30.04.2011 - Franzi packt die VPG 3 und Daxi zeigt eine überzeugende VPG 1

Franzi und Heike haben gut lachenNach der VPG 2 vor zwei Jahren und der Mutterschaft im vergangenen Jahr sollte Franzi heuer die VPG 3 in Angriff nehmen, angesichts ihrer 7 Lenze möglicherweise der Schluss- und Höhepunkt ihrer Sportlerlaufbahn und auch ein Aufbruch zu neuen Ufern - denen der intensivierten Fährtenarbeit und des Hinausgleitens in den hundesportlichen Unruhestand. Zumindest der Aufbruch zu neuen Ufern bahnte sich an, wenn auch anders als geplant.

Drei Umstände machen das Vorhaben zu einem ehrgeizigen. Da ist zuerst ein nahezu trainingsfreies Vorjahr (Welpen im Frühling, Frankreichurlaub im Sommer - und schon war das Jahr größtenteils dahin), ein Umstand der im kurzen Frühjahr 2011 nicht zu reparieren ist. Zweitens steckt die Rabennase fett in der Nachläufigkeit, die sie weich an Kopf und Gliedern macht und drittens hat sie sich, vielleicht sogar wegen dieses zweiten Umstands, im ABC-Kurs in Deggendorf ein bisschen am linken Hinterbein verletzt, was, alles zusammen, aus unserem strammen Franz ein Wehleidchen und eine Please-don't-touch-me-Jungfrau macht. Keine idealen Voraussetzungen, wie gesagt. Für die Prüfung spricht der Zeithorizont, weil die nächsten Prüfungen im Herbst vermutlich an den dann auf dem Höhepunkt befindlichen Familienplanungen für den F-Wurf scheitern würden und eine Prüfung im nächsten Frühjahr für sie zu spät käme - und an ihrer Schwester Farah, die den jetzigen Termin auch zu ihrem letztmöglichen ausgerufen hat. Da möchte man doch gern im Gleichschritt zu den höchsten Weihen schreiten.

Die Strategie ist also einfach: Über 90 Punkte auf der Fährte (Franzi sucht meist im Vorzüglich) bringen das Polster. In der Unterordnung werden wir Federn lassen, wei UO viel Fleiß und Disziplin ist (s.o.) und wir über die Hürde kommen müssen, der Franzi wegen ihres Auas am linken Hinterhax mit einigem Misstrauen begegnet. Im Schutzdienst sollte das meiste klappen, wenn auch wegen der Nachläufigkeit reichlich schaumgebremst. Ein Versuch lohnt also.

