Laeufigkeit I-Wurf

Ende November 2018

Für rastlose Menschen sowie rührige Züchter und Hundesportler hat das Jahr gewöhnlich zu wenige Tage, um allen Wünschen und Anforderungen gerecht zu werden; man hat immer Termine, solche, die man eben hat und solche, die man gerne hat. Und manche tun richtig weh, wenn man sie stornieren muss. Unsere Hündinnen haben sich mit solchen Reflexionen nie aufgehalten. Alle drei, die uns bisher mit Welpen beschenkten, verfolgten immer ihren eigenen Zeitplan. Als Züchter wird man dann jeweils voller Ohnmacht an Brechts Vers aus der "Dreigroschenoper" erinnert:

Fiana vom Bairischen BluesJa, mach nur einen Plan
Sei nur ein großes Licht
Und mach dann noch 'nen zweiten Plan
Gehn tun sie beide nicht.

Nach Dr. Göddes Befund, dass Fianna nach ihrer Rücken-OP ohne Einschränkungen wieder alles machen kann, denken wir an ihren dritten und letzten Wurf, den I-Wurf. Gemäß Läufigkeitskalender ist Fianna schon seit Oktober überfällig, aber darüber wundern wir uns schon lange nicht mehr. Während sie ihre Frühjahrshitzen immer pünktlich nach sechs Monaten abliefert, zögert sie die Herbstläufigkeiten ebenso zuverlässig auf acht bis neun Monate hinaus. Für ihren H-Wurf hat sie uns bis Ende Dezember hingehalten – und uns damit zu einer Streichorgie im Familienkalender genötigt.

Auch in diesem und im nächsten Jahr erfreut sich unser Kalender, wie gewohnt, reger Belegung. Mitte Dezember 2018 und Anfang 2019 warten zwei Termine, die wir nur sehr ungern für einen Deckakt opfern würden. Und in der Woche nach Ostern, Ende April, freuen wir uns schon auf das jährliche Sport- und Familientreffen des Bairischen Blues im brandenburgischen Sewekow. Den Termin hat sie uns mit dem H-Wurf kalten Herzens gestrichen. Wenn wir also unser Wohnmobil am Ostermontag, den 22. April 2019, in Sewekow parken wollen, müsste Fianna spätestens am 22. Dezember gedeckt werden, dann folgen offiziell 63 Tage Tragezeit und acht Wochen Welpendienst, damit wir die Knirpse ihren neuen Betreuern in der Karwoche in die Nester legen könnten. Und somit wäre auch das Familientreffen in warmen Tüchern.

Schon seit Wochen pinkelt die Dame mit höchst erhobenem Bein, wässert Maulwurfshügel und Strauchwerk. Rüden sind auch schon länger an ihr interessiert, aber auch das hat nicht viel zu sagen; Rüde hin, Bulle her: Sie ist die Herrin über ihre Hormone, da können die anderen mit den Lefzen schlurren und mit den Zähnen klappern, so lang sie wollen.

Sie kommt in die Hitze, so viel steht fest. Nur wann? Die Zeit wird knapp. Fianna steht unter strenger Beobachtung.

 

Montag, 3. Dezember 2018

Beobachtung heißt Beobachtung und schließt eine mindestens einmal tägliche Unterrutenkontrolle ein. Die Chefin bekommt morgens vor dem Gang zur Arbeit einen verklärten Blick, der vermutlich nicht von der Freude über die Schüler getragen ist, sondern von einem etwas rotbraun gefärbten Papiertaschentuch. Fianna ist läufig, stellt sie kategorisch fest. Der Assi meint: abwarten.

Die Abendkontrolle bestätigt das morgendliche Ergebnis. Fianna ist läufig – falls sie es sich nicht noch anders überlegt, wofür sich Hündinnen, zumal vor dem herannahenden Winter, gerne mal entscheiden. Nein, so hinterhältig ist unsere Fianna nicht. Hinterhältig ist nur Hedda, im Wortsinn, weil sie ihre Nase gar nicht mehr unter Fiannas Rute herausnehmen will.

