Sonntag, 29.5.2022

Um 7:30 Uhr rollen wir heute schon aus dem Tor von Lough Ree Camping, nichts regt sich um uns, irgendwie gespenstisch so ein regloser Campingplatz am frühen Morgen, vor allem einer, dem es tagsüber an Leben gewiss nicht mangelt. Es ist wolkig bei 9 °C.  

Damit wir unser Ziel heute erreichen, müssen wir dem Franz noch dringend eine Dieselinfusion verpassen, was wir auch gleich erledigen; 70 l schluckt der Specht, jeden für 1.90,8 €, was eine Getränkerechnung von 133 € zur Folge hat.  

Um kurz nach 9 Uhr sind wir dann im Canine Country Club [N 53° 16' 13,7'' W 006° 37' 44,2''], nahe Sallins, wo wir schon von Laszlo, einem Ungarn erwartet werden, der uns einen Parkplatz hinter dem Wohnhaus zuweist. Hausherr ist Mick, landauf und landab bekannt und beliebt für seine hervorragend geführte Hunde- und Katzenpension, außerdem ist er der bedeutendste Hovawartzüchter Irlands (Micona). Heddas neue Freundin Izzy von Britta und Mathijs stammt ebenfalls aus seiner Zucht, weswegen die beiden ihrem Liebling nichts zumuten, wenn sie sie hierher geben: Izzy ist hier zuhause und freut sich über jeden Aufenthalt bei Mick.  

Heute steigt hier die jährliche Club Show des Hovawart Clubs of Irland, zu der wir von Britta, Mathijs und Mick eingeladen wurden, eine Einladung der wir nur zu gerne folgen. Da es in Irland kaum mehr als 50 Hovawarte gibt, die meisten aus Micks Kennel, ist frisches Blut natürlich gern gesehen.  

Um 11 Uhr beginnt die Ausstellung, an der Fianna in der Veteranenklasse und Hedda in der Offenen Klasse teilnimmt, weil es in Irland keine Gebrauchshundklasse gibt, nachvollziehbar bei so wenigen Hunden, wo diese Klasse doch schon bei uns immer sehr dünn besetzt ist.

Die Stimmung während der Veranstaltung ist so, wie wir sie erwartet haben, seit wir die Iren täglich erleben dürfen: liebenswert, harmonisch, immer freundlich und um kein Lachen verlegen. Innerhalb weniger Minuten kennen wir alle und alle uns, wissen, woher sie kommen und was sie treiben, tauschen Hundebedeutendes aus und haben nie das Gefühl Fremdkörper zu sein. Schnell wenden sich die Gespräche von den Hunden ab und Alltäglichem zu. Wir sind da und dabei und gehören jetzt einfach dazu, wir sind nicht fremd, aber auch nicht besonders, keine bunten Hunde, die man hofieren oder besonders beäugen muss. Wir fühlen uns pudelwohl, wenn man das unter lauter Hovawartleuten sagen darf. 

Neben uns Fremdlingen haben, wie schon erwähnt, Ungarn den Weg hierher gefunden und auch zwei Finninnen, darunter die Züchterin des finnischen Zwingers Hayaklause. Es geht sehr international zu im Country Club zu Sallins, am Ufer des kleinen Flüsschens Morell und nur knappe 30 Kilometer vom Zentrum Dublins gelegen.  

Und ausgestellt wird natürlich auch, deswegen kommt man ja hier zusammen. Insgesamt sind heute immerhin 30 Aussteller am Start.

Fianna zeigt sich von ihrer besten Ausstellungsseite und wird in der Veteranenklasse Dritte. Hedda himmelt ihr Frauchen an und tänzelt wie ein Lipizzaner, aber es reicht auch bei ihr nur um dritten Platz. Da in beiden Klassen nur jeweils drei Vertreterinnen am Start waren, liegt es am Wohlwollen des Lesers, wie er diese dritte Plätze einordnet. Eines ist jedenfalls sicher: Das Mutterland des Hovawarts hat nicht immer und überall die schönsten Hunde am Start, aber zweifellos die besten; so viel Stolz sind wir unseren Mädels schon schuldig, schließlich durften sie ja nicht zeigen, was sie im Schutzdienst draufhaben. Und schön sein kann doch jeder.

Aber in der Paarklasse, eine Klasse, die es bei uns selten gibt (Mutter/Tochter etc.), wachsen die Mutter und ihre Tochter fast über sich hinaus, zeigen, dass sie als Team unschlagbar sind, fast unschlagbar, denn sie erlaufen sich den zweiten Platz. Damit jetzt keine Spötteleien hinter vorgehaltener Hand vertuschelt werden: Nein, es sind nicht nur zwei Paare am Start, sondern fünf. Und falls sich jemand wundert, wie zwei, die jeweils, je nach Interpretation, nur Dritte oder Letzte wurden, jetzt plötzlich die Konkurrenz (fast) abhängen, dann liegt das daran, dass ein gutes Team eben immer mehr ist als nur die Summe der Einzelteile. Und die beiden sind ein – fast – unschlagbares Team!

Das Wetter spielt an diesem so schönen Tag auch einigermaßen mit; meist ist es irisch schön, aber ein bisschen Regen muss schon dabei sein. Aber wen stört das in diesem Land schon? Nach überstandener Depression noch nicht einmal mehr uns.  

Damit sich niemand am Hundefutter vergreifen muss, haben die beiden Finninnen ein finnisches Buffet hergezaubert, das allen Ansprüchen der Gourmet-Gastronomie gerecht wird. Nun gehen die Plaudergeräusche für kurze Zeit in Schmatz- und Schluckgeräuschen über, gewinnen aber bald wieder die Oberhand, weil ja noch längst nicht alles gesagt wurde, was unbedingt gesagt oder gefragt werden muss. Und so plaudern wir, bis uns der Kuckuck zum dritten Mal zum Aufbruch gerufen hat; es muss geschieden sein, auch wenn es wehtut. Die Finninnen stecken uns noch zwei Packungen echtes, schwarzes und deftiges finnisches Brot zu, weil man ja von dem Inselbackwerk Zahnfäule bekäme. Danke, das nehmen wir sehr gerne an, und auch die zwei Säcke Hundefutter für unsere Mädels, die gerne wieder einmal etwas anderes serviert bekommen als Discounterfutter. 

Wir danken Britta, Matthijs und Mick sehr herzlich für diesen unvergesslich schönen und erinnerungswürdigen Tag. Und wir danken allen anderen für ihre Gastfreundschaft und Wärme, die den Iren wohl in die Wiege gelegt wird, damit sie dem Wetter etwas entgegenzusetzen haben.  

Um 18:45 Uhr reißen wir uns los und fahren wieder nach Westen, allerdings nicht weit, nur schwache 20 Kilometer bis Robertstown, wo wir uns um 19:15 Uhr in der Lowtown Marina auf den Grand Canal Way für die Nacht stellen [N 53° 16' 30,2'' W 006° 50' 05,9''].

Hier steht man ziemlich abseits, gut und ungestört. Im Kanal dümpeln die verzurrten Schiffe, von denen bestimmt einige ihren Liegeplatz nie mehr verlassen werden, jedenfalls können wir uns das nicht vorstellen. Als Hausboote können sie durchaus bestehen, wenn man am diskreten Charme der Agonie Gefallen findet.  

Zu essen brauchen wir heute nichts mehr, aber das von Mick gespendete Guinness fühlt sich allein gelassen und verlangt nach Gesellschaft.