Freitag, 25.3.2022

Um 11 Uhr verlassen wir Camping Cáceres, zahlen 90 € für sechs Nächte, weil man hier für jeweils vier Nächte eine Nacht geschenkt bekommt. Das ist mal ein Wort; wenn das die One-Night-Stands wüssten... Es hat 13 °C und es ist bedeckt.

Unser erster Stopp ist an der Repsol-Tankstelle, gleich um die Ecke, um uns eine neue Gasflasche zu besorgen, für die wir 16 € bezahlen. Dann plündern wie Carrefour und sind um 13:15 Uhr endlich bereit, Cáceres zu verlassen.  

Gleich am Ortsausgang ist in einem Kreisverkehr jene Ausfahrt gesperrt, die wir nehmen sollten; also müssen wir einen Bogen durchs Hinterland schlagen. Doch dieser Bogen lässt dem Chauffeur die Schweißperlen auf die Stirn treten. Nach nur wenigen hundert Metern verengt sich die Straße zu einer buckligen, einspurigen Straße, auf der kaum mehr Platz ist, als er selbst braucht. Links und rechts geht es sofort einen halben Meter ins Grüne und wenn das Bankett doch mal eben ist, dann ist es matschig und unbefahrbar vom Regen. Herr, lass den Gegenverkehr ruhen! Kilometer um Kilometer hangeln wir uns über diese Piste, die keine einzige Ausweichstelle hat. In Schottland gibt es auf einer vergleichbaren Straße, und davon gibt es viele, mindestens 30 Ausweichstellen. Doch hier: nada. Aber es kommt uns tatsächlich niemand entgegen, was den Chauffeur stutzig macht. Wir können doch nicht die Einzigen sein, die wegen der Umleitung auf diese Piste müssen, aber anscheinend sind wir es doch. Die Navigatorin schwört Stein und Bein, dass es keinen anderen Weg gegeben hätte, und der Chauffeur bleibt aus Erfahrung skeptisch. 15 Minuten auf einer solchen Herzschlagpiste können sehr, sehr lang sein. Doch schließlich sind wir durch, ohne Gegenverkehr.  

Nun rollen wir entspannt auf angenehmen Landstraßen unserem heutigen Ziel entgegen. Noch einmal nimmt uns die Extremadura gefangen, noch einmal würden wir am liebsten nach jedem Kilometer stehenbleiben und diese unglaubliche Natur in uns aufsaugen, ihr unsere Hochachtung, ja Verehrung auszudrücken. Der Chronist leidet an der Hilflosigkeit seiner Sprache angesichts dieser Urgewalt von Leben und Tod. Dieses nach dem Regen strotzende Grün, die oszillierenden Tümpel, die Lupinenfelder zwischen den flechtenüberzogenen Eichenleichen und haushohen Granitbrocken machen ihn sprachlos. Vieles kann man beschreiben, manches muss man in der Erinnerung des Herzens für sich behalten und allen, die dasselbe empfinden wollen empfehlen: Besucht die Extremadura! Hier ist der Tourismus noch kaum angekommen, und die Natur zeigt sich noch unverstellt und überwältigend.  

Um 14:50 Uhr machen wir Halt am Infocenter des Nationalparks Monfragüe in Villareal de San Carlos [N 39° 50' 50,9'' W 006° 01' 42,6'']. Es hat nun bewölkte 16 °C. Wir besorgen uns einige Infoblätter und fahren weiter zum eigentlichen Ziel dieses Tages, den Salto del Gitano. Der mächtige Quarzit- und Schieferfelsen, der sich senkrecht über dem Rio Tajo erhebt, bietet außergewöhnlich gute Lebens- und Brutbedingungen für Greifvögel. Die rund 300 Brutpaare des Mönchsgeiers bilden die größte Kolonie in Europa. Außerdem fühlen sich dort der Spanische Kaiseradler (ca. 12 Paare), Gänsegeier (etwa 500 Paare), Schmutzgeier (30–35 Paare) sowie kleiner Bestände des Steinadlers, Habichtsadlers und Schlangenadlers wohl. Uhu und Schwarzstorch ergänzen dieses einzigartige Biotop, das von der UNESCO 2003 zum Biosphärenreservat ernannt wurde. Dort wollen wir Geier schauen.  

