22.09.2013 - Fianna, Fine und der Junior bei der Jugendbeurteilung

Am 22. September traten Fianna, Fine und Fetzer Jr. in Nürnberg zur Jugendbeurteilung an. Mit Zweien darf gejubelt werden.

 MG 7901 1Fianna wird begutachtetAls erste der drei Kandidaten musste Fianna in den Ring. Was sie in den folgenden 30 Minuten ablieferte, beschert uns noch 48 Stunden danach eine Maulsperre. Von ihrer Mama Franzi waren wir ja schon einiges gewohnt, weil sie durch JB und ZTP so selbstverständlich marschierte wie ein Maisbauer durch sein selbst angelegtes Labyrinth, aber von Fianna hatten wir eine solche Performance wirklich nicht erwartet (dementsprechend wackelig waren unsere Knie), weil Fianna sich als eher behäbige Checkerin erwiesen hat, so eine, die drei Monate braucht, um Schillers Glocke auswendig zu lernen, sie dann aber ein Leben lang nicht mehr vergisst.

Weil es einfacher ist, beginnen wir mit den Mängeln. Nach Ansicht von Körmeister Helge Ludwig ist sie etwas zu dick, was sich mit unserer Meinung deckt, aber ein Erbstück von ihrer Mama ist, die ebenfalls in der Nachläufigkeit etwas pummelig wurde, dann aber ganz fix wieder so staubtrocken wie ein Sandkuchen war. Da bleiben wir also gelassen. Der zweite Mangel, der ihr vorgehalten wird, ist ihre pränatale Schläfrigkeit bei der Markenzuteiluung, wobei sich allerdings auch hier unsere Meinung mit der des Körmeisters deckt, dass ein partiell einfarbiger Hund für die Zucht weniger bedenklich ist als ein bunter.

Das war es dann aber schon mit der Mängelliste! Auf dem Beurteilungsblatt für das Erscheinungsbild findet sich sonst nur „korrekt“. Nicht einmal die beim Rassezuchtverein inzwischen fast schon obligatorischen „losen Schultern“ wurden verteilt: Fianna ist vorne und hinten „gerade, senkrecht“. Warum hat uns denn noch keiner gesagt, dass wir eine Schöne Helena zuhause haben? Bestimmt sehen wir unsere Fianna ab sofort mit den Augen des Paris. Nur an den Marken ist halt nichts mehr zu retten. 

 MG 7944 1Fianna beim Spielen mit dem HelferUnd dann kam die Wesensbeurteilung – und die ist ausschließlich linksbündig: alles „korrekt“ und „++“! Ausgeprägtes Spielen und ausgeprägter Beutetrieb, unbefangen und sicher, nur Bestnoten. Und das geht auf dem Parcours so weiter: wieder alles linksbündig. Die Kleine gab sich keine Blöße, warnte bei den kritischen Stationen wie Overall, Pilzesammler und Schlitten kurz, stapfte dann aber breitbeinig auf die Störfaktoren zu und legte sie zu den Akten. Schusssicher ist sie auch - und wir sind uns sicher, dass sie einen Schuss hat. Zuletzt wird ihr sogar noch verbrieft, dass sie „lebhaft“ sei: darauf wären wir von selbst nicht gekommen!

Was haben wir uns denn da ins Haus geholt? Ist das überhaupt noch ein sterblicher Hund oder vielleicht doch eine Botschaft von Franzi aus dem Jenseits? Und wir hatten weiche Knie, weil wir der Schmusebacke nichts zutrauten. Wir verneigen unser Haupt vor Scham. Fianna, hochbegabte Tochter der Franzi und des Vögele Fetzers, wir leisten Abbitte und stehen tief in deiner Schuld. Aber natürlich platzen wir fast vor Stolz! Echt Hammer, ey! Wow, was für eine Schau!

Soviel wollen wir schon mal vorweg klarmachen: der Bursche, der mit unserer hochbegabten und linksbündigen Fianna dereinst Kinder schöpfen möchte, muss mindestens ebenso linksbündig sein, wenn nicht sogar linker. Also, eine bestandene ZTP natürlich vorausgesetzt …
Da rührt sich doch schon wieder der alte Kleinmut.

Nein: wer in ferrariroten Overall gekleideten und sich auf Schlitten fortbewegenden Pilzesammlern trotzt, macht auch vor Gespenstern nicht halt. Die anschließenden Umärmelungsorgien machten ihr jedenfalls mehr zu schaffen als alle Attacken aus dem Hinterhalt. Der Hund haut uns um!

