Inkubation - die Brutzeit des I-Wurfs

Mittwoch, 9. Januar 2019, 21. Tag n. E.

Jetzt kommt tatsächlich der Schnee auch ins Mangfalltal. Die Nachbarlandkreise sind ja schon abgetaucht, einige Orte vom Rest der Welt abgeschnitten, nur hier ging es bislang moderat zu. Nun ist die Schonzeit vorbei. Die Mädels haben trotz oder gerade wegen dieses himmlischen Segens ihren Heidenspaß, schaffen es aber dennoch nicht, uns zu einer weiteren und noch einer weiteren Runde zu bewegen. Wir ziehen die Köpfe zwischen die Schultern und machen uns auf die Flucht ins warme Heim.

Fianna ist in dieser Hinsicht im Zwiespalt. Einerseits würde sie gerne noch ein paar Runden durch dieses Sauwetter drehen, andererseits hatte sie gestern Abend schon ein bisschen Probleme mit ihrem Magen. Und heute Morgen ist das nicht weg, sondern zwingt sie immer wieder ein bisschen zu würgen, zu hüsteln und zu räuspern. Eintrag ins Tagebuch:  Was den Magen verstört, die Gebärmutter ehrt. Soll keiner sagen, nur die Bauern hätten blamable Sprüche auf Lager, wie etwa den für den heutigen Tag: St. Julian bricht das Eis, bricht er es nicht, umarmt er es. Da kannst du dich gar nicht so tief bücken, um auf dieses Niveau hinunterzukommen.

Beschäftigen wir uns besser mit Fiannas Magen und geben ihr ein Löffelchen Heilerde ins Frühstück, um das saure Milieu etwas aufzubasieren. Das bringt die Dinge auch bis abends wieder ins Lot, und Fianna scheint wieder hergestellt zu sein. Mit solchen Dingen hat sie sich noch nie sonderlich lange aufgehalten, wie sie in Sachen schwangerschaftlich bedingter Unpässlichkeit sehr gut zu haben ist; mal kurz aus der Spur und gleich wieder zurück. Damit kann man gut leben, obwohl die Übelkeitsvariante natürlich klarere Aufschlüsse über ihren Zustand geben würde. Die Frage ist, ob es die Quälerei noch braucht, sind wir doch sowieso schon längst von ihrem Umstand überzeugt.

Und der Schnee schneit immer weiter. Die ganze Nacht.

 

Donnerstag, 10. Januar 2019, 22. Tag n. E.

Das da draußen vor unseren Fenstern und Türen ist nicht mehr unser Mangfalltal! Rund 40 cm Schnee hat es uns über Nacht vor die Füße gehauen und geweht, und es schneit unentwegt weiter. Immer weiter. Bei diesem Schnee bedeutet das für den Schaufelassi pro 1 cm Schneehöhe eine Minute schippen, das summiert sich auf vierzig Minuten. Und als er gerade fertig ist, kommen seine beiden Lieblingshunde vom Spaziergang zurück und versprühen pure Lebensfreude. Und Hedda versucht sogar, ihm die Schaufel zu klauen, damit er sich Zeit nehmen und mit ihnen zusammen von der Unvergleichlichkeit dieses Morgens überzeugen soll. Dabei sind sie schon jetzt optisch von ihrer Umgebung kaum noch zu unterscheiden. Nach dem verdienten Frühstück ist der Assi schon wieder mit der Schaufel draußen, weil offenbar der ganze Schneevorrat für einen Winter auf einmal ausgeleert wird. Also auf ein Neues, wohl wissend, dass es nicht lange vorhalten wird. Das letzte Mal, als wir so eingeschneit wurden, schrieben wir den 5. März 2005. Damals haben wir den lieben langen Tag erfolglos die Schaufeln geschwungen, bis uns abends erschöpft und schuldgeplagt bewusst wurde, dass wir den 1. Geburtstag unserer Franzi komplett verschaufelt hatten. Noch heute nehmen wir Frau Holle diese Gemeinheit übel.

In der aktuellen Situation machen wir uns allerdings eher Sorgen, dass Fianna angesichts dieser Schneemassen ihre Produktion einstellen und ihre Früchtchen resorbieren könnte. Sie wäre nicht die erste trächtige Hündin, die angesichts eines schweren Winters zu der Überzeugung käme, dass sie die Plagen unter diesen Umständen nicht durchbringen könne und sie deshalb lieber gleich abtreibt. Wir glauben zwar fest an Fiannas Glauben an uns und unsere Unterstützung, aber was in so einer Mutter vorgeht, weiß man ja nie. Wir werden sie deshalb fest an uns drücken und warmhalten, damit sie nicht auf dumme Gedanken kommt. Schließlich haben sich, seit der Jahreswechselstress vorüber ist, schon eine ganze Reihe von Interessenten für Fiannas Ibidumms und Igittigitts gemeldet. Und die müssten wir dann alle sehr enttäuschen, obwohl wir gar nichts dafür könnten.

