14.04.2011 - Anouks 10. Geburtstag

Anuschka vom Haselrieder Wald feiert ihren 10. Geburtstag

10 Jahre Anouk!

Was schenkt und schuldet man einer Herzenshündin zum 10. Geburtstag? Eine Bergwanderung! Wenig, was sie mehr begeistern würde. Aber die Tage vorher war der Winter wieder durchs Land gezogen und hat Schnee liegen gelassen. Also: Aufgeschoben, aber nicht aufgehoben.

Nichts tun wäre für diesen „Runden“ aber viel weniger als nichts. So packen wir die Mädels und fahren am späten Nachmittag auf den Hundeplatz nach Deggendorf – Anouk bekommt einen richtigen Geburtstagsschutzdienst vom Feinsten serviert. Dieses Vergnügen ist zwar sehr viel kürzer als die Bergwanderung, aber dafür würde sie sogar jeden Gipfel in die Tonne treten. Ein Kerl in Leder (oder auch Synthetik – wurscht) ist das höchste Glücksgefühl für die rüstige Rentnerin. Und wie sie sich rein schmeißt, immer noch mit heißem Herzen, und wie sie stolz wie eine blonde Carmen den erbeuteten Arm ins Auto defiliert. Eine Wolke aus Stolz und Glück und Stärke: Noch ist’s nichts mit dem Alten Eisen, noch steh ich zur Verfügung, Herrschaften, noch knirschen die Knochen überhörbar, noch ist das Auge scharf und unbestechlich, noch krieg ich euch beim ersten Zucker, noch immer gilt: bleibt stehen, wenn ihr Kerle seid. Tusch!  

Anouks Geburtstagsschutzdienst Anouks Geburtstagsschutzdienst Anouks Geburtstagsschutzdienst Anouks Geburtstagsschutzdienst4

Im Anschluss servieren wir einen Kuchen aus Fleischspezialitäten, Ochsenschwanz, Cerealien, erlesenen Kräutern, Frischei und viel Liebe, bei dem nur die Kerzenbeleuchtung dem Wind zum Opfer fällt. Mit der Jubilarin feiern ihre Töchter Blixa und Benta, Neffe Dacapo und Nichte Daxi sowie, selbstredend, Busenfreundin Franzi, der um ein Haar der ganze Kuchen zum Opfer gefallen wäre - also irgendwie doch ein ganz normaler Lebenstag auf Premiumniveau.

Anouk mit Kuchen im Kreise ihrer Lieben
Anouk mit Franzi, Blixa, Daxi, Dacapo und Benta
Anouk und Franzi mit Geburtstagskuchen
Franzi bewährt sich wieder mal als Vorkoster

Und was sind wir der Dame jetzt noch schuldig? Ein Dankeschön und ein Blick zurück.

Es schmerzt in der Brust angesichts der stolzen Zehn. Waren wir nicht immer der Ansicht, dass alles über 10 geschenkte Jahre sind bei Hunden dieser Größe? Geschenkt – wir wollen nicht dran denken. Wir alle sind auf einem Laufband, dem der Not-Aus-Knopf fehlt. Wir alle fahren unwiderruflich gegen eine schwarze Wand.

Doch noch bist du nicht Vergangenheit, liebe Anouk, sondern lebensfrohe Gegenwart, es ist noch alles fast so frisch wie damals, als du in unser Leben tratst.

Im Grunde genommen bist du ja ein schwarzmarkener Rüde, den wollten wir nämlich, aber uns wurde mitgeteilt, dass sich unser Wunsch gut mit der Wirklichkeit träfe, weil noch eine blonde Hündin zu vergeben sei. So wurde aus dem schwarzmarkenen Rüden eine blonde Rüdin. Volltreffer!

