Faschingsdienstag, 1.3.2022

Wir verlassen Camping Praia Armaҫão de Pêra um 10:30 Uhr. Es ist windstill und leicht wolkig bei 20 °C. Wir haben keinen Grund, dem Platz schlechte Noten zu geben, aber ein Sehnsuchtsort ist er für uns auch nicht geworden. Wir sind zufrieden, ohne in Begeisterung auszubrechen, und das liegt nicht am lausigen Restaurant, denn dafür haben wir ja mehr als nur einen Ersatz gefunden. Wahrscheinlich ist der in unseren Augen wirklich hässliche Ort ein Grund dafür oder auch der recht lange Anlauf zum Strand. So richtig ausbuchstabiert haben wir das nicht.  

Schon zehn Minuten später machen wir wieder einmal einen Einkehrschwung bei Intermarché, der sich fast eine Stunde hinzieht, was natürlich nicht an uns liegt, sondern an den Portugiesen, die, wie die Spanier, immer solche Berge einkaufen, dass sich die Wagen biegen, und uns an der Kasse stundenlang warten lassen.  

Um 12:30 Uhr fahren wir auf den Parkplatz am Friedhof von Alte [N 37° 13' 58,1'' W 008° 10' 50,2'']. Nur ein paar Minuten steigt man hinter dem Friedhof hinab in eine Talsenke, in die sich ein romantischer Wasserfall ergießt. Es ist warm, fast schon ein wenig drückend, es blüht und summt um uns herum, der Wasserfall plätschert und der Talgrund ist mit üppig grünem Gras gepolstert: Ein lauschiges Plätzchen, das zum Innehalten einlädt. Wenn da nicht der Picknickplatz eine Etage höher wäre, der völlig verwahrlost ist. Schade drum. Das ist das erste Mal, dass wir in Portugal ein solches Elend zu sehen bekommen.  

Nachdem wir wieder hochgestiegen und beim Franz angekommen sind, möchte sich die Reiseleiterin noch den kleinen Ort ansehen. Dazu hat der Chauffeur keine Lust. Er grummelt und ist vorrangig mit sich unzufrieden. Vielleicht hat ihm ja der schratige Poseidon eine kleine Erkältung eingehaucht, damit er sich ein bisschen unkommod fühlt. So etwas stört die Reiseleiterin nicht, sie geht dann eben ohne ihren knotterigen Spielverderber los und sieht sich um. Als sie zurückkommt, hat er sich eine kleine Mütze Schlaf gegönnt und sie ist sehr angetan von dem Flecken.  

Um 13:45 Uhr bringen wir den Franz wieder in Schwung; es hat inzwischen 20 °C und ist bewölkt und schwül.  

Unser nächster Halt ist um 14:25 Uhr auf dem Parkplatz von Silves [N 37° 11' 36,9'' W 008° 26' 13,3'']. Silves hat, wie nahezu alle Städte der Algarve, eine sehr lange Geschichte und bietet dementsprechend viel Sehenswertes. Mit 11.000 Einwohnern ist es sicher auch kein Dorf mehr. Eine Burg gibt es hier zu sehen, eine beeindruckende Kathedrale und für die, die so etwas nicht beeindruckt, viele stille Plätzchen und lauschige Kneipen. Den Chauffeur hebt heute auch das nicht aus dem Fahrersitz, er bleibt schlechtgelaunt und ein bisschen angeschlagen; die Begleiterin nennt so etwas Männerschnupfen. Also macht sie sich wieder allein auf den Weg, um wenigstens für sich einen Mehrwert aus dem heutigen Tag zu ziehen. Der Chauffeur geht noch einmal in sich und vermisst nichts.  

Silves, so erfährt er nach ihrer Rückkehr, ist ein zauberhafter, kleiner Ort, den man unbedingt gesehen haben müsse. Sie kriegt das Versprechen, falls sie es wünsche, nach dem nächsten Aufenthalt noch einmal die Biege hierher zu machen und die Stadt mit zusammen zu genießen.  

Gegen 15:30 Uhr schließt sich auch das Kapitel Silves und wir fahren weiter. Um 16 Uhr kommen wir in Espiche auf dem Campingplatz Turiscampo an [N 37° 06' 05,9'' W 008° 43' 57,2'']. 

