch (wenn wir drinnen wiegen) und schaffen wieder ein bisschen mehr Platz für uns, die Kinder und die Besucher.

 

Samstag, 24.10.2015

Der Tag begrüßt uns mit Hochnebel und 9° C. Aber es riecht schon nach Sonnenschein und guter Laune.

Wir sind natürlich schon gespannt wie ein Flitzebogen, was uns die Waage heute zu berichten hat, ob der Gaudi etwa ... und die gelbe Grappa... Also beginnen wir heute wieder von vorne mit dem Führungsquartett. Girgl langweilt sich und uns, weil er einfach ein emotionsloser Kalorienverwerter ist, den nicht einmal ein Ausrutscher aus dem Gleichgewicht bringt. 190 g packt er drauf und lässt 3790 g aufschreiben. Die Frage, wer als erster die Vier-Kilo-Marke reißt, stellt sich nicht mehr. Dafür hat der Grieche zurück- und Grappa aus dem Feld geschlagen: 250 plus, macht 3780. Jetzt liegt er nur 10 g hinter dem offenbar unaufholbaren Fressstoiker. Grappa hatte noch am Vortag zu verdauen und belässt es bei 160 g (3750). Die vierte im Bunde ist wie immer Grille, die mit 190 g keine Fragen aufkommen lässt (3630). Und dann kommt lange nichts; der ganze 3500-Bereich bleibt unbesetzt. 3490 g meldet aber Gosh, der sich kontinuierlich nach oben schiebt, heute schon auf dem fünften Platz thront, wo er sich doch kürzlich noch mit Gaudi herumschlug. Wer aber brav futtert und schon wieder 250 g auflegt, hat sich das auch verdient. 3480 stehen für Gruschel zu Buche (+170), Gustl liefert 3470 g (+100), ebenso Gamba, allerdings mit 170 g plus. Es folgt Greta mit 3430 (+70). Den Schluss bilden Gaudi (3360. +140) und Gundel (3240, +160), die sich offenbar mit der Roten Laterne angefreundet hat.

 MG 8832 200Die ersten Sekunden an der Futterbar sind ganz manierlichHeute  MG 8834 200...bis Greco dann quer über die Schälchen läuftMorgen füttern wir erstmals nicht aus den Futterringen, sondern aus der Futterbatterie mit Einzelschalen, vor allem, weil wir dadurch mehr Kontrolle haben, wer wie viel abbekommt, was nur unvollständig gelingt, weil die Bande überhaupt keine Probleme mit den Schüsseln hat und die schnellsten Schlinger sich sofort quer über die ganze Batterie durch die Schüsseln fressen. Aber ein bisschen mehr Kontrolle haben wir dennoch, vor allem aber haben wir Spaß, den Kampfgeist der Bande zu beobachten, wie sie gleich drei Köpfe in eine Schüssel stecken, um nur ja keinen Futterrest zu übersehen oder ihn etwa einem G-Schwister zu überlassen.

Und dann öffnet sich der Nebel und gießt goldene Herbstsonne über uns und die Kleinen. Man liegt im Liegestuhl, saugt sich mit Sonne voll, plaudert mit den Gästen und weiß, dass diese Tage gezählt sind. Aber für das G-Schwader ist so ein Tag ein Geschenk des Himmels.

 MG 8615 200Grappa, Gruschel und Gamba beim Kampf um den PansenAm späten Nachmittag liefern wir top-frischen Ziegenpansen in Stücken aus, der ist zwar einmal gewendet, um den Großteil des Inhalts loszuwerden, aber ausgeschüttelt ist er nicht, das heißt, dass sich in seinem Inneren noch jede Menge unverdautes Gras und Stroh befindet. So ein Pansen ist für einen Hund Haute Cuisine, kulinarisch kaum zu toppen, außerdem ist er durch das anverdaute und gesäuerte Grünzeug ein Jungbrunnen für den Verdauungstrakt und er trägt nicht auf, weil er nicht sehr gehaltvoll ist. Jetzt also stürzen sich Fiannas Ziegenmeuchler auf die gummigen Fetzen, die wir so portionierten, dass sie für die Kleinen handhabbar sind, aber nicht so klein, dass sie zu schnell im Schlund verschwinden können. Da haben wir auch unsere Erfahrungen, wenn so ein Gierschlund versucht, das ganze Gummiteil auf einmal zu verschlucken und wir ihm das Ding wieder durch den Schlund aus dem Magen zerren mussten. Diese hier machen das aber wirklich gut, kommen bestens mit dem unbekannten Beutestück klar und keiner versucht, es im Ganzen zu verschlingen. Für den Augenblick sind alle damit beschäftigt, ihren Schatz zu sichern. Die Herausforderung ist dabei, die eigene Beute zu sichern, die der anderen nicht aus den Augen zu verlieren und drittens, möglichst gleich einem G-Schwister die frische, noch unvergrabene Beute abzujagen. Dass bei dieser Multitasking-Übung mindestens eine Aufgabe unerledigt bleibt, liegt auf der Hand. Die Praxis ist noch ungnädiger: Meist gelingt keine der Übungen; man verliert die anderen aus dem Blick und die eigene Beute. Dann geht man wieder räubern und ein anderer hat das Nachsehen. Die Pansenjagd entpuppt sich so als eine Art Reise nach Jerusalem. Und dass wegen der Übergabe eines Stücks Pansen nicht verhandelt wird, sondern männiglich zugegriffen und geraubt wird, was zwingend eine zünftige bayerische Wirtshausrauferei zur Folge hat, kann man sich denken. Allerdings raufen die Gs wie bayerische Sozialarbeiter in Designer-Jeans, blutrünstige Mordbuben wie die aus dem D-Wurf sind sie bei weitem nicht. Jene haben sich so gefetzt, dass wir daraufhin zwei Würfe lang keinen Pansen mehr fütterten, weil wir Angst hatten, irgendwann Verluste realisieren zu müssen. Nein, diese hier sind Gentleman-Rüpel und Lady-Wrestler, die sich fast nach Knigge verhauen. Vermutlich war Reinhard Meys "Heiße Schlacht am kalten Buffet" eine schlimmere Orgie als diese Auseinandersetzung zwischen Priesterseminaristen und Nonnenfürzlein. Bloß der Girgl gibt den Wildschütz und den Kneißl. Aber auch die anderen kommen alle der Reihe nach zu einem Beuteerfolg, der meist so schnell vergeht, wie er erkämpft war. Grille darf sich noch einer gewissen Amazonenhaftigkeit rühmen, Grappa sowieso. Die drei setzen vor allem ihren Körper ein, die anderen setzen auf Grips, List und flinke Beine. Wir wollen mal sehen, ob sich die schlimmsten Räuber morgen auf der Waage outen werden.

Und nach diesem Festmahl mit Fitnessprogramm sind alle todmüde und verdauen komatös. Bald schlummern sie in die längste Nacht des Jahres: Heute Nacht wird nämlich die Uhr eine Stunde zurückgestellt. Winterzeit und für uns alle eine Stunde mehr Schlaf, die wir gut gebrauchen können.

 

Sonntag, 25.10.2015

Wir bemühen den alten Bundeswehrspruch "Nachts ist es dunkler als draußen" und geben ihm einen jahreszeitlichen Sinn: Morgens ist es heller als gestern. Das liegt nicht an den veränderten Weltläuften oder an neuem soldatischem Durchblick, sondern an der gewonnenen Stunde, die uns morgens richtig guttut, wenn sie uns auch abends wieder durch verfrühte Finsternis in Rechnung gestellt wird. Um 6 Uhr messen wir wolkige, aber vielversprechende 5° C.

Jetzt wollen wir aber doch wissen, wer die effektivsten Pansenräuber waren und packen das Pack auf die Waage. Girgl hat wegen diverser flagranter Raubzüge sowieso keine Ausrede und versucht gar nicht erst, auf der Waage aus seinem Herzen eine Mördergrube zu machen. 220 g sind keine Kleinigkeit und schwingen ihn als ersten über die vier Kilo: 4010! Auch Grappas 200 g und zweiter Platz mit 3950 g überrascht niemanden, der sie gestern auf der Pansenjagd erlebte. Auch Grille lässt uns nicht wirklich staunen: 220 plus und 3850 g. Fragen kommen bei Greco, dem Griechen auf: Mit 50 g plus (3830) auf den vierten Platz gerutscht, 170 g an einem Tag gegen Girgl verloren - was hat der gestern angestellt? War der überhaupt unter uns? Hat ihn jemand gesehen? Wir vermuten, dass er sich in seinem Reifen verborgen hatte, um bei der nächsten Reifenprüfung gegen seine Mutter besser bestehen zu können. Ohne Pansen ist das allerdings kein Kunststück, da weckt er die Begehrlichkeit und Findigkeit seiner Mama bestimmt nicht; die sucht doch nicht nach einem pansenlosen Kind. Liabs Herrgöttle, der Grieche, immer ein bisschen planlos zwischen Orient und Okzident. Vielleicht legen wir morgen mal gefüllte Weinblätter aus, die hat er dann für sich. Gustl meldet 200 g (3670) und gerät somit in den Verdacht der mehrfachen räuberischen Erpressung, die er allerdings geschickt undercover abwickelte. Zu den Hauptverdächtigen zählte er bei uns bis zu diesem Augenblick nicht. Bei den folgenden Herrschaften ist Täterschaft oder Nichttäterschaft schwer abzuleiten, weil ihre Gewichtsergebnisse keinen eindeutigen Schluss zulassen: Gamba 3650 (+180), Gosh 3650 (+160), Gruschel 3640 (+160), Greta 3620 (+190, bei ihr regt sich ein schwacher Verdacht), Gaudi 3530 (+170) und Gundel, die Rote Lola, 3420 (+180). Insgesamt sind das 1930 g.

Wer nun wem den Pansen nicht gegönnt hat, ist der Chefin heute Morgen ziemlich einerlei: Die Darmstatistik spricht auch ohne eindeutige Täterschaft ein deutliches Wort. Noch nie musste die Chefin so eifrig Häufen aus der Küche beseitigen wie heute. Wie gesagt: Pansen ist ein Segen für den Verdauungstrakt - was die Chefin nur zähneknirschend unterschreiben will.

