31.10.2010 – BH und FH: Hedda und Fianna in großer Form

0P8A5306 7 250Fianna bei ihrer FH2Am0P8A5297 4 250Heddas erster Prfungsauftritt Halloween-Samstag sind Hedda und Fianna in Woringen im Unterallgäu das erste und letzte Mal in diesem Jahr zu großer Form aufgelaufen: Hedda besteht die Begleithundeprüfung (BH) und Fianna beschließt das Seuchenjahr 2020 mit einer überzeugenden IFH 2. Bis zur letzten Minute hingen ihre Auftritte an einem seidenen Faden.

Werfen wir erst einen Blick auf Hedda, weil "der Zwerg" in jüngster Vergangenheit wegen Fiannas Fährtenleidenschaft ein bisschen ins Abseits geraten war. Nur wegen Fiannas Teilnahmen an der Bayerischen Meisterschaft und zwei Deutschen Meisterschaften mit den dazugehörigen Quali- und Trainingseisätzen waren 2019 alle BH-Prüfungstermine für Hedda von Fianna belegt: Meisterschaften sind wichtiger als das Seepferdchen. Punktum! Ist ja auch nicht schlimm, denkt man, und verschiebt Heddas sportliche Eignungsprüfung eben auf das Frühjahr 2020. Doch da waren dann alle Termine von einer unheiligen Dame namens Corona belegt. Rien ne va plus. Lockdown mit eingebauter Spaßbremse.

Als die finstere Lady im Sommer Kraft für einen neuen Anlauf tankte, konnte man durchatmen und einen Prüfungstermin in Woringen buchen: 31. Oktober. Halloween eben, passend für jeden Prüfling: Süßes oder Saures. Die finstere Dame Corona war allerdings nach ihrem und unserem Urlaub wieder zu besten Kräften gekommen und beglückte seither Stadt und Land mit ihrer kraftvollen Präsenz – Urbi et Orbi – und streckte mal eben im Vorübergehen den auserwählten Leistungsrichter für Woringen nieder: Quarantäne. Kein Richter, kaum zwei Tage vor der Prüfung. Donnerstagabend.

0P8A5285 2 250FußlaufenJetzt0P8A5282 1 250Fußlaufen glühen die Drähte, die Köpfe rauchen, die Herzen werden wurmstichig: Eine bestens gefüllte Prüfung, Lumpensammler und definitiv letzte Bewährungschance für alle Teilnehmer vor dem neuerlich angekündigten Lockdown ab 2. November, steht mit mehr als einem Bein im Abgrund. Verzweifelte Teilnehmer, hyperventilierende Gastgeber, die Wochen aufopfernder Planung und Vorbereitung im Müll verschwinden sehen. Doch dann kommt doch noch ein Lichtlein daher, nicht vom RZV, aber vom BLV (Bayerischer Landesverband für Hundesport): Wolfgang Wolf, alter Hovawartler und der Rasse noch immer sehr verbunden, hat Zeit und steht zur Verfügung. Aber ein Leistungsrichter eines anderen Verbands kann nicht einfach aus reiner Verbundenheit Feuerwehr spielen, dazu braucht es eine offizielle Genehmigung der zuständigen Richterobleute beider Verbände. Also glühen die Drähte und digitalen Kommunikationskanäle weiter. Nach 22 Uhr am Donnerstagabend kann so etwas schon an die Nervensubstanz gehen und eine unruhige Nacht auslösen. Doch am Freitagmittag ist schließlich alles in trockenen Tüchern: Die Prüfung in Woringen hat alle nötigen Segen. Die Atmungen werden flacher, die Herzen schlagen höher – vor Erleichterung und Lampenfieber. 

0P8A5301 5 250Vorsitz nach dem AbrufenDann 0P8A5295 3 250Letzte Grundstellung - Unterordnung beendetist es für Hedda soweit. Das Allgäuer Wetter ist nach dem Regen der vergangenen Tage geradezu kaiserlich anstatt süß-sauer gruselig. Und Hedda zaubert eine gespenstisch formidable BH-Unterordnung auf den Platz, die vom Leistungsrichter in zwei Worten zusammengefasst wird: "Vorzüglich" und "Eine solche Vorstellung erwartet man als Richter bei einer BH normalerweise nicht". Süßes für den Richter! Und Schmelz in unseren Ohren. Den Verkehrsteil nach den stärkenden (und sehr mundenden) Kässpatzen absolviert sie souverän, obwohl der Richter die Prüflinge ganz schön herausfordert. Aber: Sie lässt sich nicht provozieren, außer zum erwünscht neutralen Verhalten. Hedda ist nun eine ordnungsgemäß geprüfte und besiegelte Begleithündin und darf sich ab sofort zu sportlichen Höhenflügen aufmachen – wenn sich die Gelegenheit dazu irgendwann wieder einmal ergeben sollte.

