Der Bairische Blues fährt ins Blaue - und ist dann mal weg

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Ebro-Delta, Camping Ampolla

Samstag, 8.1.2022 

Es stürmt. Es stürmt.
Das Meer, es türmt
und stemmt sich auf.

Es stürmt. Es stürmt.
Wer jetzt nicht türmt,
ist dran und drauf.

Ist das nicht ein herrliches Gedicht als Morgengruß? Nein? Oooch...

Wenn kein Spielzeug dabei ist...

Zugegeben, ist ja auch wirklich nur ein bisschen wichtigtuerische Lyrik, aufgeplustert und wegen der arttypischen Verknappung substanziell dünn, verzichtbar, Lyrik eben, die sich Verschwörungsgläubigen und Dauerbesorgten buchstäblich als Morgengebet anbiedert. Tatsächlich hat es diese Nacht sehr ordentlich gepustet und es pfeift auch den ganzen Vormittag noch, was aus der himmlischen Windlade herauszupressen ist. Der Blick aus der Schlafzimmerluke offenbart einen blitzblauen Himmel, um den man aber schon ein bisschen Sorge haben könnte, dass er weggeblasen wird, der ganze Himmel. Die Eukalyptusbäume und Mimosen um uns herum biegen sich tief wie japanische Hofschranzen, was bedeutet, dass ihnen diese Übung schon in Ringe und Rinde übergegangen ist. Der Stechpalme an Franzens Fahrerseite hat der Chronist schon am späten Abend einen Arm mit einem Spanngurt weggebunden, damit sie aufhört, Franzens sensible Haut zu malträtieren.

Angesichts der Umstände gibt es auch heute keinen Grund, früh aus den Betten zu steigen, weshalb wir wieder erst gegen 11 Uhr frühstücken und den zweiten Teil der großen Wäsche erledigen, was heute ein viel fixeres Trocknungsergebnis erwarten lässt. 13 °C tun ein Übriges dazu.  

Rund um uns herum ist viel Bewegung. Gestern hat sich der Platz wider Erwarten noch fast komplett gefüllt, weil vor allem viele Spanier das Wochenende hier verbringen wollen. Doch offenbar verbläst es einigen von ihnen das Wochenendvergnügen und sie reisen wieder ab. Morgen wäre sowieso Schicht hier bis Anfang März. Wir begleichen unsere Rechnung und stehen um 14 Uhr fast mutterseelenallein herum, um uns nur raschelndes Blattwerk und das quärzende Lärmen der Elstern.  

Eigentlich wollten wir heute ohne die Hunde auf die Halbinsel hinausradeln, die sich wie ein krummer Hexenfinger vor die Küste legt, und den Leuchtturm Far del Fangar besuchen. 15 Kilometer wären das einfach gewesen, aber der Sturm hat den Plan vereitelt. Als sich das Wetter am frühen Nachmittag langsam beruhigt, ist es zu spät. Um 16 Uhr ist der Wind fast völlig eingeschlafen und die drei Mädels sind ausgegangen. Es hat behagliche 15 °C und der Himmel zieht sich allmählich die Decke über den Kopf. Für uns ist das noch eindeutig zu früh.

Abends legen wir ein paar Hühnchen-Kroketten mit etwas Baguette in den Omnia, ein bisschen eingelegte Oliven dazu und Knoblauch, etwas aufgebrezelte Tomatensoße, Salat und eingelegtes Gemüse - und fertig ist die Tapasbar. Schluss für heute.  

Stellplatz Bodega 2020
Ebro-Delta, Camping Ampolla