Jetzt kommt der Rechenschieber zum Einsatz. Bei ihren beiden Würfen wurde Fianna jeweils am 16. Tag gedeckt. Das sollte keine Laune, sondern genetisch vorgegeben sein. Also: 3 + 16 = 19. Decktag wäre also der 19. Dezember. Das würde schon den Termin im Dezember unberührt lassen und den Anfang Januar ebenfalls. Herzensfreundin! Nun denn: Rund 63 Tage Tragezeit ergibt einen Wurftermin um den 20. Februar. Welpenabgabe wäre dann acht Wochen später, um den 17. April, mitten in der Karwoche. Zauberhafte Ostereier für die Welpenkäufer  – und wir könnten ganz entspannt nach Brandenburg kutschieren. Wie viel Gutes müssen wir diesem Hund getan haben, dass er uns so fürstlich beschenkt!

Aber was unkt der Assi? Abwarten.

 

Mittwoch, 5. Dezember 2018

Wir haben, wie immer, einen Termin bei unserem Fruchtbarkeitsorakel von Vaterstetten, Frau Dr. Dusi-Färber. Fürs erste wollen wir nur den bakteriellen Status abklären und wissen, ob Fianna Antibiotika braucht, weil sie unerwünschte Untermieter hat, die ihren Früchtchen schaden können. Bisher brauchte sie immer. Vielleicht braucht auch das Orakel einfach nur Geld, denn auch ein Orakel lebt nicht von der gesunden oberbayerischen Luft allein. Das Ergebnis wird uns telefonisch übermittelt.

Nachmittags  finden wir den ersten Blutstropfen, und Hedda fast nur noch unter Fiannas Rute.

 

Freitag, 7. Dezember 2018

Ja, es sind natürlich Bakterien in Fianna gereift und deshalb bekommt sie ab sofort ein Antibiotikum. An dem wird es aber nicht liegen, dass sie nachmittags nur noch auf drei Beinen geht, wohl eher daran, dass die zwei Amazonen im Garten wieder einmal ein Round-Up veranstaltet haben, das sich gewaschen hat und nicht ohne Schaden an Fiannas rechtem Vorderlauf vorübergegangen ist. Man muss nur eine Minute wegschauen, dann toben die wie Killerkänguruhs. Da gibt keine nach, die Mutter zerrt ihre Tochter am Ohrwaschl durch den Garten und die Tochter zwickt die Mutter so lange in den Allerwertesten, bis die sich nicht mehr bitten lässt und sie diesmal am Halsband durch den Garten schleppt. Unübertroffen eine solche Mutter-Tochter-Liebe à la Hovawart. Zur Belohnung dafür der Vorderhax rechts. Für morgen sind alle gemeinsamen Termine storniert. Punkt. Vereinzelung.

 

Montag, 10. Dezember 2018

Ob's stürmt oder schneit, Fianna macht sich allmählich bereit. Es schneit nicht, stürmt und regnet dafür ausgiebig, was dem Grundwasserspiegel und den Pegelständen der Flüsse entgegenkommt, aber nicht der Laune beim Bairischen Blues. Fianna hat ihren Dreibein-Antrieb seit Samstag wieder auf den gewohnten Quadro-Antrieb umgestellt und ist wieder bestens zu Fuß. Gestern forderte sie Charly, einen wadenhohen Weißwuschel zum Tango auf, was diesen jedoch unter den Quadro-Antrieb kommen ließ und überfordert. Heute Morgen kreuzen sich ihre Wege mit ihrem alten Kumpel und Hitzeprognostiker Blacky. Der ist inzwischen 15 Jahre alt und hat seine Nase unter alle vier Bairische Blues-Ruten gesteckt und den jeweiligen Sprungstatus zuverlässig angezeigt. Noch nie hat Blacky unseren Damen auch nur einen halben Tag vor der Standhitze Avancen gemacht; Effizienz ist sein Markenkern. Wenn den heißblütigen Damen aber das Blut allzu leicht und locker durch die Adern floss, war er zuverlässig da und ließ keinerlei Zweifel an dem aktuellen Zustand ihrer Begattungsbereitschaft. Vor wenigen Wochen hat er sich einen kiloschweren Milztumor entfernen lassen und fühlt sich schon wieder wie ein Best-Ager, vor allem, wenn ihm Fianna in die Nase kommt. Dann kann sich der alter Herr noch immer zu einem recht flotten Trab aufschwingen, wohl wissend, dass ihn seine derzeitige Blues-Favoritin gern ein Stück seines Wegs begleitet. Sein erster Weg ist auch heute der unter ihre Rute – dann biegt er ab, hinter seinem treuen Fritz her. Don't waste one second of the rest of your life...

