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Willkommen bei den Hovawarten vom Bairischen Blues

 

 

RZV-LogoVDH-LogoWir züchten im Rassezuchtverein für Hovawarthunde e.V (RZV), einem Mitglied des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH) und der Fédération Cynologique International (FCI).

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Dienstag, 13. Juli 2021

jasna M3A6193 1 250 web 250 2Keine ruhige Minute...Reinhard Mey widmete 1979 der Dauerauslastung infolge seines Söhnchens ein Klageliedchen:
Keine ruhige Minute / Ist seitdem mehr für mich drin / Und das geht so, wie ich vermute, / Bis ich hundert Jahre bin. Was hat der zu jammern mit einem gerade mal dreijährigen Einzelsohn?! Wir haben es mit acht durchtriebenen Vorstadtterroristen zu tun, die uns nun tatsächlich kaum noch eine ruhige Minute gönnen. Gelegentlich erscheint es uns, als ob sie ihre Schlaf- und Wachphasen untereinander abstimmten, um uns auf Trab zu halten. Irgendeine(r) ist immer auf Betriebstemperatur und hat Flöhe unterm Pony. Aber selbst wenn wir alles andere als glücklich sind, diese Bande nur noch diese Woche betreuen zu dürfen: Hundert Jahre müssen es tatsächlich nicht sein. Ob der alte Barde diese Unruhe bis zu seinem Hundertsten ertragen muss, bleibt doch zumindest fraglich; er ist im 79. Lebensjahr und der besagte Quälgeist Frederik ist auch bereits 45 und dürfte aus dem Gröbsten raus sein.

Aber klar: Dieses Thema können wir nicht umschiffen. Die Kinder sind in der achten Woche, fit wie acht Turnschuhe (stinken gottlob nicht wie diese) und schreiben uns das Tagesprogramm vor, und zwar ohne schöpferische oder entschöpfende Pausen. Als der kleine Maxl einmal sehr ungebührlich mit seinem Rosenkranz umging, wurde er zur Rede gestellt und darauf hingewiesen, dass auf jeder dieser Rosenkranzkugeln ein Heiliger oder eine Heilige säße, mit denen man nicht so umgehen dürfe. Der Maxl nahm‘s brav zur Kenntnis, ging davon, zog seinen Rosenkranz aus der Hosentasche, legte ihn über seinen Zeigefinger und begann, ihn mit den Worten „Auf geht’s Jungs, jetzt geht’s rund“ im Kreis zu schwingen. Wir beherbergen gerade acht Maxl und befinden uns in einem Dauerschleudergang. Dabei sind wir bestimmt keine Heiligen.

Joschi und JasnaJoschi und JasnaUm der Wahrheit die Ehre zu geben, hatten wir noch nie so pflegeleichte Kinder wie die Jabberwockys. In unserem Küchenblock lagern wir in Weidenkörben Gemüse und andere Tagesutensilien. Bei allen bisherigen Würfen mussten wir zumindest den untersten, großen Korb schon frühzeitig entfernen, sonst gäbe es ihn heute nicht mehr. Bei den meisten mussten auch die darüberliegenden Körbe beizeiten in den Keller umziehen. Doch unter der soften Herrschaft der Jabberwockys erfüllen noch bis heute alle Körbe ihre Aufgabe und waren noch nie in Gefahr; einmal ein bisschen die Zähne daran geschärft und das war es dann.

JudicaJudicaSo wie wir keine Heilige auf Rosenkranzkugeln sind, so sind auch diese Zwerge keine Engel. Sie beißen in die Hacken und zwacken in den Nacken, sie zerren an Hosen, entführen Sandalen und zernagen Schnürsenkel. Und Grünzeug hat in der Welt eines Karnivoren keine Existenzberechtigung; alles Erreichbare wird zerhäckselt, mit einer Langmut, die ihnen sonst kaum zu eigen ist. Ein ungeschützter Lavendelstrauch gleicht nun dem Schwarzwald nach dem Orkan Lothar. Doch all diese Übergriffe folgen ihrem Spieltrieb und ihrer Neugier. Selbst wenn es wehtut, erkennen wir weder Aggression noch Mutwille. Sie wollen eben die Welt, in die wir sie versetzt haben, begreifen, und das können sie nur mit ihren Zähnchen, weil die Füße dafür nicht gedacht und zu tollpatschig sind. Dementsprechend wenig Nachdruck legen sie in die meisten ihrer Attacken, oft ist es, als wollten sie uns erkunden wie es ein guter Arzt macht. In den Anfängen seiner Praxis kann das dann auch mal ein bisschen ungelenk und schmerzhaft sein.

Jetzt sollten wir uns wieder einmal der Gewichtsstatistik zuwenden. Nach fünf Tagen mit explosiven Zugewinnen, welche das Hungerergebnis vom 7. Juli mit spärlichen 660 g der Peinlichkeit preisgaben, kehrt jetzt wieder etwas Normalverbrauch kein. Heute sind es beschauliche, dem Alter angemessene 1720 g.

Jackl und JeannieJackl und JeannieJackl marschiert vornweg, legt 280 g drauf und meldet 7300 g (mit diesem Gewicht haben wir in der Vergangenheit oft abgegeben). Aber noch darf er sich nicht zu sicher fühlen, denn Joschi liegt nur 30 g hinter ihm (7270, +280), er hält also immer noch Schritt und lässt sich nicht abschütteln. Ebenfalls standhaft bleibt Jazz, die 250 g zunimmt und auf 6900 g kommt. Janitschek müht sich redlich ab, Schritt zu halten, aber der Kasper verbraucht mit seinen Kapriolen einfach zu viel Energie, um den Dreien vor ihm das Brezenstangerl abspenstig zu machen; mit 150 g erzielt man bestenfalls einen Achtungserfolg, bleibt aber deutlich auf Distanz (6520). Judica hat sich mit 210 g Zuwachs auf 6230 g und an Jasna vorbeigefuttert, die eine Nullrunde dreht (6120). Dass nun keine Überraschung auf uns wartet, ist vorhersehbar. Und dennoch schenkt Jeannie mit 310 g den anderen einen ein (5850), und auch Jule lässt sich mit 240 g plus nicht lumpen (5130).          

Trotz dieses Ernährungswohlstands, sieht auch heute Morgen unsere Küche wieder aus, als wären über Nacht die Heinzelmännchen am Werk gewesen. Wenn die Knirpse dieses Verhalten über den Abgabetag hinaus beibehalten, dürfte wohl ein kleiner Hygieneaufschlag angebracht sein.

JanitschekJanitschekDer Tag zieht sich wechselhaft dahin und die Jays spielen sich um Kopf und Kragen, bis dann Papa Lando vor der Tür steht (Papa ante portas), um die letzten Tage seiner Kinder zu begleiten und ihnen ein paar nützliche Ratschläge mitzugeben. Das muss er jedoch recht schnell verschieben, denn der Ansturm auf ihn ist so jubilös, dass er es vorzieht sich zurückzuziehen. Als Erzeuger und Teilzeitvater hat man es nicht leicht beim Nachwuchs. Immerhin ist er entzückt, seine Liebe wieder zu sehen, was seinen Schritt so federnd macht, dass sogar Fred Astair einen erstaunten Blick aus seinem Grab riskiert. Die Avancen für seine zuletzt etwas sperrige Liebe Fianna, dosiert er heute jedoch so feingliedrig, dass sie keine Einwände haben kann und ihn auf angemessener Distanz an ihrer Seite duldet. Soll einer behaupten, junge Kerls würden nichts dazulernen. Lando hat seine Zeit jedenfalls genutzt und trägt jetzt den Nutzen einer entspannten Freundschaft davon.       

Kurz nach 16 Uhr ist es dann schlagartig vorbei mit der Idylle: Ein grellscharfer Blitz und ein sehr rabiater Donner treiben die Gesellschaft ins Haus, wohin Lando wegen der allzu großen Nähe nicht eingeladen wird. Damit ist dann auch der Tag im wesentlichen auserzählt. Nach einer Stunde Dauerregen und Gewitter geben sich Aufklarungen und Schauer die Klinke in die Hand. Für uns bedeutet das, dass wir mit der Situation Frieden schließen und uns mit unseren Kindern und Landos Personal einschließen. Man hat sich ja auch zu viel zu erzählen, als dass es langweilig würde und kann ja auch mal zufrieden sein mit dem, was man hat.

 

Mittwoch, 14. Juli 2021

Diese Zufriedenheit erfährt allerdings einen deutlichen Knacks, wenn sich der Wetterbalg morgens immer noch nicht entschließen konnte, die Biege und einem welpenfreundlichen Wetter Platz zu machen; es ist graugrau und regnerisch. Wir hätten ja genug zu tun, um von diesem Wetter keine Notiz zu nehmen, aber mit der Bande im Haus haben wir noch einiges mehr zu tun. Wenn wir schon von Arbeit reden, die in aller Regel der jeweils unumgänglichen Pflicht zuzuschreiben ist, beginnen wir mit dem, was die Pflicht ein wenig spannend macht: das Wiegeprotokoll.

Und da fährt uns gleich zu Beginn ein kleiner Schock in die Glieder. Wir können gut nachvollziehen, dass Jackl seinen filzlauslästigen Verfolger Joschi gerne endgültig abschütteln würde, aber auf seinem Niveau gleich nochmal 320 g zuzulegen (7620), erscheint uns doch ein wenig zu pausbäckig. So sehen wir das, aber Joschi schien von Jackls Zwischenspurt so geflasht, dass ihm nur bescheidene 150 g gelangen (7420), und so liegt jetzt mit 200 g schon ein Festmeter Leibesfülle zwischen den beiden. Wir haben schon vor geraumer Zeit beschlossen, dass Jazz ihren alten Spitzenplatz nie mehr zurückerobern würde und recht behalten. Heute legen wir uns fest, dass auch Joschi aus dem Rennen ist, immer vorausgesetzt, dass nicht noch eine Krankheit oder ein Durchfall dazwischenfunkt. Jazz ist offenbar unserer Meinung, lässt sich zu keinerlei Kraftprotzereien provozieren und geht einfach ihren Weg: 7100 (+200). Das gilt auch für Janitschek, der ebenfalls mit seinem 4. Rang zufrieden scheint, 240 g zulegt und bei 6760 g ins Ziel kommt. Aber es liegen eben zwischen ihm und Jackl doch schon fast ein Kilo Unterschied, dabei ist Jackl nicht adipös und Jani nicht magersüchtig. Judica führt die Funkenmariechen an: 6380 g (+150). Ihr folgen Jasna mit 6320 g (+200) und Jeannie, die offenbar noch nicht vorhat, das letzte Licht vor dem Schlusslicht bleiben zu müssen und stramme 300 g aufpackt (6150). Ob es noch zu einem kleinen Coup am Ende reichen wird? Fraglich. Nicht fraglich ist Jule, die sich nicht um die Rangeleien schert, 190 g anschaufelt und mit 5320 g den letzten Platz beansprucht; den nimmt ihr keiner mehr. Den Durchfall, der das noch verhindern könnte, wollen wir nicht mehr erleben…  Allerdings haben heute auch die beiden letzten Jays, Jeannie und Jule, ihr erforderliches Abgabegewicht erreicht.     

Fünf Tage vor dem Abschied würde man am liebsten die Kinder nicht mehr aus den Armen lassen, aber dem steht der Alltag entgegen, es ist einfach zu viel zu tun. So beginnen wir, sicher nicht zu früh, mit der Erstellung der Welpenordner, um deren Gedeih sich Landos Chefin Ilke große Verdienste erwirbt. Während wir die Infos auf ihre Aktualität prüfen, korrigieren, nachliefern, umschreiben, drucken und uns mit dem vermaledeiten Drucker herumschlagen, sortiert sie die fertigen Beiträge und Infos in die Ordner. Das ist eine wirklich ganz große Hilfe, weil selbstverständlich keine Rede davon sein kann, kontinuierlich am Ball zu bleiben; den Ball werfen nämlich die Knirpse ins Spielfeld oder holen ihn nach Belieben wieder raus. An ein systematisches Arbeiten ist nicht zu denken. Danke Ilke!

Und während der Arbeit fällt der Blick des Chronisten aufs Kalenderblatt und sieht: 14. Juli. In jungen Jahren zog er sich an diesem Tag seine Jakobinermütze über, die ihm jedoch in den Stromschnellen des Lebens irgendwann auf immer vom Haupt gerissen wurde und nicht mehr auffindbar ist. 14. Juli 2021: 232. Jahrestag des Sturms auf die Bastille, französischer Nationalfeiertag. Über Paris fliegen heute wieder Militärjets mit blau-weiß-roten Rauchfahnen, die Franzosen platzen vor Nationalstolz und der Chronist hat nicht einmal mehr seine Mütze. Dafür betritt er den Balkon vor seinem Arbeitszimmer, packt die ihm größtmögliche Geste aus und grüßt seine Kinder im Garten: „Allons enfants, vous êtes ma partie!“ Die Gegrüßten würdigen ihn keines Blickes. Sind eben keine Franzosen, sondern eine hessisch-bayerische Melange, die Musik nur mit Handkäs und Bierzelt in Einklang bringen. Na, wartet nur! Und allen, die jetzt herumbeckmessern und mit Guillotine totschlagargumentieren, sei gesagt: Die Franzosen haben wenigstens eine Revolution hingekriegt! Dass das nicht immer so geschmiert geht wie ein Lobbyistentreffen, ist schon klar. Aber nach ihrem König haben sie sich immerhin einen Kaiser mit Stirnlocke eingehandelt. Und wofür haben wir unseren Kaiser eingetauscht? Für einen österreichischen Gefreiten mit Rotzbremse. Alles weitere ist dann auf beiden Seiten unappetitlich, Details ersparen wir uns… Wir gleiten von den Jabberwockys zu den Jérômes und Juliettes ab. Also, wieder zurück!

Jetzt könnte sich jemand fragen: Was schwafelt der denn so aufdringlich von der Revolution der Franzosen, die doch auch ihren Blutzoll gefordert hat und in vielen Teilen wenig rühmlich war. Just (nein, nicht St. Just!) darin liegt der Charme dieses erzählerischen Ausflugs, weil die Jays heute, am Revolutionstag, wie die Revolutionäre aller Klassen und Zeiten ebenfalls noch zur Ader gelassen werden! Das ist der Lohn für ihre Gleichgültigkeit gegenüber der Tageshymne vom Balkon. Die letzte Woche hält einiges bereit für die Zwerge; und dazu gehört der Impftermin, an dem sie auch gechippt und zum Wohle von Wissenschaft und Forschung zur Ader gelassen werden.

Um kurz vor 9 Uhr packen wir die Delinquenten in den Caddyllac, wie sie es vom Ausflug schon kennen, chauffieren sie nach Bruckmühl, gleich um die Ecke und überlassen sie unserer Nachbartierärztin Tanja und ihrem Schicksal. Früher wurden wir bei dieser Gelegenheit regelmäßig von einem ganzen Tross von Freunden begleitet, die sich das Schauspiel nicht entgehen lassen und uns zur Hand gehen wollten, aber unter den Bedingungen von Covid müssen wir diesmal allein klarkommen. Das Praxispersonal hilft, die Impflinge in die Praxis zu bringen, wo die ersten schon alles vollgepinkelt haben, bevor die letzten eingetroffen sind. Kurz nach 9 Uhr liegt der Bürgermeister Jackl auf dem Foltertisch und geht den anderen auf dem Leidensweg voran, wie es sich für einen pflichtbewussten Anführer gehört.

Und für einen pflichtbewussten Tierarzt gehört es sich auch, die Welpen gründlich zu untersuchen: Augen, Ohren, Zähne, Nabel, Herz und Lunge, bevor man zur Untat schreitet. Diesen Generalcheck haben alle mit Bravour bestanden; die Jays sind kerngesund. Und das ist schon mal das Wichtigste.

Janitschek hat einen hohen BlutdruckJanitschek hat einen hohen BlutdruckAber dann. Diese Herzlinge sind bereits die Nummer 10 in unserer Zwingergeschichte, und wir haben bei dieser Gelegenheit so ziemlich alles erlebt, was man sich vorstellen kann, Kampfhähne, Abwehrkünstler, Schlangenhunde, Wutbeseelte, selten Gelassene oder stumme Dulder, meist hatten wir es jedoch mit empört nach der Sittenpolizei kreischende Vergewaltigungsopfer zu tun – und exakt solche haben wir heute hier zu bändigen. Keine(r) ist aggressiv, keine(r) beißt um sich, aber die Stimme erhebt sich an die Schallgrenze. Empörtes Me-too-Geplärre lässt die übrige Kundschaft auf den Fluren Schlimmes vermuten. Doch mit festen Griffen und sanftem Nachdruck fügen sich alle ins Unvermeidliche, weil in der Zuchtordnung Vorgeschriebene. Die Mehrheit tut das unter massivem Protest und lässt sich auch nicht von dem Judica bekommt einen hübschen TapeverbandJudica bekommt einen hübschen TapeverbandHinweis beruhigen, dass ihre frühen Vorgänger noch eine Tätowierung hätten ertragen müssen. Vor allem der Aderlass löst bei allen eine Welle der Empörung aus. Dabei ist ausgerechnet die Gegenwehr der eigentliche Grund der Pein, weil selbst die routinierteste Ärztin, unterstützt von Helferinnen und Zuchtchefin, alle Hände voll zu tun hat, den vorgesehenen Piks in eine dauerbewegte Vene zu platzieren. Doch alle Geschmeidigkeit führt nicht aus der Bredouille, niemand kommt aus, alle müssen liefern. Zur Belohnung bekommen sie einen schicken Tapeverband angelegt, der ihre Eitelkeit befriedigt und die Empörung verrauchen lässt. Damit ist eigentlich die Hauptaktion vorüber. Die anschließende Impfung nehmen sie kommentarlos hin; Impfverweigerer gibt es beim Blues nicht. Der Chip in die linke Schulterseite löst anschließend noch einen mittleren Widerstand aus, aber bei manchen scheint sich eingeprägt zu haben, dass es den Aufstand nicht lohnt. Sind eben doch schlaue Kinder, unsere Jabberwockys.

Man darf nicht darum herum reden: Die schlimmsten Weicheier sind die Buben, und damit bestätigen sie unsere Erfahrung: Je größer der Held, desto größer die Memme. Da machen die Jays keine Ausnahme, sondern bestätigen JuleJuleeine wurfübergreifende Erfahrung. Bei den Damen verhalten sich vor allem Jeannie und Jule weniger damenhaft als ihre Schwestern, was nicht bedeutet, dass deren Verhalten einen Eintrag im Tierarzt-Knigge verdient hätte. Kurz: Sie benehmen sich alle nach Kräften daneben – und sorgen damit für herzerweichende Heiterkeit beim Personal. Was ist eigentlich schlimmer: Geschändet zu werden oder im artikulierten Leid nicht ernst genommen zu werden?

Nach ziemlich genau einer Stunde ist alles vorüber, vorbei und vergessen. Die Geschundenen und Geschändeten werden wieder unter Mitwirkung der gesamten Mitarbeiterschaft und den Schmachtlauten der Kundschaft im Wartezimmer ins Auto verfrachtet und in ihren sicheren Heimathafen verschifft. Dort ist dann tatsächlich alles längst vergessen und eine rauschende Party angesagt.

Die Party währt genau so lang, bis der nächste Wolkenbruch einen Umzug ins Haus erfordert; dort kommen sie dann tatsächlich ein bisschen zur Ruhe. Abends kehrt dann ein Anflug von Sommer ins Mangfalltal zurück und wir können mit Lando und seinen Leuten den Abend im Freien verbringen und plaudern bis uns die Spucke ausgeht.

An den Kindern geht die Impfung nicht ganz spurlos vorüber: Weicher Stuhl ist bei allen die Reaktion – bis auf Jeannie, die vertrotzt sogar dieses Zugeständnis. Was nicht sein soll, darf nicht sein. Ich habe keine Impfung nicht, nein, eine Impfung hab ich nicht…       

  

Donnerstag, 15. Juli 2021

Nachts kommt das triste Wetter zurück und beschert uns einen grauen und regnerischen Morgen bei 13 °C um 5 Uhr.

JoschiJoschiAn den Folgen der gestrigen Impfung kaut nur noch Joschi mit weichem Stuhl, die anderen haben sich wieder stabilisiert. Aber bei den Gewichten zeigt sich eine höchst interessante Konstellation, die allerdings nicht unbedingt einen Bezug zur Impfung haben muss, denn die Spanne liegt zwischen 0 g und 510 g. Die Gesamtzunahme von 1920 g, 170 mehr als gestern, lässt jedenfalls nicht auf einen Einbruch wegen der Impfung schließen. Wer jetzt raten will, wer der Maximal- und wer der Minimalverwerter ist, kann sich ja mal eben einen Kaffee machen oder aufs Klo gehen, sitzen und sinnen. Wir schreiten zur Auflösung des Rätsels.

Jackl 7970 (+350), Joschi 7620 (+200), Jazz 7400 (+300), Janitschek 7270 (+510), Judica 6520 (+140), Jasna 6510 (+190), Jeannie 6380 (+230) und Jule 5320 (0). Das Durchschnittsgewicht liegt damit heute bei 6873,75 g. Jule hat offenbar in ihren Abwehrkämpfen viel Energie liegengelassen, aber wo Janitschek sich 510 g ergaunert hat, bleibt sein Geheimnis; ein Vorbild an Gelassenheit und innerer Ruhe war er jedenfalls in der Praxis nicht.  

Drei Tage vor Abgabe steht noch einiges auf der Agenda, beispielsweise, die Fotos für die Welpenordner zu schießen. Das ist immer eine etwas knifflige Angelegenheit, weil man natürlich möglichst lange warten will, um am Abgabetag ein einigermaßen aktuelles Bild zu haben. Andererseits läuft man Gefahr, dass einem das Wetter in die Suppe spuckt. Bisher hatten wir immer Glück und auch heute zieht der Himmel um 8 Uhr die Stores auf, nicht, dass er uns dabei ein strahlendes Lachen geschickt hätte, aber zumindest hat er den Sprühnebel eingestellt und ein paar Lux mehr angeboten, was wir umgehend nutzen, um die Portraits zu schießen.

Wegen der regen Baumaßnahmen in unserer Nachbarschaft sind uns in den Jahren schön langsam alle fußläufigen Plätzchen mit dem geeigneten Licht abhandengekommen. Deswegen gilt es erst einmal die Standortwahl zu bewältigen, was uns dann doch überraschend schnell gelingt. Allerdings ist es, als wir den ersten Kandidaten, Jackl, zum Thingplatz bringen, 8:15 Uhr und die halbe Hundebevölkerung Vagens ist beim Morgenspaziergang unterwegs. So ergibt es sich, dass die Spreizung der Reaktionen auf unsere Models etwa so mächtig ist wie die heute Morgen auf der Waage: Von der panischen Flucht eines Heldenhaften Rüden bis zum Milcheinschuss mancher zweibeinigen Spaziergängerinnen ist alles drin. Nur haben wir keine Zeit, allen Informations-, Kuschel- und Stöhnbedürfnissen zu entsprechen, weil wir das Wetterfenster nutzen müssen, bevor es wieder zugeht.

JacklJacklJackl führt also den Reigen der Modelle um 8:15 Uhr an und lässt uns auf ein einigermaßen entspanntes Shooting hoffen. Ganz Bürgermeister, gibt er sich überwiegend repräsentativ, ohne jedoch die Flöhe in seinem Hintern gänzlich unter Kontrolle halten zu können. Wenn das so weitergeht, sind wir, mal von den Transportwegen – ein Model zurück, das andere herbei – in einer halben Stunde durch.

Janitschek, als nächster, JanitschekJanitschekhat einen anderen Plan. Wir wissen nicht, ob er vorhat seinen Specküberhang von gestern abzubauen, jedenfalls ist er kaum vor die Linse zu bekommen. Die Fotoassistentin gibt alles, um den Knirps bei Laune und in Position zu halten, aber manchmal ist sogar alles nicht genug. Der Fotografeur rutscht auf den Knien herum, um dem Wiesel zu folgen, in der Hoffnung, wenigstens eine Zufallspose einzufangen – nichts. Wenn er Fotos für einen Flohzirkus zu machen hätte, wäre er mit diesem Modell bestens bedient. Als wir ihn schließlich doch abgeschossen haben, ist der optimistische Zeitplan Vergangenheit.

JoschiJoschiJoschi gibt sich dann wieder etwas positionsstabiler und zieht es vor, sich erst einmal einen Überblick über die Situation zu verschaffen, bevor er sich auf Wanderschaft macht. Dem in vielen Jahren mit allen Wassern gewaschenen und auf alles vorbereitete Fotografen genügt das, um die gewünschten Lichtbilder in den Kasten zu bekommen.

Jazz eröffnet das JazzJazzDamenprogramm. Sie orientiert sich an Janitscheks lotterhaftem Gebaren (als ob sie das nötig hätte, die sonst so Autonome) und gewährt uns keine Sekunde Zeit zum Justieren des Ziels. Man könnte Jazz‘ Auftritt etwa auf die Kurzformel bringen: Kaum ist die Hand vom Hund weg, ist der Hund von der Hand weg. Aber irgendwann kriegt sie der Fotograf alle, auch die Chefschwester.

JeannieJeannieNun wird Jeannie auf die Bühne gebracht und ist nahe dran, den Fotografen auf die Palme zu bringen. Sie schafft es, Jazz vergessen zu machen. Die dem Chronisten vorliegende Bilderserie ihres Auftritts ergibt, in der Reihenfolge der Häufigkeit der Motive, etwa folgendes Ergebnis: unscharf, Motivationsspielzeuge vor dem Gesicht, Assistentinnenhände vor der Nase, Rückenansichten und eine Serie von fröhlich auf den Fotografen zustürmende Jeannies. Als wir glauben, etwas Verwertbares im Kasten zu haben, ist es 9 Uhr und der Fotograf schon einmal durchgeschwitzt.

Auftritt Jule. Von Auftritt kann jedoch keine Rede sein, JuleJuleman sollte ihre Performance eher als Auflage bezeichnen, denn Jule ist vom relativen Substanzverlust auf der Waage (Nullnummer!) so geschwächt, dass es ihr kaum gelingt eine Sitzposition einzunehmen; andauernd knicken ihr die Stummelbeinchen weg und sie liegt im Grünzeug, bereit ein Nickerchen zu machen. Wenn wir sie aber mal zu einer aufrechten Position überzeugen können, ist sie flitzer als Jeannie unterwegs. Dann geht sie wieder in die Knie. Und wenn wirklich alles ein gutes Ende zu nehmen scheint, Jule mal für Sekunden dem Fotografen ein Lächeln gewährt, kneift sie zu dem toten rechten Auge auch noch das linke zu. Wenn so Siegesgöttinnen aussehen…

JasnaJasnaAber Jasna bringt die Seele des Fotografen wieder ins Gleichgewicht. Nicht, dass sie seinen und den Anweisungen der Assistentin folgen würde, aber ihr Verhalten ist durchschaubar und demnach planbar, schließlich machen wir das hier nicht zum ersten Mal. Für Jasna gilt die einfachste aller einfache Formeln: beharrlich spielen, beharrlich beißen und, wenn das zur Genüge ausgelebt ist, beharrlich sitzen. Wenn man die ersten beiden Sequenzen überstanden hat, ist der Rest pures Vergnügen.

Judica JudicaJudicabringt im letzten Gang noch ein wenig Glanz in unsere Seelenhütte. Fast wie Jackl gibt sie sich staatsmännisch, als würde sie sich als Bürgermeisterin bewerben wollen, wird jedoch als Frau nicht jederzeit ihrer Neugier und ihren Flausen Herr, besticht aber als Schlussakt durch klare Handlungsstränge, die den Fotografen am Ende nicht über Gebühr fordern oder gar überfordern. Er ist dankbar, dass Hedda ihm nur acht Flöhe mit Flausen geschenkt hat und nicht zweimal elf wie Fianna. Unter diese Bedingungen läge er jetzt wohl am Mangfalldamm mit dem Touristenhinweis, in Stein gemeißelt: Wanderer kommst du nach Vagen / Verkündige dorten / Du habest mich liegen gesehen / Wie das Pack es befahl.

Nach dem zähen Beginn ging der Rest dann doch erstaunlich flott: 9:20 Uhr ist es, als der Chronist seine Kamera verräumt und seine geschundenen Knie heimwärts richtet. Der Himmel hat es gut mit uns gemeint, besser jedenfalls als die selbstgefälligen Modelle, und lässt erst mittags wieder Regen fallen. Egal, jetzt ist wieder Ordnerzeit.    

Besondere Erwähnung ist heute der auffällig zurückhaltende Appetit der Zwerge. Fast mäkelig stochern sie in ihrem Futter herum und lassen auch bei Einzelspeisung noch etwas in ihren Schüsselchen zurück. Die Impfung macht ihnen also doch mehr zu schaffen als es gestern den Anschein hatte. Auch ist der Stuhl durchgängig wieder etwas breiig.

Auffällig wird die Futtermäkelei am späten Abend, als der Assi seine Kontrollrunde durch den Schlafsaal der Jays dreht und sich fragt, warum er sein müdes Haupt nicht längst zur Ruhe gebettet hat: Nichts zu entfernen, nichts zu entsorgen, kein Würstchen, kein Breichen, kein Teich. Die Küche könnte mit kleinen Einschränkungen als Reinraum durchgehen (den Transit haben wir inzwischen nachts geschlossen), wohin er blickt, nur knörzende und im Tiefschlaf zuckende Kinder.

Dann eben: Gute Nacht, Freunde. Es wird Zeit für mich zu gehen…

 

Freitag, 16. Juli 2021

Der Tag der Trennung naht mit Siebenmeilenschritten. Es sind diese letzten Tage, die uns morgens zuraunen liegenzubleiben, weil etwas, das nicht beginne auch nicht enden könne. Doch nichts ist so flüchtig wie das Morgenrot.

Deutlich handfester Jasna und JudicaJasna und Judicageht es heute Morgen bei den Jabberwockys zu: Jetzt machen sie Morgenkrawall, gerade so, als ob sie unsere diesbezügliche Lobhudelei der letzten Tage zurechtrücken wollten, schließlich will man nicht als Morgenmuffel und Weichspüler in die Annalen des Blues eingehen. Um 5:30 Uhr schicken sie im Garten die Wutz auf die Reise, so spektakulär, dass wir die Reinigungsroutinen vorläufig einstellen und erst einmal die Nachbarschaft weiterschlafen lassen. Diese Planänderung fällt uns allerdings ungewöhnlich leicht, weil trotz der reinlichen Kinder nachts auch morgens nur ein einziges Häufchen unsere Küche schändet. Damit lässt sich eine planerische Kehrtwende leicht einleiten.  

JasnaJasnaAn dieser Stelle drängt es uns, die Empfehlung von Jasnas zukünftiger Futtermeisterin angemessen zu würdigen. Sie, als Altphilologin einschlägig bewandert, empfahl uns kürzlich, bezogen auf unseren Vergleich der Küche mit den legendären Ställen des Augias, es doch einfach mit dem Bezwinger dieses Saustalls zu halten: Herakles habe die Fundamente der Ställe an einer Seite aufgebrochen und durch einen Kanal das Wasser der Flüsse Alpheios und Peneios durchgeleitet und somit die widerliche Stallarbeit sehr elegant erledigt. Herzlichen Dank für den hilfreichen Tipp. Heute kommen wir ohne diese doch etwas aufwändige Lösung und mit nur einem kleinen Fitzelchen Klopapier zurecht. In der Vergangenheit hätte man darüber nachdenken können. Leider haben wir nur eine Mangfall, die zudem seit einiger Zeit durch massive Dammbauten schwer umzuleiten wäre. Und ob die Verwüstung der kompletten Vagener Au mit der eleganten Reinigung des Blues-Stalls, vor allem unter Würdigung des Strafrechts, zu rechtfertigen wäre, bleibt fraglich. Wäre die Ratgeberin keine Altphilologin, sondern Juristin, würden wir sie gerne für diesen unseren Fall mandatieren. Andererseits ist ein solches Mitleben und -fiebern nicht genug zu würdigen und rührt uns zutiefst. Herzlichen Dank also fürs Mitdenken. Aber einer Altphilologin müssen wir bestimmt nicht die schlichten Gesetzmäßigkeiten der tradierten Gesellschaftshygiene näherbringen: Was Herakles gebührt, gebührt dem Blues noch lange nicht oder in gepflegtem Latein: Quod licet Jovi non licet bovi.

Von all diesen und anderen Erwägungen nicht betroffen ist die Waage, die auch heute wieder unters Joch und geschätzte 55 Kilo Welpensubstanz buckeln muss. Spannen wir sie und uns nicht länger auf die Folter.

Jackl ist nicht mehr aufzuhalten: Mit 170 g mehr überspringt er erwartungsgemäß die 8000er Hürde und landet bei 8140 g. Allerdings gibt sich Joschi noch nicht geschlagen: Mit 270 g plus folgt er ihm mit 7890 g und guten Aussichten, morgen ebenfalls die acht Kilo zu knacken. Jazz hält ihren 3. Platz, bekommt aber mit 180 g plus (7580) keinen Aufwind mehr für einen finalen Höhenflug. Und dann der Hypermotoriker des Fotoshootings, Janitschek, das Springteuferl in der Mangfallau: 20 g plus (7290) sind die Rache des Universums für die Pein, die er dem Fotografeur angetan hat. Das hat er nun davon. Teile des Personals haben kein Bedauern übrig. Die Damenreihung ist weiterhin so spannend wie das Telefonbuch von Castrop-Rauxel. Judica liefert das Tages-High mit 310 g (6830), was bestimmt auch mit ihrer gesetzten Performance vor der Kamera zu tun hat. Jasna folgt ihr mit 6670 (+160). Jeannie lauert knapp hinter ihr, immer bereit für einen kleinen, aber spektakulären Coup: 6650 (+270), ein Zugewinn, der in ihrem Fall gegen die Hypothese des Substanzverlustes infolge hyperaktiven Modellierens spricht. Und Jule spielt sich in ihrer eigenen Gewichtsklasse mit sich selber: 5500 (+180). Für heute ergibt das ein Plus von 1560 g und ein Durchschnittsgewicht von 7068,75 g.

Vorgestern mussten wir die Zwerge durch die Mühlen der medizinischen Vorsorge schicken, gestern trieben sie uns als ADHS-Kinder in den kleinen Wahnsinn und heute erfolgt der letzte der offiziellen Termine: die Wurfabnahme. Diese besteht im wesentlichen aus zwei Teilen, der Erscheinungsbildbeurteilung und dem Wesenstest.

Jule kuschelt sich durchJule kuschelt sich durchKurz vor 11 Uhr erscheint die Normenkontrolle in Person zweier Zuchtwartinnen, die auch nicht zögern, ihren Auftrag umgehend abzuarbeiten. Was die optischen Belange angeht, gibt es wenig Beanstandungen, Joschi hat nach wie vor einen kleinen weißen Bruststrich, der aber zu unbedeutend ist, um Folgen zu haben. Manchen fehlt das, was andere im Überfluss haben: Farbe. Aber auch auf diesem Feld gibt es keine generellen Beanstandungen, die etwa Auswirkungen auf die Zuchtzulassung habe könnten. Nur Jule hat sich für alle ihre Geschwister geopfert und sich einen Ansatz zur Doppelmarke gegönnt, der zum Zuchtausschluss führen würde, wenn der nicht schon durch das fehlende Auge gegeben wäre. Jule nimmt also alle Last auf sich und gibt ihren Geschwistern freie Bahn. Wie gesagt: Keine Klagen. Die Ruten sind in Ordnung, die Zähne, das Pigment, alles perfekt in der Norm und nicht zu beanstanden. Alle acht zeigen sich bei dieser Erscheinungsbildbeurteilung unbefangen, aktiv und neugierig; so soll es sein.

Janitschek schmust sich durchs ExamenJanitschek schmust sich durchs ExamenDoch nun kommt der Lackmustest: der Wesenstest. Dabei wird der Welpe in einen Raum gebracht, den er noch nie gesehen oder betreten hat. An diese Vorgabe halten wir uns peinlich, weil auch wir wissen wollen, wie sich unsere Kinder unter Stress verhalten, und dabei haben wir schon manche Überraschung erlebt. Wenn der Welpe in diesem Raum ist, wird er eine Minute nicht beachtet und nicht angesprochen; er muss also mit diesem Paralleluniversum allein klarkommen. Nach dieser Minute wird er angesprochen, soll über eine Raschelfolie gehen, mit einem Ball spielen, soll etwas Krach aushalten und mit einem Lappen spielen und, falls genügend Mumm und Beutetrieb vorhanden sind, diesen auch wegtragen. Für einen acht Wochen alten Welpen ist das in einer fremden Umgebung ziemlich viel Herausforderung. Großen Einfluss auf das Testergebnis nimmt logischerweise die Tagesform und der momentane Aktivitätsgrad des Welpen; bei acht Testkandidaten kann man es kaum verhindern, dass wir den einen und die andere aus dem Schlummer holen müssen, was zwangsläufig Einfluss auf das Ergebnis hat.   

Wenn wir ein Zeugnis schreiben müssten, würde die Kopfzeile lauten: Alle mit Bravour bestanden!

Jazz zeigt ihre ZähneJazz hat nichts zu verbergenDie Konfrontation mit einer völlig fremden Umgebung zwingt sie nicht in die Knie, sondern regt alle an, sich umzusehen und nachzusehen, was es da so alles zu sehen gibt. Das macht einer intensiver und nachdrücklicher, ein anderer etwas bedächtiger, aber keine(r) geht in die Knie und ruft nach Mami. Selbstbewusstsein und Traute haben sie alle. Mit dem Ball, der Folie und dem Krach auf einem Karton kommen sie ohne Beanstandung zurecht, auch hier etwas unterschiedlich in der Ausprägung, aber Angsthasen haben wir keine aufgezogen. Als die Zuchtwartinnen den Beutelappen anbieten hat keine(r) damit Probleme, zwar ist die Resonanz auf das Beuteangebot unterschiedlich – schnell, sehr aktiv, oder etwas abwartend –, doch letztlich nehmen alle das Beuteangebot an und zerren mit den Zuchtwartinnen um den Lappen. Auch das erfreut den Züchter, obwohl gerade an diesem Punkt häufig die Tagesform den Ausschlag gibt und die größten Beutegeier am wenigsten Laune haben, jetzt und hier ein Angebot anzunehmen, dem von ihrer Seite keine Nachfrage vorausgegangen ist. Eine allgemeine Aussage über einen Wurf lässt sich nur über die Mehrheit der gezeigten Verhalten treffen: wenn nahezu alle auf das Spiel eingehen, dann stimmt die Richtung, wenn kaum einer mitspielt, ist es keine Tagesform mehr. Und nun stellt sich die Beutefragen aller sportlich interessierten Züchter: Nimmt das Zwerglein den Lappen auch und trägt ihn nach dem Beutespiel weg: Alles meins! Bei den Jabberwockys haben sieben diesen Wunsch der Züchter erfüllt. Und jetzt wollen alle wissen, wer die Lusche ist… … …  JANITSCHEK! Doch exakt in diesem Punkt sieht man die Schwächen und offenen Flanken eines solchen Tests, der nie die ganze Wahrheit vermitteln kann: Janitschek fehlt es nicht an Beutetrieb, er ist von dem Geschehen überwältigt wie ein Kind, das erstmals auf einem Jahrmarkt ist und vor lauter Treiben hinterher nicht mehr weiß, was es gesehen oder gemacht hat. Janitschek, der Umtreiber vom Dienst, hat einfach keine Zeit, sich mit dem JacklJackl bringt so schnell nichts aus der Ruheläppischen Lappen eingehend zu beschäftigen, bevor er nicht alles abgearbeitet hat. Zubeißen, ein wenig daran zerren: ok, aber das muss fürs Erste reichen. Es gibt noch viel zu tun, packen wir’s an! Und flitz – schon ist er wieder weg.

Schließlich will man noch wissen, wie die Welpen sich nach dem Stress in der gewohnten Umgebung verhalten, ob sie Stressreaktionen zeigen oder wieder fließend in den Alltag zurückgleiten. Alle zeigen sich völlig unbeeindruckt, was man dann auch bei der Erscheinungsbildbeurteilung sehen kann, die nach dem Test stattfindet: entspannt, freundlich, neugierig und aktiv. Zum Schluss bekommen alle ein lebhaftes Temperament attestiert.

Wenn heute nicht der Vortag vom Vortag des letzten Tages wäre, könnte er einer unserer schönsten Tage sein! Unsere Jabberwockys machen uns richtig glücklich. Unser Dank gilt Annemarie und Geli für diese sehr korrekte, aber liebenswerte Wurfabnahme. Bei ihnen stand jederzeit der Welpe im Zentrum, nicht das Papier, das ungeduldig auf Einträge wartet. Ihr dürft das nächste Mal gerne wiederkommen.          

JeannieJeannieDas Ergebnis des Beutespiels im Test wundert uns schon länger nicht mehr, weil wir zunehmend die Objekte ihres wachsenden Beutetriebs sind. Der Garten ist kein Eden mehr, sondern eher ein Aden (der Leser möge dem Chronisten diesen plumpen Wortwitz verzeihen). Für uns ist problematisch, dass sie inzwischen natürlich alle ein- und Ausgänge kennen und wir uns nicht mehr von einer wartenden Meute davon schleichen können, um einen Jani kommt niemand ausJani kommt niemand ausAnderen Zugang zu benutzen. Die sind clever genug, alle Zugänge im Blick zu haben und umgehend anzusteuern. Doch wir betrachten ihr Paradies noch immer als unseren Garten und erheben Anspruch darauf, diesen zu betreten, wann wir das für nötig und wünschenswert halten. Aber unbeschadet entkommt man diesem Mob nicht mehr. Natürlich legt sich der Hype, wenn wir den ersten Ansturm überstanden haben und die Zwerge zur Tagesordnung übergehen, aber ganz schadlos vergehen die Tage nicht mehr. Dabei sind sie doch soooo liiieb! Nur blöd, dass der Übergang von herzzerreißend zu hosezerreißend so übergangslos ist.

Heute verharren die Jays überwiegend im verhaltenen Aktivitätsmodus und hängen viel herum; die jüngste Vergangenheit zehrt doch ein wenig an ihrer Substanz. Das kommt uns sehr entgegen. Doch Schlaraffia liegt anderswo, wir haben noch etwas vor mit ihnen, damit sie nicht als ausgeruhte Urlauber aus- und anderswo einziehen, sondern als lebenstaugliche Aktivkapseln.

Wir nutzen eine Lücke in den ständig drohenden Wolkenbergen, die so umfangreich ist, dass sie uns voraussichtlich mindestens eine Stunde nicht zu Leibe rückt, und gehen mit den Zwergen noch einmal auf Wanderschaft.

AbendspaziergangUm 18 Uhr verladen Spaziergangwir die Acht wieder im Caddyllac und fahren ins Grüne, nahe der letzten Wanderstelle. Heute haben wir reichlich Begleitung: Landos Herrschaften, dazu Alexandra mit Familie und Freunden, insgesamt zehn Begleitpersonen. Und dann geht es über tiefe Wiesen, über Stock und Stein, durch Matsch und Wald, ein Dreiviertelstunde, die den Stummelpummeln so viele Eindrücke beschert, dass sie heute kein Animationsprogramm mehr brauchen. Ein bisschen unglücklich ist der Fotograf, weil er vor lauter Menschen kaum noch Hunde zu Gesicht JazzJazzbekommt, bMatscheziehungsweise Motive, die einer Veröffentlichung nicht widersprächen. Dafür bekommt er formatfüllende Popos in allen Formen und Lebenslagen, Beine, Füße, Stiefel, hundeheischende Hände, jedenfalls nichts, was nach Veröffentlichung drängt. Auch der Versuch, den Kindern vorauszueilen, um sie von vorne zu erwischen und die Folger als Hintergrundkulisse zu benutzen, scheitert kläglich: Jeder Fluchtversuch wird sofort erkannt und vereitelt. Wenn der rennende Fotograf sich umdreht, hechelt ein freudiger Haufen bereits zu seinen Füßen: Wir sin all dor! Und da steht er der fixe Hase, von acht pummeligen Igelchen gestellt. Es ist ein Ein Lied zum AbschiedKreuz… Was soll’s! Wir bringen die Bande nach Hause, und die ist so platt, dass wir für heute definitiv unsere Ruhe haben werden.

Das Wetter hält, ist zwar sehr bewölkt und gelegentlich drohend, aber es hält. Wir werfen den Grill an und verhocken mit Landos und Alexandras Leuten fast bis Mitternacht in langen und launigen Gesprächen. Es sind solche Abende, die den Abschied leichter machen, weil sie uns zwar die Welpen nicht erhalten können, aber die Menschen zurückgeben. Und sie sind unsere eigentliche Welt, in der wir leben. Die Welpen sind nur eine wiederkehrende Parallelwelt.

 

Samstag, 17. Juli 2021

Sehr grau beginnt ein eh schon trister Tag. Die Wetterfrösche drohen der Region schwere Unwetter an. Das sind beunruhigende Aussichten, die den trüben Aussichten ins Blatt spielen. Wenn nur ein Viertel dessen, was Teile von NRW und RP in die Katastrophe gerissen hat, bei uns ankommt, helfen keine Gewitterkerzen mehr. Für diejenigen, die gerade nicht betroffen sind, ist es sein Segen, dass nicht nur das Tief Bernd über dem Westen langsam zieht (die Chefin kann sich schon wieder eines Grinsens nicht erwehren), sondern auch die anderen Systeme langsam vorankommen, sodass man hoffen kann, sie schlafen ein, bevor sie uns erreichen. Für den Augenblick gehen schwere Regenfälle nieder und sonst nichts. Die Zwerge sind unter solchen Bedingungen draußen und drinnen und draußen und drinnen und… Was will man machen? Sie können sich gut mit sich selbst und uns beschäftigen, langweilig wird es uns allen nicht.

Verstörend ist nicht nur das Wettergeschehen, sondern der Appetit der Jays. Jule verschmäht morgens ihr Frühstück komplett. Anzeichen von Unwohlsein gibt sie aber nicht, sie ist putzmunter. Auch die anderen lassen einiges in ihren Näpfen zurück, nur drei Schüsselchen sind leergeputzt. Was ist da los? Wir rätseln. Futtermäkler oder -verweigerer hDer Korb muss weichenDer Korb muss weichenatten wir noch nie. Mögen sie die Milch nicht mehr, was in diesem Stadium schon mal sein kann? Beanstanden sie das Fehlen der Eier in der Welpenmilch, die wir bis auf ein halbes pro Kopf reduziert haben? Keine Ahnung. Auch während der Tagesfütterungen sehen wir eine gewisse Zurückhaltung, führen das jedoch auf den neu eingeführten Rübenmix zurück, den sie möglicherweise nicht mögen. Aber solange die Bande das Haus und uns auf den Kopf stellen kann, machen wir uns keine Sorgen. Apropos Haus auf den Kopf stellen: Heute, am letzten Tag, müssen wir den großen Weidenkorb aus dem Küchenblock entfernen, jetzt erst haben sie ihn sich als Opfer ausgeguckt. Man muss sie einfach herzen.  

Wenn es eng wird, helfen Routinen, auch wenn sie keinen inneren Wert mehr haben. Putzen, klar, muss sein. Wiegen? Ja, muss sein, auch wenn keine Sensationen mehr zu erwarten sind. Na denn:

Jackl 8170 (+30), Joschi 8050 (+160), Jazz 7590 (+10), Janitschek 7540 (+250) – was ist denn das für eine Achterbahn?? – Judica 6900 (+70), Jasna 6820 (+150), Jeannie 6710 (+60) und Jule – wie? – 5300 (-200!). Wollen dJuleJuleie sich mit uns einen Jux machen? Oder hat Jule unser Flehen erhört und ihr Gewicht heruntergefahren, damit sie nicht mehr abgegeben werden darf? Mit 5300 g liegt sie jedenfalls wieder unter der kritischen Marke. Das ergibt 730 g plus an einem Tag. Wenn wir Jules Minus abziehen, bleiben noch mickrige 530 g. Gut, sie hatten mäßigen Appetit und reichlich Bewegung, aber so eine Minderperformance ist kaum zu erklären, zumal alle frisch und munter sind, auch wenn der Stuhl bei den meisten wieder etwas breiig ist, aber keinen Anlass zur Besorgnis liefert. Vermutlich muss man sich einfach ein wenig zurück- und nicht so wichtig nehmen, den Dingen ihren Lauf lassen und nicht in allem eine Verschwörung sehen. Das Leben ist ein einziges Auf und Ab, und viele Abs sind genauso unerklärlich wie die Aufs, nur die letzteren hinterfragen wir nicht, weil sie uns lieber sind als die Abs.

Wir lassen es, wie es ist, erledigen die Restarbeiten für die Welpenordner und den morgigen großen Tag und lassen die Zwerge ihr Leben leben, das sie heute mit viel Tempo, wenn immer sie im Freien sind, abspulen. Nein, krank ist von denen niemand.  

 

Sonntag, 18. Juli 2021

Wenn man eine Gartenparty zum Abschied der herzigsten aller Herzigen feiern möchte, passt strömender Regen mit Hang zum Weltuntergang nicht so recht ins Drehbuch. So begrüßt uns jedenfalls unser letzter gemeinsamer Tag um 5:30 Uhr bei 17 °C.

Die Kinder sind unzufrieden und nervig, wahrscheinlich weil sie spüren, dass wir nicht dieselben sind wie all die Tage. In ihrer Unruhe finden sie sogar heraus, wie sie die Sperre zum Treppenhaus knacken können, was sie seit Installation der Deckenstütze nicht mehr versucht, jedenfalls nicht mehr geschafft haben. Heute finden sie eine neue Passage, die sie wochenlang hätten finden können, aber offenbar nicht gesucht haben. Sollen sie eben, wenn es ihnen wichtig ist; wir machen die Glastür zum Treppenhaus zu und steigen über die Ausbrecher. Auf das bisschen Leibesübung kommt es nach acht Wochen auch nicht mehr an.

FiannaEndspielFianna macht uns Sorgen: Die Oma hat Weltschmerz. Nach drei Würfen brauchen wir ihr nicht zu erzählen, was heute auf dem Programm steht; sie zieht sich auf den Kellerabsatz zurück, ganz sicher nicht, um uns nicht im Weg zu sein. Wir geben ihr Ignatia, was tatsächlich gegen Trennungsschmerz hilft, bei Anouk, die schon mal bei Abschied eines Welpen in die Knie ging, bei Franzi, die überaus robust und nach fünf Wochen eine berufstätige Mutter wurde und größere Teile der Erziehung an Anouk delegierte, aber auch litt, wenn sie ihre Kinder hergeben musste. Und auch Fianna hat die Trennungen deutlich besser bewältigt, wen wir ihr Ignatia gaben. Das gilt nicht für den ersten Wurf, weil die Hündinnen da noch nicht wissen, was abgeht. Dennoch haben wir Hedda mit diesem Wissen schon seit zwei Tagen Ignatia gegeben; schaden tut es nicht und wenn es sie entspannt, haben alle etwas davon.

Auch heute Morgen zahnen die Jays etwas mäkelig an ihrem Frühstück herum, und wir haben den Verdacht, dass die schon bei uns ihr Umerziehungsprogramm beginnen, mit dem sie sehr bald ihre neuen Futtermeister vor die Frage stellen werden: Sollen wir der Verweigerung nachgeben und etwas anderes anbieten oder sollen wir das Kind verhungern lassen? Nicht nachgeben! Weil der Zwerg sicher speist, wenn er Hunger hat. Aber sie werden es versuchen und nicht jede(r) wird widerstehen. Ja, es sieht so aus, als würden sie schon bei uns einen Probedurchgang starten wollen. Aber das ist definitiv der falsche Plan! Es gibt ein ordentliches Frühstück, wie es für sie vorgesehen ist und siehe da: Nach etwas herummäkeln sind schließlich beide Futterringe geleert. Und es waren alle beteiligt, darauf haben wir schon ein wachsames Auge geworfen.

Nun also ist es Zeit, die Schlussgewichtung vorzunehmen, die für alle Zeit und in Stein gemeißelt bewahrt werden wird. Und weil es sich nicht ziemt, am Ende noch eine billige Dramaturgie aufzubauen, nur um ein bisschen Effekt zu haschen, nehmen wir es gleich vorweg: Die Jabberwockys sind gewichtsmäßig wieder voll in der Spur. Es gibt keinen Grund mehr, die gestrigen Sorgenfalten weiter zu pflegen. Here we go:

Jackl: 8430 (+260)  Joschi: 8320 (+270)  Janitschek: 7920 (+380)  Jazz: 7810 (+220)  Judica: 7040 (+140)
Jasna: 7030 (+210)  Jeannie: 6940 (+230)  Jule: 5590 (+290)

Wie schon erwähnt: Alle haben ihre Diät eingestellt und noch einmal 2000 g zugenommen. Das ist ein Wort und ein Akt der Versöhnung. Dass Jackl keinen Einbruch mehr zulassen würde, war schon lange klar und dass Joschi ihm folgen würde ebenfalls. Aber dass Janitschek, der farbenfrohe Partisan, noch im letzten Akt die Bazooka herausholen und die stramme Jazz auf den Blechplatz abschieben würde, war nicht abzusehen. In der zweiten Tabellenhälfte blieb die gewohnte Ordnung bestehen, obwohl wir nicht wissen, ob Jasna nicht doch noch an Judica vorbeigekommen wäre, wenn sie ihren Endspurt nur einen Tag früher angezogen hätte: Zehn Gramm sind der denkbar knappste Abstand. Jeannie hat sich, wie all die Tage, stabil und verlässlich nach oben gefuttert und Jule nochmal ein Schlussstatement geliefert: Ich will hier weg und abgegeben werden; mit 5590 g liegt sie wieder deutlich über dem erforderlichen Gewicht. Und jetzt kommt die Waage in den Karton und muss auf den nächsten Wurf warten.   

Das Wetter scheint Mitgefühl mit uns zu haben, und so können wir den Garten für den Abschied vorbereiten. Es wird, wie immer, eine bayerische Brotzeit geben, die uns allen den Abschied ein bisschen leichter machen soll. Die Kidnapper können angeregt miteinander plaudern und sich kennenlernen, wir sind beschäftigt uns abgelenkt und am Ende ist der Garten leer und das Herz trotzdem voll.

Doch, bevor es zum Festmahl kommt, verlässt uns Judica um 8:45 Uhr. Ihre neuen Leute sind schon gestern mit dem Wohnmobil angereist, um heute gleich morgens entspannt und gemächlich ins Hessische zu verschwinden. Servus, Jude, mach’s gut.

Janitschek verlässt uns kurz vor 13 Uhr in Richtung Wien und Joschi folgt ihm gleich darauf ins nahegelegene Ostermünchen. Beide werden uns nicht aus den Augen verlieren, so ist der Plan. Um halb Drei macht sich Jeannie auf den Weg nach Pforzheim und zehn Minuten später rollt Jazz in Richtung Bayerwald und Jackl steht schon bereit, sich in den Chiemgau davonzumachen. Um 15 Uhr verlässt uns Jasna nach Taufkirchen, was eigentlich kein richtiges Verlassen ist; man sieht sich.

Jetzt wäre das Jabberwocky-Paradies schon gespenstisch leer, wenn nicht die Piratin Jule noch bis kommenden Freitag bleiben und uns einen geschmeidigen Übergang in den Alltag bescheren würde.     

Eigentlich stünde nun, wie nach allen Partys, Aufräumen auf dem Plan, aber weil Jule noch Ansprüche anmeldet, die ihr auch zustehen, lassen wir das Paradies, wie es ist. Für einen Welpen ist es dennoch zu groß und ein wenig zu großspurig. Mit Heddas und Fiannas Unterstützung wird sie es trotzdem noch genießen können. Und wir verschieben das Rammadamma (bayer: Aufräumen = räumen tun wir) auf nächste Woche. Jetzt legen wir die Beine hoch und freuen uns auf eine Woche mit der Piratin.

Und was macht Hedda? Sie hat ihre Kinder ziehen lassen, keine Träne verdrückt und widmet sich nun ihrem kleinen verbliebenen Goldstück. Wenn sie diesen Pragmatismus und ihre Lebensfestigkeit an ihre Kinder weitergegeben hat, dürfen wir uns alle glücklich schätzen. Sie ist nicht nur ein Goldstück, sondern ein ganzer, großer Schatz.

 

Epilog I

Familie LieglFamilie LieglJackl lebt jetzt in Schnaitsee, im schönen Chiemgau.

Es gibt Typen, bei denen man sich fragt: Wo nehmen die ihre Selbstgewissheit und Souveränität her? Wer hat ihnen das Vorturner-Gen eingeschleust? Solche, wie Greta Thunberg, die mit 17 Jahren die Vollversammlung der Vereinten Nationen herwatschen, dass denen das Hören und Sehen vergeht, wo andere sich am Vortag so vollgesoffen hätten, dass der Termin auf übernächstes Jahr hätte verlegt werden müssen. So einer ist Heddas Erstgeborener. Und so ist es fast zwangsläufig, dass ihm bereits früh in seinem kleinen Leben der Titel „Bürgermeister“ verliehen wird: selbstbewusst, klar in der Birne, zupackend, wo es die Situation erfordert, aber auch moderierend, wo Hitzköpfe ein Fell untereinander verteilen wollen, ohne den anderen etwas abzugeben. Natürlich ist der Bürgermeister der Jays auch ein durchtriebener Bauer wie der Schex, der sich bei seinen Amtshandlungen nicht selbst vergisst. Doch überwiegend ist er der Gute-Laune-Bär und Ruhepol zwischen seinen manchmal irrlichternden Geschwistern, gelegentlich majestätisch, bei Bedarf hemdsärmlig. Einer wie Jackl kann mit der Linken einen Maibaum aufstellen, mit der Rechten die Goaßl schnoiz’n (die Geisel schnalzen) und, mangels Blaskapelle, sich nebenbei selbst den Marsch dazu blasen. Bei so einem ist irgendwie alles am rechten Fleck, nicht nur das Herz. Eigentlich kann man so eine Type nicht wirklich kaputtkriegen oder aus der Bahn werfen. Der ist, wie er ist und geht seinen Weg. Wenn er seinen Weg nicht ganz allein gehen muss, sondern gelegentlich an die Hand genommen wird, wird er seinen neuen Leuten viel Freude und wenig Sorgen bereiten. Wie jeder von uns, hat auch Jackl ein Schwarzes Loch in seinem Innersten, das unsere finstere Seite und das Nichts beschreibt, in dem alles, auch das helle Licht in uns, verschwindet. In Jackl haben wir an dieser Stelle auch etwas gefunden, aber keinen alles verschlingenden Abyss, sondern seinen Massepunkt, der ihn stabilisiert und kaum kippen lässt. Wenn dieses Loch dort bleibt, wo es ist und hingehört, wird es Jackl ein langes Leben im stabilen Gleichgewicht halten. Dafür ist er im erdigen Chiemgau bestens aufgehoben, weil dort kaum jemand leicht abhebt. Seine Ruhe und Wesensfestigkeit wird er gleich zu Beginn seines neuen Lebens zum Wohle seines alten Hausgenossen Max einbringen können, dem er, der schwerkrank ist, hoffentlich in seinen verbleibenden Tage noch einen leichtfüßigen Schlussakkord seines Lebens beschert.  

 

Familie KimFamilie KimJazz zieht in den Bayerischen Wald, nach Rohrmünz, hoch über Deggendorf.

Nach Jackl hat uns Hedda Jazz ins Nest gelegt, mutmaßlich mit der Absicht, uns nach dem Bürgermeister eine Bürgermeisterin zu bescheren. Gleich zu Beginn, so ihre Strategie, zwei echte Ansagen. Und dennoch ist Jazz kein weiblicher Jackl, damit würden wir es uns zu leicht machen. Jazz hätte das Zeug und die Werkzeuge dazu, hat sie aber in der Kiste gelassen. Jazz ist acht Wochen lang ihre eigene Galaxie, um die sich nicht alles, aber vieles drehte. Sie hat Jackls breite Brust und die dazu passende Autorität; sie stellt etwas dar. Aber sie ist nie gravitätisch, eher burschikos und zugänglich, jedoch nur solange sie nicht „ihr Ding“ macht, und das macht sie oft. Sie geht voran, andere folgen ihr – und wenn es kopfüber in den Keller geht. Für uns ist sie schon bald die „Autonome“, die ihren Tagesplan nicht nach ihren Geschwistern richtet, sondern ihren eigenen hat und verfolgt. Jazz ist ein schillerndes Mosaik, das gerade durch fehlende Steine und scheinbare Fehlfarben zu einem faszinierenden Kunstwerk wird. Nichts an Jazz ist glatt und erwartbar, und gerade die vermeintlichen Brüche fügen das Bild zusammen. Heraus kommt kein Rembrandt und schon gar kein Spitzweg, sondern ein echter van Gogh. Jazz gehört zu unseren All-time-Favoriten aller unserer Welpen, weil wir ab- und tiefgründige Charaktere lieben, solche, denen man alles zutraut, aber nie etwas nachsagen kann. Wann immer wir vor einem Rätsel standen, gehörte Jazz zu den Erstverdächtigen. Überführen konnten wir sie nie. Aber wir wissen – und sie weiß, dass wir wissen.
Wenn wir jetzt eine Hündin behalten hätten, um unsere Zucht fortzusetzen, wäre die Wahl letztlich auf Jazz gefallen. Im Zwinger vom Waldläufer hat sie nun die Gelegenheit, an anderer Stelle die Fahne des Bairischen Blues hochzuhalten. Doch bis es so weit ist, muss sie unserem alten Freund Dacapo noch ein wenig mit jugendlichem Übermut den Lebensabend erfrischen.    

 

Familie Tschernutter-GroßFamilie Tschernutter-GroßJanitschek trägt die Farben des Bairischen Blues nach Fischamend in Österreich.

Wir haben die Beiträge und Einlassungen in unserer Chronik bezüglich Janitschek nicht gezählt, aber mutmaßlich ist dieser Wirbelwind derjenige mit den meisten Erwähnungen. Wo fängt man an? Und wo hört es auf, wenn es überhaupt aufhört. Versuchen wir es damit: Janitschek ist ein Spiegelbild seines Papas Lando und damit schön, so, wie man sich einen schwarzmarkenen Hovawart vorstellt. Den Vergleich mit weiteren Eigenschaften steht uns nicht zu, weil wir Lando nicht acht Wochen am Stück begutachten konnten. Jani, so viel steht fest, ist der Gaudibursch unter den Jays, ein unermüdlicher An- und Umtreiber, ein rasender Reporter, ein Häuslschleicher und Kusshandwerfer. Wenn bei ihm etwas zuverlässig sitzt, dann ist es der Schalk in seinem Nacken. Ihm entgeht nichts, keine Action, die er nicht bereichert, er ist unentwegt unterwegs, kann jederzeit und unerwartet überall auftauchen wie ein Schachtelteuferl, kurz: Janitschek ist unermüdlich wie ein Duracell-Häschen. Mit seiner Allgegenwart geht er seinen Geschwistern schon mal auf den Wecker, die ihm jedoch alles verzeihen, weil man ihm nichts krummnehmen kann. Dafür gibt ihm seine Oma einmal einen Nasenstüber, weil er ihr doch ein bisschen zu distanzlos wird. Der bringt ihm eine geschwollene Nase und Schlitzaugen ein und stellt ihn für zwei Tage ruhig. Doch Jani kann auch ganz anders. Zum Beispiel kann er ein hingebungsvoll Schmuser und herzzerreißender Charmeur sein – bis ihn sein Wespennest im Hintern wieder zu neuen Taten treibt. In diesem kleinen Wirbelwind steckt so viel Substanz, dass man damit ein kleines Universum füllen könne. Doch heute wissen wir, dass unser Universum noch viel mehr Geheimnisse birgt, als wir uns vorstellen können. Der bei weitem größte Posten ist dabei die dunkle Materie und dunkle Energie, von denen wir nicht viel mehr wissen, als dass es sie in unvorstellbarer Menge gibt. Und sie findet sich auch in allen starken Charakteren, wie Janitschek einer ist. Zum Glück machen sie bei ihnen nur den eindeutig kleineren Teil aus. So eine dunkle Seite des kleinen Sonnenscheins ist seine Eifersucht, die er in den letzten Tagen beim Blues gegenüber seinen Geschwistern entwickelt, wenn er Menschen für sich beansprucht. In ihr manifestiert sich jener Teil der dunkeln Energie, die aus einem Thronfolger und strahlenden Prinzen einen Schwarzen Ritter machen kann. Wir zweifeln jedoch keine Sekunde daran, dass Janitschek diese Kapriolen seiner Seele in Griff bekommt und das wird, was er schon bei uns immer wieder war: der galante und pfiffige Jani-Schani aus dem Wienerwald. Heißt es nicht immer, dass das Milieu den Charakter formt? Eh kloar…  

 

Familie DörflingerFamilie DörflingerJeannie hat ihre Spielwiese nach Pforzheim verlegt.

Äußerlich kommt Jeannie ihrem Bruder Janitschek sehr nach, auch sie hat alles, was man sich bei einem schwarzmarkenen Hovawart wünscht. Und auch bei ihr ist die Lebensfreude das zentrale Antriebsaggregat. Jeannie ist schnell, Jeannie ist wendig und vor allem geschickt. Vermutlich ist sie die größte Spielratz unter ihren Geschwistern. Welpen spielen immer gern, weil sie sich im Spiel ihre Welt erobern und verstehen. Wenn Jeannie so viel versteht wie sie spielt, müsste sie es einmal zur größten Philosophin aller Zeiten bringen. Es gibt einfach nichts, was sie nicht bespielt, anfangs großflächig und ausgelassen, dann immer kleinteiliger und selbstvergessener, als ob sie in ihr Objekt hineinhören würde. Sogar ein getrockneter Hühnerfuß ist nicht zum Verspeisen gedacht, sondern zum Ergründen. Während ihre Geschwister irgendwo verschwinden, um sich das Ding hineinzuraspeln, spielt sie mit ihm, als ob sie es zum Leben erwecken wollte, um darauf mit ihm Fangen zu spielen. Bei solch selbstvergessenen Spielen kommt ihr schon gelegentlich ein Spielzeug abhanden, weil andere eine nutzbringendere Verwendung dafür haben. Unter diesen Umständen weiß man nicht so recht, ob ihre Leidenschaft für Hosenbeine ebenfalls diesem Spieltrieb zuzuschreiben ist oder doch dem, was man allgemein als Beutetrieb bezeichnet; weh tut beides. Eine Draufgängerin ist Jeannie nicht; auf manche Umständen will sie sich nur zurückhaltend einlassen, so ist sie die Einzige, die auf der Waage konsequent kein Leckerchen akzeptiert. In dieser Hinsicht ist sie so eisern wie Janitschek in allen Lebenslagen flexibel. Wenn man von dieser Marotte absieht, wird sie mit allen anderen Herausforderungen, die sie mit Skepsis begleitet, schnell warm. Wir haben mit Jeannie einen Heidenspaß, weil auch sie, wenn sie nicht gerade im Spiel versunken ist, ein herrlich lustiger Fratz ist, den man ins Herz schließen muss. Rundum bezaubernd eben, unsere Jeannie, die uns schnell vergessen lässt, dass ihr Start ins Leben sehr holprig war. Beinahe hätten wir ihr diese Zeilen nicht widmen müssen.      

 

Familie MenacherFamilie MenacherJoschi bezieht eine Hütte in Ostermünchen, rund 15 km nordöstlich des Bairischen Blues.

Wir müssen jetzt einfach mit der Tür ins Haus fallen, weil bei diesem liebenswerten kleinen Kerl einfach keine Vorreden angebracht sind: Joschi ist ein hundertprozentiges Herzstück. Punkt. Dabei ist er der vermutlich begabteste Verwandlungskünstler, den wir je großzogen. Er beginnt seine Welpenkarriere als Dauerredner, Plaudertasche und Gesellschaftsreporter, was ihm bei einem namenlosen Verehrer den zweifelhaften Ehrentitel „Baby Schimmerlos“ einbringt, nach jenem legendären Klatschreporter aus Kir Royal. Wenn es irgendwo nörgelt, plärrt, greint oder filibustert, gibt es keinen Grund nachzusehen, wer etwas zu sagen hat: Es ist immer Joschi. Dann schweigt er plötzlich, nimmt Haltung an, verpuppt sich und gibt kurz darauf sein Debüt als Hosenschnalzer und Bürgermeisterkopie. Da selbst er mit dieser Rolle nicht warm wird, steht er eines Morgens als lachender Vagabund aus seinem Lager auf und befindet, dass ein sonniges Gemüt auch dem unwürdigsten Mistwetter im Paradies den Stachel nimmt. Seither lacht Joschi. Er besetzt Schöße, lässt sich das Bäuchlein kraulen und lacht dabei wie ein zufriedener Buddha. Eigentlich lacht Joschi immer. Naja, wenn es um Pansenfetzen oder Hühnerfüße geht, setzt er auch mal aus, gibt den grimmen Hagen, erinnert sich an die Bürgermeisterrolle – und lacht anschließend noch herzhafter, weil einem Geschwister das Lachen und der Appetit vergangen ist. In den Adern dieses Bürschleins fließt wahrscheinlich eine Mischung aus Blut, Juckpulver und Lachgas. Doch wer ihn nur auf seine herzlichen Umgangsformen und sein Lachen reduziert, übersieht, dass Joschi so ganz nebenbei einer der Pfiffigsten seines Standes ist; er lernt sehr schnell, setzt blitzschnell um und weiß ganz genau, wo der Bartl den Most holt. Mit dieser Ausstattung kommt man normalerweise sehr geschmeidig durchs Leben.
Alle diese Eigenschaften und Vorzüge kann er ab sofort auf Tauglichkeit überprüfen, weil er bei einem in die Jahre gekommen Golden Retriever-Rüden einzieht, der sich sicher nicht so leicht von ihm ein X für ein U vormachen lässt. Aber: Mit einem Lachen kommt man um die ganze Welt.

 

Andrea StibitzkyAndrea StibitzkyJule richtet sich ihre Stube in Sauerlach, 20 km nordwestlich des Blues, ein.

Den Augenblick, an dem man feststellt, dass ein Augenblick fehlt, vergisst man nie mehr. Das Fehlen von Jules rechtem Auge versetzt uns kurzfristig in eine Art Schockstarre. Man muss als Züchter mit vielem rechnen, aber ein fehlendes Auge gehört nicht zu den verbreiteten Horrorszenarien. Die erste Frage ist: Funktioniert das linke Auge? Heute können wir strahlend verkünden: Und wie! Jule lebt, Jule sieht und Jule ist – und das ist die Königsbotschaft – ein ganz normaler Hovawart, mit all seinen Eigenschaften und Abgründen. Eine dieser Eigenschaften ist bei Jule die unbändige Freude, wenn wir uns ihr nähern, selbst wenn wir nur in ihre Nähe kommen. Dann wedelt nicht das Schwänzlein an Jules hinterem Ende, sondern es wackelt und windet sich der ganze Hund und das Schwänzlein saust herum wie ein Windrädchen. Jule kann sich über Menschen freuen, als hätte sie mehrere Wochen Isolationshaft hinter sich. Trotz des fehlenden Auges hat die Kleine keinerlei Orientierungsprobleme und findet zuverlässig den Weg, den sie eingeschlagen hat, und das auch in höchstem Tempo, eine Gangart, die sie übrigens besonders liebt. Gemächlich kommt bei Jule eher selten vor. Jule gehört auch zu denen, die am längsten aktiv sind und nur kurze Ruhepausen benötigen. Für uns bedeutet das, dass die Schicht meistens erst beendet ist, wenn Jule das Licht ausknipst. Während der Fotosession überlegt sie es sich dafür anders und legt sich hin, wenn sie sitzen sollte. Ein echter Hovawart eben. Jule ist, das sollte man eigentlich nicht erwähnen müssen, ein echter Sonnenschein, der je nach Sonnenstand, allerdings auch lange Schatten werfen kann. Anders gesagt: Ein fehlendes Auge lässt keine Rückschlüsse auf eventuell fehlende Zähne zu. Und Jule hat alle und auch alle im Einsatz. Sie gehört zu den griffigsten Krokodilen des Jaw-Clubs. Aber dann lacht sie wieder und wackelt, fehlt nur noch, dass sie schnurrt. Als Zarteste der Jays ist sie zwangsläufig für die Bullys ein gefundenes Fressen. Denken sie. Denken sie aber inzwischen nicht mehr, denn der Knubbel kann nicht nur Hosenbeine und Mädchenhaare, sondern auch Bruderohren und Schwesternnasen. An Feiertagen lässt sie es auch mal auf Ohrfeigen beruhen. Knubbelig, klein, blitzschnell, fix im Kopf, handfest und schmiegsam – um Jule wäre es tottraurig gewesen, wenn wir ihr ein Leben ohne Augenlicht hätten ersparen müssen. Wir wüssten gar nicht, was wir verloren hätten. Oder doch: einen echten bezaubernden Hovawart eben.
Wenn es nach Jules neuer Dompteurin geht, soll sie richtig viel Sport machen und Prüfungen ablegen. Und weil man nur gut sein kann, wenn man Siege im Visier hat, darf Jule ab sofort den Namen der griechischen Siegesgöttin Nike tragen. Da kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.

 

Dr. Claudia KemperDr. Claudia KemperJasna bleibt auch in der Nähe, nur wenige Kilometer von Jule, in Taufkirchen

Jasna hat optisch nicht viel mit Jeannie zu tun, aber darüber hinaus kann sie ihre Verwandtschaft mit ihr nicht verleugnen. Sie ist ein nimmermüdes Spielmobil und Energiebündel mit zwei ausgeprägten Schlitzohren. Wenn irgendwo beim Blues eine Intrige angezettelt wird, Aus- oder Einbrüche geplant werden und zu Treibjagden geblasen wird, ist Jasna zur Stelle. Weil halbe Sachen nicht auf Jasnas Agenda stehen, kann es dann eben schon vorkommen, dass man im Keller landet und für zwei Tage kleine Brötchen backen muss. Zwischen ihren kleinen und meist liebenswerten Teufelein trägt sie gerne ein Gesicht wie eine Mischung aus schwarzer Madonna von Tschenstochau und Maria Magdalena beim Letzten Abendmahl. Stille Wasser gründen bekanntlich tief, trüben aber niemals selbst irgendein Wässerchen. Beunruhigender ist es, wenn sie gerade nicht im Einsatz ist, dann ist sie nämlich meist unauffindbar. Sie gehört zu dem kleinen und exklusiven Amazonentrupp (plus Jazz und Judica), der sich gerne aus dem Staub macht und sich unter unseren Hecken eingräbt wie Landser an der Front. Der Assi gibt zu seiner Schande zu, dass er nicht nur einmal nach ihr Ausschau hielt und sie nicht entdeckte. Wahrscheinlich schüttelt sie sich vor Lachen, wenn er wieder an ihr vorübergeschlichen ist. Aber was für Jazz gilt, gilt auch für Jasna: Wir lieben diese ab- und tiefgründigen Malefize, ohne die das Züchterleben nur aus Futterbereitung und Futterentsorgung bestehen würde. Zum Glück hecken auch die kreativsten Köpfe nicht unentwegt neue Schurkenstückchen aus, sodass ihnen Zeit bleibt, ihre Schokoseite zu offenbaren –und die ist bei Jasna sooo süüüß. An ihr wird nachvollziehbar, dass man jemand zum Fressen gern haben kann. Um dieser Gefahr zu entgehen, kehrt sie wahrscheinlich ihre raue Seite nach außen, denn wer beißt schon gern in eine ungeschälte Rambutan. Hinter dieser kleinen Abenteurerin steckt unendlich viel Herzigkeit und Knutschpotential. Und wer einen Augenaufschlag wie Amy Winehouse riskieren kann, muss sich nicht wundern, wenn Umärmelungen häufiger anfallen als erhobene Zeigefinger.
Die Gunst ihrer neuen Chefin musst sie sich ab jetzt mit der fünfjährigen Gamba teilen, die weniger subversives Potential in sich trägt, sich aber von ihr sicher nicht aufs Abstellgleis schieben lässt. Das bedeutet: arrangieren. Und ab und zu so kleine Brötchen backen wie seinerzeit im Keller.             

 

Familie FröhlichFamilie FröhlichJudica zieht in den Zwinger von Acro Bado im hessischen Rödermark.

Judica ist ein typischer Fall für eine Schreibblockade. Es geht dem Chronisten viel durch den Kopf, aber er möchte keine Plattitüden aufschreiben. Und wenn es so unendlich schwerfällt loszulassen, muss man eben die schmerzenden Momente hinter sich bringen, bevor man mit befreitem Herzen frohgemut sein kann. Gehen wir es an. Judica hätten wir gar nicht abgeben dürfen. Judica gehört zum Blues. Judica ist Fianna! Wir können uns kaum erinnern, jemals beim Gedanken, einen Welpen abgeben zu müssen, so großes Magengrimmen gespürt zu haben. Aber dann setzte sich die Vernunft durch: Selbst wenn wir uns jetzt eine Hündin hätten behalten wollen, wäre es dennoch nicht Judica geworden. Noch eine Fianna… nein. Wir hätten uns gegen das Herz und für die Vernunft entschieden und Jazz behalten; Abwechslung braucht die Welt, keine Klone. Abgesehen davon, dass Judica mehr Rouge trägt als Fianna, ist sie auf dem gleichen Holz gewachsen. Und wer unsere vielfältigen Elogen über unsere Fianna kennt, ahnt, worauf wir mit Judica verzichtet haben. Nein, sie ist kein Engel und schon gar keine Heilige, sie hat Zähne, wo sie hingehören und weiß sie einzusetzen. Sie hat einen Kindskopf, den man getrost als Dickschädel bezeichnen kann. Sie dreht ein krummes Ding und einem dabei eine lange Nase. Manchmal kann auch sie auf Schwarze Madonna machen, aber nie auf Maria Magdalena, so viel Verstellung liegt ihr nicht. Was sie auszeichnet, wie keines ihrer Geschwister, ist ihre Menschenliebe. Seit Judica auf ihren Stummelbeinchen ein paar Meter gehen kann, haben wir ein Deja-vu: Judica ist ständig in unserer Nähe – wie Fianna vor zehn Jahren. Sie liegt auf unseren Füßen, wenn wir kochen oder Futter bereiten, sie sitzt hinter uns, wenn sie nicht auf unseren Füßen liegen kann und strahlt uns von ganzem Herzen an und bittet darum, auf den Arm genommen zu werden. Draußen ist sie viel öfter in unserer Nähe als alle anderen. Wenn die ganze Bande eine Fantasia im Paradies reitet, macht sie häufiger als alle anderen einen kleinen Abstecher, um nach dem Rechten zu sehen. Sie ist uns so sehr an die Herzen gewachsen, weil sie sich bedingungslos an sie geschmissen hat.
Und wie sind wir froh, als feststeht, dass unsere Menschenfreundin in Landos Elternhaus einziehen wird und dort zukünftig für hoffentlich weitere kleine Landos sorgen soll. Jetzt können wir sie beruhigt ziehen lassen. Mit ihrer Mitbewohnerin Ladisha wird sie sich gut verstehen und sie sich mit ihr, daran haben wir keine Zweifel.
Judica hört in ihrem neuen Leben auf den Namen Jördis.

 

Epilog II

Jules verlassenes ParadiesJules verlassenes ParadiesDer Alltag ist zurück in unserem Leben. Jule (Nike) machte uns den Abschied und Übergang leicht und bescherte uns für die wenigen Tage weit mehr Freude als Last.

Die Kinder sind in die Welt gezogen und eingezogen, dort angekommen und längst zuhause. Wir vermissen sie nicht und gelegentlich doch. Als Ausgleich dürfen wir den weiteren Weg einiger von ihnen in der Welpenschule und auf dem Hundeplatz verfolgen. Sie haben alle nichts von dem verloren, was sie bei uns ausmachte; sie sind bestens untergekommen und machen nicht den Eindruck, dass sie zu uns zurück wollten. Mehr können wir uns nicht wünschen.

Wir haben also allen Grund Dank zu sagen, denen, die HeikeDie Chefin ist glücklich und zufriedenunsere Kinder bei sich aufgenommen haben und allen, die am Gelingen des J-Wurfs beteiligt waren, manche weit über das übliche Maß hinaus. Einzelverbeugungen ersparen wir uns. Wer diese Chronik verfolgt hat, weiß, wen wir meinen und diejenigen wissen, dass sie gemeint sind. Eine Ausnahme machen wir mit der Tierklinik Oberhaching und Frau Dr. Baier-Heimstädt, die unendlich einfühlsam mit Jule und unseren Sorgen umging. Bei ihr wird Nike auch in Zukunft in besten Händen sein. Den größten Anteil am Gelingen der Jays haben jedoch Hedda und Lando, die wir dafür gar nicht fest genug ans Herz drücken können: Vergelt's Gott, ihr zwei. Hedda drücken wir ein- bis dreimal mehr ans Herz als üblich, weil sie alle unsere Erwartungen an sie übertraf: Sie war eine großartige Mama und fremdelte bereits beim ersten Mal keinen Augenblick mit ihrer neuen Rolle. Man weiß ja nie… Und Fianna gab eine liebevolle Oma, aber keine, die sich ihren Enkeln zum Fraß vorwarf; drei Mutterschaften mit 30 Kindern machten aus ihr einen Kraftort und eine Instanz, eine Autorität also, die der Mutter den Rücken freihielt und ihr Raum gab, ihren eigenen Stil zu entwickeln. Danke, Fianna.    

Der Bairische Blues taucht nun wieder in den Alltag ab. Wann er aus ihm wieder auftauchen wird, überlassen wir dem Schicksal und den laufenden Ereignissen. Bis dahin

Keep on the sunny side, always on the sunny side,
Keep on the sunny side of life
It will help us ev'ry day, it will brighten all the way
If we'll keep on the sunny side of life

 

Dienstag, 6. Juli 2021

Um 4:45 Uhr ist heute wieder einmal die Nacht zu Ende. Es ist wolkenlos bei 12 °C.

Unsere Morgenroutinen haben wir letzte Woche schon einmal kurz angedeutet, wobei besonders die Ruhe herauszuheben ist, die sich draußen im Spielparadies morgens um 5 Uhr ausbreitet. Kaum, dass wir etwas von unseren Kindern hören. Wenn wir sie rauslassen, kieksen sie mal kurz freudig auf, wenn wir statt Gras einen Holzboden im Garten hätten, würde die ganze Nachbarschaft vermutlich von dem stürmischen Darrumdarrumdarrum geweckt werden, wenn die Zwerge voller Kraft und Morgenfreude auf 32 Beinen JuleJuleherumstürmen und sich zu Paaren jagen. Aber sie schweigen fast vollständig. Kurz mal ein Kräher, wenn einer den anderen unter einem Versteck hervorlocken will und der zur Abwehr herausschnappt, ein kurzes Aufquietschen, wenn mal ein Ohr zwischen hungrige Kiefer gerät, sonst nichts, nur stilles Toben. Wir hatten Würfe, da musste die Chefin die Kinder bei -10 °C bespielen, solange der Assi den Putzfeudel schwang, sonst hätte uns die Nachbarschaft gekündigt, der im übrigen nichts nachzusagen ist außer einer unheimlichen Langmut.

Heute fällt jedoch Janitschek ein wenig aus der Rolle und macht an der Terrassentür Rabatz; einen Kaspar und Fanfarenbläser hat man eben immer. In dem Maße, wie Joschi vom Lautsprecher und Krawallmoderator Abstand nimmt und vorwiegend durch sein Lachen die Aufmerksamkeit auf sich zieht, gibt eben Janitschek den Klassenclown, bei weitem nicht so hochkarätig wie es Joschi vorgelebt hat, aber doch so, dass man ihn morgens um 5 Uhr schon mal gerne an den Fleischerhaken hängen würde, damit er Gelegenheit hat, wieder runterzukommen. Heute will Janitschek nicht in den Garten, blankblauer Morgen ist wurscht, er möchte vielleicht noch ein Auge Schlaf nachholen, wer weiß das schon. Jedenfalls gibt er das pain in the ass und spielt diese Rolle routiniert und abgefeimt wie Mario Adorf den Heinrich Haffenloher in Kir Royal. Nein, auf den Schoß darf er nicht, eine freundliche Aufforderung, doch bitteschön lieb zu sein, hört er auch nicht, obwohl es uns ja eigentlich egal sein könnte, mit welchen Folgelasten sich die späteren Besitzer herumschlagen müssten, nein, wir denken auch in diesem Fall nur zukunftsorientiert, prozedieren ihn ins Bällebad, wo es viel mehr Balla-Balla gibt, als er an diesem Morgen sein kann, und so kriegt er es mit seinen Geschwistern zu tun, die ihm die Flausen austreiben. Geht doch. Aber nur so lange die anderen sich nicht von ihm anstecken lassen, sonst geht der Schuss ins Knie.

Unverzichtbarer Teil der Morgenroutinen ist, wie wir alle wissen, die Waage, neben den Futterschüsseln geradezu deren dramaturgischer Höhepunkt.

Joschi 5380 (+220), Jazz 5190 (+130, wetten: sie schafft es nicht mehr nach vorne zu kommen, der Kas is‘ g’spitzt), Jackl 5150 (+230), Janitschek 4840 (+210), Jasna 4450 (+210), Judica 4400 (+220), Jeannie 4390 (+160) und Jule 3680 (+160).