Trotz des ziemlich schönen Sonntags, hält sich der Besucherstrom heute in Grenzen. Das gibt uns die Gelegenheit, die letzten, aber wirklich allerletzten Unklarheiten bezüglich des künftigen Reviers unserer Kinder zu klären. Eigentlich war schon längst alles klar, aber nun ist es amtlich:

welpenverteilung 200Gambas neues Zuhause wird in Taufkirchen, am südlichen Rand Münchens sein, etwa 30 Kilometer nordwestlich ihrer Wiege. Gaudi zieht nach Starnberg, rund 40 km vom Blues. Girgl lässt sich in Höhenkirchen-Siegertsbrunn, 20 Kilometer nordwestlich des Blues, nieder und Gosh hat sich für Hohenlinden entschieden, rund 30 km Richtung Norden. Grappa zieht es in den Münchner Norden, auch nur 45 km von ihrem aktuellen Zuhause weg, Greco könnte auch gleich hier bleiben, denn nach Kolbermoor sind es nur 15 km nach Osten. Greta zeigt da schon mehr Fernweh: Nach Arnbruck im Bayerischen Wald sind es 160 Kilometer. Grille ist wieder deutlich heimatverbundener und bleibt in der Nähe, in Ottobrunn nämlich, im Münchner Süden (25 km). Gruschel lässt sich 30 km südwestlich in Königsdorf (Landkreis Bad Tölz / Wolfratshausen) nieder. Gundel wird als einzige Bayern verlassen und ins oberschwäbische Meßkirch, zwischen Bodensee und Donau, auswandern (200 km). Last but not least lässt sich Gustl im fränkischen Neuhaus, zwischen Nürnberg und Bayreuth nieder (200 km). Die Kilometerangaben sind natürlich Luftlinie, denn spätestens der Versuch, Greta an der tschechischen Grenze zu besuchen, würde den Wildentschlossenen belehren, dass aus den 160 km unversehens 230 km geworden sind und ein Besuch bei Gundel würde sich auf 260 km summieren, statt der schlanken 200. 

Damit haben wir den emotionalsten Teil einer Wurfabwicklung abgeschlossen, die Wahl des künftigen Zuhauses unserer lieben Kleinen. Gerade weil wir bei diesem Wurf von Beginn an sehr viele ausgezeichnete Anfragen hatten, war die Wahl nicht einfach. Jede Führungskraft wünscht sich für die Beurteilung seiner Mitarbeiter eine möglichst breite Leistungsspanne, weil ihm da die Entscheidung zwischen Top-Performer und Lusche nicht schwerfällt, aber was macht man in einer Abteilung mit nichts als Leistungsträgern? Man hat einige harte Nüsse zu knacken und auch ein paar unruhige Nächte. Wir hatten bei unseren Anfragen praktisch keine Streichergebnisse, mussten aber dennoch streichen. Da freut man sich über ein paar unschlagbare Entscheidungshilfen: Neun der elf neuen Herrschaften unsers G-Schwaders hatten oder haben einen Hovawart und die beiden anderen haben Hundeerfahrung. Da sagt man "danke" - und muss dennoch immer noch welche aussortieren, die ebenfalls in diese Kategorie fallen. Das sind dann die Verursacher unruhiger Nächte.

Für kommende unruhige Nächte sind die nun nur noch diejenigen verantwortlich, für die wir die ganze Qual der Wahl hatten: Fiannas fröhliches G-Schwader. 

 

Montag, 26.10.2015

Der 26. Oktober beginnt mit Nebel und 7° C um kurz vor sechs Uhr.

Die Waage bringt uns heute schlachtreife Ergebnisse, die letztlich in einen Gewichtszuwachs von 2030 g münden. Dass Girgl (4220) nicht zum Fasten gemacht ist, darf mittlerweile als gesellschaftlicher Konsens gelten, aber dass er den gestrigen 220 g nochmal 220 g folgen lässt und damit an zwei Tagen fast ein halbes Kilo aufpolstert, ist wirklich wuchtig; das muss heute so gesagt werden. Fassungslos macht uns Grille: Nach 220 g gestern, speckt sie sich 310 g auf die Rippen, dass es sogar dem Girgl die Gurgl zudreht: 530 g an zwei Tagen wuchten sie auf den zweiten Fressplatz (4160). Mit ihren 150 g (4100) plus wirkt Grappa dagegen wie eine Armenhäuslerin, die sich wieder mal mit dem Griechen herumschlagen muss, der seine Depression überwunden und 220 g anlagerte hat (4050). Zu Greta (3840, +220), die sich mächtig nach vorne gepansert hat, beträgt dessen Abstand aber immer noch sichere 200 g. Gosh liegt jetzt mit Greta gleichauf (3840, +190), aber nur knapp vor Gruschel (+190) und Gamba (+180), beide 3830. Gustl schwächelt sich mit 90 g Auflastung, womit man bei diesen G-Schwistern keinen Preis mehr gewinnen kann, und mit 3760 g auf den drittletzten Platz. Und Gaudi (3630, +100) trabt quicklebendig vor Gundel (3590, +170) her.

Um 14 Uhr sitzt der Vize in seinem Arbeitszimmer über der Terrasse. Die Balkontür hat er geöffnet, um wenigstens akustisch ein Auge auf seine Schutzbefohlenen werfen zu können, die sich bei 12° C und wohligem Sonnenschein draußen vergnügen. Der Vize geht seinem Tagwerk nach, versunken und entrückt, bis ihn ein ungewohnter Laut wieder in die Gegenwart rückt: Ein unbekannter Laut, nicht ängstlich, nicht klagend, nicht einmal besorgniserregend, aber so anders, dass es jeden Vater dieser Welt auf die Beine bringen würde. Er springt auf und hinaus auf den Balkon und schon mit dem ersten über die Brüstung geworfenen Auge weiß er Bescheid: Einer ist ausgebüxt und schlendert um das Wasserbecken jenseits der Absperrung, knarzend und quiekend, lehnt sich über den Beckenrand wie einst Narziss über die spiegelnde Fläche des Sees, um sich an seinem Spiegelbild zu ergötzen. Weil damals unglücklicherweise ein vorbeitreibendes Blatt sein Ebenbild verzerrte, starb der eitle Narziss im Glauben, er sei so schrecklich hässlich. Diese(r) da unten droht nicht den Tod brüskierter Eitelkeit zu sterben, sondern einfach nur zu ersaufen, wenn er noch einen Schritt weitermacht. Jetzt ist Gas angesagt beim Vize, Roadrunner jagt Speedy Gonzales die Stiegen hinunter und mit quietschenden Badelatschen um die Ecken. Mit einer teilgelungenen, aber aus besseren Tagen herübergeretteten Fechterflanke fliegt er über das Sperrgitter und in die heiligen Stauden der Chefin - und hat den Republikflüchtling im Arm. Wer Lust hat, darf jetzt einmal raten, wen er im Arm hält? Kleine Hilfe: Geht mit G an. Ja, blöder Scherz mit einem Loch im Spaß. Also noch eine kleine Hilfe: Hört mit e auf. Diese Kombination gibt's nur einmal, also bitte ein bisschen mehr Engagement. Immer noch nicht? Also, letzte kleine Hilfe: Geht mit G an und hört mit Rille auf. Jetzt aber! Für ein hessisches Abitur reicht's allemal. Wie und wo entkommt ausgerechnet die wamsige  MG 8741 200Ätschebätsch, ausgeschmiert! Wo eine Grille ist, ist immer ein WegGrille diesem ausgetüftelten Mangfalltaler Guantanamo? Der Vize hat einen Verdacht. Einem Gitter fehlt das Top-Brett, weil wir die Montage auf später verschoben hatten, wie immer eben; man baut den Laufstall auf, die Zeit wird knapp und die letzten Arbeiten werden verschoben. Und verschoben. Und vergessen. Allerdings sollte das unvollendete Gitter für dieses Alter der Welpen immer noch ausreichend hoch sein. Sicher ist sicher; Brett holen, Werkzeug und Schrauben bereitlegen - und sich die neugierigen Kinder vom Leib zu halten. Nicht vergessen darauf zu achten, dass man hier im hintersten Ende des Welpenparadieses nicht auf eine unter dem Laub versteckte Tretmine tritt, denn nebenbei sind die lieben Kleinen noch eifrig zugange, den heute mutmaßlich siebten Stuhlgang zu zelebrieren. Der Vize vollzieht den Vollzug leidenschaftslos, weil er nicht daran glaubt, dass Grille hier drübergestiegen ist. Eher schon ist das Schlupfloch am Ende dieses letzten Gitters die Schwachstelle, dort, wo es am Gerätehaus anliegt, so, dass es zwar nie umfallen kann, aber unten, zwischen Hütte und Gitter einen Spalt offen lässt. Dort könnte man sich, wenn man die Luft aus dem Körper presst und mit Nachdruck schiebt schon durchschlüpfen. Und Grille ist es zuzutrauen, dass sie nicht rastet und nicht ruht, bis sie da durch ist und eher stecken bleibt wie der Korken in der Flasche, als den Rückzug anzutreten. Also muss der Vize Steine schleppen, um den Schlupf zu verrammeln. Korrekt wäre es natürlich, sich unauffällig in den Garten zu setzen und zu warten, bis die Grillmamsell einen neuen Versuch startet, denn wer einmal erfolgreich war, will es wieder sein, ein Hovawart sowieso und Grille allemal. Aber nun wird es ja auch schon wieder Zeit, Futter zu liefern und die Chefin von der Bahn abzuholen. Und so werden die letzten Gewissheiten dem allgegenwärtigen Zeitdruck geopfert. Aber nun verstopfen die Steine immerhin das Loch und ein Brett macht den Überstieg unmöglich. Hoffentlich.

