14.04.2014 - wir feiern 15-jähriges Katzenjubiläum

Jamie Lorenzo-klDer 14. April ist nicht nur Anouks Geburtstag, sondern ein weiterer wichtiger Erinnerungstag für uns: am 14. April 1999, also vor 15 Jahren, kamen Jamie Lee und Lorenzo, die Katzengeschwister, zu uns.

 

Es war einer jener Tage, die sich ins Gedächtnis nisten wie ein Herpesvirus ins Opfer: unauslöschlich. Es begann damit, dass der weibliche Teil des damals noch nicht existierenden Bairischen Blues in der Arbeit spontan ihre Siebensachen zusammenraffte und auf die Frage, was sie denn vorhabe, antwortete: „Im Tierheim vorbeischauen.“ Besorgte Gegenfrage: „Nur vorbeischauen?“

Als ob das schon jemals funktioniert hätte! So ist der männliche Teil des damals noch nicht gegründeten Bairischen Blues nur wenig erstaunt, dass er abends zuhause von Felligem erwartet wurde. Mehr überrascht war er, dass er von Doppelfelligem, also in zweifacher Präsenz, erwartet wurde. Begründung auf Nachfrage: Erstens arbeiten wir beide, da kann man eine Katze nicht den ganzen Tag alleine lassen und zweitens hat das vierfarbige Mädel nicht nur das Herz der Besucherin erlegt, sondern gleich noch eine Bedingung an ihre Übernahme geknüpft: nicht ohne meinen Bruder! Der habe derweil hoffnungsvoll und hasenherzig in der Ecke ihrer Behausung gesessen und auf einen positiven Ausgang des Handels gesetzt. So wurden es also beide.

Jene, unverzüglich Jamie Lee benannte, etwa zweijährige Schönheit saß auf Distanz, aber durchaus von Neugier und Interesse getrieben im Wohnzimmer, bereit jedes Angebot anzunehmen oder die Beine unter die Arme zu nehmen. Sie hatte also noch immer das Heft des Handelns in der Hand. Der unsichtbare, mitverhandelte Bruder blieb unsichtbar, bis der spätere Herr des Blues auf die Toilette ging und hinter Putzeimern und Lappen von zwei Spiegeleier großen Augen verfolgt wurde. Diese Augen hat er heute noch, der wegen seiner männlichen Präsenz und seinem heldenhaften Auftreten spontan Lorenzo (Il Magnifico) getauft wurde.

Lorenzo Il Magnifico macht auch im Laufe seines Aufenthalts jederzeit seinem Namen die gebührende Ehre. Wenn er nicht gerade um einen Premiumplatz auf einem unserer Schöße antichambrierte, fiel er bei der Vogeljagd von der 20 Zentimeter breiten Balkonbrüstung oder landete bei unzähligen Versuchen, einer Libelle habhaft zu werden, ebenso unzählige Male in Nachbars Teich, dem er nicht wie ein Phönix aus der Asche, sondern wie ein begossener Pudel entstieg, laut protestierend und dem Schicksal Flüche hinterher schickend. Auch war er einmal drei Tage völlig verschwunden, wir hatten schon den Nachruf aufgesetzt, als er doch wieder erschien, in guter Verfassung, nur dass sein Haarkleid etwas nach Öl dünstete: in völliger Überschätzung seiner Pionierbegabung war er in Nachbars Haus und Keller vorgedrungen, um dort unten festzustellen, dass dieses Haus auch von zwei Katzen kontrolliert wurde, die keineswegs gewillt waren, diesen Eindringling, obwohl man sich natürlich kannte, ungeschoren davonkommen zu lassen. So beschloss er, dort unten im Ölkeller seine Tage zu beschließen, keinen Laut wollte er mehr von sich geben, schweigend und trotzig seine Tage beschließen, klaglos wie ein Indianer, bis man ihn doch noch, nach dem mutmaßlich siebten oder zehnten Kontrollgang hinter einem Öltank erspähte, mit großen Spiegeleieraugen wie seinerzeit hinter den Putzkübeln.