Ausgerechnet heute steht der zweite jener Termine an, von denen wir zu Beginn unserer Aufzeichnungen meinten, dass wir sie nur ungern streichen würden. Nun, da uns Fianna diesen Strich nicht durch die Rechnung gemacht hat, schickt sich die olle Frau Holle an, diesen Part zu übernehmen. Wir wollen heute Hakuna im Engadin besuchen und mittags losfahren. Die Abfahrtszeit einzuhalten ist überhaupt kein Problem, weil die Chefin heute Morgen keinen Zug gefunden hat, der sie nach München zur Arbeit bringen wollte, frei nach dem Motto: Alle reden vom Wetter, wir streichen gleich die Segel. Das gibt uns die nötige Freiheit, den kristallinen Wahnsinn da draußen im Auge zu behalten und nach Vernunft und Augenmaß zu entscheiden, ob gefahren wird oder nicht. Doch was können Vernunft und Augenmaß gegen die schiere Sehnsucht nach brillantem Bergwetter ausrichten. Und Hakuna bombardiert uns seit Tagen mit weißen Schneewänden unter azurblauem Himmel. Das Motto der Blues-Chefin heißt demnach: Durch die Finsternis zum Licht.

Und so rutschen wir, nachdem wir unsere Nachbarn um die Gefälligkeit eines "kleinen" Räumdienstes gebeten hatten, gegen High Noon los in Richtung Licht. Kurz nachdem wir die A 8 bei Bad Aibling erklommen haben, stehen wir auch schon wieder. Und stehen. Eine Stunde wegen eines Unfalls vor uns, den uns kein Navi und kein Verkehrsbericht gemeldet hatte, so frisch war er. Nach einer Stunde erreichen wir endlich die nächste Abfahrt in Kolbermoor und nehmen den Umweg über Rosenheim. Wenn das so weitergeht... Doch so geht es zum Glück nicht weiter. Auf der Inntalautobahn beruhigt sich das Wetter ein wenig und die Straßenlage wird geschmeidig. Nach dem Tunnel, das Landeck unterführt, gibt uns schon die Sonne die Ehre, und der Rest der Fahrt ist eine Freude. Um viertel nach fünf begrüßt uns das Abendrot der Engadiner Alpen und Hakuna schließt uns selig und komplett abgedreht in die Arme (eigentlich sollte es ja andersrum sein). Ja, auch der Assi räumt ein, dass es gut war, es gewagt zu haben. Wenn alles gutgeht, ist eben immer alles gut.

Der Abend wird dann durch zwei Konstanten geprägt: Ein viergängiges Menü, das uns durch den Abend geleitet und Hakuna, die sich am Hinterteil ihrer Mutter nicht sattriechen kann. Eintrag ins Tagebuch: Duftet die Gute / so unter der Rute,/ wird wohl wahr,/ was ich vermute. Nur zum Vergleich, der Hundertjährige für heute: An Agathe Sonnenschein bringt viel Korn und Wein. Die Ernte dürfte sich demnach aufs Engadin konzentrieren. Aber ob die hier oben so viel Wein herkriegen, dass auch für uns noch ein Tröpfchen überbleibt?

 

Freitag, 11. Januar 2019, 23. Tag n. E.

WinterwunderlandWinterwunderlandWer wegen einem Meter Glitzerschnee bei tiefblauem Himmel ins Engadin fährt, muss damit leben, dass es morgens fast -20 °C hat; immerhin liegt Hakunas Winterpalst auf 1740 Metern. Besorgt weist der Assi die morgendlichen Spaziergängerinnen an, sich in der Dauer des Ausgangs zu beschränken, weil er die Sorgen bezüglich der Rückabwicklung der Produktion noch nicht begraben hat, im anderen Fall aber befürchtet, dass uns Fianna unter diesen Umständen lauter Eisprinzessinnen und schwule Eistänzer ins Nest legt. Nicht dass wir beim Blues etwas gegen Eisprinzessinnen und schwule Eistänzer hätten, aber möglicherweise wären diese schwerer vermittelbar als alltagstaugliche Gebrauchshunde. Bedauerlicherweise, aber erwartungsgemäß, findet er kein Gehör und der Morgenspaziergang dauert genauso lange wie an einem kuscheligen Sommermorgen. Was an normalen Tagen eingefahren wurde, friert im Winter ein. Das gilt auch für Routinen.