Wir haben es ja schon mehrmals betont: Unsere Kinder sind ausgesprochen gut gelungen und geraten, daran ändert auch ein gelegentlicher Grille'scher Ausreißer nichts. Ohne so etwas könnten sie sich ja gleich allesamt auf eine Wolke setzen und Hosianna singen. Dass sie so gut geraten sind, ist zum großen Teil Fiannas Verdienst, auch das haben wir schon häufiger thematisiert. Aber es kann wirklich nicht häufig genug gesagt werden: Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass einer Erstgebärenden das komplette Mamaprogramm zur Verfügung steht.  MG 8711 200Fianna im Kreise ihrer LiebenFianna ist ständig bei ihren Kindern und um sie, umsorgt sie und pflegt sie bis zum heutigen Tag. Aber sie erzieht sie auch mit fester Hand, zeigt ihnen ihre Grenzen auf, tadelt sie, und das alles nachdrücklich, aber nie grob. Deshalb wird sie von ihren Kindern auch respektiert, und wenn sie einmal deutlich werden muss, ist sofort jegliche Diskussion beendet. Aber, wie wir schon bemerkten, sie löst das Unbehagen nach einem Tadel immer wieder auf, leckt sie, wenn sie sich gefügig zeigen und bietet ihnen ein Spielchen an. Die Unterwerfungskönigin des G-Schwaders ist DSC07878 200Gruschel weiß genau, wie sie Mama Fianna milde stimmtGruschel. Dieser kleine Treibauf hat nicht nur jeden verfügbaren Schalk im Nacken, sondern das gesamte Unterwerfungs-Instrumentarium parat. Natürlich lässt sie es drauf ankommen, will wissen, wie weit sie gehen kann, wenn aber Mama zum fast schon Äußersten greifen muss, weil das kleine Rabenaas selbst die dritte Aufforderung, sich von ihren Zitzen fernzuhalten ignoriert und zum Schnauzgriff greift, fällt sie umgehend wie ein paralysierter Maikäfer auf den Rücken, streck alle Viere in den Himmel und versichert, dass eine solche Unbotmäßigkeit nie mehr vorkommen werde. Und schon ist der Kas g'spitzt, wie wir Bayern sagen. Mama glaubt ihr zwar kein Wort, aber sie nimmt die Entschuldigung an. Und das ist wirklich etwas Besonderes: Fianna besteht auf die Unterwerfung, sie lässt nicht locker, bis der oder die Angeklagte sich auf den Rücken legt, die Muskeln entspannt und den Blickkontakt löst. Erst jetzt ist sie zufrieden, Pseudounterwerfungen duldet sie nicht. Das schafft sehr früh klare Verhältnisse und beugt Missverständnissen vor. Weil sie die kleinen Teufeleien der süßen Engelchen schon jetzt konsequent unterbindet, braucht sie dazu meist nur kleines Besteck. An ihrem Beispiel sollten wir, die wir Hunde haben und erziehen, uns immer orientieren: Wer bei den süßen Kleinen an klaren Worten und Taten spart, braucht beim Halbwüchsigen schweres Gerät, um dem Schaden Herr zu werden. Fianna weiß das und lebt es uns und ihren Kindern beispielhaft vor.

In den verbleibenden zwei Wochen wird sie noch genug Gelegenheit bekommen, ihr Talent als Mutter und Erzieherin unter Beweis zu stellen.

Und uns hängt das Herz schon jetzt schwer wie ein Kartoffelsack in der Brust.

G-Deih und G-Schrei - Die G-Schichte von Fiannas G-Schwader: Woche 4

4. Woche (06. 10. -12. 10. 2015)

Dienstag, 06.10.2015

Jetzt geht es schon wieder los mit der waidwunden Zitze: Fianna ist sehr reduziert, hat sichtlich Probleme und nach dem sehr kurzen Morgenspaziergang 39,6° Fieber. Also gibt jetzt die Chefin die Eitersennerin und tut, was und wie sie von Karin gelernt hat. Dabei zeigt sich, dass es der obere Milchkanal ist, der Probleme macht und immer wieder vereitert. Aus den anderen fließt pure Milch. Dieser Erkenntnisgewinn hilft aber nicht weiter; es muss gestrichen, massiert und gemolken werden, bis nur noch Milch kommt. Eine gute halbe Stunde geht das so, und Fianna ist ein Lamm und ein Vorbild an Geduld und Duldsamkeit. Wir fragen uns natürlich, woher der Eiter immer wieder kommt und ob eventuell das Antibiotikum nicht richtig wirkt, denn eigentlich müssten die Keime längst erledigt, zumindest erheblich geschwächt sein. Wir fragen über Karin beim Tierarzt nach, ob wir eventuell das Amoxiclav durch etwas anderes ersetzen können, aber das wird abgelehnt: Amoxiclav ist und bleibt das für Welpen verträglichste Antibiotikum. Also weiter streichen, massieren und melken, bis sogar der Eiter aufgibt. Als auch aus dem oberen Milchgang nur noch Milch kommt, kleben wir die Zitze zu. Fianna bewegt sich zwar wieder freier, ist aber noch längst nicht wieder die alte. Das ging samstags schneller. Und weil die Chefin heute einen längeren Termin mit ihrem Arbeitgeber hat, schiebt der Vize Stall- und Krankenwache.

Gestern nahmen einige G-Schwader-Angehörige die Ernährungsfrage eindeutig auf die zu leichte Schulter, während andere die klare Absicht erkennen ließen, niemals an Auszehrung sterben zu wollen. Die entschlossensten Überlebensstrategen sind Grille (1480) und Gamba (1470), die beide 100 g zulegten, gefolgt von Gruschel (1420, +80). Gundel (1400) und Gosh (1380) reüssieren mit sättigenden 70 g. Auch Greco (1440) und Greta (1400) werden mit zusätzlichen 50 g noch gut über die Runden kommen. Bei 20 g plus könnte man ja schon mal über eine partielle Unterversorgung nachdenken, allerdings auf Basis von 1530 (Girgl) und 1490 (Grappa) wirkt dieser Ansatz eher etwas bemüht. Selbst Gustl mit seiner Nullnummer (1400) kommt durch die Gesichtskontrolle: Keine eingefallenen Bäckchen. Und Gaudi, der camouflierte Gandhi, scheint der Quadratur des Gewichtskreises auf der Spur zu sein, weil er selbst mit -10 und bei 1300 einen ausgesprochen properen Eindruck macht, allerdings scheint er von seinen zwischenzeitlichen Absichten, das Feld von hinten aufrollen zu wollen, Abstand genommen zu haben. Und ehrlich gesagt sind 550 g über alle doch gar nicht so schlecht. Mama Fianna würde das bestätigen. Aber dennoch beschleicht uns der Verdacht, dass sie langsam an ihre Kapazitätsgrenzen kommt, elf immer hungrige Starkwüchsige allein versorgen zu können. Wir werden wohl bald richtig zufüttern müssen. Die winzigen Milchschüsselchen werden da nicht mehr reichen.

Dem Mittagsspaziergang schließt sich Fianna freudig an, obwohl sie sich bis dahin sehr zurückgezogen hatte. Der Vize beschließt, die etwas angeschlagene Mutter selbst entscheiden zu lassen, wie weit ihre Beine sie tragen sollen. Er geht also nicht wie gewohnt voraus und gibt die Richtung vor, sondern lässt sie an jeder Weggabelung selbst entscheiden, wohin sie sich wenden will. Und sie wendet sich und wendet sich und wendet sich - aber nie in Richtung Haus und Hof. Der Vize bricht das Experiment ab, weil die Kinder sonst vielleicht doch noch hungers sterben müssten, während er sich am Ende seiner Kräfte hinter seiner Schrittmacherin in Richtung Santiago de Compostela schleppt.

So kommen gleich im Anschluss an den Ausgang die Kleinen doch zu ihrer Mittagsspeisung, bei der der Vize wie ein Fragezeichen mit in der Kiste kauert, um die abgeklebte Zitze mit seiner Hand vor zu großen Zudringlichkeiten zu bewahren. Wir haben heute ein etwas anderes Pflaster als gestern aufgebracht, das zwar bis jetzt gehalten hat, aber von den Seiten zugänglich ist, sodass die hungrigen Monster leicht ihre Schnuten unters Pflaster schieben und es ablösen könnten. Da muss verhindert werden. So hockt der Vize zusammengekrümmt wie ein ungeschlüpfter Vogel in der Kiste und seine lebensrettenden Finger werden von uneinsichtigen und undankbaren Hungerleidern eingesabbert und attackiert. Ja, sie haben schon Zähne, zarte noch, aber einsatzwillige.

Jetzt wäre es doch gut zu wissen, ob die Mutter noch Fieber hat oder nicht. Rektale Fiebermessungen sind nicht die Sache von Schöngeistern. Schon die Weigerung des Messobjekts, den Schwanz zur Messung oben zu halten, indem sie ihn nach unten presst wie Kinder den Po zudrücken, wenn man ihnen Fieberzäpfchen applizieren möchte, bringt ihn an die Grenzen seiner Fähigkeiten als Stationsschwester, pardon: -bruder. Irgendwie bringt er das Thermometer, eines dieser Turbometer, das schon piept, bevor es richtig untergebracht ist, dann an den Ort der zu messenden Hitze und liest Sekunden später 38,0°. Seine medizinischen Grundkenntnisse reichen aus, um diese Messung als Fehlmeldung zu diagnostizieren, was ihn zu einem neuerlichen Penetrationsversuch zwingt. Diesmal piept das Turbometer 39,5°. Er gibt auf und rechnet den rasanten Temperaturanstieg Fiannas peinlicher Berührtheit und kochender Ungehaltenheit zu. Er schreibt in die Krankenakte: "Patientin nach Augenschein in einsatztauglicher Verfassung". Es wird schon nicht zu übersehen sein, wenn sie in die Knie geht.

Um aber den bösen Keimen nicht vollends das Feld zu überlassen, macht er der Patientin einen Quarkwickel auf die Zitze. Das geht ihm jetzt wieder leicht von der Hand. Schön dick den Quark auftragen, der eigentlich ins Kinderfutter gehört, einen kleidsamen Mulltupfer drauf und eine flotte Diplomatenschärpe um den Leib gewickelt - fertig ist die Rennsemmel mit Rallye-Streifen. Fianna ist es schnurz, nur die Kleinen scheinen ihre Mutter etwas peinlich zu finden. Tatsächlich sind sie vermutlich nur verstimmt, weil ihre zunehmenden Versuche, der Mutter im Stehen an die Milchspender zu gehen, mit dieser Saug- und Zuzelverhinderunsschärpe völlig ins Leere gehen. Aber ein neuer, und für die Mutter äußerst unangenehmer Entwicklungsschritt kündigt sich mit großen Schritten an: Nur wenige Tage noch und sie werden ihr wie die Blutegel am Bauch hängen, wo immer sie geht und steht. Fianna wird bald nur noch auf der Flucht sein.

