11.06.2016 - Fianna macht eine starke IPO 1

Heike und FiannaUnterbrochen von den Freuden einer elfköpfigen Kinderschar, haben sich die Mühen einer langen Vielseitigkeitsausbildung endlich ausgezahlt: Fianna legt am 11. Juni in Deggendorf eine sehr ansprechende IPO 1, die ehemalige Vielseitigkeitsprüfung für Gebrauchshunde (VPG 1), ab und darf sich also nun als "gebrauchten Hund" bezeichnen.

Die Inspektion des geplanten Fährtengeländes eine Woche vor dem Prüfungstermin lässt wenig Gutes ahnen: Am Deggendorfer Mettenufer steht das Gras hüfthoch, in einigen Abschnitten sogar brusthoch. Fianna zieht dennoch unverdrossen ihre Trainingsfährte durch den Wildwuchs, zumindest nehmen das die Hundeführerin und der Beobachter oben auf dem Uferdamm an, sehen können sie ihren Hund nämlich nicht. Da aber die Gegenstände ordentlich verwiesen werden, muss die Nase am vorderen Ende des Hundes ordnungsgemäß arbeiten. Das wiederum lässt doch hoffen.

Fährtenarbeit am DonauuferFährtenarbeit am DonauuferFür die Prüfung hat die Deggendorfer Organisation dann doch noch eine Alternative in Winzer gefunden, die auch den sieben Qualifikanten für die Deutsche Meisterschaft in diesem Jahr keinen Grund für einen Protest liefern kann; das Gelände, das morgens um sieben Uhr daliegt, als wäre es aus einem der Bilder von William Turner geklaut worden, ist großzügig und die Wiese sehr hundenasenfreundlich, wobei den Nicht-Qualifikanten, zu denen natürlich auch Fianna gehört, die höheren Wiesen zugewiesen werden. Fianna ist das ziemlich egal, selbst das morgendliche Frosch-Spektakel der Donau-Altwässer, lässt sie unbeeindruckt: Sie setzt die Nase auf den vom Regen durchweichten Boden und lässt sich außer einem winzigen Schlenker und einer kurzen Entlastung nichts nachsagen - 98 Punkte. Das ist ein fast perfekter Einstieg in den Prüfungstag.

In der anschließenden Unterordnung offenbart sie dann ein paar Schwächen, die allerdings die Hundeführerin - zurecht - auf ihre Kappe FußarbeitFußarbeitnimmt. An der Fußarbeit sind nur Kleinigkeiten auszusetzen, das Sitz nimmt sie mit einer kleinen Führerhilfe an und das Platz kommt zügig. Auch am Zulauf, Vorsitz und Umwechseln lässt sie nicht viel liegen, obwohl sie da noch Potential nach oben hat. Beim Apportieren zu ebener Ebene tut sie, was sie zu tun hat und wie wir es von ihr erwarten dürfen: fehlerfrei, aber nicht direkt im Sprint, zumal ihr der in der Ablage liegende Kollege, als das Holz fliegt, dieses streitig machen will und auf sie zu rennt. Schwer beeindruckt ist sie davon nicht, aber ihren Enthusiasmus bremst er dennoch ein wenig. Dann die Hürde, die traditionsgemäß eher eine Herausforderung für die Hundeführerin ist als für den Hund. nicht weil jene selber springen müsste, nein, sondern weil sie das Holz für alle Beteiligten unschädlich über die Hurde werfen muss, was für eine "Holz-Legasthenikerin", wie sie sich selbst bezeichnet, nicht wirklich einfach ist. Es kommt, wie es kommen muss: Das Holz fliegt zwar regelgerecht über die Hürde, rollt aber dort, wie gewohnt, anderthalb Meter neben die Hürde. Nun kommen zwei weitere Show-Stopper hinzu. Erstens: Der Hundeführerin mangelt es an räumlichen Sehvermögen, Apportieren zu ebener ErdeApportieren über die Schrägwandweshalb sie das Holz ausreichend weit hinter der Hürde wähnt, während dieses kaum zwei Meter schräg hinter dieser liegt. Und zweitens ist sie angesichts des "Überfalls" von Fiannas Kollegen und der Tatsache, dass sie das Holz überhaupt unfallfrei über die Hürde gebracht hatte so froh, dass sie leichten Herzens darauf verzichtet, das Holz noch einmal zu werfen, was ihr nach Rücksprache mit dem Leistungsrichter zugestanden hätte. Ja, und dann nimmt das Schicksal seinen Lauf: Fianna springt über die Hürde, die Hundeführerin gibt sicherheitshalber ein - nicht erlaubtes - zweites Kommando für den Rücksprung, was der Herzenshund entweder nicht hört, eher jedoch ignoriert, weil kaum ein Hund ein so attraktives Angebot ablehnt, das Holz an der Hürde vorbeizutragen, anstatt es mit Hängen und Würgen aus kurzer Distanz über die Hürde zu wuchten. So selbstlos ist nicht einmal unsere Fianna! Also trägt sie es an der Hürde vorbei zurück, nicht ohne ein schlechtes Gewissen im Blick, und die Hundeführerin gäbe viel dafür, wenn ihre Gelenkigkeit ausreichenwürde, sich in diesem Moment in den Allerwertesten zu beißen. Das sind fünf versemmelte Punkt auf einen Streich! Die Ein perfektes VorausZum Schluss ein perfektes VorausSchrägwand bewältigen die beiden Prüflinge dann wieder ohne Beanstandungen, und Fianna hat sogar noch Reserven, zum Schluss ein Voraus auf den Platz zu zaubern, dass ein inbrünstiges Raunen durch die Zuschauerreihen geht: Selten sieht man einen Hund beim Platz-Kommando aus vollem Lauf so ansatzlos in sich zusammensinken wie Fianna. Applaus! Und der Leistungsrichter Gerhard Kessler zählt für Fianna immerhin noch 88 Punkte zusammen. 93 hätten es sein können...

 

Stellen und VerbellenKurze FluchtDen Schutzdienst absolviert Fianna, wie wir es erwarten mussten: Sie erledigt, was zu erledigen ist, aber mit einer gewissen Distanz zum Geschehen. In dieser Disziplin fehlen ihr einfach die Trainingseinsätze. Fianna lernt langsam, aber sicher. Sie braucht für alles viel Sicherheit und Vertrauen; das geht nur über die Trainingsfrequenz. So macht sie zwar keine Fehler, aber ihren Kampfhandlungen fehlt die Überzeugung, was mit 84 Punkten (TSB vorhanden) bewertet wird und für diesen Auftritt absolut angemessen ist.

Lange FluchtAngriffInsgesamt kann das Dreamteam also 270 Punkte nach Hause tragen und für diese erste Prüfung mit sich zufrieden sein, immerhin reichte es zum 3. Platz der Landesmeisterschaft Süd mit insgesamt zehn IPO-Prüflingen, darunter sieben Qualifikanten für die DM. Da darf man auch mal stolz sein!

Heike und Fianna mit ihrem Pokal

Wir danken Gerhard Kessler für eine jederzeit nachvollziehbare und faire Richterarbeit, den Schutzdiensthelfern Karl-Heinz Obermeier und Tobi Frey (der bei Fianna nicht zum Einsatz kam) für ihre saubere Arbeit, den Fährtenlegern - und vor allem und ganz besonders Fiannas Schlachtenbummlern und Daumendrückern der ÜG Siegertsbrunn, aus Oberschwaben und dem Unterallgäu, Landshut, Regensburg und Vaterstetten. Schön, dass ihr mitgefiebert habt! Danke euch allen.