Montag bis Donnerstag, 21.-24.3.2022

Nachdem sich das Wetter gestern entschieden hatte, das zu tun, was die Prognostiker ihm vorhergesagt hatten, plätscherte und prasselte es unentwegt auf Franzens unbedecktes Heck nieder. Die Nacht ist dagegen überwiegend regenfrei und der Morgenspaziergang kann im Trockenen stattfinden.  

Doch so, wie Nächte oft die bösen Geister tanzen lassen, können sie auch Klarheit verschaffen. In dieser Nacht löst der Chronist alle Probleme um die Trübnis der Beifahrerin. Und es ist doch so einfach, weil sie gar nicht entstanden wären, wenn wir bei unserer Ankunft nicht auf den Engländer uns gegenüber gehört hätten. Im Schaf greift sich der Chronist ans Hirn: Wir sind mit der Nase voraus unters Dach gefahren, um die Aufbautür an der Sonnenseite zu haben. Welche Sonnenseite denn? Seit Tagen weiß jeder, dass der Himmel über uns platzen wird und wir gehen diesem Regenspezialisten auf den Leim, so als ob der überhaupt etwas von Sonne verstehen würde. Nur deswegen dringt Saharafinsternis durch die Frontscheibe und nur deswegen steht man bei jedem Zugriff ins Hecklager im strömenden Regen. Die einfachste Lösung der Welt heißt: Wir drehen den Franz um!  

Und das erledigen wir noch vor dem Frühstück, nachdem die drei vom Spaziergang zurückkommen. Der Franz wird einmal um 180° gedreht, jetzt ist das Heck unter Dach, der Weg zum Sani-Haus nur noch fünf Schritte, anstatt 20 durch den Regen, die Nase steht im Freien und wird beim nächsten Regen auch endlich gewaschen (das Heck ist schon geduscht) und durch die Frontscheibe fällt der helle Tag. Nur die Haustür ist nicht mehr unterm Dach, aber das ist kein Problem.  

Das Frühstück, das sich heute bis 11:30 Uhr hinzieht, sieht eine glücklich futternde Reiseleiterin, die es unter diesen Umständen locker zwei Wochen aushalten könnte – wenn es ihr nicht langweilig würde. Aber dieses Problem kann ihr der Chauffeur nicht lösen. Bis wir uns vom Frühstückstisch lösen, schüttet es schon wieder, vorne wird dem Franz die Nase geputzt und hinten prasselt kein Regen mehr aufs Schlafzimmerdach. So soll es sein.  

Jetzt ist es gerichtet, und wir richten uns ein, solange zu bleiben, bis uns das Wetter einen Besuch bei den beiden Gs ermöglicht. Während wir den Tag mit Nichtstun, Doku aktualisieren und lesen verbringen, öffnet der Himmel alle Schleusen. Und zwischendurch liefert uns sogar einige wenige Sonnenstrahlen, unter denen wir einen schnellen Kaffee trinken. Kurz darauf müssen wir uns wieder im Franz verschanzen.  

Die nächsten Tage fließen im eintönigen Gleichklang von Regen, Wolken und Wind dahin, und unser Franz ist eine feste Burg. Frühstücksbaguette und Croissants bekommen wir im Mercado an der Rezeption, der sonst jedoch schwach bestückt ist, was nicht am LKW-Streik liegt.  

Wir schlafen viel und holen viel Blog-Arbeit nach, nur die ständige Feuchte ringsum nervt ein wenig, weil wir so viele nasse Klamotten nicht in unserem Bad unterbringen und das unbeheizte Duschhaus auch nichts trocknet, alles bleibt klamm und feucht. Die Auslegeware im Franz feuchtelt auch vor sich hin, weil wir die Mädels trotz Fußtrocknung und Frotteemantel nicht trocken kriegen.  

Aber wir kommen damit irgendwie klar. Viele Kurzurlauber, die wir in den vergangenen Wochen gesprochen haben, hadern mit dem Wetter, weil sie sich eben auf drei oder vier Wochen im sonnigen Süden eingestellt hatten – und dann regnet es oder ist zumindest sehr unbeständig. Uns stört das nicht, wir wettern ab, und wenn wir ein paar Misttage haben, dann werden wir auch noch genügend Sonnentage haben. Das ist das Privileg der Langzeitreisenden. Und wir sind noch nicht einmal neidisch auf die Zuhausegebliebenen, die Freunde im Mangfalltal, die seit Tagen Prachtwetter haben, aber darauf auch lange warten mussten. Schön, dass der Frühling mit seinem blauen Band zuerst bei ihnen vorbeischaut, uns wird er schon nicht vergessen.  

Hier würden wir gerne rein
ist aber nicht erlaubt

Was uns hier zu schaffen macht, ist die sehr bescheidene Gassi-Lage. Rundum versteckt sich alles hinter Zäunen und Mauern. Natürlich ist hier eine Kulturregion mit Kork- und Steineichen, vielen Rindern, Schafen und irgendwo auch Schweinen. Aber dass man immer nur den gleichen Weg vor sich hat, links eine Mauer – deren Jenseits Hedda schon längst in den Beinen juckt, nur zu jucken traut sie sich nicht – und rechts ein Zaun, und dann noch nicht mal einen Rundweg gehen kann, sondern umkehren muss, weil man sonst zwei Kilometer an der Straße entlang muss, das zerrt an den Nerven, weil man den Mädels damit nicht gerecht wird.  

Wir sind sowieso eine seltene Spezies hier, weil die meisten nur eine Nacht bleiben. Cáceres ist für viele nur ein Übernachtungsstopp auf ihrer Weiterreise; die einen machen sich über Salamanca und San Sebastian nach Norden und nach Hause davon, die anderen zieht es so schnell wie möglich in den Süden. Bei unserer Abreise hält nur noch der Engländer die Stellung, der anfangs unbedacht neben uns stand und sich nun ebenfalls unter ein Zeltdach geflüchtet hat.  

Das Restaurant suchen wir nicht mehr auf: wir kochen. Einmal gibt es Hühnerbrust mit Kartoffeln und Gemüse aus dem Omnia, ein anderes Mal kalte Nudeln oder Paella, eine fesche Brotzeit steht auch auf dem Programm; es geht uns gut, Care-Pakete sind nicht nötig.  

Unangenehm ist zum Ende hin der Wind, der nachts dauernd das Zeltdach über unserem Schlafzimmer knallen lässt, aber nach zehn Jahren Womilismus bringt einen so etwas auch nicht mehr um den Schlaf. Schon gar nicht, wenn das lange Ende ein Ende hat. Am Freitag ist es dann soweit: Wir packen hier zusammen und machen uns auf den Weg zu  den Gs.  

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