19. 11. 2016 – IPO 2: Fianna lässt raus, was in ihr steckt

Heike und Fianna v. Bairischen BluesAm Samstag, den 19. November beweist Fianna in Deggendorf, dass in ihr weit mehr steckt als nur eine nimmermüde Schmusebacke. Mit 88 – 90 – 98a liefert sie eine IPO 2 mit 276 Punkten, und das unter nicht ganz optimalen Bedingungen.

 

Eine der suboptimalen Bedingungen für eine hundesportliche Großtat ist der Landregen an diesem Samstag, es regnet nämlich nur einmal, mal mehr, mal weniger, meist aber mehr. Da hilft zwar kein Klagen und Murren, weil man bei Freiluftsport immer mit so etwas rechnen muss, aber die Stimmung hält sich doch bei allen Beteiligten in Grenzen (der Chronist erwägt an solchen Tagen immer, sich wieder einen Squash-Schläger zu kaufen).  

Fährtenarbeit am MettenuferDas Fährtengelände am Mettenufer ist krautig bewachsen und sumpfig vom Regen. Fianna geht ihre Fährte konzentriert an, lässt aber den ersten Gegenstand, um es mit den Worten des Leistungsrichters Frank Heindorf zu sagen, "aus voller Überzeugung" liegen. Da wir die die kleine Schwarze besser kennen als er, sehen zwar auch wir, dass sie den Gegenstand überzeugt ignoriert, aber sich schon wenige Schritte später bewusst wird, dass sie gerade Mist gebaut hat. Das allerdings bringt sie nicht aus dem Gleichgewicht oder macht sie unsicher, sondern spornt sie an, sich nun wirklich zu konzentrieren. Von nun an lässt sie nichts mehr anbrennen, durchpflügt den Ufermatsch mit ihrer Nase, vergewissert sich nur ein paarmal kurz links und rechts der Fährte und erlegt den zweiten und letzten Gegenstand am Ende ohne Wackeln. Weil ein ignorierter Gegenstand 10 Punkte kostet, bleiben am Ende 88. Frank Heindorf fasst Fiannas Leistung in einer Kurzformel zusammen: "Sucharbeit exzellent, Gegenstandsarbeit mangelhaft". So hart sind die Regeln: Wer die Hälfte liegen lässt, ist bereits mangelhaft (wenn es in unseren Schulen genauso zuginge, wären die Oberstufen entvölkert). Wir sind damit sehr zufrieden, weil sie vor allem bewiesen hat, dass sie ausgezeichnet suchen kann. Und Fehler machen auf der Fährte auch die Besten immer wieder mal.

FußarbeitHarmonie bei FußIn der Unterordnung zeigen Fianna und Heike, dass sie ein verschworenes Team sind. Die Fußarbeit ist eine Demonstration von Harmonie, die sogar den Richter ein wenig ins Schwärmen bringt: Hervorragend ausgebildet, meint er, Hund immer in der korrekten Position, immer aufmerksam und freudig, arbeitet jederzeit aktiv mit. Wenn der Richter das sagt, soll man nicht widersprechen.

platz kEin schnelles Platz ...Dann aber schiebt sich ein Schatten ins perfekte Bild: Die Hundeführerin leistet sich einen kleinen Fehler – und schon steht der Hund anstatt zu sitzen. Harmonie schützt eben auch nicht vor Nervosität. Während sich ihre Chefin vom Ort der Tat zügig entfernt, wie es die Prüfungsordnung vorsieht, ahnt Fianna, dass sie einen Bock geschossen haben; sie steht nämlich wie ein begossener Pudel mit hängendem Kopf, allerdings so felsenfest, dass man auf die spätere Steh-Übung Die Steh-Übung... ein felsenfestes Stehauch hätte verzichten können. Nach der missglückten Sitz-Übung beschließt die Hundeführerin, für die Platz-Übung sicherheitshalber eine kleine Hilfe zu geben, damit die nicht auch noch im Regen abschmiert. Das klappt. Die Steh-Übung, eigentlich ein Heimspiel für Fianna, sichert die Chefin ebenfalls mit einer kleinen Handbewegung ab, allerdings, wie sie später völlig erstaunt zugeben muss, ohne jede Absicht. Manchmal funkt das Hirn eben völlig eigenständig dazwischen. Was in vielen Fällen ein Segen wäre, ist in dieser Situation höchst unerwünscht.