Nach soviel aufopferndem Einsatz an der Puppy-Front zieht es den Vize in sein Arbeitszimmer im ersten Stock, weil dort noch ein Berg Arbeit auf Erledigung wartet. Die Tür bleibt offen, damit ihm auch nichts entgeht, denn noch kommentieren die Kleinen alle ihre Heldentaten mit lauten Jubelschreien, erst später agieren sie lautlos, weswegen man sich immer den Spruch im Sinn haben sollte: "Silence is golden. But if you have a puppy: Silence is suspicious". Und es dauert nicht lange, bis ihm höchst verdächtiger Kindergesang an die Ohren dringt. Er stürmt ins Erdgeschoß und wird im Treppenhaus und an der Kante zur Kellertreppe von einer kleinen Schar Pioniere begrüßt: Gundel, Gruschel, Greco und Grille, das Quartett infernal des G-Schwaders. Und wie die sich schon fix seinen Zugriffen entwinden und die Biege machen, sich gegenseitig anspornen und ihn ihrem Spott preisgeben. Doch noch ist er Herr der Lage (da zeigt der Vize, dass er eigentlich ein Leader ist), noch kriegt er das marodierende Pack in den Griff, noch lassen sich die Mädels überzeugen (da kennt er sich noch immer aus) und wieder einweisen. Nur der Grieche macht Schwierigkeiten. Der Grieche widersetzt sich uneinsichtig und nachdrücklich unter Einsatz seiner noch spärlichen Waffen den Anweisungen des einzig derzeit anwesenden und demnach zuständigen Vollzugsbeamten und muss unter Zwangsmaßnahmen zurückgesiedelt werden. Außerhalb der heiligen Hallen des Blues wäre jetzt gemäß § 113 StGB eigentlich mindestens eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe zu erwarten; bei besonders schweren Fällen wie diesem (Waffeneinsatz!) werden sogar bis zu fünf Jahre fällig. Der gnädige Vize drückt jedoch beide Augen zu, weil der Delinquent noch nicht im strafmündigen Alter ist. Aber die kriminelle Energie ist erkennbar, und es muss den Anfängen gewehrt werden: Noch heute müssen die Sperren aus dem Lager geholt werden, bevor eine Auswanderungswelle über uns schwappt.

Die Maßnahmen und Maßregelungen haben eine äußerst geringe Halbwertzeit. Als die Chefin nach Hause kommt, ist die halbe Bande schon wieder im Eingang, um Göttinmutter zu begrüßen. Das liegt vermutlich weniger an der Erkenntnis, dass die Chefin kommt, sondern daran, dass sie ihrer Mama nun auf Schritt und Tritt folgen, und die lässt natürlich keine Begrüßung ihres Heiligenbildchens aus. Und so schleppt sie das Brutpack in ihrem Kielwasser mit. Nun reichen schon vier Hände kaum aus, um die Situation zu entschärfen (Kellertreppe! Genickbruch!!). Die gute Nachricht: Der Vize kann es sich ersparen, die Chefin von der Notwendigkeit der Territorialsperren zu überzeugen.

IMG 7772 200Erste Speisung am Futterring: das funktioniert ja schon ganz gut Die bIMG 7777 200...auch wenn zum Schluss die Tischsitten etwas verrohen este Entspannungstherapie ist fürs erste immer noch der Futternapf. Nach den Einzelspeisungen aus dem Terrakotta-Napf erhöhen wir nun nachmittags die Anforderungen: Gemeinsame Speisung aus dem Futterring. Das Handlungsdreieck beim Nachwuchs bewegt sich dabei zwischen schnurdummer Tollpatschigkeit, Damenringkampf im Quarkschaum und effizienzgetriebener Habgier. Da aller Anfang schwer ist und mancher gelungene Anfang nicht wesens-, sondern zufallsgetrieben ist, bleiben die Namen der Tollpatsche, Ringkämpfer und Gierschlünde im Giftschrank des Blues versiegelt auf alle Zeiten. Schließlich bewältigen sie alle die Herausforderung mannhaft, wobei die größte Herausforderung die Durchsetzungspower gegenüber den Geschwistern ist. Und deshalb machen wir das ja auch: Wir sind keine Helikopter-Eltern, die ihre Schützlinge intravenös ernähren, damit sie bloß nicht zu kurz kommen und um alles in der schnöden Welt nicht mit der Hinterlist des Seins konfrontiert werden. Beim Blues bekommt man eine gelegentlich anspruchsvolle, aber zukunftstaugliche Schule. Memmen hat der Blues noch nie ins Leben entlassen.

Anschließend bekommt auch Fianna nochmal Quark - auf die Brust. Der erste Wickel hat ihr offensichtlich gut getan: Die Zitze ist weitgehend abgeschwollen und kühl. Wie schon beiläufig erwähnt: Männerhand auf Damenbrust vertreibt sogar dem Keim die Lust.

IMG 7781 200Hinter Gittern Die Sperren werden dann am frühen Abend aus dem Keller gezerrt, instand gesetzt und so aufgebaut, dass die zwei Zugänge zum Wohnzimmer und der Treppenhauszugang verrammelt sind. Der Vize gibt den Orbán und heraus kommt Guantanamo II. Vor allem Girgl kann diesem Hochsicherheitstrakt nichts abgewinnen und tigert an der Sichtsperre zum Wohnzimmer entlang wie ein hospitalisierter Eisbär und schreit seine Nichteinverständniserklärung zu uns herüber. Er hat große Vorbilder in dieser Disziplin, Adrian etwa, Bertl, Casper oder Franz, heldenhafte und berüchtigte Blues-Choleriker. Mal sehen, wie viel Potential im Girgl steckt; für den Anfang ist das schon nicht schlecht. Der Knirps ist ja gerade mal drei Wochen alt und hat eine Stimme wie Carreras.

Dabei ist der Girgl nur der lautstarke Wortführer, maulen tun sie jetzt alle, laut und präzise, nicht mehr dieses jammernde Schwurbeln, dieses Knarzen und Meckern, nein, jetzt wird Jähzorn artikuliert, scharf und schneidend, man gibt sich Widerworte und keift gemeinsam gegen den Leviathan jenseits des Hochsicherheitstrakts. Kinder sind so, wenn sie wachsen; teils zuckersüß, teils unausstehlich. Jetzt sind sie gerade unterzuckert.

Zum Abschluss misst die Chefin noch einmal Fieber bei Fianna und ermittelt reelle 38,7°. Der Vize singt ein Lied auf die Hohe Schule der Hausmedizin und legt der fast genesenen Patientin noch einen letzten Wickel für die Nacht auf. Überdosieren kann man Quark ja nicht, schon gar nicht an der Brust. Höchstens im gesprochenen wie geschriebenen Text...

 

Mittwoch, 07.10.2015

Fiannas maroder Milchspender scheint wieder funktionsfähig. Die Zitze sieht sehr schön aus, wenn auch etwas befremdlich mit all den getrockneten Quarkstreuseln, die sie verzieren. Die Zwerge stört es jedenfalls nicht; sie gehen, nachdem die Schärpe entfernt ist, zum Tagesgeschäft über und machen einen Saugtest, der anscheinend erfolgreich ist. Wir hoffen, dass das nun die letzte Attacke dieser Art war.

Die teilweise geschlossene Milchbar hat, trotz der Gemeinschaftsspeisung, Auswirkungen auf die Gewichtsentwicklung gehabt. Nein: Auch heute steht keiner vor dem Goldenen Tor, aber 470 g als Gesamtzuwachs sind etwas spartanisch. Und natürlich werden, wie im richtigen Leben, die Fetten immer noch fetter und die Darbenden haben das Nachsehen. Einer dieser Fetten ist Girgl (1630, +100), dem eine Ein-Tages-Diät bestimmt nicht schaden würde und der offensichtlich auch beim Herausschreien seines Unwillens nicht an seine Energiereserven muss. Auch Grappa mit ihren 1570 g (+80) hat offensichtlich dafür gesorgt, dass der reduzierte Nachschub nicht zu ihren Lasten geht. Und natürlich der gewaltbereite Grieche: ebenfalls 80 g (1520). Die zwischenzeitliche Aussicht auf einen längeren Haftaufenthalt scheint nicht merklich an ihm genagt zu haben. Greta, die eigenwillige Stille vergeudet ihre Energie nicht mit Larifari-Aktionen, sondern packt, ohne dass es einer merkt, mal eben 90 g drauf und schwingt sich auf 1490 g hoch. Die hat Stil, das muss man ihr lassen. Und nun kommen wir zum ernährungsbezogenen Fußvolk: Gamba (1470, +0), Gruschel (1460, +40), Gundel (1450, +50), Gustl (1430, +30), Grille (1430, -50), Gosh (1410, +30) und zum Schluss der knuddelige Gaudi mit 1320 ( +20).

Es gibt dann morgens wieder eine Sammelspeisung am Ring, was inzwischen schon kein Aufsehen mehr erregt; sie tun altklug und so, als ob das für sie ein alter Hut wäre. Wie immer gibt es die Ärmelaufkrempler und Hosenträgerschnalzer sowie die Feingeister, die jeden Happen genießen, bevor sie sich den nächsten holen. Das sind diejenigen, die am Rand des Futterrings ablecken, was die Grobkulinarier mit ihren Füßen nach draußen befördert haben. Auch im Tierreich gibt es solche, die sich von den Brosamen am Tisch des Reichen ernähren, wobei es sich in diesem Fall nicht so sehr um Reiche, sondern um Randalen handelt. Wir werden ja morgen sehen, wer auf der Leckstrecke nicht auf seine Kosten gekommen ist und auf eine Sonderspeisung an die "Tafel" gebeten werden muss. Aber was für ein Zwitschern und Keckern als die Futterglocke leer ist! Hungerleider wie Speckbarone tun sich nun zusammen und beschweren sich lauthals über die ihrer Meinung nach künstliche Verknappung des Nahrungsangebots. Da sind sie sich einig und gemeinsam laut. Wortführer und Schreihälse gibt es nun nicht mehr, nur krähendes Protestvolk. Fehlt noch, dass sie sich Warnwesten überziehen und wie die Gewerkschafter in Trillerpfeifen pusten.

Am späten Vormittag nehmen wir (also: die Chefin) zur Sicherheit bei Fianna eine Temperaturkontrolle vor, damit uns nichts entgeht: 38,5°. Entwarnung, und die Zitze sieht auch wirklich wieder gut aus, wenn auch nicht mehr so kauzig wie mit den Quarkstreuseln.

