04.05.2019 – ZTP in Schleiz: Zwei Ohrfeigen und ein Jubelschrei

0P8A4059 1 250Winter-ZTP in Schleiz im MaiAm 4. Mai treten Hedda und ihre Schwester Halina, sowie ihre Halbschwester Gundel zur Zuchttauglichkeitsprüfung (ZTP) im thüringischen Schleiz an. Um es kurz zu machen: Am Ende jubelt nur Halina.

 

 

 

Es wäre nun ein Leichtes, Heddas und Gundels ungenügende Vorstellung dem winterlichen, nassen und also ganz und gar nicht frühlingshaften Wetter zuzuschreiben. Doch so weit wollen und dürfen wir nicht gehen. Die Probleme sind hausgemacht, zumindest in Heddas Fall müssen wir das einräumen. Die Wahrheit muss auch unter Frust ihren privilegierten Platz behalten.

0P8A4096 1 250Beisswurst gefundenWie alle, muss auch Hedda als Erstes die Erscheinungsbildbeurteilung über sich ergehen lassen. Dabei äußert sie bereits ein erstes Missfallen bezüglich Männerbekleidungen: Schwere, bodenlange Mäntel, und seien sie der Witterung noch so angemessen, gehören nicht in ihr aktuelles Modeschema. Folgerichtig bringt sie dem Körmeister Heiko Drechsler ausgeprägtes Misstrauen entgegen. Der zwar eingemummelten, aber ihren Modevorstellungen offenbar angemessen bekleideten Körmeisterin Bea Holder begegnet sie dagegen mit unverstelltem Wohlwollen.

Ein erster Performance-Stopp ergibt sich durch eine Unregelmäßigkeit an Heddas äußerstem Rutenende: ein winziger Knubbel, der nun minutenlang durch körmeisterliche Finger gleitet und erst mit der Auflage einer tierärztlichen Röntgendiagnose wieder freigegeben wird. (Was immer der Knubbel war, weder bei der Wurfabnahme, noch bei der NZB oder JB war er in Erscheinung getreten und ist zwischenzeitlich auch wieder weg). Hedda wirkt bereits sichtbar unterbeschäftigt und missgelaunt.

In der Folge gerät ihr Behang, genauer: ihr rechtes Ohr in den Fokus richterlicher Aufmerksamkeit. Es liegt nicht korrekt an. Es ist kein Blumenkohlohr und auch kein Stehohr: Es liegt einfach nicht ganz korrekt an. Minutenlang dreht sich die Welt nun um Heddas Ohr, zigmal wird ihr ein Quietschie vor die Nase gehalten, um, je nach Ansicht, eine korrekte oder unkorrekte Reaktion des inkriminierten Ohres auszulösen. Die Zeit scheint still zu stehen, 15 Minuten gehen ins Land und kreisen um ein einziges Ohr, bis man letztendlich zu der Entscheidung kommt: Ein nicht korrekt anliegendes Ohr führt nicht zum Zuchtausschluss, sondern zu einer Auflage bei der Wahl des Partners.

0P8A4110 1 250Beutespiel - das ist nach Heddas GeschmackHedda ist fürs Erste erlöst und darf nun ihre erzwungene Tatenlosigkeit in Tatkraft umsetzen. Die Wesensüberprüfungen auf dem Platz arbeitet sie makellos ab und zeigt sich irgendwie befreit, so befreit, dass sie bei der Beuteüberprüfung den Helfer Thomas Feldbusch zur Strecke und zu Boden bringt. Neutrale Beobachter machen dafür das schmierige Geläuf verantwortlich, wir sind überzeugt, dass sie auf diese Weise ihren Unmut kundtut.

