18.07.2009 - Chilli ist geprüfter Begleithund, Franzi macht die FPR 2

Am 18. Juli hat Chilli (Chrissi) in Königsdorf die Begleithundeprüfung erfolgreich abgelegt. Wir graulieren ihr und Hummel von ganzem Herzen. Carla hat es auch probiert, muss aber nachsitzen. Franzi hat die FPR 2 abgelegt und Anouk ist auf der FH 1 abgesoffen.

Der Bairische Blues war die Prüfung der ÜG Starnberg in Königsdorf schwungvoll und guter Dinge angegangen: Eifer pur auf allen Seiten. Geplant war die FH 1 für Anouk, die VPG 2 für Franzi und die BH-Prüfung für Carla und Chilli. Besonders gefreut hat uns die Meldung von Franzis Schwester Farah für die FH 2.

Am Ende stand dann eine eiskalte Dusche. Das erste Aus kam am Montag vor der Prüfung für Franzi. Ein Trainingsmalheur vermieste ihr die Lust am Schutzdienst dermaßen, dass auch eilige Reparaturmaßnahmen während der Woche nur unzureichend Abhilfe schaffen konnten. Um Schlimmeres zu verhindern, wurde Franzi auf die FPR 2 umgebucht, die VPG 2 auf später verschoben.

Dass diese Prüfung noch einige Überraschungen in petto haben sollte, zeigte sich bei der Auswahl des Fährtengeländes. Fünf FPR-Fährten, eine FH 1 und eine FH 2 erforden reichlich Gelände, was im Juli gewöhnlich in zweierlei Gestalt anzutreffen ist: kniehoch oder raspelkurz gemäht und vergüllt. Die Fährtenexperten leisteten Generalsstabsarbeit, um überhaupt mit dem verfügbaren Gelände klar zu kommen. Die FPR-Fährten sollten in eine wadenhohe fette Wiese gelegt werden, die FH-Fährten wurden in eine komplexe Geländestruktur hinein geschneidert, bei der die FH 1 etwa zur Hälfte frisch gemäht, die FH 2 dagegen zum Teil überschwemmungsgefährdet war. Den Mutigen hält halt nichts auf... - selbst dann nicht, wenn er zur Kenntnis nehmen muss, dass das FH 1-Gelände drei Tage vor der Prüfung aus vollem Herzen gedüngt wurde.

Am frühen Morgen des Prüfungstages öffnete der Himmel seine Schleusen und ergoss endlose Wassermassen über das bayerische Oberland. Den Fährtenlegern schwante wohl schon morgens um 5 Uhr, dass ihre Arbeit, zumindest für die lange liegenden FH-Fährten, für die Katz oder gar für den Biber sein würde. Gegen 7 Uhr machte sich Franzi auf, die FPR 2 abzusuchen, stapfte wacker durchs Grünzeug, ließ sich nur gelegentlich - ganz Else Kling - von den Schlachtenbummlern und deren Reden ablenken, aber von keinem Winkel aus der Spur bringen, verwies bombensicher und brachte schließlich 91 Punkte mit nach Hause. Da fiel ein Stein vom Herzen und plumpste in die Sintflut.

Dann musste Anouk in den FH 1-Ring, über dem der Geruch der aufgeschwemmten Gülle waberte. Richter Jais hatte noch “kleine” Änderungen am Gesamtzuschnitt des Fährtenverlaufes vorgenommen, sodass nun die ersten drei Viertel der Fährte im gülleverklappten Stoppelfeld mit tischgroßen Brachen lagen. Anouk ging es zügig an, nahm den ersten Gegenstand ohne weiteres, bog um den ersten Winkel, hinein ins aufgeweichte Mistfeld, war irritiert, suchte, irrte, suchte verzweifelt, querte die Fährte mehrmals, ohne irgendeine Reaktion erkennen zu lassen und stand verzweifelt im Nirwana des Odeldunstes. Erst flog das Handtuch und dann Anouk mit 13 Punkten aus dem tränentriefenden Fährtenhimmel (FH). Man muss nicht jede bescheidene Leistung aufs Schuhwerk, aufs schlechte Wetter oder einen missgelaunten Richter schieben, in diesem Fall darf man aber, ohne rot zu werden, dem bayerischen Monsun die Schuld in die Schuhe schieben.