 MG 7992 1Fetzer Jr. wie er leibt und lebtWenden wir uns nun dem Junior-Fetzer zu. Seine Erscheinungsbildbeurteilung sieht aus wie eine Kopie von Fiannas: Unbefangen, lustig, freundlich, triebig, temperamentvoll, Marken hat er im Gesicht auch keine, dafür ist er nicht zu dick, weil er halt auch nicht nachläufig ist. Die Herzen des Nürnberger Publikums eroberte er im Sturm, so sehr, dass sogar Übernahmeangebote platziert (und abgeschmettert) wurden. Fianna und Fetzi – ein Kopf und ein A…

Den Beginn des Parcours mit der Menschengruppe meisterte er ohne Federlesen, dem anschließenden Overall sprach er jedoch sein abgrundtiefes Misstrauen aus: er ging in die Luft wie das HB-Männchen und blieb auch dort oben. Für nichts in der Welt wollte er wieder runterkommen, keinen Lockungen, keinem flehentlichen Heischen wollte er entsprechen; er drehte am Rad wie ein aufgebrachter Hamster. Ende der Veranstaltung.

Selbst der wohlmeinendste Körmeister hätte nichts anderes als einen Strich unter die Bilanz ziehen können, eine Bilanz, die bis hierher ohne Makel war. Jetzt ist alles Makulatur. Da zogen sich Gesichter unmäßig in die Länge und es flossen bittere Tränen. Helge Ludwig versuchte sich in Schadensbegrenzung und verteilte rundum Trostpflaster, als er erklärte, dass temperamentvolle Hunde eben entsprechend heftiger reagieren als solche mit einer hohen Reizschwelle. Er hätte auch sagen können: Wenn ein Bräuwallach auf der Münchner Wiesn auf Zudringlichkeiten reagieren würde wie ein Araberhengst, gäbe es täglich Tote und eine Riesensauerei. Das alles ist so korrekt wie Fetzis Erscheinungsbild, aber taugt halt kaum zum Schmerzabbau. Dass der Juniorfetzer kein Jota seiner Beliebtheit verloren hatte, kann man daran ermessen, dass auch nach seinem Blackout die Übernahmeangebote wiederholt wurden. Und sie wurden wieder abgeschmettert. Das ist die ganz gute Botschaft.

Letztlich ist Fetzi Junior ein Opfer des 24-Monate-Limits für die Jugendbeurteilung, weil Jungmänner, vor allem die hochtourigen, in diesem Alter häufig noch völlig neben der Spur sind; Gehabe haben sie genug und Flausen auch nicht zu wenig, aber Substanz haben sie noch keine; da sind sie, wie alle Männlein der Welt, den Frauen um mehr als eine Rutenlänge unterlegen. Ein paar Monate und Substanzringe später hätte der Junior ebenso bestochen wie seine Schwester. Aber es ist ja noch nichts verloren. Auf ein Neues, Fetzi. Und leck deinem Frauchen die Tränen ab. Das ist das Mindeste, das du jetzt tun kannst. Für uns bleibst du sowieso nichts anderes als der Herzensbrecher, der du immer warst. Wegen einer vergeigten JB lassen wir kein Blatt Papier zwischen uns schieben. Wär ja noch schöner. Einstein ist schließlich auch mal durchgefallen. Und wie viele Doofköppe haben eine makellose Karriere ausgerollt?

 MG 8036 1Fine und SophieZum Abschluss des Tages musste die heiße Fine ins Gefecht. An der Führlonge brachte sie Sophie mit, das ehemalige Endmoränchen der frühen Blues-Würfe. Sophies Expertise in Sachen Hund beschränkt sich auf die Erinnerung an die Beseitigung von Darmrückständen. Diesen Plichten widmete sie sich seinerzeit mit bestechendem Engagement, einem weiteren Kompetenzaufbau standen jedoch die vielfältigen Pflichten einer jungen Dame sowie Nestflucht im Wege: Auslandsaufenthalte und Studium in der Fremde. Fremd sind sich Sophie und Fine deswegen natürlich nicht, aber eine verschworene Gemeinschaft auch nicht. Weil jedoch der gesamte Rest der Familie anderweitig gebunden war, musste sie den Staffelstab und Fine nach Nürnberg bringen, und es oblag ihr, dieses unzertrennliche Team unter verschärften Bedingungen aus der Taufe zu heben.

Auch bei der hochläufigen und standhitzigen Fine lief die Erscheinungsbildbeurteilung so geschmiert wie bei den anderen beiden, in nichts stand sie ihren Geschwistern nach und bestach ebenso. Sogar was die Marken anging wollte sie sich nicht lumpen lassen, was aber als billiger Trick einer naturblonden Rampensau durchschaut wurde. Aber eine Marke ist sie schon, die Fine, das steht außer Frage.

 MG 8070 1Fine nimmt den direkten Weg in die MenschengruppeAls ob sie nie mit jemand anderem als Sophie im Kreis gelaufen wäre, federte sie neben ihr her und zeigte sich von ihrer schokoladigsten Seite. Noch ein Volltreffer. Was aber würde dieses nervöse Rennpferd auf dem Parcours machen? Die Front der Menschengruppe durchschnitt sie wie ein heißes Messer die Butter: Direttissima und prestissimo. Wow! Und beim Overall ging sie dann in die Luft wie der HB-Fetzer und zeigte eine King Size-Bürste. Keinen Deut anders als Fetzer tobte sie vor dem Overall herum, mit dem Unterschied, dass sie sich urplötzlich, buchstäblich binnen Sekunden, eines besseren besann, der Neugierde nachgab und den Overall mit langer Nase inspizierte. Viel hatte nicht gefehlt, dann wäre sie den Weg des Fetzers gegangen. Was sie mehr hatte als er, war die frühe Reife junger Frauen (Wenn es nach ihnen ginge, könnte man vermutlich ein schulisches G6 durchsetzen, was die Männer zu verhindern wissen, weil sie sonst nur noch zum Schuhe putzen gebraucht würden).