Nun beginnen in der Unterordnung die Apportierübungen – und somit die von den Zuschauern mit Spannung erwarteten Ein missglückter WurfSekundenbruchteile vor dem EinschlagHolz-Festspiele der Wurf-Magierin des Bairischen Blues. Beim ersten Wurfversuch zu ebener Erde steigt das Holz steil in die Höhe und kracht neben Fianna herunter. So etwas bringt die längst nicht mehr aus der Ruhe, höchstens kurz bevor sie vom Sportgerät erschlagen wird. Sie sitzt festgewurzelt und wartet aufs Startkommando. Beim nächsten Versuch rollt das Holz so weit weg, dass der Richter einen weiteren zulässt. Aber schon beim dritten Versuch darf Fianna los und tut, was von ihr erwartet wird: Schnell hinauslaufen, Holz aufnehmen, schnell drehen, Holz zurückbringen, ohne es zu rollen und zu knautschen, vorsitzen, festhalten und auf Kommando abgeben. Passt.

Apportieren über die MeterhürdeHopp - Bring - TouchéBeim Bringen über die Hürde donnert die Wurfkünstlerin das Holz zweimal gegen die Hürde, bevor sie es hinüberbringt. Fianna lässt sich auch dadurch nicht aus der Ruhe bringen, touchiert allerdings beim Rücksprung die Hürde leicht, ein Punktabzug, der vermutlich dem elend tiefen und schmierigen Geläuf zuzurechnen ist, das Fianna möglicherweise ein wenig verunsichert und vorsichtiger macht als sonst.

Apportieren über die SchrägwandDie Schrägwand - eine LieblingsübungAuch der erste Wurf über die Schrägwand landet in dieser, der zweite muss auch korrigiert werden, weil das Holz fast bis zum Zaun rollt. Jetzt bemächtigt sich Fiannas erstmals eine gewisse Langeweile, indem sie lieber den Boden inspiziert, als den Wurfkünsten ihrer Chefin nachzuspüren. Dann allerdings, als das Holz vorschriftsmäßig über die Wand geflogen war, tut sie wieder, was zu tun ist. An ihr, auch das muss mal gesagt werden, hätten die Zuschauer deutlich weniger Vergnügen gehabt, als an ihrer Hundeführerin.

Die Voraus-ÜbungEin Voraus wie aus dem LehrbuchDie Voraus-Übung kommt dann wieder ohne Holz aus, was mehr Langeweile, aber eine höhere Perfektion erwarten lässt. Fianna zeigt die Entwicklung aufmerksam und voller Spannung, schießt auf Kommando los, schnurgerade in Richtung Platzende und fällt auf das Platz-Kommando zusammen wie ein Kartenhaus, dreht sich dabei um und liegt bombenfest. Da geht ein Raunen durch die Reihen.

Aber Fianna hat noch eine Paradeübung: das Abliegen unter Ablenkung. Sie schwebt am Fuß zum Ablageplatz, legt sich auf Kommando fix hin – und liegt. Und liegt. Und liegt. Keine Sekunde wendet sie den Blick vom Rücken ihrer Chefin, keinen Millimeter verlagert sie den Körper: eine schwarze Sphinx im niederbayerischen Matsch.

Die verpatzte Sitz-Übung, die minimalen, aber nicht zu verbergenden Körperhilfen sowie leicht schräge Vorsitzpositionen und Grundstellungen werten den gesamten Vortrag auf 90 Punkte ab. Die Fehlwürfe der Chefin bleiben ungeahndet.

