Der Bairische Blues fährt ins Blaue - und ist dann mal weg

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Olhão, Fischmarkt

Olhão, Fischmarkt

Freitag, 25.2.2022

Heute steht der Fischmarkt in Olhão auf dem Programm. Weil es keinen Sinn macht, einem Fischmarkt erst mittags einen Besuch abzustatten, sind wir ohne Frühstück schon um 8:35 Uhr unterwegs. Es ist bewölkt bei 12 °C.  

Die Ansteuerung des Markts am Hafen von Olhão gestaltet sich etwas kompliziert, weil der riesige Parkplatz für 1000 Fahrzeuge, der dort für Besucher zur Verfügung stehen sollte, wegen Bauarbeiten geschlossen ist. Wir werden also durch den Ort geschleust, der etwas eng gebaut ist, was uns dann doch einige Umwege aufnötigt. Schließlich finden wir nur wenige Schritte vom Markt entfernt auf einem Parkstreifen einen bequemen Hocker [N 37° 01' 24,6'' W 007° 50' 47,0'']. Um 9:15 Uhr schreiten wir dann zu Markte.  

Wir lieben Fischmärkte, vor allem lieben wir Fischmärkte, wenn sie noch in voller Blüte stehen, wenn die Auslagen noch überquellen und nicht ausgesucht sind. Wir können es nicht fassen, was uns das Meer alles zur Verfügung stellt und sind begeistert, wie dieser Überfluss und Luxus dargeboten wird. Das liegt hier alles herum, als ob es sofort in unsere Taschen müsste, weil es niemand anderes verdient hat. Aber schließlich belassen wir es bei den kleinen Filets zweier Seebrassen.  

Neben dem Fischmarkt gibt es noch einen mächtigen Obst- und Gemüsemarkt, auf dem wir heute nur ein paar getrocknete Datteln kaufen, weil uns der Bauer gestern mit allem anderen bestens versorgte.

In einer der Bars rund um den Markt machen wir mit Toast, Sandwich und jeweils zwei Kaffees Frühstück und bezahlen dafür 11,20 €.  

Kurz vor 11 Uhr fahren wir wieder los, aber nicht direkt zurück um Ecopark, sonder zuerst nach Quelfes, wo wir schon zehn Minuten später ankommen. In Quelfes gibt es eine GPL-Tanke [N 37° 03' 50,1'' W 007° 48' 45,5''], wo man deutsche Gasflaschen nachfüllen lassen kann. Als wir dort ankommen, sieht alles so aus, als ob es hier bestenfalls nichts gäbe, aber bestimmt kein Gas. Das muss einmal eine richtige Tankstelle gewesen sein, aber jetzt ist es nur noch ein Leerstand. Doch kaum rollen wir auf das bucklige Gelände, tritt schon jemand dienstbereit aus dem ehemaligen Büro. Wir fragen, ob wir hier deutsche Flaschen nachfüllen könnten, und anstatt einer Antwort, hält der Mann schon einen passenden Anschlussadapter in der Hand. Wir packen unsere Flasche aus und bekommen die Füllung. Für die zehn Liter bezahlen wir 10,40 €. Wanderer, kommst du also nach Quelfes, lass dich nicht abschrecken von dieser Ruine. Es gibt dort Gas, jedenfalls derzeit noch.  

Unser Lieblingsbereich beim Lidl

Um 11:15 Uhr sind wir wieder weg. Unser nächstes Ziel ist LIDL, weil wir wieder einmal unsere Bestände ergänzen müssen. Manche fragen sich vermutlich, ob wir nichts anderes tun als spachteln, weil wir dauernd einkaufen. Die Antwort lautet: Die Lagerkapazität eines Womos ist einigermaßen beschränkt und deswegen geht immer irgendetwas aus, mal die Milch und die Avocados, dann das Brot und die Wurst, der Jogurt und die Bananen und so weiter, immer fehlt etwas. Deshalb sind wir jetzt schon wieder bei LIDL, der übrigens wie ALDI, in Portugal und Spanien ein erstklassiger Discounter mit exzellentem Angebot ist und vor allem mit vielen regionalen Angeboten punktet.  

Um 12:30 Uhr sind unsere Bestände wieder in einem ordentlichen Zustand und wir machen uns auf den Heimweg. Etwa 300 m vor der Einfahrt zum Ecopark kommt uns ein freundlich winkender Belgier mit seinem Womo aus dem Ecopark entgegen und rammt unseren linken Außenspiegel. Ja, Herrgott... In Schottland hat schon einer den rechten Spiegel verrammelt. Die Beifahrerin bestätigt ohne Aufforderung sofort, dass die Schuld nicht beim Chauffeur lag, weil der nicht viel weiter rechts hätte fahren können. Also der Belgier. Das Problem ist, dass man auf diesen engen Straßen nicht einfach stehenbleiben und wenden kann, wenn der andere nicht von sich aus anhält. Bis man ein Loch zum Wenden gefunden hat, ist der andere über alle Berge. Und sollte man ihn dennoch erwischen, gäbe es eine unergiebige Diskussion der Schuldfrage; Beweise hat sowieso keiner der Kontrahenten. Also, Zähne zusammenbeißen, fluchen und hoffen, dass der Spiegel noch einigermaßen einsatzbereit ist. Auf dem Stellplatz wird dann die fällige Inspektion vorgenommen, und der Spiegel erweist sich weiter als einsatzfähig. Die Kunststoffverpackung ist geplatzt, auch einige Teile der Halterung sind davongeflogen, das wird mit Powertape verpflastert. Der kleine Panoramaspiegel baumelt zwar kläglich in der Luft, lässt sich aber wieder einsetzen und bewegen. Also auch das kein Problem. Sieht aus, als ob der Franz wieder einmal mit einem blauen Spiegel davongekommen wäre. Fragt sich nur, wieviel wir im Juni von unserem Originalfranz wieder nach Hause bringen werden.  

Wir lassen uns den Tag nicht verderben (und hoffen, dass der Belgierspiegel nur noch aus tausend Scherben besteht) und machen uns um 14:30 Uhr wieder mit den Mädels auf den Weg durchs zauberhafte Hinterland von São Brás de Alportel . Eineinhalb Stunden sind es heute durch blühenden Stechginster, Zistrosen und knorrige Eichenwälder. Bei 19 °C kommen wir dabei allerdings mehr ins Schwitzen, als wenn uns mehrere Belgier winkend entgegenkommen.  

Auch heute beeindruckt uns, mit welcher Liebe die Portugiesen ihre Häuser und Gärten pflegen. Manchmal hört man, die Portugiesen seien die Schweizer Südeuropas. Das trifft hinsichtlich der Sauberkeit und Ordnung ganz sicher zu. Wenn man allerdings ans Mautsystem denkt, sind Zweifel angebracht. Die Vorstellung, dass es die Eidgenossen nicht auf die Reihe brächten, einen Straßenzoll zu organisieren, der auch außerhalb der Saison die Kassen klingeln lässt, ist undenkbar.  

Um 16 Uhr ist Sherry-Time und Siesta. Und dann lassen wir uns doch noch Strom geben, damit Betty sich wieder vollpumpen kann, denn die heute überwiegend verdeckt agierende Sonne konnte unser Solar-Panel nicht zur notwendigen Aktivität motivieren.  

Abends braten wir uns dann die Seebrassen aus Olhão, brutzeln Kartoffeln im Omnia dazu legen noch ein bisschen Tomaten mit Mozzarella dazu.  

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Loulé / Armaҫão de Pêra
São Brás de Alportel