Vom Follikel zu Frau Fischer - Franzis letzte Trächtigkeit

Sonntag, 18.9.

Seit rund einer Woche wächst nun aller Voraussicht nach neues Leben in unserer Franzi. Und dieses neue Leben scheint seine gesamte Energie aus Franzi zu schöpfen; wir haben den Eindruck, dass Franzis Anteilnahme am tosenden Lebensstrom um sie herum mit jeder Zellteilung ein klein wenig abnimmt. Sie zieht sich zurück, wirkt weit ab vom Schuss und vernachlässigt sogar sonst unverzichtbare Rituale und Unumstößlichkeiten. So passiert es ihr jetzt, dass sie den Bettgang ihres Herrn verpasst oder verpassen will und keinen Antrag auf Einlass ins Schlafzimmer stellt, sondern, obwohl Anouk unbeirrt mit hinauf in den 1. Stock stapft, im neu gestalteten Eingangsbereich oder im Wohnzimmer zurück bleibt. Auch morgens begehrt sie nicht lauthals Einlass, sondern liegt geduldig und lautlos vor dem Schlafzimmer, bis sich die Türe öffnet. Unsere Franzi pflegt Brut.

Franzi am 13.9.2011Diese Verhaltensänderungen mit jeder neuen Schwangerschaft haben wir schon bei Anouk beobachtet. Nach dem ersten Deckakt verändert sich das Verhalten der Hündin nicht oder nur langsam, bedingt durch die hormonellen Prozesse. Nach dem zweiten Deckakt zeigt die Hündin, dass sie weiß, was nun auf sie zukommt und verändert ihr Verhalten ein bisschen in Richtung: Pass doch auf, ich bin schwanger, und mit dem dritten Deckakt ist die Hündin direkt nach dem Trennen vom Rüden unheilbar schwanger, schließt sich in ihr Brutstüberl ein und bereitet sich 63 Tage auf das große Ereignis vor. Selbst zu diesem Zeitpunkt physiologisch völlig absurde Veränderungen nimmt sie vorweg, so macht Franzi nun schon zwei- bis dreimal am Tag den Buckel krumm, um ihren Darm zu entleeren, wofür sie an fruchtfreien Tagen höchsten einmal Zeit hat und nimmt damit eine später in der Schwangerschaft zwangsweise auftretende Lösehäufigkeit vorweg, in der die immer mehr Platz beanspruchenden Föten ihren Darm einengen werden.

Damit wir aber die Tage, bis es spannend und geschichtenreich wird, nicht gänzlich sinnlos verstreichen lassen, können wir uns ja mal ein wenig mit den Vorgängen in Franzis Innenraum vertraut machen. Vielleicht wächst damit auch das Verständnis für ihre Präsenzabsenz.

Die Befruchtung der reifen Eizellen erfolgt etwa drei Tage nach der Ovulation (Eisprung), der bei Franzi vermutlich am Sonntag war. Spätestens seit Donnerstag befinden sich also jetzt in Franzis Eileiter, denn dort findet die Befruchtung statt, Zygoten, wie man die befruchteten Eizellen nennt. Diese Zygoten folgen nur einem einzigen Auftrag: teilen (und herrschen). Sie teilen sich mehrmals täglich und beherrschen so Franzis Seelentemperatur. Vielleicht gibt es ja so ein kleines kauziges Plopp, immer wenn eine Zygote sich geteilt hat und Franzi hört in sich hinein, zählt die Plopps (und Flopps?), um immer auf dem aktuellen Reifestand von Fidibus, Freisleder, Furzkaschemmchen und Filibuster zu sein (Franzi ist ja noch auf dem nomenklatorischen Ankündigungsstand, als wir den E-Wurf verabschiedeten und den F-Wurf in Aussicht stellten; die mögliche Abkehr hin zu Fascista, Fiesole und Fagiolino haben wir ihr noch vorenthalten).
Grafik: Befruchtung beim HundVier bis zehn Tage nach der Befruchtung, also ab heute, treffen Falschgeld, Fastenzeit und Frau Fischer als so genannte Morulas im Uterus ein. So darf sich Frau Fischer nennen, wenn sie aus mehr als 18 Zellen besteht (wenn Frau Fischer auf selbstvertiefende Namensgestaltung wert legt, wird sie sich jetzt Frau Fischer-Morula nennen). Dieser Maulbeerkeim ist noch nicht größer als die befruchtete Eizelle.
Die Morula entwickelt nun in ihrem Inneren einen Hohlraum, aus der die Blastozyste (Keimblase) wird (Scheidung von Herrn Morula und Heirat mit einem polnischen Kleinindustriellen: Frau Fischer-Blastozystowa). Diese Blastozysten teilen sich nun schon gemäß ihrem genetischen Bauplan weiter und dürfen sich jetzt Embryonen nennen (erneute Heirat, diesmal mit einem russischen Gasmagnaten: Frau Fischer-Embryonskaja). In dieser Zeit findet eine ständige Teilung der Früchte statt und dabei handelt es sich nicht um sinnfreie Massenauflastung nach dem ökonomischen Motto „Too big to fail“, sondern hier hat jede Verdoppelung Sinn und Verstand, man könnte fast sagen: Hand und Fuß, was allerdings nicht ganz korrekt wäre, weil diese erst später dran sind im Bauplan, jetzt werden aber schon die Inneren Organe angelegt, die dann allerdings bis in die Endphase der Schwangerschaft hinein nur sehr sporadisch weiter entwickelt werden. Doch die Anlagen werden jetzt ausgebildet. Wen wundert es, dass sich Franzi so intensiv um ihre Maulbeerchen kümmert, damit auch keines schlampt und schludert und ins Hintertreffen gerät.
Die Embryonen bewegen sich noch frei im Uterus und verteilen sich dann einer nach dem anderen in den Gebärmutterhörnern, bevor sie sich etwa 18 bis 20 Tage nach der Ovulation dort einnisten (Nidation) und je eine Plazenta ausbilden. Nun heißen die Winzlinge Föten oder Feten (und Frau Fischer nach ihrer Hinwendung zu einem großvermögenden griechischen Steuerbetrüger Frau Fischer-Feta) und beschäftigen sich ab sofort nur noch damit, dass sie so viel wie möglich von ihrem Bauplan abgearbeitet kriegen, bis Franzi genug von ihnen hat und sie an die frische Luft setzt. Und jetzt geht es Frau Fischer-Feta-Embryonskaja-Blastozystowa-Morula wie es des Fischers nimmersatter Frau ergangen ist: sie heißt wieder nur noch Frau Fischer.

Bis dahin hat jedoch Frau Fischer noch einen langen und beschwerlichen Weg vor sich und es fließt noch viel Wasser die Mangfall hinunter, und, wenn es so weiter regnet wie heute, sogar noch viel mehr. Der Sommer geht und Frau Fischer macht sich zusammen mit einer Handvoll Fruchtzwerge auf den Weg. Wir werden sie im Auge behalten.

Montag, 26.9.

Letzten Montag (19.9.) hatte Anouk die Faxen und die mit diesen einhergehenden Sonderbehandlungen Franzis dicke und meldete sich ebenfalls läufig und zur Bemannung bereit. Wir teilen ihr mit, dass sie sich diese Mühe hätte sparen können und dass Männer für sie auf immer vom Stundenplan gestrichen seien. Ihrer sorglosen Lebenshaltung tat dies aber keinen Abbruch: Anouk ist auch im läufigen Zustand bester Laune und durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Aber sie hat sich standesgemäß und kaum übersehbar zu Wort gemeldet, und darum ging es ihr wesentlich.

Franzi gibt keinen Ball verlorenAnsonsten plätschert die Mangfall unverdrossen vor sich hin, der See ruht still und still ruht Franzi in sich und ihrer Welt. Auf den abgeernteten Äckern und geschorenen Wiesen des Mangfalltals ersetzt sie diese gravitätische Ruhe durch die sie auszeichnende Unruhe, gibt keinen Ball verloren und lässt keinen Zweifel aufkommen, dass man als Schwangere mitunter etwas absonderlich wird, aber nicht fußkrank ist.
Ihre Brütlinge betreffend (und ob sie überhaupt solche beherbergt), schweigt sie sich aus, gibt keine Hinweise und lässt uns im Dunkeln tappen. Wenn wir ihren Leib abtappen, stellen wir zwar fest, dass sie gut ein Kilo zu viel auf den Rippen hat, weil ihr der Sport etwas fehlt, aber schwangerschaftsbedingte Veränderungen können wir bislang keine ertasten. Um den 29. und 30. herum müssten sich die Embryonen in den Uterushörnern einnisten und in dieser Zeit kann man mit etwas Übelkeit und Erbrechen rechnen – leider nicht bei Franzi, jedenfalls nicht bei ihren bisherigen Würfen. So steht zu befürchten, dass diese Anzeichen, die uns bei Anouk immer ein untrüglicher Fingerzeig waren, auch diesmal bei Franzi keine Hilfe sein werden und wir vermutlich doch bis zum Ultraschall warten müssen, um die letzte Gewissheit zu bekommen.

Wir lassen es also für diesmal gut sein, weil, wer nichts oder nicht viel zu sagen hat schweigen soll und melden uns wieder, wenn die Faktenlage oder andere Ereignisse eine Wortmeldung nötig machen. Bis dahin genießen wir alle zusammen den Indian Summer des Mangfalltals (Altweibersommer klingt so geriatrisch und nach Osteoporose) und das Panorama des sonnenumfluteten Alpenrands und wünschen uns dieses Wetter bis in den Frühling hinein …

Samstag, 1.10.

Franzi und Anouk beim Morgenspaziergan am 1. OktoberDer Oktober tritt auf, wie man sich einen Oktober wünscht: er strahlt. Er strahlt mit dem ausgestrahlten September weiter um die Wette, er will ihm in nichts nachstehen. Die Bauer sammeln Bonusmeilen auf ihren Feldern, überall eifriges Bauernvolk auf GPS-gesteuerten PS-Boliden, das dreinschaut, als ob es traurig wäre, dass schon so viel abgeerntet ist und kaum noch was zu tun bleibt.

Für uns und unsere Mädels werden die Spaziergänge dafür umso übersichtlicher, keine Maismauern mehr, keine Weizenwände, aus denen plötzlich todesmutige Füchse treten. Rehe stehen ratlos auf den Brachen und trauen ihren Augen und unseren vermeintlichen Jagdmaschinen nicht. Aber unsere Kampfdrosseln denken nicht (mehr) daran, sich einen Hax wegen eines Rehs auszureißen, obwohl man der Wahrheit zuliebe zugeben muss, dass es Anouk inzwischen wieder mehr in den Beinen juckt, ein kleines Sprintlein zu wagen und den Waldbewohnern ein bisschen Adrenalin in die Adern zu pumpen. Aber sie belässt es dabei, selbst etwas die Flanken zu pumpen und mit den Backen Tuba zu blasen, um sich dann wieder mit den Mäusekolonien zu beschäftigen. Wir genießen den goldenen Herbst – und warten auf ein Zeichen, nicht des Himmels, sondern von Franzi.

 

Franzi vom Fuchsiengarten im Herbststroh
Baut Franzi schon ein Nest für Frau-Fischer und die Fieslinge?
Die Nidation von Frau Fischer und ihren Fieslingen, die irgendwann in den vergangenen zwei Tagen hätte stattfinden müssen (oder vielleicht auch erst heute abläuft?) und die aus Frau Fischer-Embryonskaja eine Frau Fischer-Feta hätte machen müssen, ging, wenn sie denn statt gefunden hat, ohne jede äußere Regung Franzis vorüber: sie döst im Haus und pest in Flur und Feld, sie mampft ohne Rückstände und ohne Folgen alles in sich hinein, was man ihr reicht, sie zeigt keine Übelkeitsattacken, wie sie uns von den Lehrbüchern angekündet und von Anouk umgesetzt wurden. Franzi ignoriert ihren Zustand, bei dem sich in ihrem Inneren Dramen von Leben und Tod abspielen: unzählige namenlose Franzenfetzers prügeln sich um zwei Hände voll Andockstellen in Franzis Uterushörnern. Ein paar wenige machen das Glück ihres Lebens, die erfolglose Masse geht dahin, verdirbt und verschwindet laut- und namenlos im Karma-Pool des Universums. Sie hatten eine Hoffnung, sie hatten eine Chance, und sie haben sie nicht genutzt. Der Buddhist würde jetzt sagen: alles halb so schlimm, was nicht ist, kann immer noch werden, aber fürs erste ist Flips und Flopps Erdenfahrt zu Ende, da beißt die Maus keinen Faden ab. Dabei haben wir keine Ahnung, ob sich wenigstens Frau Fischer-Embryonskaja durchgeboxt und angedockt hat, ob da überhaupt irgendetwas vorangeht in Franzi, ob wir Hoffnung haben und Hoffnung machen dürfen. Wir sind schlicht ahnungslos: Franzi ist unzugänglich wie Fort Knox. Der Leichtfuß Franzi macht uns das Leben schwer und höhnt: ihr habt dem Orakel vertraut, hofft jetzt auf das Orakel. Wir nehmen Franzi die griechischen Heldensagen aus dem Kuddebett und machen einen Ultraschall-Termin beim Orakel. Aber wir verraten nicht wann …

 

Montag, 3.10

Blick von Grendach auf den Tachinger und Waginger SeeWir haben das Wochenende und den Tag der Deutschen Einheit in Grendach verbracht, einem Anwesen hoch über dem Waginger und Tachinger See im Chiemgau, einem Ort der noch die verblichene Gegenwart von Anouks Schwester Ronja atmet, die hier ihre Sommerfrischen und Auszeiten vom Regensburger Stadtleben genoss. Hier baumelt die Seele langsamer als irgendwo, hier entschleunigt das Gehirn seine Transmissionsraten wie nirgendwo, hier schlägt das Herz im untertourigen Traktorentakt.