Im Parcours macht sie ihre Sache so gut, wie sie es schon bei der Jugendbeurteilung gezeigt hat. Beim "Pilzesammler" ist für sie dann allerdings das Maß voll: Wieder ein Mann mit bodenlangem Mantel! Bodenlos! Mit ihm will sie sich nicht mehr arrangieren, ihm will sie die Hand nicht zur Versöhnung reichen. Keine friedensstiftende Maßnahme will sie gelten lassen: sie tanzt herum, bellt und mag sich von dem Menschen auch nicht anlangen lassen. Sie kommt nicht zur Ruhe und lässt sich nicht beruhigen. Ende. Abbruch. Nicht bestanden.

Wir wissen: Es ist unsere Schuld. Wir hätten es wissen müssen – und wir haben es geahnt. Hedda ist mit zwei Jahren und drei Monaten derzeit nicht Fisch und nicht Fleisch. Sie zeigt seit geraumer Zeit Unsicherheiten, die ihr und uns bislang völlig fremd waren. Dazu kommen gerade zurückliegende acht Wochen mit unserem I-Wurf, der sie mental sehr herausforderte und ihr offenbar mehr abverlangte als sie bewältigen konnte. Zu alldem muss sie sich mit einem neuen Schutzdiensthelfer auseinandersetzen, der, rein vom Format, das Doppelte auf den Platz bringt als sein Vorgänger und ihr in ihrer gegenwärtigen Verfassung mental kräftig zusetzt. Ziemlich viel auf einmal. Wir können auch nicht ausschließen, dass Hedda die Situation mit dem Schutzdienst verwechselte, die Dinge nicht auseinanderhalten oder richtig zusammenbringen konnte; jedenfalls lief bei ihr irgendetwas gewaltig unrund. Und wir hätten es wissen können. Aber gegen alle Vernunft und den Warnungen an der Wand trotzend haben wir ihr diese Prüfung zugemutet – weil unser Kalender keinen Raum für einen späteren Termin in diesem Jahr hergab. Wir hatten Vorahnungen, stellten aber das Vertrauen in Hedda über die Erkenntnis, dass nächstes Jahr auch noch ein Jahr sein wird. Erzwingen kann man nichts, auch nicht, wenn man in unerschütterlichem Vertrauen auf die mentale Stärke seines Hundes setzt. Jetzt heißt es: Scherben einsammeln. Wieder einmal bleibt uns nur, Brecht zu zitieren:

Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen
Den Vorhang zu und alle Fragen offen.

 

0P8A4249 1 250Gundel bei der ErscheinungsbildbeurteilungHeddas Halbschwester Gundel sieht sich keinem Ruten- oder Ohrentribunal ausgesetzt, marschiert souverän durch die Leibesvisitation und löst auch die Wesensüberprüfung auf dem Platz ohne Makel. Den Parcours bewältigt sie ebenfalls routiniert – bis zum "Pilzesammler" Nein, wir versichern, es liegt nicht an Ralph Marcinczak, der unter diesem langen Mantel und dem Schlapphut steckt; offenbar leiden Hedda und Gundel unter einer Aversion gegen Mantel- und Degenhelden, möglicherweise haben sie sogar heimlich zu viel Dracula-Filme geschaut. Jedenfalls ist auch für Gundel an dieser Stelle Ende der Vorstellung. Wir bedauern das sehr und suchen eine Antwort auf die Frage, was unsere Mädels gegen Männer mit langen Mänteln haben.

 

0P8A4204 1 250Halina mit den GespensternZum Glück trifft das nicht auf alle zu, jedenfalls gilt es nicht für Halina. Sie marschiert durch die ZTP, als ob sie allen zeigen wollte, wie man das macht. Ausgerechnet Halina, die gerne mal mit deutlich zugespitzteren Nerven durchs Leben geht, zeigt sich von ihrer ganz coolen Seite und macht damit nicht nur ihre Leute stolz und glücklich, sondern auch uns. Wir freuen uns nämlich ganz aufrichtig mit euch, gratulieren von Herzen und warten gespannt ab, ob es in Hohenpeißenberg demnächst eine neue Generation Bergfexen gibt.