 

Dienstag, 11. Dezember 2018

winter kÜber Nacht kommt der Winter. Gestern Nachmittag schickte er schon mal seinen Quartiermeister in Form von Schneeregen und Graupelschauern voraus, nachts richtete er sich dann selbst ein. Heftige Schneeschauer schickte er übers Mangfalltal und nun hockt er überall mit einer knappen Schneedecke um die Schultern herum und lässt sich den struppigen Pelz vom Wind zerfingern.

Odin, einer von zwei französischen Bullis aus der Nachbarschaft und treuer Begleiter unserer Damen, verspürt beim Morgenspaziergang dennoch nichts als wohlige Hitze in seinem Leib, als er Fiannas anrüchig wird. Und sie ist ihm, wie immer, sehr gewogen, ohne mehr als gewöhnlich auf seine Steppschritte einzugehen. Für ihn wird es eine der letzten Gelegenheiten sein, den Mann und Wolf in sich zu fühlen: Noch diese Woche wird er nämlich entmannt. Nein, nicht, weil er sich ungebührlich gegenüber Fianna benommen hätte, sondern weil er es andauernd mit der Prostata hat und tröpfelt. 

 

Mittwoch, 12. Dezember 2018

Der Winter beschließt, hier ein wenig zu verweilen. Den ganzen Tag treibt er dünnen Schnee quer durchs Mangfalltal, Schnee, der aber nicht liegen bleibt. Was bleibt, ist graue, grauselige Nässe. Das Thermometer kennt nur 0 und 1, die 1 mal mit -, mal mit + bestückt. Dann lieber gar kein Wetter.

9 Uhr: Gynäkologie-Termin für Fianna beim Orakel. Fianna liefert Blut, duldet eine Vaginoskopie  mit dem Spekulum und hat auch nichts gegen einen kleinen Abstrich ihrer Scheidenschleimhaut; sie ist ein Muster an Gelassenheit. Vielleicht will sie es auch nur aus Erfahrung möglichst schnell hinter sich bringen. Wegen eines neuen "schnellen Brüters" im Besitz der Orakelpraxis bekommen wir schon nachmittags die Ergebnisse telefonische geliefert: Die Zytologie verspricht, was das Progesteron mit kaum mehr als 0 ng/ml längst nicht hält. Also: Hektik wäre noch längst nicht angebracht. Nichts anderes haben wir vermutet. Nächster Orakeltermin: Freitag.

 

Donnerstag, 13. Dezember 2018

Fianna hängt herum, als wenn sie schon jetzt hochschwanger wäre, nur bei ihren Spaziergängen erwacht sie zum Leben, dann allerdings richtig. Es scheint, als ob sie mit der Konsultation des Orakels schon elf Wackersteine im Leib spüren würde. Der Reproduktions-Algorithmus ist auf Bereitschaft gesetzt.

 

Freitag, 14. Dezember 2018

10 Uhr, Orakeltermin. Auf dem Praxistisch tut Fianna, als ob sie auf ihm täglich Eingriffe in ihre Intimsphäre gewohnt wäre: Sie lässt sie nahezu emotionslos, mit ihrem Kopf auf der Schulter ihres Assis, über sich ergehen. Frau Doktor ist dagegen einigermaßen verwirrt, weil das Vaginalbild einen sehr nahen Deckakt signalisiert, obwohl das Progesteron seit vorgestern gar nicht so rasant gestiegen sein kann, wie es nötig wäre, um diese Zytologie zu rechtfertigen. Die Erfahrung mit Fianna lässt uns dagegen gelassen sein: Sie war in ihren beiden Schwangerschaften zytologisch den Tatsachen immer weit voraus.