Am ThumseeWir nehmen unsere Mädels bei makellosem „Kini“-Wetter mit auf eine gut dreistündige Wanderung im Bad Reichenhaller Land zur Höllenbachalm und zum Thumsee, streifen durch die Felder, Wälder und Schluchten rund um Grendach und steigen heute sogar in den Tachinger See zum Baden – am 3. Oktober!Ein Bad im Tachinger See am 3. Oktober „Wir“ ist in Bezug auf den Wassergang zu übersetzen mit Frauen und Hunde, die Männer ziehen das Landleben vor. Was den Herrn des Blues angeht, weiß er, dass kulinarische Fettanlagerungen keinesfalls die thermische Qualität von weiblichem Unterhautfettgewebe haben und Risikowasserungen deshalb besser unterbleiben. Den Herrn von Grendach zieren weder kulinarische Fettanlagerungen noch weibliche Unterhautfette, weshalb Der Tachinger See im Herbstsich ihm solche unkalkulierbaren Abenteuer von selbst verbieten. Wozu auch sollte man ins Wasser gehen, wenn das Auge vom Steg aus ein geradezu Turner‘sches Idyll abgreift und von einer Welt eingenommen wird, deren nächste und letzte Ausprägung nur noch das Paradies sein kann. Da führt sich doch jeder Suizidversuch selbst ad absurdum!

Und dennoch liegt ein Schatten über diesem kleinen bayerischen Paradies, das heißt, der Schatten liegt nur gelegentlich, meist wandert er und wandelt und folgt und beschattet, was ja die ureigene Aufgabe eines Schattens ist. Der Schatten heißt Franzi vom Fuchsiengarten und beschattet meist die Chefin des Blues, die buchstäblich keinen Schritt ohne ihre stumme Verfolgerin tun kann. Der Schatten verfolgt sie vor die Klotür und nimmt sie nach vollbrachter Tat dort wieder in Empfang, der Schatten liegt bei Tisch auf ihren Füßen, der Schatten wacht vor der Badtüre und beschatten ihren Ein- und Ausgang, der Schatten huscht ins Auto, lange bevor die Herrschaften eingestiegen sind und wird somit gar zum vorauseilenden Schatten. Sie klebt rund um die Uhr an ihrem Frauchen, wie ein widerborstiges österreichisches Autobahnpickerl an der Windschutzscheibe klebt. Franzi ist zwar noch nicht im Reich der Schatten, hat aber einen solchen – oder ist schwer schwanger. Falls sie Frau Fischer und ihre Fieslinge in sich tragen sollte, liegt es in ihrem tiefsten Interesse, konsequenten Kontakt zu jener Verantwortlichen zu halten, die ihr diese Last eingebrockt hat und die auch ihre künftige Hebamme ist und zu sein hat. Franzi kennt die Verantwortlichkeiten im Rudel und hält sich geradezu eurobürokratisch daran.
Anouk ist von alledem unbeeindruckt, döst unter Zwetschgen- und Birnenbäumen und kuriert ihre Läufigkeit aus. Wenn ein Hund mit sich im Reinen ist, dann ist sie es, fern ab vom Getöse der Welt.

Dienstag, 4.10.

Nun sind schon dreieinhalb Wochen seit Franzis Hochzeit mit Fetzer vorüber und außer Franzis Schattendasein gab sie uns bisher keinerlei Hinweise auf ihren Zustand. Sie hatte keinen Schluckauf wie bei der letzten Schwangerschaft kurz nach der Nidation, sie zeigt auch noch nicht die dachrinnenförmige Haartolle an ihren Flanken, die eine vermehrte Anlagerung von Gewebewasser verrät, was auch daran liegen kann, dass eine Abart dieser Dachrinne wegen Franzis zartem Übergewicht derzeit zu ihrem Standard-Outfit gehört. Doch dann erklärt sie sich doch, dann offenbart sie sich, lässt uns durch einen schmalen Spalt in ihren knoxigen Tresor blicken: nachmittags entdeckt die Chefin (wer sonst?) einen bräunlichen Ausfluss bei Franzi. Was andere zu Tode erschrecken würde, lässt unsere Gesichter erstrahlen: so soll es sein und so ist es richtig. Um den zwanzigsten Trächtigkeitstag herum zeigt sich schon mal so ein Ausfluss. Ob Franzi wegen des stark entschleunigten Wochenendes etwas im Verzug ist oder wir etwas voreilig sind, weil wir früh beim Decken waren und die Befruchtung etwas später stattfand als wir annahmen, ist Nebensache. Wir haben jetzt einen himmelblauen Hoffnungsstreifen im tiefblauen Herbsthimmel.

Donnerstag, 6.10.

Und dann ist sie urplötzlich da, heute Morgen, buchstäblich über Nacht, die kleine Dachrinne an Franzis spätjugendlicher Taille, um von lebensspendenden Vorgängen in ihrem Brutpalazzo zu künden. Es sieht so aus, dass Franzi wirklich etwas spät gegenüber unseren Annahmen dran ist. Das müsste jetzt nur noch sonografisch bestätigt werden. Wie heißt es im Privatfernsehen immer so herzig? Wir müssen noch etwas Geld verdienen – bleiben Sie dran. Wir sagen ganz unumwunden: es macht uns Spaß, euch noch ein bisschen auf die Folter zu spannen!

Freitag, 7.10.

Sonografie
Furzkaschemmchen
Sonografie
Flokati
Sonografie
Finsterling

 

 

 

 

 

Um 9:30 Uhr ist es soweit. Zwei zappelige Züchter, eine super hippelige Assistentin Karin, die unsere Hunde vom ersten Tag an kennt und alle unsere Würfe mit großem Herzen verfolgt und eine wie immer gelöste Magisterin Stöger legen eine sperrige Franzi auf den Rücken und salben ihren Bauch mit Glibberpaste ein. Rasiert wird bei uns
Sonografie
Frau Fischer
nie, weil ein gutes Ultraschallgerät die spärliche Behaarung am Unterbauch problemlos durchdringt. Licht aus, Schallkopf an - und schon zeugt ein vierstimmiges DA! vom Erfolg der Gündlkofener Gymnastikeinheiten. Und noch ein DA! und noch eines und am Ende einigen wir uns auf sieben Fieslinge plus x, die sich unseren Blicken entzogen haben, und die strahlende Tierärztin lässt es sich nicht nehmen, alle Fieslinge abzulichten. Alle Winzlinge sind vital, die Microherzchen arbeiten wie die Nähmaschinen. Es ist richtig Leben in Franzis Brutkasten. Allerdings bestätigt sich auch unsere jüngste Vermutung, dass der Entwicklungsstand hinter unseren ersten Annahmen zurück ist. Die Kleinen sind erst ca. 6,5 Millimeter groß, ihre Vorgänger hatten um diese Zeit schon einen Zentimeter. Demnach fand die Befruchtung vermutlich erst Mitte der Woche nach dem Deckakt statt und so dürfte sich auch der Wurftag in Richtung 15. November verschieben.

Jetzt gibt es also für alle, die sich einen letzten Ableger von Franzi sichern wollen, kein Zögern mehr, jetzt ist es offiziell: Franzi trägt und wartet auf Bewerbungen. Und wir dürfen uns schön langsam auf einen turbulenten Winter einstellen. Denn man tau…

 

Sonografie
Freisleder
Sonografie
Fagiolina
Sonografie
Feng Shui

 

 

 

 

 

 

 


Samstag, 8.10.

 

 

Die Welpenschaukel
Die neue Welpenschaukel
Wie bei ihrem E-Wurf wird Franzi praktisch mit der Verkündigung der Frohen Botschaft ein klinischer Fall: kaum waren wir gestern wieder zurück, kotzt sie und leidet. Es ist eben doch fast alles Psychologie im Leben. Oder war es vielleicht die Welpenschaukel, welche Freunde heute noch vorbeibrachten, welche Franzi die Unausweichlichkeit ihres Zustandes vor Augen führte? Ein solches Stück muss ja nicht bei allen Familienmitgliedern die gleiche Freude auslösen, oder? Es ist auch kein vorübergehendes Unwohlsein, das Franzi plagt, sogar die extra gelieferte, mit Liebe gekochte und abends mit Reis servierte Hähnchenbrust erzeugt bei Franzi nichts als Brechreiz. Sie zieht sich zurück. Nach dem Abendspaziergang, der wegen des ganz besonders garstigen Sauwetters nur ein Abendhopserchen wird, verweigert sie das Betthupferl (Pansenstange, Euterstange, etc.) und lässt sich nur zu einem klitzekleinen getrockneten Lungenstück überreden. Anouk reklamiert alle verschmähten Lebensmittel unbarmherzig für sich.

 

 

Heute setzt sich der Magendefekt fort: Franzi verweigert nach dem Morgenspaziergang auch das Frühstück, das wieder aus Hähnchen bestehen sollte und erbarmungslos in Anouks Schlund verschwindet. Franzi ist ein Häufchen Elend. Selbst die nun reichlich eintreffenden Glückwunschmails können Franzi nicht aufheitern. Natürlich ist es wieder einmal unser schwäbischer Schlawiner Darendi, der es sich nicht nehmen lässt, seiner Mama Glückwünsche zu übermitteln. Und das klingt aus seinem Munde so: „Welch Freude, dass es bald noch mehr lebenslustige Franzkinder geben wird. Ich will auch ein paar Namensvorschläge loswerden, wohlwissend dass ihr da eure ganz eigenen Kreationen habt. Wie wärs mit Fango (das wird eher für die zukünftigen Menschen nötig sein), oder Fussel (eine kleine Einstimmung auf die Fellinvasion) oder Frederick, oder nur Fou…“ Dass der Fango-Vorschlag nicht ganz ohne Tiefsinn erfolgt, erfahren wir so nebenbei, weil der Lackel es als erster Hund geschafft hat, sein beileibe nicht schwergewichtiges, aber ziemlich kraftvolles Frauchen aus den Schuhen zu wuchten und auf der Kinnspitze abzuschleppen. Frauchen war sich nach eigenem Bekunden danach wie ein unterproportionierter Sparringspartner der Klitschkos vorgekommen, beschreibt aber diesen Blondblödel trotz aller erlittener Ungemach immer noch als „verhaltenskreativ“. Falls sie Sehnsucht nach noch mehr Gestaltungsfreude hat: von uns kriegt sie jeden Hund, den sie haben möchte!
In den Reigen der Gratulanten reiht sich auch Franzis Ex, Antek, ein, bei dem sie anscheinend einen bleibenden Eindruck (und hoffentlich keinen bleibenden Schaden) hinterlassen hat. Wir danken fürs Mitleiden und Mitfiebern und hoffen auf einen Besuch Anteks bei seiner Ehemaligen. Ist doch bestimmt interessant zu vergleichen, was ein anderer so zustande gebracht hat.

Am späten Nachmittag fahren wir nach Deggendorf auf den Hundeplatz, um einem Geburtstagskind unsere Aufwartung zu machen – die Hunde lassen wir zuhause. Die Temperaturen sind nämlich inzwischen auf knapp über den Gefrierpunkt gefallen, aus den Wolken fallen abwechselnd Regen im Unmaß, Graupel und Hagel, und das alles von einem schauerlichen Wind durcheinander gewirbelt. Bei einem solchen Wetter müssen wir unsere alte Dame und die notleidende Brutmaschine nicht 200 km über Land schaukeln, dann vier Stunden im eisigen Auto liegen lassen und wieder nach Hause kutschieren. Es gibt nicht viel, was bescheuerter wäre. Also bleiben sie im warmen Blues-Stammsitz zurück und haben einen ganzen Abend lang Gelegenheit, sich auf unsere Rückkehr zu freuen; besser jedenfalls, als den ganzen Abend die möglichst baldige Abreise herbeizusehnen und sich dabei die Zipperlein zu holen.

Bei unserer Rückkehr kurz vor der Geisterstunde ist das Hallo groß und Franzis Hunger offenbar auch. Sie verdrückt sich nicht mehr außer Sichtweite des Napfs, sondern drückt sich in seiner Nähe herum. Und dann nimmt sie anstandslos eine halbe gekochte Hühnerbrust aus der Hand – mit sichtbarem Appetit (die Hand ist noch dran!). Es geht also aufwärts.

Sonntag, 9.10.

