Jetztwirdsernst mit dem J-Wurf

Montag, 26. April 2021
35. Tag nach Lando

Es bricht die Küsschen, KüsschenZeit an, in welcher die Sanftmut der Gier zu weichen hat. Das soll heißen, dass man inzwischen gut daran tut, die Finger bei Leckerligaben rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Hedda, die sonst mit sanften Lippen Leckerli aus den Fingern küsst, greift jetzt zu, als wäre es ihre Henkersmahlzeit. Es lässt sich nicht übersehen, dass die Prinzessin offenbar ständig unterzuckert ist.   

Dienstag, 27. April 2021
36. Tag nach Lando

Was für ein Frühling soll das denn sein, der am Morgen des 27. April mit -1 °C aus den Federn kommt? Den rettet doch auch kein blitzblauer Himmel nicht mehr. Dazu ist heute auch noch Vollmond und der Bauernregler schreibt: Hat Sankt Peter (Petrus Canisius) das Wetter schön, kannst du Kohl und Erbsen säen. Welchen Stellenwert man diesen Weissagungen beimessen sollte, erschließt sich, wenn man einen Blick auf morgen wirft, denn für den 28. April heißt es: Ist es noch kalt auf St. Vital, friert es uns noch fünfzehnmal. Die Wahrscheinlichkeit, dass es auch morgen noch frisch ist, ist hoch, und was mach ich dann mit den gesäten Erbsen, wenn es noch fünfzehnmal friert? Und dann stehen uns demnächst auch noch die Eisheiligen ins Haus! Hoffentlich erfrieren uns die Jabberwockys nicht in Heddas Bäuchlein. Möglicherweise futtert sie deshalb so nachdrücklich, um den Ofen auf Temperatur zu halten.

Apropos Bäuchlein: Um die Mittagszeit herum wird der Chronist und Brutassistent von der Cheffortpflanzerin zur angehenden Mutter gerufen und aufgefordert, deren Bauch zu begrapschen. Die lümmelt im Schlampersitz in der Küche herum und gewährt freien Zugriff zu ihrem Bäuchlein. Und in der Tat: Man spürt jetzt tatsächlich ein kleines Kügelchen. Dort, wo sich sonst stramme Muskelpakete aneinanderreihen, schmiegt sich eine sanfte Rundung in die Hand des Assis. Allmächt, das geht ja ziemlich ab. Hat die irgendwo eine Pumpe eingebaut? Sich so aufzuplustern ist doch sonst ihre Sache nicht. Menno…

Nachmittags hat Fianna mit Frauchen einen Tierarzttermin: Der Jahrescheck, den wir mit all unseren Hunden über acht Jahren machen. Ergebnis: Fianna ist topfit, Blut ohne Beanstandung, Ultraschall ohne Befund. Dazu ein Herz, das wie eine römische Galeere in langen Hüben pullt; „Hochleistungsherz“ begeistert sich die Tierärztin. Jubel! Und dann bringt uns Fiannas Lieblingsschallerin auf eine bestechende Idee, als sie so nebenbei erwähnt, dass viele Tierärzte und Tierkliniken richtig viel Geld ausgeben würden, wenn sie für ihre Ultraschall-Seminare so entspannte und gelassene Modelle wie Fianna hätten. Da sollte man doch direkt darüber nachdenken. Tatsächlich bringt Fianna auf der Schallliege nichts aus der Ruhe. Also … Kinder soll (und darf) sie nicht mehr bekommen, schließlich hat sie mit 30 Kindern ihren 5-Jahres-Plan übererfüllt, aber ein bisschen könnte sie doch noch zum Familieneinkommen beitragen. Oder? Und kann man sein Geld leichter verdienen als sich auf dem Rücken liegend, komplett gechillt den Bauch durchschallen zu lassen? Als kleine Zugabe dann noch eine Extraportion Leckerli und tausend Streichelhände. Darüber müssen wir mit ihr reden.

 

Mittwoch, 28. April 2021
37. Tag nach Lando

Wir haben es befürchtet, und nun ist es passiert: 2 °C morgens um 6 Uhr. Das ist zwar kein Frost, aber saukalt ist es für den 28. April allemal. Und nun müssen wir also noch fünfzehnmal frieren. Und was machen nun unter diesen Bedingungen die Störche und die Schwalben, die sich auf den Frühling verlassen haben, angereist und nun schnöde verlassen sind. Schlauer ist in dieser Hinsicht offenbar der Kuckuck, der immer noch nicht da ist, aber vielleicht gar nicht, wie prophezeit, erfroren ist, sondern sich nur ein wenig zurückgehalten hat.