Kurz vor Mittag machen wir uns auf den Weg, um Heddas Schwester Hakuna in Schaffhausen (CH) zu besuchen. Auf dem Weg erreicht uns das Progesteronergebnis: 0,6 – 0,8 ng/ml. Das Wochenende ist definitiv nicht in Gefahr.

Nur Fianna ist definitiv auf Paarung eingestellt. Bei unserer Ankunft in Schaffhausen sind ihr unsere Gastgeber, die sie inniglich liebt und verehrt, ebenso wie ihre Tochter Hakuna herzlich gleichgültig; ihr Blick schweift auf der Suche nach dem Deckhengst unstet umher. Eine Reise in diesem Zustand führt nach ihrer Erfahrung immer direkt ins Brautlager und nicht auf Freundschaftsbesuche. Also müsste hier irgendwo ein Kerl auf sie warten. Als ihr keiner vorgestellt wird, kann sie sich auch über die unerwartete Begegnung freuen und tut dies auch aus vollem Herzen.

 

Samstag, 15. Dezember 2018

Der Morgenspaziergang lässt Fiannas Wege die einiger Rüden kreuzen, denen gegenüber sie sich freundlich geneigt, aber nicht hingebungsvoll zeigt. Den Rüden treibt es dagegen schon den Schweiß auf die Stirn. Für uns gibt es noch immer keinen Grund zur Eile; Fiannas Blut beginnt gerade erst eine hellere Färbung anzunehmen. Wir sind am zwölften Tag ihrer Läufigkeit und es sieht alles danach aus, dass sie, wie erhofft, ihrem eigenen Zeitplan folgt und rechnen insgeheim mit einem Deckakt am kommenden Mittwoch.

 

Sonntag, 16. Dezember 2018

Hakuna und Hedda vom Bairischen BluesHakuna und HeddaÜber Nacht hat der Himmel weiße Fracht abgeladen, über Hakunas Reich liegt eine geschlossene Schneedecke. Den Blick aufs Schweizer Land verstellen eisige Stores, was der Laune des Assis nicht entgegenkommt, ganz anders als Fiannas', die bei solchem Frustwetter zu ganz großer Form aufläuft, mit Schabernack zwischen den Ohren und Flummi unter den Pfoten. Hedda und Hakuna ist das Wetter eh Jacke wie Hose; die toben den ganzen Tag durch Hakunas Garten, haarscharf am Kolbenfresser vorbei.

Nach einer verkehrsreichen und anstrengenden Rückfahrt mit sehr zweifelhaftem Bodenbelag, auf der wir fast eine Wochenration Scheibenwasser versprühen, sind wir am späten Nachmittag wieder im mangfalltaler Stammhaus. Hedda ist jetzt doch rechtschaffen müde und Fianna sowieso hormonbedingt in sich gekehrt. Wie auch immer: Der erste jener Termine, auf die wir nur ungern verzichtet hätten, darf als erfolgreich und sehr zufriedenstellend auf dem Kalender abgehakt werden. Alles in bester Ordnung. Danke, Fianna.

 

Montag, 17. Dezember 2018

Der Assi hat um 10 Uhr wieder einen Orakeltermin mit Fianna. Das Orakel gesteht, dass sie etwas unruhig war, ob wir nicht doch am Sonntag hätten vorsprechen sollen, weil gerade in jüngster Zeit einige Hündinnen ein solches Tempo hingelegt hätten, dass ihr die Spucke weggeblieben sei und den Leuten beinahe die Zeit ausgegangen wäre. Der Assi kann sie beruhigen: Fianna ist nicht die Deutsche Bahn, sondern grundsolide und auf den Punkt da. So unbeeindruckt wie sie die hinterrückschen Aktionen über sich ergehen lässt, so unbeirrt geht sie ihren Weg. Das Orakel hofft, dass sich der Assi da mal nicht irrt. Tut er nicht, sein Vertrauen zu Fianna steht auf Felsen. Das Ergebnis der Zytologie sieht sehr vielversprechend aus: Fianna ist schon sehr weit vorangekommen. Das deckt sich auch mit ihrem Duldeverhalten: sie klappt die Rute schon fix wie ein Taschenmesser zur Seite und zieht die Vulva männerfreundlich nach oben. Es ist also fast schon angerichtet, fehlt nur noch das Progesteron. Dessen Ergebnis bekommen wir am frühen Nachmittag: 4,03 ng/ml. Der Eisprung erfolgt zwischen 4 und 8 (abweichende Meinungen, wie überall in der Welt der Gelehrten, inklusive), aber die Befruchtung kann erst zwischen 24 und 48 Stunden nach dem Eisprung stattfinden. Deckempfehlung des Orakels: Mittwochvormittag. Denn man tau.