Der erste Besuch bei dir im Alter von vier Wochen mit dem Hinweis der Züchterin, dass du möglicherweise einst einen Zuchtausschluss bekommen könntest, weil du so hell warst (ehrlich gesagt warst du fast weiß mit nougatfarbenen Ohren und Fersen). Aber wir wollten nicht züchten, hatten dafür ja auch gar keine Zeit, wir wollten nur dich, obwohl du für uns kein Auge übrig hattest und trotzig dein Tageswerk verrichtetest.

Und dann die Welpenzeit, als du kleine Madame mit unverschämtem Selbstverständnis und Selbstvertrauen vom ersten Tag an einfach da warst, dazu gehört und deinen Platz besetzt hast. Plötzlich hatten wir zwei neue Mitbewohner: Anuschka und ihren Charme.

Die Flegelzeit in der Pubertät, als plötzlich ohne Ankündigung Radfahrer, Hunde, Jogger und Spaziergänger aufs Korn genommen wurden und wir mehr Hände gebraucht hätten als wir hatten. Unserer Zuneigung tat das keinen Abbruch.

Die Jagdzeit, als plötzlich Reh, Fuchs und Hase nicht mehr in die Landschaft gehörten, sondern mit Feuereifer verjagt werden mussten. Da hattest du dann plötzlich keine blonden Ohren mehr, sondern rote – und wir auch. Du hast uns verziehen und wir dir sowieso.

Die ersten Jahre auf dem Hundeplatz, als wir noch so wenig vom Hundesport wussten und dir, zu unserer Schande, unter der Anleitung noch einfältigerer Ausbilder gelegentlich die Würde nahmen und den Stolz. Und auch das hast du uns alles verziehen und bist ohne Vorwürfe im Blick mit uns wieder nach Hause gefahren und hast dich zu uns gelegt, als wäre nichts gewesen. Dein Herz war größer als unser Hirn.

Dann bist du dunkler geworden und eine Frau und hast die Zuchtzulassungen mit Bravour bestanden. Und wir änderten unsere Pläne und dachten fortan an Kinder.

Dann kamen die ersten Kinder, denen du deine ganze Mutterliebe schenken konntest, denen du aber auch eine allzu liebe Mama warst, ohne sie in ihre Schranken zu weisen. Es war eine Leidenszeit im Mutterglück.

Und als die ersten Flegel aus dem Haus waren, kam der nächste Flegel: Franzi. Ihr warst du vom ersten Tag an eine herzensgute Freundin, hast sie geleitet, gewärmt, nie ausgegrenzt oder mit Eifersucht verfolgt, hast ihr ihren Platz gewiesen und gelassen und gezeigt, dass du vom großen Fach bist. Bis heute bist du ihr ein Herz und eine Seele und eine sanfte Berührung.

Im Hundesport hat es dann auch noch geklappt, weil wir endlich auf deinem Niveau ankamen, die richtigen Leute fanden, die dir deine Altlasten entsorgten. Und dann hast du die VPG 1 bestanden, der du nach den Vorhersagen der Experten ewig hättest hinterher hecheln müssen und zu ihrer Schande hast du es sogar noch bis zur VPG 3 gebracht – und das so ganz neben zwei  weiteren Mutterschaften. Der Sport, der dir früher Leiden verschaffte, ist heute deine Leidenschaft. Und uns kommen fast die Tränen wegen unserer Dummheit, all der vertanen Chancen und ob deiner unzerstörbaren Begeisterung. 

Deinen zwei weiteren Würfen warst du eine liebevolle und strenge Mama. So sehr du für deine Kinder da warst, so sehr hast du sie in den Wochen bei uns mit Nachdruck erzogen und ihnen Regeln im Umgang mit dir und uns beigebracht. Du hast gelernt und bist gewachsen. Deine Kinder wissen dich bis auf den heutigen Tag zu schätzen.

Bei Franzis Kinder durftest du deine Tantenqualitäten leben: Du hast ihr zwar die Arbeit nicht abgenommen, sie aber angeleitet, deine Erfahrungen mit ihr geteilt und sie vor allem in den aufreibenden letzten Wochen handfest unterstützt und entlastet.

Die Jahre haben aus der starken Frau eine souveräne Dame gemacht. Wir sind uns einig geworden und eins, wir verstehen uns und respektieren uns, wir haben blindes Vertrauen, es passt kein Blatt Papier zwischen uns. Du weißt uns zu nehmen und wir kennen alle deine Schliche. Wir sind zusammengewachsen und blühen nun gemeinsam auf einem Holz.

Wir kennen deine großen Leidenschaften und teilen sie mit dir: Bergtouren, Besuche bei  Menschen, die dir Freunde sind, die Besuche deiner Kinder, Hundeplatz, Ballspiele, Fährtenarbeit, Urlaube, vor allem, wo es Berge, viel Wasser und Hasen gibt (am besten alles zusammen) und deine Leidenschaft für Restaurantbesuche. Wo es uns gut geht, bist du zu Hause und mit dir im Reinen.

Aber es gibt auch Dinge, die du nicht oder nur unter Protest an dich heran lässt. Und wer dich kennt, weiß, wie Protest bei dir aussieht, er ist Boykott und wird von dir mit einem unermesslich widerständigen Gesicht quittiert: Trockenfutter (vor allem morgens), Fahrradfahren, Joggen und langweilige Spaziergänge auf asphaltierten Wegen, wo man befürchtet einen Krankenwagen für dich besorgen zu müssen, weil du deinem Alter körperlich schon Jahre vorweg geeilt bist. Du bist keine Rosstäuscherin, du bist unbeugsam und ehrlich: du hältst nichts zurück und für dich, schon gar nicht deinen Widerwillen.

Aber auch dafür lieben wir dich, für deine Zickigkeiten, für deine Stinkstiefeligkeiten und deiner diplomatiefreien Durchsetzungsfähigkeit mit dem einladenden Blick eines klaren Kratersees. Du bist ein Teil von uns geworden und hast uns zu einem Teil von dir gemacht. Der Kopf weiß, dass das ewige Leben auch dir nicht geschenkt sein wird – aber das Herz wünscht sich eine Revolution in Sachen Unsterblichkeit.

Noch gibt es keinen Grund zur Sorge – du bist für dein Alter fit und stehst mitten im Leben. So sollte es, wenn es nach uns ginge, noch lange bleiben. Denn wir können nicht genug von dir kriegen.

Nach dem Geburtstagsschutzdienst haben wir uns dann am Day After, also am 15. April, doch noch auf die Socken, d.h. in die Berge gemacht. Auf die Hochries bei Samerberg sind wir mit dir und Franzi gestiegen, gute zwei Stunden hinauf und knappe zwei Stunden runter, durch Matsch und Schnee, bei frostigem Wind in Nebel und Schneeflimmern – und du immer vorn weg (nur auf der asphaltierten Fahrstraße zum Schluss hast du, wie üblich, dein Missfallen unmissverständlich kund getan). Dass es keine Erschöpfung war, hast du uns fast vier Stunden beschämend genug vorgeführt: immer mehrere Biegungen vorweg, mit langem Hals um die Ecke schielend, mit immer der gleichen Frage im Blick: Wo seid ihr denn, hollaraidulljöh, geht’s nicht vielleicht ein bisschen schneller? Wie sehr man sich doch glücklich fühlen kann, wenn man vorgeführt wird! Und am Day After dem Day After haben wir dann alle Muskelkater (außer Franzi natürlich) und haben noch einen Tag länger eine Erinnerung an deinen 10. Geburtstag.

Anouks Geburtstagswanderung auf die Hochries Anouks Geburtstagswanderung auf die Hochries Anouks Geburtstagswanderung auf die Hochries
Anouks Geburtstagswanderung auf die Hochries Anouks Geburtstagswanderung auf die Hochries Anouks Geburtstagswanderung auf die Hochries