Darüber hinaus bleibt dieser Dienstag recht blass, wenn es nicht interessiert, dass heute vor 75 Jahren George W. Bush und Sylvester Stallone geboren wurden und vor 100 Jahren Nancy Reagan, die Urmutter aller Vogelscheuchen. Schlimmer ist, dass vor 50 Jahren Louis Armstrong die Augen schloss, aber, was willst du machen? Hätte er sie noch offen, wäre er heute 120 geworden, das ist sogar für einen solchen Pustefix nur Pusteblume. Die heutige Inhaltsleere ist dem Wetter zuzuschreiben: 32 °C am frühen Nachmittag, da lassen alle die Flügel hängen, und wenn Nancy noch leben würde, hingen ihr vermutlich sogar die hochgetackerten Augenlider bis zum Bauchnabel (wo immer der sich befände…). In der Tat ist es so unangenehm heute, dass sich sogar das Terrassenpflaster, trotz Sonnenschirm, so aufheizt, dass die kleinen Samtpfötchen auf der Hitze schmelzen; ein paar haben richtiggehend aufgejammert, als sie ihr kühles Lager an der Hauswand verlassen haben. Das ist kein Wetter für Heldentaten.      

Wie zu erwarten, drohen aufziehende Gewitter am Spätnachmittag und frühen Abend mit einer Vergeltung für die vielen Sonnenstunden, überlegen es sich jedoch anders und ziehen unverrichteter Dinge weiter. Der Herr möge seine Hand über euch halten, denen sie ihre Aufwartung machen.

Während die Gewitter aufziehen, inszenieren wir das 1. Pansen-Festival der Jays, in der Befürchtung, es könnte das letzte sein, wenn diese Wolken sich bei uns entleeren. Jede(r) bekommt einen Fetzen grünen Pansen, für Hunde vielleicht die leckerste Henkersmahlzeit, die sie sich vorstellen können. Wir haben das bei allen Würfen praktiziert und machen jedes Mal die gleiche Erfahrung: Die haben keine Ahnung, was das ist, reißen sich aber darum, als ob es um ihr Leben ginge. Sich darum reißen beschreibt auch die tatsächlichen Umgangsformen während dieser ursprünglichsten aller Rohfütterungen. Alle verschwinden sofort aus dem Wirkungskreis der anderen, um sich ungestört gütlich zu tun. Nur kann Jackl klaut Jasna ihren PansenJackl klaut Jasna den Pansenhalt der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem hungrigen Nachbarn nicht gefällt. Niemand begnügt sich mit dem, was man hat, alle gehen auf Raubzug. Und so findet im Garten Eden des Bairischen Blues eine sehr unparadiesische Hetz- und Treibjagd statt. Jackl ist dabei der Effizienteste; mit kühler Chuzpe entwendet er seinen Geschwistern deren Anteil und ist umgehend hinter irgendeiner Deckung verschwunden. Fast ebenso zielsicher und zugriffsfest ist Jazz. Das beliebteste Opfer ist die kleine Jule, die sich erst mal nur schwer gegen die Übergriffe wehren kann, aber sich dafür als Meisterin in der Retourkutsche erweist. Nur sehr kurz ist sie ohne Pansen, dann schlägt sie wie Fra Diavolo aus dem Hinterhalt zu und holt sich was die anderen auf ihren Diebestouren liegenlassen. Judica ist die Cleverste, weil sie immer ein ruhiges Plätzchen findet, in dem sie speisen und aus dem JoschiJoschi hat gut lachenheraus sie, wie eine Heimsuchung einen Überfall nach dem anderen starten kann. Oberentspannt ist Joschi, der still genießt, so lange er etwas zu genießen hat, der abgreift, wenn er bestohlen wurde und wieder still und in sich ruhend genießt. Der kann sogar über die Übergriffe seiner Geschwister noch lachen. Cooler Typ.

Wer nicht mit Klauen oder Zurückholen beschäftigt ist, kommt mit dem Kautschukfetzen erstaunlich gut zurecht; sie nehmen ihn zwischen die Kiefer und knatschen und scheren ihn mit den Backenzähnen, zerren ihn hoch, um ihn abzureißen und schütteln ihn – alles wie es sein soll. Bei uns weicht die Entspannung einer Alarmspannung, wenn die Pansenfetzen eine Größe erreicht haben, die die Zwerge schon als Ganzes schlucken können. Da haben wir schon 20 Zentimeter Pansen wieder aus einem Welpen gezogen. Deswegen lassen wir die Janitschek und Jackl genießen das PansenwasserJanitschek und Jackl stehen auf PansenwasserKannibalen ab sofort nicht mehr aus den Augen. Und dennoch: Jeannie schafft es tatsächlich, ein Mordstrumm komplett wegzuschlucken – würg und weg ist es. Jeannie bleibt dabei völlig unbeeindruckt, würgt nicht und krampft nicht, sondern verdaut. Der Brocken ist zur Gänze in dem Mädchen verschwunden, quasi vom Erdboden verschluckt. Mal sehen, wie und ob sie das wirklich wegschafft oder ob uns noch ein Nachspiel erwartet. Jedenfalls lassen wir sie jetzt noch weniger aus den Augen. Jackl dagegen trägt schwer an seinem Bauch, obwohl er nichts komplett verschluckt hat, dafür auf seinen Raubzügen offenbar fette Beute machen konnte. Da der zuvor gefrorene Pansen bei der Ausgabe noch sehr kalt war, haben wir ihn kurz vor der Auslieferung mit heißem Wasser auf Verzehrtemperatur gebracht. Dieses Einweichwasser stellen wir den Knirpsen nun zur Verfügung und können nicht glauben, mit welcher Gier sie die Stinkbrühe ausrüsseln; mit Heddas Hilfe schaffen sie die ganze Schüssel binnen weniger Minuten, so dass wir meinen, es müsste ihnen schon beim Trinken wieder unten rauslaufen. Also, Tipp an alle Besitzer trinkheikler Hunde: Pansenwasser! Alle übrigen Pansenfetzen – und alle bis auf Jeannie haben noch einiges übergelassen – holen sich Hedda und Fianna.

Und dann ist Hexensabbat. Als ob ein AufputschmittelJeannieJeannie im Pansen gewesen wäre, toben sie durch ihr Paradies, wie es die Welt noch nicht gesehen hat. Sogar die etwas distinguierteren Mädels blödeln und raufen miteinander, dass das Equipment in Gefahr gerät. Und mitten in dieses Spiel hinein würgt Hedda ihren Pansen den Welpen vor, die, obwohl pappsatt, sich diesen Leckerbissen nicht entgehen lassen. Als nach diesem Round-up die Chefin mit Mama und Oma auf die Abendrunde geht, fallen die Fresszwerge wie tot um – bis auf drei: Jule, Janitschek und Jackl, toben noch fast eine halbe Stunde ungebremst herum. Entweder die haben den Löwenanteil des Aufputschmittels bekommen oder die anderen haben so viel gefressen, dass sie nicht mehr stehen können.

Nach dieser Fressorgie bleibt heute die Küche kalt: Es gibt nichts mehr; der Pansen muss für heute reichen. Man kann einem Sternemenü doch kein Tellergulasch folgen lassen…

 

Mittwoch, 7. Juli 2021

Monsun im Mangfalltal. Regen, heftiger Regen begleitet uns die ganze Nacht.

Das eintönige Prasseln lässt uns bis 6 Uhr ausschlafen. Mit gemischten Gefühlen steigen wir hinab in unseren Augiasstall und finden – drei spärliche Häuflein vor. Der Assi denk darüber nach, noch für ein Stündchen im Bett zu verschwinden, denn das da ist kaum die Befüllung des Putzeimers wert. Nein: Dienst ist Dienst und Morgenroutine ist Morgenroutine. Pflichtvergessenheit soll man ihm zusätzlich zum Reisdesaster nicht auch noch vorwerfen können.

Die folgende Überprüfung der Gewichte gibt einerseits Aufschluss über den Nährwert von Pansen und andererseits über die Effizienz der Raubzüge.

Nach den 1540 g von gestern, nehmen sich die 660 g aus wie das Ergebnis einer Armenspeisung. Kein Wunder, dass die Küche gestern nicht nur kalt, sondern anschließend fast rein blieb. Dieses Ergebnis wundert uns allerdings nicht, denn Pansen ist zwar sehr gesund, gibt aber nicht viel her. Das ist der Grund, warum wir Hedda in der Tragzeit nicht mehr mit Fleisch-Pansen-Mix gefüttert haben; die brauchte jede Menge Energie, nicht aber eine Optimierung ihrer Darmflora.

Und die Einzelergebnisse lassen tatsächlich tief blicken.

Joschi, der stillvergnügte Gourmet, der den meisten Rangeleien eine Absage erteilte, nimmt 140 g zu (5520), was, wie wir sehen werden, ein starkes Argument für Genießer ist. Der Chef-Raubritter Jackl kann sogar noch bessere Argumente ins Feld führen: 5310 (+160). Jazz, auch versiert in Beutegreifereien, kann mit immerhin noch 90 g reüssieren. Die drei verbuchen demnach mit 390 g schon den Löwenanteil der heutigen Ausbeute für sich. Janitschek, der sonst so auffällige Um- und Herumtreiber, verhielt sich gestern eher unscheinbar, was ihm offenbar nicht schadete: 4930 g und ebenfalls 90 g eingesackt. Jeannie hat ihren Riesenfetzen behalten, und offenbar ist er ihr wohl bekommen, denn mit 90 g plus und 4480 g lässt sie Jasna und Judica hinter sich. Es gibt eben viele Wege zum Erfolg. Die drei Verbleibenden haben wohl eher mit den Umständen gekämpft als mit dem grünen Pansen: Jasna 4470 (+20), Judica 4440 (+40), und Jule hat sich wacker geschlagen, aber wahrscheinlich mehr Energie mit den Rückforderungen und Laufereien verbraucht als ihr die Jeannie wettert abJeannie wettert abBeute liefern konnte: 3710 (+30). So ein Reduktionstag schadet absolut nicht. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass der heranwachsende Organismus versucht, eine solche Mangelversorgung durch Überversorgung schnell wieder wettzumachen. Das werden wir morgen oder übermorgen überprüfen können.

Heute ist es meist bedeckt und trüb und oft regnet es, was den Aktionsgrad der Jays auf ein Minimum reduziert. Sie hängen auf der Terrasse unter dem Balkon herum und rangeln oder schlafen, manchmal toben sie sich im nassen Gras aus, aber dann müssen sie wieder zur Trocknung ins Haus. Ein ereignisreicher Welpentag sieht anders aus. Damit wenigsten ein bisschen Abwechslung in die Bude kommt, stellen wir ihnen eine Gitterbox in die Küche, die sofort ihre Aufmerksamkeit auf sich zieht. Geht doch, ein bisschen Adrenalin geht immer.

Aber sonst geht wirklich nichts mehr heute, höchstens das Licht aus.

 

Donnerstag, 8. Juli 2021

Diesem Himmel, ob grau oder blau, werden wir von heute an bis zum Tag des Scheidens einige Hallelujas und etwa 40 (!) Rosenkränze spendieren, für alle Fälle noch das ein oder andere Allahu Akbar dazwischenschieben, sofern sich die Darmendprodukte weiterhin so stabil und formschön zeigen sollten wie heute Morgen. Man glaubt ja nicht, worüber man sich morgens um 5 Uhr freuen kann.

Sehr freuen können wir uns auch über die Ruhe, die die Jays noch immer im Garten bewahren; sie bleiben dabei: Morgens darf die Nachbarschaft weiterträumen. Bei Welpen diesen Alters kann sich täglich die Welt einmal ins Gegenteil verkehren, alles ist denkbar und vieles ist möglich, also kann ihnen auch von heute auf morgen einfallen, ein bisschen Remmidemmi zu machen. Bisher fällt ihnen das aber nicht ein.  

JanitschekJanitschekDanach rangeln sie selbstvergessen auf der Terrasse, schlafen, spielen und schlafen wieder. Nur die Dauer der verschiedenen Phasen verändert sich nun spürbar: Die Ruhephasen treten hinter die Unruhephasen zurück, die kleinen Aktivisten sind immer fitter und ausgeschlafener. Dies gilt selbstverständlich vor allem, wenn Besuch da und Action ist. Dann sind sie fast schon unermüdlich. Doch wenn sie auf sich allein gestellt sind und nicht bespielt werden, beschäftigen sie sich sehr eingehend mit sich selbst, rankeln und gankeln, meist stumm, und vergessen die Zeit.

Und dann entschwindet die Chefin wieder in die große Stadt und vertraut dem Assi ihre Herzgewächse an, der sich vornimmt, keine(n) über die Kellertreppe purzeln zu lassen oder harten Naturreis zu verfüttern, schließlich möchte auch er sich nach acht Wochen ein kleines Lob verdient haben.  

Bevor wir vor lauter Träumereien auch die Zeit und unseren Auftrag vergessen, werfen wir einen Blick auf die heutigen Gewichte und stellen fest: Recht gehabt! Diesen Einbruch gestern verzeiht der feiste Gott des immerwährenden Wachstums nicht (Wachstum, Wachstum über alles…) und sorgt für reichhaltige Reserven. Zur Erinnerung, damit niemand zurückblättern muss: gestern 660 g. Heute ächzt die Waage unter 2320 g Auflastung. Zur Abwechslung und zum Spannungsaufbau listen wir die Kandidaten heute mal von hinten, und zwar in der Reihenfolge der Gewichtszuwächse von unten nach oben.

Das beginnt mit Jeannie und bescheidenen 100 g (4580). Mit immerhin 200 g macht Jule auf sich aufmerksam, was sie aber bei der aktuellen Gefechtslage auch nicht voranbringt (3910). Erstaunlich bescheidene 250 g verbucht Joschi, aber seinen Premium Platz an der Sonne verliert er dadurch noch längst nicht (5770). Judica wird sich gewundert haben, was man neben der Anhimmelung von Menschen noch alles erfolgreich erledigen kann, nämlich 310 g zunehmen (4750); das bringt sie um einen Platz nach vorn. Dass Jazz nicht aufgeben wird, sich an die Spitze zu rempeln, war klar, und mit 320 g dokumentiert sie ihr eifriges Bemühen, aber die Konkurrenz schläft nicht: Es bleibt bei Platz 3 mit 5600 g. Wie soll das auch gehen, wenn der propere Jackl mit 340 g kontert und bei 5650 g landet? Auch für Janitschek gilt: Getan, was getan werden konnte und dabei so viel geleistet wie noch nie, aber es bleibt beim 4. Platz: 370 g plus (5300). And the winner is: Jasna! Mit 430 g an einem Tag hat man es verdient, an der Spitzengruppe zu schnuppern: 4900 g und 5. Platz hinter den Buben und Jazz; darauf darf sie stolz sein. Mit diesem Boost liegt das Durchschnittsgewicht der Jays nun knapp über 5 Kilo.

Mittags setzt wieder Regen ein und die Bande muss ins Haus. Um 13:30 Uhr zeigt sich die Sonne wieder – alle wieder raus. Nachdem sie sich den Schlaf aus den Gliedern getobt haben, kehrt etwas Ruhe ein, das bedeutet: fünf schlummern im Haus und Jasna, Jule und Janitschek rumoren noch im Garten herum. Bis dann um 14:30 Uhr der Regen zurückkommt und alle wieder unter Dach und Fach müssen, obwohl das Treibhaus draußen bei 20 °C den Wachstumsbemühungen unserer Sumpfblüten bestimmt guttun würde.

Der Kampf um die SeelachsresteDer Kampf um die SeelachsresteUm 15 Uhr wartet schließlich eine weitere Premiere auf die Jays: Es gibt gekochten Fisch (Seelachs), gereicht an Kartoffelbrei und Morosuppe, und zwar im Paradiesgarten, weil es der Regen zulässt. Dieser Fisch ist ein kulinarisches Hochfest, so unwiderstehlich, dass sie sich fast gegenseitig die Haare vom Leib fressen vor lauter Gier. Soll bloß später niemand behaupten, sein Hund würde keinen Fisch mögen, nur weil Herrchen oder Frauchen keinen Fisch mag. Es ist nicht überliefert, ob im Originalparadies der Himmel auch zürnte, als Eva ihren Adam mit dem Apfel verwöhnt hatte, bei uns jedenfalls findet der Himmel, dass zu viel Glück den Charakter verderben könnte und haut uns wieder seinen Zorn um die Ohren, drohend, dröhnend und pitschnass. Und so müssen die Paradiesvögelchen eben wieder in die Gute Stube, auf dass sie sich ihrer feinen Fischmahlzeit dort entledigen können. Da kann man, um Himmels Willen, nichts machen. Der Assi nimmt es hin und ist ganz weg.