Nachmittags spaziert Fianna zwar mit ihrem Assi, aber in ihrer eigenen Welt durchs Mangfalltal. Nach über 15 Minuten fordert sie erstmals ihren Ball! Und dieses halbherzige 'Hast du nicht auch einen Ball dabei'  hat nichts mit ihrem gewohnten Fordern zu tun, das in der Regel so manifest ist, dass sie ihm am liebsten die Kleider vom Leib reißen würde. Heute ist die Frage nach dem Ball eher einem Ritual geschuldet, und nachdem er nicht fliegt, zieht sie weiter mit tiefer Nase über die verschneiten Wiesen und setzt in einer knappen Stunde mindestens 50 Duftmarken. Da bleibt keine Zeit für den Ball, höchsten für ein paar Alibieinsätze, die sie huldvoll akzeptiert. Fianna hat offensichtlich anderes im Sinn.

 

Mittwoch, 19. Dezember 2018

Heute soll sie Glucke werden... oder so ähnlich steht es doch bei Schiller.

Ein Deckakt in beschaulichen 100 Kilometern Entfernung ist für uns wie mal schnell zum Brunch auf den Irschenberg zu fahren. Außer beim Akt zu Fiannas Kiellegung, die nahe Landshut vonstatten ging, haben wir es unter 650 Klometern nie gemacht. Nun ja, der B-Wurf hielt sich noch in Grenzen: gute 400 Kilometer, dafür vier Tage in Folge, 400 hin und 400 zurück. Heute also 100 Kilometer nach Schrobenhausen.

KrümelKrümel, ziemlich beste FreundinHedda bleibt derweil in der Nachbarschaft, bei ihrer Freundin Krümel, der Cockerpoo-Hündin; bei ihr ist sie für die paar Stunden in bester Gesellschaft.

Um 11 Uhr verabreden wir uns mit Eddy in seinem Garten. Ein bisschen früher stehen wir vor seiner Tür, weil der Verkehr auf der A 99 und A 9 wider alle Erfahrung geschmeidig dahinfließt.  Eddy begrüßt uns wie alte Stammtischfreunde, legt uns die Pfoten auf die Schulter und lutscht uns inniglich die Nase aus dem Gesicht. Seine Mama Briska will da nicht nachstehen und bearbeitet uns derweil eine Etage tiefer. Der erste Gedanke ist natürlich, dass wir sehr aphrodisierend nach Fianna duften, aber sein Hauself Walter versichert uns, dass Eddy mit allen Menschen gut Freund ist, außer sie kämen unangemeldet und dann auch noch durch den Garten. Er kennt also seinen Auftrag als Hovawart. Aber Leute, die vom Chef durch die Vordertür gelassen werden, können nur Freunde sein. Und solche müssen die Eddy'schen Zuwendungsrituale überstehen. So bestätigt sich unser Eindruck von der Ausstellung in Daglfing in diesem Jahr, wo er sich als überaus liebenswerter, freundlicher, gelassener und charmanter Zeitgenosse vorgestellt hat, Freund mit allen, die auch zu ihm Freund sind. Aufdringliche und pöbelnde Zeitgenossen hängt er sich aber schon mal als Proviant unters Kinn, erfahren wir. Aber eben nur solche.

