Jetztwirdsernst mit dem J-Wurf

Ostermontag, 5. April 2021
14. Tag nach Lando

Oh, wie ist das schööön… so schön – wie dieser Ostertag beginnt, so strahlend und so klar. Und dann wird er immer mieser und endet in Sturm und Schnee. Ja, der April, der weiß nicht, was er will. Aber es muss ja nicht gleich in einen Wintereinbruch ausarten. Hoffentlich hat es der Osterhase noch bis nach Hause geschafft, bevor ihm Eiszapfen von den Löffeln baumeln. 

WasHedda Heddas Zustand betrifft, erreichen uns allerdings Signale, die Hoffnung machen, dass sie guter Hoffnung ist. Das eine ist ein in der Nachläufigkeit eher bekanntes: Ihr Gehorsam geht parallel zum Hormonspiegel bergab. Ein Sitz-Kommando kommt bei ihr als Schau-dich-mal-um-Kommando an. Und sollte sie nach längerem Umsehen doch noch ihren Po zu Boden bringen – Fianna hat mittlerweile schon Wurzeln getrieben –, hält sie es kaum fünf Sekunden aus, bis sie sich schon wieder auf den Weg machen möchte. Welcher kleine Terrorteufel hat bloß die Hormone erfunden? Wie gesagt, das ist noch kein eindeutiger Hinweis auf eine Schwangerschaft, eher darauf, dass sie hormonell in anderen Umständen ist.

Anders sieht es mit der Schmierblutung aus, welche die Chefin heute bei ihr erkundet. Schon bei Fianna und deren Mutter Franzi hat uns dieses Zeichen in eine kleine Verzweiflung gestürzt, weil Schmierblutungen bei Anouk nicht auf dem Programm gestanden hatten, jedenfalls keine, die uns aufgefallen wären. Erst bei Franzi mussten wir uns damit auseinandersetzen, denn Blutungen sind in dieser Phase nichts, was man sich wünschen würde. Und der gleiche Minischock befiel uns bei Fianna, weil wir Franzis Schmiererei schon wieder vergessen hatten; gut, dass man fleißig Chronik schreibt und seiner kortikalen Datenbank ausreichend Material übergibt. Bei beiden waren die Blutungen ein deutlicher Hinweis auf die Nidation, also jenem Vorgang während der Trächtigkeit, wenn tausende von Zellhäufchen sich einen Hocker suchen, um Hund werden zu können. Noch ist im Bauch der Hündin, also in ihren Gebärmutterhörnern, nur universelles Chaos, alles schwurbelt und schwimmt durcheinander wie ein Tümpel voller Kaulquappen. Da die Hündin aber nicht tausende von Welpen entwickeln kann, kommt der Tag der Entscheidung, wer sich einen Platz an der Docking Station erobert und wer für immer aus der Welt verschwindet. Es ist nur eine kleine Elite, die es schaffen wird. Für diese Durchsetzungsfähigen, Vorlauten, Ellbogenrempler und Trickser geht es von nun an, an Mutters Versorgungsleitungen gekoppelt, voran. Meist reagieren Hündinnen auf diesen Prozess mit Übelkeit und gelegentlich mit Erbrechen. Bei Fianna registrierten wir kaum Anzeichen von Übelkeit, dafür aber diese Schmierblutung. Und nun auch Hedda?

Abends ist der Assi überzeugt, dass sie tragen muss, weil sich ihre Begeisterung für den nächtlichen Pinkelausgang in sehr engen Grenzen hält. Sonst fliegen die Ohren mit dem ganzen Hund um die Wette um die Ecke, und heute: Schlafwagenmentalität. Wenn’s denn sein muss…

Ja, muss sein.     

 

Dienstag, 6. April 2021
15. Tag nach Lando

Die Chefin kommt beim Morgenspaziergang ebenfalls zu dem Schluss, dass Hedda Früchtchen trägt. Als sie kurz vor Beendigung der Morgenrunde, am Ende der Wiese, die Rückgabe des Balls einfordert, spuckt Hedda ihn ihr vor die Füße und stapft davon. Das ist nun wieder eine so unmittelbare Annahme des Kommandos, dass es noch befremdlicher ist als ein verweigertes Sitz-Kommando. Hedda will nie keinen Ball nicht herausrücken! Sie tut es, weil sie gehorcht, aber nicht, weil ihr der Ball schnuppe ist. Im Gegenteil: Sie versucht, uns mit allen Mitteln ihres Jungfrauencharmes davon zu überzeugen, das Kommando ungeschehen zu machen und den Ball wieder herauszurücken. Und heute ist ihr der Ball schnurzegal. Sie trottet davon, hat keinen Blick mehr für ihn. Das auf sie wartende Frühstück ist ihr offenbar eine ganze Liga wichtiger als der Ball. Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen. Da muss was im Busch sein.