Franzi macht einen aufgeräumten und aufgeweckten Eindruck, keine Spur mehr vom Leiden der vergangenen Tage. Beim Morgenspaziergang schwebt und zappelt und hippelt sie wie alle Tage. Höhepunkt dieses Spaziergangs ist jedoch nicht Franzis Ballfangakrobatik, sondern Frauchens Parterreakrobatik im Wiesengrund. Weil der Chefin nämlich just in dem Moment, als sie Franzi einen Ball werfen wollte, der zweiten Ball von Anouk aus der anderen Hand gediebst und dabei minimal in den Finger geschlitzt wird (kann ja mal passieren in der Hitze des Schelmenspiels) und davon so verdattert ist, dass sie Franzis Ball buchstäblich Hals über Kopf nach hinten schleudert, wo er in einem fröhlich brabbelnden Bach landet. Plitsch – und weg ist er. Nein ganz ist er nicht weg, er grüßt noch vom Grund des knietiefen Bächleins. Stöcke gibt es auf Sichtweite nicht und abgeerntetes, durchgeweichtes Maisstroh ist so stabil wie Seetang. So sieht eine verdutzte Franzi und eine durch nichts mehr zu erschütternde Anouk ein viertelnacktes Frauchen, bei 4° C bäuchlings und kopfüber die pitschnasse Bachböschung hinab gleiten und den Ball aus dem Murmelbach retten. Wie weiß der Fotograf? Das schlechteste Bild ist das, welches mangels Kamera nicht gemacht wird. Aber Anouk und Franzi und der Herr des Blues sind Zeuge dieser selbstvergessenen Opferszene und zu jedem Meineid bereit.

 

Franzis MessstellenZuhause kommt nie die Frage auf: frisst Franzi wieder regelmäßig oder mäkelt sie noch. Sie frisst eine ordentliche Portion Blättermagen mit Stumpf und Stiel. Nun wird es auch wieder Zeit, die gewohnten Schwangerschaftsrituale aufzunehmen. Das erste davon ist die so genannte Maßnahme: Franzi wird von jetzt an regelmäßig, später (fast) täglich hinter den Vorderbeinen, in der Brustmitte und an der Taille, direkt vor den Hinterläufen, das Maß genommen, um die Veränderungen des Brutkastens zu dokumentieren. Heute, am 29. Tag, messen wir: 80-78-69. Bei ihrer letzten Schwangerschaft haben wir am 30. Tag 79-79-67 gemessen, was insofern interessant ist, weil sich die zwei Kilo, die Franzi heute mehr auf den Rippen hat, auf diesen nicht zeigen, sondern ausschließlich an der Taille und das bedeutet pro Kilo einen Zentimeter. Der Vollständigkeit halber und weil auch hier ein regelmäßiger Update erfolgen wird: vorgestern beim Ultraschall wog Franzi 34,5 kg.

Montag, 10.10.

Trauer beim Bairischen Blues: Frauchen packt, dreht mit den Mädels in der Morgenfinsternis nur eine kurze Runde um die Wiese und verschwindet mit großem Gepäck. Das verheißt nichts Gutes. Frauchen verreist, Frauchen geht eine Woche auf Klassenfahrt. Für Anouk ist das schon seit jeher eine kaum zu überbietende Zumutung und Franzi hat in ihrem jetzigen Zustand größte Probleme in ihrer Abwesenheit einen geeigneten Beschattungspartner (oder sollte man besser Beschattungsopfer sagen) zu finden. Der Chef eignet sich dazu kaum. Draußen flutet es ohne Unterlass vom Himmel und jetzt auch das noch. Wir bringen alle drei den Tag trotzdem anständig über die Runden, aber Franzi zeigt sich abends vom Trockenfutter wenig angetan; sie lässt das Meiste stehen und überlässt Anouk den großen Rest. Die sagt nicht nein und findet, dass so selbst die Abwesenheit von Frauchen noch etwas Gutes hat.

Dienstag, 11.10.

Franzi wird wieder von ihren Fieslingen bedrängt. Beim Morgenspaziergang erbricht sie Schleim, was sie aber nicht daran hindert, anschließend ihre Frühstücksportion zu verdrücken. Es ist eben vieles in Unordnung geraten, aber nichts kaputt.

Mittwoch, 12.10.

Die Mädels staunen nicht schlecht: plötzlich huschen fremde Geister über den neuen Designerrasen und als diese nach fast drei Stunden wieder weg sind – baut sich vor ihnen eine mächtige Zeltburg auf; 6 x 8 Meter lassen im Garten nicht mehr viel Raum zum Wildpinkeln. Da bahnt sich etwas an, so viel ist klar, nur was, das bleibt noch bestens gehütetes Chefgeheimnis.
Franzi kriegt sich magentechnisch langsam wieder in den Griff, obwohl sie unübersehbar schwangerschaftsmalad ist. So ist das: alle schönen Dinge des Lebens machen dick und wenn man zu viel davon kriegt, wird einem auch noch schlecht.

Freitag, 14.10.

Frauchen ist back in town. Anouk bricht sich schier die Gräten vor Hingabe und Wiedersehenstänzen, Franzi singt dazu leise Lieder stiller Freude. Und weil das nicht schon genug des Trubels und der Freude wäre, stehen plötzlich auch noch Anouks Tochter Benta, Franzis Dacapo und Bentas Sohn Bubi vor der Tür. Jetzt wird der Hund in der Pfanne verrückt und Anouk scheint zu ahnen, dass das etwas mit dem Gartenpavillon zu tun haben muss. Angefeuert von der niederbayerischen Futterkonkurrenz und dem offensichtlich wieder genesenen Verdauungsapparat haut Franzi weg, was sie kriegen kann und gibt auch nichts mehr her.

Samstag, 15.10.

Guitarrero mit Lichtgestaltkleine SaxophoneinlageDas Wetter hat sich in den vergangenen Tagen auf Hochglanz poliert, was in dieser Jahreszeit nachts Minusgrade bedeutet, Reif auf den Dächern, Eis auf den Scheiben – und eine seit drei Tagen beim Chef aufsteigende Erkältung, die er heroisch und mit allen zugänglichen Mitteln erträgt und unterdrückt. Heute muss er nämlich Geburtstag feiern, Hauptperson sein und Nabel der Blueswelt, das Licht, um das die Motten schwirren.

Dann sind sie alle da, die Zeltburg ist voll und die Gäste strahlen mit den Heizstrahlern um die Wette. Am meisten aber strahlt der Chef. Die Hunde sind mindestens genauso wichtig wie der Jubilar, wie sollte es auch anders sein bei einem Zelt voller Hundenarren, das nur durch ein kleines Häufchen Familie ergänzt wird. Als die Feierbiester weit nach Mitternacht auseinander laufen, strahlt der Chef noch beglückter als zu Beginn der Huldigungen, hatte er doch nicht nur einen stimmungsvollen Abend erleben dürfen, sondern war darüber hinaus noch über alle Maßen, jedenfalls weit über alle Erwartungen, beschenkt worden. Wer zu Neidattacken neigt, sollte jetzt nicht hier klicken. Wer die Neugier trotzdem nicht zügeln kann, dennoch einen neidvollen Blick auf den überbordenden Gabentisch wagt und gelben Neid aufsteigen fühlt, sollte, anstatt sich zu verzehren, seinen Freundeskreis überdenken. Dass aber keine Missverständnisse aufkommen: meinen kriegt ihr nicht! Nicht zu meinen Lebzeiten – und ich neige zu unsozialem Durchhalten nach dem Kahnschen Motto: weiter machen, immer weiter machen.

An dieser Stelle jedenfalls ganz herzlichen Dank allen, die sich am Gelingen des Festes mit viel Hingabe und an der Füllung, ja Überfüllung, des Gabentisches so reichlich beteiligt haben. Vor allem vor dem wunderbaren Küchenteam möchte ich mich verbeugen: ihr habt die Latte fast bis zur Dachrinne hoch gelegt. Und ihr alle habt mir auf Jahre hinaus viel Freude beschert. Noch jetzt ist der Chef so gerührt, dass die Idee, zehn Jahre lang einen Memorial-60er zu feiern, Formen annimmt. Das bedeutet also auch für euch alle: durchhalten, weiter machen, immer weiter machen und den 15. Oktober für die nächsten zehn Jahre im Kalender markieren.

Franzi vom Fuchsiengarten mit wachsendem BabybauchAch ja, gutes Stichwort: weiter machen. Wir haben natürlich auch in der Vorbereitung auf Frau Fischer und ihre Fieslinge weiter gemacht und eine neue Maßnahme vorgenommen, die nun am 35. Tag der Schwangerschaft die raumgreifenden Maßnahmen von Frau Fischer & Co. dokumentiert: 81-81-74 (vgl. am 9.10.: 80-78-69). Die blinden Geburtstagspassagiere Feierbiest, Frizzantino, Feist, Freixenet, Fegato und Fanta machen sich neben Frau Fischer ganz schön breit. Man könnte fast sagen: Ausladung nach der Einladung – ähm…

Montag, 17.10.

Schon wieder ein schwerer Schock in der Morgenstunde: Frauchen packt schon wieder und macht sich zu nachtschlafender Zeit davon. Zwei lange blasse Nasen blicken ihr leer hinterher. Soll das jetzt eine Wochenendbeziehung werden? Anouk, die Weltbewegte, fügt sich ins Unvermeidliche und spart sich ihre Emotionen für Frauchens Rückkehr auf. Franzi rollt sich unterm Tisch zusammen und bespricht die neue Lage mit Frau Fischer. Von der kommt aber allem Anschein nach nichts als die Aufforderung, in den Brutbemühungen nicht nachzulassen und sich keine Blöße zu geben.

Freitag, 21.10., 41. Tag

So brütet Franzi und brütet, zeigt die komplette Woche über bruteifrigen Appetit und geht sichtbar in die Breite und die Tiefe. Ihre Zitzen wachsen langsam zu mundgerechten Schnullern heran und die umliegenden Haare haben sich bereits davon gemacht. Die Bar ist also bestellt und wartet auf Kundschaft. Und weil der werdenden Mutter viel Bewegung genauso gut tut wie ihren Fieslingen, dem Chef und Anouk, unternimmt der zurückgelassene Blues lange Spaziergänge über die Brachen des Mangfalltals, steckt drei lange Nasen in den wattigen Morgennebel und wärmt sich am heimischen Herd und der Aussicht, dass Frauchen heute wieder kommt.

Bei Frauchens Rückkehr aus Prag bringt sich Anouk abends fast um – und Franzi 36,6 Kilo auf die Waage. Das korrespondiert mit den stattlich angewachsenen Körpermaßen: 82-84-79. Frauchen befürchtet bezüglich der Anzahl der Jünger rund um Frau Fischer nichts Gutes und ein Blick in die Chronik des Blues belegt diese Befürchtung. Beim E-Wurf hatte Franzi am 45. Tag 81-84-74. Und dann schreiben wir vielleicht real noch gar nicht den 41. Tag, weil wir doch vermutlich etwas später dran sind …

Samstag, 22.10., 42. Tag

 

Franzi vom Fuchsiengarten mit ihrem Hetzarm
Man müsste dürfen, wie man will...
Wir fahren nach Deggendorf, vor allem weil der Chef sich bei den Mitgliedern der Übungsgruppe persönlich für ihr ambitioniertes Geschenk bedanken möchte, aber auch weil heute Herbstprüfung ist. Der Himmel gibt sein Bestes, die Sportiven auch und der Chef gibt eine Runde Prickelwasser aus. Und Franzi darf wieder mal an einem Hetzärmel riechen, aber nur riechen, ihn ein bisschen herum tragen auch, ihn sehnsüchtig anschmachten, aber jagen darf sie ihn nicht, da lassen wir uns auf keine Experimente ein. Nur einmal mundgerecht zwischen die Kiefer stopfen lassen darf sie ihn sich und das macht sie einerseits glücklich, andererseits wächst die schnöde Hoffnung auf mehr, die wir ihr nicht erfüllen. Wir erklären ihr, dass sie zwar in Hoffnung ist, was jedoch nichts damit zu tun hat, auf einen knackigen Schutzdienst hoffen zu dürfen. Da wächst die Nase der Rabennase auf Tapirformat. Nächstes Jahr wieder, Rabennase.

 

Sonntag, 23.10., 43. Tag

Am Sonntag sind wir dann in Schweitenkirchen, um Anouks drei Bruni-Enkel von den Alpenseglern bei der Nachzuchtbeurteilung in Augenschein zu nehmen. Gut sind sie gelungen, pfiffig scheinen sie zu sein und Langweiler sind sie offenbar auch nicht. Dieser Enkel braucht man sich nicht zu schämen.

Bei Franzi machen sich jetzt die beengten Verhältnisse ihres Innenraums bemerkbar: was da zu sehen ist, wölbt sich nicht nur nach außen, das drückt auch nach innen. Und das bedeutet eine deutlich erhöhte Darmaktivität sowohl in gasförmigem wie in festem Aggregatszustand. Auf Deutsch: Franzi umwehen üble Düfte und sie muss jetzt mindestens dreimal täglich den Buckel krümmen, um sich zu entleeren. Für uns bedeutet das, dass wir auch ihre Futterrationen kürzen und auf dreimal (später sogar viermal) am Tag verteilen, weil nicht nur der Darm in die Klemme gerät, sondern auch der Magen und die anderen Innereien.

Franzi bei ihrem LieblingsspielUnd noch etwas werden wir jetzt einstellen: Franzis Lieblingsspiel, den Jack-in-the-Box-Ball. Aus dem Platz schnellt Franzi wie ein Schachtelteufel einem kurz geworfenen Ball hinterher, explosionsartig, eruptiv und mit der Fangsicherheit eines Chamäleons. Schnapp, hat ihn schon. Und wieder legt sie sich hin, Nase knapp über den zwischen den Beinen ruhenden Ball – swooosh – und hat ihn schon. Nein, für diese Plauze ist das nicht mehr das angemessene Spiel, außerdem wächst mit der Dauer der Trächtigkeit das Verletzungsrisiko, weil Bänder und Sehnen weicher werden und den Apparat nicht mehr so zuverlässig schützen wie gewohnt. Das fehlte gerade noch!