Die aktive Teilnahme der Welpen am Leben beschränkt sich nicht auf den Protest am leeren Futterring, sondern betrifft den gesamten Alltag. In erster Linie heißt das: Sie stehen immer und überall im Weg. Sie folgen uns und beobachten uns unentwegt, sie kontrollieren, ob wir alles richtig machen. Dabei sind ihre Bewegungsmuster so unorthodox, dass man ständig Gefahr läuft, einen zu treten, weil sie auch keine Scheu haben und keine Gefahr kennen. Es ist kein Problem, sich lautlos hinter einen Fuß zu setzen, der dem Vize gehört und der gerade mit Inbrunst ein Mahl zubereitet und nur an Zutaten denkt, nicht aber an G-Tier. Man entwickelt instinktiv einen schlurfenden Chinesengang, bei der die Füße nicht mehr angehoben werden, was nicht nur der Sicherheit der Welpen dient, sondern auch der Verteilung ihrer Hinterlassenschaften, die, und auch das ist ein Gesetz, jetzt schon so weit wie möglich von der Schlummerbox entfernt abgesetzt werden - und das ist genau dort, wo der Vize hantiert und kocht.

Da wir ab sofort zwei externe Speisungen anbieten, werden die Hinterlassenschaften schnell an Quantität und olfaktorischer Qualität zunehmen, und die Tretminengefahr wird allgegenwärtig. Andererseits werden wir Fiannas Futterration nun deutlich reduzieren. Manche Ernährungsexperten empfehlen, einer Hündin, die mehr als acht Welpen aufzieht, so viel Futter zu geben, wie sie möchte und vertragen kann. Wir finden, das, was Fianna bisher bekommen und eingespeist hat, reicht wahrscheinlich für die doppelte Zahl von Welpen; also, verehrtes Publikum, anschnallen bitte, es folgt der bisher gültige Speiseplan der Fianna vom Bairischen Blues, der sich hinter denen von August dem Starken, Otto von Bismarck, Max Reger oder Ludwig II wahrlich nicht zu verstecken braucht: Morgens, gleich nach dem Aufstehen, gibt es 200 g Sahnequark mit einem Eigelb und Frubiase Calcium. Nach dem Morgenspaziergang werden 300 g Trockenfutter fällig, um die Mittagszeit erwartet die Mutter ca. 300 g gekochtes Hähnchen mit Reis oder Flocken. Am späteren Nachmittag dürfen es noch einmal 300 g Trockenfutter sein und den Abend beschließen dann 250 g rohes Rind, ebenfalls mit Reis, Nudeln, Kartoffelflocken oder, was sonst zur Verfügung steht. Doch gemach, gemach, das ist noch nicht alles. Für den kleinen Hunger zwischendurch warten frische Hühnerschenkelchen auf Fianna, auch mal etwas abgestürzte Wurst oder Käse, Trockenleckereien wie Pansen, Huhn, Pute, Kaninchen, dazu die mannigfaltigen Freundschaftsgaben der Besucher, die ja nicht dazu gebracht wurden, um sich in unserem Lager für schlechte Zeiten zu stapeln; die wollen respektiert und kurz gehalten werden. Und natürlich findet sich ein etwas nachlässig entleerter Sahnebecher, eine Rührschüssel mit Teigresten und - ganz wichtig - unvollständig geleerte Katzenschälchen. Und was sowieso nie fehlen darf, sind die die Stimmungsmacher und Belohnungsleckerli beim Spaziergang. Das summiert sich vermutlich auf 3000 Kilokalorien. Wir finden, Fianna sieht dabei prächtig aus und versorgt ihre Kinder ohne Fehl und Tadel. Weder sie, noch ihre Kinder machen einen notleidenden Eindruck.

IMG 7852 200Grille macht's vor: Pummelbauch nach der Fütterung. Und wenn der Futterring nicht leer gewesen wäre, hätte sie auch noch weiter gefressen Wer diese Zahlen sieht und zu hören bekommt, dass er noch mehr füttern soll, so viel bis der Hund endet wie die Kochpartie aus dem "Großen Fressen", weiß, warum er den Ratschlägen der Ernährungsexperten und Diäthysteriker mit sehr gesundem Misstrauen begegnet. Bei unserem A-Wurf haben wir irgendwo gelesen, dass man Welpen so viel geben sollte, bis sie von sich aus nichts mehr nehmen, also pappsatt die Schüssel beiseite schieben. Weil, so der Autor, gesunde Welpen auch ein gesundes und natürliches Sättigungsempfinden hätten. Nicht, dass wir den Unsinn glaubten, aber es reizte uns schon sehr, den Versuch einmal zu machen und zu sehen, wie Blues-Kinder mit der ungezügelten Maßlosigkeit umgehen. Ergebnis: Der Versuch wurde nach einem Tag abgebrochen. Die Welpen hätten das Futter auch dann nicht abgelehnt, wenn sie fett wie eine vollgesogene Zecke durch ihr Reich gerollt wären. Wir schrieben uns demnach ins Stammbuch: Unsere Welpen sind nicht normal. Unsere Welpen sind degeneriert. Trost: Unsere Welpen sind Hovawartwelpen (wovon das Ernährungsgenie keine Ahnung hat). Möglicherweise ist ja diesem Experten seine humanistische Bildung im Wege gestanden und er orientierte sich an dem edlen Satz: Mens sana in corpore sano, der gerne mit "In einem gesunden Körper lebt ein gesunder Geist" übersetzt wird. Blöd nur, dass man fix auf dem Holzweg landet, wenn man einem mutwillig verkürzten Zitat auf den Leim geht; der Originaltext von Juvenal lautet nämlich "Orandum est, ut sit mens sana in corpore sano", und das bedeutet, man solle darum beten, dass in einem gesunden Körper ein gesunder Geist sei. Das eine ist ein Postulat, das andere ein (frommer) Wunsch. Somit ist der Autor dem irrigen Postulat aufgesessen, nach dem ein gesunder Welpe auch ein gesundes Futterverhalten zeigt. Züchter und Welpenbesitzer wissen, dass das im Sinne des Zitats eben nur ein frommer, aber dummer Wunsch ist. Gänzlich wirr wird der Wunsch im Zusammenhang mit einem Hovawart. Ein Hovawart ist gerade nicht normal, wenn er Futter ablehnt, dann wäre der Hovawart kein Hovawart! Dass uns ausgerechnet Anouk in ihren drei Würfen auch Kinder bescherte, die richtige Futtermäkler waren oder sind, widerlegt dieses Gesetz nicht, sondern ist ein Erbstück von der Mutter und eine Ausnahme von der Regel. Anouk war halt immer etwas eigen und anders. Darauf eine Futterempfehlung aufzubauen, wäre mehr als fahrlässig.

Zurück zum Tagesgeschehen: Für Fianna gibt es ab morgen jedenfalls eine Trockenfutterration weniger. Und mit dem fortschreitenden Versiegen ihrer Milchquellen werden wir schnell auf Normalportionen zurückgehen. Aus und vorbei mit dem Kalorien-Schlaraffenland.

Zum Schluss noch ein Wort zum heutigen Wetter, über das wir nicht reden wollten, aber wenn es schon sein soll, dann kann man es auch am Ende des Tages tun, weil es etwas Endzeitliches hat, das heutige Wetter: Dauerregen, Land unter, nichts als Wasser, Wasser, Wasser. Gute Nacht, vielleicht gibt es ja morgen schon wieder Lichtblicke.

 

Donnerstag, 08.10.2015

Ja, der Regen hat sich verausgabt und seine leeren Tragesäcke hängen schwer und schwarz über unseren Köpfen. Ein Lichtblick sieht anders aus.

Ein Blick auf die Gewichte - und elf Lichtblicke! Girgl hat von der Hausse am Ring für seine Verhältnisse wenig profitiert, aber die Pole-Position mit 1680 g (+50) behalten. Aber die kaltblütige Fettmamsell Grappa rückt ihm gnadenlos auf den Leib: +90 = 1660 g. Wir hoffen in ihrem Sinne sehr, dass dieses Rennen nicht zu ihren Gunsten ausgeht (mal abgesehen davon, dass Girgl krank würde, was wir nicht hoffen wollen). Und dann schon Greta, die unscheinbar Effektive, macht 150 g gut und wirkt mit ihren 1640 g keineswegs überproportioniert. Die gilt es im Auge zu behalten, die kommt langsam aber gewaltig. Und danach ist eine Runde lang nichts zu sehen. Die nächsten sind Greco und Gundel mit 1570 g, wobei sich Greco im Normalbereich bereicherte (+50), Gundel dagegen 120 g inhalierte, was sie bestimmt nicht mit der Verwertung der Randreste geschafft haben kann. Sie war also vermutlich bei den Durchstechern. Einen schicken Pas de deux haben Gustl und Gruschel aufs Parkett gezaubert, Gustl mit 100 g plus, Gruschel mit 70 g, Schlussbild 1530 g. Gosh gibt sich Mühe, den Anschluss nicht zu verpassen, ist aber zu gesittet, um sich den Tischsitten der anderen zu beugen; Ergebnis: 100 g plus reichen trotzdem nur für 1510 g. Hinter ihm reiht sich Gamba mit 1490 g und wenig ambitionierten 20 g plus ein. So, wer fehlt dann noch? Grille, zum Beispiel, die auch nicht mehr als 40 g zwischen die plappernden Kiefer stopfen konnte und auf 1470 g hängen bleibt - gleichauf mit dem Gaudibursch, der es sich hat schmecken lassen: 100 g sind wieder mal eine Kampfansage. Mal sehen...

IMG 7795 200Greco als Fußballstar Die KIMG 7822 200Gaudi hat die Ikea-Ratz erlegt nirpse erkennen nun auch immer mehr, dass es zum Zeitvertreib noch andere Objekte gibt als die Mama und die Beine und Laufwege der riesigen Zweibeiner; sie beschäftigen sich nun auch mit allem, was herumliegt, Spielsachen zum Beispiel, die meist noch begutachtet, aber noch nicht richtig bespielt werden. Erst ganz langsam werden sie auch herumgetragen, soweit die Körperkraft es hergibt oder ein wenig an ihnen geknabbert. Die begehrtesten Spielsachen sind die Pinkelhandtücher, mit denen wir ihre Teiche entfernen; in die würden sie am liebsten eintauchen, und die werden auch herumgezerrt wie nichts anderes. Besonders knifflig wird die Angelegenheit, wenn man gerade dabei ist, einen Teich zu entfernen und es hängen zwei des G-Schwaders dran und zerren dagegen - ja, das geht jetzt los. Der Hundesportler freut sich über eine solche Konterbande. Und natürlich werden mit jedem Tag die Beine, vor allem die Fersen der Zweibeiner interessanter, aber auch die Zehen, sofern sie nicht verpackt sind, erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Und so wird es auch zunehmend komplizierter, sich in der Küche zu bewegen, weil die Kleinen offensichtlich einen Satz schon fest verinnerlicht haben: Wo du hingehst, mein großer Bruder, will auch ich hingehen.