Fianna auf TauchstationFianna auf TauchstationFianna hat etwas weichen Stuhlgang, woran wir uns bei ihren beiden Würfen nicht erinnern können, aber das wäre nicht die erste Schwangerschaftsamnesie. Als Ursachen vermuten wir entweder Schnee, der beim Suchen der Bälle im Tiefschnee literweise in den Mäulern verschwindet oder die ungewohnte Schweizer Kost, wie etwa Salsiz, Butschelli, Moschtbröckli oder Kochendörfer Steinbocktorte. Da auch Hedda etwas weicher liefert, schließen wir einen Schwangerschaftsbezug jedenfalls aus.  

 

Nachmittags treiben wir uns bei immer noch -7 °C  über zwei Stunden Hakuna im TiefschneeHakunain Hedda im TiefschneeHeddadiesem Winterwunderland herum und jagen die Pelzträgerinnen durch den Tiefschnee. Vor allem die beiden Nachwuchshoffnungen sind mehr unter dem Schnee als über ihm zu finden. Fiannas Tiefschnee-Einsätze dosieren wir hingegen mit Augenmaß, aber aufs Altersteil will sie sich nicht abschieben lassen und gibt ordentlich Gas, wenn der Ball in der Tiefe versinkt. Wenn sie gerade nicht im Tiefschnee zugange ist, ist sie im Permanentbettelmodus und schmarotzt sich von einer Jackentasche zur anderen Hosentasche durchs BündSister Act - Hakuna und HeddaSister Actner Land und findet immer eine freigiebige Hand. Nach diesem walk in the winterwonderland sind Mutter und Töchter richtig durchgearbeitet und für den Rest des Tages gut zufrieden und im Rekreationsmodus. Kaum zu glauben, dass die Schwestern doch auch mal klein zu kriegen sind.

In dieser Nacht ziehen erste Wolken auf, was die Temperatur auf wohlige -11 °C steigen lässt, allerdings auch eine Wetterverschlechterung bedeutet und Vorboten des angekündigten Schneefalls spätestens am Sonntag darstellt. Wenn wir dann irgendwo hängen bleiben, haben wir wenigstens ein bisschen in den Engadiner Himmel schauen dürfen.

Fianna macht sich keine Sorgen weger einer möglicherweise strapaziösen Heimfahrt (Die werden das schon schaukeln) und verschwindet mit Hakunas Kuschelknautschi im Schlafgemach.

 

Samstag, 12. Januar 2019, 24. Tag n. E.

Es bleibt morgens beim nächtlichen Eindruck: -11 °C und leicht bewölkt.

Die Chefin meint, bei Fianna morgens eine zögerliche Nahrungsaufnahme beobachtet zu haben. Diese Futterapathie zeigte sie bei ihrem ersten Wurf deutlich und mit angewidertem Blick, beim zweiten war die Reaktion schon moderater ausgefallen, und jetzt scheint sie sich die Butter nur ungern vom Brot nehmen lassen zu wollen. Allerdings stehen natürlich zwei gierige Töchter in Lauerstellung, denen man das Feld nicht überlassen möchte.

Diese typische Schwangerschaftsreaktion wirft beim Assi die Frage auf, wie es denn mit dem Knospen der Zitzen und der Freilegung der Zitzenhöfe bestellt sei, schließlich müsse man doch in dieser Hinsicht schon ein gutes Stück des Weges vorangekommen sein, wenn Fiannas Bauch Leben trägt. Und er stellt diese Frage beim Frühstück der Zuchtbeauftragten des Blues, weil sie ihm relevant erscheint, ihm aber der Zugang zum Bauch der mutmaßlich werdenden Mutter versperrt ist, da diese ihm unter dem Tisch zu Füßen liegt. Die Antwort kommt knapp zwischen Kaffee und Moschtbröckli: "Die Zitzen sind seit dem letzten Wurf nicht mehr richtig zurückgegangen. Das gleiche gilt für das Fell drumrum." So etwas wäre dem scharfen Blick und den neugierigen Fingern des Assi in jungen Jahren sicher nicht entgangen. Hierin beantwortet sich für die Umwelt auch plausibel die Frage, die ihm gelegentlich gestellt wird, warum er seit dem H-Wurf vom "Vize" zum "Assi" degradiert worden sei. Er selbst empfindet dies nicht als Degradierung, auch wenn ein Fauxpas wie dieser Zitzeneklat Grund genug dafür wäre, im Gegenteil: Ein Assi ist ein aktiv zuarbeitender Mitarbeiter in einem Projekt, während ein Vize nichts als eine Null in Wartestellung ist. Frage doch mal jemand, wie der Vizepräsident der USA heißt! Und zum Zuge kommt der erst, wenn dem Präsidenten das Lebenslicht erlischt oder ausgepustet wird. Und der deutsche Vizekanzler darf Kabinettssitzungen leiten, wenn der Kanzler (die Kanzlerin) unpässlich ist, im Ausland antichambriert oder einen Beckenbruch kuriert. Dem Nachwuchs sei an dieser Stelle noch erklärt, dass Assi weder ein Asylant noch ein Asozialer ist, sondern ... siehe oben.

