Jetztwirdsernst mit dem J-Wurf

Mittwoch, 21. April 2021
30. Tag nach Lando

Gestern haben wir uns ein wenig Ruhe nach dem Freudensturm gegönnt und die Visiere auf Zukunft justiert und geputzt. Wir wissen aus Erfahrung, dass der Geburtstermin nur einen Flügelschlag entfernt ist. Es gilt also, sich zu sortieren.

HedaDer gestrige Dienstag erwachte mit Regen, steigerte sich mittags auf Graupelschauer und ging mit freundlichem, fast nacktem Himmel ins Bett. Und genauso ist er diesem heute entstiegen: blank. Der Frühling wagt sich heraus, aber ob er schon genug Mumm hat, sich festzusetzen, sich also quasi festlaschetieren kann wie der Korken-Armin aus Aachen, bleibt sehr fraglich.

Heddas Futteraversion ist verschwunden und wurde von einem Hungerkontinuum abgelöst. Optische Veränderungen sind nicht erkennbar und noch nicht zu erwarten. Vor dem Ultraschall haben wir Hedda gewogen und sie hält ihr dauerhaftes Kampfgewicht von 29,3 Kg eisern. Die am 1. April in Aussicht gestellten Maßnahmen an Heddas Körpermaßen machen auch noch keinen Sinn, weil sie sich weiterhin in den ihr eigenen Maßen bewegt. Mehr ist auch derzeit nicht zu erwarten, weil die Zwerge noch etwa die Größe eines halben Daumennagels haben und damit nicht auftragen können. Später, noch längst bevor die Knirpse Ausmaße annehmen, die Heddas Körperformen auseinandertreiben, ist es zuerst das Fruchtwasser, das ihre Stromlinienform auf Tropfenform umdefiniert. Doch das hat noch ein bisschen Zeit.  

 

Freitag, 23. April 2021
32. Tag nach Lando

Jetzt ist er wirklich da, der ersehnte Lenz; 16 laue Grade hat er im Gepäck und dabei die Wolken vergessen. Das freut den entwurzelten Neuzeitmenschen, der von nichts keine Ahnung nicht hat, die Alterfahrenen aber schrecken zusammen. Heute ist nämlich der Tag, an dem man dem Hl. Georg gedenkt und der sollte eher kalt und schaurig sein, wenn man als Landmann auf ein gedeihliches Jahr hoffen möchte. Kommt der Georg auf einem Schimmel, kommt ein gutes Frühjahr vom Himmel. Der Schimmel soll die letzten Schneeflocken symbolisieren, und die wiederum seien die Vorboten für ein gutes Frühjahr, ja sogar ein gutes Jahr. Dementsprechend schlecht ist das heutige Wetter beleumundet: Ist’s an Georgi warm und schön, wird man noch raue Wetter seh’n oder Ist’s an Georgi hell und warm, gibt’s noch ein Wetter, dass Gott erbarm.

WirFußlaufen lassen uns den Tag nichtHedda hat Spaß vermiesen und gönnen unserem jungen Mutterschiff eine kreuzfidele Trainingseinheit (ohne Sprungeinheiten, die sind wegen der Verletzungsgefahr gestrichen) mit ihrer Herzenstrainerin Steffi, die sich wieder einmal nicht genug über ihre Schülerin freuen kann. Aber sie stellt fest, dass man Hedda jetzt schon ein bisschen ansähe, dass sie in gesegneten Umständen sei. Das ist uns völlig entgangen, deshalb nehmen wir abends eine weitere Messung vor und staunen nicht schlecht: Das Kind hat abgenommen, ist abHedda apportierter dicker geworden!!?? Wie geht denn das? Abnehmen ist durchaus nicht ungewöhnlich, aber die Körpermaße sind so eindeutig umfänglicher, dass ein Messfehler, der immer drin ist, kaum zu unterstellen ist. Hedda wiegt heute 28,8 kg (am 1. April hatte sie ihr Standardgewicht von 29,3, das sie auch beim Ultraschall hatte). Aber der Umfang gibt diese Abnahme nicht her:

 

 

  Hedda Fianna bei ihrem 1. Wurf
  Gewicht Vorne Mitte Hinten Gewicht Vorne Mitte Hinten
Tag 10 29,3 76 72 63        
Tag 32 28,8 77 76 66 30,0 73 72 62

 

Interessant ist der Vergleich mit Fianna am gleichen Trächtigkeitstag ihres ersten Wurfs; da hat Hedda heute deutlich mehr zu bieten. Das könnte zu denken geben, falls diese Körpermaße ein Hinweis auf die Welpenzahl sein sollten: Fianna bracht in ihrem G-Wurf elf Kinder zur Welt!

 

Sonntag, 25. April 2021
34. Tag nach Lando

Hedda scheint sich langsam ihres Hedda im FrühlingsglückHedda im FrühlingsglückZustands bewusst zu werden, ohne allerdings zu wissen, worum es geht. Aber das stets ungestillte Hungergefühl dürfte sogar ihr befremdlich vorkommen. Schön langsam haben sogar wir den Eindruck, dass sich Heddas Körperformen in die zu erwartende Richtung entwickeln; man muss schon genau hinsehen, aber, ja, sie ist ein wenig pummeliger. Das Maßband lügt also doch nicht. Und auch ihr flitzeflinker Gang gerät ihr nicht mehr so selbstverständlich elastisch. Vor allem im Schritttempo, das bei ihr genetisch kaum ausgeprägt ist, weil sie eigentlich immer mindestens eine Tempokategorie darüber unterwegs ist, macht ihr zu schaffen und gibt uns entscheidende Hinweise. Wir bezeichnen diesen etwas aufgesetzten Bewegungsablauf als „nutteln“, weil sie ihre Hüften so übertrieben staksig in Schwingung bringt wie die Damen des Gewerbes, denen es ebenfalls schwerfällt, zwei Dinge zu harmonisieren, die nicht zusammengehören: aufreizend langsam schreiten und den Po dabei in ebenmäßige Schwingung zu halten. Das wirkt dann gelegentlich eher hüftsteif als schwebend.

Und dann ist es in stillen Augenblicken ihr unsteter Blick, Heddaein bisschen traurig, ein bisschen verstört, der keine Zweifel daran lässt, dass sie in sich hineinhört und keine Antworten auf ihre Fragen findet. Zwar ist es noch zu früh von solchen Umtrieben auszugehen, die den bösen Wolf zu der Aussage verleitete: „Was rumpelt und pumpelt in meinem Bauch herum? Ich meinte es wären sechs Geißlein, so sinds lauter Wackerstein.“ Rumpeln und pumpeln wird da noch nichts, aber Zustände wird sie erspüren, die ihr bisher noch nicht untergekommen sind. Da wirft man schon mal einen hilfeheischenden Blick in die Runde, um Antworten zu erhalten. Wir nehmen sie dann eben in den Arm und kraulen ihr die Ohren; wie sollen wir ihr denn erklären, dass sie schwanger ist. Das müsste schon ihre Mutter übernehmen. Aber vielleicht hat sie das schon erledigt und Hedda ist gerade deshalb so entkalibriert. Wird schon, kleiner Flitzefratz, das haben andere auch schon hingekriegt.