Hedda hat offenbar andere Sorgen. Sie scheint davon auszugehen, von unseren Futtergaben ihre Kinder nicht ausreichend satt zu bekommen. Sie stürzt sich während ihrer Spaziergänge auf den ausgebreiteten Mist und ist kaum davon abzubringen, ihn in sich hineinzuschlingen. Heikel war sie ja noch nie, aber Kuhmist stand bislang nicht auf ihrem Speiseplan. Wenn man allerdings ihr Körperwachstum in die Betrachtungen einbezieht, sollte uns nichts wundern: Man kann ihr fast beim Dickerwerden zuschauen. Das ist schon sehr befremdlich, wenn man sie als rankes-schlankes Model kennt und nun sieht, wie sie allmählich eine Tropfenform annimmt.

Nachmittags Iltschi und HeddaIltschi und Heddamachen wir wieder einmal einen Besuch bei ihrem Halbbruder Iltschi in Bad Grönenbach, weil beim Vögele Hof, gleich um die Ecke, die Wurfabnahme ansteht, und es Iltschi uns übelnehmen würde, wenn wir die paar Kilometer nicht schaffen würden, ihm eine Freude zu machen. Die Freude ist natürlich riesig und Iltschi tut, was er immer tut, wenn seine nächste Verwandtschaft zu Besuch kommt: Er zeigt ihr zum x-ten Mal seinen Garten, stolzt und gockelt herum, muss sich aber heute mit einer deutlich verhalteneren Halbschwester abfinden, was ihn mächtig ins Grübeln bringt. Lieber Iltschi, du kannst dich auf neue Gesellschaft freuen, weil du bald – ja was ist man denn für ein Onkel bei den Kindern seiner Halbschwester? – sagen wir mal: Halbonkel wirst. Ein halbstarker Halbonkel! Das wird was werden…   

 

Donnerstag, 29. April 2021
38. Tag nach Lando

Der erste, wenn auch frische, Frühlingsschub ist heute vorbei; das Wetter macht auf trüb und droht mit Regen. Darüber freut sich der Landmann, und nicht nur der, denn Wasser kam schon länger nicht mehr vom Himmel. Aber dafür wird es jetzt auch etwas wärmer, zumindest morgens, tagsüber geht es dagegen bergab mit den Temperaturen.

Für eine Schwangere ist das sicher kein Nachteil. Heute erleben wir einen kleinen Moment der Verwirrung. Weil die Chefbrutbeauftragte niemals ihre Hände von ihren Hunden lassen kann und alles ständig kontrollieren muss, stellt sie bei Hedda einen klaren, aber schmierigen Ausfluss fest. Mist! Gehört sich das so? Haben das ihre drei Vorgängerinnen auch gehabt? Haben wir bei neun Würfe etwas übersehen? Haben wir das nur vergessen und/oder haben wir etwa nichts dokumentiert? Fragen über Fragen angesichts eines schmierigen Ausflusses. Bevor wir jetzt alle unsere Aufzeichnungen durchwälzen, befragen wir lieber die einschlägige Literatur. Und dort findet sich unter anderem der erlösende Hinweis: Um den 30. bis 35. Tag der Trächtigkeit hat die Hündin durchsichtigen bis weißlichen Ausfluss. Dieser unterscheidet eine Trächtigkeit von einer Scheinschwangerschaft. Zitat Ende. Na also. Erlösung und Erleichterung. Dass Hedda ein paar Tage hinterher ist, liegt vermutlich daran, dass sie vor lauter Gewichtsaufbau den Ausfluss zur rechten Zeit vergessen hat.  

Für alle jene, die sich Hoffnung auf ein Heddakind machen, haben wir noch ein bisschen Material für das geistige Auge, auch als die Innere Vision bekannt: Um diese Zeit messen die Heddalinas und -linos etwa 45 mm und wiegen sechs Gramm. Hedda muss demnach noch kräftig anbauen, damit die Zwerge ein mutmaßlich mittleres Geburtsgewicht von 450 Gramm erreichen. Hedda und ihre zehn Geschwister brachten es immerhin auf knappe 460 Gramm im Durchschnitt. Noch ein interessanter Fakt: Erst in diesen Tagen legt Hedda bei ihren Kindern die Fellfarbe fest! Wir haben deshalb extra noch einmal eine nachdrückliche Blond-Bestellung platziert. Aber die macht ja eh, was sie will…

 

Freitag, 30. April 2021
39. Tag nach Lando

Er ist nicht erfroren! Er ist da! Heute Morgen hat er gekuckuckt im Wald und allen mitgeteilt, dass nun der älteste Hausbesetzer und Nestbeschmutzer aller Zeiten wieder sein Unwesen treibt im Mangfalltal. Allerding könnte er in diesem Jahr Probleme bekommen, seine Kuckuckseier den Pflegeeltern unterzujubeln, weil die meisten schon eifrig brüten und unter diesen Umständen meist sehr ungnädig mit Fauleiern umgehen, selbst wenn sie noch so clever camoufliert dazwischengegaunert werden. Kann sein, dass er in Kürze wieder unverrichteter Dinge nach Westafrika zieht. Er hat sich wohl vom kältesten April seit 40 Jahren von einer zeitigen Rückkehr abhalten lassen. Das könnte sich rächen.

