Der Bairische Blues fährt ins Blaue - und ist dann mal weg

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Cabanes

Mittwoch, 5.1.2022

Gegen Mitternacht kommt Wind auf. Um 2:00 Uhr ist Heike der Ansicht, unsere Putzsachen retten zu müssen, die wir nach dem Hausputz zum Trocknen an die Außenspiegel hängten. Die Geister der Nacht nehmen weiter Fahrt auf. Im Durchschnitt 40-50 km/h, das ist auf der Beaufort-Skala Windstärke 6 und wird als starker Wind geführt. Das schreckt einen Seemann nicht. Die ganze Wahrheit zeigt sich aber in den Spitzenböen, die heute Nacht mehr als 100 km/h erreichen, und das sind auf der zwölfteiligen Beaufortskala schon 10 Bft oder eben ein starker Sturm (darüber kommt nur noch orkanartiger Sturm und schließlich Orkan). Bei Windstärke 10 können bereits Bäume entwurzelt werden. Die mächtigen Bäume, die über der Nase unseres Franz aufragen, biegen sich bedrohlich, scheinen aber gut genug im Saft zu stehen, um dem Ansturm zu trotzen. Das Übrige tun die Sträucher und Sichtschutzplanen zur Straße, die den Franz einigermaßen ruhig liegen lassen. Nur einmal, gegen 4 Uhr hebt er ein Bein, als ob er pinkeln wollte. Doch droben, in den Wipfeln ist keine Ruh', dort rappelt es kräftig im Gebälk. Aber es wird uns kein „Segen" von oben zuteil, der Franz bleibt heil. Nur Fianna fühlt sich nach dem traumatischen Erlebnis des Pfingsthagels 2019, in der wir uns wie unter Artilleriebeschuss fühlten, nicht wohl in ihrer Haut und findet kaum Schlaf. Hedda schläft derweil und strampelt mit den Beinen.  

Um 9:30 Uhr dürfen die Mädels bei nun etwas reduziertem Gebläse raus, was nach dem gestern ausgefallenen Nachmittagsspaziergang auch langsam Zeit wird. Anschließend bleibt es heute bei einem Müesli-Frühstück und dem Entschluss, erst einmal die Wetterentwicklung abzuwarten, bevor wir weitere Schritte planen.  

Lidia ist freundlich, aber bestimmt in der Eintreibung ihres Tagesumsatzes. Um 13:15 Uhr klopft sie an der Tür – „Hola" – und möchte wissen, ob wir abreisen oder bleiben wollen. Sie nimmt uns die Entscheidung ab: Wir bleiben. Der Wind lässt nicht nach, es macht keinen Sinn, sich mit einem so großen Schlachtschiff auf den Weg zu machen. Dass das eine gute Entscheidung ist, wird uns nachmittags bestätigt. Um 16:00 Uhr nehmen wir die Mädels an die Leine, um im Supermarkt ein bisschen für abends einzukaufen, irgendetwas, wonach uns der Sinn steht, wenn wir davorstehen. Doch der Supermarkt ist geschlossen und außer einem Metzger gibt es hier nichts. Fleisch haben wir aber selber genug. Wir verzichten auf den Einkauf und drehen für die Mädels eine kleine Runde, schaffen es aber dabei kaum, uns ohne Windabdeckung auf den Beinen zu halten. Es hat 11 °C, aber nach dieser kleinen halben Stunde frieren uns fast die Finger ab. Wir sind froh wieder im Franz zu sein.  

Gegen Abend hat sich der Sturm ausgetobt und legt sich zur Ruhe. Wir haben unseren Reiseblog ein wenig aufgemöbelt und damit auch etwas Sinnstiftendes erledigt. Mehr ist dann heute auch nicht mehr zu tun.  

Ebro-Delta, Camping Ampolla
Cabanes / Figueres