The Making of ...The Making of ...NHeike fotografiert im Tiefschneeachmittags sieht Samedan eine Sechsergruppe aus drei Menschen und drei Hunden bei milchigem Himmel und eingetrübtem Sonnenschein durch seine Auen flanieren. Der Assi schont sein notleidendes Knie und dokumentiert derweil die Ereignisse der letzten Tage. Fast erreichen die Temperaturen schon den Nullpunkt, und das scheint der Grund dafür zu sein, dass sich Fianna heute fast ausschließlich im Tiefschnee bewegt und Eiskonfekt in ihrem Leib produziert. Nichts ist von der kleinen morgendlichen Übelkeit mehr übrig geblieben, zumindest lässt die Tatsache, dass sie der Chefin beim Bücken auch noch die Mütze vom Kopf klaut und in den Tiefschnee entführt, auf eine sehr aufgeräumte Gemütslage schließen.

Nachdem die Mädels wieder zuhause eintreffen und Schlafbedarf haben, fährt der menschliche Teil des Septetts nach Pontresina ins Café Kochendörfer; kein Aufenthalt in Samedan ohne Fianna steht über allemFianna steht über allemKochendörfer! Der Himmel ist wieder blau, und nach dem Genuss geistiger Kaffeekreationen könnte auch uns das blühen, wenn wir uns nicht beizeiten aus dem Staub machen.

Abends tunken wir dann Brotbröckli in das unvermeidliche Käsefondue, plaudern uns in die Nacht, nehmen Wein und Whiskey zu uns und zur Kenntnis, dass Fianna abends keine Futterapathie zu erkennen gibt.

 

Sonntag, 13. Januar 2019, 25. Tag n. E.

Der Morgen bestätigt die Vorhersagen der vergangenen Tage: Die bislang so offenherzigen Berge sind bis fast ins Tal hinunter verhangen und über Nacht hat es fast unentwegt einen ganz feinen Schnee Sehr winterliche StraßenverhältnisseAmbitionierte Straßenverhältnissehereingeweht. Damit ist das Programm für heute geschrieben: Morgenspaziergang, Frühstück (Fianna mäkelt wieder ein wenig, gibt aber wieder nichts ab) und Tschüss du schönes Bündner Land. Um 10:15 Uhr machen wir uns auf den Weg nach Hause. Zu Beginn läuft alles noch, wie erwartet, dann geht es noch mit 50 km/h voran und mit jedem Meter wird der grieselige Belag auf der Straße stärker, sodass wir das letzte Drittel bis zur österreichischen Grenze noch mit 30 km/h bewältigen können. Zwischen Pfunds und Landeck entspannt sich die Lage dann, und nach der Untertunnelung von Landeck haben wir es mit Regen zu tun, mit viel Regen. Und mit viel Wind. Für die Überschreitung der deutschen Grenze bei Kiefersfelden brauchen wir dann nochmal 25 Minuten und wissen seither, dass auch Flix-Busse offenbar verdächtig sind, illegale Migranten zu befördern, denn warum sonst sollte man an einem Rückreise-Sonntag einen solchen herausholen und durchfilzen?

Nach ziemlich genau fünf Stunden haben wir es geschafft, und die Mädels haben nun eine angereicherte Blase. Also hinaus bei Regen und Wind; der Alltag hat uns wieder. Aber die blauen Tage von Samedan waren es wert. Das muss jetzt auch der Nörgel-Assi zugeben.

 

Montag, 14. Januar 2019, 26. Tag n. E.