Um 10:55 Uhr holen wir Fianna aus dem Auto und machen die beiden im Garten bekannt. Und schon geht der Liebesreigen los. Wie raunt es gerne mal an Männerstammtischen: Fahren lernt man am besten auf alten Rädern. DeckaktEddy, würde er diese Männerweisheit kennen, hätte nichts dagegen vorzubringen. Fianna bringt ihn nämlich ohne zu zögern auf Betriebstemperatur, umtanzt ihn wie Scheherazade, betört ihn mit ihren Düften und bringt ihn schnell um den Verstand. Der unerfahrene Jungmann dagegen traut dem Braten natürlich nicht und stürzt sich – sehr schlau! –nicht sorglos ins avisierte Abenteuer, denn er wird nicht nur einmal eine eindeutige Abfuhr seiner Mutter erfahren haben, wenn sein Interesse an ihr allzu deutlich geworden war. Also gilt es, die Lage zu sondieren, Körperberührungen, kleine Zudringlichkeiten, die von der betörenden Tänzerin nicht zurückgewiesen werden, sondern sie sogar anzuspornen scheinen. Und auch der Hauself wie die beiden Lustschauer weisen ihn nicht zurecht, sondern heißen ihn sogar einen tollen Kerl und braven Bubi. Dann kann man es ja mal mit einer Pfote auf der Dame versuchen, die ebenfalls begeistert, anstatt zurechtweisend kommentiert wird. Und so manövriert sich Eddy zielstrebig an die Dame heran, und von vorn nach hinten, wagt dann auch mal einen Aufritt, dem er aber selbst noch nicht so recht trauen mag. Und Fianna macht ihm Mut und treibt ihn voran. Ein altes Fahrrad eben... Nachdem die beiden ein kurzes Moratorium einlegen und den Eindruck vermitteln, sie Deckakthätten fürs erste genug, sitzt Eddy plötzlich oben auf und fest. Andockmanöver gelungen. Astro-Alex hätte es an der ISS nicht besser machen können. Keine Hektik, kein Sterbenswörtchen von Fianna – plötzlich war es geschehen. Um 11:12 Uhr im Garten in Schrobenhausen. Ignition für den I-Wurf. Wir nehmen die Kopulisten in die Arme, dass sie, vor allem der nichtsahnende Eddy, nicht etwa einen Ausreißversuch anstellen und lassen sie 14 Minuten später, um 11:26 Uhr wieder ihre eigenen Wege gehen. Das war ein Deckakt wie aus dem Lehrbuch, und daran hat nicht nur ein altes Fahrrad seinen Anteil, sondern auch ein naturbegabter und instinktsicherer Pedaleur. Alle Wetter! Wir vereinbaren den Freitag als Nachdecktermin; same time, same station.

Nun werden die Formalien bei Kaffee und warmem Apfelstrudel erledigt, alte Geschichten getauscht. Derweil ist Eddy angelegentlich mit sich selbst beschäftigt und kommt auch immer wieder zu uns, in der Hoffnung seine Fragen beantwortet zu bekommen. Da gibt es keine Fragen zu beantworten, Eddy, das ist das Leben, das Leben nach sich zieht. Und jetzt wirst du eben Papa. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Mit einer so makellosen Set-Karte werden die Mädels demnächst bei dir Schlange stehen und Schleier um dich werfen.

Wir übermitteln die frohe Botschaft über die üblichen Kommunikationskanäle und schon überstürzen sich die Segenswünsche – und mindestens drei Dutzend Vorschläge für I-Namen. Ist ja auch wirklich ein unzugänglicher Buchstabe. Dank an alle Nomenklateure.

Um 14 Uhr sind wir schon wieder zuhause, wo Fiannas Sohn Nando (Hallodri) bereits auf seine Mutter wartet und sich freut, Halbbruder zu werden. Damit der werdende Halbbruder aber nicht auf dumme Gedanken kommt und irgendeinen halbseidenen Trick auspackt, trennen wir die beiden vorerst. Später heben wir die Hormonquarantäne auf und lernen, dass weder Fianna noch ihr Sohn auch nur die geringsten Anstalten machen, sich einander zu nähern. Der Halbstarke ist Fianna zu halbgar und sich selbst wohl auch im Klaren darüber, dass er nur eine Viertelportion ist, die von seiner Mutter nicht nur nicht ernst genommen, sondern sogar in die neutrale Ecke gestellt und poliert würde. Kannst ja mal Eddy fragen, der kann dir sicher ein paar briskante Tipps geben. Und was lehrt uns das: Unsere Hovis sind instinktsicherer als wir es ihnen zutrauen. Wahrscheinlich ist die Krone der Schöpfung sowieso das instinktloseste Geschöpf auf Erden.  