Donnerstag, 27.10., 47. Tag

Maßnahme 83-89-86, 38,4 kg.
Mein lieber Mann, da wächst ja was heran! Franzi ist auch in etwa so schwerfällig wie die Zahlen vermuten lassen, dafür kann sie nicht genug Streicheleinheiten bekommen. Wo immer man ist, ist Franzi in der Nähe, wanzt sich an, kriecht einem unter die Wäsche und will in den Arm genommen werden. Ihr Bauch ist stramm und dürstet nach Kraulereien. Wir spenden ihr jede Zuneigung, die sie braucht. Sie leidet tatsächlich und sichtlich.

Sonntag, 30.10., 50. Tag

Franzi im MorgennebelSchwere Nebel liegen über dem Mangfalltal, als uns der Morgen eine Stunde später als gewohnt begrüßt: Zeitumstellung. Eine Stunde länger schlafen. Aber jetzt, wo es morgens wieder früher hell ist, fällt das gar nicht so leicht. Wir ziehen hinaus in die Wattewand und hier zeigt uns Franzi, dass ihre Schwermut und ihr Schwergewicht vor allem Haus-gemacht sind: hier draußen lässt sie noch immer nichts anbrennen; es ist schon an uns, ihr den Kasperlzahn zu ziehen und sie etwas kürzer treten zu lassen. Vor allem, dass die Jack-in-the-Box-Nummer konsequent vermieden wird, stürzt sie in eine Glaubenskrise. Wir versuchen ihr zu erklären, dass Frau Fischer gerade ein intrauterines Roundtable-Gespräch anberaumt habe, in dem sie ihre Fieslinge Franzi genießt die Morgensonneüber den anstehenden Zeitplan und das weitere Vorgehen informiere. Schließlich sind es bis zum Auszug aus Franzis Asyl nur noch zwei Wochen, da muss man schon langsam seine Dinge regeln, sicher stellen, dass Niere, Lunge, Milz und Leber, Magen, Darm und Herztaktgeber auf Position und einsatzbereit sind, zumindest, was den zum jetzigen Zeitpunkt vorgesehenen Projektfortschritt betrifft. Richtig wären sie ja sowieso noch nicht zur Übernahme bereit, das dauert noch ein paar Tage und diese Tage sind für uns die unerträglichsten. Wenn Franzi jetzt die Lust verliert und das Produktionsband anlaufen lässt, fallen uns nur unfertige Zwischenprodukte ohne Lebenschance vor die Füße. Dagegen müssen wir angehen und unsere Franzi in Watte packen – und sei es nur in Wattenebel. Und im brillanten Licht der Mittagssonne sieht die Welt sowieso gleich anders aus…

An diesem Wochenende geben sich die Interessenten die Klinke in die Hand, aus dem tröpfelnden Bewerberrinnsal wird nun auf die letzten Tage hin ein mitreißender Strom. Wenn das so weiter geht, muss Franzi umgehend eine zweite Auflage der Fieslinge in Produktion nehmen; über mangelnde Nachfrage brauchen wir uns derzeit wirklich nicht beklagen. Franzi und Fetzer sind aber auch ein betörend knutschiges Paar. Trotz der Intensivbelagerung der Bluesburg geben sich unsere beiden Damen gelassen und von ihrer besten Seite, betteln Kinder an, dass denen das Herz vor Vergnügen hüpft, werfen sich an sie und klauen Brezen (Franzi!), dass es allen warm ums Herz wird. Vor allem die früher so spröde Anouk leckt fremde Gesichter und Hände und scharwenzelt um fremde Beine, dass wir die Besucher eindringlich daraufhin weisen müssen: dieses Modell ist unverkäuflich! Anouk hat ihr Marketingmodul wieder in Betreib genommen: Franzi produziert und Anouk verkauft mit Leidenschaft. Jetzt müssen nur die Bestellungen nach Wunsch geliefert werden!

Großer Lauschangriff auf Franzis FieslingeHeute Nachmittag können wir es nicht mehr unterdrücken, jenes Bedürfnis, Frau Fischer und den kleinen Fieslingen hinterher zu spionieren, sie auszuhorchen – Großer Lauschangriff mit dem Stethoskop im Garten. Und da lebt es lauthals in Franzi, da holpert es und stolpert es, da gluckert es und rauscht es, dass unsere Herzen gleich mithopsen und -hüpfen. Wenn die im richtigen Leben auch so hochtourig abgehen, wird manch einer, der jetzt bei uns von einem herzigen Wollknäuel träumt, bald mehr als alle Hände voll zu tun haben.

Und dann führen wir noch eine routinemäßige Maßnahme durch, ohne Hintergedanken, nur weil Franzi gerade so günstig da steht – und Holy Strawsack! – hat die schon den Nachschlag auf Band gelegt? Wir trauen unseren Augen nicht: 84-90-92. Das ist innerhalb von nur drei Tagen so etwas wie eine Supernova. Wir haben noch zwei Wochen vor uns! Hoffentlich wird Franzi der Ballast nicht zu viel. Halt aus, Biberfranz, nein: halt ein! Eine Woche mindestens noch, sonst wäre doch die ganze Plackerei umsonst gewesen…

Dienstag, 1. 11., Allerheiligen, 52. Tag

Gestern noch standen die süßsauren Bettler in ihren Draculakostümen vor der Tür, drohten uns Saures an, wenn nichts Süßes verabreicht würde und heute steht der graue Mond November vor der Tür und droht nicht lang, sondern macht einfach mit faustdickem Frühnebel ernst. Es winkt die große Zeit des Herrn des Blues; wenn andere sich suizidal gebärden, streicht ihm das Glück mit feuchten Händen durch die Haare. Es locken undurchdringliche Nebelbänke, in denen jeder Laut zum Leisetreter wird und die mit jedem Atemzug nur dichter werden. Es ist die Zeit der Stille vor der staden Zeit. Es ist die Zeit, in der unter einer knapp gelüfteten Nebeldecke auf jedem durchgeweichten Maisstrunk eine Krähe thront. Es ist die Zeit, wenn über silbrig nasse Äcker Entenkolonien watscheln wie sonst nur die Touristen über die Fraueninsel. Der Wildschütz ist’s, der jetzt frohlockt und nicht der Jäger. Es ist die Zeit des Herrn, zumindest die des Herrn des Blues, in der er seinen süßen Zahn jetzt wachsen fühlt und dem jetzt Lebkuchen, Dominosteine und Schokoherzen zufliegen wie einst, vor tief in Nebelwänden abgesunkenen Zeiten, Mädchenherzen. Und ausgerechnet jetzt soll er die Muntermacher wohlfeil an der Tür verschenken? Und wenn’s der Fürst der Unterwelt leibhaftig wäre, der gallig Süßes oder Saures droht: NIE! Nicht jetzt! Macht euer „Hallo-Wien“ im Juli, dann lässt er mit sich reden.

Beim Morgenspaziergang sammelt die Chefin eine Kotprobe von Franzi in ein Röhrchen. Franzi und ihre Fieslinge sind nämlich Probanden für eine Doktorarbeit zum Thema „Verwurmung von Saugwelpen“. Heute, etwa zwei Wochen vor der Niederkunft, ist die erste Probe fällig, dann direkt nach der Geburt eine weitere und daraufhin vierzehntägig mit den Kotproben aller Fieslinge. Der Herr des Blues sieht sich schon durch seinen tief verschneiten Garten stapfen, immer auf der Spur eines Winzlings, der alle Anzeichen einer baldigen Lösungswilligkeit zeigt, um dann aus knietiefem Schnee die schnell versinkende Kostprobe (kein Schreibfehler: kommt von kostbar) zu retten, einzuröhren und ein Etikett mit „Feng Shui“ darauf schreiben. Der Blues im Dienste der Wissenschaft. Oder wirken hier nur Frau Quixote und ihr ergebener Diener Sancho Pansa im aussichtslosen Kampf gegen Nematoden und Cestoden? Wie dem auch sei, es bleibt die Frage: gibt es für Doktorandinnen nichts Reizvolleres als wochenlang in Hundescheiße zu stöbern und Würmer aufzuspüren? Soll sein, wenn es der Wahrheitsfindung dient. Morgen geht die Scheißdepesche mit der Kotnummer 1301 in die Post. Nach uns die Stinkflut. Nein, eigentlich. vor uns die Stinkflut…

Die Wurfkiste in EinzelteilenDie Wurfkiste in der 1. AusbaustufeEs wird Zeit, die Wurfkiste aufzubauen, die geliebte Schnullerbox. Doch halt: die geliebte Schnullerbox ist in Rente gegangen, eine neue, alte und bewährte Wurfbox nimmt nun ihre Tätigkeit beim Blues auf. Es ist die Wurfbox, in der schon unsere Franzi drüben in Wolfratshausen das Licht der Welt erblickte und in dem sie nun ihren Frischlingen das Leben schenken wird und fast scheint es, Franzi nimmt die Wurgkiste abDie Wurfkiste wartet auf neues Lebenals ob Franzi eine ferne Ahnung beschliche, so andächtig begutachtet sie die neue Box.
Wie sang schon Jürgen Marcus Anfang der 1970er Jahre? Eine neue Kiste ist wie ein neues Leben, so ähnlich jedenfalls hieß das damals. Ob nun eine neue Kiste gleich ein neues Leben bedeutet, sei dahin gestellt, außer im vorliegenden, lebensspendenden Fall vielleicht, aber dass eine neue Kiste zumindest ein unkalkulierbares Abenteuer sein kann, können viele nachvollziehen. Hand aufs Herz und keine prüde Bescheidenheit!
Im vorliegenden Fall bezieht das Neue-Kisten-Abenteuer seine Spannung aus einer halben Küche voller unbekannter Einzelteile, die meisten davon schlicht rechteckig, nicht wie bei einem Puzzle multipel gezahnt, und somit eine Grenzerfahrung häuslicher Ingenieurskunst. Doch dann, nach diversen Sortierbemühungen, klugen Fehleranalysen und gestandenen Flüchen, steht sie, stolz und schlicht wie ein Kaderschmiede von Sparta und wird auf den Namen Fortezza getauft, zu Deutsch: Franzensfeste. Das soll sie sein: Kreißsaal für die edlen Sprosse, Trutzburg gegen große und kleine Feinde, Refugium vor den Fährnissen des Fieslingsalltags, Turnierplatz für die ersten Ritterspiele, Grotte für die Kinderträume, Salon für Frau Fischers Empfänge und Kemenate fürs Furzkaschemmchen...

Mittwoch, 2.11., 53. Tag

Seit Montag bekommt Franzi nun mittags einen Becher Hüttenkäse und abends eine Portion Junior-Futter, um die Eiweißversorgung aufzudoppeln. Jetzt braucht sie nämlich richtig was zwischen und auf den Rippen, um der Bande gerecht zu werden, die sich inzwischen räumlich mächtig breit macht. Überall an Franzis Bauch kann man jetzt feste Beulen und Knubbels lokalisieren, Ausbuchtungen, die sich sogar bei Berührung bewegen, aber stumm bleiben, kein Sterbenswörtchen sagen; kein dünnes Stimmchen, das ruft: Hallo Wien, wer da?, hier liegt Furzkaschemmchen oder knorzig raunt: Finger weg vom Freisleder. Nichts dergleichen. Sie sind stumm und bleiben undercover, keiner will seine Identität früher als unumgänglich preisgeben. Aber sie zwingen ihre Mama, schon mal in Vorlage zu gehen und wollen sehen, ob der Tisch für sie bestellt ist. Und Mama tut ihnen den Gefallen und gibt seit heute Milch.
Nachts machen Franzi die Plagen allerdings richtig schwer zu schaffen, wie ja alle Beschwernisse und Schmerzen ihre Bühne in der Nacht finden: unruhig marschiert sie hin und her, säuft einen gefühlten Pferdetrog Wasser aus, sinkt tief seufzend in sich zusammen, geistert wieder unter Wehklagen durch die Hallen des Blues, erklimmt das Familienbett steuerbords überquert es unter missvergnügten Klagelauten, um es unverzüglich backbords unter Zurücklassung diverser beschädigter Weichteile wieder zu verlassen. Um 5 Uhr drängt sie ihre Herrschaften aus dem Bett und ins Erdgeschoß, weil sie in den Garten muss, dringend natürlich, leert ihren Darm, mitunter gleich zweimal, pinkelt einen doppelten Pferdetrog und macht sich dann wieder auf Wanderschaft durchs Haus - dafür schläft sie den ganzen Tag über den Schlaf der Erschöpften. Franzi arbeitet 24 Stunden am Tag an der Fertigstellung ihrer Fieslinge, diese halten sie 24 Stunden auf Trab und wir dürfen 24 Stunden zu Diensten und zu Willen sein und diesem großen Werk in stummer Andacht, aber schlaflos, beiwohnen. Sie hat schon was, diese Vorfreude auf den Nachwuchs!

Schnell noch eine Maßnahme: 84-94-90 und 40,7 kg.
Sind die Fieslinge jetzt von hinten zur Körpermitte gerutscht? Sollten sie sich nicht zunehmend zum Ausgang hin orientieren? Naja, vermutlich ist es besser so. Sie werden schon wissen, was sie zu tun haben. Solange Franzis Flanken nicht einfallen und der Rücken sich wie bei einem alten Gaul durchsenkt, ist noch keine Gefahr in Verzug.