Judica mit PansenJudica weiß schon, wie man Pansen klein kriegtDer Tag bleibt sich auch weiterhin treu: Regen, mal eine kurze Unterbrechung und wieder Regen. Das Abendmahl gegen 19:30 Uhr (Trofu) kann wieder auf der Terrasse eingenommen werden. Und anschließend wartet eine weitere Pansen-Party auf die Zwerge. Jetzt, beim zweiten Mal, sind sie noch geschickter, nehmen den zähen Fetzen schon richtig gut zwischen die Zähne und versuchen, das Gummiteil abzuscheren. So soll es sein. Die eindeutig komplexere Übung ist die, sich gegen die Geschwister durchzusetzen, sich zu wehren, sie abzuweisen oder ein kleines Hide-away zu finden, wo man nicht gleich entdeckt wird. Das ist die schwierigste Übung, weil alle jeden Winkel ihres kleinen Paradieses und die Vorlieben ihrer Geschwister kennen. Jule macht es diesmal ziemlich geschickt und duckt sich unter die Hecke, die sie zwar alle kennen, aber als Futterplatz bisher nicht genutzt wurde. Aber lange geht auch das nicht gut. Die Party zieht sich über eine halbe Stunde, dann schüttet es wieder und es wird Zeit, den Spaßverderber zu spielen. Die Großen bekommen die noch immer üppigen Reste und dann geht es ab in die Heia. Jetzt streut das Sandmännchen aber richtig heftig herum und die Herzgewächse liegen lieblich und friedlich kreuz und quer in Küche und Transit, so lieblich und friedlich, wie sie eigentlich den ganzen Tag sein könnten.

Nachts fällt aus einigen Gewittern wieder reichlich Regen, aber nichts, was uns Sorgen bereiten müsste. Das, was bei uns runterkommt, gehört immer noch in die Kategorie Mistsommer und ist somit der Karteikarte Wetter zuzuordnen. Dem Klima kann man das noch nicht unterschieben; solche und ähnliche Wetterlagen hat es schon immer gegeben. Mist sind sie trotzdem.

Der Jahrhundertbauer hatte sich mit solchen Gedanken sowieso nicht herumzuschlagen – Klima, Wetter. Für ihn ist die Welt so schlicht wie schön: Ist es zu St. Kilian schön, werden viele gute Tage vergeh‘n. Und ist es zu St. Kilian Mist, ändert sich’s Wetter oder es bleibt wie’s ist. Aber habt ihr es bemerkt? Kein Wort von 40 Tagen Sonne! Nur: viele gute Tage. Hat offenbar doch was gebracht, dass wir dem 40-Tage-Teiresias mal ein bisschen auf die Sprünge geholfen haben. Mal sehen, ob er sich das nochmal traut mit dem Quatsch.

 

Freitag, 9. Juli 2021

Freitagmorgen ist es, 5:30 Uhr, dazu sehr bedeckt und stürmisch, zusammenfassend: garstig (schriftdeutsch) oder schiach (süddeutsch) bei 13 °C. Ab Mittag bessert sich die Wetterlage, weil der Wind nachlässt und sich der Augenschein in Richtung weiß-blau verschiebt, was um 15 Uhr immerhin für 20 °C sorgt. Es ist also ein durchwachsener Tag, dem nichts Dokumentierbares anzuhaften scheint, außer, dass der Assi sich heute seinen zweiten Covid-Cocktail in den linken Schrubberschwingarm applizieren lassen darf, was im Grunde nur insofern erwähnenswert ist, weil an diesem wertfreien Freitag ein solcher Verkehr herrscht, dass er für die 20 Kilometer über eine Stunde braucht, obwohl er es sogar mit dem Umweg, den er kurven muss, auf nur auf 25 Kilometer bringt. Was ist da los? Kein Schulferienbeginn an diesem Wochenende, also vermutlich wieder Unfall und/oder Stau auf der A 8. Man kann froh sein, dass das Serum, das auf ihn wartet, keine Milch enthält, sonst wäre sie wahrscheinlich bis zu seiner Ankunft im Impfzentrum sauer geworden.    

Sauer geworden ist dagegen Hedda, und zwar auf ihren Jackl. Doch wie sieht das aus, wenn Hedda mal sauer wird? Ungefähr so, wie wenn jemand die Nase rümpft, weil er feststellt, dass die Milch im Morgenkaffee flockt. Also eher kein echter Gefühlsausbruch, vielmehr die Begleitmimik zur unerwarteten Störung der Morgenidylle (Der Kaffee ist fertig, klingt das nicht unheimlich zärtlich?) – und dann schwimmt im Kaffee Grieselmilch. Wie läuft das unter gesitteten Paarschaften dann ab? „Schatz, schüttest du bitte den Kaffee weg und bringst mir einen neuen, Milch ist sauer.“
„Oh, das tut mir leid, Schatz, Entschuldigung, das hab ich nicht gewollt.“
„Macht ja nix, aber mach ein bisschen, ich muss weg.“ …

JacklJacklSo etwa muss man es sich vorstellen, wenn Hedda ihren Jackl zur Ordnung ruft, weil er heute Grieselmilch unter der Sturmfrisur hat und meint, seine Schwester Jeannie mobben zu müssen. Immer wieder macht er sie an, sie hält dagegen, aber nicht lange aus, dann setzt er zu einer neuen Attacke an. Bis Hedda genug gesehen hat, sich zwischen die beiden drückt, Jackl wegschiebt, ihm vielleicht noch einen Augenblick mitgibt, den nur er versteht und wir nicht. Und dann ist Ruhe. Jackl verzupft sich, Jeannie sucht sich ein neues Spielzeug und der Alltag ist zurück. Es ist das erste Mal, dass wir beobachten, wie Hedda ins Verhältnis ihrer Kinder untereinander eingreift und für klare Verhältnisse sorgt. Wir sind sehr berührt. Hedda lieferte uns nie einen Grund, an ihrer engagierten Mutterschaft zu zweifeln, aber so unmissverständlich und mit einer so widerspruchslosen Autorität hatten wir sie noch nicht erlebt: So etwas hätten wir unserer Spielratz gar nicht zugetraut. Das sind die großen Glücksmomente eines Züchters. Dieser Freitag kann nur noch mit einer Katastrophe aufwarten, um ihn als misslungen zu bewerten; Heddas Ordnungsruf verleiht ihm hundert Vorzugspunkte. Daneben muss sich der Assi über sein Lamento wegen der Staufahrt nach Rosenheim direkt schämen.

JazzJazzDoch für heute ist Hedda noch nicht fertig, heute ist ihr Tag! Wir müssen an dieser Stelle wirklich nochmal klarstellen: Hedda ist eine fürsorgliche Mutter, die nicht gluckt, wenig aktiv eingreift, aber immer zugegen ist und nach dem Rechten sieht. Hedda kümmert sich liebevoll um ihre Kinder. Exklusiver Nähe darf sich Joschi erfreuen, den sie offenbar besonders ins Herz geschlossen hat und der viel mehr darf als die anderen. Doch heute legt sie noch ein Zeugnis von Fürsorge ab, das uns tief berührt. Wir ertasten an Jazz‘ Bauch einen Knubbel, eine Ausstülpung wie ein Abszess, deutlich über Erbsengröße, ein bisschen transparent und vermutlich mit Flüssigkeit gefüllt. Um diesen Knubbel herum kleine Verletzungen, ob von Zähnen oder Ästen oder sonst irgendetwas ist nicht auszumachen. Sie hat sich also vermutlich verletzt und trägt nun diesen Knubbel herum, sonst ist sie völlig normal, scheint also nicht zu leiden. In solchen Fällen geben wir gerne als Ersthilfe Hepar sulfuris und warten ab, ob sich etwas tut. Und tatsächlich tut sich was: Nach etwa einer Stunde ist das Geschwür auf. Hedda ist Jazz‘ kleine Macke nicht entgangen, jedenfalls scheint sie etwas an ihrer Tochter zu riechen, was sie mit ihr nicht in Verbindung bringt. Sie dreht sie auf den Rücken und leckt ihr hingebungsvoll den Bauch und die Wunde gesund. Klar, dass Jazz nicht ewig ruhig liegenbleibt und weg will, dann lässt sie sie laufen und greift sie sich nach einer Viertelstunde erneut, um ihr den Bauch erneut gesund zu lutschen. Abends ist an JuleJule kennt ihre PappenheimerJazz‘ Bäuchlein nur noch ein fast ausgetrockneter kleiner Kegel wie ein Minivulkan zu sehen. Hedda, das hat sie heute bewiesen, ist nicht nur eine fürsorgliche Mutter, sondern auch eine sehr brauchbare Krankenschwester.   

Nachmittags machen wir unsere Jays mit Rindersticks bekannt, an denen sie ein Weile zu kauen, knatschen und arbeiten haben. Zur Stärkung der eigentlich schon recht kräftigen Kiefer, stellen wir sie später mit zwei Händen voll Lammrippchen vor – keine Probleme. So etwas Knochiges haben sie noch nicht gesehen, aber sie wissen, wie es geht: Hinten zwischen die Backenzähne und dann kräftig zukneifen. Die Geschicktesten ziehen sie sich bald, wie die Großen, zwischen die Vorderpfoten, stellen sie auf und nagen hingebungsvoll daran. Letztlich ist das eine Übung, die ein richtiger Hund und echter Hovawart beherrschen sollte, aber aktuell wenig zu seinem Tagesbedarf beiträgt, erstens, weil an den dürren Dingern eh kaum etwas dran ist und zweitens, weil Fianna das alte Spiel „Schau nicht um, der Fuchs geht um“ spielt und skrupellos klaut, was nicht gerade fest verkiefert ist. Egal, es geht ja nur um JanitschekJanitschek mit seinem LammrippchenErlebnisgewinn und Horizonterweiterung. Aber dieser Horizont musste eigentlich nicht einmal aufgezeigt, geschweige denn erweitert werden; der wird in der Grundausstattung mit ausgeliefert.      

Obwohl oder gerade weil die Knöchelchen wenig Substanz liefern werden, bietet es sich an, wieder einmal einen Blick in das Gewichtsprotokoll zu werfen. Und das dokumentiert einen ebensolchen Zuwachs wie gestern. Die übergeordnete Wachstumsinspektion scheint sJasnaJasnaich noch nicht sicher zu sein, ob die gestrige Aufbauleistung allfälligen Schwächeperioden würde trotzen können. Es sind heute 10 g weniger als gestern: 2310 g.

Joschi bleibt, wie erwartet, Leader oft the pack mit 6150 g (+380). Das ist eine ordentliche Hausnummer mehr als gestern. Er hat demnach nicht vor, sich abräumen zu lassen. Mit 6010 g folgt ihm Jackl mit 360 g plus. Jazz zementiert ihren dritten Platz mit 5960 (+360). Janitschek beschließt die erste Hälfte mit deutlichem Abstand: 5440 (+140). Wenn es in letzter Zeit überhaupt Bewegung in der Rangliste gegeben hat, dann in der zweiten Hälfte, aber auch da breitet sich derzeit eine gewisse Langeweile aus. Jasna bleibt mit diskretem Abstand aber zäh an Janitschek dran: 5200 (+300), 5090 g bringt Judica auf die Waage (+340). Beide sind jetzt auch Zehnpfünder. Jeannie bleibt sich treu und unverdrossen (spielen frisst viel Energie): 4910 (+330) und Jule ist es eh wurscht, solange sie ihr Ding machen kann: 4010 (+100).  

Joschi und Jackl haben mit dem heutigen Tag nicht nur die sechs Kilo-Marke übersprungen, sondern dabei einen entscheidenden Schritt getan: Sie sind abgabereif. Die Zuchtordnung schreibt nämlich vor, dass ein Welpe für die Abgabe mindesten sechs Kilo oder das 13-fache (Hündinnen) bzw. das 15-fache (Rüden) Geburtsgewicht auf die Waage bringen muss. Joschi und Jackl haben das geschafft. Wenn da nicht die vorgeschriebenen acht Wochen Pflege beim Züchter dagegensprechen würden, könnten wir sie heute schon abgeben.

Könnten…
Joschi und JeannieJoschi und JeannieKönnen wir aber nicht! Nach fast sieben Wochen haben sie sich so in unsere Herzen geschmust, geblickt und gealbert, dass wir ihrer noch immer nicht überdrüssig sind. Sie sind sehr lieb, freundlich, lustig, schelmisch, schmusig, herzerweichend kindisch und, ja, sie können auch zupacken wie Möbelpacker und den Weg zur offiziellen Toilette nicht finden. Aber wir haben nichts, überhaupt gleich gar nichts an ihnen auszusetzen. Es gab schon Würfe, die wir genauso ins Herz geschlossen hatten, aber froh waren, wenn wir sie ausliefern konnten. Bei den Jays ist das Herzeleid deutlich größer als das Schmerzeleid. Mit fast sieben Wochen befindet die Chefin heute angesichts der beiden Zwölfpfünder: Die kann ich nicht hergeben. Die sind doch sooo süüüüß.
Und der Assi mit einem Eimer voller Putzwasser bekommt einen trockenen Hals.   

 

Samstag, 10. Juli 2021

Vor 57 Jahren veröffentlichten die Beatles ihr Album „A Hard Day’s Night“ und hatten dabei wahrscheinlich alles Mögliche im Sinn, nur nicht die kurzen Nächte nach schweren Tagen beim Blues: It's been a hard day's night / And I've been working like a dog. / It's been a hard day's night / I should be sleeping like a log. Ja, auch wir haben wie Hunde geschuftet, und zwar für unsere Hunde, und geschlafen haben wir auch wie umgehauene Bäume, nur eben nicht lange genug. 5 Uhr ist immer zu früh. 5 Uhr sechs Wochen lang (ok, mit ein paar kleinen Ausnahmen) ist definitiv zu früh und ungesund. Wenigstens halten die Zwerge morgens ihre Klappe, was wir schon ausführlich behandelten, weil der Assi keine Lerche, sondern eine Eule ist und deshalb mit Morgenratsch und -tratsch nur schwer umgehen kann. Gegröle wie am Ballermann machen ihn für den ganzen Tag unbrauchbar. In dieser Hinsicht gehören die Jays zu seinen All-Time-Favoriten.    

Was jedoch fast immer hilft, ist ein blau lachender Himmel, auch wenn ihn die Temperatur mit 11 °C nur unzureichend wärmt. Aber weil der Tag so bleibt wie er beginnt und nachmittags seriöse 24 °C liefert, bleiben die Beschwerden unter Verschluss.

Gehen auch wir den Tag seriös an und beginnen mit der Waage, die sich vermutlich auch danach sehnt, demnächst nicht mehr jeden Tag solchen Belastungen ausgesetzt zu sein. Es sieht nämlich so aus, als ob die Jays in dieser Woche den Berg für ihr endgültiges Abgabegewicht erstürmen wollten, es ist eine gewaltige Energieleistung, die sie in dieser Woche vollbringen. Erinnern wir uns: Zu Beginn dieser siebten Woche wog die ganze Mannschaft im Schnitt 4685 g, gestern waren es bereits 5346,25 g und heute, soviel nehmen wir vorweg, nehmen sie noch einmal 2190 g zu, was einen Durchschnitt von 5620 g ergibt. Das ist ein Kilo in fünf Tagen. Und diese Woche ist noch gar nicht vorüber. Dabei, auch das muss gesagt werden, hat von denen niemand überschüssiges Fett; die sind einfach proper und altersgerecht kugelporschig.

Joschi, abgestürztJoschi, abgestürztJackl 6370 (+360), Joschi 6320 (+170, so findet man sich plötzlich auf dem zweiten Platz wieder), Jazz 6200 (+240), Janitschek 5710 (+270), Jasna 5590 (+390), Judica 5360 (+270), Jeannie 5060 (+150) und Jule 4350 (+340!). Damit hat auch Jazz ihr Abgabegewicht erreicht und wir denken darüber nach, ein paar Fastentage einzuschieben, um das Rad zurückzudrehen.

Das könnte deswegen nötig werden, weil körperliche Betätigung ihnen offensichtlich zu wenig Energie abverlangt. Denn dieses Ergebnisse kommen trotz immer ausführlicher und intensiverer Aktionszeiten zustande. Die Wippe ist ein Dauerkumpel, der unentwegt rauf und runter bemüht wird, beim Bällebad kann man manchmal nicht unterscheiden, ob gerade Bälle raus oder Welpen reinfliegen oder andersrum. Wer meint, die Hängeschaukel wäre die Möglichkeit abzuhängen und zu chillen, hat keine Ahnung, wie gemein Geschwister sein können, wenn sie eifersüchtig auf ein Schaukelplätzchen unterm Apfelbaum sind; mehr Kämpfe hat man den ganzen Tag nicht zu bestehen als auf dieser Schaukel.  

ZwockelZwockelDoch das absolute Highlight des Tages ist Zwockel, ein Amerikanischer Schnauzer, Busenfreund von Fianna und geduldetes Gemeindemitglied bei Hedda. In ihren Kindergarten lässt sie ihn jedoch ohne Murren. Gefahr geht von ihm offensichtlich keine aus. Sie hält sich wachsam im Hintergrund, während die acht mit dem Knuddel herumtoben und auch Zwockel augenscheinlich einen Heidenspaß mit den Fellmäusen hat. Solche Hundekontakte sind mit keinem Geld der Welt zu bezahlen, weil sie den grundsätzlich eitlen und von ihrer Ausnahmestellung zutiefst überzeugten Hovawarten – ja, auch schon die Zwerge! – früh vermitteln, dass auch andere Exemplare mehr als nur eine Existenzberechtigung haben, sondern im Gegenteil sogar die Daseinsfreude steigern können. Falls jemand an den zukünftigen Heimatorten unserer Kinder zufällig diesen Text liest und einen Amerikanischen Schnauzer in der Familie hat – auf los, geht’s los; unsere Jays sind einschlägig konditioniert.