Wir halten für alle Interessenten und Neugierigen fest: 19. Dezember plus etwa 63 Tage Tragezeit ergibt ungefähr den 20. Februar als Wurfdatum. Allerdings: Fianna hat in ihren beiden Würfen bei jeweils elf Welpen die Bande schon nach 60 Tagen abgeschoben, was dann auf den 17. Februar hinausliefe.  Jedenfalls mitten im kalten Winter, wohl zu der halben Nacht.

 

Freitag, 21. Dezember 2018

Regen ist vorhergesagt, viel Regen und Sturm. Bei der noch nächtlichen Morgenrunde in ihrem Revier zeigt Fianna ihren Wahlbekanntschaften Jack und Ben die kalte Schulter, begrüßt sie aber, wie immer, freundlich und lässt sich von ihnen ein Stück ihres Weges begleiten. Mehr nicht. Mehr noch: Sie versuchen nicht einmal, bei ihr zu landen! Das wirft bei den Zuchtbeauftragten des Blues mindestens vier Fragen auf.
Erstens: Ist Fianna schon über die Zeit und verdirbt Eddy möglicherweise heute die Vorfreude auf ein weiteres Highlight in seiner Männerkarriere?
Zweitens: Sind die beiden Rüden für sie nicht satisfaktionsfähig, weil sie keine Rüden mehr sind, sondern Eunuchen?
Drittens: Ist Fianna eine Rassistin, die ihre Gunst nur Hovawarten gewährt, was den zweiten französischen Bulli im Revier, Jack, in eine ausweglose Position brächte, Ben jedoch, der zumindest ein Hovawart-Halbblut ist, Chancen einräumen müsste? Aber Fehlanzeige. Fianna ist auf Monogamie gebürstet, denn...
viertens weiß Fianna aus Erfahrung, dass ein Sprung nie allein kommt, aber immer vom gleichen Bräutigam vorgenommen wird und nicht von einem dahergelaufenen Feldwaldundwiesennachbar? Wir halten  eine Mischung aus den Positionen zwei und vier als die wahrscheinlichste Antwort und warten ab, was der Tag bringt.

Same time, same station: 11 Uhr, Schrobenhausen, heute jedoch nur fast same time: 10:35 Uhr, weil wir einen Deckaktautomobilen Präcox haben (den wir uns von Eddy nicht erhoffen). Und der Himmel über Eddys Garten weint bitterlich. Um 10:45 Uhr lassen wir die beiden Hochzeiter zusammen, und es spielen sich die gleichen Rituale ab, die wir schon vom Mittwoch kennen: Die Dame macht dem Jüngling Beine und der weiß noch nicht so recht, wohin mit ihnen. Doch auch heute überraschen sie Deckaktuns mit einem plötzlichen Zusammenschluss, direkt vor den Papageienvolieren, vor die Eddy seine Angebetete bugsiert hatte, wodurch ihr Bewegungsradius drastisch eingeschränkt war. Und: contact accomplished. Um 11:07 Uhr. Danach machen sie es sich zwölf Minuten zusammen im strömenden Regen auf den Armen und Schenkeln ihrer Kupplerinnen gemütlich. Um 11:19 Uhr ist die Initialzündung des I-Wurfs definitiv abgeschlossen, und zwar am kürzesten Tag des Jahres, was allen Beteiligten die Gelegenheit gibt, sich in der längsten Nacht genügend Erholung zu verschaffen. Alles Weitere liegt nun nicht mehr in unseren Händen, sondern nur noch in Fiannas Bauch.