Auf dem Busch Kirschbaum im SchneeFrostkirscheist heute jedenfalls Forsythie on the rocksForsythie on the rocksSchnee, so viel ist sicher. Ziemlich viel Schnee, bei -3 °C. Aber wie heißt es so schön: „…kommt irgendwo ein Lichtlein her“. Das kommt mit den tröstenden Worten von Eingeweihten daher, die daran erinnern, dass vor zwei Jahren das Land am 5. Mai unter Schnee lag. Also bitte: Am 5. Mai! Wie kann man sich unter diesen Umständen über den 5. oder 6. April beschweren? Klingt logisch, macht es aber nicht behaglicher. Das erinnert an den Schüler, der eine Fünf nach Hause bringt und darauf verweist, dass eine(r) sogar eine Sechs bekommen hat.

 

Mittwoch, 7. April 2021
16. Tag nach Lando

Es schneit noch immer. WintereinbruchWintereinbruchEs ist grau draußen, sehr windig und einfach nur garstig. Zwischendurch bestrahlt uns die Sonne, als ob sie kein Wässerchen trüben könnte, dann haut es uns wieder mit Schnee zu, dass man kaum ein paar Meter Sicht hat. Dazu pfeift der Wind um die Ecken und schmeißt schon mal einen unvorsichtigen Baum um. Für Menschen, zumal für solche, die längst das Frühlingsprogramm aktiviert haben, ein absolutes Unding und mehr als schwer erträglich. Nur die Hunde feiern das Wetter wie einen besten Freund. Sie sind beim Spaziergang in Minutenschnelle eingepackt wie ein Fisch im Salzteig, treiben Späße mit den Böen, tanzen wie die Derwische und katapultieren sich in die Luft wie Lämmer. Wie raunte einst Reinhard Mey: „Es gibt Tage, da wünscht ich, ich wär mein Hund“. Es muss ein ähnlicher Tag wie heute gewesen sein, der ihm diesen Stoßseufzer entlockte. Wenn man heute – aber nur heute – einmal genetisch auf den Hund kommen könnte… Aber es geschieht nichts in dieser Hinsicht, im Gegenteil: Graupelschauer wie Nadelstiche auf der Haut und eine dick verkleisterte Brille. Und das soll die Krone der Schöpfung sein.

Irgendwann finden wir Erbrochenes in Fiannas Bett im Schlafzimmer, nicht viel, aber unübersehbar. Dennoch ist das Ereignis unbeobachtet an uns vorübergegangen. Dabei wäre es von größter Bedeutung zu wissen, welche der beiden Damen sich ihres Mageninhalts entleerte. Es kann selbstverständlich Fianna gewesen sein, die sich auf die reiferen Tage mit Knochen etwas schwerer tut, und heute gab es ein bisschen Rehknochen zum Knabbern, weil wir gestern von den Resten eines Rehrückens einen Wildfond gebraut haben. Gut möglich. Allerdings kann es auch Hedda gewesen sein, und zwar sogar aus zwei Gründen. Der eine ist, dass sie Knochen ebenso schlingt wie alles andere, wodurch ihr dann schon mal ein resistenter Rest den Magen aufstülpt. Vielleicht war es das; Knöchelchen waren jedenfalls dabei. Aber es könnte natürlich auch Heddas Unpässlichkeit während der Nidation gewesen sein. Und das hätten wir schon gerne etwas genauer gewusst. Denn außer der bereits dokumentierten Reserviertheit, gibt es bisher keine juristisch verwertbaren Hinweise auf ihren Zustand.  

 

Donnerstag, 8. April 2021
17. Tag nach Lando

Heute, so haben uns die Wetterfrösche versprochen, wird alles besser, gelegentlich noch ein zartes Schneegestöberchen, doch generell soll ab heute wieder stramm bergauf gehen. Der Vormittag ist ein unaufhörliches Schneegestöber, der Garten ist dick verpackt und die Vöglein hocken auf den Zweiglein mit Transparenten, auf denen geschrieben steht: Helft den Armen Vögeln!, ein Satz übrigens, der in der immer mehr um sich greifenden Kleinschrift durchaus missverstanden werden kann. Also helfen wir den armen Vögeln, wie wir es schon den ganzen Winter über tun, und warten ab, wer sich heute durchsetzt, der Deutsche Wetterdienst oder der himmlische Wetterbalg. Immerhin lässt der Bauernkalender gewisse Schlüsse auf das Wetterjahr zu, der notiert nämlich für den 8. April: Wenn es viel regnet um den Amantiustag, ein dürrer Sommer folgen mag. Klar, Schnee ist kein Regen, aber er ist gefrorener Regen und somit Bote für einen weiteren landwirtschaftlichen Klagesommer im Jammertal der Mangfall. Unter diesen Umständen müssten wir die prognostizierten kleinen Jennys und Jonnys doch glatt mit Sonnencreme salben.