Von nun an eroberte sich Fine den Parcours Station für Station. Die scheppernde Kette ließ sie kalt. Der Pilzesammler brachte den Sprit in ihren Adern wieder kurz in Wallung, aber erneut fand sie in die Spur zurück. Der Schlitten bescherte ihr eine weitere Bürste, aber irgendwie hatte sie sich offenbar damit abgefunden, dass heute jemand einen Schabernack mit ihr zu treiben versucht und sie bekam sich immer augenscheinlicher in den Griff. Den finalen Schuss legte sie unter Peanuts ab. Und weil es im Leben der Fine eine Hauptattraktion gibt, die Ball oder Stock heißt, gab sie am Ende nochmal eine Kostprobe ihres Spiel- und Beutetriebs.  

 MG 8042 1Fine in ihrem Element - mit ihrem BallDa staunte auch der Körmeister nicht schlecht und verteilte, von ihrer Vorstellung durchaus beeindruckt, Noten, die nicht so linksbündig wie Fianna waren, dafür eher etwas links vom Abgrund. Bestnoten waren das keine, aber Zeugnis einer Überlebenskünstlerin und Protokoll einer kleinen Himmel- und Höllenfahrt. Aber er versäumte auch nicht anzumerken, dass diese Leistung einer hochläufigen Hündin besonders zu erwähnen und zu würdigen sei. Darüber hinaus beurteilte er, dem kaum ein Hund schlank genug sein kann, Fine als elegante Hündin, und hob auch Sophies Leistung hervor, indem er den Beiden bescheinigte, dass sie ein Superteam seien und Sophie durch ihr sicheres Auftreten Fine in den kritischen Momenten Stärke gab. Kann man ein schöneres Lob bekommen? Helge Ludwig beglückwünschte die beiden und verabschiedete sich mit den Worten: „Viel Spaß in Zukunft und machen Sie so weiter. Auf Wiedersehen bei der VPG 3“.

Dass das blonde Persönchen Energie nicht nur für die VPG 3, sondern für drei hat, hatten wir oft erlebt, dass sie aber so ein großes Herz hat, lässt die unseren überfließen vor Glück. Sophie und Fine, ihr ward eine riesen Schau. Wir belassen es dabei, bescheiden auf ein Wiedersehen bei der ZTP zu hoffen.

Für uns und viele Zaungäste war es eine beeindruckende Jugendbeurteilung, ein Eindruck, der auch durch den HB-Fetzer nicht geschmälert wird, weil er, davon sind wir felsenfest überzeugt, in einer ZTP demnächst diesen Eindruck vergessen machen wird. Der Junior ist nicht weniger taff als seine fidelen Schwestern, nur noch ein bisschen schlaff in der Birne. Gut Ding will Weile haben – so ganz ohne Verstand spricht der Volksmund nicht. Bei den Langweilern der Testosteronfraktion sollte es eben lange Weile haben. Dieses Naturgesetz verliert auch dann nicht seine Gültigkeit, wenn man zum Trotz einen besonders fetzigen Namen führt.

Wir fiebern auf eine ZTP mit dem Trio hin. Und auch dann werden wir wieder Flatterknie haben. Sollten sich dann noch ein paar Geschwister anschließen, würde nicht nur unsere Vorfreude steigen, sondern auch das Fieber.

Bis dahin sagen wir einen herzlichen Dank an Susanne und Sophie und die vielen treuen Freunde des Blues, die es sich nicht nehmen ließen, dem Nachwuchs in einer bedeutenden Stunde beizustehen. Danke Christine, danke Geli, danke Gerda, danke Sabine, es hat uns gutgeatan, dass ihr uns begleitet habt.

Den dicksten Dank verdient jedoch das tolle Trio Fianna, Fine und Fetzi. Sie haben unverstellt gezeigt, was an diesem 22. September in ihnen steckte; sie haben uns in einer kleinen halben Stunde ihr ganzes augenblickliches Wesen offenbart. Wie in einem Allegorienspiel haben sie den schmalen Grat zwischen Himmelssturm und Höllenfahrt ausgeleuchtet: Fianna mit fliegenden Fahnen zum Gipfel, Fetzi, der tragische Held, mit erhobenrer Faust nach einem Fehltritt in den Abgrund gleitend und Fine, die Moral der Geschichte, zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Ankunft und Absturz auf diesem Grat balancierend.

Und für Susanne gilt: Tränen lügen zwar nicht, aber sie trocknen. Und dann können sie das Salz in der Suppe werden. 

Hier einige Eindrücke unserer Hunde: