Dienstag, 1. Juni 2021

Wie ein wunderbarer luftiger Frühling beginnt der erste Sommertag, an dem er sich zu wolkenlosen 23 °C aufschwingt. Den Jadwigas und Jaromirs in der Schnullerbox des Blues ist das reichlich Banane, aber uns halt nicht. Wir freuen uns auf Wärme und darauf, dass nun alles für eine coronare Entspannung angerichtet ist. Und ausgerechnet jetzt liegen diese quengelnden Energiebündel in der Blues-Kiste und torpedieren mit ihrer bloßen Existenz, dass wir von diesen zarten Sommerfrüchten naschen dürfen, indem wir beispielsweise im Garten unseres Lieblingsreataurants, hoch über Bad Aibling, sitzen und den lauen Abend bei feinen Speisen genießen. Bis die Bande endlich draußen ist, hat der Wirt bestimmt schon sein ganzes Pulver verkocht oder die Kurgäste sind wie Heuschrecken über ihm eingefallen und haben ihn ratzeputz leergefressen. Oder es kommt schon die nächste Welle…

Hat denn wenigstens der schlaue Bauer einen Trost? Schönes Wetter auf Fortunat, ein gutes Jahr zu bedeuten hat. Immerhin, auch wenn der Reim holpert wie ein Bulldog auf dem Stollenacker. Heute ist der Tag des Fortunatus und wir werden ihn auch beim Wort nehmen, den selbsternannten Glücksbringer.  

Werfen wir erst einmal einen Blick auf die Zwergengewichte. Weil die letzte veröffentlichte Chronik des Blues schon eine Woche zurückdatiert, lohnt es sich dort anzuknüpfen und gleich zu Beginn eine Richtigstellung vorzunehmen.

JeannieJeannieAm Montag, den 31. Mai haben wir über Jeannies Gewichtexplosion gejubelt, weil sie 110 g zugenommen habe. So, wie wir da gejubelt haben, fährt uns heute Morgen der Schrecken in die Glieder: Jeannie hat von gestern auf heute 50 g abgenommen! 50 g von 790 g, so schnell schmelzen nicht einmal die Polkappen und das ist schon furchterregend genug. Aber an der kleinen Zauberin ist überhaupt nichts Erschreckendes, sie freut sich ihres Lebens und zeigt keinerlei Spuren von Auszehrung. Deshalb geben wir in diesem Zusammenhang einen morgendlichen Wägefehler zu Protokoll: Wir haben am Montag – Schlafblick? Morgenlicht? – der Waage etwas Falsches abgelesen. Oder wir haben in morgendlicher Unterzuckerung anderthalb Pfund Brot auf die Waage gelegt und geglaubt, es sei Jeannie. Wie falsch unsere Messung tatsächlich war, wissen wir nicht, ein Fehler war sie.

Aber auch heute haben wir einen Knalleffekt zu vermelden: Jackl, den eine der Rüden-Aspirantinnen bereits als den „Bürgermeister“ der Knirpse bezeichnete, dieser Jackl hat von gestern auf heute – Achtung! – 150 g zugenommen, von 890 g auf 1040 g. Wir überprüfen die Digitalanzeige zweimal, und sie bleibt dabei: 1040 g. Das ist fast ein Sechstel seines bisherigen Gesamtgewichts an einem Tag! Damit lässt er sogar „Mampf-Mamma“ Jazz und den nimmermüden Joschi alt aussehen. Aber sehen wir uns die ganze Wahrheit in ihrer specktakulären Reihung an:

Jackl 1040 (+150), Joschi 990 (+80), JJoschi & JacklJoschi und Jacklazz 990 (+60) … und dann kommt lange nichts. Weiter geht’s mit Judica 880 (+70), Janitschek 840 (0, aufwachen kleiner Träumer!), Jasna 760 (+30), Jeannie 740 (-50, Fehlerkorrektur) und Jule 680 (+70). Wenn diese Acht ein Ruder-Achter wären, wäre Jackl nicht der Bürgermeister, sondern der Schlagmann, aber so einer, mit dem das ganze Boot einen Schlag hätte wie er selbst und auf einem Schlag absaufen würde.     

Was Hedda angeht, durcheilt sie nur noch äußerst selten eine Kontraktion, folgerichtig wird sie zunehmend gelassener, aber dennoch verliert sie jetzt wirklich viel Geburtsabraum; überall hinterlässt sie schleimige Blutspuren und Gewebsreste, das sieht zwar etwas eklig und erschreckend aus, ist aber genau das Gegenteil und vor allem notwendig. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass sie nun schon wieder das anfängliche Mama-Programm abruft, aber in dieser Hinsicht sind wir sehr zuversichtlich. Spannend ist zu beobachten, wie sie sich offenbar an die eigene Belastungsgrenze herantastet, denn vier Kinder am Bauch und in der Box meistert sie ohne Zucken, aber bei acht empfiehlt sie sich geschmeidig. Grundsätzlich wäre das auch kein Problem, wenn wir erst die Zarten zu ihr lassen würden (Jule, Jasna, Jeannie und Janitschek) und den vier Quartalssäufern den Rest zum Auslecken geben würden. Dafür würde einiges sprechen, wäre aber familienhygienisch problematisch.   

Und den Zwergen geht es jetzt schon wie ihrer Rudelschlummern im KuddebettRudelschlummern im KuddebettMama: sie liegen mit Begeisterung im Kudde, was daran liegen mag, dass man aus diesem geradezu schwerelos entschwinden kann: Ein müheloser Schwung auf den Wulst und – plopp – schon ist man in der großen, weiten Welt. Meist kommt dann die Oma, die Augen und Ohren hat, wie sie nur erfahrene Mütter haben, und petzt beim Personal. Dann ist der Ausflug auch schon wieder vorüber und man kann einen weiteren Anlauf starten, bis das Sandmännchen die Regie übernimmt. Von nun an ist es egal, ob Kudde oder Kiste.