IMG 7829 200Gustl schnullert noch am liebsten am Finger Diese Anhänglichkeit zeitigt noch andere Folgen, an die der geneigte Leser dieser Seiten kaum denkt: Die Tagesbilder und Galerien, die bei vielen große Begeisterung auslösen, haben häufig eine mühsame und beladene Geschichte, weil dem Zwergenpack nichts mehr entgeht und weil es in diesem Lebensabschnitt schon so kamerageil ist, dass sich fast jeder Politiker eine Scheibe davon abschneiden könnte. Kaum geht man in die Hocke, schon stürzt das Motiv, das gerade noch in stiller Versunkenheit vor sich hin spielte oder dödelte mit Hurra auf den Fotografen - Motiv kaputt. Sollte man sich gar der optimalen Perspektive zuliebe auf den Boden legen, wird man besiedelt wie der Hundehaufen von Schmeißfliegen. Wir warten auf die Outdoor-Saison, wenn man mit dem Tele arbeiten kann - aber selbst das werden sie fix spitzkriegen und angerast kommen. Die Leichtigkeit des Genusses entspringt immer den Mühen des Werdens. Nur beim Kinderkriegen und -haben ist dieses Prinzip verkehrt, dort mündet der Genuss des Werdens in die Mühen des Seins.

 

Freitag, 09.10.2015

Der Gaudibursch! Kaum hat er mal ein großes Maul voll genommen, verdaut er wieder einen Tag, soll heißen: Der Knirps hat eine Nullnummer eingelegt, weiterhin 1470 g. Damit ist natürlich im Rennen um den Platz an der Speckseite kein Blumentopf zu gewinnen, schon gar nicht, wenn die lieben Geschwister seinen Aussetzer gnadenlos nutzen. Grille etwa, die gestern mit ihm noch gleichauf war: +40 (1570). Oder Gustl. Auch keiner von der Speckfraktion, aber mit +40 und 1570 g schon 100 g weg. Und Gamba erst: Gestern nur 20 g vorne, heute mit +90 auf 1580 auf und davon. Auch Gosh ist weg, ebenfalls keiner, den wir bislang zu den Brechern zählen mussten: +70 und ebenfalls 1580. Wenden wir uns jenen zu, mit denen sich der putzige Gaudi nie messen musste und nie messen werden muss. Am unteren Ende dieser Phalanx residiert Greta, die zwar 1600 g auf die Waage bringt, aber 40 g abgenommen hat. Ob sie mit Gaudi Schach gespielt hat? Gruschel liegt jetzt vor ihr, weil sie 90 g gutmachte (1610). Gundel zieht unbeeindruckt von dem, was vor und hinter ihr passiert ihre Kreise: 110 plus (1680). Mit 1740 (+70) liegt Greco aber noch deutlich vor ihr und schon knapp hinter Girgl, der sich ausnahmsweise mit 80 g beschieden und somit seinen Platz an der Sonne aufgegeben (1760) hat. Den hat nun Grappa: 140 g plus ist keine Kampfansage, sondern Akt der geschwisterlichen Supression und Demütigung, weil sie dem Girgl den Schneid abgekauft und ihn abgespatzt hat: 1800 g, und das ist kein hauchdünner Vorsprung, das sind gleich 40 g, die sie dem Girgl abgeluchst hat. Girgls 80 g plus wirken dagegen wie der Versuch, mit einem Laubbläser gegen einen Taifun anzupusten. Jetzt hat die Grappa das Rennen also doch für sich entschieden, was wir gestern noch nicht hoffen wollten. Nun hoffen wir, dass das nicht das letzte Wort ist - und sind ziemlich zuversichtlich.

Ruhig gleitet der Tag dahin, nur ein Kurzbesuch von Tante Chilli, der nach ihrem Geschmack getrost hätte viel länger ausfallen können. Es herrscht eine entspannte Ruhe vor dem Wochenendansturm.

IMG 7845 200Eingeweichtes Trockenfutter- kein Problem für die Kleinen Dennoch gibt es ab jetzt praktisch keinen Tag mehr ohne eine neue Erfahrung für das Mini-G-Schwader. Um 18:30 Uhr beginnt für die kleinen schon wieder eine neue Zeitrechnung: feste Nahrung. Nach der Mamamilch und der LMU-Milch aus kleinen und großen Näpfen steht nun ein Futterring mit püriertem Trockenfutter auf dem Speiseplan. Zur Sicherheit geben wir ein wenig Ulmenrinde (Cortex ulmi campestris pulv.) dazu, um gleich etwas dagegen zu wirken, falls die Umstellung auf ihre Därme schlagen sollte. Das Fress-G-Schwader hält sich nicht mit überflüssigen Fragen zum Inhalt auf, sondern stürzt sich, inzwischen schon routiniert, auf das Angebot und haut es kompromisslos weg. Da tapert keiner mehr wie ein Schlafwandler auf der Suche nach der Verheißung in der Küche umher, um erst an breiten Rücken und anschließend an einem leeren Büffet zu scheitern. Nein: Sie wissen schon, was da geboten ist. Grund dafür ist, dass wir seit drei Tagen wieder den Futterruf "Matze, Matze, Matze" eingeführt haben, wenn immer es angerichtet ist, und das hat sich in ihnen schon eingebrannt: "Matze, Matze, Matze" bedeutet, so schnell wie möglich dem Ruf entgegen zu laufen, dort wartet zwar keine Goldeimerchen am Fuße des Regenbogens, aber ein voller Napf. Dieser Ruf hält sich ein Leben lang; selbst unsere Kinder vom A-Wurf reagieren nach fast zwölf Jahren noch auf den Ruf, selbst wenn er zuhause nicht mehr gepflegt wird. Das sollte man sich merken: Mit einem Lautsignal und Futter bricht man jedes Hundeherz auf Dauer, ein Trumpfass für jede Erziehung und Ausbildung.

Nach einer solchen Fressorgie sollte man aber nicht an Erziehung denken, denn selbst wenn die Zöglinge geistig noch aufnahmefähig wären: körperlich sind sie es nicht mehr. Die sehen jetzt von oben aus wie Kugeln mit Beinchen, so eine Portion Trockenfutter beansprucht schon einen anderen Platz als die Flüssignahrung, und wahrscheinlich fühlen die sich jetzt auch wie wir nach einer doppelten Portion Schweinshaxn mit Knödel und Kraut (für die Franken: Es darf auch Schäufele sein). Die Wirkung der festen Nahrung zeigt sich auch fast umgehend in den kleinen Würmern, die nun zahlreich unseren Küchenboden verzieren, dunkelbraune, feste Kotwürmchen, etwa halb so lang und dick wie ein kleiner Finger. Aber fest! Ob es an der Ulme liegt oder ob sie auch ohne sie fest wären, ist egal. Andererseits zeigen diese Würmchen, wie effektiv die LMU-Milch ist, weil wir mit ihr kaum Rückstände hatten, also fast alles verwertet wird. Nachdem die Zwerge uns die unverwertbaren Teile des Trockenfutters zur treulichen Weiterverwertung oder Entsorgung überlassen haben, fallen sie um und schlafen wie tot. Verdauen ist eben sehr, sehr anstrengend.

Mit der festen Nahrung stellen wir jetzt auch erstmals ein Schüsselchen mit Trinkwasser auf, das später auch mit in die Schlummerbox kommt. Auch das registrieren sie im Laufe des Abends schnell und bedienen sich ohne große Umstände.

Eine Maßnahme müssen wir heute unbedingt noch umsetzen, und die betrifft die Mutter. Seit Tagen räumt sie abends das gesamte Kinderzimmer aus und trägt die Spielsachen ins Schlafzimmer. Wenn sie dort blieben, würden wir uns dort zwar wie in einer Obletter-Außenstelle fühlen, aber dort bleiben sie nicht. Fianna räumt das Gelumpe nachts wieder runter und zeigt jedes Teil einzeln ihren Kindern. Und jedesmal werden sie wach und krakeelen vor Freude. Und die Mutter zieht wieder ab, um sich neue Munition zu holen. Damit muss Schluss sein, wir sind doch nicht bei einer Ronald-MacDonald-Party. Deshalb wird der Korb mit den Spielsachen, einschließlich des riesigen Krokodils, das auch mehrmals die Nacht die Seiten wechseln musste, unerreichbar für die Mutter auf den Tisch gestellt.

Das gefällt ihr überhaupt nicht! Anstatt mit dem Vize die Schlussrunde durch die Welpenstube zu gehen und ihn dann in die Kuschelkammer zu begleiten, bleibt sie heute unterm Wohnzimmertisch liegen. Beleidigt. Oder hofft sie, mit einem kleinen Husarenstück die Dinge wieder zurechtrücken zu können?

 

Samstag, 10.10.2015

Das kleine Bubenstück ist Fianna offenbar nicht geglückt, jedenfalls ist sie irgendwann in der Nacht lautlos zu uns geschlüpft. Zur Strafe hat sie aber der Chefin zweimal Beine gemacht, sie zu ihrem Mutterdienst in die Küche zu begleiten und Händchen zu halten. Die Chefin ist morgens wenig amused und nur schwach entfaltet, also ziemlich zerknittert.

Nachdem sich die Boxentür morgens öffnet, stürmen zehn ausgeschlafene Fiannakinder nach draußen und erledigen ihre Morgentoilette, nur eines besudelt das Schlafzimmer. Diskretion ist auch hier angesagt. Aber das sieht jetzt schon sehr abenteuerlich aus, alle die Würmchen und Teiche, die im morgendlichen Eifer verteilt und verstrichen werden.

Aber das Kraftfutter von gestern zeigt nicht nur auf unserem Küchenboden seine Wirkung, sondern auch auf der Waage. Ziehen wir eine Kurzbilanz von oben nach unten: Girgl 1890 (+130; Pole-Position zurück erobert), Grappa 1840 (+40; Verschnaufpause), Greco 1820 (+80), Greta 1780 (+180; !), Gundel 1770 (+90), Grille 1720 (+180; !), Gruschel 1710 (+100), Gustl 1690 (+120), Gamba 1660 (+80), Gosh 1650 (+80), Gaudi 1550 (+80). Ergibt einen Bilanzüberschuss von 1150 g. Sauba, sog i!

