Der Bairische Blues fährt ins Blaue - und ist dann mal weg

Schriftgröße: +
2 Minuten Lesezeit (465 Worte)

Évora

Évora

Donnerstag, 17.3.2022

Langsam lichtet sich die Trübnis: Noch ist der Himmel überwiegend bedeckt, zeigt aber schon wieder etwas „Bein", jedenfalls ist er nur noch lichtgrau und nicht mehr currygrau.  

Den nächsten Blick in den Himmel besorgt uns eine freundliche Dienstleisterin unseres Internet-Providers. Beim neuerlichen Versuch, eine kompetente Person zu finden, werden wir schon beim ersten Anlauf fündig. Nach kaum fünf Minuten teilt sie uns mit, dass unsere SQL-Datenbank dringend einen Update bräuchte, dies sei der Grund, warum nichts mehr gehe. Und dann erledigt sie, was man von Leuten an einem Helpdesk erwartet: Sie exportiert unsere Daten, zieht die Datenbank hoch und importiert unsere Daten zurück. Bingo, der Bairische Blues ist wieder erreichbar (und unsere Verfolger müssen nicht mehr langweiliges Fernsehen gucken). Herzlichen Dank! Der Kapazität von gestern Abend empfehlen wir dagegen einen VHS-Kurs für Script-Girls.  

Nach dem Frühstück treffen wir unumgängliche Entscheidungen. Die erste: Heute ist Putztag, die zweite: Évora muss bis morgen warten. Die gestrige Waschaktion war vor allem darin begründet, dass es in Markádia zwar eine Waschmaschine, aber keinen Trockner gibt. Das ist bei unbeständigem Wetter mit Dauertendenz zu Regen eine suboptimale Ausstattung. Also sind wir hierhergekommen, um das Dringlichste zu erledigen.  

Das mindestens Zweitdringlichste ist der große Hausputz. Wer schon einmal mit einem oder gar zwei Hunden unter den geschilderten Bedingungen womilisierte, hat eine ungefähre Vorstellung vom Zustand unseres Franz. Deswegen wird er heute grundgereinigt, Schubladen, Schapps, Boden, Bad: einfach alles. Das zieht sich bis in den gereiften Nachmittag hinein.  

Zur Belohnung für unsere Mühen gibt es Kaffee und wieder diese unwiderstehlichen Leckereien aus Setúbal, dann dürfen die Mädels ins Freie. Für alle, die sich auf diesen Campingplatz verirren sollten, haben wir einen kleinen Gassi-Tipp. Die Möglichkeiten rings um den Campingplatz herum sind bescheiden. Aber wenn man sich an der Einfahrt rechts wendet, den Gehsteig entlang, bis der zu Ende ist und meint, jetzt die Straße überqueren zu müssen, kann man sich am Ende des Gehsteigs rechts durch das Gestrüpp schlagen, über einen Felsen steigen und befindet sich hinter dem Campingplatz auf einer großen Freifläche. Dort kann man die Hunde einigermaßen befriedigend bewegen. Diesen Einstieg findet man eigentlich nur, wenn man zufällig Zeuge ist, wie jemand anderes ihn benutzt. Oder wenn man aufmerksamer Verfolger des Bairischen Blues ist.  

Abends braten wir uns einen Fisch, der beim Kauf als Barsch (perca) ausgezeichnet war. Der Chronist zweifelt diese Systematik jedoch an, weil Barsche Schuppen und Gräten haben, was dieser hier nicht aufweisen kann. Viktoriabarsch erfährt er auf Nachfrage bei Eingeweihten. Seine Zweifel bleiben dennoch bestehen. Er genießt den Fisch uneingeschränkt, erwägt jedoch, nach seiner Rückkehr ein Hauptseminar in Ichthyologie zu belegen. Es kann doch nicht sein, dass man etwas isst, von dem man nicht weiß, was es ist, außer dass es Fisch ist und nicht Fleisch.  

Évora – Vila Viҫosa – Borba – Évora Monte
Setúbal / Évora