Inkubation - die Brutzeit des I-Wurfs

Mittwoch, 13. Februar 2019, 56. Tag n. E.

Hedda und NandoHedda und Nando6 Uhr morgens: -3 °C und schwach bewölkt. Es folgt ein frühlenzlicher Prachttag mit viel Sonnenschein und bis zu 6 °C. Nachmittags macht uns Sohn und Bruder Nando (Hallodri) seine Aufwartung. Das beschert Hedda einen turbulenten Spaziergang mit ihrem Bruder und Fianna eine beschauliche Promenade mit ihrem Assi, abseits der pubertären Rüpeleien ihrer Kinder, die bei ihren stürmischen Spielen sicher keine Rücksichten auf ihre schwerfällige Mutter nehmen würden. So schwingt sie ihren Bommelbauch zufrieden und mit sich im Reinen, fast 45 Minuten vor, neben und hinter ihrem Schrittmacher her, reicht ihm gelegentlich ihren Ball, damit er sie ein Stück des Weges ziehen möge, und scheint rundum zufrieden in ihrer Befindlichkeit aufzugehen. So ein Tag, so wunderschön wie heute...

 

Donnerstag, 14. Februar 2019, 57. Tag n. E.

Kalter Valentin - früher Lenzbeginn. Da lassen die -3 °C diesen Morgen jede Menge Hoffnung reifen. Blöd ist nur, dass es keinen Interpretationshinweis gibt, ob sich die Kälte nur auf den Morgen beziehen darf oder doch den ganzen Tag über anhalten müsste, denn der türkisfarbene Sonnenaufgang lässt wieder auf einen Prachttag hoffen, der sicher nichts mit der angesprochenen Kälte zu tun hat. Ganz anders sieht es beim folgenden Spruch aus, der die Kachelmänner aller Länder vermutlich in einen Erstickungsanfall treiben dürfte: Hat`s zu St. Valentin gefroren, ist das Wetter lang verloren. Was, bitteschön, bleibt uns, wenn uns das Wetter verloren gegangen ist? Kein Wetter? Alle Wetter!

Schwamm drüber, es ist Valentinstag, und damit der Tag, der gleich nach dem Muttertag und Allerheiligen das halbe Jahreseinkommen der Floristen garantiert, weil alle (Ehe)Männer dieser Welt heute ihren (Ehe)Frauen Blumen überreichen müssen – womit das Jahressoll für die meisten Männer erreicht wäre und die bedachten Frauen mit der Entgegennahme eines dürren Sträußchens aus der Discounterfiliale für zwölf Monate jegliches Recht auf Klageführung verwirken. Andererseits empfiehlt es sich für Naschkatzen, heute eifrig zum Einkaufen zu gehen, weil die Chancen auf ein Schokoherz an der Kasse ziemlich realistisch sind. Der Chronist klappert am Valentinstag traditionell alle Supermärkte der Umgebung ab. Allerdings: Bei REWE und LIDL ist er morgens schon mal leer ausgegangen. Mal sehen, ob heute etwas abfällt. Ansonsten überlegen wir, wer es sich verdient hat, von uns mit unseren Herzen ohne Kranzfett bedacht zu werden?

Wir selbst wurden von unseren Mädels heute Morgen schon reichlich beschenkt: Drei Darmgebinde mit Duftblume! Eines im Eingangsbereich, zwei auf dem Treppenabsatz im Dachgeschoß. Drei! Und dann auch noch so kreativ verteilt, dabei kein Durchfall, bestenfalls von etwas weicherer Konsistenz. Natürlich ist es uns nicht entgangen, dass  Fianna heute die erste etwas unruhige Nacht verbrachte, dabei viel geächzt, gehechelt und flach geatmet hat. Auch haben wir registriert, dass sie auf Wanderschaft war. Aber gleich dreimal und dann einmal ganz unten und zweimal ganz oben? Fühlte sich etwa Hedda zur solidarischen Mitwirkung an der Valentinsgabe verpflichtet? Die Tagesverrichtungen verliefen bei beiden wie gewohnt. Die Futtergaben entsprachen denen der letzten Tage. Der Nachtspaziergang gegen 23 Uhr war entspannt und unauffällig. Warum und woher also diese Bescherung? Peinliche Befragungen blieben ohne Aufschluss. Wir werden also ab sofort die Damen mit uns im Schlafzimmer einschließen, damit wir mitbekommen, wenn es sie, wen auch immer, umtreibt. Denn ins Schlafzimmer legen sie uns sicher keine verfrühten Ostereier.

Für uns bedeutet das, dass wir uns nun tatsächlich und unübersehbar auf der Zielgeraden befinden. Die Vorzeichen werden sich nun häufen. Um nichts zu übersehen, nehmen wir heute Morgen erstmals bei Fianna die Temperatur, ganz klassisch rektal, wofür sie zur Belohnung ein Stück Brot mit Leberwurst bekommt. Das kennt sie schon und lässt es als Ablass gerne gelten. Auch unser Metzger kann diesem Vorgehen nur Gutes abgewinnen, beschert es ihm doch bis zu Fiannas  vollständiger Wiederherstellung nach der Geburt einen nicht eingeplanten Leberwurstumsatz beträchtlichen Ausmaßes, weil selbstredend Hedda nicht zum Zusehen und Sabbern verurteilt wird, sondern an der Maßnahme gleichberechtigt beteiligt wird.

FiannaKräfte sammelnWir geben somit am 14. Februar, 6:45 Uhr zu Protokoll: 37,6 °C; alles normal. Für alle, die mit den Vorgängen rund um eine Geburt nicht so bewandert sind, sei erklärt, dass sich die Körpertemperatur der Hündin vor der Geburt kurzfristig und schnell um ein bis zwei Grad absenkt, dann wieder steigt, was die kurz darauf beginnende Geburt ankündet. Wer sich also nicht auf andere, deutlich unzuverlässigere Begleitumstände  (Übelkeit, extreme Unruhe, Futterverweigerung, etc.) verlassen möchte, sollte auf das Thermometer setzen. Wir praktizierten das mit bestem Erfolg bei all unseren Würfen (Nur Anouk foppte uns beim C-Wurf einmal richtig und leitet die Geburt um mindestens einen halben Tag zu früh ein, um die letzte Chance, einen Welpen in unsere Bett auf die Welt zu bringen, in die Tat umzusetzen, was ihr auch gelang. Aber so durchtrieben sind nicht alle Schwangeren in ihren pränatalen Zuständen).

 Wir nehmen heute nochmal Maß und nutzen wieder die Waage der benachbarten Tierärztin, weil unsere defekte Waage zwar ersetzt, Fianna aber inzwischen zu gewichtig ist. Vielleicht müssen wir sie in den nächsten Tagen doch noch einmal auf die heimische Waage wuchten, weil wir ihr jetzt schön langsam die Autofahrten ersparen wollen; sicher ist sicher. Aber abwarten. So sieht das Ergebnis aus:

Messtag

Gewicht / kg

vorn

Mitte

hinten

29.12.2018

30

75

71

62

08.01.2019

29

73

73

62

15.01.2019

29,3

75

74

66

21.01.2019

29,9

74

74

68

28.01.2019

31,6

75

76

72

03.02.2019

33

75

80

75

09.02.2019

34,2

78

86

82

14.02.2019

36,3

77

89

82

Am späten Abend kommt noch einmal das Leberwurst-Thermometer zum Einsatz und liefert das gleiche Ergebnis wie morgens: 37,6 °C.