 

Samstag. 5.11., 56. Tag

Schön langsam biegen wir auf die Zielgerade ein. Das Jahr neigt sich und Franz bewegt sich – in jeder Hinsicht – stramm dem Ende ihrer Malessen zu. Seit der Zeitumstellung haben wir Lerchenzeit, also, trotz der Liebe des Herrn zu dieser Jahreszeit, keine angemessene Zeit für ihn als ausgemachte Eule. Der Morgenspaziergang lässt sich jetzt wieder unter einigermaßen erträglichen Lichtverhältnissen absolvieren, aber die Nachmittagsrunde spricht jeder Zeitplanung Hohn; um 17 Uhr ist es doch schon stockdunkel! Dementsprechend treiben alle, aber auch wirklich alle auf den Hund Gekommenen ihre Herzallerliebsten zwischen 16 und 17 Uhr auf die Weide: die Angsthasen und die Größenwahnsinnigen, die zwangsneurotischen Spieler ebenso wie die ewig auf der Flucht Befindlichen, die Großspurigen und die Kleinkarierten, die Hetzer und die Gehetzten, die Wohlerzogenen und die aus dem Ruder Gelaufenen. Dazwischen der Herr des Blues mit einem außer Form und Atem geratenen Mutterschiff und einer zu jeder Verteidigungstat bereiten Zarin. Er setzt sich ins Auto und verbringt das Zweigestirn drei Kilometer nach Westen oder 5 Kilometer nach Osten und ist wieder umzingelt von den Angsthasen und den Größenwahnsinnigen und den…. Am schlimmsten sind die Fahrradaustreiber, denen man bei einem Spaziergang locker dreimal begegnen kann, von denen am allerschlimmsten sind die Zwangsspieler, die das Revier so lange in Kreisen und Achten abradeln, bis sie deinen Weg mindestens viermal gekreuzt haben, damit den Bedürfnissen ihrer Spielneurotiker Genüge getan ist. Zum Glück gibt es im Mangfalltal auch ganz normale Hunde mit ganz normalen Menschen, auf deren Begegnung man sich freut und mit denen die Zeit in netten Gesprächen nur so dahin fliegt; das verschafft unserer Schwangeren längere Verschnaufpausen und uns allen eine Heimkehr in völliger Finsternis. Aber es sind ja nur noch ein paar Wochen bis die Tage wieder länger werden!

Anouk und Franzi beim geliebten Zerrspiel um den BallTrotz dieser spärlich lichten Tage, reicht es heute zu einem kleinen Frühlingswunder und 20° im Mangfalltal. Der Föhn, der alte Freund, beschert uns dieses Glück, das der Schwangeren allerdings eine herbe Last ist. Trotzdem rafft sie sich seit neuestem immer wieder zu dem geliebten Zerrspiel mit Anouk auf, das ihr in den vergangenen Monaten irgendwie aus dem Sinn gekommen schien. Aber jetzt ist er wieder da, der Trieb auf Anouks Ball, und siehe da: die Wuchtbrummsel kann noch immer pfeilschnell sein – und schon hat sie ihn. Und fast scheint es, als ob auch Anouk das jähe Wiederfinden verlorener Spielkultur viel Freude bereitete, jedenfalls ist ihr schönes Hinterende mit viel Spaß am Spiel beteiligt, was man früher nicht immer sagen konnte.

Wie sehr allerdings Franzi mental auf Nachwuchs eingestellt ist, wird uns bewusst, als wir zur Kenntnis nehmen müssen, dass Franzi Wasser meidet. Nochmal zur Wiederholung, damit das auch jedem klar ist: Franzi, der Biberfranz, meidet Wasser! Kein Bach, kein Rinnsal, kein Abfluss, kein Entwässerungskanal, keine Pfütze, in der unser Franz nicht zuverlässig liegen würde, und zwar liegen, nicht einfach drin stehen. Und jetzt macht sie einen Bogen um jedes stehende oder fließende Wasser, und das, obwohl sie augenscheinlich Durst hat, weil die Zerrerei und die, wenn auch spärlich dosierten, Ballspiele im Zusammenspiel mit ihren Fieslingen sie zweifellos erhitzen. Aber nichts da: sie trinkt zuhause und verzichtet auf jede Art von Bad. Hat sie dieses Verhalten schon in ihren vorherigen Schwangerschaften gezeigt? Wir finden nichts in unseren Aufzeichnungen und können uns nicht erinnern.

Die Nächte mit Franzi lassen in uns allen den Wunsch nach einer baldigen Beendigung ihres Zustands wachsen. Wie schon erwähnt, nehmen wir sie mit ins Schlafzimmer, um ihren Bedürfnissen gerecht zu werden und nichts zu versäumen oder zu übersehen, vor allem ihr Darm ist uns ein nachvollziehbares Anliegen. Aber ihre Unruhe nimmt doch beträchtlich zu und unsere Schlafzeiten passen sich den ihren an, nur dass wir die schlaflosen Stunden stumm leidend im Bett abwettern, während sie klagend spazieren geht. Es muss ein Weiser gewesen sein, der diesen Zustand als "in guter Hoffnung sein" bezeichnete. Die Hoffnung zielt einzig auf die Beendigung des Zustands! Eine Woche werden wir allerdings mindestens noch durchhalten müssen. Aber das Ziel ist in Sicht, ein Licht am Ende des Tunnels oder was einem noch so alles einfallen könnte als wohlfeile Phrase; viel Futter für das Phrasenschwein! Aber hallo, da ist ja schon wieder ein allerliebster Name geboren: Frasenschwein. Frasenschwein und Furzkaschemmchen. Mal sehen, was die Namenskontrollinstanz dazu sagt…

Abends nehmen wir erstmals Franzis Temperatur, um den Zeitpunkt der nahenden Geburt nicht zu verpassen. Noch haben wir zwar (hoffentlich!) noch ein paar Tage bis es soweit ist, aber es schadet auch nicht und gewöhnt Franzi an die Prozedur, die wir jetzt täglich, später zweimal täglich, an ihr vornehmen: Thermometer in den Hintern, Leberwurstbrot zwischen die Kiefer und so können wir für die erste Messung festhalten: 21 Uhr, 37,8°. Alles im grünen Bereich. Und weil Franzi schon so schön da steht, erfolgt eine weitere Maßnahme, die so ausfällt wie der optische Eindruck es erwarten lässt: 84-99-95 (Mittwoch: 84-94-90). Das wird vermutlich keine Geburt, sondern Franzi wird ihre Welpen explosionsartig herausschleudern wie ein Pilz seine Sporen. Na denn…

Montag, 7.11., 58. Tag

Franzis ThermoterminAnouk hat eine neue Rolle: sie hat sich jetzt selbst zur Stationsschwester des Bairischen Blues befördert. Bei jeder Gelegenheit hat sie das Fieberthermometer im Auge und versucht uns zu einer Messung bei Franzi zu verführen. Man ahnt schon, dass sie weniger das Messergebnis interessiert, als vielmehr die Leberwurstsemmel hinterher, denn natürlich ist es ein komplett untauglicher Versuch, Franzi für ihr Stillhalten belohnen zu wollen und Anouk die Leberwurstgabe zu verweigern. Bei ihr ist es allerdings wie bei jenen Leuten, welche bei der Kombination Wurst und Brot uneingeschränkt auf das Brot verzichten können, Hauptsache die Wurst ist reichlich vorhanden. Im konkreten Fall heißt das, dass Anouk alles tut, dass Franzi das Thermometer in den Hintern kriegt und danach die Leberwurstsemmel zwischen die Zähne, sie selbst dagegen mit der Leberwurstsemmel ohne Thermo vergütet wird. Anouk ist in all den Jahren eine mit allen Wassern gewaschene Trittbrettfahrerin geworden. Und warum sollten wir der Urmutter des Blues das kleine Vergnügen verweigern? Wegen eines falsch verstandenen Gerechtigkeitsdenkens: wer nichts leistet, darf nicht belohnt werden? Ach was, gerecht ist, was alle glücklich macht und Franzi ist bestimmt nicht unglücklich, wenn Anouk einen Haps Leberwurstsemmel abkriegt. Wie Anouk diese letzten Tage einer fremden Schwangerschaft liebt!

Seit heute geht der Blues getrennte Wege – zumindest nachts. Der Chef räkelt sich in mehreren Quadratmetern Bett und die Chefin nächtigt auf dem Wohnzimmersofa, um Franzi den inzwischen sehr beschwerlichen Weg in den ersten Stock zu ersparen und außerdem näher am „Notausgang“ zu sein, wenn es Franzi zwickt. Damit scheinen alle glücklich zu sein, Franzi ist jedenfalls deutlich ruhiger als im Schlafzimmer, vielleicht weil sie im Erdgeschoß genügend Raum hat, sich zu bewegen, wenn es ihr danach ist. So ist mit dieser Lösung nicht nur Franzi, sondern der ganzen Belegschaft gedient.

Ihr Bauch entwickelt sich nun von einer strammen Bierfahrerwampe zum tiefer gelegten Ziegenranzen. Gott, wenn Fetzer sie so sehen würde, würde er an der Wahl seiner Geliebten noch nachträglich zweifeln – und zwar mit recht.

Temperatur:
8:00 Uhr 37,96°   18:30 Uhr 37,98°.

Da tut sich noch gar nichts.

Dienstag, 8.11., 59. Tag

Franzi findet es jetzt nicht mehr uneingeschränkt angenehm, wenn man ihr den dicken Babybauch streichelt, vor allem im Stehen scheint ihr das unangenehm zu sein, sie weicht dann aus. Dieses Verhalten ist auch in ihren vorigen Würfen aufgefallen, bei Anouk können wir uns daran nicht erinnern. Aber: Was dem een sin Uhl, is dem annern sin Nachtigall.

Ihre Neigung zu Wanderungen im Mangfalltal reduziert sich inzwischen auf eine Wiesenumrundung, mehr braucht und will sie nicht mehr. Wenn man jetzt einen Ball aus der Tasche zöge, würden ihre Augen zwar glühen und die Ohren tanzen und sie würde sich wie zu allen Zeiten hinter dem Ball her machen, aber wir lassen das jetzt; dieser Hund würde für einen Ball auch eine Sturzgeburt riskieren.

Temperatur.
6:30 Uhr: 37,9°   18:30 Uhr: 38,02°

Noch keine Erlösung für die Schwangere, die gebeugt und mit schweren Augen um Erleichterung fleht, in Sicht.

Mittwoch, 9.11., 60. Tag

Im Osten steigt ein unglaublicher Morgen herauf, feuriges Orange schiebt sich ins frostige Blaugrün eines Gletschersees, die Luft flirrt ohne Eis oder Nebelkristallen im moderaten Minus, die Bäume wie Scherenschnitte vor einer transparenten Bergkulisse, deren Kämme, mit Lichtbordüren nachgezogen, wie in einem Kulissenbuch gestaffelt stehen. Wir betrachten diesen Morgen als Versprechen; man kann angesichts eines solchen Spektakels nicht an Böses denken, wohl wissend, dass die Niedertracht nur allzu gern im feinen Tuch daher kommt. Doch wer einem solchen Morgen mit Misstrauen begegnet, begibt sich jeder Hoffnung. Ab heute aber sind wir endgültig voller Zuversicht, wir schreiben offiziell den 60. Schwangerschaftstag und selbst wenn wir ein paar Tage abziehen müssen, dürfen wir davon ausgehen, dass eine Geburt nun für die meisten Fieslinge kein Notausstieg mit dem Schleudersitz wäre, den die wenigsten überleben würden. So gesehen sind wir jetzt on the sunny side of the street. Und nichts anderes will uns dieser Morgen mitteilen.

Franzi vom Fuchsiengarten am 9. Novenber 2011Franzi hat dafür keine Augen, sie liegt wie eine gestrandete Robbe mit Schlappohren im Erdgeschoß und macht Töne. Mit starrem Blick liegt sie und grunzt und stöhnt und ächzt und raunt und lässt sich nur zu einem Kurzspaziergang überreden, weil ihr Rektalausgang dafür eine gewisse Notwendigkeit signalisiert. Sie lässt sogar zwei Leckerli fallen – oder spuckt sie sie gar aus? Huch, ist sie etwa schon in der finalen Mäkelphase? Nein, es war wohl ein Versehen, sie pickt sich das verlorene Stückchen wieder auf und schaufelt ihr Frühstück (frisches Kalbsherz an Stampfkartoffeln) mit ungebremstem Appetit in sich hinein. Die Reste von Anouks Kopffleisch mit Pansen und Kartoffeln gehören dann auch noch ihr. Von der davor inhalierten Leberwurstsemmel nicht zu reden. Die Morgentemperatur gibt auch tatsächlich nichts anderes her: 6: 00 Uhr 37,96°. Stillstand in Frau Fischers Fieslingsbrutanstalt.

Mittags trottet sie mit dem Chef zur Wiese, legt ein Ei und vollzieht einen sofortigen Umkehrschwung: nach Hause! Dass der Chef dann allerdings Anouk reisefertig macht, einen Ball einsteckt, ein Käppi aufsetzt und diese frohgemut und kurzärmlig bei 15°C durch die Haustür bugsiert, erfüllt die werdende Mutter mit gelber Missgunst. So hatten wir nicht gewettet! Nein, Franzi, so haben wir tatsächlich nicht gewettet, so wird aber trotzdem gespielt. Flute das Kuddebett mit deinem Bauch und sing deine schrägen Lieder, wieg deine Brut in Sicherheit; in einer Stunde sind wir zurück.

