Inkubation - die Brutzeit des I-Wurfs

Mittwoch, 30. Januar 2019, 42. Tag n. E.

Scheint an Martina die Sonne heller, wird sich mit Rebensaft füllen der Keller. So liest sich das heute. Morgens scheint die Sonne bei -8 °C von Osten her sehr hell und wartet mit einem monströsen Morgenrot auf. Im Westen ist der Himmel bezogen, und das gilt dann vormittags auch flächendeckend. Nachmittags machen sich die Wolken wieder davon und abends melden wir freien Himmel. Wir gehen also davon aus, dass die Keller ausreichend mit Wein befüllt werden.

So viel Wein wir für den Herbst erwarten, so sehr ist uns heute zum Weinen zumute: Unser Leibveterinär Dr. Schiele in Stephanskirchen setzt sich zur Ruhe; morgen ist sein letzter offizieller Tag. Fast zwanzig Jahre hat er unsere Hunde und Katzen betreut, behandelt und gepflegt und uns niemals den geringsten Grund gegeben, an seiner Kompetenz zu zweifeln. Sein enormes Fachwissen, seine diagnostische und therapeutische Sicherheit, sein Geschick und seine Umsicht im OP und nicht zuletzt seine Ruhe und Souveränität im Umgang mit den Tieren und den Menschen wird nicht nur uns, sondern allen seinen Patienten fehlen, und die kommen nicht nur aus dem Großraum Rosenheim, sondern aus einem Kreisschlag von Wien bis ins Ruhrgebiet. Wir und unsere Tiere haben ihm viel zu verdanken und noch mehr zu danken. Aber, wer sich zum Wohle seiner Patienten regelmäßig 60-Stunden-Wochen leistet und aus Sorge und Fürsorge viele Nächte in der Praxis verbringt, hat alles Recht der Welt, kürzer zu treten und andere an die Front zu lassen. Zwei Tage in der Woche wird er dem Team noch zur Verfügung stehen, in besonders kniffligen Fällen, vor allem aber zur Weitergabe seines in 25 Jahren aufgebauten Wissens an seine Nachfolger. Denn die Praxis soll ihren ausgezeichneten Ruf und ihre Expertise behalten. Das wünschen auch wir uns, auch im Namen der vielen Hovawart-Patienten, die durch unsere Begeisterung zur Praxis Dr. Schiele gefunden haben. Und Dr. Schiele wünschen wir viel Ruhe und Zeit für sich und seine Familie, was all die Jahre viel zu kurz gekommen ist. Einen besonderen Namen hat sich Dr. Schiele als Kardiologe im Collegium Cardiologicum e.V. erworben, das unter anderem Herzuntersuchung für die Zuchttauglichkeit vornimmt. Dr. Schiele hat viele Jahre Veterinärmediziner in dieser Disziplin ausgebildet und steht, bis ein Nachfolger/eine Nachfolgerin auf diesem Niveau aufgebaut ist, auch weiter für Herzuntersuchungen zur Verfügung. Anders verhält es sich bei seiner Mitgliedschaft im Dortmunder Kreis (DOK) der Augenärzte, die allein berechtigt sind, Augenuntersuchungen für die Zuchtzulassung vorzunehmen. Dr. Schiele hat hierfür seine Zulassung ab 31. 1 2019 zurückgegeben und wird diese Untersuchungen nicht mehr vornehmen. Diese Information erhielten wir gestern und haben uns deshalb noch ganz schnell für heute einen Augentermin für Hedda bei ihm geben lassen. Und wenigstens dieses Ergebnis lässt den heutigen Tag des Abschieds rosig leuchten: Hedda hat in allen Belangen völlig gesunde Augen. Auch der Blick des erfahrenen Docs auf Heddas Flankenabszess dient der Entwarnung: Alles im grünen Bereich, Leibchen kann in die Kleiderkiste wandern, das sieht gut aus. Jetzt muss halt abgewartet werden, und wenn wir Glück haben, verabschiedet sich die aufgeplatzte Talgdrüse sogar von selbst. Sonst muss eben nachgearbeitet werden. Mit dem Rückzug Dr. Schieles ins Private geht eine Ära zu Ende, aber weil jedem Ende auch ein Anfang innewohnt, konnte er vielleicht mit seiner heutigen Diagnose eine Ära für Hedda als Zuchthündin des Bairischen Blues einläuten; jetzt fehlt nur noch die Zuchttauglichkeitsprüfung (ZTP).

 

Donnerstag, 31. Januar 2019, 43. Tag n. E.