Damit ist schon fast alles gesagt. Pansen gibt es noch einmal, den sie in der bereits bekannten Art würdigen und der letztlich vor allem unser Damen glücklich macht. Und dann legt sich ein Gewitter mit Regen übers Mangfalltal, das uns ins Haus und in die Betten treibt.

 

Sonntag, 11. Juli 2021

Das Gewitter ist weg, aber der Regen fühlt sich noch für das Wohlergehen der heimischen Landwirtschaft verantwortlich. Blau, blau, blau blüht der Enzian, doch grau, grau, grau kommt die Endzeit an. Aber um 5:45 Uhr bleibt dem Himmel noch genügend Zeit, sich eines Besseren zu besinnen.

Das heutige Wiegeprotokoll zeigt eine sehr seltsame, dreigeteilte Spreizung der Auflastungen. Zwei outen sich als Hungerhaken, vier als dem Alter angemessene Futterverwerter und zwei als diejenigen, die offenbar den Hungerhaken alles abspenstig gemacht haben. Fangen wir bei den Knausern an: Jazz 160 g (5360); das reicht zwar immer noch um Längen für den gewohnten 3. Platz, lässt aber staunen. Ihr schließt sich Jasna mit 170 g an (5760), was auch weiterhin für den 5. Platz gut ist. Das Mittelfeld bilden Janitschek mit 270 g (5980, 4. Platz), Jackl 280 g (6650, 2. Platz), und mit jeweils 300 g Judica (5660, 6. Platz) und Jule (4650, Schlusslicht). Die heutigen Großaktionäre heißen Jeannie mit 370 g (5430, was aber trotzdem nur für den 7. Platz reicht) und Joschi mit 400 g (6720), der sich damit den 1. Platz von Jackl zurückmampft.

Heute ist Soo-Mi zu Besuch, Patenkind der Chefin, demnächst Miteignerin von Jazz und zehn Jahre alt. Vor allem aber ist Soo-Mi hundefest wie nicht viele Zehnjährige. Demnach ist es für sie eine Selbstverständlichkeit, im Hundebett zu hocken und von 32 Beinen zerwuselt und von acht flinken und übermütigen Kiefern attackiert zu werden. Wer diesen Hunnensturm schon einmal überlebt hat, weiß, worüber wir gerade reden. Und Soo-Mi hält stramm dagegen, weiß sich zu wehren, auszuweichen, umzulenken und abzuwehren, doch einmal quietscht sie schmerzlich auf, vermutlich, weil Joschi sie am Ohr erwischt hat. Das ist Heddas großer Augenblick; sie flitzt herbei, setzt sich Soo-Mi auf den Schoß, drängt mit Janitschek und JeannieJanitschek und Jeannieihrem ganzen Körper die Horrorzwerge von ihr ab und spielt mit Joschi, damit er sie nicht mehr anzwacken kann. Wir können kaum glauben, was wir sehen: Diese übermütige, leichtfüßige und so lebenslustige Hündin hat einen Tiefgang, den ihr niemand zugetraut hätte. Und es scheint, dass dieser Tiefgang mit jedem Tag ihrer Mutterschaft tiefer geht.

Dass das nicht nur Flausen sind und Einbildungen, die wir in Hedda gern umgesetzt sähen, dokumentiert sie schon direkt nach dem Frühstück beim Wiegen. Während alle, die gerade nicht auf der Waage sind, herumalbern und sich zu Paaren jagen, sucht sich Hedda Jazz aus dem Mob heraus, dreht sie auf den Rücken und untersucht ihren Bauch, ob die Wunde abgeheilt ist: Sie ist. Dennoch spendiert sie ihrer Tochter noch ein paar Zungenstriche, dann darf Jazz sich wieder unters Volk mischen und mittoben; Mutter ist zufrieden. Wir haben mit Anouk und Fianna schon zwei Überglucken gehabt, aber so viel Für- und Nachsorge haben wir noch nicht erlebt. Dabei ist Hedda neben diesen Aktionen fast unsichtbar in ihrer Mutterrolle, fast wie ein guter Schiedsrichter: Er greift ein, wenn es nötig ist und nach dem Spiel kann sich niemand mehr an ihn erinnern. So viel tiefgründige Mutterschaft haben wir von Hedda nicht erwartet, und wir kennen niemand, der uns widersprechen würde.

HalsbänderSchicke HalsbänderGanz langsam wird es Zeit, die Jabberwockys auch aufs richtige Leben vorzubereiten. Und dazu gehören Halsbänder. Später ist dieses Accessoire eine Selbstverständlichkeit, aber zu Beginn eines Hundelebens ist es unangenehm, weil unbekannt, und lästig. Manche Welpen wehren sich heftig dagegen, andere nehmen es gelassen und wieder andere kaum davon Kenntnis. Wir gewöhnen unsere Welpen immer zum Ende hin an ein Halsband, weil wir einerseits sicherstellen wollen, dass die Welpen bei der Abgabe mit einer Leine gesichert werden können und andererseits nicht wollen, dass die neuen Herrschaften gleich negativ verknüpft werden, weil sie als erste Amtshandlung so ein Würgeteil umlegen. Das erledigen wir; wir können damit leben, kurzfristig Buhmann und Buhfrau zu sein. Deswegen legen wir ihnen heute beim Vormittagssnack Halsbänder um. Jeder und jede bekommt ein hübsches Schmuckstück in der Farbe seiner Welpenmarkierung, was uns auch weiterhin eine schnelle Identifizierung ermöglicht. Beim Mampfen sind sie so abgelenkt, dass sie kaum registrieren, was da mit ihnen angestellt wird, und zudem ist das Halsband wegen des Futters positiv belegt. Und tatsächlich ist die Aufregung nach der Speisung gleich Null, mehr als ein erstauntes Kratzen am Hals passiert nicht. Nach einer halben Stunde, in der wir sie nicht aus den Augen lassen, falls sie sich beim Spiel in ihren Halsbändern verheddern sollten, nehmen wir sie wieder ab und der Welpenalltag geht weiter, als wäre nichts geschehen. Viel Aufregung hatten wir bei dieser Übung noch nie, obwohl wir weit obstruktivere Kinder hatten als diese hier, aber so wenig Abwehr hatten wir auch selten. Die Jays sind so lebensfest wie ihre entspannte Mama.

RudelbildungRudelbildungNoch ist der Tag nicht vorüber, noch ist Platz und Zeit für neue Erlebnisse. Dafür ist es jedoch ratsam, den Himmel im Auge zu behalten, der sich nach Mittag sehr wechselhaft gibt, aber im Verlauf des Nachmittags immer offenherziger wird. Das ist der Moment, wo der Frosch ins Wasser rennt oder die Zwerge durchs Mangfalltal rennen dürfen. Wir sichern im Auto den Platz hinterm Fahrersitz und nach hinten mit VetBeds, stapeln die acht Abenteurer in den Familien-Caddyllac, JudicaJudicaMama und Oma nehmen Platz in ihrer Box, Chefittchen neben ihren acht Zwergen, um sie unter Kontrolle zu haben – und dann, es ist 18:30 Uhr, geht’s los. Nur wenige Minuten beträgt die Fahrt, die sie nahezu ohne Murren absolvieren, eher neugierig nach einem Schlupfloch spähen, das sie nicht finden, jedenfalls nicht in der Kürze der Zeit. Jule ist nach ihrer Fahrt zur Tierklinik sowieso superentspannt, und macht es sich bequem, was sie auch auf ihre Geschwister ausstrahlt. Und dann geht es raus in die unendliche Mangfallsavanne, JasnaJasnain deren Gras die Knirpse fast verschwinden. Mama und Oma kümmern sich nicht um den Zwergenausflug, sondern sorgen für ihre eigene Belustigung. Und so stapfen, hüpfen und springen sie herum, aber immer in großer Nähe zu uns. Das macht einen solchen Spaziergang in diesem Alter ja so unspektakulär, weil keine Gefahr besteht, dass eine(r) ausbüxt; die wissen alle, dass der Verlust des Rudels den sicheren Tod bedeutet. AJacklJackllso scharen sie sich weitgehend zusammen und verlieren uns nicht aus den Augen. Es scheint, dass ihnen das kleine Abenteuer richtig Spaß macht, weil vielleicht ein Paradies auf die Dauer doch zu eintönig ist, selbst wenn es ein Abenteuerparadies ist. Neue Reize braucht der Hund, und er nimmt sie dankend und offenbar frohgemut an. Nur Jeannie jammert ein bisschen herum, weil sie immer ein bisschen jammert, wenn sie mit Neuem konfrontiert wird, was sich aber schnell legt und ad acta gelegt wird – was sie verinnerlicht hat, macht ihr dann schnell nur noch Spaß. Doch jetzt stellt sich der Spaß noch nicht so unbedingt ein, weswegen sie vermutlich die ist, die am frohesten von allen ist, als wir alle nach 20 Minuten wieder einpacken und nach Hause kutschieren.

In ihrem Stammparadies fallen sie fast unverzüglich in einen Tiefschlaf, in dem sie sichtbar ihre Wegstrecken noch einmal abstrampeln, juchzen und viel Material zu verarbeiten und sortieren haben.

Mehr geht heute wirklich nicht mehr, denn nicht nur die Knirpse sind platt, auch wir haben genug für heute, was allerdings nicht bedeutet, dass wir uns mit ihnen um 19 Uhr schlafen legen. So paradiesisch ist unser Paradies auch wieder nicht.  

 

Montag, 12. Juli 2021

59 Jahre ist es heute her, also genau am 12. Juli 1962, dass fünf junge Bluesjünger ihren ersten Auftritt hatten, und zwar im Marquee-Club zu London. Der Auftritt war nicht ganz so umjubelt, wie sich die Fünf das ausgemalt hatten, dennoch gilt er als das offizielle Gründungsdatum der Rolling Stones. Später haben sie es ja dann noch einigermaßen hingekriegt mit dem Jubel, was uns lehren sollte, dass eine anfänglich mittelmäßige Performance nichts über das Ende besagt. So viel ins Stammbuch ungeduldiger und ergebnisorientierter Welpenkäufer.

Jackl und JoschiJetzt sing schon endlich mit!59 Jahre später, im Mangfall-Club zu Vagen, werden kleinere Brötchen gebacken, zumal noch niemand wissen kann, ob nicht vielleicht der eine oder die andere Jabberwocky eine jesus- und jenseitsmäßige Karriere hinlegen wird, über die man noch im Jahre 2080 an hundenarrischen Stammtischen ehrfurchtsvoll tuscheln wird. Das Zeug dazu hätten sie.

Fest entschlossen, in die Annalen des Bairischen Blues einzugehen, scheint jedenfalls Jackl zu sein, der sich aufmachte, endlich klare Verhältnisse auf der morgendlichen Waage zu schaffen. Das Hin und Her mit seinem Bruder Joschi ist ihm offenbar langsam zu albern; ein Bürgermeister muss unmissverständlich in seiner Ansprache sein, sonst taugt er bestenfalls zum Bügelmeister im Ausbügeln. Also, gehen wir die Kalorienaufbereitung des heutigen Tages an.  

Jackl schwingt sich als Erste(r) über die sieben Kilo und schafft das mit dem zweitstärksten Zugewinn des Tages: 7020 (+370). Mit 100 g weniger an Auflastung kommt man schnell unter die Räder, auch wenn man Joschi heißt und Ansprüche hat: plus 270 g (6990). Jazz lässt sich von dem Bullenrennen vor ihr nicht ins Bockshorn jagen und mampft sich von drittem Platz zu drittem Platz zu drittem Platz, was für eine Hündin in diesem Entwicklungsstadium eine starke Nummer ist: 6650 (+290). Janitschek markiert mit 390 g den Goldstandard für heute, kommt aber mit 6370 g dennoch nicht über seinen vierten Stammplatz hinaus. Hinter ihm wird es dann gewohnt eintönig. Jasna 6120 (+360!), Judica 6020 (+360!) Jeannie 5540 (+110) und Jule 4890 (+240). Mit über sechs Kilo haben damit Janitschek, Jasna und Judica ebenfalls die Veräußerungsmarke überschritten und dürften ihr Pflegepersonal wechseln. Aber daran denken sie bestimmt keinen Augenblick, was wir den bereitstehenden Kidnappern in der kommenden Woche noch beibiegen müssen.

Dieser Montag zeigt sich in zweierlei Hinsicht von seiner schönsten Seite. Einerseits erstrahlt er wörtlich in schönstem Bajuwarenblau und liefert Temperaturen über 25 °C, was unsere Herzen öffnet, aber den Kindern den Treibauf austreibt; sie hängen und chillen fast den ganzen Tag wie Rentner auf Ibiza herum. Das befreit uns von der Pflicht eine allen gerecht werdende Chronik der laufenden Ereignisse zu erstellen; eine Chronik der schlummernden Ereignisse wäre ja eher etwas für Verschwörungstheoretiker.

JuleJuleDie zweite und wirklich uneingeschränkt schöne Seite des Tages ist Jules Befund in der Tierklinik. Wir hatten ja beschlossen, vor Abgabe der Welpen nochmal einen fachlichen Blick auf Jules Auge zu werfen, um zu erfahren, ob es sich gesund entwickelt hat. Wieder erobert die einäugige Piratin die Klinikherzen im Sturm, und wenn man einer Augenfachärztin nicht generell eine grundsätzliche Seriosität unterstellen müsste, könnte man auch mutmaßen, dass sie zu Jules Gunsten eine reine Gefälligkeitsdiagnose erstellt haben könnte, um ihr das Leben zu retten. Nach ihrer Aussage hat sich Jules vorhandenes Auge nach ausführlichen Untersuchung nämlich völlig normal entwickelt und erspart ihr die Reise über den bayerischen Jordan, was eine Vielzahl von Herzen auf immer und ewig gebrochen hätte. Jule sieht auf diesem Auge dem Alter entsprechend normal und darf sich einer schönen und ereignisreichen Zukunft erfreuen. Und ab jetzt darf sie auch mit einigem Recht auf ihren zukünftigen Namen Nike hören, auf den schon die griechische Siegesgöttin hörte. Beim Bairischen Blues ist eben alles ein wenig anders, denn bei den Römern hieß es noch Nomen est Omen, beim Blues wird das Omen zum Nomen. Alles ein wenig spezieller hier. Wenn das tote Auge keine Zicken macht, kann es bis in den sechsten Lebensmonat hinreichen, bis man es endgültig zunähen muss, damit keine Keime eindringen und Infektionen verursachen können. Das gilt es zu beobachten.

Joschis PansensushiJoschi's SushiSchöner und herzfreudiger kann eine vorletzte Woche nicht zu Ende gehen; da wird sogar der Blues zum Pogo. Wir beschließen diesen Freudentag mit Alexandra, die Jule mit der Chefin in die Klinik begleitet hatte (Handwerker im Haus mussten vom Assi im Auge behalten werden), und ihrer Familie mit einer Riesenportion Sushi auf unserer sonnengefluteten Paradiesterrasse. Es wird spät heute und immer gelöster.

Vor 37 Jahren, am 12. Juli 1984, saß der Chronist deutlich weniger gelöst mit Freunden in einer Traditionsgaststätte in München-Trudering, als sich der Himmel zum Orkus verfinsterte und ihm die leibhaftige Hölle um die Ohren hagelte. An dessen Ende war sein Wagen Schrott und der Parkplatz, bestückt mit Fahrzeugen der Oberst- und Luxusklasse, ein nie gesehenes Millionengrab geworden. Kernig kraftvolle und wohlbestallte bayerische Mannsbilder standen am Tresen ums Telefon an (Handys gab es ja noch nicht), um mit tränenerstickter Stimme, bei Frau, Geliebter und Versicherung vom soeben erlittenen Schicksalsschlag zu berichten. Bis über die Knöchel in Hagelkörnern stehend und vom zu Streifen zerfetztem Stoffdach seines Fiat Pandas im strömenden Regen stehen gelassen, chauffierte er damals durchweicht und verstört nach Hause. Er hatte soeben das schlimmste Hagelunwetter seit Menschengedenken erlebt, das 300 Verletzte gefordert und einen noch nie dagewesenen Sachschaden von 1,5 Milliarden Euro (nach heutiger Währung) verursacht hatte. Aus heutiger Sicht fühlt sich das Drama des Jahres 1984 an wie ein Stürmchen im Wasserglas. Wir haben es weit gebracht – in nur 37 Jahren. Wenn wir nur in anderen Belangen auch so effektiv gewesen wären…

Der fröhlichen Runde an der Sushi-Tafel bleibt diese Episode seines Lebens verborgen. Es reicht doch völlig, wenn ihm eine zu groß geratene Portion Wasabi die Luft raubt. Es muss auch nicht immer Kaviar sein, aber ein giftiger Fugu muss es genauso wenig sein. Ein echt giftiger Fugu wäre es beispielsweise, wenn die Gewitter, die sich fern am Horizont an uns vorüberschleichen, einen Abstecher hierher unternehmen würden. Tun sie aber nicht, heute ist auch nicht 1984 und George Orwell hatte sich, vom Hagel abgesehen, kräftig verrechnet. Doch Geduld, das wird schon noch, beim Klima hat es ja auch geklappt.