14.09.2019 – RZV DM-Quali IFH 2 für Fianna

0P8A8584 1 250Am 14. und 15. September fand eine von drei Qualifikationen für die Deutsche Fährtenmeisterschaft des RZV in Tauberbischofsheim statt. Nach einer Woche Zittern steht nun fest: Fianna hat sich qualifiziert. Doch was für ein Husarenritt war das!

 

Voraussetzung für die Teilnahme an einer Qualifikation für die Fährten-DM ist mindestens ein sehr gutes Ergebnis im laufenden Sportjahr. Fianna kann zwei Prüfungen in Völkersleier (97 Punkten) und Deggendorf (93 Punkten) nachweisen.

Die Qualifikation kann in drei bundesweiten Qualifikationen erworben werden. Die erste, am 19. Und 20. April in Marl, kam für Fianna zu früh, weil sie sich nach dem I-Wurf noch im Mutterschutz befand und noch nicht starten durfte. Deshalb warf sie ihren Hut in Tauberbischofsheim in den Ring und meldete sicherheitshalber auch noch für die letzte Quali eine Woche später (21./22. September) in Heiligenhafen.

Für einen südbayerischen Fährtenhund ist der Weg zur Deutschen Meisterschaft sehr beschwerlich und im Wortsinne steinig. Das liegt in der Tatsache begründet, dass die Königin der Fährten sehr viel Platz beansprucht: mindestens 1800 Schritte lang auf acht Schenkeln, davon ein großer Halbkreis und mindestens zwei spitze Winkel. Das erfordert bei durchschnittlich zwölf Teilnehmern jede Menge Fläche. Die landwirtschaftliche Struktur im Süden Bayerns ist kleinbäuerlich: größtenteils Futterwiesen und dazwischen ein paar kleine Mais- oder Getreidefelder. Wer also viel Fläche benötigt, muss dorthin gehen, wo es viel Ackerbau gibt, der im Frühjahr und Herbst genügend große, brache Ackerflächen bietet. Wiesenfährten, wie Fianna sie kennt, sind dort jedenfalls nicht im Angebot.

Zwei Wochen vor dem Termin in Tauberbischofsheim finden wir endlich die ersten zwei abgeernteten Maisfelder vor der Haustür, auf denen Fianna nun intensiv ihre Nase in die Erde stecken kann, um sich schon mal an den anderen Untergrund zu gewöhnen.

0P8A8579 1 250In Tauberbischofsheim muss sie gegen elf Mitbewerber antreten. Es hat lange nicht oder nur ganz wenig geregnet, die riesigen Ackerflächen sind staubtrocken und knochenhart mit spärlichem Senfbewuchs, dafür ausreichend Traktor-, Wild und Wildschweinspuren. Die Prüfungen finden am Samstag und Sonntag statt, für beide Tage wird jeweils für Vormittag und Nachmittag eine Gruppe mit drei Startern ausgelost. Die Startreihenfolge innerhalb der Gruppen wird ebenfalls ausgelost. Fianna zieht die letzte Fährte am Samstagnachmittag gegen 15 Uhr, wenn der Acker bei 26 °C (im Schatten) glüht und staubt. Wenn das Glück mit den Dummen ist, gehört Fianna zweifelsfrei zur Top-Intelligenz.  

Tatsächlich ist der Himmel im fränkischen Nordosten Baden-Württembergs blitzblank, als Fianna ihre Fährte angeht. Die Zuschauer suchen Schatten unter den wenigen Bäumen. Und dann macht Fianna, was sie wirklich noch nie gemacht hat: Sie nimmt den Fährtenabgang nicht richtig an, bleibt stehen, kommt sogar zu ihrer Leinenführerin zurück, verwickelt sich dabei sogar –  zum Glück – in ihrer Fährtenleine, was die Möglichkeit gibt, sie auszuwickeln und neu auf die Fährte anzusetzen. Jetzt geht sie tatsächlich los, zögerlich noch, lässt aber den ersten Gegenstand, der laut Prüfungsordnung nach frühestens 100 Schritte kommen sollte, nach bereits 40 Schritten liegen und vermittelt allen, ihrer Leinenführerin, dem Leistungsrichter und den Zuschauern den Eindruck: Diese Fährte wird eine kurze sein.