Der Salto del Gitano ist unser erster G-Punkt, der für Geier steht. Eigentlich sollte er der zweite sein, aber die Umstände gaben ihm die Vorrangstellung.  

Doch nun müssen wir improvisieren, denn hier ist alles voll mit Autos, Motorrädern und Menschengruppen mit Spektiven auf Stativen. Der Parkplatz am Salto ist für das Interesse viel zu klein und deswegen voll, als wir dort ankommen ist kein Platz für Dickschiffe.  

Wir fahren weiter und finden nach wenigen hundert Metern linkerhand einen leeren Parkplatz, den wir sofort anfahren und belegen. Und schon befinden wir uns, frei nach Karl May, unter Geiern, und zwar im Wortsinn: Über uns kreisen und schweben mindestens 15 Vögel, hoch zwar, aber dennoch beeindruckend. Fast eine Stunde stehen wir dort und beobachten die Vögel, und je länger man steht, desto mehr findet man. In und auf den Felsen ringsum hocken und lauern sie und putzen sich. Einige bekommen wir auch fotogen vor die Linse: vor allem Gänsegeier, einige Mönchsgeier, und auch einen Schmutzgeier. Wir wollen jetzt nicht den Eindruck erwecken, die größten Geierexperten zu sein und direkte Nachfahren der Geier-Wally zu sein, nein, aber das Infoblatt und einige Blicke ins Internet helfen bei der Bestimmung.  

Um 15:40 sind wir am Camping Monfragüe in Malpartida de Plasencia [N 39° 56' 37,9'' W 006° 05' 04,1'']. Mit ACSI kostet der Platz 18 € inkl.  

Der Platz ist groß, aber nicht unüberschaubar, bietet gekieste Stellplätz, aber auch solche auf Gras oder Erde. Manche davon sind sehr schön, andere etwas verwinkelt und bucklig. Da derzeit nicht viel los ist, ist das kein Problem; man findet immer einen Hocker, der passt. Falls jemand diesen Campingplatz ansteuert und Gas braucht: An der Rezeption gibt es Repsol Propano.

Wir machen uns einen Kaffee und genießen etwas Kuchen dazu, für heute ist mehr oder wenige alles erledigt. Der anschließende Hundespaziergang gestaltet sich ähnlich unerfreulich wie die der vergangen Tage: Zäune, Mauern, Straßen. Gut, dass unsere Mädels sehr geduldig und genügsam sind; sie vertrauen uns, dass auch wieder bessere Tage kommen.  

Abends testen wir das Restaurant Monfragüe am Campingplatz. Die gegrillten Lammrippchen mit Pommes sind nicht zu beanstanden, und über den gegrillten Sepia kann man auch nicht klagen, wenn er auch mit einem dünnen und einem nur-geölten Salatbett etwas arg dürftig ausgestattet auf den Tisch kommt. Als Nachspeise gibt es für die Dame einmal Milchreis (Arroz con leche), der wie Milchreis mit Zimt schmeckt, der Herr versucht sich an einer Torte mit Whisky, die sich als Eis herausstellt, dem auf dem Weg zum Tische der Whisky abhandengekommen ist. Mit einem Männerbier, wie sich die Bedienung in Cáceres ausgedrückt hätte, und einem Glas Wein zahlen wir 42 € und gehen nur teilbefriedigt nach Hause, wo wir um 21 Uhr den Tag beschließen.  

Draußen, in den Tümpeln, knarzen die Frösche. Sehr prakisch, dass nicht nur wir, sondern auch Störche nachts schlafen.