Auch heute Morgen zeigt Fianna wenig Begeisterung fürs Frühstück, reißt sich aber zusammen, weil sie sich an das abgewandelte Motto hält: Lieber den Magen verrenken als der Tochter was schenken. In einem teilschwäbischen Haushalt mag eine solche Haltung ihre Berechtigung haben, hält aber der kruden Wirklichkeit mitunter trotzdem nicht stand; sie liefert diese selbstgewählte Zwangsernährung nämlich später wieder in ihr Kudde-Bett ab. Weil das nun allerdings keiner alltäglichen Unpässlichkeit zugrechnet werden kann, folgt prompt der zugehörige Tagebucheintrag: Kommt das Frühstück rückwärts wieda, waren's Innert, Irx und Ida.

Überhaupt haben wir den Eindruck, dass Fianna massiger und, wie es uns scheint, auch ein wenig träger wird. Im Haus rotiert sie sowieso in einer Ruhespirale, aber draußen lässt sie es beschaulicher angehen. Klar, ihren Ball will sie schon immer noch, aber sie droht nicht gleich mit Auszug oder der Russenmafia, wenn man ihn ihr wieder wegnimmt. Dann bummelt sie eben von Mauseloch zu Mauseloch, von Duftspur zu Duftspur und vom Steinchen zum Stöckchen. Es ist, als würde sie auf einem Bänkchen sitzen und ihren Kinderwagen Finale furiosoFinale furiosoin der Sonne schaukeln. Wobei... Nachmittags überfällt uns ohne Ankündigung ein urgewaltiger und anhaltender Pappschneeschauer, der innert (welch zauberhaftes Schweizer Wort) weniger Minuten zehn Zentimeter klebrigen Neuschnee auf der Landschaft verteilt. Es ist wie das Finale furioso eines bislang sehr ungebärdigen Hornungs.  

Aber soll ja besser werden, hört man. Bei Fianna ist es noch nicht besser, sie ist auch abends wieder zögerlich an der Futterschüssel. Und die Hedda lauert stumm...

 

Dienstag, 15. Januar 2019, 27. Tag n. E.

Heute ist meteorologische Winterhalbzeit, mitten im grimmen Hornung, der uns allerdings heute freundschaftlich die Hand reicht und Sonne bei bis zu 4 °C anbietet. Dazu hat der Hundertjährige eine klare Meinung: St. Paulus kalt mit Sonnenschein, wird das Jahr wohl fruchtbar sein, aber auch Ist der Paulustag gelinde, folgen im Frühjahr raue Winde. Wir werden ihn beim Wort nehmen.

Hornung hin, Hartung her: Die echten Hornochsen sitzen derweil in London und lehnen den Brexit-Vertrag ab. So werden aus Unterhäuslern Hinterhäusler, und die Engländer mit ihrer walisischen Gefolgschaft gehen als Horrorclowns in die Geschichtsbücher ein. Wenn man ihnen nun die Taue kappt, kann der englische Kutter grölend aufgekratzt auf den Atlantik hinaus und völlig beseelt über die Weltmeere treiben; Schiff ahoi und immer ein knorriges Riff unterm Kiel. Man staunt trotzdem nicht schlecht, dass die Geschichte ein so boshaftes Kontinuum darstellt, das kein Großreich verschont: Erst groß, dann Größenwahn und am Ende folgt in einer lang anhaltenden Masturbationsorgie die Hirnerweichung und der Abgang als Hofnarr mit irrem Blick. Boris Johnson wäre bei dieser Besetzung sicher erste Wahl.

Nur die Tatsache, dass das britische Unterhaus seine Entscheidung erst abends getroffen hat, macht uns sicher, dass Fianna morgens ausschließlich wegen ihrer inneren Befindlichkeit wieder eine kleine Portion ihres Frühstücks erbricht. Und auch die Abendmahlzeit liegt noch vor dem britischen Kanalsturz, was dazu beigetragen haben könnte, dass sie diese bei sich behält.

Die MessstellenUnsere Franzi bleibt für immer das Maß aller MaßeDoch etwas anderes ist nun kaum noch zu übersehen: Fianna entwickelt jetzt den Taillen-Spoiler, jene störrische Haarlocke, die alleine schon eine glaubwürdige Zeugin einer Schwangerschaft wäre. Und der Eindruck, dass Fianna etwas pummeliger wird, lässt uns das Maßband zücken und die Waage befragen. Und siehe da, der Eindruck trügt nicht:

Messtag Gewicht vorne Mitte hinten
29.12.2018 30 75 71 62
08.01.2019 29 73 73 62
15.01.2019 29,3 75 74 66

Grob die Hälfte haben wir nun, wie der meteorologische Winter, hinter uns. Die nächste Woche bringt uns dann Klarheit, was die kommenden vier Wochen bringen werden.