Hier haben wir reserviert, hier wollen wir eine Woche Urlaub vom Urlaub machen. Die Empfehlung für diesen Campingplatz haben wir von Wolfgang und Konni, den zwei Bürstners aus Ronda. Die haben seit November hier überwintert und waren begeistert. Nachdem wir unseren reservierten Platz eingenommen haben, machen wir uns einen Kaffee und genießen einen Kuchen dazu, und dann sehen wir uns um.  

Turiscampo ist Luxuscamping. Schon die Rezeption gleicht eher einem Hotelempfang: viel Raum, viel Glas, Granit, Schiefer, poliertes oder gebürstetes Metall, Bauhausstil. Und was braucht der gehobene Camper, wenn er sich nicht nur wohlfühlen, sondern sogar einen ganzen Winter an einem Ort zubringen will? Er braucht ein Hallenbad (dessen Dach bei entsprechendem Wetter komplett weggeschoben werden kann), einen großen Pool, den er weder im Winter noch jetzt beschwimmen, höchstens dessen Außenflächen zum Sonnenbaden nutzen kann. Und auch ein Jacuzzi darf nicht fehlen. Dann braucht er gegen die Langeweile ein Fitnessangebot, Sauna, Wellness und Schönheitsanwendungen. All das gibt es in Turiscampo. Und wir nehmen uns vor, für das gehobene Preisniveau auch das gesamte Angebot zu nutzen.  

Dass die Sanitäranlagen nicht nur blitzsauber, sondern auch piekfein sind, muss nicht erwähnt werden, ebenfalls nicht, dass neben Waschmaschine und Trockner auch eine extra Hundedusche zur Verfügung steht. Für eine Woche Urlaub vom Urlaub ist demnach alles gerichtet, obwohl wir nach zwei Nächten noch einmal umziehen werden, um einen Platz zu beziehen, der nicht nur einen eigenen Stromanschluss hat, wie der jetzige, sondern einen eigenen Wasseranschluss und einen eigenen Wasserablass. Der nützt uns zwar nicht, um Franzens Abwasser dort zu entsorgen, weil man dazu einen extra Schlauch bräuchte, den wir nicht haben, aber um beispielsweise Nudelwasser dort zu entsorgen, anstatt einfach in der Landschaft, ist so etwas unverzichtbar.  

Für die beiden anstehenden Nächte zahlen wir heute 76 €, wobei für Fianna und Hedda jeweils 6 € pro Nacht fällig sind. Es war schon immer etwas teurer, einen Hund zu haben... Von zweien ganz zu schweigen.  

Abends testen wir das Turiscampo-Restaurant Palmeiras. Wir haben die Wahl zwischen Restaurant oder Bar, im einen gibt es Mahlzeiten, im anderen Snacks wie Hamburger oder Pizza. Wir entscheiden uns fürs Restaurant und wählen als Vorspeise einmal Fischsuppe und einmal Scampi in Öl und Knoblauch (also Scampi Pil-Pil). Als Hauptgang bestellen wir einen Fischspieß und einen Hähnchenspieß mit Chorizo. Dazu nehmen wir eine Flasche Wein, ein kleines Bier für den Anfangsdurst und einen Kaffee zum Abschluss. Dafür stellt man uns 58 € in Rechnung.  

Das ist nicht zu viel, aber wir sind zwiegespalten. Das Essen ist schmackhaft und ordentlich, aber touristisch glattgebürstet. Spieße haben wir auf unserer Fahrt noch nirgendwo gesehen, aber die gesamte spanisch-portugiesische Esskultur haben wir eben auch noch nicht durchdrungen. Das Restaurant lädt nicht zum Verweilen ein, sondern ist zweckorientiert, um Menschen aus Deutschland, UK, und Holland ab- und durchzufüttern, die machen nämlich den Großteil der Besucher hier aus. Das Personal ist freundlich, vermittelt aber den Charme von Butlern.  

Wir sind satt ohne Glücksgefühle und verschwinden um 21:45 bei 14 °C im Bett. Es ist klar und windstill.