0P8A8581 1 250Doch 0P8A8589 1 250Fianna straft alle Pessimisten Lügen und liefert das Gegenteil, denn nach dem verschmähten Gegenstand findet sie in ihren Suchrhythmus und durchpflügt mit sehr tiefer Nase den ersten Schenkel, der nicht aufhören will und erst nach etwa 600 Metern mit dem ersten Winkel endet. Fianna sucht jetzt wie ein Roboter, stapft langsam und konzentriert über den staubtrockenen Acker, nimmt alle Winkel ohne Vertun, ein spitzer davon mit nur etwa 15°, was eine richtig gemeine Herausforderung ist, und verweist alle verbleibenden sechs Gegenstände ohne zu zögern. Sie läuft und läuft und läuft und entlastet nur sehr wenig zum Durchpusten. Der Leistungsrichter läuft nebenher und ist sich nicht mehr ganz sicher, ob er sich noch auf einer Fährtenprüfung oder auf seinem ersten Wüstenmarathon befindet. Nach, später über Google Maps nachgemessenen, ca 2500 bis 3000 Schritten und 35 Suchminuten zeigt Fianna ihren letzten Gegenstand an und ist ziemlich fix und alle.

Leistungsrichter Wolfgang Dill tritt vor die Zuschauer zur Beurteilung und zieht zuallererst seine Mütze vor Fiannas Leistung. Seine bisher längste Fährte war einmal 28 Minuten, 35 Minuten unter diesen Bedingungen, seien eine Wahnsinnsleistung. Unter den Anwesenden gibt es dazu keine zwei Meinungen. Am Ende bleiben dennoch nur 91 Punkte, weil auch die bestechendste Marathonfährte Regeln unterliegt, die einen misslungenen Fährtenbeginn und einen vernachlässigten ersten Gegenstand nicht vorsehen. Wir sind unendlich stolz auf unsere Fianna und auch die Konkurrenz verbeugt sich vor dieser Leistung.   

Aber! Die Qualifikation in Tauberbischofsheim hat nicht nur eine beeindruckende Fianna gesehen, sondern trotz der schweren Bedingungen außergewöhnlich hohes Niveau gezeigt. Von zwölf Teilnehmern gehen sieben mit mehr als 90 Punkten nach Hause (99, 98, 96, 94, 92 und zweimal 91). Da kann man wirklich nur den Hut ziehen, zumal auch die anderen fünf richtig gute Leistungen zeigen und absolut auf Augenhöhe agieren. Aber ein Hund ist kein Automat, und auf diesem Niveau tun schon wenige kleine Fehler und Unsicherheiten richtig weh.       

Wir standen nun vor der Frage: Reicht es für die DM oder reicht es nicht. Die besten drei jeder Qualifikation (also insgesamt neun) qualifizieren sich direkt. Der Rest der 16 Teilnehmer ergibt sich aus der Rangfolge dahinter. Bei dem hohen Niveau von Tauberbischofsheim hängt Fiannas Teilnahme an den Ergebnissen von Heiligenhafen. Und folgerichtig stellt sich die Frage: Treten wir nun in Heiligenhafen an oder pokern wir? 1000 Kilometer hin und 1000 Kilometer Sonntagnacht zurück? Wir beschließen zu pokern.

Am Nachmittag des 22. Septembers, als die Quali in Heiligenhafen gelaufen ist, steht fest:

Fianna ist für die Deutsche Meisterschaft FH am 19. und 20. Oktober in Markranstädt qualifiziert!

Wir sind glücklich und richtig stolz auf unsere dreißigfache Mutter. Jetzt heißt es, Ackergelände suchen und dafür vermutlich auch einige hundert Kilometer durchs Land zu kurven, um geeignete Ackerflächen zu finden. In Markranstädt warten zwei Fährten an zwei Tagen auf Fianna, sicher nichts als Acker, aber vermutich mit frischer Saat.

Wir freuen uns darauf.

Ein ganz besonderer Dank geht an Leistungsrichter Wolfgang Dill, der nach unserer Meinung eine herausragende Richterleistung erbrachte. Herzlichen Dank auch an die Hovawart-ÜG Taubertal für die herzliche Gastfreundschaft, die schmackige Küche sowie eine sehr engagierte und hervorragende Organisation.