Ob das Wetter tatsächlich in Haftung genommen werden darf, musste sich dann bei der FH 2 von Franzis munterer und fährtenharten Schwester Farah zeigen. Ihre Fährte lag in tiefem Gras mit Tümpelchen. Farah legte auch schön eifrig los, nahm den ersten Gegenstand routiniert, stiefelte zügig in die Verleitung, bescherte ihrem Führer eine Kneippsche Heiß-Kalt-Anwendung (außen 8 Grad, innen gefühlte 40 Grad), entschied sich nach endlosen Sekunden des Hoffens und Bangens zur Umkehr, nahm die Fährte wieder auf, genehmigte sich zum Frühstück ein bayerisches Mäuslein und anschließend - comme il faut - oberbayerischen Wasserspinat für die Verdauung, zeigte fortan ein durchaus fröhliches Wandern, Hüpfen, Hopsen mit ruderndem Schwänzlein, meisterte auch den einen und anderen Tümpel, immer auf der Suche nach dem rechten Weg, nahm noch einen Gegenstand mit und stach zielsicher in die zweite Verleitung, von der sie sich nicht durch Geld und gute Worte wieder abbringen lassen wollte, weil dies hier schließlich, eine halbe Stunde vor Suchbeginn gelegt, die einzig nachweisbare Duftspur sei. Recht hatte sie, war aber ebenfalls im Duftvakuum des Monsuns verloren und verratzt: 28 Punkte, auch nicht genug um sie als wärmend wahrzunehmen.

Wer sich wundert, dass es bis hierher noch immer kein Bild von den bayerischen Wasserartisten zu sehen bekam, kann beim nächsten Mal auf ein Fotoengagement hoffen. Ersatzkameras werden im Schadensfall aber nicht gestellt.

Die Geschichte von Chillis und Carlas BH-Prüfung ist schnell erzählt. BH-Prüfung von Carla vom Bairischen BluesCarla zeigte sich von jener Seite, die auch der Mond hat und die der Erde immer abgewandt ist und deshalb die finstere genannt wird. Schlecht gelaunt stapfte sie neben ihrer Ines her, war sturer noch als ihr Fläschchenhalter der ersten Tage gelegentlich sein kann und bewegte ihren A.... (sorry) am muntersten, wo sie ihn hätte stillhalten sollen: in der Ablage. Selbst einem Richter mit veregneten Augengläsern konnte eine solche Regelferne nicht verborgen bleiben. Exit. Wir schreiben ihr deshalb ins Stammbuch, dass Hundesport erstens nicht nur unter blauem Himmel betrieben wird und zweitens ihre Versessenheit auf den Schutzdienst nicht von Erfolg gekrönt sein wird, wenn sie sich nicht auch mit den Bäh-Disziplinen versöhnt.

Chilli, die Unmürrische nahm die Zumutungen auf die leichte Schulter, gab sich Mühe und dachte sich wohl, dass sie Frauchen einen Gefallen schuldig sei, wenn sie schon extra wegen ihr so weit gefahren war. Lack und Leder, wie bei der ZTP, waren hier nicht im Spiel und so machte sie ihre Sache gut und routiniert. Im Verkehrsteil ließ sie erwartungsgemäß nichts mehr anbrennen und darf sich jetzt mit dem Titel Begleithund schmücken. Hummel bei der BH-Prüfungchilli vom Bairischen Blues  bei der BH-PrüfungWir gratulieren Hummel und Chilli ganz herzlich und freuen uns mit ihnen ganz sakrisch - und für Carla haben wir auch noch einen Trost: ihre Mama hat die BH im ersten Anlauf auch nur geschafft, weil ein abgezockter Prüfungsleiter dem Richter so die Ohren zutextete, dass dieser sich dauernd auf der Flucht befand und keine Augen mehr für Anouks Performance hatte. Darauf, liebe Carla, darf man aber auch in drei Leben höchstens einmal hoffen.

Und dann, ganz zum Schluss, als der Basco aus dem Goldachtal seine gefühlte 47. VPG 3-Unterordnung zum Vortrag brachte, hatte Franzi doch noch ihren Auftritt - als “Blindenhund” oder Mitführhund, wie es offiziell heißt, einer also, der während der Ablagezeit des Prüflings eine Unterordnung zelebrieren muss. Franzi nutzte ihren Auftritt, immer gut für eine Pointe, für den einzigen echten Aufreger des Tages (wenn man vom meteorologischen Dauerärgernis absieht), weil sie im Matsch und mit getrübtem Blick den Absprung an der Hürde verpasste, diese rasierte und wie ein Albatros zu Boden ging - das Beuteholz unerschütterlich fest im Fang. Vielleicht sollte man in Betracht ziehen, für solche und ähnliche Ausstiege aus der vorgesehenen Rolle bei allen Prüfungen einen “Goldenen Albatros” auszuloben. Wir müssten in diesem Falle über eine Voliere nachdenken.

Franzi in der UnterordnungFranzi beim SprungFranzi beim SprungFranzi im Vorsitz

Noch ein Gedanke zum Schluss. Aus den Reihen der gescheiterten BH-Prüflinge wurden Vorwürfe laut, welche die Leistung des Richters betreffen, vor allem, weil er die fast irregulären Bedingungen in seiner Bewertung hätte berücksichtigen müssen. Dafür gibt es aus unserer Sicht keinen Grund; die Bewertungen von Josef Jais waren transparent, nachvollziehbar, für alle gleich und somit absolut korrekt und untadelig. Es wäre schön, wenn man die Verhältnisse zurechtrücken könnte, zumal die meisten BH-Prüflinge fortan in der hundesportlichen Kiste verschwinden und nie wieder gesehen werden. Die Frage, wen sie dann mit ihrem perfekten Vorsitz beeindrucken sollen, bleibt leider unbeantwortet.

ABER... man darf schon einmal die grundsätzliche Frage stellen, warum BH-Prüfungen durchgängig auf einem Niveau gerichtet werden, die ihrem Zweck und dem Niveau der Kandidaten meist nicht gerecht wird. “Der Hund könnte etwas enger gehen”, die Wendungen könnten etwas enger sein”, “das Sitz darf man etwas flotter erwarten”, “die Grundstellung könnte korrekter sein und der Vorsitz ist zu schräg”. Natürlich könnte, dürfte und sollte das alles erwartet werden dürfen - wenn man zu einer klassischen Unterordnung in VPG, THS oder Obedience antritt. BH steht jedoch für Begleithund und in dieser Prüfung soll der Hund Gehorsam und Führigkeit für den Alltag nachweisen, nicht seine Tauglichkeit für höhere Aufgaben. Die BH-Prüfung ist zur Allgemeinen Hochschulreife für Hunde verkommen - nur dass man Schülern inzwischen weniger Reife abverlangt als den Hunden. Unsere Fixierung auf den Hundesport verstellt uns den Blick auf Familien und die Gesellschaft jenseits des Hundesports. Es muss ja nicht so weit kommen, dass, wie wir das vor Jahren bei einem anderen Rasseverband erlebt haben, Hunde, die geräumige Achten und konzentrische Kreise um ihren Hundeführer schnüffelten, die BH-Reife bestätigt bekamen, weil sie auf Kommando immer wieder zu ihrem Hundeführer zurückkamen und beim Schuss (den es damals noch gab) nicht beeindruckt waren. So weit muss das Regelwerk nicht ausgelegt werden. Aber die Leistung mit dem eigentlichen Zweck der Prüfung abgleichen, das dürfte schon sein. Entlarvend ist in diesem Zusammenhang, dass der Verkehrsteil, der im Grunde das Herzstück für die Prüfung eines Begleithundes sein sollte, meist zur Farce verkommt, der Vorsitz aber schulmäßig zu sein hat.

Es wäre schön, wenn man die Verhältnisse zurechtrücken könnte, zumal die meisten BH-Prüflinge fortan in der hundesportlichen Kiste verschwinden und nie wieder gesehen werden. Die Frage, wen sie dann mit ihrem perfekten Vorsitz beeindrucken sollen, bleibt leider unbeantwortet.

 

Alle Ergebnisse und weiter Bilder gibt es auf der Seite der Hovawart Übungsgruppe Starnberg.