Hedda hat Durst, wirklich viel Durst. Das ist schon auffällig, weil sie immer schon unser bester Schluckuck war. Während Fianna es nimmt, wie es kommt, steht Hedda zuverlässig nach jeder Mahlzeit wie ein Mahnmal vor ihrer Schüssel und klagt frisches Wasser ein. Darauf ist Verlass. Und wenn Hedda irgendwo unsortiert und zweckfrei im Haus herumsteht, kann man davon ausgehen, dass die Wasserschüssel leer ist (ja, wir haben mehrere, aber nur eine erfährt ihre Gnade). Nun schlürft sie also noch größere Mengen in sich hinein. Wir blättern deshalb in unserem Kinderalmanach und lesen, dass „Fianna wie eine Kuh“ gesoffen hat und Oma Franzi gar „wie ein Kamel“. Wir dokumentieren also für die Nachwelt: Hedda säuft wie ein Kuhmel. Logo, ein Schneller Brüter braucht eine Menge Kühlwasser, damit es nicht zur Kernschmelze kommt – obwohl: Die eigentliche Kernschmelze liegt ja schon über fünf Wochen zurück. Aber wenn Hedda die Zwerge in etwa 25 Tagen von sechs Gramm auf 450 Gramm hochpäppeln soll, muss sie schon mächtig feuern, damit aus den (schwäbischen) Weckle ordentliche Wackersteine werden. Wir unterstützen diesen Vorgang, indem wir Hedda ab heute dreimal füttern; sie hat ja nicht nur Durst, sondern einen Appetit wie Heinrich VIII. So verteilt sich die Futtermenge besser und belastet sie nicht so sehr. Auch der Output verteilt sich besser über den Tag; inzwischen hat sie morgens schon gelegentlich in größerer Not unseren Garten als Notausgang benutzt, für sie, die einhalten kann bis zur Mumifizierung, wirklich ein deutlicher Hinweis auf eine dringliche Anpassung der Routinen.

 

Samstag, 1. Mai 2021
40. Tag nach Lando

Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus. Doch vor den Bäumen schlägt, nein: keilt das Wetter aus. Gestern Nachmittag ein handfestes Gewitter mit einem Regensturm, dass man den Eindruck haben musste, der ganze Himmel käme herunter. Und auch nachts regnete es noch weiter, wenn auch sehr moderat. Das wird wiederum den Landmann freuen: Regen in der Walpurgisnacht, hat stets ein gutes Jahr gebracht, konstatiert der Bauernkalender. Die Hexen tanzen auf dem Blocksberg und im Mangfalltal schuhplattelt der Bauer in den Pfützen wie der Bi-Ba-Butzemann vor lauter Freude.

Zurück zum LunderlandUrgrund dieser Chronik: unsere Hedda mit ihren Leibwürmern. Ab heute geben wir ihr regelmäßig etwas Bierhefe, Eierschalen und Seealgenmehl ins Futter, Bierhefe und Eierschalen täglich, Seealgen einmal die Woche. Dahinter verbirgt sich neben vielem anderem Vitamin-B-Komplexe, Kalzium und Jod, eben alles, was das Immunsystem und die Entwicklung der Welpen ein klein wenig mehr unterstützen kann. Muss man nicht machen, hat sich aber bisher bewährt.

Und dann nehmen wir wieder einmal eine Messung vor, analog zu Fiannas Messtagen, um besser vergleichen zu können. Und siehe da: Hedda ist zwar etwas leichter, aber ein bisschen pummeliger.

  Hedda Fianna bei ihrem 1. Wurf
  Gewicht Vorne Mitte Hinten Gewicht Vorne Mitte Hinten
Tag 10 29,3 76 72 63        
Tag 32 28,8 77 76 66 30,0 73 72 62
Tag 40 32,2 77 78 69 33,0 75 78 67

Heddas sichtbar wachsende Umfänglichkeit erinnert uns an ihre Oma Franzi, die sich auch sehr frühzeitig Ausmaße zulegte, die in uns ernste Zweifel weckten, ob sie den Wurftermin erreichen könnte oder doch viel zu früh die Produktion anstoßen müsste, was dann zu einer Wurfkiste voller Todgeburten geführt hätte. Aber nein: Franzi hielt tapfer durch und bescherte uns drei prächtige Würfe mit vielen zauberhaften Kindern. Wir glauben fest daran, dass Hedda das Erbe ihrer Oma wertschätzt und pflegt.