Drei Dinge sind jetzt nicht mehr zu übersehen: Franzis Flanken fallen deutlich ein, der Bauch sackt ab, d.h. dass das Hormon Relaxin langsam die Kontrolle übernimmt, Sehnen, Bänder und Geburtswege weich und geschmeidig macht. Noch hängt zwar der Rücken nicht durch, aber das wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. Außerdem hat Franzi jetzt kräftigen Ausfluss, der ihr die Hosen verklebt und die Milchleisten sind schon richtig prall; Milch fließt reichlich (aber kein Honig, deshalb sind wir selbst im verwöhnten Mangfalltal nicht im Gelobten Land).

Eine weitere Sache ist noch einer näheren Betrachtung wert: Franzis aktualisiertes Trinkverhalten. Die fürsorglichen Brutpfleger machen sich natürlich schon Gedanken, wenn der Hund sein vertrautes Verhalten ersatzlos über Bord wirft und auf eine neue, bisher unbekannte, Variante besteht. Was also, so die besorgte Frage, bewegt Franzi, die vier (V – I – E – R!) angebotenen (und gefüllten!) Trinkwasserschüsseln im Haus zu ignorieren und auf Tränkung aus dem neuen Terrassenbecken zu bestehen? Wie ein Kamel steht sie da, mit gespreizten Beinen, und schlürft, über die Maßen kopflastig, aus dem Becken, dessen Wasserstand in den letzten herbstlichen Sommertagen sichtbar geschwunden ist. Vermutlich verhindert nur das Kontergewicht des am Boden aufsitzenden Babybauchs, dass sie kopfüber im Becken verschwindet. Sie besteht auf diese Trinkkultur nicht nur tagsüber, was verschmerzbar wäre, nein, sie weckt Frauchen nachts auf dem Sofa mit einer Mischung aus lebensbedrohlicher Press- und Schnappatmung, einer Art Asthma dritten Grades (danke, Geli, für diese treffliche Ferndiagnose), und treibt sie aus dem Bett, zwingt sie, die Tür zu öffnen, was dies gerne tut, weil sie einen Fäkalnotstand bei Franzi vermutet, aber die watschelt nur zum Becken, säuft sich voll und trottet wieder in die Gute Stube. Erweicht das Relaxin nicht nur Franzis Bänder und Sehnen, sondern auch die Hirnwindungen? Da das Becken erst in diesem Sommer entstanden ist, haben wir natürlich keine Vergleichsstudien aus den Würfen A bis E. Falls jemand diesbezügliche Erfahrungen hat, sind wir für jeden Hinweis dankbar.

Abends lässt Franzi einen Teil ihres Trockenfutters stehen! Naja, sie hält sich dafür an Anouks Portion schadlos. So gesehen können wir diese Mäkelei höchstens als partiellen Trockenfuttertrotz einstufen. Aber ein Zeichen ist es auf jeden Fall. Bisher setzte bei Franzi die Futterverweigerung relativ spät ein, deshalb muss man jetzt schon ein Auge auf die Dame werfen. Wir stecken Franzi ein Thermometer in ihren Allerwertesten und registrieren: 18:00 Uhr 37,58°. Wenn das kein Ausrutscher ist, geht es bergab mit der Temperatur und Franzi könnte auf die Zielgerade einbiegen - und wir schon mal die Kreißsaal-Utensilien in Stellung bringen. Wir geben ihr zur Geburtsvorbereitung 10 Tropfen Pulsatilla D6.

Donnerstag, 10.11., 61. Tag

Zum Ausklang des gestrigen Tages ist ein Nachtrag fällig. Frauchen nimmt die Temperatursenkung ernst und deckt die Schnullerbox babygerecht ein. Dazu wird alles Nötige in Stellung gebracht: Waage, Medikamente, Wachsstifte für die Markierung der Welpen und die Protokollblätter für die Wurfdokumentation. Um 22 Uhr lässt sie die Unruhe nicht mehr in Ruhe und sie zapft Franzi nochmal etwas Temperatur ab und siehe da: 37,95°. April, April!

Heute Morgen, 6 Uhr gibt Franzi folgende Temperatur zu Protokoll: 38,03°. Die Chefhumoristin von der traurigen Gestalt hat wieder mal einen Volltreffen gelandet. Da trifft auch noch eine Mail vom Chef-Schalkier des Blues ein, Darendi meldet sich zu Wort:
Hallo ihr Lieben, liebe Grüße aus Heidenheim und ein Schmatz von Darendi. Mein Tipp: 11.11.11 und 11.11 Uhr bekommt Franzi ihren ersten Welpen und dem sitzt der Schalk nicht nur im Nacken, sondern er ists in Person. Machts gut, …
JFranzi am 10. November - kurz vor dem Platzena, du Großhumorist, glaubst du denn, wir hätten daran nicht schon längst gedacht oder besser: darauf spekuliert? Aber deine Mutter gefällt sich in ihrer Unberechenbarkeit und hat nach fast acht Jahren immer noch irgendein Register unter ihrem schwarzen Frack versteckt, das sie je nach selbst definierter Spaßlage ziehen kann. Jetzt ist ihr gerade nach rabenschwarzer Pendeldiplomatie. Wir halten ihr allerdings zugute, dass sie diese Bosheit von Anouk abgeschaut hat. Uns ist das jetzt wurscht: wenn sie Frau Fischer und ihre Fieslinge noch ein paar Tage unter ihrem Herzen mästen will, soll sie das tun – aber auch aufhören sich zu beklagen.

Zu diesem Schauspiel passt das heutige Wetter, dem man unterstellen darf, dass es sich im gestrigen Morgen total verausgabte und heute nicht mal mehr genug Saft für überhaupt irgendetwas Beschreibbares hat: die Luft ist einfach nur voll Wasser und trüb wie in einer Waschküche. Mit dem vom Herrn so inniglich geliebten Nebel hat dieser Meteoschmuddel nichts zu tun.

Es gibt aber auch erfreuliche Meldungen. Aufmerksame Leser erinnern sich, dass wir vor wenigen Tagen Kot von Franzi zu Forschungszwecken („Verwurmung von Saugwelpen“) verpostet haben und heute kommt nun das Ergebnis: Franzi ist wurmfrei. Wer könnte da noch unken, dass bei ihr der Wurm drin sei? Wenn man allerdings die morgendliche Maßnahme in die Diskussion einbezieht, gibt es nur einen Schluss: Vielleicht hat sie keine Würmer, vielmehr brütet sie vollgefressene Blutegel aus. Oder was sonst will uns dieses 84-101-96 sagen?

Temperatur: 13:00 Uhr 37,38°. Und weil’s so schön ist, begeben wir uns nun wieder auf Talfahrt.
Temperatur: 17:30 Uhr 37,63° Rauf jetzt oder runter? Du musst dich nun entscheiden, liebe Franzi. 
Temperatur: 22:30 Uhr 37,53°. Machst du jetzt langsam Ernst oder wieder nur Faxen?

Freitag, 11.11. 62. Tag

Temperatur: 8:45 Uhr  36,91°.
Franzi verweigert nicht nur die handgereichte Hühnchenbrust, sondern auch - die Leberwurstsemmel. Das ist keine franziskanische Juxerei mehr: die Fieslinge um Frau Fischer machen sich auf den Weg! Als sie beim E-Wurf morgens 36,96° hatte, kamen in der folgenden Nacht die Räuber. Darauf stellen wir uns ein; ob es allerdings noch für Martinsgänse oder Karnevalisten reicht, bleibt offen.11:11 Uhr ist definitiv aus dem Spiel.

Erste Kollateralschäden sind auch schon zu verzeichnen: Die Chefin zahnt appetitlos auf ihrem Frühstück herum und verweigert sogar ein Ei. Die heimliche Chefin Anouk verweigert ihr Standardfrühstück mit dem Hinweis auf Franzis verschmähte Hühnerbrust. So muss sie hungrig in den Tag starten!

10:15 Uhr: Franzi erbricht viel Schleim und Galle, (was sonst, mehr ist ja nicht drin?).

Temperatur: 12:15 Uhr 37,18° ???

Franzi wirkt den Nachmittag über entspannt. Bei dieser äußerlichen Ruhe handelt es sich allem Anschein nach um eine wechselnde Abfolge von Schlafanfällen und leichten Vorwehen. Franzi weiß, was auf sie zukommt und versucht dem Unvermeidlichen so professionell wie möglich zu begegnen.
Gegen 16:30 Uhr macht sie mit Frauchen eine kleine Kreislauf- und Löserunde um die Wiese, sehr zum Vergnügen der Nachbarn, die nicht nur von Franzis Sackform fasziniert sind, sondern vor allem davon, dass dieser Sack sichtbar bewegt ist, dass es darin strampelt und rumort wie Max und Moritz in Meister Müllers Sack. Die Fieslinge scheinen in Hochform und topaktiv zu sein und die Nachbarn dürfen mal fühlen, wie es in Franzi abgeht. Da sieht man strahlende Augen. Es ist immer wieder das große Wunder des neuen Lebens, das den größten Zauber verbreitet.

Temperatur: 17:10 Uhr 36,6°. Normalerweise könnte man jetzt ein kleines Vermögen auf eine baldige Geburt setzen, aber was ist bei Franzi schon normal?

17:15 Uhr: Franzi erbricht wieder Schleim und Galle. Ob es sich dabei etwa um eine Reaktion auf die achterliche Thermo-Penetration handelt?

Der Tag zieht sich hin mit Plagen und Klagen. Immer wieder strebt Franzi in den Garten, stöbert herum, tankt Wasser aus dem Terrassenbecken, pinkelt und drückt winzige Häuflein aus dem überquellenden Körper. Sie will überall liegen und doch lieber stehen. So ein Tag erlangt schnell Überlänge. Dass er deswegen Längen hätte, kann man jedoch nicht behaupten. Er brennt einem unter den Nägeln, er rumort in den Eingeweiden, er zerrt an den Nerven.

Franzi mit Heike in der WurfkisteUm 21:45 Uhr trottet Franzi ohne unser Zutun in ihre Kiste Fortezza. Anouk folgt ihr auf dem Fuße und scannt mit der Nase die ganze Küche und anschließend die Auslegeware in Fortezza; ihr ganzer Körper signalisiert Alarm, da ist was im Busch. Offensichtlich ist Franzi etwas Fruchtwasser abgegangen oder sie verströmt den Duft der Frauen, den nur wissende Geschlechtsgenossinnen interpretieren können, jedenfalls riecht Anouk den Braten - besser: die Braten, die bald aus dem Rohr müssen.

Zwischen 23 und 24 Uhr trifft das alarmierte Kreißsaal-Team ein: Annemarie und Hummel, die schon den E-Wurf dienend und dösend begleiteten (Never change a winning team), dazu die Elevin Ela, die sich diese Berufung ins Allerheiligste des Blues mit ihrer epochalen Performance bei der Impf- und Chipaktion des E-Wurfs verdient hatte. Wer in der Lage ist, eine ganze Arztpraxis vor sich her zu treiben, dabei als Einzige den Überblick über Impfpässe, Barcode-Streifen, Merkzetteln, Kanülen, Röhrchen, Tupfer und Verbände behält, hat sich um den Blues verdient gemacht und verdient eine Beförderung. Alle Drei können selbstredend den unverzichtbaren medizinischen Hintergrund nachweisen, der sicherstellen soll, dass das Personal im Fall einer nahenden Katastrophe nicht als erstes in Ohnmacht fällt. Diese, die Katastrophe, so viel kann man schon vorweg nehmen, ist nicht eingetreten und das hochprozentige Qualitätsteam musste im Laufe der Nacht mit wenig epochalen Tätigkeiten auf sich aufmerksam machen, vor allem Wäsche wechseln und Wehen zählen (Strichcodes auf die Wurfprotokolle zeichnen), mit etymologischen Fachdiskussionen die Nacht erhellen (Kreißsaal kommt vom mittelhochdeutschen krîzen = kreischen, laut schreien, aufstöhnen) und die Kaffeemaschine und Teekannen plündern. Die Elevin gar saß wie paralysiert mit Funkelsternenaugen vor der Kiste und dem Wunder des Lebens und hätte sich auf das Stichwort "Schwester, Tupfer!" allerhöchstwahrscheinlich und bestenfalls die feuchten Augen ausgetupft. Wie dem auch sei, ein abwesendes Kreißsaal-Team ist einem wegen der trüben Umstände wie geschmiert agierendem in jedem Falle vorzuziehen. Unter diesem Aspekt können wir den Satz Never change a winning team in die Tonne treten und durch Only an idling team is a good team ersetzen.

Franzi kurz vor der Niederkunft in der WurfkisteSo rinnt der Tag dahin, der historische Datumstag mit dem 11.11.11 und 11:11 Uhr, und wird von Franzi verschmäht und ignoriert. Natürlich dachten auch wir an einen gesellschaftspolitisch korrekten Kaiserschnitt, verwarfen ihn allerdings alsbald als prolligen Kaiserschmarren für jene, die sonst nichts Erinnerungswürdiges im Leben zu erwarten haben als ein Kasperldatum, wie jenes russische Paar, das sich am 11.11.11 scheiden ließ, weil ihm die Hochzeit am 09.09.09 kein Glück gebracht hatte. Da müssen sich die Diesjährigen sputen: das nächste und vorerst letzte Schnapsdatum wäre der 12.12.12! Da ist noch nicht mal die Feier abbezahlt, von den Scheidungskosten gar nicht zu reden.