Nur noch knapp drei Wochen trennen uns heute von den Irrwischen und Ignoranten, und Fianna präsentiert uns mit wachsender Begeisterung ihren immer praller werdenden Babybauch: kraulen, knuddeln und bloß nicht aufhören. Was sie nicht weiß, ist, dass ihre Zwerge zu Beginn ihrer Laufbahn vermutlich durch eine harte Schule müssen, denn die Tagesprognose deutet eher auf Inuit und Icicles hin, als auf India und Iguazú: Friert es hart auf Virgilius, im März noch viel Kälte kommen muss. Heute Morgen hat es wieder -7 °C bei einem glasklaren Himmel; da muss die Mama schon aufpassen, dass die Knirpse keine Icebeinchen bekommen. Diese Aussichten bestätigen sich auch in dieser Prognose: Auf kalten trocknen Januar folgt oft viel Schnee im Februar. Da sind wir mal gespannt, ob wir mit den Zwergen ein kleines Hundeschlittenrennen im Garten veranstalten: Iditarod im Mangfalltal. Wie auch immer, die folgende Vorhersage ist die einzige, die sich tief ins Bewusstsein des Assi eingräbt: Je frostiger der Januar, desto freundlicher das Jahr. Dagegen soll mal einer was haben, auch wenn wir mit den Illuminaten Schlittenfahren müssen.

Fianna und ihre Freundin KrümelFianna und ihre Freundin KrümelFianna ist nun sichtlich fortgeschritten in ihrer Puppy-Produktion, und manch eine werdende Mutter zeigt sich in dieser Situation ziemlich ungnädig Artgenossen gegenüber, vor allem, wenn sie weiblichen Geschlechts sind. Konkurrenz kann man jetzt so gut brauchen wie ein Wimmerl auf der Nase. Doch Fianna steht über solchen Erwägungen und bleibt zu allen Weggefährten gleichermaßen freundlich. Heute Morgen kreuzt Kimba, eine zweijährige Boxerhündin und nicht gerade ihre beste Freundin, ihre Wege, und Fianna duldet sie ohne Umstände und lässt sie ein Stück ihrer Morgenpromenade mitmachen.

 

Freitag, 1. Februar 2019, 44. Tag n. E.

Es hat morgens -2 °C und ist bedeckt.

Auch das bedeckte Tageslicht bringt vieles an den Tag, vor allem das, was die Nacht verhüllt. Um das zu verstehen, sollte man wissen, dass Fianna und Hedda in den Wintermonaten meist die Morgenrunde gemeinsam und im Dunkeln absolvieren; das ist schlicht eine Zeitfrage. Wenn mehr Zeit zur Verfügung steht, werden sie meist getrennt ausgeführt. Doch heute ist Zeit und die beiden dürfen trotzdem gemeinsam auf die Morgenwalz, und da bringt das Licht dann zweierlei an den Tag. Mit ihrem Ball ist Fianna tatsächlich deutlich behäbiger unterwegs, was wegen ihres merklich ausladenden Körpers nicht verwundert. Doch heute, gemeinsam und bei Licht, geben die beiden Gas, fast bis der Notarzt klingelt. Und wer nun glaubt, Fianna würde ihre Tochter nur von Ferne und von hinten ausmachen können, kennt Fianna nicht. Die ist nämlich im direkten Kampf Mutter gegen Tochter noch immer so schnell wir der fixe Zwerg, kann sie sogar einholen und kurzfristig wie ein Omelette zusammenfalten. Da staunt man nicht schlecht. Ihr Zustand kommt erst anschließend zum Tragen, weil sie es ein zweites Mal nicht mehr speicher kKaiserwetter im Mangfalltaldarauf ankommen lässt. Fix ist sie also noch immer, aber an der Ausdauer mangelt es inzwischen. Das ist eine Art Geparden-Syndrom: einmal kurzfristig auf Maximalgeschwindigkeit beschleunigen – und zuschlagen oder darben. Aller guten Dinge sind bekanntlich drei, unter Umständen aber nur eines.

Nachmittag zeigt sich der Hornung an seinem ersten Tag von seiner schönsten Seite: Sonne bei 6 °C. Und abends legt sich der 1. Februar bei Temperaturen um 0 °C und klarem Himmel ins Bett. Wir haben volles Vertrauen, dass dieser Monat des I-Wurfs genauso weitergehen wird. Nur schöne Tage zum Wohle der Mutter und ihrer künftigen Kinder.

 

Samstag, 2. Februar 2019, 45. Tag n. E.

Ist's an Lichtmess hell und rein, wird's ein langer Winter sein. Wenn es aber stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit. Es hat 2 °C und regnet wie aus Eimern. Nix davon passt.
Lichtmess im Klee, Ostern im Schnee. Weg damit, passt nicht. Es regnet. Ohne Klee.
Der Lichtmess-Sonnenschein bringt großen Schnee herein. Dann räumen wir jetzt die Schippe weg.