Die Knirpse sind superlustig und gut drauf und spielen mit uns und miteinander wie die Teufelchen. Das Leben scheint ein einziges Fest zu sein, wenn auch die Feierzeiten noch relativ kurz sind, bevor die Müdigkeit wieder zuschlägt.

Heute ist Fiannas Schwester Fine kurz zu Besuch. Die beiden Schwestern vertragen sich schon immer prächtig, und dass das nicht nur an schönen und sorgenfreien Tagen so ist, beweist Fianna, indem sie sich bei Fines Ankunft völlig entspannt zeigt und sich sogar zurückzieht, als diese ihre Kinder begutachtet. Fine, selbst keine Mutter, könnte sich wohl vorstellen, eine zu sein, jedenfalls vermittelt sie den Eindruck; sie geht ganz auf im Welpenschnüffeln und -schubsen. Aber Fine wäre nicht Fine, wenn sie nicht noch einen kleinen Spaß für uns auf Lager hätte: Die Grobmotorikerin tritt uns vor lauter Begeisterung und Geschäftigkeit die Guantanamo-Sperre ins Wohnzimmer um - und schon ergießt sich die schwarzbraune Zwergenflut ins Wohnzimmer und macht es sich untertan. Ist doch auch wurscht, lassen wir sie eben.

Das Leben scheint wirklich ein einziges langes Fest zu sein, denn hier im Wohnzimmer gibt es natürlich Dinge zu entdecken, die es eigentlich gar nicht gibt, jedenfalls bisher nicht gab. Blumentöpfe bieten reichlich Explorationsmöglichkeiten und ein Schrank, indem man ein Geschwister sieht, ohne zu wissen, dass man das selber ist. Danach ist des Türglas eingeschlabbert wie sonst nur das Gesicht des Vize, wenn er sich seiner Schützlinge annimmt. Allerdings schmeckt der Vize stacheliger - also besser Türglas! Eiserne Stuhlbeine, hölzerne Tischbeine (da wird der Vize gleich noch stacheliger), Vorhänge, an denen man nicht nur zerren, sondern in die man sich auch zum Schlafen wickeln kann. Ein Paradies, in dem keiner mürrisch den Finger hebt und zürnt: Von diesem Bein sollst du nicht naschen - und dann die Ausweisung veranlasst. Die Ausweisung erfolgt erst, als sich einige anheischig machen, auf diesen geheiligten Dielenboden zu pinkeln, ihn zu entweihen, was schon all ihren unbeherrschten Vorgängern ebenso die Vertreibung aus dem Paradies bescherte. So tummeln sie sich wässernd und stuhlend wieder durch die Küche und erfinden sogleich ein neues Spiel: Schlittenfahren auf dem Teichwischtuch, wo doch der Vize so fix mit dem Fuß auf dem Tuch hin- und her wienert, geile Nummer so eine Teichtuchpartie durch die Gute Stube, und jeder, den man bei dieser Sause passiert, springt gleich mit auf, wie bei einer Polonaise. Und der Vize erinnert sich wieder, wie schwer das ist, drei oder vier am Handtuch hängende Kinder mit dem Fuß durch die Küche zu scheuern. Die Welperei hat nicht nur viel Arbeit und zeitweise Sorgen im Gepäck, sondern viele liebenswerte Schnurren. Zudem wirft sie immer wieder existenzielle Fragen des Lebens auf, z.B.: Warum pinkeln die denn überhaupt so viel, wenn sie doch weniger flüssige und dafür mehr feste Nahrung zu sich nehmen?

IMG 7874 200Grappa macht vor, wie man Hackfleisch von Menschenfingern herunterlutscht Der Blues füIMG 7893 200Gruschel machts nach hlt sich nicht im Stande, all diese tiefschürfenden Fragen zu beantworten, aber er fühlt sich verantwortlich, seinen Besuchern und Welpenkäufern immer wieder mal eine kleine Freude zu machen. Und weil heute Samstag ist, der immer reichlich Besucher herbeischleppt, lassen wir sie am Leben des Blues aktiv teilhaben (Die Frage um Teilhabe, Ganzhabe oder Anteilhabe hat sich ja zu einem gesamtgesellschaftlichen Grundsummen hochgebrummt) und deshalb gehen wir mit gutem Beispiel voran: Heute steht erstmals echtes Fleisch auf dem Speiseplan des G-Schwaders, Rinderhack, ganz fein gewolft, das nun in Bällchen zugeteilt wird. Und IMG 7900 200Und auch Gamba findet Gefallen daran daran darf sich nun unser Publikum abarbeiten, wenn ihnen eine kleine Naschkatze auf dem Schoß den Fleischbrei in den Händen verreibt und von den Fingern schlotzt; Welpenzeit ist immer auch Varieté-Zeit, Spaßhaben am Dabeisein und Selbermachen. Heute ist Puppy-Nutrition-Party beim Blues. Und weil die Welt zwar manchmal einen anderen Eindruck vermittelt, aber letztlich doch ein Ganzes und unteilbar ist, dürfen sie im Anschluss auch die Hinterlassenschaften dieser Nascherei beseitigen, die an Größe schon deutlich gewonnen haben. Halbe Sachen machen wir nicht. Was die Fertigkeiten des Fütterungspersonals angeht, sind wir so diskret wie wir es meist auch gegenüber unserer Schutzbefohlenen sind, aber für diese können wir sagen, dass sie sich leidlich passabel anstellen und alle ihre Portion ordnungsgemäß zerwirken. Die Schlauesten kriegen aber schnell wieder mit, dass sich auf all den Schößen Reste sammeln, die nach einer Zweitverwertung schreien. Mal sehen, ob sich diese Nachschlagverwalter morgen auf der Waage outen. Wir schweigen dazu beharrlich.

Als sich die Besucher wieder in aller Richtungen verstreut haben, stellen wir sehr zufrieden fest, dass es sehr nette und angenehme Besucher sind, die wir uns für unsere Kinder ausgesucht haben, aber wir können auch konstatieren, dass wir auch ungewöhnlich brave Kinder haben, die sehr zufrieden sind, nicht so jähzornig und hochfahrend wie manche ihrer Vorgänger, die aber dennoch keine Schluffis sind, deren Lebenstüchtigkeit wir in Frage stellen müssten; das G-Schwader ist eigentlich in dieser Hinsicht ein Traum. Das lässt sich auch an ihrem Kasernierungsverhalten festmachen: Wir sind nun fast am Ende der vierten Woche und sie lassen sich noch immer nachts ohne Beschwerde in die Kiste sperren. Bisher war es meist so, dass die Viertelstarken, kaum dass man ihnen die Freuden der Freiheit vor Augen geführt hatte, diese auch mannhaft und lauthals einklagten. Mehr als zwei oder drei Tage nach der Öffnung der Schnullerbox ließen die sich nicht mehr wegsperren, dann war Feuer auf dem Dach - Stimmenfeuer bis die Gläser barsten. Einen Nachteil hat natürlich auch diese Zurückhaltung: Das Nachtlager ist morgens kein Hort der Hygiene mehr. Die Welt ist zwar eine ganze und unteilbar, aber so richtig rund ist sie eben auch nicht.

 

Sonntag, 11.10.2015

Der Herbst bleibt unser zäher Begleiter seit Tagen: zäher Nebel und Niesel. Wir ziehen neue Kleider an und die Bäume werfen alle von sich. Wer noch nicht weiß, wie Herbst ist, lernt es in diesen Tagen.

Bevor wir aber in eine unangebrachte Herbstdepression gleiten, singen wir gemeinsam den ersten Teil der zweiten Strophe des October Songs von der Incredible String Band, dann geht es uns gleich wieder farbenfroher: The fallen leaves a-jewel the ground / They know the art of dying, / And leave with joy their glad gold hearts / In scarlet shadows lying.

Scharlachrote Schatten sind es nicht, die uns morgens begrüßen, eher schon schwarzfleckige Ratten, aber Stimmungskanonen sind sie allemal (by the way: Was diesen herunterfällt a-jewels auch nicht unseren Küchenground, sondern a-messes ihn; das sollte der Vollständigkeit und abschließend noch erwähnt werden). Und zudem halten wir fest, dass trotz der nun wechselnden Nahrung (Muttermilch, LMU-Milch, Trockenfutter, Fleisch) der Stuhl weiterhin fest und somit sehr erfreulich ist.

Wir schreiten zur Waage und vermelden: Es geht weiter steil aufwärts. Grappa holt wieder auf und Girgl ein: plus 140 macht 1980. Girgl benötigt für das gleiche Ergebnis nur 90 g. Tagessieger ist er dennoch nicht. Den küren wir später. Der dritte, der morgen mit ziemlicher Sicherheit die zwei Kilo stemmen wird ist Greco mit 1940 (+120). Für die anderen liegt diese Latte wahrscheinlich noch zu hoch, höchsten Greta mit 1870 (+90) kann sich daran versuchen. Gruschel (+120) und Gosh (+180) hätten zwar mit 1830 g das Zeug dazu, müssten aber nach einem fetten Tag eine zweiten folgen lassen, was meistens nicht der Fall ist. Gosh darf aber heute den Tagespreis entgegennehmen, das ist ja auch nicht zu unterschätzen. Drei teilen sich die 1820: Gustl (+130), Gundel (+50) und Grille (+100). Gamba geht ihren Weg und lässt sich nicht beirren: 1780 (+60), was für Gaudi schon immer galt: 1670 (+120), was immerhin in die Kalorienspitzentruppe des Tages gehört. Wer will, kann nun darüber räsonieren, ob eine(r) der Zugewinnspezialisten zu den Zweitverwertern der gestrigen Hackfleischparty gehören könnte.

Der Sonntag rollt ohne große Ereignisse dahin, Besucher geben sich wieder die Klinke und die Welpen in die Hand, und man spürt, dass in ihnen langsam Entscheidungsprozesse reifen, in Zweifel gezogen und umgestoßen werden, aber langsam das Bedürfnis nach einem Entschluss wächst: Der oder die soll es sein. Wenn das so einfach wäre.

Abends gibt es das restliche Rinderhack von gestern mit eingeweichten Kartoffelflocken. Da lässt sich dann kaum noch übersehen, dass der Futterring für diese Kaliber nun langsam zu klein ist, wodurch die Kleinkaliber schnell ins Hintertreffen geraten; wer Ellenbogen hat, setzt sie ein, wer nur Hunger hat, fliegt raus, anders gesagt: Rock am Ring. Die nächste Stufe ist Rock an zwei Ringen im Park (falls das Wetter mitspielt).

