Der Bairische Blues fährt ins Blaue - und ist dann mal weg

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Armaҫão de Pêra

Armaҫão de Pêra

Rosenmontag, 28.2.2022 

Die einen Pappnasen bleiben im Schrank und die anderen lange im Bett. Den Pappnasen in der Heimat ist es derzeit nicht nach Alaaf und Helau, sondern eher nach „Nieder mit Corona und Putin". Und jährlich grüßt das Murmeltier.

Nach dem morgendlichen Backautomaten-Murmeln, das auch heute der Entschleunigung Vorschub leistet, machen wir um 10:15 Uhr Frühstück, und zwar draußen und in kurzen Hosen. Murmeltier hier oder Murmeltier da, das haben wir den heimischen Pappnasen definitiv voraus: 17 °C kriegen die nicht aufs Thermometer heute Vormittag.  

Und anschließend machen wir – nichts! Oder fast nichts. Der Chronist kommt seiner Chronistenpflicht nach und die Reiseleiterin, die keine Pflichten hat, wenn sie keine Reise leitet, liest, döst vor sich hin, was ihr auch nicht ausreichend Befriedigung gibt, weshalb sie tatsächlich beginnt, Schuhe zu putzen und mit dem Wasserkanister zur Wasserstelle läuft, einmal, zweimal, dreimal, vielmal und jedes Mal dem Franz eine schmächtige Portion Frischwasser in den Leib träufelt. Es scheint, als ob ihr am letzten Tag des Februars nicht nur der Monat, sondern gleich der ganze Lebensinhalt abhandenkommen würde. Wer füllt schon Wasser aus dem Kanister nach, wenn er nicht schon auf Grund gelaufen ist?  

Halt! Den aus der Heimat hierher verschlagenen Camping-Shoppern haben wir selbstverständlich den angekündigten Besuch im Laden abgestattet. Doch das nimmt erwartungsgemäß wenig Zeit in Anspruch. Es wartet Kundschaft auf Bedienung, und man hat sich viele Jahre nicht mehr gesehen. Außer einem gemeinsamen Wochenende mit Hundesport ist nichts Gemeinsames geblieben. Über ein „Hallo, da seid ihr ja" kommt so eine Begegnung selten hinaus, einige Sätze über die gemeinsame Freundin, die nun doch nicht kommen konnte, Belangloses und Verzichtbares. Die Reiseleiterin bekommt aber endlich die Crocs-Latschen, denen sie schon seit Beginn der Reise hinterherläuft, dazu eine Flasche Parfüm fürs Franzenklo, und das ist es dann. Man könnte nun klagen und sagen, dass man dafür nicht drei Tage auf einem Campingplatz hätte verbringen müssen, den man nicht angestrebt hat, der uns aber auch nicht negativ in Erinnerung bleiben wird (außer dem Restaurant). Aber hätten wir Marie und Oli und deren Gastfreundschaft und Kochkünste kennengelernt?  

Im Laufe des Nachmittags ist es dann mit dem Lotterleben auf der Sonnenbank vorbei, denn der Atlantik schickt uns schwere Wolken und einen eisigen Wind ans Land. Er wird doch nicht unseren an die Heimat gerichteten Spott vernommen haben? Poseidon ist bekannt als dünnhäutiger Schrat, frag nach bei Odysseus. Wir ziehen uns zurück, denn das da draußen ist Erkältungswetter.  

Bei aller Saumseligkeit haben wir es heute immerhin geschafft, uns bei Marie und Oli anzukündigen und Cataplana zu bestellen. Brot bestellen wir auch, bekommen aber eine Absage, weil sie das heute nicht mehr schaffen und morgen und mittwochs Ruhetag haben. Blöd gelaufen.  

Um 19:30 Uhr nehmen wir bei Marie Platz, und Oli liefert schon einen Gruß der Küche. Unter Cataplana versteht man ursprünglich einen typisch portugiesischen Kupfer- oder Eisentopf, in dem man schonend Fisch- und Fleischeintöpfe zubereitete. Was der Koch in einem solchen Geschirr letztlich schmurgelt, bleibt ihm überlassen: Fleisch oder Fisch, Krustentiere oder auch nur Gemüse. Alles geht, alles ist erlaubt und schmeckt, mit Liebe zubereitet, köstlich.  

Olis Cataplana, die er uns nun serviert, ist eine Sensation: Scampi, Langustinos, Rind, Schwein, Chorizo, Speck, Fisch, Tintenfischringe, Vongole, Kartoffeln, Paprika, Zucchini, Tomaten, Zwiebel, alles begleitet vom Kräuterduft der Algarve, dampfen in diesem schweren Gerät und duften, dass uns das hungrige Herz bricht. Dazu noch das hausgemachte Dinkel-Vollkorn-Brot... Und obwohl die Portion riesig ist und wir beide drei Portionen schöpfen, bis auch kein Fatz mehr in der Pfanne bleibt, wollen wir heute nicht auf den Nachtisch verzichten: Apfelcrumble und eine fette Schokotorte, dazu einen halben Liter Wein, ein großes Bier, und zwei Kaffee. Glücklich und bollesatt bezahlen wir für dieses Festmahl 57 €. Dieses Restaurant ist ein heißer Tipp.  

Danach brauchen wir nichts mehr, nur noch ein Bett.  

Alte, Silves, Espiche (Lagos)
Armaҫão de Pêra