RevierenRevieren mit SpeedStellen und VerbellenStellen und Verbellen nah am MannIm Schutzdienst wächst der Zwerg dann über sich hinaus und wird zum Riesen. Wie an der Schnur gezogen, schnell und unaufhaltsam wie das Vogelgrippevirus, huscht sie um die Verstecke und parkt blitzsauber vor dem Helfer ein, ohne ihn zu belästigen oder an seinem Arm zu naschen. Sie verbellt kräftig, lässt sich von der Hundeführerin beim ersten Kommando aus dem Versteck rufen, nimmt sicher die Position für die kurze Flucht ein und greift sich den Helfer trocken und kompromisslos.
sd 3 ksd 4 ksd 5 kBei den anschließenden Kampfhandlungen zeigt sie einen vollen Griff, nagelt nicht und rutscht nicht – was sie hat, gibt sie, wie im richtigen Leben, erst auf Kommando wieder her. Dann aber schnell und zuverlässig. Beim Rückentransport prellt sie ein wenig vor (das hat sie noch nie gemacht!), greift auch da den Täter zackig und beherzt. Die lange Flucht beendet sie zupackend, SeitentransportDen Helfer fest im Blicktaxiert allerdings vor dem Zugriff ein klein wenig. Beim Seitentransport lässt sie den Täter keine Sekunde aus den Augen und bleibt stabil in der korrekten Position. Nach diesem Vortrag geht kein Raunen mehr durch die Zuschauer wie bei der Voraus-Übung. Jetzt macht sich die Spannung Luft und die beiden werden vom Beifall förmlich nach Hause getragen. Aufgeblasen wie die Michelin-Männchen nehmen sie die Huldigung des Publikums und die Besprechung des SiegerglückDer Lohn für all die ArbeitRichters entgegen. Als er 98 Punkte vergibt, natürlich mit "Trieb ausgeprägt", tobt der ganze Laden und die beiden platzen vor Stolz. Und auch in den Chef kriecht wieder Leben in Form von stolzgeröteten Bäckchen. Welch ein Gesellenstück von Fianna! Und das kann ihr keiner mehr nehmen. Der Zwerg hat Herz, und zwar nicht nur am rechten Fleck, sondern, wenn es drauf ankommt, auch in den Kiefern und in der Birne.

Dass wir auf Fianna und den gesamten Vortrag sehr stolz und glücklich sind, muss nicht extra betont werden. Was aber unbedingt getan werden muss, ist, zwei wichtigen Menschen Dank zu sagen, ohne die dieses Ergebnis nicht möglich gewesen wäre

Eingangs haben wir erwähnt, dass die Prüfung unter nicht ganz optimalen Bedingungen ablief. Eine hatten wir bereits genannt, den sintflutartigen Regen. Die zweite ist eine mehr als suboptimale Saisonplanung. Wer kennt das nicht, dass man sich spontan zu etwas entschließt, in diesem Fall zu dieser Prüfung am 19. November, und dann einigermaßen ernüchtert feststellt, dass die Ausbildung noch erhebliche Lücken, wenn nicht gar weiße Flecke aufweist. So hatten wir noch nie um vier Verstecke reviert, Fianna nie aus der hohen Trieblage beim Stellen und Verbellen aus dem Versteck gerufen, und auch mit dem Rückentransport waren wir in Verzug. Da kann man dann entweder die Flinte ins Korn werfen, bevor man geschossen hat, oder die Herausforderung annehmen. Wir haben uns für die zweite Variante entschieden. Die Wochen nach unserem Schwedenurlaub im August waren für Fianna von täglichen Trainingseinheiten bestimmt. Bei jeder Gelegenheit wurde das Anlaufen des Verstecks geübt und darauf geachtet, dass der Zwerg sich nicht selbst belohnt, sondern sich die Belohnung durch saubere Arbeit redlich verdienen musste. Bei jeder Gelegenheit waren wir am Hundeplatz, um Fianna revieren zu lassen und ihr den Spaß daran zu vermitteln. Und nebenbei verging kein Tag, an dem nicht die Technik des Rückentransports auf dem Plan stand. Und mindestens einmal in der Woche fraßen wir die 200 km nach Deggendorf und wieder zurück, weil man sehr viel ohne Helfer trainieren kann, aber für die Kampfhandlungen geht es nicht ohne.