 

Montag, 12.10.2015

Um 4:30 Uhr beschließt die besorgte Mutter, nach ihren Kindern zu sehen - und ihnen bei der Gelegenheit das geliebte Kuschelkrokodil zu klauen und uns zu überreichen. Damit ist die Nacht vorbei. Das lassen sich die Beklauten nicht bieten, schon gar nicht, wenn nicht mal ein Schadensausgleich in Form eines Schlummertrunks dabei herausspringt. Sie machen Lärm. Richtig Lärm, elfstimmig, vielleicht auch nur neunstimmig, aber das unterscheidet niemand mehr, schon gar nicht, wenn manche ein Organ für drei haben. Jetzt ist es wohl passiert, was wir vorgestern noch mit großen Worten gelobt haben: Die schöne Zeit des duldenden Einschlusses ist vorbei. Davon darf man ausgehen. Und Fianna hat's vermasselt. Der Freiheitsdrang bricht sich Bahn, was, wenn man ehrlich ist, nach vier Wochen auch überfällig ist.

IMG 7957 200Freiheitsliebende Gundel Als die Chefin das schmale obere Brett (10 cm) von der Schnullerbox nimmt, macht es plopp und Gundel ist drüber. 30 cm sind schon kein Hindernis mehr. Wer raus will, schafft das (und wer rein will, wie wir alltäglich sehen, auch). Ob raus oder rein, letztlich kann kein Brett und keine Sperre die Freiheit unterdrücken. Wer dem alten deutschen Volkslied folgt, dass die Gedanken frei sind, darf auch folgerichtig fortfahren, dass sie freimachen, obwohl man das damals, Ende des 18. Jh. nicht laut singen oder sagen durfte. Gundel kennt weder das Lied, noch hat sie sich vermutlich viele Gedanken gemacht, aber sie hat das Bedürfnis und die Muckis, ihre Freiheit selbst in die Hand zu nehmen - und fort ist sie.

Eigentlich wollten wir dem Freiheitsdrang des G-Tiers schon längst Rechnung tragen und es in den Garten entlassen, aber es war bisher nur schaurig nass und eklig. Vor allem aber besteht die Chefin darauf, noch einmal den Rasen zu mähen, damit man die Tretminen besser sehen und entfernen kann. Das war bisher nicht möglich, der Nebel wässert unseren Garten, dass es möglicherweise für einen weiteren warmen Sommer reichen könnte. Aber langsam wird es wirklich Zeit, dass das Völkchen mal etwas von der Welt sieht.

Vertreiben wir uns eben die Zeit mit einem Blick auf die Gewichtstabelle mit besonderem Augenmerk auf die Frage: Wer hat die zwei Kilo geschafft? Machen wir es kurz: Girgl war mit einem Fuß schon fast drüber, 20 g fehlten ihm noch, und da hätte er schon mit einem Bandwurm im Bund sein müssen, wenn das nicht geklappt hätte. Girgl landet heute bei 2180 g, das sind nicht 20, sondern 200 g mehr. Der hat von den Zudringlichkeiten seiner Schwester Grappa offensichtlich die Nase richtig voll. Und da hat er gut daran getan; die hat nämlich auch kräftig zugelangt und mit 120 g auf 2100 gestellt. So schnell lässt sie sich nicht abschütteln. Erwartungsgemäß hat es auch Greco geschafft; 60 g sind für ihn keine Herausforderung, 100 hat er hingelegt und bei 2040 verschnauft. Und schau, Greta, die so langsam, aber gewaltig kommt, bleibt dran und macht mit 130 g plus eine Punktlandung bei 2000. Jetzt die Normalos. Gundel +130 (1950), Gruschel +130 (1930), Gustl und Grille im Gleichschritt +80 (1900), Gosh +100 (1830), Gamba +40 (1820) und - sieh mal einer an! - der Gaudibursch: +130 (1800). Er ist wieder in Reichweite.

Heute haben wir wieder einmal ein Deja-vu: Fianna spielt wie ihre Mutter das Witwe-Bolte Spiel. Das Spiel heißt so, weil dazu das Witwe-Bolte-Huhn gebraucht wird, ein unmögliches, aber nahezu seit den Anfängen des Blues ein völlig unverzichtbares Plastikhuhn, das aus nie geklärten Umständen alle Welpen und Mütter überlebt hat. Franzi hat dann das eigentliche Spiel entworfen (während Anouk das Huhn benutzt hat wie jedes andere Spielzeug). Das Spiel geht so: Fianna steht mit dem Witwe-Bolte-Huhn im Maul an der Sperre zum Treppenhaus und gibt einen gepressten Laut (klar, wer kann mit einem Huhn im Maul schon singen?). Daraufhin müssen wir die Sperre wegräumen, damit sie zu ihren Kindern kann; Fianna springt zwar im normalen Leben wie ein Schachtelteufel, aber den Fliesen traut sie nicht. Also müssen wir zur Hand gehen, wenn wir das nicht tun und sie springt, kann es passieren, dass sie - aus Trotz oder Unvermögen - die Sperre abräumt und die ganze Bande über alle Berge ist. Also räumen wir weg. Jetzt stapft sie zu ihren Kindern, präsentiert ihnen das Huhn, macht sie an, und wenn sie um sie herumschwirren und um das Huhn betteln, stapft sie wieder zur Sperre, begehrt mit dem bekannten Presston wieder Auslass und wird entlassen. Die Kinder schreien Protest. Wenn sie sich wider beruhigt und ausgiebig gepinkelt haben, schreitet Fianna wieder zur Sperre und begehrt Einlass ... das Spiel besteht aus einer Endlosschleife, bis wir keine Lust mehr haben und es unterbinden. Dann beschwert sie sich, legt sich mit dem Huhn in den Eingangsbereich und ist für dreieinhalb Minuten beleidigt. Nach Ablauf dieser Frist steht sie wieder auf, geht zur Sperre, begehrt Einlass, der Vize geht in sein Arbeitszimmer, die Chefin in sich oder anderswo hin - bis irgendwann wieder alle zusammen sind und Fianna zur Sperre geht ... Wir wissen nichts von der Magie dieses Huhns, wir wissen nicht, ob sich Fianna an ihre Mutter und dieses Spiel erinnert oder ob es ein Witwe-Bolte-Huhn-Gen gibt. Wir wissen nur, dass wir dieses Huhn schon seit mindestens fünf Würfen hätten entsorgen sollen, es aber nicht übers Herz bringen.

Was dieses Spiel für uns zusätzlich so zweifelhaft macht, ist das Aufscheuchen verschlafener oder schlafender Kleinkinder, weil es zwingend eine Flut nach sich zieht: Wenn elf Kleinkinder ihr Abwasser entsorgen und mit 44 Beinen verteilen, weil alle zur Sperre drängen, bleibt nicht nur kein Auge, sondern auch kein Fuß mehr trocken. In solchen Momenten fragt man sich, ob Welpen an sich nicht ziemlich überflüssig sind.

Dabei haben die Kleinen inzwischen genug Möglichkeiten, sich mit sich und vielem anderen zu beschäftigen; vor allem haben sie jetzt Zähne, die wir letzten Dienstag noch als "zart, aber einsatzwillig" charakterisierten. Davon ist nach einer Woche nur noch "einsatzwillig" geblieben. Grob und wirklich schmerzhaft sind sie auch noch nicht, aber zart ganz sicher auch nicht mehr; sie wissen was mit ihnen anzufangen. Das Menschenmaterial gibt dafür genug Einsatzmöglichkeiten her, wozu braucht man dann noch ein blödes Plastikhuhn. Die Welt ist voller ungelöster Rätsel.

Wie gestern angekündigt, liefern wir das heutige Trockenfutter abends in zwei Futterringen aus, und schon entspannt sich die Situation und auch die Rüpeleien lassen nach, weil manch ein ausgefahrener Ellenbogen schlicht keine Rippen findet, in die er fahren könnte. Zur Vollständigkeit und dass man einen Eindruck bekommt: 300 g eingeweichtes Trockenfutter sind das heute zur Mamamilch, die zwar spärlicher fließt und der LMU-Milch am Morgen.

Wir haben es nicht glauben wollen, dass der Morgenprotest um 4:30 Uhr wegen des geklauten Krokodils keine leere Drohung war und schließen die Bande abends wieder ein. Das hat Folgen, schwere Folgen für unsere Nachtruhe: Einen solchen lang anhaltenden Protest haben wir noch nicht erlebt, einzelne Kampfkreischer schon, auch ausdauernde, aber das hier - nein. Gestern noch eine Schar goldiger Engel und heute ein Haufen unerbittlicher Terroristen. Das Flintenweib des Haufens ist Grappa, assistiert von Greco. Was die beiden unterscheidet ist, das Grappa das ganze Lied beherrscht, während der Grieche nur den Refrain mitgrölt. Das ist etwa so, als würden wir Altachtundsechziger wieder auf die Straße gehen und "Ho-Ho-Ho-Tschi-Minh" brüllen, wobei Grappa den ganzen Text grölt und Greco nur "Ho-Tschi". Vielleicht hat er ja Schnupfen. Die anderen sind sich nicht einig, ob sie für oder gegen Onkel Ho sein sollen, krakeelen mal mit, mal lassen sie es, sitzen herum und staunen oder hocken bedröselt in der Ecke und wünschen, dass ihre Ohren verkleistert geblieben wären. Das wünschen wir für uns auch. Um 10:30 Uhr vergreift sich der Vize in der geschilderten Weise an seinem G-Schwader und löst damit das Konzert aus. Um kurz nach elf kreischen Grappa und Greco immer noch, immer mal wieder unterstützt von anderen. Kurze Ruhe, wir schlafen ein, um 2 Uhr die nächste Plärrkonferenz, wir schauen nicht weiter auf die Uhr, und dann die nächste Runde ab 4:30 Uhr. Möge es der Herr Morgen werden lassen; für heute geben wir dem Terror bestimmt nicht nach. Morgen Abend aber ganz gewiss. Die Chefin gibt auf und steht auf. Der Herr hat es noch nicht Morgen werden lassen - aber sein G-Scherr.

Halbzeit wie ein Donnerhall. Heute Nacht wäre es uns egal, wenn schon Vollzeit wäre.