Ohne Skalpell an Franzis Bauch wendet sich das Datumsblatt und wir wissen, dass es beim Blues nie und nimmermehr ein Funkenmariechen und einen Faschingsprinz geben wird.

Samstag, 12.11., 63. Tag

Trotzig und spontan präsentiert uns Franzi 19 Minuten nach dem Datumswechsel eine erste Presswehe. Um 0:27 Uhr quälen sie drei weitere, um 0.46 Uhr sind es vier. Schon seit 22 Uhr treiben sie Wehen um, jetzt geht es ihr mächtig ans Zeug und sie muss sich quälen. Als wir gegen 1 Uhr dunkles, giftgrünes Fruchtwasser entdecken, verdüstern sich die Mienen; so sollte das nicht aussehen! Franzi ist im Fokus von fünf Augenpaaren, keine Regung bleibt unregistriert, lächelt sie, lachen zehn Augen, senkt sich ihr Blick, entgleisen zehn Mundwinkel. Nur Anouk ist wirklich vom Fach, gibt aber nichts preis. Sie macht gelegentlich eine Inspektion bei Franzi und verzieht sich wieder. Wir entnehmen dem, dass unsere menschlichen Sorgen unangebracht sind. So hätten wir das gerne und so denkt man es sich zurecht.
Francas GeburtImmer wieder bringen wir Franzi auf ihren Wunsch hin in den Garten, im Scheinwerferkegel geht sie ihre Runden, erledigt, was zu erledigen ist, manchmal auch nichts und trottet schweren Bauches und schwachen Schrittes wieder in ihren Kreißsaal. Sie macht die Runde durchs Expertenteam, kriegt Streichler und Nasenstüber und lässt sich wieder auf die Boxenbretter fallen. Dann henkelt sie die Rute aus, wie es eine Hündin nur tut, wenn sich unter ihr etwas Platz verschaffen will, sie steigt aus der Kiste, stellt sich mitten in die Runde und presst um 1:20 Uhr einen originalverpackten und steißgelagerten Welpen in Frauchens Hände. Wir tragen das Kleinod in die Kiste, lassen es von Franzi auspacken und abnabeln und ins Leben massieren. Dann kommt der spannende Moment. Dass das Dingelchen schwarzmarken ist, wissen wir schon längst, aber wo sitzt der Geschlechtsknubbel: zwischen den Beinchen oder am Bauch? Er sitzt zwischen den Beinchen und kündet somit von einem Mädchen. Die Kleine ist gleich richtig munter und laut und sucht unverzüglich den Weg zu den Zitzen, was ihr Franzi verwehrt, weil sie der Ansicht ist, dass das Kind geputzt und massiert und gewienert gehört. Mit 520 Gramm ist die Kleine allerdings stramm genug, für kurze Zeit ohne Speisung zu überleben.

Franca vom Bairischen Blues am 12.11.2011
Franca
Weil Franzi die Erstgeborene im letzten Wurf ihrer Mama war, geben wir der Erstgeborenen in Franzis letztem Wurf den Namen ihrer Oma: FRANCA. Das sind wir dieser unvergessenen Freundin schuldig.
Insgeheim wissen wir natürlich, dass diese Franca mit Familiennamen Fischer heißt und vermutlich für den Stau in Franzis Geburtskanal verantwortlich war. Wir haben Grund zur Annahme, dass es Frau Franca Fischer als selbstverständlich ansah, als erste ihrer Bande ins Leben zu schreiten, allen voran wie die Fremdenführer auf dem Marienplatz, den Schirm hochgehalten, Gruppe Fiesling alle mir nach!, und weil sie vermutlich irgendwo am Debattieren und Organisieren war, hätte sie beinahe die Öffnungszeit verpasst und deshalb musste sie sich jetzt nach vorne durcharbeiten, überklettern, umschiffen, verschieben, bis sie es endlich auf Kosten unserer Franzi doch geschafft hatte und, wie es sich für eine Fremdenführerin gehört, auf der Piazza al Cane und nicht in einer finsteren Kiste aufschlug. Hoppla, da bin ich! Ja, das haben wir gesehen.

Jetzt passiert erst einmal gar nichts, außer dass Frau Franca Fischer von ihrer Mama ein ausgiebiges Wellness-Paket verabreicht bekommt, zum Mampfen bekommt sie dafür eher wenig. Franzi ist, sagen wir es mal im Neusprech, voll die Mama: Vollweib, voll toll, Vollmama. Und obwohl sie auch voll Milch ist, lässt sie ihre Tochter daran noch nicht so recht teilhaben. Erst als die Qualen wieder zunehmen, Franzi mehr auf sich achtet als auf ihre Tochter, kommt die, im Wortsinne, zum Zuge. Zug hin, Zug her, es ist wie bei der Bahn: es zieht sich. Erst über eine Stunde später bläht eine Presswehe durch Franzi, die scheint so bestialisch, dass Franzi gleichzeitig die verspeiste Nachgeburt von Frau Fischer wieder erbricht. Da liegt das schleimige Gallertpäckchen, das aussieht wie ein ungewaschener Pansen. Dann, um 2:35 Uhr rüttelt es Franzi fünf Mal kräftig durch und schüttelt dabei ein weiteres Mädchen aus ihr heraus, diesmal planmäßig in der Schnullerbox Fortezza.

Frenzy vom Bairischen Blues am 12.11.2011
Frenzy
Auch diese kleine Dame bringt ein Initialgewicht von 520 Gramm auf die Waage (Franzi macht es sich wirklich nicht leicht!). Sie hat einen kleinen, weißen Brustfleck und ein paar putzig weiße Zehenspitzen, scheint sich aber an diesen, sehr zurückhaltenden, Farbeskapaden wenig zu stören, sondern legt gleich richtig los im Leben, beschäftigt die Mama und verschafft Frau Fischer Freiraum an der Bar. Munter ist die Kleine und umtriebig, wir taufen sie auf den Namen FRENZY. Nein, mit dem englischen Wort für Wahnsinn oder Raserei hat das nichts zu tun, es ist ein Anklang und eine Reminiszenz an ihre großartige Mama Franzi, auch weil sie den gleichen putzigen Brustfleck wie ihre Mama hat. Zwei Franzis wären aber zu viel des Guten – schon für den Geschichtenschreiber; da wüsste bald keiner mehr, welche Franzi jetzt gemeint ist. Und Frenzy ist ein würdiger Name für jemanden, den wir nach der Quälerei mit Frau Fischer beinahe frenetisch begrüßt hätten; das Wort steckt da nämlich auch drin.

Nach der Unordnung, die Frau Franca Fischer in Franzis Auslieferplan gebracht hatte, scheinen sich die Dinge nun etwas eingerüttelt zu haben, es hat den Anschein, als würde nun nach Plan gearbeitet.

Flori vom Bairischen Blues am 12.11.2011
Flori
Franzi pflegt ihre beiden Erstgeborenen und bekommt es erst 35 Minuten nach Frenzy wieder mit Wehen zu tun, da allerdings gleich mit dreien, um 3:15 Uhr sind es dann sechs, die Franzi in die Box und in die Knie zwingen und um 3:18 Uhr entlässt sie einen zarten Knaben mit 490 Gramm, schwarzmarken ist er auch wieder und so langsam beschleicht uns das Gefühl, dass Fetzer kein Blond nicht kann. Das würden nicht nur wir uns wünschen, weil ja bei einer schwarzmarkenen Verpaarung kein Schwarz fallen kann, und dann wäre ein rein schwarzmarkener Wurf a bisserl fad, rein optisch natürlich, und die Blond-Liebhaber hätten das Nachsehen, sondern auch in Fetzers CV würde es sich nicht schlecht machen, wenn da stünde: Yes, he can. Aber noch ist Franzis Bauch voll und nicht aller Tage Abend. Der Junge ist aufgeweckt und räsoniert schon in der Gegend herum und wir geben ihm den schönen bayerischen Namen FLORI, damit ihm und seinen zukünftigen Leuten nichts anbrennt.

Wir sind jetzt guter Dinge, dass das Band nun zügig liefern würde, aber Franzi liefert nicht, sie – röslert. Die drei Fieslinge der ersten Stunden genießen nun ein Leben in schierer Völlerei und Franzi widmet sich ihnen hingebungsvoll.

Fetzer Jr. vom Bairischen Blues am 12.11.2011
Fetzer Jr.
Um 4:18 Uhr, genau eine Stunden nach Flori, sind wir davon überzeugt, dass es nun Schlag auf Schlag geht: drei Wehen kündigen von der nächsten Lieferung. Um 4:28 Uhr fünf, um 4:40 zwei, Franzi, mach hinne! Und mach es dir nicht so schwer!, 4:40 Uhr vier Gewaltwehen. 4:50 Uhr vier Wehen, die es in sich haben, menno! Zwischen 5 Uhr und 5:45 Uhr zählen wir weitere 30 Tsunamis, die gegen Franzis hinteres Ende branden und dann, um 5:50 Uhr, zweieinhalb Stunden nach Flori rappelt es wieder in der Kiste, es rappelt wieder schwarzmarken und es ist wieder ein Knabe, somit also Geschlechtergleichstand, brav, Franzi, und dieser Brocken trägt mit 570 Gramm ganz schön auf. 570 Gramm muss man erst mal los werden, das braucht seine Zeit. Franzi tut uns schon jetzt richtig leid, aber uns hätten kleinere Exemplare auch gereicht. Für diese Völlerei sind wir nicht verantwortlich. Der Riesenzwerg hat einen kleinen weißen Brustfleck zwischen den Vorderbeinen, nichts, was der Rede wert wäre, aber der Erwähnung ist es wert. Und wie soll er nun heißen, der Kaventsmann, Schalk, wir haben dich: als FETZER JR. soll er durchs Leben gehen, weil sein Papa, wie manche meinen, etwas klein geraten sei, was zwar Unsinn ist, aber förmlich nach einer angemessenen Antwort schreit. Ist der Papa auch klein, kann er dennoch Großes leisten! Aber halt wieder nur schwarzmarken…

Fine vom Bairischen Blues am 12.11.2011
Fine
Jetzt plötzlich, nach dem Fetzer jr.-Memorandum schraubt Franzi die Bandgeschwindigkeit hoch und nach knappen neun Wehen liegt schon wieder etwas in der Boxenecke, 6:15 Uhr ist es und die Lieferung wird von Franzi unter vollem Körpereinsatz abgedeckt und fast schon verschämt vor der Öffentlichkeit verborgen. Nun stell dich nicht so, Franzi, zeig her! Franzi nagt und nabelt, Franzi schlonzt eine Nachgeburt, Franzi ziert sich. Jetzt aber! Wir greifen hinter sie – und fischen ein blondes Mädchen aus der neutralen Ecke! Yes, he can! Das Zärtelchen wirkt, als wollte sie sich mit ihren 470 Gramm zwischen all den schwarzmarkenen Boliden schämen, dabei sind 470 Gramm nur unter diesen Kollegen eine Sparversion, in anderer Umgebung ist man damit mitten bei der Musi. Wir drehen sie und wenden sie und nennen sie FINE, als Abkürzung für Josefine, was sie gleich etwas aufbretzelt und als italienisches Ende, das Ende aller Blondsorgen: Fine.

Franzi will nun offensichtlich auch ein Ende der Ahnenstange sehen und lässt die Wehen von der Kette. Zwanzig Minuten nach Fine schluckt sie klaglos sechs mächtige Presswehen, um 6:44 Uhr gleich acht von der Sorte und sechs Minuten später torpediert sie nach weiteren elf Wehen im Stakkato-Takt ein 

Fianna vom Bairischen Blues am 12.11.2011
Fianna
schwarzmarkenes Mädchen auf die Welt. Gute Güte, war das ein Erscheinen, walkürenhaft wie die Virgin Queen Victoria unterwarf sie sich die Bühne des Lebens, 570 Gramm gewichtig und nicht zu übersehen, dazu fast völlig ohne Brust- und Fangmarken, dafür mit höllisch rußigen Füßen, welch eine Erscheinung und welch ein Erscheinen. Wir haben sofort ein Dejà-Vu, da klingelt etwas, da drängt sich etwas auf und in den Vordergrund: Brianna, die Spider Queen, die Schwarze Witwe unseres B-Wurfs! Folgerichtig und alternativlos, Diskussionen finden nicht statt, trägt das fast schwarze Gift des F-Wurfs den Namen FIANNA. Brianna ist keltisch/irisch und bedeutet die Starke, die Kämpferische. Fianna geht noch einen Schritt weiter, es ist der Plural des irischen Fian, was einen umher ziehenden Kriegerhaufen bezeichnet. Wem wir diese Jeanne d’Arc einmal geben werden, wissen wir noch nicht.