Mariä Lichtmess ist also heute, eines der ältesten christlichen Feste und nahezu komplett aus dem Gedächtnis verschwunden. Am 40. Tag nach Christi Geburt wurden Kerzen geweiht und Lichterprozessionen veranstaltet; dazu gab es passend einen Kerzenmarkt, also eine Messe, deswegen Lichtmess. Dazu passt, dass nun der Tag erkennbar länger ist, was sich in zwei Sprüchen manifestiert: Mariä Lichtmess, Supp' bei Tag ess. Soll heißen, dass der Bauersmann nun, nach der morgendlichen Stallarbeit, seine Millisuppn bei Tageslicht zu sich nehmen kann. Und dass das tatsächlich so ist, belegt der Merksatz zum Anwachsen des Tages ab der Sonnwende am 22. Dezember: Weihnachten um ein' Mückenschritt, Silvester um ein' Hahnentritt, Dreikönig um ein' Hirschensprung und Lichtmess um ein' ganze Stund. Das freut nicht nur den Bauern mit seiner Millisuppn, sondern auch den Hundespaziergänger. Für Knecht, Mägde und Dienstboten aller Art endete früher an diesem Tag das Arbeitsjahr, der Jahreslohn wurde ausbezahlt, und sie konnten sich neu verpflichten oder eine neue Anstellung suchen. Bis Agatha (5. Februar) waren sie dann in einem vertraglich gesicherten, arbeitsfreien Zustand, hatten also eine Art Jahresurlaub.

Und beim Blues? Keine Lichter, kein Schneien und kein Sonnenschein. Kein Urlaub, kein Jahreslohn. Nur Regen. Und eine werdende Mutter, die dauernd pupst. Vielleicht sollte man die Puppys besser Pupsis nennen, weil sie sich immer fülliger ausbreiten und auf Mamas Pupsknopf drücken. Da muss man durch, das bringt es mit sich, auch wenn es anrüchig ist. Aber es ist ja nicht nur der Pupsknopf, der freudig betätigt wird, sondern auch der Pinkelschalter. Fiannas eingeklemmte Blase braucht nun häufiger eine Dränage. Beim Ausgang hockt sie sich fast so viel hin, wie in der Markierzeit, nur das kecke Bein bleibt jetzt unten. Es geht um schiere Bedürfnisbefriedigung, nicht um Anmache.

 

Sonntag, 3. Februar 2019, 46. Tag n. E.

Wir messen morgens 1 °C und räumen tonnenschweren Wasserschnee weg. Eine halbe Schaufel voll von diesem Zeug, hängt einem die Schulter aus. Und es macht den Tag über so weiter mit dem, von dem man nicht weiß, ob es Wasserschnee oder Schneewasser sein soll. Knöcheltief steht man in einer Pampe, die mit dem vergleichbar ist, was man früher als Wasserglas kannte und mit dem man zu Zeiten ohne Kühlschrank rohe Eier im Eimer konservieren konnte. Wenn das, was da heute runterkommt, richtiger Schnee wäre, hätten wir jetzt nicht 10 cm Wasserpapp, sondern 40 cm Winterparadies. Und was fängt man unter diesen Umständen mit diesem Spruch an: St. Blas und Urban ohne Regen, folgt ein guter Erntesegen. Ist das nun Regen oder Schnee? Der Bauer wird abwarten müssen, als was die himmlischen Wettermacher ihr Produkt einstufen.

Wir legen mal wieder Hand an Fianna und dokumentieren einen weiteren Zuwachs, allerdings einen geringeren als bei ihren beiden ersten Würfen. Wir schließen daraus, dass sie uns diesmal nicht wieder elf ins Nest legen wird, erinnern uns aber auch, dass wir bei ihrer Mama gerade in der 7. Woche ebenfalls notiert haben, dass es scheint, also ob sie ab- statt zunähme. Lassen wir uns überraschen.

Messtag

Gewicht / kg

vorn

Mitte

hinten

29.12.2018

30

75

71

62

08.01.2019

29

73

73

62

15.01.2019

29,3

75

74

66

21.01.2019

29,9

74

74

68

28.01.2019

31,6

75

76

72

03.02.2019

33

75

80

75

 

Montag, 4. Februar 2019, 47. Tag n. E.

Weil es abends noch frostig wurde, haben wir heute Morgen rund 15 cm prächtigsten Pulverschnee, ein wunderschönes Winterland rundum. Dabei ist das Mangfalltal noch gut dran, um uns herum ist schon wieder Land unter, schulfrei und Verkehrsstillstand. Dieser Winter gibt sich wirklich keine Blöße und nicht nach. Morgens strahlt die Pracht bei -1,5 °C , später macht der Himmel auf und beschert uns einen Tag wie aus dem Bilderbuch.