DSC01422 1 web250Jamie im stolzen Alter von 17 JahrenJamie dagegen erfüllte die Rolle der fürsorgenden Schwester und Hausmatrone. Einmal kam sie aus dem Garten laut zeternd und kreischend in die Gute Stube gestürmt. Klar, dass da etwas Größeres im Busch sein musste. Es war aber nichts wirklich Großes, eher etwas katzengroß Graugetigertes, das auch nicht im Busch, sondern auf Nachbars Weide hing, eine graugetigerte Trauerweide in einer Gartenweide, die sich nicht mehr herunter traute. Jamie hatte den Alarm ausgelöst und wir mussten Feuerwehr für unseren Magnifico spielen. Jamie war es auch, die unseren Garten gegen jeden Eindringling verteidigte, während ihr Lorenzo auf der Terrasse den Rückzug sicherte.

Mit dem 2002 eingezogenen Geschwisterpärchen Ruby und Bandit Rossi haben sie sich gut verstanden (Lorenzo) oder gelangweilt arrangiert (Jamie). Das gilt für den übrig gebliebenen Bandit bis heute noch: Jamie nimmt ihn wenig zur Kenntnis, ohne ihn wirklich zu ignorieren und Lorenzo tauscht mit ihm Nasenstüber. Auch mit unseren Hunden hatten sie nie ein Problem, obwohl sie sie manchmal zum Teufel wünschen, wenn deren Nasen (Franzi und Fianna) fünf Zentimeter über ihrem Rücken schweben und pusten, um den Moment, wo die Katzen ihr Futterschüsselchen freigeben, sofort zuzuschlagen. Doch wer die Sturheit und Bosheit von Katzen kennt, ahnt, dass sie niemals etwas übrig lassen, weswegen den beiden Nervensägen der gierige Schnabel immer sauber blieb / bleibt. Heute haben wir Fianna diese Unart abgewöhnt; sie sitzt jetzt einen halben Meter hinter den Katzen und schnauft asthmatisch.

Unsere Welpen haben beide konsequent ignoriert und während acht Wochen keinen Fuß ins Erdgeschoß gesetzt; dieses plärrende und stinkende Gesindel war nun wirklich jenseits ihrer Vorstellungen von Würde. Das geht ja gar nicht!

DSC01360 1 web250Und auch unserem Lori sieht man sein Alter noch nicht anNun sind die beiden Herrschaften 17 Jahre alt und heute 15 Jahre bei uns. Den Garten haben sie vorwiegend durch das Badezimmer mit Bodenheizung ersetzt. Beide müssen ihrem Alter auch gesundheitlich Tribut zollen und neigen zu anrüchigen Schweinereien in flüssiger, halbflüssiger und fester Form. Lorenzo hat, außer seinen Fangzähnen, keinen Zahn mehr im Maul, speist aber wie seine in dieser Hinsicht noch komplette Schwester mit gesegnetem Appetit. Realistisch gesehen wissen wir, dass unser gemeinsamer Lebensweg nicht mehr bis über den Horizont hinaus reicht. Aber noch sind sie bei uns, unter uns und mit uns, woran wir täglich erinnert werden, wenn Jamie morgens um fünf Uhr die Schlafzimmertür aufarbeitet, weil sie findet, dass es Zeit fürs Frühstück ist (kümmert sich, ganz Mutter der Kompanie um ihre beiden Jungs, damit die nicht vom Fleisch fallen) und dabei zetert und kreischt wie einst, als sie Loro auf dem Baum rettete und Il Magnifico immer schamloser auf die Schöße drängt und die Zeitung beim Frühstück beiseite räumt, um einen unverstellten Blick auf das Gebotene zu erheischen und sich fortan auf den Schleichweg macht, um sich ein Stück Schinken zu greifen. So haben wir sie nie erzogen! Das haben wir nie zugelassen! Aber sie machen es dennoch!! Sie sind schamlos und skrupellos und, wenn wir nicht schreien und schimpfen und sie weg jagen, müssen wir kichern über so viel Chuzpe.

Meine Güte, ist das eine Viecherei beim Blues. Trotz ihrer Unarten dürfen die beiden noch bei uns verweilen. Sie sind ja trotz dem so voller Charme und Liebenswürdigkeit und seit 15 Jahren ein Teil von uns. Mögen sie noch auf einen glücklichen Spätherbst ihres Lebens hoffen dürfen.