Auf zu neuen Ufern also, wie schon ganz oben verkündet. Das Ufer, zu dem wir uns am Morgen des 30. April 2011 aufmachen, heißt Mettenufer und ist eines der beliebtesten Fährtengelände rund um Deggendorf. Der Bewuchs steht noch in erträglicher Höhe, im Hintergrund schiebt die Franzi vom Fuchsiengarten auf der VPG 3-FährteDonau ihre Wellen talwärts und über den Akteuren lacht die frische Morgensonne. Pefekter geht nicht! Franzi gewinnt die Platzwahl und bekommt die erste Fährte, nimmt sie konzentriert auf, saugt sich fest, lässt sich von nichts beeindrucken, verweist den ersten Gegenstand auf dem ersten Schenkel präzise und schnell, pflügt routiniert in den ersten Winkel, wittert in der Mitte des zweiten Schenkels mal kurz, aber interessiert, in den Morgen, hoppala, denken sich die Schlachtenbummler, der Franz hebt die Nase, den zweiten Winkel nimmt sie gewohnt sicher, arbeitet sich weiter durchs Ufergras, fast möchte man sagen: erwartungsfroh aufmerksam - und macht plötzlich eine Rolle über Kopf, taucht ins Mettengras, suhlt sich im Ufergras wie ene Sau im Sumpf und alle wissen: Schei..., das ist kein Ungehorsam, das ist ein Fisch, ein toter, großer, modernder und unwiderstehlich stinkender. Alle stehen fassungslos und weiß wie der ausgebleichte Fisch dort unter Franzi. Frauchen gibt den Zauberer, um ihre Franzi weiter zu schieben, aber Franzi kommt zu ihr zurück, sagt 'Tschuldigung, ein Fisch, tut mir leid, was machen wir denn jetzt? Frauchen befiehlt sie wieder auf ihre Position, und Franzi schmeißt sich nochmal kopfüber ins stinkende Mettenglück. Nach endlos scheinenden Sekunden macht sie sich wieder auf den Weg und verweist den zweiten Gegenstand kurz darauf, als ob nichts gewesen wäre. In der Folge sieht man ihr an, dass sie um ihren Mist weiß, den sie gebaut hat, ist eifrig, zu eifrig, will alles wieder gut machen, macht auch nicht viel falsch, nur den letzten Gegenstand will sie besonders perfekt verweisen, fast schon am Uferdamm muss er doch endlich kommen, da, da ist er, Franzi schmeißt sich hin wie eiin Soldat bei Feindberührung - zwei Meter zu früh, es ist nicht der Gegenstand, sondern sein Geruch im Gegenwind, es ist ein fehlverwiesener Gegenstand. Der Richterspruch von Volker Tödheide ist so korrekt wie niederschmetternd: 71 Punkte. Gnadenerlass. Es geht weiter, aber die Prüfung ist jetzt schon praktisch im Dutt. Scheißfisch!  

Franzi über der HürdeIn der Unterordnung kommt alles wie vorgesehen. Franzi macht ihr Ding, aber mit der ihr eigenen Distanziertheit. Beim Hereinrufen kommt sie schräg zum Vorsitz und entscheidet sich fürs Rückwärtseinparken in die Grundstellung - das hat sie noch nie gemacht! und es geht auch nicht wirklich gut. Aber immerhin. Sie apportiert auf ebener Erde, nimmt an der Hürde den Hinsprung klaglos auf sich, bekommt für den Rücksprung sicherheitshalber nochmal ein Kommando, kommt rüber, streift aber ein bisschen und bringt die Übung mit Anstand zu Ende. Die Schrägwand ist kein Problem und das Voraus sieht eine Franzi, die sich auf Kommando dreht und hinschmeißt - aber eben nur in die franzitypische Sprungfederstellung. In der Ablage ist der Franz eine Bank und so bleiben am Ende leistungsgerechte 84 Punkte.

Franzi beim VPG 3-SchutzdienstDen Schutzdienst beginnt Franzi mit einem Kurzschluss: von Versteck 3 direkt auf 6, weiß um den Bock, den sie geschossen hat, schaut nach Frauchen, um deren Absolution einzuholen, vergisst das Bellen beim Verstellen, besinnt sich dann doch auf ihr Programm und spult es fortan ab, aber eben mit den nachläufigen Matschebeinen und der Watte im Kopf. Nein, sie macht alles, nur eben auf Zweitliga-Niveau: 81 Punkte.

236 Punkte gesamt sind kein Ergebnis, das man anstrebt, aber irgendwie fehlen mindestens 20 Fisch-Chips. So what: man muss die Dreier erst mal stehen unter diesen Umständen. Und eines rechnen wir unserer Franzi ganz hoch an: Sie hat nie aufgegeben, hat sich durchgebissen, hat gekämpft und sich am Ende ihre VPG 3-Prüfplakette rechtschaffen verdient. Jetzt freuen wir uns mit unserem Rabenfranz und nehmen ihm den Fisch überhaupt nicht mehr übel, der noch die nächsten zwei Tage das macht, was ein Fisch halt so macht: er stinkt vom Kopfe. Vom Kopfe der Franzi vom Fuchsiengarten, genauer gesagt. 

farah-schutzAn dieser Stelle macht es Sinn, sich direkt den Leistungen von Franzis Schwester Farah zuzuwenden, der wir innig genug verbunden sind, um ihren Weg mit familiärer Zuneigung zu verfolgen. Und wir haben Grund zur Freude - weil auf ihrer Fährte kein Fisch deponiert ist und sie deshalb zeigen kann, was sie drauf hat: 96 Punkte. Bingo! In der Unterordnung nehmen sich die Schwestern nicht viel, vor allem, weil auch Farah im Vorjahr wegen einer Muskelverhärtung und -verkrampfung fast komplett auf Eis gelegen hatte. Sie sammelt 2 Punkte weniger als Franzi: 82. Die 2 Punkte holt sie sich im Schutzdienst wieder, 83 Punkte, und zwar obwohl sie Franzis Kurzschluss noch zu toppen den Ehrgeiz hat: sie geht von 1 direkt auf 6 und verliert gleich überhaupt keine Zeit mit uneffizientem Zickzack über den Platz (allerdings ohne eine Spur des schlechten Gewissens zu zeigen, das ihre Schwester wenigstens offenbarte, im Gegenteil, den Helfer ím Versteck nimmt sie sich gleich richtig zur Brust). Das ergibt am Ende 261 absolut fischfreie Punkte. Ohne Fisch wäre der Sister-Act also mehr oder weniger auf Null ausgegangen. Wenn ...   

Die Königin der Deggendorfer Frühjahrsprüfung ist aber Daxi, die eine solide und souveräne VPG 1 zeigt, der nur die Reife fehlt: Käse und Wein schmecken erst im reifen Alter, aber in der Jugend geben sie ihr Potential schon zu erkennen.

Auf der Fährte leistet sich Daxi schon jetzt wenig, am Mettenufer ist sie, wegen der ungewohnten Anwesenheit von Frauchen, etwas fahriger als gewohnt, sucht sich aber dennoch zu unangefochtenen 94 Punkten. In der Unterordnung zeigt sie ebenfalls, was sie noch zu leisten in der Lage sein kann und bekommt zurecht Szenenapplaus beim Apportieren über die Hürde: Weil das Holz weit hinaus gerollt war und ihrem Herrchen in solchen Dingen noch die nötige Prüfungserfahrung fehlt, muss sie das Holz aus dieser ungünstigen Position holen, kommt sehr schräg zur Hürde, findet den Absprung nicht, zögert, steht, entsinnt sich ihres Auftrags, würgt sich aus dem Stand über das Hindernis und bringt das Holz pflichtschuldigst zurück. Dem Publikum entwindet sich zuerst ein Aufstöhnen des Entsetzens und dann Standing Ovations. Trotz der riesigen weißen Friedenstaube auf Daxis Brust, zeigt sie, dass unter einer solchen Verkleidung auch ein Kampfschwein stecken kann. Für diesen Kraftakt mit Schönheitsfehlern bekommt Daxi von LR Tödheide 84 Punkte.

daxi-tobiIm Schutzdienst lässt sie nichts anbrennen und belegt, dass in diesem Schlauch ein feiner Wein steckt, wenn er ausreifen kann: 89 Punkte in der VPG 1 sind aller Achtung wert. Am Ende trägt sie stolze 267 Punkte und die beste VPG-Prüfung nach Hause. Aus der feschen Blueserin mit Busentuch ist eine superflotte Fegerin geworden, die uns mit viel Freude und Stolz erfüllt. Immerhin ist sie nach Cento die Zweite vom Blues mit einer VPG im Lebenslauf, allerdings mit anderthalb Jahren weniger auf dem Buckel.

Wir gratulieren Daxi und Tobi von ganzem Herzen und freuen uns über ein ungewöhnlich harmonisches Team, das sich da gefunden hat. 

 

Die erfolgreichen Teilnehmer vom Bairischen Blues und vom Fuchsiengarten
Rainer Albrecht und Farah vom Fuchsiengarten, Heike Schubert und Franzi vom Fuchsiengarten und Tobias Heckmann mit Daxi vom Bairischen Blues haben allen Grund zum Lachen.
         

Franzis VPG 3 in Bildern

Daxis VPG 1 in Bildern 

Farahs VPG 3 in Bildern