Nach diesen 570 Gramm Kriegsware würde Franzi gerne mal etwas durchatmen. Madonna! Aber schon zehn Minuten nach der schwarzen Amazone packen sie schon wieder die Presswehen, drei sind es fürs erste, aber die sind nur die Bauchtanzgruppe vor der Fremdenlegion: 46 Wehen bis 8:05 Uhr (für Vollständigkeit geben

Franz vom Bairischen Blues am 12.11.2011
Franz
wir keine Garantie) zerren an Franzis Widerstandskraft und machen sie mürbe. Um 8:06 Uhr quält sie sich einen 630 Gramm schweren schwarzmarkenen Lackel aus dem Kreuz, der aussieht, als könne er auf der Stelle ein Wildschwein verputzen und einen Hinkelstein auf das verdutzte Kreißsaalpersonal werfen. Dabei ist der Knabe kein Finsterling oder Fiesling, sondern scheint ein offenes und sonniges Gemüt zu haben, wenn man das so interpretieren darf. Drei kleine lustige Flecke hat er auf der Brust und hinten links weiße Zehenspitzen. So einer kann nicht Fussel heißen oder Fabricio, Fidi oder Frodo, so einer schreit nach FRANZ. Ein schlichter, echter, unverstellter, hemdsärmliger, gut gelaunter bayerischer Franz, so einer wie unser Haus- und Herzelektriker, der nicht nur zwei Hände, sondern auch ein Herz am rechten Fleck hat und dazu immer eine Bugwelle guter Laune vor sich her schiebt. So einen braucht die Welt mehr denn je. Und der Blues hat nach der Franzi doch noch einen Franz!

Dieser franziskanische Franz hat den Weg frei gestemmt für den nächsten Fiesling (die, wie sich jetzt zeigt, eigentlich gar keine Fieslinge sind, außer der schwarzen Madonna vielleicht), der schon länger in der

Fado vom Bairischen Blues am 12.11.2011
Fado
Warteschleife hing von dem dicken Franz am Vorwärtskommen gehindert wurde. Jetzt hat er es eilig und plumpst schon nach acht unwesentlichen Wehen um 8:35 Uhr, eine halbe Stunde nach seinem Vorgänger, aus Franzi. Mann, ist der geschafft, zu viel geschluckt hat er offensichtlich auch, nein, keinen Aperitif, sondern Fruchtwasser, und so hängt er auch wie ein Schluck Wasser herum und wie eine jener berühmten geschmolzenen Uhren von Dalí schlapp von Frauchens Hand: ein Häufchen schlaffes Nichts. Aber wir schütteln ihm das Wasser aus den Lungen, nur einmal und ohne große Amplitude, geben ihn seiner Mama und die braucht nur ein paar richtig gesetzte „Pinselstriche“ und der kleine Mann wird lebendig, atmet Leben und ist kurz darauf vollfidel bei seinen Geschwistern angekommen. 560 Gramm wiegt die Nummer 8, ist schwarzmarken und ist fast so schmucklos uni wie seine Schwester Fianna. Dunkel ist er, schwer ins Leben gestartet und strahlt dann doch sehr bald voll Stolz und Selbstbewusstsein: FADO muss er sein, nicht anders kann er heißen.

Nach diesen acht Prachtexemplaren scheint es, als ob Franzi langsam in die Knie geht. Ihr Blick ist zwar immer noch klar und sie nimmt rege am Geschehen rund um ihr Fortezza teil, aber die Kraft schwindet langsam dahin. Und es tut sich einiges rund um ihrer Schnullerbox; so langsam verabschieden sich nämlich die Hebammen, eine nach der anderen wegen familiärer und sonstiger Verpflichtungen, loben Franzi noch zum Abschied in den höchsten Tönen, sprechen ihr Mut zu, hast es ja bald hinter dir, und machen sich durch die Hintertür davon. Never stop a running team! Nein, wir danken euch, ihr wart uns eine große Hilfe und drei mächtige Stützen in einer langen Nacht. Am schönsten ist, dass wir euch bisher nicht wirklich brauchten und dass ihr jetzt, so scheint es, getrost euren Dingen nachgehen könnt. Wir gehen auch davon aus, dass keine großen Komplikationen mehr kommen, obwohl man natürlich nie sicher ist, was so eine werdende Mutter noch alles in der Kiste hat, vor allem wenn diese Mutter Franzi heißt. Aber gerade weil Franzi zwei Würfe souverän gemeistert hat und diesen bis hierher bravourös steht, glauben wir fest an sie und dass alles gut wird. Außerdem sind wir ja auch zu zweit, das muss dann reichen.

Franzi kümmert sich liebevoll um ihren Nachwuchs, geht ab und zu einmal in den Garten und der Chef pendelt zwischen Kiste und Keller, weil Franzi viel Blut, Fruchtwasser und Gewebereste verliert und die Bettwäsche schon wieder durchgesabbert ist, bevor sie richtig liegt. Der Herr ist schon wieder auf dem Weg, der kein leichter ist, den er aber kennt und verinnerlicht hat wie kein zweiter beim Blues. Es ist der Weg der Kellerassel. Aber so sehr sich der Chef Mühe gibt, Franzi das Leben angenehm zu machen, den perfiden Geruch von ihr fern zu halten, so sehr zeigt sich Franzi von ihrer zögerlichen Seite. Es ist, als ob sie einfach keine Lust mehr hätte. Aber der Bauch spricht eine andere Sprache. Der ist noch nicht längst nicht leer, zwei Fieslinge können wir auf jeden Fall erfühlen. Ob das schon die ganze Wahrheit ist, werden wir noch früh genug erfahren. Um 10:36 Uhr registrieren wir die ersten Presswehen. In der Folge kommen noch weitere sieben bis kurz nach 11 Uhr. Um 11:14 Uhr geben wir Franzi ein paar Tropfen Caulophyllum, um die Wehentätigkeit aufrecht zu halten, die abzuebben schien. Und tatsächlich, wie nach dem Regelbuch, eine Viertelstunde später geht es wieder richtig los mit sechs Wehen, dann geht ihr wieder die Luft aus und nur noch drei schwache Wehen machen sich um 11:45 Uhr bemerkbar. Wir geben Secale,

Fanni vom Bairischen Blues am 12.11.2011
Fanni
der zweite Helfer in der Wehenklemme, und um 11:51 Uhr könnte man glauben, Franzi bricht der Schweiß aus, so druckvoll schiebt sich ihr Leib nun zusammen und dann ist es wieder geschafft: um 11:53 Uhr liegt ein blondes Mädchen mit 500 Gramm in der Kiste. Fetzi kann also sogar zwei Blond. Respekt! Nur ein gewisser Damenüberschuss ist zu konstatieren, wo wir doch diesmal so viele schöne Rüdenanfragen haben; da müsste Franzi noch ein bisschen nachlegen. Aber es ist auch so kein Beinbruch. Wer unsere Mädels nicht will, braucht nichts, basta. Die Neue ist ein bisschen dunkel geraten, nicht schlimm, aber doch eher dunkelblond, und weil ihr das bei einem letzten Kontrollblick in den Spiegel zwischen Ankleide und Bühne etwas auffällig erschien, hat sie sich als Ausgleich einen weißen Brustfleck vorgebunden. Ohne Brustfleck kann Franzi offenbar nicht, selbst wenn Fetzi Blond liefert, muss sie noch ihren weißen Senf dazu geben. Aber so richtig schlimm ist das Abzeichen nicht, Folgen dürfte das keine haben. Ach so, beinahe hätten wir vor lauter Farbmäkelei den Namen vergessen: FANNI, bayerisch, auch wegen des kleinen Busentuchs; chic und schlicht.

Wann hat es ein Ende? Neun wären genug. Mädels haben wir und Buben, Blond ist auch vertreten, was wollen wir mehr? Naja, ein blonder Königstiger (ohne schwarze Streifen!) wäre uns schon noch willkommen, zur Abrundung nur, aber wenn es nicht sein soll, dann eben nicht. So eine Kindsproduktion ist ja kein Wunschkonzert und die zwei die das alles in die Wege leiten, wissen ja im Rausch sowieso nicht, was sie tun. Was kann man da erwarten!

Über eine Stunde passiert nichts. Franzi schläft, Franzi pflegt, Franzi säugt. Und Franzi hat die Nase voll. Wir, ehrlich gesagt, langsam auch. Sechs hätten wir uns wirklich mal gewünscht, aber der Zug war ja mit dem Ultraschall schon durch, acht wären genug gewesen, mit neun kennen wir uns aus, aber zehn hätte es wirklich nicht mehr gebraucht zum Abschluss. Da es aber nun sein muss und Franzi offenbar keinen Bock mehr hat, den letzten Plagen los zu werden, geben wir ihr um 12:45 Uhr wieder Caulophyllum und prompt rollen um 13.01 Uhr acht Wehen durch Franzi. Um 13:04 sind es vier Wehen, schläft das schon wieder ein?, der oder die muss raus jetzt, wir geben um 13:13 Uhr Secale, sieben anschwellende Wehen ab 13:14 Uhr, dann, um 13:21 Uhr - seit dem ersten Welpen liegen jetzt geschlagene zwölf Stunden hinter uns und Franzi – folgen nochmal sieben, die es in sich haben, aber dann, als pulsierte das ganze Universum in Franzi, hebeln 30 ununterbrochene Wehen die Nummer 10 aus Franzi heraus.

Felix vom Bairischen Blues am 12.11.2011
Felix
Dreißig! Wenn es der D-Wurf wäre, müsste dieses Geschöpf Dreißiger oder Dreißigerin heißen, aber wir sind schon bei F, da gelten andere Regeln. Wieder will Franzi ihr Produkt nicht so recht rausrücken, wobei dies eher auf ihre Erschöpfung zurückzuführen ist als auf Spaßmacherei. Sie mümmelt und fummelt hinter sich herum, aber dann lässt sie doch einen Blick zu, blond sehen wir, eigentlich eher giftgrün, statt blond, gut gemacht Fetzi, aber es lebt und mäkelt schon herum, und dann pulen wir das grüne Päckchen aus der Ecke und halten einen Knaben in der Hand, einen blonden Knaben. Fast hätten wir Franzi tot geärmelt, fast hätten wir ihr das Leben ausgepresst. Ein blonder Kerl mit 540 Gramm zum Schluss. Finale furioso. Und dazu trägt der kleine Kerl einen weißen Strich auf dem Kopf, wie eine Feder trägt er sie, so etwas wie Robin Hood am Hut stecken hatte. Der quasselnde Bub, der sich sofort unter seinesgleichen stürzt und die Klappe nicht zu kriegt, viel zu erzählen hat er, nach der langen Anreise, wird auf den Namen FELIX hören, weil er uns glücklich macht, weil er seine künftige Herrschaft glücklich machen wird und weil er überhaupt ein Glückskind sein wird. Davon sind wir überzeugt. Bon voyage, Felix.

Ferdi vom Bairischen Blues am 12.11.2011
Ferdi
Franzi geht es wider Erwarten ziemlich gut, nein, erstaunlich gut. Sie wirkt befreit, vielleicht, weil sie uns so lange auf die Folter gespannt hat und es nun raus ist. Man fühlt sich ja immer so gelöst, wenn man sein Hauptgeschenk abgeliefert hat. Wir hoffen, dass das alles war, aber Franzis Verhalten lässt nichts Gutes ahnen: die hat noch was im Zylinder. Ein weißes Kaninchen wird es hoffentlich nicht sein. Eine knappe Stunde nach Felix pumpt sie wieder, erst sechs Mal, dann zwölf Mal am Stück und der Rest schien eigentlich nur noch Formsache: um 14:28 Uhr, exakt eine Stunde nach Felix liegt noch ein Bursche in der Box, auch er hat einen Schluck zu viel erwischt auf dem Weg hierher, ist aber wie Fado auch schnell auf den Beinen und gesellt sich zur Tafelrunde. Jetzt sind wir sicher: das war’s. So bekommt er zu dem schönen Namen FERDI, naja, weil wir jetzt halt fertig sind; wir haben Ferdi... 

Franzi macht einen sehr entspannten Eindruck, müde, erschöpft, aber keinesfalls erledigt. Die Beine sind schwer, alle Knochen tun weh, eigentlich alles tut weh, aber sie hat es hinter sich.

Wir sind glücklich und Franzi hat sich noch einmal selbst übertroffen: sechs Rüden, fünf Hündinnen, schwarzmarken und blond, alle nach dem ersten Eindruck gesund und ohne erkennbaren Makel – kann man mehr erwarten? Das ist ein wahrhaft und in jeder Hinsicht großer Wurf. Komm an unser Herz, Rabennase, wir müssen ein bisschen heulen.

Trotz aller Freude und allen Glücks ist der Rest des Tages für uns überwiegend Arbeit, Anouk muss auch noch zu ihrem Recht und raus kommen. Franzi blutet wie ein Schwein, da geht die Arbeit nicht aus. Aber abends trinken wir ein Fläschchen Edles auf die kleinen Fieslinge, die draußen in ihrer Kiste zwitschern und schnabeln und kommen trotz aller Freude nicht an der Erkenntnis vorbei, dass es keine Freude ohne den dazu gehörigen Schmerz gibt, und dass auch in diesem Freudenglas heute ein bitterer Wermutstropfen schwimmt: vor genau einer Woche ist die Oma väterlicherseits unserer Frischlinge mit elfeinhalb Jahren gestorben. Es ist ein Kommen und Gehen in dieser Welt, es ist Freude und Schmerz. Wir verabschieden Oma Biene vom Vögele Hof wie wir ihre Enkel willkommen heißen, in Würde und mit Ernst, so wie sie es sich verdient hat und die Jungen es verdienen. Wir geben ihr posthum elf Enkel mit auf ihren ewigen Weg: Franca, Frenzy, Flori, Fetzer jr., Fine, die fast den Namen ihrer Oma tragen darf, Fianna, Franz, Fado, Fanni, Felix und Ferdi. Sie werden ihr auf ihrem langen Weg die Flügel stützen.

Und so ganz nebenbei werden sie noch Zeit für ganz viel Unsinn haben. Davon demnächst mehr.