Sonntag, 1.5.2022

Um 8:30 Uhr am Morgen des 1. Mai regnet es in Glastonbury bei 9 °C .  

Der Versuch, der Reiseleiterin einen weiteren Besuch in der Stadt schmackhaft zu machen, um sie anschließend zu einer neuerlichen Putzrunde in der Küche anzuregen, scheitert erwartungsgemäß. Sie hat von gestern noch mehr als genug zu verarbeiten, sodass sie auch die Aussicht auf Muskelmänner mit Maibäumen nicht aus ihrer Blockadehaltung lösen kann. Und selbst, wenn es die Mannsbilder wert wären, bestünde die Gefahr, dass sie im übrigen Auftrieb nur eine Statistenrolle hätten. Es gibt also keine Neuauflage der gestrigen Suche nach Schwingungen.  

Auf dem Campingplatz ist dagegen alles in Aufruhr und Aufbruch. Wer noch nicht maskiert ist, holt es noch schnell nach, wie jener junge Mann, der im Waschhaus steht und sich Gesicht und Haare grün schminkt. Der Chronist verzichtet auf die Frage, ob er als Meerjungmann oder als Wasserleiche auftreten möchte.  

Wir regeln die letzten Dinge in Glastonbury bei Regen und fliehen aus der Stadt. Dabei könnte es sich der Chronist so gut vorstellen, heute, am 1. Mai, auch das „Moorhuhn Anne" und „die Stimme" aus dem Woolpack Inn anzutreffen; die müssten sich noch nicht einmal verkleiden. Aber die Reiseleiterin muss weg, sonst droht ihr ein Schreikrampf.  

Um 10:45 Uhr ist es so weit. Gleich nebenan bei TESCO gehen wir einkaufen und tanken den Franz mit 54 l à 1.77,9 £ voll.  

Um 12:25 Uhr fahren wir in Bath auf den Besucherparkplatz des The Globe Inn [N 51° 23' 08,7'' W 002° 25' 53,9'']. Es hat 11 °C bei leichtem Regen.  

Dieser Parkplatz ist ideal als Sprungbrett mit dem Bus in die Stadt. Man muss nur das Kennzeichen im Pub registrieren und kann dann kostenlos stehen. Offiziell wird man noch nicht einmal aufgefordert, dort zu essen, auch wenn man es erwartet, aber die Registrierung scheint notwendig geworden zu sein, weil die halbe Welt diesen Parkplatz benutzt und verstopft hat. So hat man wenigstens eine gewisse Kontrolle über das Parkgeschehen.  

Den Nachmittag verbummeln wir mit Nichts und unserer Doku. Es bleibt weiterhin sehr grau, aber der Regen hält sich nun zurück.  

Um 19 Uhr gehen wir ins Globe Inn essen. Es ist Sonntag und somit Zeit für ein weiteres Sunday Roast. Gin als Aperitif hat sich bestens bewährt, weshalb wir auch hier nicht von dem guten Brauch Abstand nehmen. Der Sonntagsbraten ist heute ein Fleischtrio aus Lamm, Truthahn und Rind mit allen einschlägigen Beilagen. Aus dem Puddingmenü wählen wir Amaretti & Blackberry Eton Mess sowie eine Vanilla & Orange Creme Brulée. Ein Cider, ein Bier und zwei Whiskey komplettieren das Menü, für das wir 72 £ bezahlen. Unserem Füllgrad nach zu schließen hätten es eigentlich 172 £ sein müssen. Mannometer, wie die Engländer das nur immer wegstecken.  

Um 21 Uhr sind wir zu nichts mehr zu gebrauchen und legen uns flach. Wer meint, dieser Tag hätte nichts gebracht, der weiß nicht, wie erfüllt ein Tag mit einem solchen Sonntagsbraten sein kann.