Im Laufe des Tages wird es tatsächlich richtig apart draußen und wir sind guter Dinge für die nächsten Tage. Jetzt müsste nur noch Hedda für einen Lichtblick sorgen …

 

Freitag, 9. April 2021
18. Tag nach Lando

Hurra, hurra, der Lenz ist da! Morgenstimmung im MangfalltalDurchs Mangfalltal weht das blaue Band des Frühlings, aber sonst tut sich nichts, was weitere Einträge rechtfertigen würde.

Oder doch: Hedda darf heute wieder mit ihrer Herzensausbilderin Steffi trainieren und tut das mit solcher Inbrunst und Begeisterung, dass von einer Art tektonischer Hormonverschiebung nichts, aber überhaupt nichts zu sehen ist. Hedda tänzelt wie ein Lipizzaner, sitzt wie vom Blitz getroffen, macht Platz, als ob ihr die Beine weggegrätscht würden und apportiert in einem Tempo, dass sich sogar die verwöhnte Steffi die Augen reibt und ‚lecko‘ murmelt. Da strahlt natürlich die Hundeführerin, und der Chronist sammelt sein Schwangerschaftsindiz Lust- und Trieblosigkeit wieder ein. Da heißt es kühlen Kopf zu bewahren und eine ruhige Feder zu führen; irgendwann muss sie Farbe bekennen…  

 

Sonntag, 11. April 2021
20. Tag nach Lando

Der Himmel begrüßt uns morgens in bester Laune und mit 5 °C.

Fianna im WelpenglückFianna im WelpenglückWir fahren in den Pfaffenwinkel nach Hohenpeißenberg zu den kleinen Bergfexen, die Heddas Schwester Halina vor vier Wochen ins Kistchen geworfen hat. Ein putzmunterer Neffe und fünf fidele Nichten, bzw. Enkelkinder begrüßen uns bei strahlendem Sonnenschein und lösen bei uns sofort den Babyreflex aus, am meisten jedoch dreht Fianna vor unbändiger Freude über ihre Enkel am Rad. Mit Sternchen um die Augen steht sie vor dem Welpenauslauf und denkt gar nicht daran, ihre Tochter Halina zu fragen, ob sie einen etwas intimeren Blick auf die Zwerge werfen darf; mit einem coolen Satz schwingt sie sich über das Gitter und ist mitten Hedda mit WelpeKleintierhaltungunter ihnen. Halina lässt sie anstandslos gewähren, eine Situation, die unter Umständen auch blutig enden könnte. Aber wir hatten keine Bedenken, dass es zwischen der Übermutter und Überoma und ihrer stolzen Tochter zu Reibereien kommen könnte. Zwischen die beiden passt kein Blatt. Auch Hedda wird von Halina freudig und stürmisch begrüßt und stolz zur Besichtigung eingeladen – was die entschieden ablehnt: Schon wieder Kleinzeug! Hedda hält sich fern und riskiert nur scheele Blicke. Nur für einen kurzen Augenblick nimmt sie am Gitter Nasenkontakt auf, dann hat sie alles gesehen und gerochen und hofft auf eine baldige Abreise. Wenn wir nicht wüssten, dass Halina bei unserem letzten Wurf ebenso angewidert Abstand von den I‘s gehalten hat und jetzt eine rührende Mutter ist, müssten wir unsIm PfaffenwinkelIm Pfaffenwinkel  um Heddas Muttereignung Sorgen machen. Wir sind sicher, die Hormone werden es richten; sie sind eben nicht nur Teufelszeug. Allerdings gibt uns Halina wichtige Hinweise auf Heddas Zustand: Sie steckt sofort bei unserer Ankunft ihre Nase unter Heddas Rute, nimmt eine volle Brise und tänzelt davon. Offenbar weiß sie von diesem Moment an mehr als wir.

Der Rest des Tages ist nichts als Sonnenschein (plus ein paar Wolken) und familiärer Himmelsfrieden: Wir sitzen im Garten bei den Welpen, Halina geht ihren Mutterpflichten nach, Fianna gibt die Supernanny, die überall ihre Nase und ihren Senf dazugeben muss und Hedda widmet sich beredter Nichtbeachtung. Warte nur! Balde säugest du auch…