Nach nun neun Tagen lassen sich bereits erste Charaktereigenschaften der Welpen feststellen, zwar nur fragmentarisch, weil auffällig, aber immerhin. Joschi beispielsweise ist ein liebenswerter, zünftiger und offenbar sehr zufriedener Geselle, der aber möglicherweise nur deswegen so sehr in sich ruht, weil er unentwegt an der Füllgrenze satt ist und verdaut. Joschi ist nämlich ein gnadenloser Zitzenbulldozer, der seine Nahrungsaufnahme erst dann beendet, wenn er alle mütterlichen Zapfhähne auf Restbestände abgearbeitet hat. Bei dieser Umsetzung seiner Überlebensstrategie kennt er weder Bruder noch Schwester, dann panzert er durchs Zitzengelände und räumt alles ab, was ihm im Weg ist. Fatalerweise scheint er auch überall noch fündig zu werden, was seine Motivation anfeuert, weil Erfolg, wie wir wissen, der beste Lehrmeister ist.

Bezüglich der Bar Mamma MiaMamma Mia-BarTrinkfestigkeit unseres Nachwuchses müssen wir generell festhalten, dass wir so eine Saufpartie noch nie hatten. Joschi ragt in dieser Hinsicht nur als Spitze aus dem Milchberg, denn auch die anderen verlustieren sich unermüdlich, mal abgesehen von Ernährungsnormalos wie Jasna, Jule, Janitschek und, mit Abstrichen, Jeannie. Wenn sie nicht vorher vor Erschöpfung umkippen, suchen die anderen zwanzig Minuten zäh und erbarmungslos an ihrer Mutter herum, obwohl dort nach zwanzig Minuten definitiv nichts mehr abzugreifen ist. Das ist der Grund, warum sich Hedda schon jetzt mit multiplen Schändungen ihres Gesäuges herumschlagen muss. Wenn man das in die Betrachtungen einbezieht, schlägt sie sich wirklich tapfer und hat mehr als einen Grund, die eine oder andere Mahlzeit ausfallen zu lassen. Das ist nicht nur der inzwischen fast völlig verschwundene Leibschmerz infolge des Oxytocins, das ist reiner Eigenschutz.  

 

Mittwoch, 2. Juni 2021

Wir könnten die heutige Chronik mit dem Wetter beginnen (schön, warm und makellos), das tun wir aber nicht. Wir könnten auch den Bauernschlaumeier zu Wort kommen lassen, aber das werden wir auch nicht. Wir könnten mit dem Knaller aufmachen, dass Hedda heute erstmals nach dem Wurf in der Mangfall baden war; aber das ist kein Aufmacher, sondern ein Langweiler, weil bisher wenig Gelegenheit zum Baden bestand. Natürlich könnten wir das Gewichtmanagement an den Beginn unserer Erörterungen stellen. Und auch das ist uns, vor allem dem Chronisten, der Rede erst später wert.

Der Chronist besteht darauf, das erste Wort CDauertrommler CharlieDauertrommler Charlieharlie Watts, dem Trommler der Rolling Stones, zu widmen, der heute 80 Jahre alt wird. 80 Jahre – und noch immer sitzt er hinter seinem Rührwerk und arbeitet sich eineinhalb oder zwei Stunden ab. Wenn man ihn so sieht, scheint er eine späte Replik jener unermüdlichen Trommeläffchen aus den Gründerjahren dieser Republik zu sein. Mick Jagger drückte schon vor Jahren seine Fassungslosigkeit über Charlies Leistung aus und räumte ein, dass er selbst schon nach zehn Minuten hinterm Schlagzeug tot vom Stuhl fällt. Und der alte Mick ist topfit! Only the good die young, behauptete einst Billy Joel. Demnach müsste Charlie lausig schlecht sein. Vermutlich sieht das Billy heute auch etwas anders – er feierte im Mai auch bereits seinen 72. Geburtstag.

Damit beenden wir die Heldenverehrung für den heutigen Tag und widmen uns den Zweit- und Drittrangigkeiten, zum Beispiel den Gewichten. Heute gibt es keine Ausreißer und keine Faster, heute melden wir eine schöne, stetige Gewichtsentwicklung:

Jackl 1060 (+20), Jazz 1050 (+60), Joschi 1030 (+40) – und damit hat der Dauerzuzler am zehnten Lebenstag als Erster sein Geburtsgewicht verdoppelt, Judica 920 (+40), Janitschek 900 (+60), Jasna 800 (+40), Jeannie 760 (+20) und Jule 740 (+60). Insgesamt haben die acht 340 g zugenommen und wiegen im Schnitt 907,5 g.   

Eigentlich geht derzeit alles seinen geregelten Gang, bis Joschi am späten Nachmittag die ganze Schnullerbox vollkackt. Die konsequente Antwort darauf heißt: Wäschewechsel. Auf diesen findet auch Joschi postwendend eine Antwort, indem er wieder alles volldarmt. Abgesehen von dem ekelhaften Gestank, der das Anwesen des Blues augenblicklich umflort, schrillen unter diesen Umständen schnell die Alarmglocken. Es lässt sich nicht verhindern, dass sie Kinder jetzt langsam selbst beginnen, ihren Darm zu leeren, und der Duft dieses JoschiJoschigackerlgelben Zeugs übersteigt die Körpergröße der Produzenten ums Dreifache, das kennt man, aber dass einer solche Mengen absondert und dann auch noch zweimal hintereinander, ist uns in dieser Form noch nicht passiert. Die erste Folge dieser Analeruption ist die unumgängliche Reinigung seiner Geschwister unterm fließenden Wasser, weil die sich natürlich nicht schnell genug vom Acker machen konnten oder sich gedankenverloren darin wälzten. Das übernimmt die Chefin, der Assi ist zu diesem Zeitpunkt anderweitig beschäftigt und schafft es deshalb auch nicht, das Ereignis fotografisch zu dokumentieren. Die zweite Folge ist die Sorge um den kleinen Kerl, denn, wie gesagt: So etwas haben wir noch nicht erlebt. Wir hoffen inständig, dass er nur seiner Völlerei Tribut zollen musste und sich nichts eingefangen hat, was in diesem Alter fatal wäre. Zumal der kleine Stinker sowieso andauernd vor sich hin jammert, singt, knarzt und lautbildnerisch auffällt, sodass man nicht weiß, ob das zu seinem Standardrepertoire gehört oder Klagelaute sind. Jedenfalls ist sogar Hedda von dieser Situation so berührt, dass sie es als notwendig ansieht, in die Schnullerbox zu steigen und nach dem Rechten zu sehen. Das zumindest ist ein positives Signal, ob es dafür einen negativen Grund gibt, werden wir bald wissen. Und dort bleibt sie auch, bietet allen einen leckeren Milchshake, den auch Joschi nicht ablehnt. Anders gesagt: Er pumpt sich wieder voll bis zum Überlauf. Die Vernunft würde jetzt empfehlen, die Mutter aus der Kiste zu beordern, damit sich der Quartalssäufer nicht weiter volllaufen lassen kann, das wäre aber gerade in dieser Phase der Normalisierung keine gute Idee. Wie man es macht, ist es Kacke. Diese Nummer fährt uns in die Glieder, und entspannt sind wir bis auf weiteres nicht.

Doch im Laufe des Abends entspannen wir uns immer mehr, denn es kommt zu keinen weiteren Auffälligkeiten. Joschi ist so wie immer, zufrieden, knarzend, quäkend und quengelnd und dabei völlig mit sich im Reinen. Er schläft hingebungsvoll und hat offenbar, trotz der zusätzlichen Milchrationen, nichts mehr zu entleeren. Offenbar musste er nur mal schnell zwei Liter Milch entsorgen.

Die selbständige Darmentleerung ist ein wichtiger Schritt hin zum selbständigen Hund. Und dazu gehört auch die nicht von der Mutter provozierte Blasendränage. Jetzt sehen wir schon mal so einen Zwerg in einer endkomischen Körperhaltung beim – erfolgreichen – Versuch, seine Blase zu entleeren. Dabei heben sie schon den gleichen verklärten Blick wie die Großen, bloß eben mit noch immer geschlossenen Augen. Ja, man kann auch mit verklebten Augen verklärt blicken.

Dieser Tag ist ein echter Meilenstein für Hedda HeddaHedda wieder voll im Einsatzzurück zur Normalität und zum geregelten Mutterleben. Am späten Abend, als sich die Chefin schon zufrieden von innen bewundert, findet sie der Assi in der Schnullerbox bei ihren Kindern vor, sitzend zwar, aber bereit, sie zu speisen. Mit dem Hinlegen ohne Hilfestellung haben die meisten Anfängerhündinnen Probleme, weil die Kinder wie die Jünger am Ölberg kreuz und quer in der Kiste verstreut liegen, und dann haben die Mütter Angst, eines zu zerquetschen. Erfahrenen Müttern passiert das nicht mehr, sie steigen in die Kiste, locken ihre Hungerleider auf eine Seite, und wenn dann alle jubilierend dorthin stürzen, wechselt sie zur anderen Seite und legt sich hin. Dann ist zwar das Geplärre groß, aber sie kapieren schnell, wie das Spiel läuft. Hedda wird das auch noch lernen. Vielleicht kann sie in dieser Angelegenheit mal ihre Mama fragen.

Nachts, so berichtet die Chefin, ist Hedda auch noch ein paar Mal in der Kiste, was ihre Kinder zum Leidwesen der Chefin, aber eben auch zu ihrer Zufriedenheit, freudig kommentieren.

Wir haben doch gewusst, dass Hedda die Kurve wieder kriegt!

 

Donnerstag, 3. Juni 2021

Die katholischen Christen feiern heute das Hochfest Fronleichnam, das nichts mit einem Leichnam zu tun hat, sondern aus dem mittelhochdeutschen vrône lîcham abgeleitet ist und so viel wie der Leib des Herrn bedeutet, womit die bleibende Gegenwart Jesu Christi gemeint ist. Die unkatholischen Heiden des Bairischen Blues feiern heute dagegen das Fest der Blauen Augen, was nichts mit platzierten Faustschlägen zu tun hat, sondern mit einem blitzblauen Erwachen: Jazz hat als erste ihr Augen geöffnet und uns aus stahlblauen Augen angeblinzelt. Jazz riskiert ein AugeJazz riskiert ein AugeSie scheint von der neuen Perspektive selbst überrascht zu sein, und uns geht, wie immer in diesem besonderen Moment, das Herz über. Man kann gar nicht anders, als in diesem historischen Augenblick leise den Song von Ideal aus dem Jahr 1990 vor sich hinzusummen:

Bloß deine blauen Augen machen mich so sentimental - so blaue Augen. / Wenn du mich so anschaust, wird mir alles and're egal - total egal. / Deine blauen Augen sind phänomenal - kaum zu glauben. / Was ich dann so fühle, ist nicht mehr normal.

Frank Sinatra wurde zu Lebzeiten Ol‘ Blue Eyes gerufen. Dürfen wir Jazz jetzt Cool Blue Eyes rufen? Wir denken, das wäre zu viel der Ehre, denn schnell wird uns klar, dass sie nicht die Einzige ist, der heute ein Licht aufgegangen ist: Jeannie, Judica und Janitschek haben auch schon ihre Jalousien gerafft und staunen nicht schlecht, was da um sie herum vorgeht. Später gesellt sich auch noch Jasna zu den Durchblickern. Viel dürften sie noch nicht sehen, aber erste Eindrücke sind auch beeindruckend.

So viel zu JasnaJasnaunserem ganz persönlichen Hochfest, jetzt zum täglichen Brutgeschäft und der Ballastverteilung. Dabei wird klar, dass Jazz heute den Augenblick auch auf der Waage nutzt und mit 70 g plus zu Jackl aufschließt, der es nur auf 60 plus brachte, also Jazz und Jackl: 1120 g. Jackl verdoppelt damit ebenfalls sein Geburtsgewicht. Joschi 1070 (+40), Jasna – herrjeh, schon wieder so ein Explosionsgeschehen – 930 (+130!), Judica 930 (+10), Janitschek 900 (0) springt und ruht, springt und ruht, heute ruht er wieder, verdaut und erfreut sich seiner neuen Aussichten, Jeannie 820 (+60) und Jule 790 (+50). Das ergibt 420 g mehr und ein Durchschnittsgewicht von 960 g.  

Vorgestern haben wir begonnen, einen etwas spezielleren – ersten! – Blick auf Joschi zu werfen, heute schiebt sich Jeannie ein wenig in den Vordergrund, und zwar, als wir sie von ihrer Mutter weghebe(l)n, damit die endlich aus dem Kudde kommt, nachdem sie bis zur Auszehrung ausgelutscht wurde. In diesem Moment, als der Assi Jeannie hochhebt, entlässt sie unter sich ein Wasserfällchen, das sich gewaschen hat; es ist geradezu unheimlich, wie viel Wasser aus einer keinen Mädchenblase plimpern kann. Falls uns irgendwann danach sein sollte, unserem Nachwuchs ein Denkmal zu setzen, könnte es für Jeannie, analog zum Brüsseler Manneken Pis, die Vagener Mademoiselle Pisse werden. Aber jetzt, verehrte Freunde, wird’s gespenstisch. Mit dieser Idee kämen wir nämlich zu spät: So eine Mademoiselle Pisse gibt es bereits! Und wo? Logo, in Brüssel. Im Zuge der Gleichberechtigung wurde dem Pinkelbuben aus dem Jahr 1619 ein Pipimädchen zur SeiteJeanneke Pis gestellt, 1987 war das, rund 500 Meter vom Pinkelbuben entfernt in der Impasse de la Fidelité. So weit, so normal, schließlich wäre ja auch Adam ohne Eva vermutlich irgendwann in ganz unparadiesische Depressionen versunken, und das Pinkelbüblein hat es immerhin dreieinhalb Jahrhunderte tapfer im Zölibat ausgehalten. Doch jetzt kommt der eigentliche Spuk in dieser Geschichte. Hat jemand eine Ahnung, wie das Brüsseler Pipimädchen heißt? Nee? Jeanneke Pis! Woher weiß denn unsere süße Jeannie von ihrer Brüsseler Zwillingsschwester Jeanneke und pinkelt, wie diese, frischfrommfröhlichfrei drauflos? Aber: Ganz im Gegensatz zur sehr kurz angebundenen Jeanneke ist unsere Jeannie ein fröhlicher Ausbund an Bewegungsfreude; sie ist nämlich die erste, die auf ihren wackeligen Stummelbeinen schon sehr munter herumwackelt und nicht mehr bäuchlings kriecht wie ihre Geschwister (die allerdings meist ein deutlich höheres Gewicht zu stemmen haben).

Mit dieser Episode schließen wir diesen Donnerstag und freuen uns auf morgen, den letzten Ferientag der Chefin. Ab nächste Woche muss der Assi in die Bütt – und die Chronikleser ein bisschen länger auf neue Geschichten aus dem Jammertal warten.

 

Freitag, 4. Juni 2021

Gestern genossen wir einen kraftvollen Sommertag und auch heute kann die Sonne offenbar gar nicht genug kriegen vom Strahlen, allerdings hat sie die Rechnung ohne den Abend gemacht, was man bekanntlich nie tun sollte, denn da wird sie von reichlich Sturm und Regen ins Bett geschickt.

Heute öffnen sich die Tore des Bairischen Blues Soo-Mifür die ersten Besucher, we open up the pearly gates, vor denen die erwartungsfrohen Aspiranten seit zwei Wochen genauso hoffnungsvoll antichambrieren und an dieselben klopfen, wie sie hoffentlich dereinst on heavens door knocken werden. Möge ihnen die Übung dann gelingen; für die ersten wird der Traum schon heute Wirklichkeit. Bisher hatten nur unsere unverzichtbaren Kreißsaal-Assistentinnen Zutritt. Doch ab jetzt geht’s auf, nicht nur die Tür, sondern vor allem auch rund, wie wir ja schon im Titel dieser Chronik prophezeien.  

Doch etwas ist anders als bei den neun Würfen davor: Erstmals stehen zu diesem Zeitpunkt bereits alle Glücklichen fest, die uns am 18. Juli einen Liebling entführen dürfen, auch wenn sie noch nicht wissen, welchen. Aber sie alle sind die ersten, die ein strahlendes Auge auf die Knutsch- und Knötterbande werfen dürfen und hoffentlich anschließend wieder mitnehmen werden (das Auge, nicht die Bande).

Damit wäre eigentlich schon alles für heute gesagt, aber die Kür wäre keine Kür, wenn sie nicht von der Pflicht zu einer gemacht würde, also ohne Pflicht keine Kür, deshalb jetzt der Pflichttermin Gewichtsdoku:

Jackl 1160 (+40), Jazz 1140 (+20, Geburtsgewicht verdoppelt), Joschi 1070 (0), Jasna 980 (+50), Janitschek 960 (+60), Judica 940 (+10), Jeannie 850 (+30) und Jule 790 (0). Heute also wieder einmal ein Fatburner-Tag mit nur 210 g Zulage und einem neuen Durchschnittsgewicht von 986,25 g. Das ist auch gut so, denn was einem widerfahren kann, wenn man mit Unverstand in sich hineinpumpt, haben sie vielleicht von Joschi gelernt, der alles hinterrücks wieder hergeben musste, was er sich vorne erstritten hat.

Neue blaue Augen blinzeln uns auch an: Jackl und Jule. Jetzt fehlt nur noch Joschi. Tomorrow is another day…

 

Samstag, 5. Juni 2021

 

Heute widmen wir uns unverzüglich der Speckrollen-Statistik, denn auch der schönste Sommertag kann den Tag nicht schöner beginnen lassen als ein so ausgewogener Morgen wie dieser, schon gar nicht, wenn er abends in Sturm und Dauerregen mündet.

Um es kurz zu machen: Alle Acht haben den Diätteufelchen den Laufpass gegeben und wieder Vergnügen an Mutters Doppelrahmstufe gefunden, was dazu geführt hat, dass drei weitere ihr Geburtsgewicht verdoppeln konnten. Jetzt fehlen nur noch Jeannie und Judica in dieser Doppel-Whopper-Statistik. Lassen wir die Zahlen in ihrer schlanken Schönheit auf uns wirken.

Jazz heißt die neue Gewichtsführerin: 1270 g (+130) – und genau so sieht geballte Lebensfreude aus. Jackl hat auch nicht gefastet und mit 60 g nicht an Kalorien gespart, aber es reicht dennoch nur für 1220 g und den zweiten Platz. Joschi ist die Zuverlässigkeit in Person, dritter Platz mit 1170 g (+100). Da schafft er sich gleich 100 g drauf, ohne sie gleich wieder rücklings abgeben zu müssen, dann tritt er trotzdem auf der Stelle. Aber offensichtlich wollte er das Ergebnis nicht so recht glauben und wollte selber sehen; aus diesem Grund hat jetzt auch er, als Letzter, blaue Kinderaugen. Janitschek hat offenbar keine Lust mehr, immer in der Model-Abteilung gelistet zu werden: 1080 (+120), Chapeau, vierter Platz und Geburtsgewicht verdoppelt. Jasna bleibt am Hauptfeld dran: 1040 (+60) und auch das Geburtsgewicht verdoppelt. Als nächste geht Judica über die Ziellinie: 990 (+50), ihr folgt Jeannie mit 920 (+70), und das zarte Julchen mampft sich 90 g drauf und landet trotzdem mit 880 g nur auf dem letzten Platz, weil ihr die anderen von der Zickenfraktion den kleinen Triumph nicht gönnen wollen. Wart nur ab, Jule, deine Zeit kommt noch. Immerhin: Geburtsgewicht damit auch verdoppelt. Das war mit 680 g Zugewinn ein erster kulinarischer Schwergewichts-Tag, der das zugewonnene Gesamtgewicht auf 1071 g hochschraubte.  

Ganz spurlos Heddas Bauch muss gesalbt werdenHeddas Bauch muss gesalbt werdengeht diese Zapforgie allerdings nicht an Hedda vorbei: Ihr Bauch und ihre Zitzen sehen wirklich sehr strapaziert aus. Wir legen sie in den Garten, was sie gerne mit sich geschehen lässt, und Salben ihre Wunden mit Calendula. Sie scheint es zu schätzen, und wir werden sehr bald wieder zum Nagelclip greifen müssen.     

Um die Fragen des Wohlergehens unserer Mutter gleich mitzubeantworten: Es geht ihr inzwischen richtig gut. Heddas Stuhl ist fest und dunkel, fast wie in ihren besten Tagen. Sie verliert noch immer Geburtsreste, aber jetzt ohne Oxytocin-Kontraktionen. Das Hormon scheint auch aus dem Körper zu sein, weil sie jetzt auch wieder die anfänglich gezeigte Brutpflege leistet. Aus diesen Aussagen lässt sich ableiten, dass wir auch keine Fiebermessungen mehr vornehmen, weil weder ihr äußeres Erscheinungsbild noch ihr Verhalten Hinweise auf Fieber oder andere Probleme zulassen. Das scheint sie allerdings als Verlust zu empfinden, weil dadurch natürlich der Rektalzwieback ausfällt. Den geben wir jetzt eben für die geschmeidige Zitzensalbung, was sie gleich noch ruhiger und entspannter liegen lässt. Fianna ist es sowieso egal ob sie für kein Thermometer oder keine Salbe mitbelohnt wird.

Hedda ist jetzt tatsächlich wieder die Mutter, die wir aus ihren ersten Tagen kannten; sie ist unaufgeregt engagiert, keine Glucke, aber immer zugegen und bereit. Wenn sie sich abseits legt, um eine Haube Schlaf zu ergattern, ist immer ein Ohr und ein Nasenloch auf Empfang. Auch während der Spaziergänge ist ihr der Weg zurück wichtiger als der davon. Nachts sucht sie mehrmals die Schnullerbox auf. Diese Patrouillen kommen in zweifacher Ausführung vor, dem Kontrollgang und dem Milchgang. Der erste dient der Überprüfung der Vollzähligkeit und geht mehrmals nachts ohne größeren Aufwand über die Bühne. Anders verhält es sich mit dem Milchgang. Der findet etwa zweimal statt und benötigt unbedingt die Unterstützung von Frauchen, weil die nämlich den unsortiert herumliegenden Welpenhaufen so sortieren muss, dass die milchschwere Mutter einen Liegeplatz findet. Dafür wird die Chefin geweckt. Das Thema hatten wir ja schon besprochen. Die Chefin sitzt dann mit schweren Lidern und Gliedern vor der Kiste und lauscht um zwei Uhr nachts den Mampfgeräuschen ihrer Zöglinge. Abgesehen von diesen beiden nächtlichen Auftritten, könnte die Chefin eigentlich wieder ins Familiengemach ziehen, was sie in früheren Würfen zu dieser Zeit bereits vollzogen hatte. Man kann schließlich auch im Schlafzimmer nachts geweckt und ins Erdgeschoss beordert werden, so groß ist der Unterschied nicht. Der Show-Stopper ist Fianna! Wenn der gesamte Blues nach oben zieht, müssen wir für Hedda die Türen offen lassen, damit sie ihre nächtlichen Inspektionsgänge (die ohne Milchentsorgung) vornehmen kann. Wir befürchten jedoch, dass Fianna diese Gelegenheit schamlos ausnutzen wird und sich klammheimlich durch die Nacht in Richtung Küche aufmachen und dort ihr Gluckenpotential zur Verfügung stellen würde. Das haben wir noch ganz gerne unter Kontrolle. Tagsüber lassen wir sie inzwischen schon öfter zu den Zwergen, um sie abzuschnüffeln und abzulecken – und die scheinen das sehr zu genießen –, aber ohne Kontrolle wollen wir kein Fass aufmachen, dass die Oma letztlich den Kindergarten übernimmt und die Mama ihren Teint pflegt.   

Der Kindergarten selbst zeigt immer mehr Profil. Wenn sie jetzt gemeinsam im Kudde liegen, dann entwickeln sie sich zunehmend als Individuen mit Gemeinschaftsanschluss: Sie beginnen sich gegenseitig wahrzunehmen. Sie nehmen Kontakt untereinander auf, lecken sich mal die Nase oder kauen einem Geschwister auf den Zehen herum. Auch Mamas Zehen sind jetzt schon mal Objekt der Begierde, was die gerne mit sich machen lässt. Aus der Individualstruktur entsteht jetzt eine Rudelstruktur. Das heißt jedoch nicht, dass sie den lieben langen Tag zusammen kuscheln, es bedeutet, dass sie ihre Individualität ausprägen und sich derer dann in der Gemeinschaft versichern.

Denn die Jays sind, so viel lässt sich schon konstatieren, ein ausgeprägter Haufen von Individualisten. Der von außen verordnete Aufenthalt im Kuddebett wird inzwischen nachhaltig in Frage gestellt und so lange hintertrieben, bis die Situation den Wünschen entspricht. Dieses Spiel treiben heute Jazz, Jeannie und Jule, ein Trio Infernal weiblichen Widerspruchsgeistes. Dass Jeannie bereits ein sehr kraftvolles Getriebe hat und damit schon einigermaßen geländegängig unterwegs sein kann, haben wir bereits erwähnt. Jazz ist das Kraft- und Willenspaket des Trios und Jule wirkt nur zart, ist jedoch voller Energie und eigener Vorstellungen. Dieses Trio versucht heute minutenlang, das Kuddebett zu verlassen, was ihm auch gelingt. Unentwegt plumpst eine der Drei über den Kudderand auf den Küchenboden. Wenn wir sie wieder zurücksortieren, setzen sie sofort zu einem neuen Versuch an. Wir machen das Spiel mit ihnen gute fünf Minuten und sie mit uns, eine sehr lange Ausdauer für solche Schlafzwerge, dann lassen wir sie plumpsen und dort liegen, wo sie aufkommen – und binnen Sekunden fallen alle drei in einen zufriedenen Schlummer; Ziel erreicht, Freiheit, wie sie sie verstehen gewonnen, alles gut.

Wie immer, zeigen die einen zu diesem Zeitpunkt mehr Profil als die anderen. Doch letztlich sind das Momentaufnahmen. Mit einiger Erfahrung wissen wir, dass nichts bleibt, wie es ist und dass aus vielem, was noch nicht ist, viel werden kann. Schon viel zu oft haben wir erlebt, wie aus den Wort- und Rädelsführern liebenswerte Mitläufer und aus Mauerblümchen meinungs- und durchsetzungsstarke Standartenträger wurden. Im Moment darf man vieles zur Kenntnis, aber wenig allzu ernst nehmen. Jazz ist, wie schon erwähnt, ein richtig selbstsicheres Persönchen, die eine Aura von Souveränität und Pfiffigkeit ausstrahlt. Nicht nur sie selbst dürfte davon überzeugt sein, dass dort vorn ist, wo sie ist. Wir glauben das derzeit auch. Fast das Gegenteil ist Janitschek, ein urlustiger Herzbube und Lausbub, Jazz Ist Jazz eine Fußfetischistin? der offenbar jeden Augenblick seines noch so kurzen Lebens zu genießen scheint, vor lauter Zufriedenheit auch mal eine Mahlzeit verpasst und sich darüber selbst am meisten beeumeln kann. Jackl trägt die Anfänge eines Anführers in sich, deren er sich aber noch nicht sicher ist, mal lauthals den Helden spielt und mal im Nirgendwo der Schnullerbox in Deckung geht. Jasna und Judica sind derzeit noch die Unprofiliertesten, obwohl man schon kaum, dass man das schreibt, registriert, wie sich Judica mit Herzchen und Lufballönchen an die Chefin heranwanzt und ihr den Bauch zum Kraulen präsentiert. Jasna scheint sich ihrer kraftvollen Existenz einfach noch nicht bewusst zu sein, sie ist nach Jazz das Muskelpaket der Amazonen und irgendwann wird sie davon Kenntnis nehmen; dann sind wir mal gespannt. Jule ist tatsächlich zart, aber mit die Fitteste auf ihren Beinchen, aber noch zurückhaltend, was für den Augenblick eine ziemlich schlaue Strategie sein könnte. Jeannie ist lebhaft, fit und häufig im Rampenlicht, was der Fotograf bei Sichtung der Tagesausbeute mit einigem Unbehagen registriert; denn wieder hat er sich von ihr bestechen lassen und andere übersehen. Und dann ist da noch Joschi. Kann sich noch jemand an den legendären österreichischen Sportreporte Edi Finger erinnern? Das ist der, der bei der Fußball-WM 1978 das Spiel Deutschland gegen Österreich kommentierte und beim Siegtreffer der Österreicher jenes legendäre „Tooor, Tooor, Tooor, […] I wear narrisch!“ in die Welt hinausbrüllte. So ein meinungsstarker und emotionaler Kommentator in der Kuschelbox und daneben ist uDie Schnullerbox geht aufDie Schnullerbox geht aufnser Joschi: Immer die Klappe auf, immer am Quasseln, Kommentieren und Lamentieren; eine Quatschbox, gegen den eine monatelang nicht abgehörte Telefonbox wie das Schweigegelübde der Mafia wirkt. Noch so wenig erlebt und schon so viel zu erzählen!

Nachmittags kommen wir dem immer offensichtlicheren Wunsch der Zwerge nach und öffnen die Schnullerbox, sodass sie, zumindest in unserer Gegenwart, nach Belieben ein und aus können. Sie nehmen unser Angebot dankend an, wackeln hochinteressiert herum und fallen dann erschöpft in einen tiefen Schlaf, dort wo er sie gerade überwältigt. Ob sie jetzt auch das Gefühl des Campers nachempfinden können, irgendwo frei zu stehen, mit nichts als Natur drumherum? Wir denken schon. Abends geht es nach einem halben Tag in Freiheit wieder in die Schnullerbox und alle fallen nach all den Aufregungen in ein kuscheliges Koma.

 

Sonntag, 6. Juni 2021

Trüb ist das Mangfalltal, sehr trüb und voller Wasser: Landregen, auch Schnürlregen genannt, treibt die Luftfeuchte auf 80%. Dankenswerterweise geht der Außendusche nachmittags das Wasser aus und es ist nur noch dampfig bei 20 °C; nichts für Herzschwächlinge.

Unsere Jays haben keine Herzschwäche, die haben nur wir und unsere Besucher ihnen gegenüber. Aber das ist eine andere Erzählung. Für heute halten wir fest und summen mit Hannes Wader: … denn was neu ist wird alt und was gestern noch galt, gilt schon heut‘ oder morgen nicht mehr. Das gilt sicher heute und morgen und für den Rest der Verweildauer unserer Zwerge. Gestern sind sie noch herumgestolpert oder eher Undercarpet – UndercoverUndercarpet – Undercoverherumgeschlingert, heute verstehen die ersten schon, dass man auf einem Fliesenboden die Hinterbeine etwas steiler unter den Körper bringen muss, damit man bei Druck auch einen Vorschub zustande bringt. Den Ausstieg, genauer den Auspurzel, beherrschen bereits alle und diejenigen, die den Einstieg von einem Vetbed aus ins Kudde versuchen, schaffen das auch. Nur die Mühseligen, die es vom Fliesenboden aus versuchen, strampeln sich hinten ab wie der Frosch im Milcheimer, mit dem Unterschied, dass der darauf hoffen kann, einen Butterberg zu erstrampeln und von dort aus wegzuhüpfen – diese Hoffnung haben unsere Zwergfrösche nicht; sie bekommen von uns einen Lift, sonst würden sie sich möglicherweise eine Herzschwäche einstrampeln (Kurve gekriegt, Erzählung gerundet!).  

Brandneu JudicaJudicaist heute Morgen, dass sie unsere Annäherung und die von Hedda und Fianna über die Nase und ihre Wärmesensoren wahrnehmen. Als Mama und Oma nach dem Morgenspaziergang tropfnass nach Hause kommen, schlummern acht Jays selig im Kuddebett. Noch bevor die JuleJules lazy sunday afternoonDamen und die Chefin den Küchenbereich betreten, weil sie zuerst draußen eine Frottierung über sich ergehen lassen müssen, was im übrigen völlig lautlos geschieht, wacht einer nach der anderen auf, stemmt den Oberkörper hoch und pendelt nach der Wärmequelle. Die ist noch fünf Meter weg und um die Ecke, aber sie haben ihr Pflegepersonal schon in der Nase. Binnen Sekunden liegt der ganze Haufen auf dem Küchenboden und macht sich auf die Suche. Und jetzt gibt es auch das zweite Frühstück. Diese Wärmesensorik ist überlebenswichtig, um den warmen Mutterleib zu erfühlen, der eine Milchbar zur Verfügung stellen kann. Jetzt aber reichen die Sensoren weit über den körpernahem Bereich hinaus; das geht so weit, dass wir nun in der Küche schon größere Umwege machen, wenn sie schlafen: Wenn wir nämlich nahe an ihnen vorbeigehen, sind sie sofort hellwach und stürzen sich uns entgegen. Und dabei sind die gerade erst zwei Wochen alt

