Der Bairische Blues fährt ins Blaue - und ist dann mal weg

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Saintes-Maries-de-la-Mer

Freitag, 31.12.2021

Auch heute lassen wir es gemütlich angehen. Es ist bereits 8:45 Uhr als Heike mit den Mädels losradelt, heute allerdings bei Nebel und 12 °C. Eineinhalb Stunden sind die drei unterwegs, dann gibt es ein kleines Brioche auf die Faust und einen Kaffee dazu, mehr ist nicht vorgesehen, weil wir noch auf den Markt müssen, um uns für den Abend final zu versorgen. Normalerweise ist in Saintes-Maries der Markt montags und freitags auf dem Place des Gitans, der allerdings, wie wir wissen, noch vom Weihnachtsmarkt okkupiert ist, weshalb er derzeit in zwei Seitenstraßen ganz in der Nähe des Campingplatzes untergebracht ist, aber nur noch ein Viertel so groß mit mächtig reduziertem Angebot. Für uns reicht es allemal, ein bisschen Schinken, etwas Wurst, Käse, Gemüse, Datteln, eingelegte Oliven und Knoblauch, Baguette gibt es auch, also alles, was man fürs Leben braucht.  

Gegen 12 Uhr sind wir wieder zurück, naschen ein wenig von unseren Einkäufen, ruhen und planen die nächsten Schritte. Bis 2. Januar haben wir uns heute hier eingemietet und bezahlt und dabei 126 € für die fünf Nächte liegengelassen (4 x 18 €, 1 x 20 €, weil ab 1.1. der Preis erhöht wird, 5 x ein zweiter Hund à 5,50 €, plus 5 x /P Kurtaxe à 0,66 €. Es wird also Zeit, sich ein paar Gedanken zu machen, wie es weitergehen soll. 

Um 15 Uhr, so prophezeit der WetterDepp, wird der Nebel der Sonne weichen, doch der weicht nur etwas nach oben aus, wird zum Hochnebel, um dann um 16 Uhr wieder ein ganz gewöhnlicher, suppiger Nebel zu sein, in dem nichts mehr trocknet, nicht die Hunde, nicht die Menschen, nicht die Klamotten oder Handtücher. Bei uns sieht es gerade aus, wie in einem U-Boot, weil draußen nichts mehr zum Trocknen hängen kann und die Mädels nach jedem Spaziergang, unter den gegebenen Umständen, jede mindestens ein Handtuch verbrauchen (plus Frotteemantel anschließend). Zu allem Überfluss fühlen sich die Stechmücken, die in den riesigen Etangs und Sümpfen auf ihren Auftritt lauern, in diesem Klima ermuntert auszuschwärmen. 

Kurz vor 18 Uhr, pünktlich während der Vorbereitungen zum Festmahl, ist der Strom weg, was etwas ungelegen kommt, wenn man vorhat, ein Raclette-Fest zu feiern (wie übrigens viele hier, was man an den im Supermarkt prominent angebotenen Raclette-Zutaten ablesen kann). Der Fön, der nach der Dusche auch zum Einsatz kommen will, hat ebenso Zwangspause wie das Heizöfelchen, das wir bei Stromanschluss nutzen, um Gas zu sparen. Nach einer halben Stunde ist dann wieder alles gut und dem Festmahl steht (hoffentlich!) nichts mehr im Weg. 

Um 19 Uhr geht irgendwo am Strand und in der Stadt ein erstes Feuerwerk hoch, das man in der Nebelsuppe nicht sieht, aber immerhin hört. Die Mädels horchen verwundert auf, gehen aber schnell zur Tagesordnung über, was uns erschwert wird, weil der Strom nochmal weg, aber auch schnell wieder verfügbar ist. So bleibt es dann auch für den Rest der Nacht, die wir zu zweit mit unseren Mädels und unserem Raclette verbringen. Sternwerfer, Konfetti, Glücksschweine (für uns) und Glückskekse für Fianna und Hedda, deren Botschaften wir durch eingearbeitete Pastete ersetzen, alles von Freunden in der Heimat für diesen Tag mit auf die Reise gegeben, komplettieren das alte Jahr und begrüßen das neue. Der Himmel ist immer noch dick verhüllt, das Feuerwerk ist wieder nur als roter Schein im Westen zu erahnen. Auf dem Campingplatz passiert nichts, alle feiern für sich. Verbrüderungen finden nicht statt. Das kommt uns sehr entgegen. 

Gegen 1 Uhr ziehen wir die Decken über die Köpfe und wünschen allen im Namen der heiligen Marien, Maria Kleophae und Maria Salome, deren Mitte des 15. Jh. gefundene (angebliche) Reliquien den Ort bis heute zum Wallfahrtsort und zur Touristenhochburg machen. Macht nichts, wenn in diesen Dingen geflunkert wir, wenn es der Gemeinde nützt. Die Tatsache, dass von hier aus Mitte des 9. Jh. die Wikinger zu ihren Raubzügen die Rhone hinauf gestartet sind, ließe sich erheblich schlechter vermarkten. Allen also ein erinnerungsdichtes und erfülltes Jahr 2022. Mit Salome grüßen wir die Welt mit „Shalom" und Kleophae empfehlen wir jenen, die in diesem Jahr ein Mädchen erwarten und noch keinen Namen haben. Kleophae... 


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