Es folgt ein Plausch bei Kaffee und Stollen, in der Gewissheit, etwas Vorzeigenswertes in die Wege geleitet zu haben. Die Heimfahrt ist am zwar kürzesten Tag des Jahres, aber auch am ersten Weihnachtsferientag, nicht so geschmeidig wie die Vereinigung der Täubchen vor einer guten Stunde, was daran liegt, dass nicht nur in Bayern die Ferien beginnen, sondern in ganz Europa und sich vor allem die Holländer offenbar eine Weihnacht ohne weißen Alpenkitsch nicht vorstellen können, was uns eine Art "Gelbsucht" auf der Autobahn beschert. Was für ein makabres Bild, lauter junge, wohlgelaunte und erwartungsfrohe Holländer mit einem Sarg auf dem SUV-Dach...

Ab sofort wird Fianna einer ständigen Beobachtung unterliegen. Keine Unpässlichkeit, keine auffällig schlechte oder gute Laune wird unseren Argusaugen verborgen bleiben, kein schleppender Schritt, kein verklärter Blick, wie auch kein Härchen, das an ihrem Leib eine ungewohnte Lage einnimmt oder eine Leibeswölbung, die den dargereichten Futtergaben nicht angemessen wäre. Mitte Januar werden wir dann beim Ultraschall das bestätigt bekommen, was wir bis dahin sowieso schon wissen werden. Für den Moment ist getan, was getan werden konnte, und es ist gut getan. Eddy hat alle Erwartungen erfüllt und nährt damit neue, schließlich haben seine beiden Vorgänger bei Fianna die Messlatte sehr hoch gelegt. Aber wir sind sehr zuversichtlich, dass sich Eddy nichts nachsagen lassen wird, weil er einfach alles mitbringt, was wir uns von einem Schwiegersohn erwarten: Gelassenheit bei einer hohen Trieblage, Freundlichkeit und Umgänglichkeit, Charme und Schalk, Arbeitsfreude und Belastbarkeit sowie eine Mordsportion Temperament.

Das reicht völlig, um gelassen und voller Vorfreude in die Zukunft zu blicken. Und auf Fiannas Schwangerschaft, der wir in den kommenden Wochen eine eigene Seite widmen werden: Inkubation – Die Brutzeit des I-Wurfs.

Wer sich bis dahin noch ein bisschen über Eddy informieren möchte, den verweisen wir auf seine Homepage: http://www.vom-hagenauer-forst.de

Zum Schluss ist es uns ein ehrliches Bedürfnis Dank zu sagen, danke an Melanie Blum, die uns ihren Ivo (vom Eichwaldsgrund) als Ersatzrüden bereithielt, falls Eddy und Fianna nicht zusammenfinden sollten. Wir hatten die Wochen des Wartens immer einen sehr engen und herzlichen Kontakt, und sie drückte uns und Eddy eifrig die Daumen, dass es klappt. Eine so offene und ehrliche "Fernbeziehung" gibt einem die Sicherheit, dass man gut aufgehoben ist, wenn es mit der ersten Wahl nicht klappen sollte. Liebe Melanie, falls es dich einmal in unsere Gegend verschlägt (eventuell sogar, wenn die kleinen Eddys das Mangfalltal unsicher machen), bist du jederzeit herzlich eingeladen und gern gesehen.

 Es grüßen Fianna vom Bairischen Blues und Eddy vom Hagenauer ForstEs grüßen Fianna vom Bairischen Blues und Eddy vom Hagenauer Forst

P.S. in eigener Sache: In diesem Beitrag sind Bilder der Deckakte enthalten, die unseren gewohnten Ansprüchen nicht entsprechen. Sicher sind sie einerseits den sehr schlechten Wetterverhältnissen zuzuschreiben, andererseits wohl eher der fahrigen Unkonzentriertheit, die den älteren Fotografen angesichts der Bemühungen des Jüngeren ergriff, die ihn jegliche Sorgfalt hintanstellen ließ. Aus Gründen der Dokumentation haben wir die Bilder schweren Herzens eingefügt und bitten, sie mit weihnachtlicher Güte und Nachsicht zu betrachten.