gerda kGerdaWSigerehrungDank an Karl-Heinz und Leistungsrichter Frankir danken deshalb ganz herzlich Gerda aus Siegertsbrunn, die immer für uns Zeit hatte, mit auf dem Platz stand, beim Revieren half und für die lustvollen Anbisse ihre Finger in Gefahr zu bringen bereit war. Und dann haben wir allen Grund Karl-Heinz aus Deggendorf zu danken, der seine operatsionsbedürftigen Menisken ein ums andere Mal für unsere Fianna malträtierte. Ohne euch beide hätten wir das nicht geschafft und ein bisschen vom Pokal gehört auch euch. Herzlichen Dank.

Wir erzählen das so ausführlich, nicht weil wir vor Stolz fast platzen (das natürlich schon auch), sondern weil wir all denen Mut machen wollen, die, wie wir, die Saison verbummeln und / oder nur sehr unregelmäßig mit einem Helfer trainieren können: Vieles geht ohne Helfer, aber alles geht mit Fleiß und konsequenter Arbeit. Alle Techniken, Unterordnungs- und Gehorsamsteile des Schutzdienstes können problemlos ohne Helfer erarbeitet werden. Wenn der Hund dabei Sicherheit gewinnt und seinen Part kennt, kommt man auch mit wenigeren Helfereinheiten zurecht. Und wenn bei all dem der Spaß den Grundton liefert, wird der Hund vom vielen Training auch nicht mürbe, sondern fordert sogar noch mehr. Dann können sogar 98 Punkte herausspringen.

Uns ist aber auch wichtig die Erfahrung gemacht zu haben, dass wir uns nicht grämen müssen, wenn uns nicht jede Woche ein Helfer zur Verfügung steht, weil wir und Fianna auf dem richtigen Weg sind, auf dem für die Zukunft aufgebaut werden kann. Schon kamen ja die ersten Forderungen, nächstes Jahr die Quali für die DM anzugehen, doch da halten wir es mit den Fußballern: So weit denken wir nicht, das nächste Spiel ist das schwerste, der Ball ist rund und das Spiel ist erst nach 90 Minuten zu Ende. Das nächste Spiel ist wahrscheinlich der nächste Wurf (der hoffentlich geschmeidiger gelingt als die vielen der Wurf-Magierin), und dann sehen wir weiter, was die Zeit uns beschert. Für das Wurfwunder hat der Chronist vorausschauend schon Sondereinheiten vorgesehen, obwohl sie sich spreizt, weil nach ersten Erkenntnissen in der neuen Prüfungsordnung ab 2018 nicht mehr geworfen werden muss.

Zum Schluss, aber nicht weniger enthusiastisch, bedanken wir uns bei Fiannas treuen Fans, die überall sind, wo sie auf- und antritt, die hunderte von Kilometern hinter sich lassen, nur um ihr zu huldigen, sie anzufeuern, sie zu herzen und nach getaner Tat mit Feinstem aus der Knabberschatulle zu verwöhnen. Für dieses Wochenende geht unser herzlicher Dank an Annemarie, Gerda, Sabine, Andrea und Hugo – ihr seid für uns ganz besondere Kraftquellen und wichtige Mutmacher.

Wir verabschieden uns nun in eine sicher nicht ganz trainingsfreie Winterpause, lassen alles sacken, genießen, feiern, lassen uns feiern und bedanken uns für all die aufrichtigen und herzlichen Glückwünsche, die uns erreichen.