Fiannas 0P8A5305 6 250Fiannas Start in die FH2heutiger Fährteneinsatz liegt ebenfalls in den Machenschaften der finsteren Corona begründet. Nach ihren vielfältigen Auftritten in deutschen und bayerischen Meisterschaften letztes Jahr, war sie im Frühjahr wegen Kontaktbeschränkungen und im Sommer wegen der Ferienpause zur Untätigkeit gezwungen, wartete aber geduldig auf noch höhere Weihen; sie war nämlich als Ersatzstarterin bei der IHF-WM in Schwerin (Ende Oktober) und bei der VDH-DM in Sachsen (Ende November) qualifiziert. Die WM wurde schon bald, nachdem die internationalen Inzidenz-Zahlen in die Höhe schnellten, abgesagt, weil bei einer WM nun einmal Teilnehmer aus der halben Welt, zumindest aus Europa zusammentreffen. Das war schon bald undenkbar. Die Entwicklung der Pandemie machte auch ein vorzeitiges Ende der DM erwartbar, weshalb wir die Prüfung in Woringen nutzen wollten, um Fianna wenigstens einen Einsatz unter Prüfungsbedingungen zu gönnen. Außerdem, so das Kalkül, hätte sie bei einem Ergebnis über 90 Punkte schon jetzt ein Quali-Ergebnis fürs nächste Jahr in der Tasche, falls sie dann noch Lust auf die große Welt hat und fit genug ist. Direkt nach der Ankündigung der bundesweiten Kontaktbeschränkungen ab 2. November war dann auch die DM für dieses Jahr Geschichte und das Unterallgäu der Nabel und die letzte Ausfahrt für Fährtensportler, was in je drei IHF 1 und IHF 2 seinen Ausdruck fand.

0P8A5316 8 250FH2 beendet mit 91 PunktenWegen der Umstände und geringen Erwartungen für dieses Jahr, hatte es Fianna im Training mehr als beschaulich angehen lassen, und die letzten Trainingsfährten, in der sehr spärlichen Hoffnung auf die WM oder DM, fanden allesamt auf Acker statt. Prompt zieht Fianna heute eine Allgäuer Futterwiese. Die beherrscht sie zwar anstandslos, macht sie aber auch ein wenig nachlässig: a g'mahts Wieserl eben (Amtsdeutsch: eine gemähte Wiese = ein Selbstläufer). Am Abgang zeigt sie, was sie auch schon letztes Jahr mehrmals neu ins Programm genommen hatte: Sie nimmt den Abgang nicht an, bleibt nach wenigen Schritten stehen, kehrt um: Was soll das alles?, macht sich dann doch sehr zögerlich auf den Weg, legt sich mal kurz hin, erkennt ihren Fehler, steht auf und geht weiter – von da an entschlossen, sicher und zielstrebig, findet alle Gegenstände und Winkel, lässt sich auch durch keine Verleitung vom rechten Weg abbringen und macht Frauchen, den Richter und die Schlachtenbummler glücklich. Nach strammen und schließlich souverän gemeisterten 1.250 Metern, händigt ihr Wolfi Wolf 91 Punkte aus, die ohne ihre Startzicken ein starkes Vorzüglich hätten sein können. Aber wir machen ihr keine Vorwürfe, sondern nur uns Gedanken, woran diese Unentschlossenheit am Start liegt und wie wir sie abstellen können. Die Zuschauer sind trotzdem von ihr begeistert und mit 91 Punkten hat sie auch die Quali-Hürde genommen. Was will man mehr? Nichts. Am Ende des Jahres ist tatsächlich alles gut.

0P8A5340 11 250Heike mit Hedda und Siggi mit Enzo: gemeinsam stark und die BH bestandenWir danken den Hovawartfreunden Allgäu um Caro Karrer für ihre engagierte und liebevolle Vorbereitung und für die Herzlichkeit mit der wir alle willkommen waren.

Ganz besonders danken wir dem Leistungsrichter Wolfgang Wolf, der da war, als er gebraucht wurde und einen makellosen Job machte. Ohne ihn würden wir jetzt alle über unser Pech im Speziellen und der Bosheit des Universums im Allgemeinen lamentieren.

Rainer Albrecht hat sich als Langstreckenläufer beim Legen der IHF-Fährten ein Sonderlob verdient, nicht nur, weil er sehr faire Fährten ins Unterallgäu stapfte, sondern weil er, seit einem Tag von seiner Motsi mit sechs Welpen reichlich beschert, eigentlich lieber in der Krabbelkiste gesessen wäre.

Und nicht vergessen dürfen wir Michael Kunze (Richterobmann des RZV) und Edgar Huber (Leistungsrichterobmann des BLV), die schnell und unbürokratisch im Sinne der Prüfungsteilnehmer ihre verbandsübergreifende Zustimmung für Wolfis Einsatz gegeben haben. Das muss nicht immer so sein, ist aber immer zum Wohl des Hundesports.

Euch allen: Herzlichen Dank von Hedda, Fianna und dem ganzen Bairischen Blues.