FiannaFianna bringt sich in FormAb heute wird Fianna zugefüttert, weil sie langsam mehr und leicht verwertbares Eiweiß braucht. Wir geben ihr also mittags zusätzlich einen Becher laktosefreien Hüttenkäse mit einem Eigelb. Und Hedda muss auch nicht darben, sie darf einen Rest des Hüttenkäses aus dem Becher züngeln.

Ob es am Wetter liegt, das zu frischen Taten ermutigt? Hedda hat sich ihre fast schon verheilte Flankenscharte wieder aufgeknabbert. Also nutzen wir die Gelegenheit, um den Rest des Talgs und Schmodders, der sich da drin noch versteckt hat, noch einmal auszudrücken. Und dann bekommt sie wieder ihr Leibchen an, das von aufmerksamen Lesern schon als Jane-Fonda-Gedächtnis-Leiberl betitelt wurde, weil Hedda da drin wirklich aussieht wie Jane Fond in den 80ern in ihrem Aerobic-Outfit. Stimmt, wären wir selber gar nicht draufgekommen. Fehlt eigentlich nur noch das Stirnband.

 

Dienstag, 5. Februar 2019, 48. Tag n. E.

Bei glasklaren -8 °C hebt sich der Tag aus dem Bett, was nicht weiter zu erwähnen wäre, wenn nicht unsere Heizung maustot in ihrem Keller liegen würde. Keinen Mucks macht sie und schmeißt mit Sicherungen um sich. Ein Wintertraum der anderen Art. Wenn man diesem Umstand etwas Positives abgewinnen wollte, dann die Gewissheit, dass er eine unübersehbare Zusicherung eines bevorstehenden Wurfes darstellt. Denn immer wieder war der Kindersegen beim Blues von charmanten Überraschungen begleitet. Einmal war der Kanal verstopft und es drückte uns die Sch... ins Haus. Dann machte die Waschmaschine schlapp, ein Requisit, das während der Welpenzeit maximal verzichtbar ist. Und ein anderes Mal gab die Kaffeemaschine ihren Geist auf, für Kenner der Welpenmaterie fast noch unverzichtbarer als die Waschmaschine. So gibt es mit jedem Welpensegen  immer etwas Neues beim Blues. Jetzt also die Heizung – bei -8 °C. Es folgt die abwechslungsreiche Suche nach schneller Hilfe, schließlich sitzen alle Heizungs- und Sanitärleute mit gezücktem Werkzeug morgens bereit, um uns aus der Patsche zu helfen; ausgerechnet im frostigen Februar, wo Heizungen in Serie schlapp machen. Unser Stamm-Sanitäter hat Bandscheibe und ist derzeit außer Dienst. Aber irgendjemanden findet man schließlich doch, der eine Lücke im Kalender hat. Dieser Jemand kommt gegen 13 Uhr aus Miesbach herüber und kämpft sich fortan durch Kessel und Brenner. Am Ende dieser Wallfahrt steht die Erkenntnis: Feuerautomat mit Sockel verweigert die Dienste. Ersatz muss her. Jedoch: Ersatzteile gibt es nicht mehr, werden auch nicht mehr produziert. Und so stirbt unser topfitter Brenner nach 22 Jahren, weil es keinen Organspender gibt. Fast möchte man sagen: eigentlich noch in der Pubertät. Wenn man es locker nimmt, sogar früher Kindstot. Morgen wird er geliefert, der neue Brenner, der den Chronisten vermutlich überleben wird. Bis dahin wickeln wir uns in Decken, aktivieren den uralten Kachelofen, der schon seit zehn Jahren keine Feuer mehr gesehen hat, weil erst der Kater Lorenzo und dann die Chefin an seinen Feinstaubausdünstungen litten. Jetzt ist Feinstaub egal. Jetzt muss er ran, ohne Rücksicht auf Verluste, denn es sieht derzeit nicht danach aus, dass der hundertjährige Wetterprophet kurzfristig recht behalten wird: St. Agatha die Gottesbraut, macht, dass Schnee und Eis gern taut. Poetischer ausgedrückt klingt das so: Am Fünften, am Agathentag, da rieselt das Wasser den Berg hinab. Uns würde es schon glücklich machen, wenn unser Heizungswasser wieder bis unters Dach hochsteigen würde. Im Gegensatz zum aktuellen Wettergeschehen, haben wir die Hoffnung, dass das morgen wieder der Fall sein wird.