Nun also: zweites Frühstück für die JoschiJoschiHungerleider. Anschließend machen alle einen kleinen Verdauungsspaziergang rund ums Kudde und legen sich vor ihrer offenen Schnullerkiste auf die Auslegeware zum Schlafen. Nur Joschi, dem Dauerkommentator, ist es jetzt nach Einsamkeit. Und so krabbelt er ins Kudde und schläft dort allein. Judica findet diese Idee bestechend und macht es ihm nach. Und so ruhen die beiden allein im Kudde, die anderen draußen. Was ist daran so erzählenswert? Die Geschichte hat eine Fortsetzung. Nach der nächsten Speisung, als alle erschöpft und unter der Last der Verdauung im Kudde einschlafen, macht sich Joschi wieder davon, diesmal aus dem Kudde raus, und schläft wieder allein, diesmal eben draußen (Judica verpennt die Aktion diesmal). Was lehrt uns das? Reden, viel Reden, kostet enorm viel Energie, Energie, die man wiedergewinnen muss. Joschi weiß schon jetzt, dass der nie ungestörte Schlaf zwischen seinen ratzenden, kratzenden und rumorenden Geschwistern nicht genug Energie zurückgeben kann, wie er sie für seine nächste Wachrunde braucht. Und er weiß sich zu helfen. Wer so viel quasseln kann und die dazugehörige Überlebensstrategie kennt, muss sich um seine Zukunft kaum Sorgen machen.

Fianna im BruteinsatzSonst ist dieser Sonntag ziemlich ruhig, und nur eine kleine und sehr ruhige Besuchseinheit bereichert den Tagesablauf der Jays, quasi ein deutscher Sonntag mit Kaffee und ohne Kuchen.

Uns bleibt deshalb nur noch, die Gewichtsstatistik nachzureichen und dann die Akte für diesen Sonntag zu schließen:

Jazz 1290 (+20), Jackl 1240 (+20), Joschi 1200 (+30), Janitschek 1110 (+30), Jasna 1090 (+50), Judica 1040 (+50), Jule 930 (+50) und, schau an, Jeannie 920 (0). Das macht sehr schlanke 250 g Zuwaage und ergibt ein Durchschnittsgewicht von 1102,5 g. Da haben beim gestrigen Besucheraufkommen einige das Futtern vergessen und gemeint, von Streicheleinheiten wird man auch groß und stark. So kann man sich irren. Heute gab es keinen Grund, unterschwellige Zitzenaktivitäten zu zeigen. Wir sind auf morgen gespannt.

 

Montag, 7. Juni 2021

 

Dann wollen wir doch die Speckkatze gleich aus dem Sack lassen:

Vorneweg weiterhin Jazz mit 1350 (+60), JacklJacklaber Jackl holt auf: 1330 (+90). Stabiler Dritter bleibt Joschi mit 1250 (+50). Janitschek sichert seinen vierten Platz mit 1180 (+70) ab und Jasna folgt auf Platz fünf mit 1110 (+20). Dann kommen die Leichtgewichte: Judica 1040 (0), Jeannie 1020 (+100) und Jule 940 (+10). Das sind heute wieder 400 g plus bei einem Durchschnittsgewicht von 1152,5 g. Das buttert den gestrigen Magerquark deutlich auf, auch wenn Judica und Jule wieder mal zu verträumt waren. Aber es lässt sich natürlich nicht übersehen, dass die Boliden allein mit ihrer Körperfülle die Leichtgewichte immer häufiger abdrängen; da kann so ein Zwerg noch so wendig, strebsam und flink sein, am Ende hat der Rammbock die Nase vorn. Das muss uns aber nicht aus der Ruhe bringen, denn bislang haben wir keinen Welpen mit Anzeichen von Mangelernährung und sobald wir mit der Zufütterung beginnen, was schon sehr bald geschehen wird, hat sich diese Diskussion erledigt, dann gibt es keine Zweiklassengesellschaft mehr.  

Wie fit und agil die ganze Bande Joschi allein außer HausJoschi allein außer Haustatsächlich ist, erleben wir heute, indem wir sie bereits kreuz und quer in der ganzen Küche verstreut sehen; gerade waren sie noch damit beschäftigt, nicht den Kontakt zum Kudde zu verlieren oder sich wenigstens seiner Nähe zu versichern, schon streunen sie überall herum, natürlich jammernd und unter Beschwerden und Hilferufen, aber sie wollen es wissen. Darüber kann man sich sehr freuen, muss aber auch zur Kenntnis nehmen, dass ab sofort Pfützenalarm herrscht. Denn, und das ist immer wieder für uns die absolute Sensation, sobald sie den Schlafbereich selbständig verlassen, suchen sie für ihre Geschäftchen einen Platz möglichst weit abseits. Manchmal sind der Darm oder die Blase noch schneller als die Beinchen, aber das Bestreben ist unübersehbar. Wir stellen also mit Stolz und Freude fest, dass am Ende der zweiten Lebenswoche unsere Jays schon fast stubenrein sind …

Nun ist also auch die zweite Woche vorüber – und der Chronist hat sich nichts sehnlicher gewünscht. Die erste Woche ist unkalkulierbar und oft sehr belastend, aber wenn die endlich geschafft ist, hat man es mit einer Woche zu tun, die an Ereignislosigkeit schwer zu überbieten ist. Natürlich machen die Kinder Fortschritte, über die man berichten kann und der eine oder die andere liefern auch mal eine liebenswerte Schnurre. Aber das war’s dann auch. Die Bilderausbeute ist entsprechend bescheiden, weil sieben Tage Küchen-Kiste-Kudde-Bilder schlafender oder herumlümmelnder Welpen unter häufig fragwürdigen Lichtverhältnissen keine Chronik entscheidend aufhübschen können. Wir hoffen nun auf eine ereignisreichere dritte Woche, in der, so viel können wir aus Erfahrung versprechen, doch ein bisschen mehr geboten sein wird.